1. Anruf in Abwesenheit: Der “Spiegel” und das Fake-Telefonat (uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der “Spiegel” hat sich jüngst mit einigem Aufwand neue journalistische Standards verpasst und einen 74-seitigen Leitfaden veröffentlicht (PDF). Doch bereits eine Woche später scheint von den guten Vorsätzen vieles vergessen zu sein. Stefan Niggemeier berichtet über einen Fall, bei dem der “Spiegel” mal wieder so tut, als ob er dabei gewesen sei, und der sich schließlich in Luft auflöst. Dabei geht es auch um mangelnde Einsicht und mangelnde Fehlerkultur.
2. Bitte recht freundlich (sueddeutsche.de, Cathrin Kahlweit & Hubert Wetzel & Joseph Hanimann & Elisa Britzelmeier & Jan Bielicki & Alexandra Föderl-Schmid & Silke Bigalke)
Die “Süddeutsche Zeitung” hat ihre Korrespondentinnen und Korrespondenten danach gefragt, wie es in den jeweiligen Ländern um die Pressefreiheit bestellt ist. Das Resultat sind spannende und informative Kurzberichte aus Großbritannien, den USA, Frankreich, Italien, Australien, Israel und Russland.
3. Chefredakteure verlassen Berliner Verlag (welt.de, Christian Meier)
Nachdem die “Welt” über die Stasi-Vergangenheit des Neu-Verlegers Holger Friedrich berichtet hatte, kündigten “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier” unabhängige Untersuchungen an. Nun verlassen die Chefredakteure beider Zeitungen den Verlag, den Holger und Silke Friedrich vergangenes Jahr übernommen hatten. “Verlagskenner interpretieren den Wechsel an der Redaktionsspitze als eine Machtdemonstration von Verleger Friedrich und Herausgeber Maier”, so der “Welt”-Medienredakteur Christian Meier.
4. NDR verzichtet auf ESC-Vorentscheid – das Publikum bleibt außen vor (rnd.de, Imre Grimm)
In früheren Jahren hat das TV-Publikum darüber entschieden, wer zum Eurovision Song Contest fahren darf. Dieses Jahr würden die NDR-Verantwortlichen auf zwei Expertenjurys setzen. Ein riskanter Schritt, wie Imre Grimm findet: “(D)er ESC ist auch ein Gesellschaftsspiel — und ohne Gesellschaft spielt es sich eben schlechter. Rückenwind aus der Heimat ist beim ESC nicht entscheidend. Aber wenn es dem Land völlig wurscht ist, wer warum was singt, weil es nichts dazu beitragen konnte, hilft das auch wenig bei der Erzeugung eines gewissen nationalen ESC-Momentums, wie es Stefan Raab einst meisterhaft gelang.”
5. Wieso wir den digitalen SPIEGEL jetzt auch pur anbieten (medium.com/@devspiegel)
Für rund fünf Euro im Monat lasse sich bei Spiegel.de neuerdings die Werbung und das Werbetracking abschalten. Bereits bestehende Abonnenten und Abonnentinnen von “Spiegel +” seien mit rund zwei Euro Aufpreis im Monat dabei. Im Entwicklerblog wird das neue Modell erklärt, das in der technischen Umsetzung sicher für einige Kopfschmerzen gesorgt hat.
6. Sturm Sabine: Zwischen Bahnchaos und Außenreporter-Fails (youtube.com, Philipp Walulis, Video: 7:25 Minuten)
“Sturm Sabine ist über Deutschland gezogen und hat in den Medien gewütet! Es war wieder die Stunde heldenhafter Außenreporter!” Philipp Walulis und sein Team zeigen, was der Sturm im Journalismus angerichtet hat.
1. Das Heartland Institute: Wie US-Klimaleugner Politik in Europa machen (correctiv.org, Annika Joeres & Susanne Götze)
Undercover bei den Klimawandelleugnern: “Frontal 21” (ZDF) und “Correctiv” haben verdeckt zur Strategie des sogenannten Heartland Institute recherchiert, einer der wichtigsten Lobbygruppen in der Szene der Klimawandelleugner. Hinter dem dubiosen Institut stecke wohl vor allem das Geld von Kohle- und Erdölindustrie. Für die Investigativrecherche hat “Correctiv” eine fiktive PR-Agentur gegründet und sich als angebliche Auto- und Kohle-Lobbyisten ausgegeben — um herauszufinden, ob und wie man sich bei dem Institut Agitation gegen Umweltschutz und den menschengemachten Klimawandel erkaufen kann, samt dazugehöriger Stimmen aus der Wissenschaft. Eine erschütternde und lesenswerte Recherche, die “zeigt, wie das US-amerikanische Heartland Institute Leugner des Klimawandels in Deutschland unterstützt, um Maßnahmen zum Klimaschutz zu untergraben. Undercover lernen wir den Chefstrategen des Instituts kennen: James Taylor. Er wird uns erzählen, wie das Netzwerk der Klimawandelleugner funktioniert, wie Spenden verschleiert werden und wie sie eine deutsche, AfD-nahe Youtuberin nutzen wollen, um ‘die Jugend’ zu erreichen.”
Der dazugehörige “Frontal 21”-Bericht ist in der ZDF-Mediathek zu sehen (ab Minute 24:08).
2. Sollten wir alle in Panik verfallen? Ich bitte um Handzeichen! (uebermedien.de, Jürn Kruse)
Jürn Kruse hat sich die neue Talkshow von “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und dessen fehlgeschlagene Bemühung um mehr Empörung angeschaut: “Wenn die Diskutierenden in ‘Hier spricht das Volk’ die normalen Menschen sind, wie Reichelt sagt, ‘ein Querschnitt durch unsere Gesellschaft, ein Querschnitt durch Deutschland’, dann bildet seine Zeitung diese Gesellschaft nicht mehr ab. Dann hat ‘Bild’ den Großteil unserer Gesellschaft verloren. Dann bleibt ihr nur noch der Rand.”
