Menschen als Katastrophen, Mehr als ein Sieg, Frau­chens Restau­rant­kritik

1. Ceuta: Menschen als Katastrophen
(mdr.de, Antonia Groß)
Antonia Groß übt in ihrer Medienkolumne scharfe Kritik an der Berichterstattung über den massenhaften Grenzübertritt in die spanische Exklave Ceuta. Viele der Menschen seien offenbar durch gezielte Falschinformations-Kampagnen auf Social-Media-Plattformen getäuscht worden. Anstatt das Schicksal dieser Personen und die tatsächlichen Hintergründe in den Vordergrund zu rücken, würden politische Spekulationen und gegenseitige Schuldzuweisungen den medialen Diskurs bestimmen. Außerdem hätten sich zahlreiche deutschsprachige Medien einer entfesselten Bild- und Metaphernsprache (“Invasion”, “Grenzsturm”, “Strom”) bedient.

2. KI-Test: So einfach lassen sich Nachrichten mit ChatGPT und Co. fälschen
(correctiv.org, Max Bernhard & Kimberly Nicolaus)
Eine Recherche von „Correctiv“ zeigt, dass gängige KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Copilot trotz bestehender Richtlinien ohne große Hürden gefälschte Nachrichtenbeiträge mitsamt echten Medienlogos (wie dem der “Tagesschau”) generieren. Besonders bedenklich habe OpenAI mit ChatGPT agiert. Der Chatbot habe täuschend echte Screenshots im Design bekannter deutscher Medienmarken geliefert.

3. Wenn die Lüge Wirkung zeigt
(medientage.de, Cathrin Hegner)
Eine experimentelle Studie der Universität Würzburg um die Psychologin Lara Grohmann zeige, dass Politikerinnen und Politiker von der sogenannten “Lügner-Dividende“ (Liar’s Dividend) profitieren können, indem sie authentische Videobeweise für eigenes Fehlverhalten fälschlicherweise als KI-generierte Deepfakes abtun: “Da in Bezug auf KI-generierte Videoinhalte in den sozialen Medien Verunsicherung herrscht, kann es sein, dass man in bestimmten Situationen eher bereit ist, der Deepfake-Behauptung zu glauben. Sie bietet zumindest für den Moment Orientierung und eine Chance, Verunsicherung durch Heuristiken aufzulösen.” Im Interview erklärt Grohmann die Hintergründe.

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4. Frau­chens scharfe Restau­rant­kritik auf Ins­ta­gram ist erlaubt
(lto.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main habe entschieden, dass die emotionale und zugespitzte Kritik einer Hundehalterin an einem Restaurant rechtmäßig gewesen sei. Der Dackel der Frau habe im Gastraum des Lokals Schädlingsköder gefressen und sei in einer Tierklinik behandelt worden. Daraufhin habe die Halterin dem Betrieb auf Instagram unter anderem ein “massives Sicherheits- und Hygieneversagen” vorgeworfen. Das OLG werte diese Angaben als zulässige Meinungsäußerung im Rahmen eines konkreten Einzelvorfalls.

5. OLG erlaubt Veröffentlichung aller Weißmann-Chats: Mehr als ein Sieg des Falter
(falter.at, Florian Klenk)
Das Oberlandesgericht Wien habe in einer Grundsatzentscheidung zugunsten der österreichischen Wochenzeitung „Falter“ entschieden, dass Originalzitate aus privaten Chatprotokollen des ehemaligen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann veröffentlicht werden durften. „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk kommentiert in eigener Sache: “Wer die Wahrheit einer öffentlichen Darstellung überprüfen will, braucht Zugang zu den Belegen. Und manchmal bedeutet das eben auch, Chats zu sehen, die wir lieber nicht so genau hätten sehen wollen.”

6. Ein unablässiges In-sich-selbst-Herumgraben
(taz.de, Valérie Catil)
Hollywood-Produktionen seien zunehmend besessen von psychischen Traumata und dem individuellen Blick nach innen, schreibt Valérie Catil in ihrer „taz“-Kolumne. Dadurch würden strukturelle gesellschaftliche Ursachen ausgeblendet. Wie Catil ausführt, suggeriere das wiederkehrende Narrativ einer ständigen Selbstoptimierung durch Aufarbeitung der eigenen Psyche, dass jegliches Leid rein subjektiv gelöst werden müsse. So würden globale wie auch systemische Belastungsfaktoren (etwa wirtschaftlicher Druck, politische Krisen oder patriarchalische Strukturen) entpolitisiert.

Ceuta-Vorgeschichte, Interaktives Theater, Schlechter Lernfortschritt

1. Marokko sieht die Schuld bei Sozialen Medien
(tagesschau.de, Stefan Ehlert)
Nach dem Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta habe Marokkos Innenministerium Stellung bezogen und die Verantwortung vor allem auf gezielte Falschinformationen im digitalen Raum zurückgeführt. Wie ARD-Korrespondent Stefan Ehlert berichtet, seien den Ereignissen Aufrufe und Kampagnen auf TikTok, Facebook und Instagram über eine vermeintlich mühelose Einreise vorausgegangen.

2. Keine Gel­dent­schä­d­i­gung wegen Arti­kel­serie über Helene Fischers Mut­ter­schaft
(lto.de, Xenia Piperidou)
Der Bundesgerichtshof habe entschieden, dass die Veröffentlichung einer sechsteiligen Artikelserie mit heimlich aufgenommenen Babyfotos von Helene Fischer in verschiedenen Magazinen desselben Verlags zwar rechtswidrig gewesen sei, der Sängerin jedoch kein Anspruch auf Geldentschädigung zustehe. Eine Entschädigung bei mehreren weniger schweren Eingriffen setze eine “wiederholte und hartnäckige” Verletzung des Persönlichkeitsrechts voraus. Da alle betroffenen Artikel erschienen seien, bevor dem Verlag die erste einstweilige Verfügung zugegangen sei, habe es an dieser Voraussetzung gefehlt, so das Gericht.

