Posts Tagged ‘Diagramme’

Bis sich die Balken biegen (7)

Wenn heute niemand aus der SPD-Führung Verantwortung für das Ergebnis bei der Europawahl übernimmt, und keiner der Parteioberen zurücktritt, könnte das daran liegen, dass sie im Willy-Brandt-Haus möglicherweise nur den „Tagesspiegel“ lesen. Denn auf dessen heutiger Titelseite haben die Sozialdemokraten gestern starke 4,8 Prozentpunkte hinzugewonnen. Die Grünen sind hingegen große Verlierer:

Ausriss Titelseite Tagesspiegel - Union 2019 mit 28,1 Prozent, 2014 mit 35,3 - Grüne 2019 mit 20,8, 2014 mit 27,3 - SPD 2019 mit 15,5, 2014 mit 10,7 - AfD 2019 mit 10,9, 2014 mit 7,4 - FDP 2019 mit 5,6, 2014 mit 7,1 - Linke 2019 mit 5,5, 2014 mit 3,4 - Sonstige 2019 mit 13,6, 2014 mit 8,8

Die linken, dickeren Säulen geben bei jeder Partei das Ergebnis der Hochrechnung des ZDF von gestern Abend um 22:25 Uhr an. Diese Werte stimmen soweit. Die rechten, schmaleren Säulen sollen das Ergebnis der Europawahl 2014 darstellen. Und da ist einiges falsch.

Die 27,3 Prozent von vor fünf Jahren, die der „Tagesspiegel“ den Grünen zuschreibt, gehören eigentlich zur SPD. Und genauso andersherum: Die 10,7 Prozent, die laut „Tagesspiegel“ die SPD 2014 erreicht hat, gehören zu den Grünen. Bei AfD, FDP und Linken ist das Durcheinander noch etwas größer: Die 7,4 Prozent aus 2014 gehören zur Linken, die 7,1 Prozent zur AfD und die 3,4 Prozent zur FDP. Die AfD hat im Vergleich zu 2014 also etwas stärker dazugewonnen als in der „Tagesspiegel“-Grafik angegeben, die FDP hat nicht Prozentpunkte verloren, sondern gewonnen, die Linken hingegen haben nicht gewonnen, sondern verloren.

Der Ursprung dieses multiplen Fehlers dürfte darin liegen, dass der „Tagesspiegel“ in der Grafik nicht auf die sich ändernde Rangliste der Parteien reagiert hat. Zum Beispiel bei der FDP: Die war 2014 noch sechststärkste Kraft mit 3,4 Prozent. Während die Partei mit ihren 5,6 Prozent gestern auf Platz 5 vorrückte, hat die „Tagesspiegel“-Redaktion die 3,4 Prozent der FDP von 2014 auf Platz 6 stehen lassen — und so den Linken zugeordnet, die auf diesen Rang abgerutscht sind. Genauso lassen sich die falschen 2014-er-Werte von Grünen, SPD und AfD erklären.

Immerhin fängt die Überschrift auf der „Tagesspiegel“-Titelseite die fehlerhafte Grafik etwas ab: „Grüne jubeln, Groko stürzt ab“.

Nachtrag, 17:28 Uhr: Ein BILDblog-Leser schreibt uns, dass auf der Titelseite seiner „Tagesspiegel“-Ausgabe eine korrekte Wahl-Grafik zu sehen sei.

Der Screenshot, den wir weiter oben verwenden, stammt aus der E-Paper-Version. Und auch bei der gedruckten Variante gibt es Exemplare mit der fehlerhaften Grafik.

ndr.de  

Bis sich die Balken biegen (5)

Mit Diagrammen in deutschen Medien ist es wie mit Elektrogeräten aus dem Ein-Euro-Laden: Man darf ihnen keinen Moment lang trauen. Denn man weiß ja nie, wie sorgfältig sie zusammengebastelt wurden.

Der NDR präsentiert auf seiner Internetseite momentan zwei Exemplare, bei denen allerdings auch ohne viel Skepsis sofort klar sein dürfte, dass da etwas nicht stimmen kann:

Politikbereiche: Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung

Politikbereiche: Zufriedenheit mit der Arbeit der LandesregierungAber das dürfte Ihnen ja irgendwie bekannt vorkommen.

Mit Dank an Lukas F. und Jascha H.

Nachtrag, 9. Dezember: Der NDR hat die Diagramme inzwischen transparent korrigiert.

Da schlägt das Sammlerherz höher

Mit großer Freude und auch etwas Stolz freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass „Die Sammlung BILDblog — Exponate aus 4000 Jahren Diagramm-Malerei“ zwei besonders schöne Neuzugänge zu feiern hat.

Da ist zunächst dieses Meisterwerk aus dem „Südkurier“ vom Freitag, das wegen seiner rätselhaften Schönheit von Experten bereits mit der „Mona Lisa“ verglichen wird:

Am Samstag kam diese Kreation aus der Tortendiagrammbäckerei der „Frankfurter Rundschau“ hinzu:

In beiden Fällen sind alle Prozentwerte übrigens korrekt angegeben.*

Mit Dank an Simon und Patrick K. für die Schenkungen!