3. Sieben Statistiken zum Journalismus und zum Geschäft der Republik (republik.ch, Oliver Fuchs & Thomas Preusse)
Das von rund 19.000 Unterstützerinnen und Unterstützern getragene Schweizer Online-Magazin “Republik” lässt sich in die Karten schauen: Woher kommt die Leserschaft? Wann wird “Republik” gelesen? Wie gewinnt man Mitglieder, und wie hält man sie bei der Stange? Und welche der Recherchen und Analysen wurden am meisten aufgerufen?
Weiterer Lesehinweis: Zehn Learnings aus zwei Jahren Republik.
4. Das waren 2019 die beliebtesten Magazine im Netz (horizont.net, David Hein)
Der Flatrate-Digitalkiosk Readly bietet mehr als 4.000 Magazine zur Lektüre an. Doch auf welche Inhalte stürzen sich Leser und Leserinnen am liebsten? Es ist ein Hang zum Seichten zu erkennen: Zu den beliebtesten Magazinen bei Readly würden Technik- und Autozeitschriften sowie Klatschblätter zählen. Die beliebteste Kategorie sei vergangenes Jahr “Stars & Entertainment” gewesen.
5. Angeschossene Funkhäuser: Die sieben größten Probleme von ARD und ZDF (rnd.de, Imre Grimm)
Für ARD und ZDF brechen schwierige Zeiten an: Der Spardruck wachse, die Kritik am Rundfunkbeitrag werde lauter, und den Sendern laufe die junge Generation davon. Imre Grimm beschreibt die sieben größten Probleme der Öffentlich-Rechtlichen.
Weiterer Lesehinweis: Der Deutschlandfunk hat mit dem ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow gesprochen: “Rundfunkanstalten müssen Prioritäten setzen” (deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 10:05 Minuten).
6. “Verschwörungsideologien und Fake News – erkennen und widerlegen” (Kostenlose Broschüre) (dergoldenealuhut.de, Giulia Silberberger)
Giulia Silberberger und Rüdiger Reinhardt vom “Goldenen Aluhut” haben eine Fibel über Hoaxes, “Fake News” und Verschwörungstheorien zusammengestellt. Die Online-Version der Broschüre steht ab sofort zum kostenlosen Download bereit (PDF), die Printversion soll Mitte Februar folgen.
1. Die “gelbe Gefahr” ist zurück (welt.de, Maximilian Kalkhof)
Mit deutlichen Worten kritisiert Maximilian Kalkhof Teile der Berichterstattung über das Coronavirus: “Vorsicht vor dem Virus ist das eine. Sie ist angebracht. Aber Diskriminierung von Menschen, die asiatisch sind oder asiatisch aussehen, ist das andere. Sie ist widerwärtig.”
Weiterer Lesehinweis: Zu einer ähnlichen Feststellung kommt Kira Ayyadi bei Rassismus gegen Asiaten (belltower.news): “Spätestens seitdem das Coronavirus auch in Deutschland gemeldet wurde, tritt der Rassismus gegen Asiat*innen und asiatisch aussehende Menschen so deutlich zutage wie selten. Selbst Medien beteiligen sich an der Stigmatisierung von Menschen nur wegen ihres Aussehens. Das kann für Betroffene ernst zu nehmende Folgen haben.”
2. Die verschenkte Dekade der Tageszeitungen (blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz ist sich sicher: “Der Kampf um die Zukunft ist für die meisten Tageszeitungen in Deutschland endgültig verloren.” Das Unangenehme: Man kann ihm nicht leicht widersprechen. Jakubetz ist ein langjähriger Medienbeobachter und hat gute Argumente für seine These.
3. Die Antworten sind vernünftig, die Fragen nicht (spiegel.de, Nils Minkmar)
“Bild”-Chef Julian Reichelt will in einem neuen Talk-Format (“Hier spricht das Volk”) mit “ganz normalen Menschen” ins Gespräch kommen. Das geht schief, wie Nils Minkmar findet. Reichelts Gäste würden sich einfach nicht empören wollen: “Selbst das Thema Geflüchtete bringt nicht die üblichen Erregungszustände. Eine junge Frau bemerkt, sie sei selbst als Flüchtling aus Russland nach Deutschland gekommen und eine andere meint, wir sollten uns glücklich schätzen, in der Lage zu sein, den armen Menschen helfen zu können. Die Antworten sind also vernünftiger als die Fragen. Darin liegt der konzeptionelle Fehler der Sendung: Das Volk kommt zu Wort, nachdem Julian Reichelt es ihm erteilt hat, um auf eine Frage zu antworten, die ihn interessiert und solange sie ihn interessiert — und das ist arg kurz.”
PS: “Hier spricht das Volk” hat übrigens die absolut gelungene Website hiersprichtdasvolk.de, hihi. PPS: Danke dafür an @schmidtlepp!
5. Lieber die taz digital lesen, statt von der taz abgehängt zu sein (blogs.taz.de, Andreas Bull)
Bei der “taz” macht sich der digitale Wandel samt seiner logistischen Herausforderungen für das Printprodukt bemerkbar. Noch könne die gedruckte “taz” überall im Land zugestellt werden, doch das werde nicht mehr lange der Fall sein: “Wir ahnen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis (…) sich dann weiße Flecken auf der Landkarte ausbreiten, in denen die taz nicht mehr gelesen werden könnte. Was können die Leute im Thüringer Wald dafür, wenn ihnen weder Post noch lokaler Trägerdienst die taz in den Briefkasten bringen will?”