3. Frühes Social-Media-Konto = schlechtere Schulleistung?
(spiegel.de)
Eine im Fachblatt “Nature Human Behaviour” veröffentlichte Studie der Universität Milano-Bicocca zeige, dass Jugendliche, die bereits ab der sechsten bis achten Klasse ein Social-Media-Konto besitzen, in standardisierten Leistungstests in Mathematik und der Muttersprache signifikant schlechter abschneiden als Mitschüler, die mindestens bis zur neunten Klasse (circa 14 bis 15 Jahre) damit warten. Dieser Leistungsunterschied entspreche laut Experten dem Lernfortschritt eines halben Schuljahres.

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4. Über Trauma sprechen: Interaktives Theater bereitet Journalismusstudierende vor
(de.ejo-online.eu, Glenda Cooper)
Die interaktive Methode des Forumtheaters lasse sich wirksam einsetzen, um Journalismusstudierende auf die emotionale und ethische Belastung von Trauma-Interviews vorzubereiten. Eine Begleitstudie zu mehrjährigen Workshops zeige, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Rollenspiele und einen Perspektivwechsel nicht nur vorgefasste Vorurteile hinterfragen, sondern auch praktische Empathie und Vertrauen aufbauen können. Der geschützte Raum helfe den Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten, sensible Interviewtechniken zu entwickeln.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 259
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christina Elmer)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche schlägt einen Bogen von anstehenden Fachveranstaltungen bis hin zu medienpolitischen Entwicklungen. So stehe im September die 10. SciCAR-Konferenz in Dortmund an, die sich mit datenbasiertem Journalismus, KI-Anwendungen und der Kooperation zwischen Wissenschaft und Medien befasse. Zudem thematisiert der Newsletter aktuelle Stipendienprogramme für Lokal- und Klimarecherchen, Warnungen vor veränderten US-Visabestimmungen für ausländische Medienschaffende sowie neue Fortbildungs- und Unterstützungsangebote.

6. News-Charts: Wer Ikkimel vom TikTok-Thron verdrängte
(dwdl.de, Simon Pycha)
Bei “DWDL” hat Simon Pycha die aktuellen News-Charts auf TikTok zusammengestellt: Die “Tagesschau” habe sich in der Juli-Analyse der meistgesehenen journalistischen TikTok-Accounts den ersten Platz gesichert. Auf den Plätzen zwei und drei folgen RTL West sowie “ZDFheute”. Neben dem Jugendwort des Jahres seien im Juli vor allem Blaulichtreportagen, Warnungen vor Vibrionen und Beiträge zu neuen Geldschein-Designs die reichweitenstärksten Themen gewesen.

Eingeschränkte US-Visa, Neue KI-Labels, Bahn fordert Löschung

1. US-Regierung schränkt Journalistenvisa ein
(verdi.de)
Die US-Regierung unter Donald Trump schränke die Aufenthaltsbestimmungen für ausländische Journalistinnen und Journalisten massiv ein. Nach einer Neuregelung des Heimatschutzministeriums sollen die bisher bis zu fünf Jahre gültigen Journalistenvisa (I-Visa) auf eine Höchstdauer von maximal acht Monaten verkürzt werden. Die Europäische Journalistenföderation verurteile diese administrative Einschränkung als willkürlichen Druck auf die Pressefreiheit.
Weiterer Lesetipp: Trump startet extrem teuren Premiumzugang zu seinen Social-Posts: “Auf Truth Social verbreitet Donald Trump viel Unfug, aber immer wieder auch börsenrelevante Ankündigungen. Den schnelleren Zugang zu seinen Posts lässt er sich jetzt bezahlen – und zwar fürstlich.” (spiegel.de)

2. Was die neuen KI-Labels bringen und was nicht
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Mit dem Inkrafttreten weiterer Teile der EU-KI-Verordnung (AI Act) gelten ab sofort neue Kennzeichnungspflichten für synthetisch erzeugte Inhalte. Anbieter sowie professionelle Nutzerinnen und Nutzer seien verpflichtet, KI-generierte Texte, Bilder, Videos und Audioformate auszuweisen sowie maschinenlesbare Markierungen einzubinden. Ausgenommen würden lediglich private Nutzungen, bloße Editierfunktionen und offensichtlich fiktive Formate bleiben. Das Ganze habe jedoch seine Lücken, sagen Experten.

3. Bahn fordert Löschung der ZDF-Doku mit Dunja Hayali
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Streit zwischen der Deutschen Bahn und dem ZDF eskaliere. Der Konzern fordere, die Dokumentation “Unsere Bahn: Geliebt, verflucht – und gefährlich?” aus der Reihe “Am Puls mit Dunja Hayali” vollständig offline zu nehmen und in weiteren Teilen zu überarbeiten. Die Bahn werfe dem öffentlich-rechtlichen Sender vor, wesentliche entlastende Fakten bewusst verschwiegen und somit ein rechtswidriges Zerrbild erzeugt zu haben. Das ZDF sehe dagegen nach bereits vorgenommenen Nachbesserungen keinen weiteren Korrekturbedarf.

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4. KI-Musikanbieter Suno darf urheberrechtlich geschützte Melodien nicht nutzen
(spiegel.de)
Das Landgericht München habe in einem Prozess der Verwertungsgesellschaft GEMA gegen den KI-Musikanbieter Suno entschieden, dass das Unternehmen urheberrechtlich geschützte Melodien von Komponistinnen und Komponisten nicht ungefragt nutzen dürfe. Das Start-up sei zur Unterlassung sowie zu Schadensersatzzahlungen verurteilt worden. Suno habe seine Anwendung unter anderem mit Musikstücken von Boney M. und Alphaville trainiert und einen kostenpflichtigen Lizenzvertrag abgelehnt. Das Urteil sei zwar noch nicht rechtskräftig, gelte jedoch als europaweit wegweisend.

