Posts Tagged ‘Symbolfotos’

„Bild“ klärt auf

Einer der Unterschiede zwischen der Boulevardzeitung „Bild“ und der Wochenzeitung „Die Zeit“ besteht darin, dass sich die „Zeit“ offenbar verpflichtet fühlt, ihren Leser in der aktuellen Ausgabe mitzuteilen, dass sie in der vergangenen Woche einen Artikel über illegale Einwanderinnen mit einem nachgestellten „Symbolfoto“ bebildert hatte (O-Ton „Die Zeit“: „Um ihre Anonymität zu schützen, haben wir für die Illustration (…) Fotomodels engagiert“), und darüber hinaus ankündigt, „künftig Illustrationen dieser Art präzise kennzeichnen“ zu wollen, wohingegen „Bild“ die „Zeit“ ob dieser Ankündigung – und mit dem wohlmeinenden Hinweis „Zeitig aufklären!“ – kurzerhand zum „Verlierer“ des Tages macht.

Mehr zu Thema? Klicken Sie hier. Oder schauen Sie sich doch zum Beispiel bloß mal die barbusige, blonde Frau an, die auf der „Bild“-Titelseite (siehe Ausriss) quasi direkt neben der „Verlierer“-Meldung abgebildet ist und laut „Bild“ behauptet, sie heiße „Eurynome“.

Symbolfoto II

Wie bereits erwähnt, machte „Bild“ ja kürzlich die „Zeit“ zum „Verlierer“ des Tages, weil sie ihre Leser „kleinlaut“ (so „Bild“) darauf hinwies, zur Bebilderung eines Textes ein Symbolfoto abgedruckt zu haben. „Nanu?“ schrieb „Bild“ und empfahl: „Zeitig aufklären!“ Und wenn „Bild“ nun, einen Tag später, in ihrer Berlin-Ausgabe über „sechs angehende Krankenschwestern“ berichtet, die gegen ihren Willen „nackt beim Duschen“ gefilmt wurden, und „Bild“ die Meldung u.a. mit dem Foto einer nackten Frau beim Duschen bebildert (siehe Ausriss), bei der es sich natürlich mitnichten um eine der betroffenen Krankenschwestern, sondern bloß – wie „Bild“ offenbar zu erwähnen vergaß – um ein Symbolfoto handelt, dann hoffen wir mal, dass wir das hiermit zeitig genug aufklären konnten!

(Wird fortgesetzt…)

Symbolfoto III

Hatte „Bild“ nicht kürzlich die „Zeit“ zum „Verlierer“ des Tages gemacht, weil die „Zeit“ künftig den Einsatz von Symbolfotos deutlicher kennzeichen will?

Eigentlich ja.

Andere Frage: Wie zur Hölle soll man bloß diese „Bild“-Serie „Hitlers letzte Tage“ bebildern? Etwa mit Fotos aus der Hitler-Zeit? Gibt es da zu der Vorlage für die „Bild“-Serie („Der Untergang“) nicht auch gerade einen gleichnamigen Film? Und gibt’s zum Film nicht auch ein Buch? Und sehen die Bilder aus dem Filmbuch nicht viel, viel besser aus als die ollen Originalfotos? Ach ja, und wenn man die „Hitler“-Serie dann tatsächlich mit Fotos aus dem Film bebildert, sollte man das dann nicht klipp und klar dazuzuschreiben?

Ja, eigentlich ja.

Wenn aber „Bild“ nun so ein Filmbild gedruckt hat, das (siehe Ausriss aus der Montags-„Bild“) einfach nur eine Straßenszene zeigt (Trümmer, eine Explosion und vorn ein Mann in Uniform mit Stahlhelm, wie tot), langt es dann nicht, wenn man einfach nur „Straßenkampf in Berlin. Die Gefallenen werden nicht mehr bestattet“ dazuschreibt und sonst nix? Ist es nicht eigentlich egal, ob da nun Statisten in Kulissen liegen oder echte Leichen?

Definitiv nein.

(Wird fortgesetzt…)

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Symbolfoto IV

Am Donnerstag zeigte „Bild“ als Aufmacher auf Seite 1 dieses Foto:

Auf das Foto zeigte diese Schlagzeile:

Unter dem Foto stand dieser Bildtext:

Britische Flugzeuge im Bombenkampf gegen Deutschland.

Und was zeigt das Bild? Amerikanische Flugzeuge über der Normandie.

Nach einem Bericht des „Tagesspiegel“ und mehrern sachdienlichen Hinweisen.