6. Rassistische Journalistin flog für falschen Preis nach Prag (kurier.at)
Die Journalistin Katie Hopkins hetzt bevorzugt gegen Muslime, Homosexuelle und Feministinnen und hat es damit in Großbritannien zu trauriger Berühmtheit gebracht. Nun hat sie ein südafrikanischer Youtuber gefoppt und zu einer angeblichen Preisübergabe in ein Prager Luxushotel gelockt: “Als sie den Preis annahm, leuchtete auf einer Leinwand hinter Hopkins der Schriftzug ‘Campaign to Unify the Nation Trophy’ mit gefetteten Initialen auf. Die Abkürzung ‘Cunt’ ist auf Englisch eine üble sexistische Beleidigung.” Hier der Videomitschnitt der würdevollen Verleihung (youtube.com, 10:10 Minuten).
1. Die nervige Lust am Missverstehen (t-online.de, Nicole Diekmann)
Nicole Diekmann rät, sich nicht in den Online-Empörungsstrudel ziehen zu lassen, und führt dazu zwei Beispiele aus der jüngeren Zeit an: “Es ist ein anstrengender Trend, den auch die mitmachen, die sich so gern auf der richtigen Seite sehen und auch den so wichtigen Kampf gegen Hassrede führen. Ihre Verantwortung, oder sagen wir es weniger pädagogisch, ihre Chance, die Spaltung der Gesellschaft wenigstens nicht weiter mit voranzutreiben, übersehen sie dabei. Die Anlässe werden immer nichtiger, die Hämmer immer härter.”
Dazu passend ein weiterer Lesehinweis: Die Empörung der Anderen. So startest du deine private Entpörungs-Welle (dirkvongehlen.de).
2. Hey, Auslandsberichterstattung – Wir müssen reden! (journalist.de, David Schraven & Bassel Alhamdo & Frederik Richter & Marcus Bensmann)
Laut Recherchen von “Correctiv” und “journalist” würden in der ZDF-Auslandsberichterstattung arabische, russische sowie chinesische O-Töne und ihre Übersetzungen nicht immer übereinstimmen. Es gehe um eine grundsätzliche Praxis bei Fernsehinterviews in fremden Sprachen: “Müssen der gesendete Ausschnitt und die deutsche Übersetzung einander entsprechen? Oder darf der Korrespondent sich frei aus verschiedenen Stellen des Gesprächs bedienen — und die Übersetzung einfach mit einem sprechenden Gesicht bebildern?”
3. Es gibt nicht DIE Objektivität im Journalimus. (planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre war beim nur noch einmal im Jahr stattfindenden ZDF-Pressegespräch in Berlin und hat wie immer aufmerksam zugehört. Zum Beispiel bei den Lobpreisungen von ZDFneo, die Buhre in dieser Form nicht nachvollziehen kann: “Meiner Beobachtung nach hat ZDFneo (Jahresbudget 41,2 Mio.) den Anteil an selbst-produzierten, also originären ZDFneo-Formaten zurückgefahren. Sowohl Pressesprecher Alexander Stock als auch Intendant Thomas Bellut bestreiten das, doch wie mir die ZDF-Pressestelle später auf Anfrage mitteilte, gab es in der vierten Kalenderwoche 2020, in der das Pressegespräch stattfand, genau 45 Erstsendeminuten von neuem, selbst-produziertem Neo-Programm. Auf die 168-Stunden-Woche gerechnet sind das 0,45 Prozent (…). Die restlichen 99,55% bestehen aus Wiederholungen und Lizenzeinkäufen.”
Siehe auch Buhres mit einem Blick erfassbare Analyse des ZDFneo-Programms in Kalenderwoche vier (PDF).
4. Verpasste Gelegenheit für die Pressefreiheit (reporter-ohne-grenzen.de)
Als eine “verpasste Gelegenheit für die Pressefreiheit” bezeichnen die Reporter ohne Grenzen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Verbot der Internetplattform “linksunten.indymedia”. “Leider hat sich der Senat weitgehend auf die formale Frage beschränkt, ob die mutmaßlichen Betreiber als Einzelpersonen überhaupt berechtigt waren, gegen das Vereinsverbot zu klagen. Die grundrechtliche Abwägung, ob die inkriminierten Inhalte ein pauschales Verbot der ganzen Plattform rechtfertigen, bleibt damit offen”, so ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske.
Weiterer Lesehinweis: Was ist eigentlich Linksunten.indymedia? (spiegel.de)
5. Ärger um Talkshow mit Thilo Sarrazin: Es hagelt Absagen anderer Gäste (rnd.de)
Gestern Abend wurde in der Talkshow “Talk im Hangar-7” des österreichischen Senders Servus TV die Debattenkultur diskutiert. Als ein Beispiel für einen Vertreter einer “unbequemen Meinung” hatte man Thilo Sarrazin eingeladen. Und sich damit die Absagen diverser anderer Gäste eingehandelt. Hasnain Kazim veröffentlichte seine Absage auf Twitter: “Es freut mich, dass Sie grundsätzlich Interesse an meiner Arbeit und auch an meinen Standpunkten zum Thema Debattenkultur haben. Einer davon ist, dass nicht jede ‘Meinung’ eine Meinung ist. Und auch, dass man nicht jedem Bullshit, jedem Rassismus, jeder Menschenverachtung, die im Deckmantel einer ‘Meinung’ daherkommt, eine Bühne bieten sollte. Man bietet ‘Identitären’ für ihre neonazistischen Ansichten keine Plattform. Man gibt Rechtsextremisten keine Redezeit. Und man lädt auch nicht Thilo Sarrazin in eine Talkshow ein.”
6. Programmierter Zombie-Exzess: Radikalisierungsmaschine Youtube (medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Adrian Lobe berichtet über eine Studie der Nichtregierungsorganisation Avaaz mit dem Titel “Why is YouTube Broadcasting Climate Misinformation to Millions?” (PDF). Das Geschäftsmodell von Youtube und die verwendete algorithmische Mechanik spiele Extremisten in die Hand: “Für jedes Klima-Desinformationsvideo, das jemand anschaut oder likt, werden ähnliche Inhalte in den Empfehlungen angezeigt, sodass der Nutzer in die Online-Blase der Desinformation tappt”, so das Autorenteam der Studie.