5. Sieg vor Gericht: “Falter” darf alle Weißmann-Chats veröffentlichen
(derstandard.at, Oliver Mark)
Das Oberlandesgericht Wien habe im Rechtsstreit zwischen dem ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann und der Wochenzeitung “Falter” (sowie Journalistin Barbara Tóth) entschieden, dass die Redaktion alle strittigen Chat-Auszüge von Weißmann im Wortlaut veröffentlichen darf. Das Gericht habe die Entscheidung damit begründet, dass das öffentliche Informationsinteresse gegenüber den Rechten einer Person des öffentlichen Lebens überwiege. Das noch nicht rechtskräftige Urteil gelte für den “Falter” als wichtiger Etappensieg im Vorfeld mehrerer anstehender Medien- und Arbeitsrechtsprozesse.

6. BGH stärkt Per­sön­lich­keits­rechte von Promi-Kin­dern
(lto.de, Hasso Suliak)
Der Bundesgerichtshof (BGH) habe die Persönlichkeitsrechte von Kindern prominenter Eltern gestärkt und eine Berichterstattung der “Bild”-Zeitung für rechtswidrig erklärt. Hintergrund sei ein Artikel über eine eskalierte Geburtstagsfeier des 16-jährigen Sohnes eines Medienunternehmers, in dem “Bild” den vollen Namen des Vaters sowie den Namen und das Alter des zum Zeitpunkt der Party noch minderjährigen Sohnes nannte. Das Oberlandesgericht Hamburg habe der “Bild”-Redaktion zunächst recht gegeben, da sich der Sohn den Promi-Status des Vaters anrechnen lassen müsse. Der BGH habe diese Entscheidung nun aufgehoben. Ein Kind müsse sich nicht als Person des öffentlichen Lebens behandeln lassen, solange es nicht selbst die Öffentlichkeit sucht.

KW 31/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Berichten wir falsch über die Klimakrise?
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 27:16 Minuten)
In dieser Folge von “BR24 Medien” thematisiert Sophie Morár die abnehmende Präsenz der Klimakrise im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Hintergrund ist eine aktuelle Studie (PDF) der Initiative Klima° vor acht. Im Studio mit dabei: Lea Dohm, Psychologin und aktiv bei “Psychologists for Future”, Claudia Reiser, Klimajournalistin beim MDR und der ARD-Klimaredaktion, und Özden Terli, Meteorologe und Wettermoderator beim ZDF.

2. Berichterstattung über Waldbrände und Gema vs. Suno AI
(wdr.de, Steffi Orbach, Audio: 43:06 Minuten)
Die WDR5-Sendung “Töne, Texte, Bilder” deckt ein breites Spektrum aktueller Medienthemen ab: ARD-Korrespondent Michael Heussen schildert die Herausforderungen der Berichterstattung vor Ort aus den Waldbrandgebieten in Südwestfrankreich. Musikerin Ella Rohwer ordnet ein noch nicht rechtskräftiges Urteil zugunsten der GEMA gegen das KI-Musikunternehmen Suno AI ein. Außerdem geht es um die EU-Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte und den Einfluss von Künstlicher Intelligenz im israelischen Wahlkampf. Abgerundet wird die Ausgabe durch eine Glosse zum medialen Sommerloch von Philipp Anft.

3. Desinformation: Wie sie unseren Umgang mit Wissen ruiniert
(deutschlandfunknova.de, Romy Jaster, Audio: 53:53 Minuten)
In ihrem Vortrag an der Europa-Universität Viadrina warnt die Philosophin Romy Jaster von der Berliner Humboldt-Universität vor den strukturellen Folgen von Desinformation. Das Problem von “Fake News” beschränke sich nicht nur auf das Erzeugen konkreter Falschannahmen, sondern greife das Wissenssystem als Ganzes an. Durch Strategien wie das gezielte Überfluten des öffentlichen Raums mit Falschinformationen (“Flood the Zone with Shit”) werde die Aufmerksamkeit der Rezipienten überlastet und die Fähigkeit zur begründeten Urteilsbildung untergraben.

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4. Liquid Content: So verändert KI den Journalismus
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 33:41 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” spricht Gastgeber Christian Jakubetz mit Sascha Devigne, Chefredakteur vom regionalen Fernsehsender Studio 47, über das Konzept des “Liquid Content”. Dabei würden gründlich recherchierte journalistische Inhalte nicht mehr starr für ein einzelnes Medium produziert, sondern dank moderner Künstlicher Intelligenz modular und flexibel für unterschiedlichste Zielgruppen und Plattformen aufbereitet: “Es geht um neue Arbeitsweisen, veränderte Berufsbilder und die Frage, wie journalistische Inhalte in einer fragmentierten Medienwelt möglichst viele Menschen erreichen können.”

5. Das goldene Zeitalter? Wie Communitys, Non-Profit-Redaktionen und TikTok den Journalismus prägen (mit Pauline Tillmann)
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 56:29 Minuten)
Bei “This is Media Now” diskutiert Lukas Schöne mit der Journalistin, Gründerin und Trainerin Pauline Tillmann über die Zukunftsfähigkeit und die Qualitätskriterien des modernen Journalismus. Tillmann vertritt die Auffassung, dass das “goldene Zeitalter des Journalismus” trotz des massiven wirtschaftlichen Drucks weiterhin bestehe. Sie plädiert für einen konstruktiven Journalismus, der Betroffene als handelnde Subjekte porträtiert, sowie für den gezielten Ausbau von Community-Formaten und die Nutzung von Plattformen wie TikTok im Lokaljournalismus.

6. Geheime TikTok-Deals enthüllt: Das dreckige Geschäft mit der Aufmerksamkeit
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 30:25 Minuten)
Mats Schönauer enthüllt mutmaßlich illegale Marketingpraktiken und Schleichwerbekampagnen, die sich gezielt an Jugendliche auf TikTok und anderen Plattformen richten: “Ich habe exklusiv Zugriff auf Dokumente bekommen, die zeigen, wie Unternehmen mit Schleichwerbung und Algorithmus-Manipulation die Plattformen und Communities täuschen.” Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

Wetter und Klima in Medien, Mit drei Klicks umgangen, Irrelevante Themen

1. Wir waren doch schon weiter
(taz.de, Ann-Kathrin Leclere)
Trotz häufiger Berichte über extreme Wetterereignisse nehme die Berichterstattung über die Klimakrise in deutschen Medien kontinuierlich ab, kommentiert Ann-Kathrin Leclere. Wie sie in der “taz” unter Berufung auf eine Untersuchung der Initiative “Klima° vor acht” schreibt, habe sich der Anteil der Klimathemen in den Hauptprogrammen von ARD und ZDF seit 2023 mehr als halbiert. Leclere bemängelt, dass strukturelle Zusammenhänge und wissenschaftliche Einordnungen abseits akuter Katastrophen oder politischer Debatten kaum mehr aufgegriffen würden.

