1. “Das Gegenteil von Fachkräftemangel ist Massenarbeitslosigkeit”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Im Interview mit dem “journalist” widerspricht der Arbeitsmarktforscher Enzo Weber düsteren Szenarien, die einen massiven Beschäftigungsabbau durch Künstliche Intelligenz prognostizieren. Historisch habe Automatisierung stets zu höherer Produktivität, neuen Märkten und veränderten Jobprofilen geführt. Für den Journalismus bedeute dies, dass generative KI standardisierte Routineaufgaben wie einfache Textfassungen und Datensammlungen übernehme. Dadurch ergäben sich Freiräume für tiefere Recherche, Einordnung und anspruchsvolle Formate. Um nicht abgehängt zu werden, komme es auf Eigeninitiative und kontinuierliche Weiterbildung an.
2. Auf dem Schleichweg: So tarnt Wolfgang Fellner Werbung als Journalismus
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Eine Recherche von “Kobuk” und “Dossier” zeige, dass die Mediengruppe von Wolfgang Fellner (“Österreich”, “oe24”) verbotene Schleichwerbung systematisch als Erlösmodell nutze. Bezahlte Inhalte von Werbekunden seien in Print, TV und online als regulärer Journalismus getarnt worden. Weil Bezirksbehörden und Polizei oft nicht wüssten, wie sie mit dem Thema umgehen sollen, bleibe der Rechtsbruch weitgehend sanktionslos. Experten und der Rechnungshof würden daher Reformen sowie eine Bindung der Presseförderung an echte Unabhängigkeit fordern.
3. Tschechiens Sender sehen schwarz
(taz.de, Florian Bayer)
In Tschechien seien rund 3.600 Beschäftigte der öffentlich-rechtlichen Sender ČT und ČRo in einen 24-stündigen Streik getreten, flankiert von landesweiten Demonstrationen mit Zehntausenden Menschen. Sie würden gegen Pläne der rechtsgerichteten Regierungskoalition unter Andrej Babiš protestieren, die Rundfunkgebühren abzuschaffen und die Budgets der Sender um 15 Prozent zu kürzen. Kritiker und Opposition würden vor dem Verlust journalistischer Unabhängigkeit warnen und Klage vor dem Verfassungsgericht ankündigen.
4. Theater und Journalismus: Vom Kennenlernen zum gemeinsamen Arbeiten
(correctiv.org)
Mit der Initiative “Theater und Journalismus” hätten “Correctiv” und das Schauspiel Köln ein Netzwerk gestartet, das investigative Recherche und darstellende Kunst verbinden soll. Bei einem Auftakttreffen in Berlin hätten Journalisten, Dramaturginnen und Regisseure das Spannungsfeld zwischen Fakten und künstlerischer Freiheit ausgelotet. Angestrebt würden gemeinsame Formate wie Bühneninszenierungen von Recherchen. Ein Folgetreffen Mitte Dezember in Köln soll konkrete Stoffe weiterentwickeln.
5. Jenseits von “Community”: Gemeinschaftsmedien neu gedacht
(de.ejo-online.eu, Carol Azungi Dralega)
Das Fachbuch “Media on the Margins in South Africa” hinterfrage die Verklärung von Gemeinschaftsmedien und analysiere deren reale materielle Zwänge. Am Beispiel Südafrikas zeige sich, dass Medien in armen Regionen unter chronischer Unterfinanzierung und staatlicher Einflussnahme leiden. Zudem bedeute Nähe nicht automatisch Relevanz. Bei Bürgerradios würden Nachrichten unter zehn Prozent des Programms ausmachen, während Printtitel vor allem die Themenfelder Sport und Kriminalität bedienen würden.
6. Warum schreibt der Spiegel-Chef in harten Zeiten einen Roman? Kritik aus dem eigenen Haus
(kress.de, Markus Wiegand)
Die Veröffentlichung von Dirk Kurbjuweits elftem Roman “Lillas Leben” sorge für internen Unmut beim “Spiegel”. Bei kress.de kommentiert Markus Wiegand: “Zwischen 2018 und 2023, als er den Großteil des Buchs geschrieben haben will, war Kurbjuweit Leiter des Hauptstadtbüros, also eine Führungskraft. Man kann ihn nur dazu beglückwünschen, dass diese Tätigkeit in Berlin und sein aktueller Job als ‘Spiegel’-Chefredakteur ihn nicht bei seiner Autorentätigkeit behindert haben.”