Symbolfoto V

Man sieht, es hat es ihn regelrecht übermannt, den David Beckham, man sieht ihm die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, und es ist ihm egal, ob die Zeitungen hinterher dazuschreiben, „Beckham vergießt bittere Tränen“ oder nicht. Oder nicht?

Nein, diesen Eindruck erweckt bloß die erschütternde Illustration der Schlagzeile, mit der Bild.de heute groß auf eine kleine Meldung hinweist, die „die multimediale Erweiterung der Marke BILD“ aus der britischen Zeitung „Daily Mirror“ (oder aus einer entsprechenden Meldung der Nachrichtenagentur dpa) abgeschrieben hat.

Denn anders als zum Beispiel kürzlich, als „Bild“ dieses Paparazzifoto von Andreas Türck druckte und laut „Bild“ sogar „BILD-Reporterin Carolin Richter zufällig auch beim Spazieren am selben Ort“ war, heißt es im Fall Beckham nur:

Freunde berichten, es seien sogar Tränen geflossen.“

Aber selbst das ist Unsinn! Denn der „Mirror“, auf den sich Bild.de ausdrücklich bezieht, berichtet:

„It’s a bitter blow for Becks, 29, who was spotted shedding a tear when eldest son Brooklyn, five, began at the elite Runnymede College in Madrid in September.“

Was heißt, dass Beckhams Tränen, von denen laut „Bild“ ja irgendwelche „Freunde“ berichten, also gar nicht jetzt geflossen sind, „weil er seinen Sohn nicht mehr zur Schule bringen darf“, sondern (wenn überhaupt) bereits am ersten Schultag seines Sohnes im September

Allgemein  

Symbolfoto VI: „Bild“ verleugnet Jesus

Es hätte alles so schön gepasst. Der schillernde Rudolph Moshammer (über den Roberto Blanco in „Bild“ sagte, „Rudolph war ein Show-Mann, ein Exzentriker. Ich glaube, er würde auch diesen letzten ‚Auftritt‘ in einem gläsernen Sarg sehr lieben.“) im „Schneewittchensarg“. Und das kann man sich gut vorstellen, noch dazu, wenn es sich bei dem gläsernen Sarg um ein so prunkvolles Stück wie jenes handelte, das „Bild“ heute auf der Titelseite und noch einmal weiter hinten abbildet:

Auf der Titelseite steht übrigens neben dem Foto des „Sargs“:

Der gläserne Sarg, in dem Moshammer seine letzte Ruhe finden soll

Das allerdings stimmt nicht. Nicht nur, weil, wie auch „Bild“ seit heute weiß, Moshammer in einem Mahagoni-Sarg beerdigt werden wird.

Nein, der von „Bild“ abgebildete Glassarg ist außerdem schon belegt, wie man auf diesem Foto (siehe Ausriss) sehen kann. Es liegt eine Jesus-Statue darin, die man in der gedruckten „Bild“ allerdings kurzerhand wegretuschiert hat, wohl um Platz für Moshammer zu schaffen. Mithilfe des Originalfotos bewarben Karl und Leo Rechsteiner anlässlich des Todes von Rudolph Moshammer ihr Patent für einen Vakuum-Glassarg. Und fragt man bei Karl Rechsteiner nach, erfährt man, dass das Foto einen Schrein in Costa Rica zeigt, der dort während der „Semana Santa“ (Karwoche) bei Prozessionen durch die Straßen getragen wird. Das Foto solle nur illustrieren, was für Möglichkeiten es hinsichtlich der Gestaltung von Glassärgen gibt.

„Bild“ dagegen demonstriert mal wieder eindrucksvoll, welche Möglichkeiten es hinsichtlich der Gestaltung und Verwendung von Fotos gibt.

Mit Dank für den inspirierenden Hinweis an Joerg S. und Patrick G.

Nachtrag in eigener Sache:
Nachdem um obigen Eintrag offenbar Verwirrung entstanden ist, sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Joerg S. und Patrick G., (Betreiber der Website minga.de) uns und andere Medien per Mail auf die zu Grunde liegende „Bild“-Meldung aufmerksam gemacht haben (siehe „Dank an…“). Thema unseres Eintrags ist jedoch die Manipulation eines Fotos in der „Bild“-Zeitung (siehe auch Pressekodex, Ziffer 2 und Richtlinie 2.2), von der auf der Website der Hinweisgeber nicht die Rede war.