2. Klar informiert? Woher die KI ihre Informationen bekommt
(medienanstalt-nrw.de)
Eine aktuelle Studie der Landesanstalt für Medien NRW (PDF) zeigt, dass bereits knapp ein Viertel der Befragten (24 Prozent) KI-Chatbots nutze, um sich über politische Themen zu informieren. Dabei würden die Systeme meist wie klassische Suchmaschinen mit einfachen Stichworten bedient. Die Informationsgrundlage der Antworten bleibe für Nutzerinnen und Nutzer häufig intransparent, da Chatbots wie ChatGPT bei Erstanfragen nur in etwa der Hälfte der Fälle auf aktuelle Webquellen zurückgreifen würden. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien, fordert daher strengere Regulierungs- und Transparenzvorgaben für KI-Anbieter.

3. Constantin Schreiber verlässt Axel Springer schon wieder
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach nicht einmal eineinhalb Jahren ende die Zusammenarbeit zwischen dem ehemaligen “Tagesschau”-Sprecher Constantin Schreiber und dem Axel-Springer-Verlag wieder. Schreiber sei erst im September 2025 als “Global Reporter” für die Berichterstattung aus dem Nahen Osten angetreten, jedoch schon im April dieses Jahres aus familiären Gründen zurück nach Deutschland gewechselt. Nun habe der 47-Jährige seinen endgültigen Abschied von Springer angekündigt, um sich ab 2027 neuen Aufgaben und einer Podcast-Tournee zu widmen.

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4. Mit drei Klicks umgangen: Wieso Österreichs geplante Porno-Sperre zahnlos, aber trotzdem gefährlich ist
(derstandard.de, Peter Zellinger & Andreas Proschofsky)
Peter Zellinger und Andreas Proschofsky berichten im “Standard”, dass der Gesetzesentwurf von Österreichs Medienminister Andreas Babler zur flächendeckenden Altersverifikation auf scharfe Kritik von Experten und Datenschützern stoße. Die geplante Pflicht zur Alterskontrolle für pornografische Seiten und Soziale Medien setze auf das “Doppelblindmodell” oder die ID Austria, die in der geforderten Form technisch nicht ausgereift oder datenschutzkonform nutzbar seien. Zudem sei das Vorhaben juristisch fragwürdig, da der Digital Services Act der EU nationale Sonderregeln untersage.

5. Russland setzt Telegram-Gründer Durow auf die Terrorliste
(spiegel.de)
Der Konflikt zwischen russischen Behörden und Telegram-Gründer Pawel Durow eskaliere: Die staatliche Finanzaufsicht Rosfinmonitoring habe den Unternehmer sowie dessen Bruder Nikolai offiziell auf die Liste der “Terroristen und Extremisten” gesetzt. Dem Schritt sei eine internationale Fahndungsausschreibung durch den Geheimdienst FSB vorausgegangen. Der im Exil lebende Durow habe in Sozialen Medien auf die Maßnahmen gewohnt provokant reagiert.

6. Warum berichten Medien über irrelevante Themen?
(deutschlandfunk.de, Nach Redaktionsschluss, Sascha Wandhöfer, Audio: 35:31 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, warum Medien all zu oft über irrelevante Themen berichten. Es diskutieren DLF-Hörerin Hannah Runken (Pseudonym) und Medienforscher Hektor Haarkötter.

EU bremst Macron, Kennzeichnung für KI-Inhalte, Radikale Transparenz

1. EU-Kommission bremst Macron
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Frankreichs Parlament habe ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren beschlossen, stehe bei der Durchsetzung jedoch vor rechtlichen Hürden. Wie Sebastian Meineck bei netzpolitik.org berichtet, bremse die EU-Kommission den Vorstoß von Präsident Emmanuel Macron in einer Stellungnahme aus. Der Grund sei das EU-Gesetz über digitale Dienste, das bei Plattformpflichten wie strengen Alterskontrollen nationalen Alleingängen entgegenstehe und große Plattformen direkt der EU-Aufsicht unterstelle. Trotz des rechtlichen Dämpfers fungiere der französische Vorstoß als strategisches Druckmittel auf die EU-Kommission.

2. Ab Sonntag gilt eine Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte
(spiegel.de)
Ab kommenden Sonntag gelte in der EU eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte oder -bearbeitete Bilder, Videos und Texte, die professionellen Zwecken dienen. Die EU-Regelung sehe jedoch Ausnahmen für private Social-Media-Accounts sowie für künstlerische und satirische Werke vor. Ein einheitliches Gütesiegel gebe es nicht, weshalb Plattformen wie TikTok oder Instagram weiterhin eigene Labels und Hinweise nutzen können.

3. Radikale Transparenz
(taz.de, Clara Dünkler)
Clara Dünkler schreibt in der “taz” über das Potenzial von Open-Source-Recherchen (OSINT). Durch die forensische Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen können Recherchenetzwerke wie “Bellingcat” sowie internationale Redaktionen ihre Ermittlungsschritte lückenlos offenlegen. Expertinnen wie Manisha Ganguly vom britischen “Guardian” würden jedoch zur Vorsicht mahnen. Die Methode schütze weder vor emotionalisierter Polarisierung im Publikum noch ersetze sie die klassische Recherche vor Ort.

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4. Appell für den Erhalt der Medienfreiheit
(verdi.de, Peter Nowak)
Der vom MDR initiierte “Leipziger Appell” zum Schutz der Presse-, Rundfunk- und Informationsfreiheit erhalte breite Unterstützung von anderen öffentlich-rechtlichen Sendern und Journalistenverbänden wie der dju oder dem Bundesverband Freier Radios. In einem Beitrag fürs Verdi-Medienmagazin “M” analysiert Peter Nowak das Dokument. Obwohl die Erklärung historische Lehren aus dem Nationalsozialismus sowie der DDR ziehe und Bedrohungen durch Plattform-Algorithmen und Populismus anspreche, bleibe sie an entscheidenden Stellen vage.