1. Keine unabhängigen Medien beim «grössten Jounalismuspreis der Welt» (medienwoche.ch, Benjamin von Wyl)
Benjamin von Wyl berichtet über die Verleihung der Fetisov Journalism Awards in Luzern, den angeblich “größten Journalismuspreis der Welt”. Bei der Verleihung des von allerlei Seltsamkeiten geprägten Preises musste er jedoch draußen bleiben, man habe kurzfristig seine Akkreditierung widerrufen. Überhaupt scheint sich der Veranstalter recht medienscheu gegeben zu haben: “Bei der Verleihung der Fetisov Journalism Awards, die der russische Milliardär Gleb Fetisov gestiftet hat, waren keine unabhängige Berichterstatter willkommen. Dem Vernehmen nach seien die geladenen Gäste durch die Tiefgarage ins Luzerner Hotel Schweizerhof geschleust worden. Schweizer Journalist*innen waren — soweit bekannt — keine darunter.”
Zum Hintergrund unbedingt lesenswert: Ein russischer Milliardär stiftet sich den größten Journalismuspreis der Welt (medienwoche.ch, Herwig G. Höller & Benjamin von Wyl).
2. Ein Zombie kehrt zurück (taz.de, Christian Rath)
Die Verlage versuchten schon einmal und relativ erfolglos via gesetzlichem Leistungsschutzrecht etwas vom großen Google-Kuchen abzubekommen. Auch das neue Leistungsschutzrecht werde ihnen wohl nur minimale Einnahmen bringen, prognostiziert Christian Rath, der rechtspolitische Korrespondent der “taz”.
3. Das sind die Nominierten für die Goldenen Blogger 2019 (die-goldenen-blogger.de)
Am 9. März dieses Jahres findet in Berlin die Verleihung des Influencer-Awards Die Goldenen Blogger statt. Der Hauptpreis wird entweder an den Youtuber Rezo, die Journalistin Samira El Ouassil oder das Faktencheck-Blog “Volksverpetzer” gehen. Es lohnt jedoch auch ein Blick auf die anderen Nominierten — insgesamt gibt es 18 Kategorien mit jeweils drei Nominierungen.
4. “Als Korrespondent ist man oft ein Übersetzer” (fachjournalist.de, Florian Beißwanger)
Der “Fachjournalist” hat mit Dominique Eigenmann gesprochen, der als Deutschland-Korrespondent für den Schweizer “Tages-Anzeiger” arbeitet. In dem Interview geht um Eigenmanns Korrespondentenleben in Berlin, die Unterschiede zwischen Schweizer und deutschen Medien und die Frage, wie er seine Themen findet: “Ich versuche bei vielen Themen jene Aspekte aufzugreifen, die für ein Schweizer Publikum von Interesse oder von Belang sind. Die deutsche Debatte um eine neue Regelung der Organspende beispielsweise war für mein Schweizer Publikum auch deswegen interessant, weil in der Schweiz dieselbe Entscheidung bald ansteht — und die Abstimmung vermutlich anders ausgeht.”
5. Was wird aus der “Morgenpost”? (sueddeutsche.de, Peter Burghardt)
In Hamburg machen sich derzeit viele Menschen Sorgen um das Fortbestehen der “Hamburger Morgenpost”. Es gebe Gerüchte, dass Eigentümer DuMont die jüngste Modernisierung nur mit Blick auf einen baldigen Verkauf durchgeführt habe: “Die digitale Transformation und der Umzug dienten einzig und allein dazu, die Braut hübsch zu machen”, so “Mopo”-Betriebsratsvorsitzende Nina Gessner auf einer Demo. Mittlerweile seien allerlei Solidaritätsbekundungen von Hamburger Promis eingetrudelt, die sich ebenfalls eine weiterhin eigenständige “Morgenpost” wünschen.
6. Der Erfinder des “Maus-Journalismus” (deutschlandfunk.de, Michael Borgers)
Seit 1971 erklärt der inzwischen 80-jährige Armin Maiwald den kleinen und großen Zuschauern der “Sendung mit der Maus” (WDR) die Welt. Michael Borgers preist ihn im Deutschlandfunk als Erfinder des “Maus-Journalismus” und lobt Maiwald für seine Vorbildfunktion für viele Journalistinnen und Journalisten.
Am vergangenen Donnerstag war großer Messer-Tag bei den “Bild”-Medien. Die “Bild”-Zeitung verkündete auf ihrer Titelseite, dass die “Messer-Gewalt” “immer schlimmer” werde:
Und bei Bild.de lief am Morgen die auf der Titelseite angekündigte “große Sondersendung”.
Ein paar Stunden später, am frühen Nachmittag, gab es noch eine “Bild live”-Sendung. Denn es gab einen “NEUEN MESSERANGRIFF”:
Im baden-württembergischen Rottweil hatte ein Mann eine Mitarbeiterin des örtlichen Jobcenters mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Die Frau musste per Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei konnte noch vor Ort einen Tatverdächtigen festnehmen. Und “Bild” berichtete mit einer Messer-Sondersendung.
Diese Sendung dürfte ein weiterer Testballon der Redaktion und ein Vorgeschmack darauf gewesen sein, wie das von Chefredakteur Julian Reichelt und dem Axel-Springer-Verlag geplante “Bild TV” aussehen könnte. Wenn das “Bild”-Team mehrere Stunden am Tag durchgängig senden möchte, muss es auch kurzfristig Sendungen zu aktuellen Themen auf die Beine stellen können. Durch die gut 16-minütige “Bild live”-Sendung vom Donnerstag konnte man einmal mehr erahnen, wie schrecklich das alles werden dürfte.
