Erstes Yücel-Interview, Scientology-TV, Unsinn über Taiwan

1. „Es liegt an dir, ob sie die Kontrolle über dich bekommen“
(welt.de, Doris Akrap & Daniel-Dylan Böhmer)
Nun ist es da: Das erste Interview mit „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel, gemeinsam mit dessen Frau Dilek Mayatürk Yücel. Das lange Gespräch mit dem Journalisten, der über ein Jahr in der Türkei in Haft saß, haben Doris Akrap von der „taz“ und Daniel-Dylan Böhmer von der „Welt“ geführt. Auch das macht dieses Interview besonders: Akrap und Böhmer sind enge Freunde und Kollegen von Yücel und waren zwei der zentralen Personen bei den Bemühungen um dessen Freilassung.

2. „Bürgerliches Massaker“
(taz.de, Reinhard Wolff)
In Dänemark werden die Öffentlich-Rechtlichen künftig nicht mehr über eine Rundfunkgebühr, sondern steuerlich finanziert. Und, wohl mit noch größeren Auswirkungen: Das Budget von „Danmarks Radio“, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen, soll um ein Fünftel sinken. Die Journalistengewerkschaft des Landes spricht von einem „‚Massaker am dänischen Public-Service.'“ Ebenfalls zum Thema: Silke Bigalke bei Süddeutsch.de mit Ein Fünftel weniger Budget sowie Markus Ehrenberg bei Tagesspiegel.de mit Keine Rundfunkgebühr mehr in Dänemark.

3. Nichts als die Wahrheit
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
In den USA hat die Sekte „Scientology“ seit einer Woche einen eigenen TV-Kanal. Es handele sich dabei um einen Vertreter „einer neuen Sorte von Fernsehsendern: Agenda-Medien, von denen es nicht nur in den USA immer mehr gibt. Letztlich geht es um die Frage, die Pontius Pilatus im Johannes-Evangelium an Jesus richtet: „Was ist Wahrheit?“, so Jürgen Schmieder. Sein beunruhigendes Urteil: „Das Faszinierende ist, dass es funktionieren könnte.“

4. Unwissenheit oder alles egal? In deutschen News kommt Taiwan immer wieder unter die Räder
(intaiwan.de, Klaus Bardenhagen)
Klaus Bardenhagen ärgert sich über Agenturmeldungen von „AFP“ und „Reuters“ zum von Donald Trump unterzeichneten „Taiwan Travel Act“, die mehrere Redaktionen übernommen haben. Er beobachte drei Reflexe „vor allem bei Agenturen immer wieder, wenn es um Taiwan geht“: „Taiwans Demokratie wird ausgeblendet“, „Chinas Aggressionen werden gerechtfertigt“ und „Der Fokus wird auf Trumps vermeintliche Unzurechnungsfähigkeit gelegt“.

5. Ein negatives Stück Fernsehgeschichte
(medienkorrespondenz.de, Carmen Molitor)
Wer erinnert sich noch an den Skandal um die Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt — Der Hass auf Juden in Europa“? Genau: Im Juni vergangenen Jahres weigerten sich „Arte“ und WDR, diesen Film über Antisemitismus zu zeigen, weil er den Ansprüchen nicht genüge, so die Begründung der Sender. Letztlich zeigten sie ihn dann doch, allerdings unter sehr besonderen Umständen, teils mit erläuternden Texttafeln und korrigierenden Anmerkungen. Carmen Molitor hat jetzt, wo „der Ärger verraucht ist und die Emotionen nicht mehr hochkochen“, die Aufregung um die Doku sowie die Krisenkommunikation der Beteiligten noch einmal analysiert.

6. Expert*in verzweifelt gesucht
(inkladde.blog, Nicola Wessinghage)
Dass neulich Manfred Spitzer wieder mal „seine kulturpessimistischen und unwissenschaftlichen Thesen“ in einem Interview verbreiten durfte, dieses Mal im „Deutschlandfunk“ zum Thema „digitales Klassenzimmer“, lässt Nicola Wessinghage fragen: „Was macht eine/n ‚Expert*in‘ aus und wie findet man sie? Offensichtlich nicht so leicht, warum sonst begegnen uns in Medien so oft die immer gleichen und manchmal auch sehr fragwürdige?“ Wessinghage plädiert dafür, „die Suche nach Interviewpartner*innen systematischer und professioneller anzugehen.“