5. Sarah Tacke: “Ich möchte für mehr Realitätsannäherung sorgen”
(dwdl.de, Torsten Zarges)
Die Juristin und ZDF-Journalistin Sarah Tacke übernimmt ab dem heutigen Donnerstag für fünf Wochen die Sommervertretung auf dem Sendeplatz von Maybrit Illner. Im “DWDL”-Interview mit erläutert sie das Konzept ihrer neuen Sendung: ohne Studiopublikum, aber mit Vor-Ort-Impressionen, Befragungen und einer fokussierten Runde aus Politik, Betroffenen und Experten. In dem Gespräch mit “DWDL” gehe es um kontroverse Diskussionen, Tackes Drang nach Erkenntnis, das Boris-Becker-Prinzip und ihren schicksalhaften Auftritt bei “Anne Will”.

6. Praktikum: Wie klappt der Einstieg in den Journalismus?
(bonjourno.de, Olivia Samnick & Jule Barmwater, Audio: 1:03:27 Stunden)
In einer neuen Ausgabe des Medien-Podcasts “Bonjourno” widmet sich Host Olivia Samnick gemeinsam mit Co-Moderatorin Jule Barmwater vom “medium magazin” den Herausforderungen von journalistischen Berufseinstiegen und Praktika: “Uns gegenüber sitzt jemand mit Erfahrung, denn Zain Salam Assaad hat als Nachwuchsjournalist:in selbst schon einen Praktikumsmarathon hinter sich. Lea Thies gestaltet als Leiterin der Günter Holland Journalistenschule der Augsburger Allgemeinen das Ausbildungsprogramm und nimmt uns mit, worauf es bei Praktika zu achten gilt.”

Jugendwort des Jahres, Heimat der Heuschrecke, Buchvorschüsse

1. Hände weg vom IFG!
(freischreiber.de)
Auch die Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, haben einen Offenen Brief zu den von der Bundesregierung geplanten Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) unterzeichnet: “Sollten die Regierungspläne wie geplant umgesetzt werden, würde Millionen Bürger:innen sowie Journalist:innen und Organisationen das Recht auf Informationsfreiheit verwehrt. Darunter leiden werden: faktenbasierte Berichterstattung, öffentliche Kontrolle, das zivilgesellschaftliche Engagement sowie das Vertrauen in die Politik. Die Demokratie braucht ein starkes IFG!”

2. Wir gehen crashout, wenn Sie diesen Artikel über das Jugendwort des Jahres nicht lesen
(derstandard.at)
Der Langenscheidt-Verlag habe die zehn Finalisten für das deutsche Jugendwort des Jahres 2026 bekannt gegeben. Neben Dauerbrennern wie “Digga” und Ausdrücken wie “Peak”, “Crashout” oder “Schere” hätten es auch Phänomene wie “Gute Käse”, der TikTok-Trend “67” und politische Kampagnengriffe in die Auslese geschafft. Das Wort “Mehrzweckeier” sei wegen beleidigender Bezüge zu Bundeskanzler Friedrich Merz jedoch vom Verlag ausgeschlossen worden. Dazu ein weiterer Lesetipp: Langenscheidt, leck Eier!: “Denkt der Verlag, Jugendsprache ist nicht politisch? Peinlich.” (taz.de, Johannes Drosdowski)


3. Million-Dollar-Baby: Literaturagent Thomas Montasser über die Frage, wie Manuskripte bewertet werden
(buchmarkt.de, Thomas Montasser)
In einem Gastbeitrag lüftet der Literaturagent Thomas Montasser die Logik hinter der Bestseller-Branche und erklärt, warum Buchvorschüsse wenig mit literarischer Qualität zu tun haben. Ausschlaggebend sei primär die betriebswirtschaftliche Verkaufserwartung der Verlage, die wiederum stark von Marketing-Investitionen, Spitzentitel-Platzierungen und früheren Verkaufserfolgen beeinflusst werde. Montasser zeigt auf, wie Algorithmen im Buchhandel diesen Mechanismus noch verstärken.

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4. In der Heimat der Heuschrecke
(kontextwochenzeitung.de, Von Josef-Otto Freudenreich)
Josef-Otto Freudenreich kritisiert den Expansions- und Sparkurs der Ulmer “Neuen Pressegesellschaft”, die beachtliche Teile der baden-württembergischen Presselandschaft unter sich vereint habe: “Die Ulmer ‘Südwest Presse’ feiert sich als Hort des Qualitätsjournalismus. Und mit ihr Minister Manuel Hagel (CDU). Dabei wird immer klarer, dass der neue Monopolist eher auf Kahlschlag und Zombie-Zeitungen setzt.”

5. Die digitale TV-Revolution begann mit einem Fehlschlag
(dwdl.de, Alexander Krei)
Vor 30 Jahren habe Medienmogul Leo Kirch mit DF1 das erste digitale Fernsehen Deutschlands an den Start geschickt und damit unwissentlich den Niedergang seines eigenen Imperiums eingeleitet. Fehlende Exklusivrechte, teure Hardware und eine geringe Zahlungsbereitschaft des Publikums hätten dem Projekt Milliardenverluste beschert. Erst nach der dramatischen Kirch-Insolvenz und Jahre nach der Fusion mit Premiere (heute Sky) habe sich die Digitalisierung des Fernsehens schleppend durchgesetzt.

6. Blogger tyrannisiert: Ebay zahlt über 50 Millionen Dollar
(handelsblatt.com)
Nach jahrelanger juristischer Auseinandersetzung zahle der US-Online-Konzern Ebay im Rahmen eines Zivilvergleichs mehr als 50 Millionen US-Dollar Schadensersatz an ein Blogger-Ehepaar aus Massachusetts sowie an gemeinnützige Organisationen. Grund dafür seien schwere Einschüchterungs- und Belästigungsaktionen ehemaliger Sicherheitsmitarbeiter, die den Verfassern eines kritischen Newsletters lebendige Kakerlaken, einen Trauerkranz sowie eine mit Kunstblut verschmierte Schweinemaske per Post zugeschickt hätten. Auch der damalige Ebay-Chef, der das Vorgehen angeregt habe, zahle drei Millionen US-Dollar an die Betroffenen und eine Medienfreiheitsstiftung.