Das größte Problem war, dass es diese Sendung überhaupt gab; dass ein singuläres Ereignis, das eher von lokalem Interesse ist, durch “Bild” zu einer “BREAKING NEWS” von angeblich deutschlandweiter Relevanz aufgeblasen wurde. So schlimm der Angriff im Jobcenter in Rottweil war, bleibt es ein Vorfall von begrenzter Bedeutung. Die “Bild”-Redaktion aber schnappt ihn sich und schaltet zwei, drei Alarmgänge hoch: Hier, schaut her! Schon wieder ein Messerangriff! Überall Messergewalt! Und wie ist es beim nächsten Vorfall und beim übernächsten — berichtet “Bild live” dann wieder? Vermutlich nicht. Nicht einmal die “Bild”-Redaktion schafft es, aus jedem Messerangriff in Deutschland eine angstverbreitende TV-Sendung zu machen.
Ein möglicher Grund, warum gerade der Angriff in Rottweil zu einer “Bild live”-Sendung führte: Ein Plan von Julian Reichelt soll sein, plattformübergreifende Themenschwerpunkte zu setzen, mit denen er dank “Bild”-Zeitung, Bild.de und eben “Bild TV” bis zu 40 Millionen Menschen erreichen will. Wenn man zufällig sowieso schon eine Titelseite zur “Messer-Gewalt” an den Kiosken liegen hat, und dann ein aktueller Fall reinkommt, kann man doch wunderbar mit einer Messer-Sondersendung testen, wie das klappen könnte. Auch Moderatorin Juliane Bauermeister sagte gleich zu Beginn der Sendung:
Ein Mann greift eine Frau mit dem Messer an und verletzt sie schwer. Ja, dieser furchtbare Angriff passierte heute Vormittag. Das Opfer: eine Mitarbeiterin des Jobcenters in Rottweil in Baden-Württemberg. Ja, und wir haben ja erst heute morgen in unserer 8-Uhr-Sendung über den Anstieg von Messerangriffen in Deutschland berichtet. Nun also dieser neueste tragische Fall.
Durch diese Aktualitätshechelei begibt sich die “Bild”-Redaktion in einen selbst auferlegten Breaking-News-Modus, der dazu verpflichtet, irgendetwas zu erzählen und irgendetwas zu zeigen, auch wenn kaum bis gar nichts zu erzählen und zu zeigen ist. Das führt etwa dazu, dass Moderatorin Bauermeister dann einen Tweet wie diesen der Polizei Konstanz vorliest:
Bauermeister: “Da müssen wir also abwarten, was jetzt die Ermittlungen dazu bringen.” Diesen Tweet, der eigentlich nur sagt, dass es noch nichts zu sagen gibt, liest sie später in der Sendung noch ein zweites Mal vor. Viel weniger kann man nicht zu berichten haben.
Und auch “Bild”-Redakteur Frank Klauss, der mit der Moderatorin im Studio steht, kann nicht viel mehr beitragen als: Mann, Messer, Jobcenter, Mitarbeiterin, Hubschrauber, Krankenhaus, Polizei, Festnahme. Ansonsten sagt er Dinge wie:
Ob sie in Lebensgefahr schwebt, ist derzeit noch nicht bekannt. Wir warten da auch noch auf weitere Nachrichten von Seiten der Polizei.
Und: Angriffe in Jobcentern kämen immer wieder vor …
so dass viele Jobcenter auch mittlerweile einen Sicherheitsdienst haben und auch ihre Mitarbeiter schulen. Ob das hier in Rottweil der Fall war, das wissen wir noch nicht. Aber das ist sicherlich auch eine interessante Frage, der wir noch nachgehen werden.
Dazu noch ein paar Allgemeinplätze: Die Polizei sei jetzt damit beschäftigt, Spuren zu sichern und mit Zeugen zu sprechen. Außerdem werde der Tatverdächtige nun vernommen. Schau an. Zum möglichen Motiv des Mannes sagt Klauss:
Über das Motiv können wir bislang erst noch spekulieren.
… und spekuliert dann über einen möglichen Streit um Leistungskürzungen.
Noch trauriger ist nur die Schalte zu “Bild”-Reporter Frank Schneider, der aus irgendeinem Grund vor einer Burger-King-Filiale steht, aber nicht in Rottweil. Schneider erzählt von der Statistik aus Nordrhein-Westfalen, die die Grundlage für die “Bild”-Titelseite mit der “immer schlimmeren” “Messer-Gewalt” ist:
Naja, die wichtigste Nachricht ist natürlich: Die Attacken nehmen deutlich zu. Es gibt ja wenige Zahlen in der Vergleichbarkeit, weil natürlich viele Bundesländer sie noch nicht erheben. Aber wir haben zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen seit einem Jahr diese Erhebung. Und man sieht ja schon: Vom ersten zum zweiten Halbjahr nimmt die Zahl der Attacken deutlich zu.
Das ist deswegen bemerkenswert, weil nur kurz darauf von der “Bild”-Redaktion ein morgens aufgezeichnetes Interview mit Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul eingespielt wird, der gewissermaßen Herausgeber der Statistik ist, zu der “Bild”-Reporter Schneider behauptet, dass das alles “deutlich” steige. Reul sagt:
Man muss da behutsam sein, weil wir es das erste Mal machen, aber auch die einzigen sind in Deutschland, die das gemacht haben. Aber die Zahlen sind erschreckend. Wir können jetzt nicht sagen, ob sie wirklich gestiegen sind. Aber mein Gefühl ist, das nimmt zu, da tut sich was, da müssen wir achtsam sein. Das muss man vor allen Dingen ernst nehmen. Und das ist auch nicht einfach mit billigen Parolen zu lösen, sondern da muss man ganz genau hinschauen: Warum passiert das? Und welche Möglichkeiten haben wir als Polizei oder als Staat oder als Gesellschaft?