Symbolfoto VII

Am gestrigen Mittwoch berichtete „Bild“ über „eines der schlimmsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte“: das „Gutenberg-Massaker“. „Bild“ schrieb:

„Hunderte von Menschen zogen im strömenden Regen zum Gutenberg-Gymnasium (…).“

Aber auch Bild.de berichtete vom „3. Jahrestag des Schulmassakers von Erfurt“. Dort hieß es:

„Zum dritten Jahrestag der Bluttat kehrten die Schüler jetzt erstmals gemeinsam in das inzwischen sanierte Schulgebäude zurück.“

Und unter ein Foto vom Schulgebäude hat Bild.de einen ähnlichen Satz geschrieben:

„Abgeschottet von der Öffentlichkeit betreten die Schüler und Lehrer erstmals wieder ihre alte Schule“

Das dazugehörige Foto allerdings (siehe Ausriss) zeigt nicht etwa Schüler und Lehrer, die „abgeschottet von der Öffentlichkeit“ und „erstmals wieder“ ihre alte Schule betreten. Vielmehr wurde es vier Tage nach der „Bluttat“ aufgenommen, ist also knapp drei Jahre alt (siehe z.B. hier oder hier) und zeigt Trauernde vor dem Schulportal, was Bild.de selbst ja schon deshalb hätte auffallen müssen, weil auf dem Foto die Sonne scheint, obwohl es doch laut „Bild“ in Strömen regnete.

Doch sogar für einen Nicht-Meteorologen wäre der Irrtum vermeidbar gewesen. Schließlich wurde das Schulgebäude, wie ja auch Bild.de zu berichten wusste, „inzwischen saniert“ bzw. für rund 10 Millionen Euro komplett neugestaltet und sieht deshalb längst (siehe Ausriss) ganz anders aus.

Mit Dank an Stephan aus Erfurt für den Hinweis.

Allgemein  

Symbolfoto VIII

Am Mittwochabend stürzte bei einem Auftritt von Schlagersängerin Nicole in Lüdenscheid eine Beleuchtungskonstruktion ins Publikum. Und, um es positiv zu formulieren: Das Foto, das „Bild“ dazu am Freitag abdruckt, zeigt tatsächlich Nicole und nicht Plumpaquatsch, und das grenzt angesichts dessen, was „Bild“ im übrigen über den Unfall schreibt, an ein Wunder.

Um zu illustrieren, was passierte, zeigt das Blatt dieses Foto:

Darunter steht:

Dieser Beleuchtungsträger stürzte ins Publikum, verletzte acht Menschen.

„Dieser Beleuchtungsträger“ hat mit dem ganzen Unfall nichts zu tun. Umgekippt ist eine Traverse, die auf zwei Stativen befestigt war, die links und rechts vor der Bühne standen (genauer nachzulesen hier). Die Scheinwerfer hingen also oben quer über der Bühne. Die betroffene Konstruktion ist der, die „Bild“ zeigt, nicht einmal ähnlich.

Zu dem Unglück kam es, weil Unbekannte an den beiden Stativen jeweils zwei von vier Fußstützen abmontiert hatten, und zwar die, die in den Zuschauerraum hineinragten. Möglicherweise geschah das in böser Absicht. Die naheliegendste Erklärung aber ist, dass jemand sie einfach für Stolperfallen hielt. Diese Möglichkeit fehlt in „Bild“ komplett.

„Bild“ beschreibt den Vorfall außerdem so, als sei das Gerüst mit großer Geschwindigkeit in die Zuschauer gestürzt („kracht auf einen Tisch“). Dabei senkte sich die Konstruktion, weil sie teilweise noch gehalten wurde, langsam nach unten, wie in Zeitlupe, und verletzte mehrere Menschen. Die „Westfälische Rundschau“ beschreibt es so: „Zudem reckten mehrere Zuschauer ihre Arme hoch und versuchten, die Verstrebungen abzubremsen.“ Auch in der „Bild“-Zeitung kommt die Zeitlupe vor, aber nur in einem Zitat von Nicole, das klingt, als habe die Dramatik ihre Wahrnehmung verzerrt:

„Alles passierte wie in Zeitlupe. Überall waren Schreie und Blut.“

In einem weiteren Artikel am Samstag stimmen zwar ein paar mehr Fakten über den Unfallhergang. Dafür geht aber die Fantasie vollends mit „Bild“ durch.

Wollte ein Irrer Nicole töten?

lautet nun die Überschrift. Und im Text (online unter der bezeichnenden Adresse „…/nicole__anschlag.html“) heißt es:

Jetzt kommt ein furchtbarer Verdacht auf: Trachtet etwa ein Irrer Nicole nach dem Leben?