Straf­ver­fahren als Medie­ner­eignis, Günter Bannas, TikTok-Nonne

1. Wenn ein Straf­ver­fahren zum Medie­ner­eignis wird
(lto.de, Jakob Hoffmann)
In einer Analyse für “Legal Tribune Online” untersucht Jakob Hoffmann die Rolle der Presse im Strafprozess um Unternehmenserbin Christina Block. Live-Ticker, Podcasts und durchgestochene Prozessakten würden die Grenze zwischen Saal und Öffentlichkeit verschwimmen lassen. Hoffmann resümiert, dass Medien für Transparenz im Rechtsstaat unverzichtbar bleiben. Der Fall offenbare jedoch die verheerenden Folgen von Vorverurteilungen und gezielter Öffentlichkeitsarbeit der Prozessparteien.

2. FAZ-Journalist Günter Bannas gestorben
(medien.epd.de)
Günter Bannas, langjähriger Leiter der “FAZ”-Parlamentsredaktion und Politikberichterstatter, ist gestorben. Nach Angaben der “FAZ” habe Bannas in seiner journalistischen Laufbahn mehr als 10.000 Artikel verfasst.
Weitere Lesetipps: In seinem Nachruf schreibt “FAZ”-Herausgeber Berthold Kohler über Günter Bannas: Der Inbegriff der journalistischen Seriosität (faz.net). 2018 hat Bannas sich ein letztes Mal in der “FAZ” zu Wort gemeldet: “Unser Korrespondent hat vier Jahrzehnte lang die deutsche Politik verfolgt. Jetzt geht er in den Ruhestand. Und blickt zurück auf Szenen eines Journalistenlebens.” (faz.net) Etwa zur selben Zeit hat er in einem ausführlichen Interview mit der “taz” über Politikjournalismus gesprochen: “Ich kam mir wie ein Beichtvater vor” (taz.de, Jan Pfaff & Ulrich Schulte).

3. Von großen Umbrüchen und neuen Ideen
(journalist.de, Christoph Sterz)
Christoph Sterz beschreibt das schleichende Siechtum der klassischen Tageszeitung und den beschwerlichen Weg ins Internet. Wo Zeitungen verschwinden, würden lokale Nachrichtenwüsten drohen, in denen oft PR oder Parteipolitik die Informationslücke füllen. Rettung versprächen rein digitale Angebote. Damit solche Modelle überleben können, würden Experten jedoch neue Weichenstellungen fordern, von der Gemeinnützigkeit bis hin zu staatlicher Presseförderung.

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4. HR erzielt Überschuss von 52 Millionen Euro
(faz.net)
Der Hessische Rundfunk habe das Geschäftsjahr 2025 mit einem handelsrechtlichen Überschuss von 52 Millionen Euro abgeschlossen, wie aus dem Ende Juni genehmigten Jahresabschluss hervorgehe. Wie der öffentlich-rechtliche Sender betont, erhöhe dieser rechnerische Überschuss den tatsächlichen finanziellen Handlungsspielraum jedoch kaum. Das Ergebnis sei nämlich maßgeblich von versicherungsmathematischen Zinseffekten und Rücklagen für Pensionsverpflichtungen getrieben.

5. “Jesus wäre definitiv auf Insta”
(taz.de, Joel Schmidt)
In einem Gespräch mit der “taz” berichtet Schwester Josefine Schwitalla über den überraschenden Social-Media-Erfolg des Klosters der Ewigen Anbetung in Osnabrück. Auf dem TikTok-Kanal des Bistums beantworte sie gemeinsam mit Mitschwestern Fragen der Community zu Themen von Klostertraditionen bis zu gesellschaftlichen Streitfragen. Schwitalla betont, dass Transparenz und Einblicke in den Klosteralltag der Entmystifizierung dienen sollen, zieht jedoch klare Grenzen bei der eigenen Privatsphäre und Sexualität.

6. Das Geheimnis hinter der Bruce Willis Stimme – Eine Sync-Legende spricht
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 39:43 Minuten)
Beim Synchron-Podcast “Hollywoodgeflüster” hat Charles Rettinghaus einen Mann zu Gast, den man ausnahmsweise tatsächlich als Legende bezeichnen kann: Den Schauspieler Manfred Lehmann, der Bruce Willis, Gérard Depardieu, Dolph Lundgren und viele weitere Hollywood-Stars synchronisiert hat. “In dieser Folge erzählt der 79-jährige Westberliner von seiner Karriere als Schauspieler und Voice Actor, persönlichen Anekdoten aus Drehset und Studio, Begegnungen mit Klaus Kinski und anderen Legenden, seine Familie im Sync-Geschäft (Tochter Dascha, Schwiegersohn Dennis), und die Zukunft der Branche.”

Kanzleramt vs. Abgeordnetenwatch, Bahn kritisiert ZDF-Doku, Comedy

1. Wie das Kanzleramt gegen abgeordnetenwatch vorgeht
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Die Bundesregierung plane, das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) massiv einzuschränken. Doch bereits jetzt sei der Zugang zu Informationen oftmals erschwert. So erhebt die Organisation “Abgeordnetenwatch” in einem Text in eigener Sache schwere Vorwürfe gegen das Bundeskanzleramt: “Vor Gericht versucht das Kanzleramt schon jetzt, den Zugang zu Unterlagen zu erschweren – und behauptet: abgeordnetenwatch hat seinen eigenen IFG-Antrag gar nicht selbst gestellt.”

