10.000-Euro-Lüge, Raus aus der Opferrolle, Kein Diskussionsbedarf

1. Vizekanzler Strache entschuldigt sich bei Armin Wolf für „Lügen“-Posting
(diepresse.com)
Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat jüngst eine Facebook-Bildertafel veröffentlicht, auf der er den ORF-Moderator Armin Wolf und den ORF selbst hart anging. („Es gibt einen Ort, wo Lügen und Fake-News zu Nachrichten werden. Das sind der ORF und das Facebook-Profil von Armin Wolf.“) Nachdem Wolf juristische Schritte angekündigt hatte, kam es nun zu einer gütlichen Einigung: Strache entschuldigt sich bei Wolf, dieser zieht im Gegenzug seine Klage wegen Kreditschädigung, Ehrenbeleidigung und übler Nachrede zurück. Außerdem übernimmt Strache sämtliche Kosten des bisherigen Verfahrens und zahlt eine Entschädigung in Höhe von 10.000 Euro (die Armin Wolf dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes spendet).

2. Warum ich in Talk Shows nicht über Esoterik diskutiere
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Der Wissenschaftsjournalist und Sachbuchautor Florian Freistetter wird immer mal wieder in Talk Shows eingeladen, in denen es um Themen wie Astrologie, Homöopathie oder Esoterik geht. Die ihm zugedachte Rolle: die des aufklärenden Wissenschaftlers. Freistetter sagt bei ihm eingehende Talk-Anfragen ab, weil er prinzipiell etwas gegen derartige Sendungen hat: „Es gibt Themen, bei denen man problemlos eindeutige Aussagen treffen kann. Und wenn das so ist, dann sollten diese Themen auch so präsentiert werden. Dann sollte man nicht künstlich den Eindruck erzeugen, dass es hier noch Diskussionsbedarf gibt. Genau das tun aber solche Talk Shows und genau deswegen will ich kein Teil davon sein.“

3. Tellkamp-Debatte: Raus aus der Opferrolle!
(vorwaerts.de, Christian Wolff)
Der Schriftsteller Uwe Tellkamp sieht sich nach seinen Äußerungen zur Flüchtlingsthematik („Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent.“) als Opfer einer angeblichen „Gesinnungsdiktatur“. Diesen Opfermythos gelt es zu entlarven, so Christian Wolff: (…) weder ein Thilo Sarrazin noch ein Uwe Tellkamp werden in Deutschland daran gehindert, ihre Ideen oder politischen Überzeugungen zu publizieren und öffentlich zur Diskussion zu stellen. Nur müssen sie damit rechnen, dass sie als Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auch nach ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gefragt und auch mit den Folgen ihrer Überzeugungen konfrontiert werden.“ 

Weiterer Lesetipp: Jemandem auf die Nase hauen und dann Aua rufen (spiegel.de, Georg Diez).

4. Den Schreihälsen den Spielplatz nehmen
(zeit.de, Eike Kühl)
„Reddit“ ist eine Webseite, auf der registrierte Benutzer Inhalte einstellen, die von anderen Nutzern als positiv oder negativ beurteilt werden. Diese Bewertungen entscheiden über das Ranking des Beitrags: ob er irgendwo im Nirwana oder gar auf der Startseite landet. Naturgemäß findet man bei „Reddit“ viel Seichtes, Unterhaltendes und Virales, aber auch Verschwörungstheorien, Hass und Propaganda. Eike Kühl berichtet auf „Zeit Online“ von den Anstrengungen des Reddit-Chefs, die Plattform nicht den Hatern und Verschwörungstheoretikern zu überlassen. Es ist eine Mischung aus Abwägen, Kommunizieren und Gegentrollen.

5. „Killerspiele“: Wieso Politiker Videospiele immer wieder als Sündenbock verwenden
(derstandard.at, Sarah Elmer)
In Zusammenhang mit Schießereien oder Amokläufen wird immer wieder von einem angeblichen Einfluss durch Ballerspiele gesprochen. Der österreichische „Standard“ untersuchte dieses wiederkehrende Argument und sprach mit dem Historiker Eugen Pfister über das Massenmedium Computerspiele.

6. Verzeihung, Sie klauen da Daten!
(taz.de, Peter Weissenburger)
Der Verband Deutscher Zeitungsverleger kritisiert die Datenschutzpläne der EU und vergisst dabei selbst den Datenschutz. 

Weiterer Gucktipp: Der kurze Clip aus der Jahrespressekonferenz des „Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger“, der das Kunststück fertig bringt, einen gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen zu bringen: Deutsche Zeitschriften: Gibt auch Gegenbeispiele (uebermedien.de, Mats Schönauer & Boris Rosenkranz).