Aber zurück zu “Bild”-Mann Schneider, der noch mal sagen will, auf wen die Gesellschaft da besonders schauen muss: die Ausländer:
Es sind hauptsächlich männliche Tatverdächtige, es sind junge Männer. Es sind nicht nur Jugendliche, es sind auch viele Erwachsene, aber junge Männer, dabei. Es sind relativ viele Nicht-Deutsche dabei. Von den Deutschen haben viele auch noch Migrationshintergrund. Es ist offenbar auch ein kulturelles Problem. Der Psychologe hat es heute morgen ja auch noch mal erklärt: Das ist so ein Männlichkeitssymbol. Und das kommt eben diesem archaischen und patriarchalischen Männerbild von vielen Zuwanderern nahe. Man hat das Messer dabei, um seine Ehre, seine Männlichkeit zu verteidigen. Und das ist sicherlich die Aussagekraft dieser Statistik bisher.
Auch zu dieser billigen Parole zu diesem Aspekt gibt es eine Aussage von NRW-Innenminister Reul. Auf die Frage, wie “das Täterprofil von solchen Menschen” aussehe, sagt er im Interview:
Sie haben es richtig beschrieben: Vorrangig Männer. Vorrangig Männer und vorrangig Deutsche. Und das heißt zum Beispiel, dass die einfache Erklärung ‘Das sind nur diejenigen, die aus dem Ausland kommen’ falsch ist und nicht reicht. Aber auch da gibt es 40 Prozent. Und deswegen sind beide Sachverhalte ernst zu nehmen.
Inzwischen steht fest, dass der 58-jährige Tatverdächtige in Rottweil Deutscher ohne Migrationshintergrund ist.
Am Ende der “Bild live”-Sondersendung sagt Moderatorin Juliane Bauermeister:
So viel zu dem, was wir wissen über den heutigen Messerangriff.
Und:
Wir halten Sie natürlich weiterhin auf dem Laufenden.
1. Gewaltige Fotodatenbank zeigt, wie gefährlich Gesichtserkennung ist (zeit.de)
Laut “New York Times” soll das wenig bekannte Startup Clearview eine Datenbank mit Milliarden Bildern von Menschen zusammengesammelt haben, die mittels Gesichtserkennung zuzuordnen seien. Clearview soll dafür Facebook, Youtube und viele andere Websites geplündert haben. Das Unternehmen biete seine Dienste sowohl Behörden als auch Privatunternehmen an. Es lohnt sich, auch den “NYT”-Beitrag im Original zu lesen. Er hat Elemente einer alarmierenden Dystopie.
2. Eine Frage der Größe (sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Wenn es nach einem “Diskussionsentwurf” des Justizministeriums zur Umsetzung des Leistungsschutzrechts geht, sollen Vorschaubilder bald nur nur noch im Briefmarkenformat erlaubt sein. Simon Hurtz erklärt Hintergrund, Zusammenhänge und Interessenlagen.
3. Wenn überall das Gleiche steht (taz.de, Anne Fromm)
Im Osten Deutschlands schrumpft die Presse auf einige wenige Anbieter zusammen. Nach dem Verkauf der “Mitteldeutschen Zeitung” an die Bauer Media Group, die mit der “Volksstimme” bereits die andere große Tageszeitung in Sachsen-Anhalt besitzt, kommentiert Anne Fromm: “Das mag Ihnen in Tübingen oder Oldenburg egal sein. Vielleicht nehmen Sie von ihr nur dann Kenntnis, wenn sie morgens in der ‘Presseschau’ im Deutschlandfunk zitiert wird. Doch zur Demokratie gehört ein dichtes Netz aus Meinungsvielfalt und Pressevielzahl.”
4. AfD- und Nichtwähler nutzen wenig Nachrichtenquellen (heise.de, Andreas Wilkens)
Psychologinnen und Psychologen der Universität Ulm haben Wähler politischer Parteien zu deren Nachrichtenkonsum befragt. Das Ergebnis: Nicht- und AfD-Wähler sowie Unterstützer kleiner Parteien bezögen sich auf die vergleichsweise wenigsten Nachrichtenquellen. Außerdem würden ältere Befragte laut Studie mehr Nachrichtenquellen nutzen als jüngere.
5. Nach der Verhandlung über die BND-Massenüberwachung: 7 Lehren für die (investigative) journalistische Arbeit (medium.com, Daniel Moßbrucker)
Das Bundesverfassungsgericht befasst sich derzeit mit der Massenüberwachung durch den Bundesnachrichtendienst und prüft, ob diese das Grundgesetz verletzt. Durch das energische Nachfragen der Richterinnen und Richter seien so viele Details und Zahlen wie lange nicht bekannt geworden. Daniel Moßbrucker hat daraus sieben Erkenntnisse für Journalistinnen und Journalisten abgeleitet.
6. Wie Polizeimeldungen Autounfälle verharmlosen (tagesspiegel.de, Stefan Jacobs)
In Polizeiberichten über Autounfälle werde oft die Perspektive des Autoverkehrs eingenommen, was zu einer Verharmlosung und Falschbewertung des tatsächlichen Unfallgeschehens führen könne. Stefan Jacobs hat einige Beispiele aus Berlin zusammengetragen und sensibilisiert damit für das wichtige Thema.
Ein exklusives Interview mit zwei Hollywood-Stars — darauf kann eine Redaktion schon stolz sein. Und klar, dass diese Redaktion dann auch extra schreibt: “BILD traf Will Smith und Martin Lawrence zum Interview”.
Blöd nur, wenn es gar kein Interview gegeben hat.