„Bild“ kann im Text niemanden aufbieten, der diesen „furchtbaren Verdacht“ äußert. Kein Wunder: Dieser „Irre“ müsste schon ganz besonders irre sein. So irre, dass er, um jemanden umzubringen, der auf einer Bühne steht, die Gerüstkonstruktion so sabotiert, dass sie gar nicht auf die Bühne fallen kann.

Danke an Tobias N. für den Hinweis!

Symbolfoto IX

Heute testen wir einmal Ihre Medienkompetenz. Wenn Sie in „Bild“ ein Foto von einem Zug sehen, und unter diesem Zug steht die Überschrift „Dieser Intercity hat sich verfahren“, wovon gehen Sie aus?

(a) Der abgebildete Zug hat sich verfahren.
(b) Ein Zug, der so aussieht wie der abgebildete Zug, hat sich verfahren.
(c) Ein Zug, der keinerlei Ähnlichkeit mit dem abgebildeten Zug hat, hat sich verfahren.
(d) Weder dieser Intercity, noch sonst irgendein Zug hat sich verfahren.

Vor der Auflösung die Geschichte.

Dieser Intercity hat sich verfahren

„Bild“ berichtete am Dienstag, dass ein InterCity, der nach Hamburg fahren sollte, stattdessen in Köln auf die Strecke in Richtung Frankfurt geleitet wurde:

Erst nach 18 Minuten bemerkte der Lokführer (37) den Fehler. Der „InterCity“ wurde bei Köln-Kalk (NRW) gestoppt. Die Lok mußte über ein Nebengleis an das Zugende rangiert werden. Dann ging es endlich Richtung Hamburg.

Das Rangiermanöver mit der Lok in Köln-Kalk wurde von der Bahn bestätigt — womit klar ist, dass der InterCity nicht ausgesehen haben kann wie der Zug auf dem Foto in „Bild“. Darauf ist nämlich ein Zug mit Steuerwagen abgebildet. Bei diesen Modellen wird die Lok nicht mehr von einem Ende des Zuges zum anderen umgesetzt; der Lokführer wechselt einfach den Führerstand.

Die richtige Antwort lautete also (c): Der abgebildete Zug hat sich nicht verfahren; es handelt sich nicht einmal um das gleiche Modell.

Nachtrag, 14.00 Uhr: Ja, das dachten wir, aber so einfach ist es nicht. Dieses ganze Steuerwagen-Lok-Geschäft bei der Bahn ist ein kompliziertes, und möglicherweise hat „Bild“ zufällig ein Foto von einem Zug herausgesucht, der dem betroffenen ähnlich sieht. Aufgenommen wurde es allerdings weder in Köln-Kalk (NRW), noch in Hamburg, sondern, wie Kenner an den Stromschienen erkennen, am Bahnhof Zoo in Berlin.

Auch die „Bild“-Behauptung, man habe das Versehen erst nach 18 Minuten bemerkt, scheint übrigens falsch zu sein. Die Bahn sagt, es habe sich nur um drei Minuten gehandelt. Der Zug sei dann absichtlich von Köln-Deutz noch bis Köln-Kalk zum Rangieren weitergefahren. Das ist nicht nur, wie „Bild“ in der Klammer schreibt, immer noch in „NRW“, sondern sogar der nächste Bahnhof. Um dahin überhaupt 18 Minuten zu brauchen, müsste man schon sehr, sehr langsam fahren.

Mit Informationen aus der Diskussion in der Newsgroup de.etc.bahn.misc.

Symbolfoto X

„Bild“ versteht es nicht: Planeten außerhalb unseres Sonnensystems lassen sich nicht nur außerordentlich schwer nachweisen, sie lassen sich auch noch schlechter fotografieren. Erstens, weil sie ziemlich weit entfernt sind, und zweitens werden sie von einem sonnenähnlichen Stern, den sie umkreisen, überstrahlt. Deshalb gibt es auch keine wirklich guten Bilder von ihnen. (Es gibt überhaupt erst ein bestätigtes Foto eines extrasolaren Planeten).

„Bild“ allerdings hat auf Seite eins der heutigen Ausgabe und online ein gestochen scharfes „Foto“ eines „Cousins unserer Erde“ (siehe obigen Ausriss) — das, anders als „Bild“ im Text behauptet, gar kein Foto ist, sondern eine künstlerische Darstellung des erdähnlichen Planeten Gliese 876 d.

Auf einem Foto (sofern es möglich wäre, eins zu machen) sähe Gliese 876 d wahrscheinlich ungefähr so aus — vielleicht aber auch ganz anders und bestimmt nicht so schön rund:


Darstellung von BILDblog

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Jan W.

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