* Nachtrag/Korrektur, 14.03 Uhr: Während in der oberen Grafik alle Prozentwerte korrekt aus der Quelle (PDF) übertragen wurden, ist in der unteren auch noch ein Zahlenfehler drin: Statt 13 gaben nur 2 Prozent der Befragten an, keines der beiden Länder als Heimat zu empfinden (PDF).

Nachtrag, 22.45 Uhr: Dank diverser Leserhinweise können wir nun so etwas wie eine Auflösung bringen: In der oberen Grafik sind offenbar die dunkelblauen und die orangenen Balken vertauscht und in der unteren ist die Beschriftung (von der fehlerhaften 13 mal ab) jeweils im Uhrzeigersinn verrutscht.

Bild  

Bis sich die Balken biegen (4)

Das Dr.-Sommer-Team hat es immer schon gewusst: „Sechs ist nicht immer gleich!“

Im Balkendiagramm, das „Bild“ auf Grundlage eines „INSA-Meinungstrends“ erstellt hat, ist das jetzt erstmals grafisch festgehalten:

Mit Dank an die vielen andern Hinweisgeber.

Nachtrag, 22.25 Uhr: Auf Bild.de ist die Grafik inzwischen korrigiert — offenbar sogar schon kurz bevor wir unseren Artikel freigeschaltet hatten.

Bis sich die Balken biegen (3)

Nein, das sind nicht die Daltons oder die Simpsons, das sind die „mittleren Ressorts“ des Bundeshaushalts in einer Grafik auf tagesschau.de.

Und als aufmerksame BILDblog-Leser fällt Ihnen natürlich auf, dass da mit den Balken mal wieder was nicht stimmt: Der 22-Milliarden-Balken ist nur minimal höher als der 13-Milliarden-Balken, der allerdings ungefähr doppelt so hoch ist wie die Sechs-komma-irgendwas-Milliarden-Balken.

Wir haben die Redaktion von tagesschau.de auf diesen Fehler hingewiesen (und darauf, dass die „allgemeine Finanzverwaltung“ mit ihren 22 Milliarden eigentlich nicht in die „mittleren Ressorts“, sondern in die „großen“ gehört). tagesschau.de hat die Seite daraufhin überarbeitet.

Wer selbst schon einmal mit einem Tabellenkalkulationsprogramm so eine Grafik erstellen wollte, weiß, wie es sich anfühlt, kurz vor dem Nervenzusammenbruch zu stehen würde annehmen, dass man da einfach ein paar Zahlenwerte eingibt und das Programm dann automatisch irgendwelche Balken zaubert, die dann zumindest die richtigen Proportionen haben.

Warum geht das in den Medien dann so häufig schief, wollten wir wissen, und Andreas Hummelmeier, Redaktionsleiter bei tagesschau.de, war so nett, es uns zumindest kurz zu erklären:

Die Balkengrafiken für tagesschau.de werden mit einem speziellen Grafiktool erstellt. Zwar wurden die Haushaltszahlen korrekt eingegeben, durch einen Bedienfehler wurden aber die dazugehörigen Balken nicht angepasst. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Das Grafikprogramm bietet die Wahl zwischen „automatischer“ und „manueller“ Skalierung, der Schalter stand auf manuell und dieses händische Anpassen wurde versäumt. Deshalb hatten wir zwar die aktuellen Zahlen auf der Seite, aber die Balkenproportionen des überholten Haushaltsentwurfs.

Mit Dank an Lars.

heute  

Bis sich die Balken strecken

Bundesinnenminister Friedrich hat heute den Verfassungsschutzbericht 2010 vorgestellt. Die Zahl der „Straftaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich ‚Politisch motivierte Kriminalität – links'“ ist demnach von 4.734 im Jahr 2009 auf 3.747 im vergangenen Jahr gesunken (ein Minus von 20,8%), die der „Straftaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich ‚Politisch motivierte Kriminalität – rechts'“ von 18.750 auf 15.905 (minus 15,2%).

Das ZDF illustrierte diese Nachrichten in seinen nachmittäglichen „Heute“-Nachrichten mit dieser Grafik:

Vielleicht lassen Sie diese Zahlen-Balken-Kombination einen Moment auf sich wirken.

Zeichnet man den Balken der linksextremen Straftaten im gleichen Maßstab wie den der rechtsextremen, sieht die Grafik ungefähr so aus:

Aber die Grafiker der ZDF-Nachrichten haben’s bekanntlich nicht so mit der Verhältnismäßigkeit.

Mit Dank an Norbert E. und Rolf M.

Bis sich die Balken biegen

Es sieht aus wie moderne Kunst, soll aber das Ergebnis einer Umfrage abbilden:

Mit einem ernst zu nehmenden Balkendiagramm hat die Grafik auf tagesschau.de allerdings nicht viel zu tun: Der Balken für 77 Prozent ist genauso lang wie die für 84, 89 und 90, aber im Verhältnis zu den Balken mit 52 und 58 Prozent viel zu kurz.

Und 100 Prozent (bzw. 99 bei CDU/CSU) fallen so unterschiedlich aus:

Aber vielleicht gelten in Monaten ohne „b“ andere Regeln.

Mit Dank an Georg Z.

Nachtrag, 6. November: tagesschau.de hat die Grafik überarbeitet und mit einem Hinweis versehen:

Diese Grafik wurde ausgetauscht. Die Balken haben jetzt die korrekte Länge. Dank an die Hinweisgeber!

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