Der Artikel auf Bild.de zitiert Will Smith und Martin Lawrence zwar mehrfach und ausführlich; diese Zitate stammen aber alle von einer Pressekonferenz in Berlin, bei der die zwei Schauspieler gemeinsam mit Produzent Jerry Bruckheimer sowie den Regisseuren Adil El Arbi und Bilall Fallah ihren neuen Film “Bad Boys for Life” vorgestellt haben. Hier der Vergleich:
Bild.de
Pressekonferenz
“Ich habe in meiner Karriere einige Fortsetzungen gedreht, ich war niemals richtig glücklich mit der Qualität. Aber das hier war unser Baby, dieser Film hat unsere beiden Karrieren gestartet. Es musste also vernünftig werden und nicht einfach nur der dritte Teil. Sehr selten werden Fortsetzungen besser, aber bei dieser Trilogie ist der dritte Film der beste.”
Smith: “I’ve made a couple of sequels in my career and I was never totally happy with the quality of the sequel, and this was like our baby, like this was the movie that really launched both of us and it just, it had to be right, it had to be a movie, that was worthy of coming back to it by itself. Not just: Hey, wouldn’t it be cool to make a third one, and you know, I wanted to do something that was great and I wanted to take a shot at making the best of the three movies. And very rarely in sequels do the films get better, as you go along, and I think that with this trilogy, I think that definitely in terms of story, definitely in terms of performance, this third one is the best of the three.”
Als Lawrence etwas von “Ich mache Sport” ins Mikrofon flüstert, kriegt sich Smith gar nicht mehr ein. Er fängt an, laut zu lachen und klatscht begeistert in die Hände. Dann gibt er zu: “Ich fühle mich älter.”
Lawrence: “Well, exercise.” – Gelächter – Smith: “I don’t know, ah, you know, I just feel like, I’m feeling all of my 50 years old.” – Lawrence: “I feel all of 54.”
Vor Beginn der Dreharbeiten zu “Bad Boys for Life” habe er [Smith] gesagt, er mache alle Stunts selbst – Tom Cruise (57) schaffe das schließlich auch. “Nach drei Tagen war klar, es ist viel tougher als ich dachte.” Kampfszenen und aus dem Fenster springen sei in seinem Alter doch weitaus schwieriger als mit 25. “Danke Gott für die Spezialeffekte!”
Smith: “We came into this movie, and I was like: I’m doing all the stunts, I don’t need no stuntman. Just whatever it is. Tom Cruise can do all his stunts, I can do all my stunts. And, we had about three days of that, we had about three days and we had a scene calling the subs. I said: ‘Hey, you think we should use our stuntman for this?’ And you know, it was really a lot tougher than I imagined, it’s a whole lot easier doing a fight scene and trying to fall out of a window and all of that kind of stuff at 25, than it is at 50. Thank god for special effects!”
Er [Bruckheimer] hat keinerlei Zweifel am Erfolg der Fortsetzung: “Wenn du eine Kamera auf Martin und Will richtest, weißt du, sie werden fantastisch sein.”
Bruckheimer: “When you put Martin and Will together, and you turn a camera on, it’s magic, no matter what, so I knew they would be fantastic.”
Smith erinnert sich noch gut an die Dreharbeiten des ersten Films in Florida. “Prince hatte einen Club in Miami, selbst designt. Es war wirklich hart für uns zu arbeiten, wenn du jede Nacht in den Club gehen konntest …”
Smith: “For me, it was Miami. It was like, you know, for this, for ‘Bad Boys’ was the first time we really spent time in Miami, it was like our introduction to that. And, one of the major memories: Prince had a club in Miami, when we first made the film, with ‘glam slam’ or something like that. Prince designed a club, it was really hard to get work done in Miami when you could go to Prince’s club every night. So that was one of my fondest memories.”
Was für ihn die Freundschaft der beiden Hauptfiguren ausmacht: “Es muss nicht liebenswürdig sein, es muss nicht besonnen sein oder goldig. Aber sehr zuverlässig.” Motto: “We ride together, we die together”.
Smith: “Yeah, that’s really at the center of ‘Bad Boys’, you know, that idea: ‘We ride together, we die together.’ It’s like perfect friendship. And it doesn’t have to be gentle, and, you know, it doesn’t have to be calm, it doesn’t have to be sweet, but what it is: it’s rocksolid. We ride together, we die together. Bad Boys for life.”
(All diese Zitate (bis auf eines — aber auch dieses stammt von der Pressekonferenz), sind in einem gekürzten Zusammenschnitt auf Youtube zu finden.)
Der “Bild”-Autor hat während der gesamten Pressekonferenz keine einzige Frage gestellt — das geht aus einem Audiomitschnitt hervor, der uns vorliegt. Dennoch gibt die Redaktion die Antworten als eigenes “Interview” aus.
Diese Interviewvorgaukelei hat bei “Bild” eine gewisse Tradition:
1. Ein Netflix für Journalismus (taz.de, Alexander Graf)
Immer wieder taucht die Forderung nach einem Portal für Zeitungsartikel auf, einem “Netflix für Journalismus”. Vor einigen Jahren gab es mit Blendle den weitgehend gescheiterten Versuch, ein derartiges Modell zu etablieren. Heutzutage versucht sich vor allem das Unternehmen Readly mit einer Art Journalismus-Flatrate. Im Magazinbereich sei das bereits ganz gut gelungen, doch alle wichtigen überregionalen Zeitungen würden fehlen. Die Verlagshäuser hätten Angst, dass ein neuer Branchenriese entsteht. Doch genau der stehe mit Apple und seiner App “News+” bereits in den Startlöchern.
2. Lebenshilfe-Themen sollen Abos bringen (daniel-bouhs.de, Audio: 5:16 Minuten)
Daniel Bouhs hat sich den neuen Onlineauftritt des “Spiegel” angeschaut. Dort fiele, neben vielen weiteren Änderungen, vor allem das neue Ressort “Leben” auf. Welche Strategie verfolgt das Nachrichtenmagazin? Und wie kann das Verschmelzen von Print und Online gelingen? Für den Deutschlandfunk hat Bouhs die beiden “Spiegel”-Spitzen Barbara Hans und Steffen Klusmann befragt.
