Dresdner Desaster, Geschäftsmodell Panikmache, Diagnose vom toten Arzt

1. Semperopernball: Desaster in Dresden
(ndr.de, Inga Mathwig & Juliane Puttfarcken & Nils Altland, Video: 6:21 Minuten)
Seit Tagen wird in den Medien über den Semperopernball in Dresden gesprochen. Das Spektakel mit 2.500 Gästen, viel Prominenz und Tamtam genießt eine enorme Aufmerksamkeit und wird vom MDR sogar live übertragen. Doch das Event wurde zum medialen Desaster: Wegen der Verleihung eines Preises an den ägyptischen Machthaber Abdel Fattah al-Sisi bat zunächst Moderatorin Judith Rakers, danach ihre Nachfolgerin Mareile Höppner um Auflösung des Vertrags. Den „Zapp“-AutorInnen Inga Mathwig, Juliane Puttfarcken und Nils Altland ist es zu verdanken, dass endlich mal über die Hintergründe der seltsamen Ordenverleihungspraxis gesprochen wird. Und die sind reichlich bizarr und augenscheinlich von indirekten Eigeninteressen des Veranstalters getrieben.

2. „Panikmache ist ein Geschäftsmodell“
(zdf.de, Marcel Burkhardt)
Marcel Burkhardt hat mit dem Kommunikationsforscher Tanjev Schultz über den medialen Umgang mit dem Coronavirus gesprochen. Die Panikmache sei ein Geschäftsmodell, so Schultz: „Zudem gibt es politische Profiteure — Radikale, Extremisten, die aus der Krise Kapital für ihre Zwecke herauszuschlagen versuchen, indem sie uns verunsichern wollen. Sie fahren Angriffe gegen das System der Wissenschaft, mit dem Ziel, seriöse Strukturen der Wissensvermittlung zu zerstören, um Angst und Schrecken verbreiten zu können.“

3. Es geht auch ohne Klischees
(deutschlandfunk.de, Samira El Ouassil, Audio: 4:29 Minuten)
Samira El Ouassil beschäftigt sich in ihrer Medienkolumne mit der klischeehaften Darstellung von Journalistinnen in Film und Fernsehen: „Glaubt man einigen stereotypen Darstellungen von Journalistinnen aus aktuellen Serien, dann habe ich heute mit mindestens einem Politiker gesextet, um an Bundestagsinterna zu gelangen, habe mit mindestens einer Quelle geschlafen, um ein geheimes Passwort zu erhalten, habe später noch ein Arbeitstreffen in einer dunklen Tiefgarage — und werde am Ende des Tages vermutlich aufgrund meines Wissens von einem Bürogebäude gestoßen — um schließlich von einem gutaussehenden Alien mit Cape gerettet zu werden.“

4. Dem Komiker verzeiht man viel
(faz.net, Harald Staun)
Die „FAZ“ hat sich mit dem Comedian Bastian Pastewka unterhalten. Anlass ist die aktuell anlaufende zehnte und letzte Staffel der Serie „Pastewka“, doch es geht im Gespräch um viel mehr: um Pastewkas Humorverständnis, den fiktiven Pastewka und seine Leidenschaft fürs Fernsehen. Pastewka spricht auch über die diversen in die Serie eingebauten, shitstormverdächtigen Provokationen: „Wenn wir in ‚Pastewka‘ — und das haben wir massenhaft gemacht — politische Unkorrektheiten, Frechheiten, Abwertungen gezeigt haben, dann ausschließlich, damit diese fliegenden Bumerangs alle am Hinterkopf der Rolle Bastian Pastewka zerschellen.“

5. Kamel- und Straussenrennen
(pro-quote.de)
Der Verein ProQuote tritt für mehr Frauen in der Medienwelt ein: „Wir fordern, dass 50 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen mit Frauen besetzt werden — wir wollen die Hälfte der Macht!“ In zwei Animationen (Kamel- und Straußenrennen) kann man anschaulich sehen, dass sich die Lage in den vergangenen Jahren verbessert hat, das Ziel aber noch lange nicht erreicht ist.
Weiterer Lesehinweis für alle, die es detaillierter wissen wollen: Welchen Anteil haben Frauen an der publizistischen Macht in Deutschland? Eine Studie zur Geschlechterverteilung in journalistischen Führungspositionen, herausgegeben von ProQuote (PDF).

6. „Neue Post“: Toter Arzt stellt tödliche Diagnose
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Bei „Übermedien“ bietet Mats Schönauer seinen beliebten Berufseignungstest an: „Haben Sie das Zeug, Regenbogenredakteur*in zu werden? Finden Sie es heraus! Wir geben Ihnen eine Nachricht, und Sie versuchen, eine knallblattwürdige Schlagzeile daraus zu basteln.“