2. Deutsche Bahn kritisiert Hayali-Doku im ZDF als “unseriös”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die Deutsche Bahn habe die am Dienstag ausgestrahlte ZDF-Dokumentation “Unsere Bahn: Geliebt, verflucht – und gefährlich?” von Dunja Hayali als “unseriös” und einseitig kritisiert. Der Film klammere Fortschritte aus, beruhe auf unzutreffenden Zahlen und stelle unfaire Vergleiche an. Das ZDF weise die Hauptkritik zurück und betone die journalistische Sorgfalt. Man habe jedoch online in der Streamingfassung nachträglich Korrekturen an Grafiken und Zahlenangaben vorgenommen.

3. Kulturstaatsminister Weimer will europäische Eigentümerstruktur für TikTok
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fordere die Überführung der Social-Media-Plattform TikTok in eine europäische Eigentümerstruktur. Weimer sehe in einem “TikTok Europa” den effektivsten Weg, um europäisches Datenschutz-, Medien- und Jugendschutzrecht gegenüber der chinesischen Muttergesellschaft ByteDance durchzusetzen. Seine Kritik richte sich gegen den uneingeschränkten Zugriff chinesischer Behörden auf die Daten europäischer Nutzerinnen und Nutzer sowie gegen die Gratisnutzung journalistischer Inhalte.

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4. Erfolg für “New York Times” bei Streit mit Trump-Regierung
(taz.de)
Das US-Justizministerium habe nach juristischem Widerstand der “New York Times” (“NYT”) Vorladungen gegen mehrere Reporter zurückgezogen. Die Bundesstaatsanwaltschaft habe versucht, die Journalisten nach Enthüllungen über Sicherheitsmängel an der neuen Präsidentenmaschine von Donald Trump zur Aussage vor einer Grand Jury zu zwingen. Die “NYT” habe den Schritt als rechtswidrigen Einschüchterungsversuch kritisiert. Der zuständige Richter habe mit einer Nichtigkeitserklärung der Vorladungen gedroht, bevor die US-Regierung schließlich eingelenkt habe.

5. Das Comedy-Grundgesetz
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist formuliert in seinem Branchen-Newsletter “Setup/Punchline” 15 Thesen als “Comedy-Grundgesetz”. Er fordert darin, Stand-up-Comedy als eigenständige Handwerks- und Kunstform ernst zu nehmen. Sie müsse nach ihren formalen sowie strukturellen Kriterien und nicht bloß nach moralischen Aussagen oder bloßen Themen bewertet werden. Außerdem kritisiert Hiergeist das deutsche Feuilleton für dessen ahistorisches Verständnis und die reflexhaften Tucholsky-Zitate (“Satire darf alles”).
Weiterer Hörtipp: In Holger Kleins Podcast “Wrint” geht es fast zwei Stunden um “Geschichten aus dem Joke-Bergwerk” mit Bernhard Hiergeist (wrint.de, Audio: 1:44:48 Stunden).

6. Fame & Verlogen – Warum Influencer ständig lügen
(youtube.com, Sashka, Video: 19:52 Minuten)
Die Creatorin Sashka beschäftigt sich mit dem aktuellen Skandal um die Medfluencerin Alina Walbrunn, die auf einen Prank des YouTubers Marvin Wildhage reingefallen sei und für eine erfundene Krankheit (“postvirale nasale Hypersensibilität”) geworben habe. Sashka wertet Walbrunns bisherige Auffälligkeiten als Symptom eines strukturellen Problems in der Influencer-Blase.

KW 30/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Was haben wir gelacht: Humor und Macht in den 90ern
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 28:00 Minuten)
Seit dem 16. Juli läuft der Dokumentarfilm “Was haben wir gelacht” der Regisseurinnen Eva Müller und Isabel Schneider im Kino. Dort berichten fünf Frauen kritisch über das teilweise sexistische Unterhaltungsfernsehen der 90er-Jahre: Maren Kroymann, Gaby Köster, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Hella von Sinnen. Podcast-Host Alexander Matzkeit hat sich mit Regisseurin Eva Müller darüber unterhalten, wie es zu dem Film kam und was sie dabei gelernt hat.

2. Gläserner Staat oder blickdichte Behörde? Streit ums IFG
(ardsounds.de, Jasmin Brock & Johannes Leininger, Audio: 28:24 Minuten)
Bei “BR24 Medien” geht es um die drohenden Beschneidungen des Informationsfreiheitsgesetzes: “Wo kommt das Gesetz her, wofür ist es gut? Was ist die Kritik an der bisherigen Fassung, die die Bundesregierung anführt? Und: Wie steht es eigentlich in Bayern um die Transparenz?” Unter anderem mit Arne Semsrott von “FragDenStaat”, Johannes Schätzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD, und Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag.

3. Anna-Lena von Hodenberg (HateAid) – Wer traut sich noch etwas zu sagen?
(spotify.com, Matze Hielscher, Audio: 1:06:20 Stunden)
Bei “Hotel Matze” ist die Journalistin Anna-Lena von Hodenberg zu Gast, die Mitbegründerin der gemeinnützigen GmbH HateAid ist: “Wir haben in Bochum auf der Bühne vom ‘Gutes Morgen Festival’ über Deepfakes, Shitstorms und Meinungsfreiheit gesprochen – und darüber, warum Hass oft nicht nur verletzen, sondern still machen soll. Am Ende geht es um eine einfache Frage: Was können wir tun, wenn andere angegriffen werden?”

Bildblog unterstuetzen

4. ZDF-Krisenkommunikation und Klassismus im Journalismus
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 43:41 Minuten)
Die aktuelle Ausgabe des WDR5-Medienmagazins “Töne, Texte, Bilder” widmet sich dem Krisenmanagement des ZDF nach der Ausladung der Musiker Danger Dan und Igor Levit aus der 100. “Anstalt”-Sendung sowie den Gefahren und Schutzmöglichkeiten rund um Künstliche Intelligenz. Zudem thematisiert die Folge eine neue Studie zu sozialer Herkunft und Klassismus im Journalismus und betrachtet die Situation des in der Türkei bedrohten Deutsche-Welle-Korrespondenten Alican Uludağ.

