Kommentarschreiber, Sexarbeiterinnen, FTD

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Dieser Hass“
(juergenvielmeier.de)
Jürgen Vielmeier reflektiert Begegnungen mit Kommentarschreibern: „Im Laufe meiner zwei Jahre bei Basic Thinking habe ich größtenteils gelernt, damit umzugehen, Kommentare richtig einzuordnen. Viele Menschen, die man aufs Web loslässt, haben nie gelernt, sachlich zu diskutieren.“

2. „Im distanzierten Gaffermodus“
(woz.ch, Jan Jirát)
Die Berichterstattung über Prostituierte in Zürich, mehrheitlich Frauen aus dem Nordosten Ungarns: „Die Sexarbeiterinnen kommen in der Bericht­erstattung entweder als Opfer oder als sexhungrige Bestien vor. ‚Sie bleiben Objekte ohne Geschichte und Hintergründe‘, sagt Winkler.“

3. „JournalistInnen mit Migrationshintergrund: Neue Zahlen“
(medienservicestelle.at)
Eine Umfrage unter 1716 Journalisten in Österreich. Während Journalisten aus Deutschland überrepräsentiert sind, gibt es kaum welche serbischer oder türkischer Herkunft. „Rund 10,6 Prozent der erfassten JournalistInnen haben im weitesten Sinne internationale Wurzeln, rund 5,0 Prozent Migrationshintergrund.“

4. „Die letzte Praktikantin der FTD“
(unter3.net, Franziska Broich)
Franziska Broich war „die letzte Praktikantin, die die großartige Politikredaktion der FTD kennenlernen durfte“.

5. „Ein Fels im Meer der Trivialität“
(taz.de, Georg Seeßlen)
Georg Seeßlen denkt nach über „die bürgerliche Zeitung“: „Es ist leicht, jetzt, wo sie untergeht, der bürgerlichen Zeitung nachzutrauern, als hätten wir sie immer furchtbar lieb gehabt. Das haben wir nicht. Denn die bürgerliche Zeitung war immer auch ein Instrument der Macht. Sie beförderte, selbst in ihren netteren Exemplaren, immer auch Arroganz, Eitelkeit und Bosheit dieser Klasse.“

6. „Der Journalismus hat das Beste noch vor sich“
(welt.de, Mathias Döpfner)
Mathias Döpfner glaubt, dass Zeitungsjournalismus „das Beste noch vor sich“ hat. „Zu viele Verleger und Journalisten sind verunsichert und richten deshalb Schaden an. Auf Podien und in Interviews wird verbissen das Papier verteidigt oder der Untergang des Qualitätsjournalismus im bösen Internet beklagt. Man sägt so an dem Ast, auf dem man sitzt. Selbstmord aus Angst vor dem Sterben.“