Einschüchterung, Sex-Onkel, Schmiermittel Freundlichkeit

1. Neue Dimension der Einschüchterung
(zeit.de, Christian Fuchs)
Journalisten sind es gewohnt, dass sie nach der Veröffentlichung ihrer Beiträge kritisiert werden, mitunter auch heftig und persönlich. Doch Christian Fuchs beobachtet „eine neue Qualität von Einschüchterungsversuchen“ schon während der Recherche. Insbesondere Protagonisten von „Pegida“ und anderer rechter Bewegungen versuchten, Journalisten durch Warnen, Beleidigen, Anschwärzen und Drohungen vom Anwalt vorab mundtot zu machen. Dazu passt: Die WDR-„Lokalzeit“ über einen Hobbyfotografen (Video), der Bilder für einen Benefizkalender für Flüchtlinge gemacht hat — und kurz darauf einen deutlichen Drohbrief bekommt.

2. Öffentlichkeit hat ein Recht, Gerichtsurteile zu lesen
(verfassungsblog.de, Maximilian Steinbeis)
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die Presse ein Recht hat, Urteilsbegründungen zu lesen, auch wenn sie noch nicht rechtskräftig sind — und damit dem Oberverwaltungsgericht Thüringen widersprochen. Das „Handelsblatt“ hatte gegen die Praxis geklagt, dass zunächst nur Pressemitteilungen herausgegeben werden. Maximilian Steinbeis fällt als Grund für die bisherige Ablehnung der Gerichte nur das „generelle Bedürfnis der Justiz ein, die Kontrolle über die Presseberichterstattung nicht aus der Hand zu geben“. Das sieht das BVerG anders, wie auch die, nun ja, Pressemitteilung deutlich macht. Auch die „taz“ berichtet über das Urteil.

3. Bei Bild.de kann man was erleben
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Lukas Heinser hat sich das Wasauchimmer-Portal „OZY“ angeschaut, in das der Springer-Konzern investiert hat. Dort gibt es unter anderem den „Dr. Sommer“-Verschnitt „Eugene S. Robinson“. Das ist eine Art Sex-Onkel, „dem (angebliche) Leser (angebliche) Zuschriften über ihre (angeblichen) Erfahrungen, Meinungen und Sorgen zum Thema zukommen lassen“. Und Robinson antwortet auf eine selten eklige Art.

4. Ein Nachmittag in der VIP-Loge
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Ein Redakteur im Lokalsport der „Emsdettener Volkszeitung“ trifft „in der DEVK-VIP-Loge in der BAY-Arena“ den ehemaligen Schalker Fußballprofi Ingo Anderbrügge und schreibt dabei unter anderem über „das so beliebte DEVK-Fußballcamp“. Das erinnert Ralf Heimann an einen Jahre zurückliegenden Vorfall — und bringt ihn zu folgender Feststellung: „Der Mechanismus funktioniert anders, als man denkt, wenn man furchteinflößende Wörter wie ‚Einflussnahme‘ oder ‚Korruption‘ hört. (…) Niemand droht. Das Schmiermittel heißt Freundlichkeit.“

5. „Boom“, sagt der Dschihadist
(tagesspiegel.de, Mohamed Amjahid)
Die Anfragen der Castingagenturen lauten so: „arabisch-orientalisch aussehende Männer, welche als Terroristen drehen können“. Mohamed Amjahid überlegt dann immer, „ob ich nicht doch mein langes Gewand und meinen Gebetsteppich auspacken soll, immerhin haben die öffentlich-rechtlichen Sender einen Bildungsauftrag zu erfüllen.“ Die Stereotypen, die bereits in den Stellenausschreibungen für TV-Statisten zu finden sind, spiegelten den „Rassismus in Film und Fernsehen“ wider.

6. Für manche ist es ein schönes Herbstfoto — für Chemtrail-Trolle der letzte Beweis
(motherboard.vice.com, Theresa Locker)