5. Mediensucht: Wenn du dein Leben verpasst
(youtube.com, Helena Brinkmann, Video: 29:52 Minuten)
In der Reportage des “Y-Kollektivs” geht es anhand realer Beispiele aus dem Leben um die Grenzen zwischen ungesundem medialem Nutzungsverhalten und echter Mediensucht. Experten und Präventionsberater betonen, dass eine Abhängigkeit vor allem dann vorliege, wenn Alltagsverpflichtungen vernachlässigt werden, das Verhalten verheimlicht wird und bei Verzicht Entzugserscheinungen auftreten.

6. AUS AUS AUS – Das Finale für Andreas Ulrich
(youtube.com, Jörg Wagner & Philipp Nitzsche, Video: 39:47 Minuten)
Die Karriere von Andreas Ulrich ist bemerkenswert: Mehr als 40 Jahre war er Radiomoderator für DT64, MDR Sputnik, den ORB und den rbb. Doch nun habe er (nicht ganz freiwillig) aufhören müssen: Freiberufler dürften beim rbb nur noch bis zum Renteneintritt arbeiten. Jörg Wagner hat einige Momente aus Ulrichs Abschiedssendung zusammengeschnitten.

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BILDblog-Klassiker

neu  

Von Katzen und dummen Menschen

Gestern berichtete “Bild”:

… und okay-okay, im letzten Absatz, ganz am Ende ihrer Berichterstattung hat “Bild” im Vornamen der darin zitierten Tierschützerin “Annelise Krauß” ein “e” vergessen. Aber selbst Anneliese Krauß findet das nicht so schlimm. Allerdings steht ihr Name natürlich nicht nur zum Spaß in “Bild”. Zitiert wird sie dort – und zwar wie folgt:

‘Das ist so schlimm wie grausame Tierversuche’, wettert Annelise Krauß vom Tierschutzverein Dresden.”

Und das sei nun wirklich “Quatsch”, sagt Krauß, wenn man sie fragt. Weil sie nämlich den von “Bild” zitierten Satz weder gewettert noch gesagt habe. Im Gegenteil: “Das wäre ja auch idiotisch,” sagt Krauß, “denn wenn es um tote Tiere geht, dann ist das ja kein Problem des Tierschutzes!” Zusammenfassend sagt uns die Tierschützerin über die Erfindung von Christian Koch (der laut “Bild” ja “aus Katzen Benzin machen” kann):

“Von unserer Seite ist daran nichts auszusetzen.”

Und genau so habe sie das im Übrigen auch zu “Bild” gesagt. (Aber, so Krauß weiter, wenn “der Herr Helfricht”, also einer der Autoren des “Bild”-Artikels, sie anrufe, dann wisse sie schon aus Erfahrung, dass hinterher Sachen in “Bild” stünden, die sie so gar nicht gesagt habe. Das gehe in Dresden schließlich schon über zehn Jahre so, so Krauß. — Und soviel vielleicht nur zum letzten Absatz des obigen Artikels.)

Kommen wir zum Rest, dem Eigentlichen, also darum, dass “Dr. Christian Koch (55) aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen)”, wie es in “Bild” heißt, “aus Katzen Benzin machen” könne: Denn dass die “Benzin”-Überschrift Unsinn ist, verrät schließlich schon der dazugehörige “Bild”-Text selbst, weil darin nur von “Bio-Diesel” oder “Diesel” die Rede ist… Tatsächlich aber hat Koch offenbar eine ungewöhnliche und effektive Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung entwickelt: die katalytische drucklose Verölung (KDV), über die beispielsweise schon der MDR im Mai 2003, 3sat im Juli 2004, die “Welt” im Januar 2005, die “Pirmasenser Zeitung” im Juli, der RBB vergangene Woche oder auch RTL berichteten. Und all diesen Berichten ist eines gemein: dass sie dem Gegenstand, über den sie (durchaus auch kritisch) berichten, gerecht werden.

“Bild” indes nennt Kochs Erfindung einen “Spezialreaktor” und schreibt Sätze wie diesen:

“Die Katzen-Kraft lässt sich theoretisch exakt berechnen: Aus einem ausgewachsenen 13-Pfund-Kater könnten 2,5 Liter Sprit entstehen, vier Miezen würden für 100 Kilometer reichen, für eine Tankfüllung wären 20 tote Katzen erforderlich.”

Und fragt man einfach mal nach bei dem “Mann, der (Stuben-)Tiger in den Tank packen kann” (“Bild”), antwortet Christian Koch, der “Bild”-Bericht habe “nichts mit der Wahrheit zu tun” und sei “zudem grenzenlos dumm”. Koch weiter:

“Wie kann man mit gekochtem tierischen Material Auto fahren? Wasser würde jeden Motor sofort zum Stillstand bringen. Hier wird an die niedrigsten Instinkte von dummen Menschen appelliert, um eine wertvolle Entwicklung zu verunglimpfen. (…) Mir zu unterstellen, dass ich mit Tierkadavern herumhantiere, ist kriminell. Das ist nicht im geringsten der Inhalt der Entwicklung und kann deshalb nur als gezielte Verleumdung angesehen werden.”

Auf der Website von Kochs Firma heißt es zudem inzwischen:

Mit Dank an Jan S. für die Anregung.
 
Nachtrag, 12:15:
“Bild” hat die Sache mit der “Katzen-Kraft” heute noch einmal aufgegriffen:

Darf man aus Katzen wirklich Benzin machen?

Doch wenn es jetzt etwas vorsichtiger als gestern heißt, dass Christian Koch “theoretisch auch aus Katzen” Bio-Diesel herstellen “könnte”, wenn jetzt nicht Koch, sondern ein Konkurrent die gestern von “Bild” aus der Luft gegriffene Skandalisierung zurechtrücken darf, wenn nun auch die gelassene Position der Tierschützer weniger sinnenstellend als gestern wiedergegeben wird und sich im heutigen “Bild”-Bericht immerhin ein einziger halbwegs sinnvoller Satz (“Die Diskussion ist überflüssig”) wiederfindet, dann macht das alles den Nonsens von gestern weder ungeschehen noch besser — und sei es nur deshalb, weil es “Bild” offenbar immer noch nicht gelingen will, zwischen “Benzin” (Überschrift) und “Diesel” (Text) zu unterscheiden…

Mehr dazu hier und hier.