3. BILD erklärt lebende Frau für tot | WALULIS DAILY (youtube.com, Video: 8:31 Minuten)
Vergangene Woche berichtete “Bild” über einen tödlichen Unfall in Südtirol und veröffentlichte Fotos der Opfer und des Unfallfahrers auf der Titelseite. Darunter eine Frau, die mit dem Unfall nichts zu tun hatte und sich auf Facebook bitterlich beschwerte: “LIEBE BILD? Wie kann das passieren? Ich bin am Leben und es wird wahllos ein Bild vor gefühlt 8 Jahren ins Netz gestellt obwohl ich nicht betroffen bin? HABT IHR SIE NOCH ALLE? schlimm genug dass ihr mit der Story Kohle verdient!” (BILDblog berichtete). Das Walulis-Team hat sich des traurigen Falls angenommen und in einem achtminütigen Video auf satirische Weise nachgespielt, wie es bei “Bild” wohl zugegangen sein muss: “Stell dir vor, die BILD-Zeitung erklärt dich für tot.”
5. Maulkorb von oben: Eigentümer beschneiden die Pressefreiheit ihrer Redaktionen (medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Immer wieder kommt es vor, dass branchenfremde Reiche, Industrielle und Unternehmer in Medien investieren. Dagegen wäre nicht viel einzuwenden, wenn da nicht die Sache mit den möglichen Interessenkonflikten wäre. Adrian Lobe hat sich die vergangenen Kontroversen in Frankreich, den USA und Deutschland angeschaut. Lobe bringt es im Schlussteil auf den Punkt: “Zu einem unabhängigen Journalismus gehört beides: Eigentümer, die die Pressefreiheit respektieren. Und Journalisten, die keine Beisshemmungen gegenüber den Mächtigen haben. Auch nicht gegenüber ihrem Eigentümer.”
6. Journalismus-Trend des Jahres: Die Zugstattflugreportage (dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff lästert über die, seiner Meinung nach, derzeit auffällig oft erscheinenden Zugreportagen: “Was früher die Provinzreportagen waren, sind heute die ‘Papa fährt Bahn’-Geschichten, die sich in der Regel wirklich putzig und sehr unterhaltsam lesen, auch wenn sie natürlich dem durchschnittlichen Bonusmeilensammler ein bisschen vorkommen wie Stories From Outta Space. Aber es gilt nun mal weiterhin der zuverlässige Merksatz, dass Dinge, die ein Journalist entdeckt, genau dann neu sind, wenn der Journalist sie entdeckt.”
1. #12062020olympia: Die Klimabewegung hat ein Abgrenzungsproblem (vice.com, Thembi Wolf)
Der umtriebige Geschäftsführer der Firma Einhorn und Initiator des Olympiastadion-Events #12062020olympia hat sich im Gespräch mit Tilo Jung merkwürdig bis ungeschickt zu der Frage geäußert, ob bei dem Event auch Nazis willkommen seien. Anlass für Thembi Wolf, etwas anzusprechen, was sie für ein Problem neuer sozialer Bewegungen hält: die Konsenssucht. “Soziale Bewegungen sind Volksmusik geworden. Alle können sich unterhaken, alle können den Text mitsingen. Ein bisschen Liebe, ein bisschen Frieden. Wer könnte darüber uneinig sein? (…) Mehr Basisdemokratie — klingt gut! Aber ist es vielleicht eher das Setting für einen dystopischen Netflix-Thriller, wenn ein Unternehmen ein Stadion mietet, um darin Petitionen abstimmen zu lassen?”
2. Wen frag ich denn heute? (katapult-magazin.de, Lukas Brenner)
Medien veröffentlichen gerne und regelmäßig politische Umfragen beziehungsweise Umfrageergebnisse wie die zur bekannten “Sonntagsfrage”. Entsprechend viele “Umfrageinstitute” tummeln sich auf dem Markt: Forsa, Allensbach, Forschungsgruppe Wahlen, Infratest dimap, Infas, Insa, Kantar Emnid, GMS, GESIS, YouGov, Civey … Lukas Brenner hat sich die Methoden der Demoskopen angeschaut. Sein Urteil: “Einige Institute verwenden umstrittene Methoden und sind politisch nicht neutral.”
3. Ist der Ruf erst ruiniert, der Intendant den Halt verliert (dwdl.de, Thomas Lückerath)
“DWDL”-Chefredakteur Thomas Lückerath kommentiert das Vorgehen des WDR-Intendanten Tom Buhrow in der Causa “Umweltsau”: “Ausgerechnet in Hochzeiten von Fake News und Stimmungsmache darf ein Journalist und ehemaliger Nachrichtensprecher nicht zulassen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zum Spielball von Stimmungsmache wird, die langsam aber stetig die Koordination des Erlaubten verschieben will. Satire, ob bissig oder banal, ob mal treffsicher oder weniger gelungen, bleibt Satire. Es beschämt mich allein schon, diese Zeilen schreiben zu müssen. Ohne hyperventilierende Medien und Buhrows Entschuldigung wäre es der Sturm im Wasserglas geblieben.”
4. Eine 18-Jährige beschwört auf Tiktok die Eskalation zwischen USA und Iran zum «Dritten Weltkrieg» herauf – und erreicht damit ein Millionen-Publikum (nzz.ch, Gabriela Dettwiler & Reto Stauffacher)
Die 18-jährige Schülerin Laura Sophie aus München hat auf Tiktok mehr als 2,2 Millionen Followerinnen und Follower, die sie mit Tanzvideos und kleinen Schulgeschichten versorgt. Am Wochenende veröffentlichte sie ein (nicht mehr öffentlich einsehbares) Erklärvideo, warum es möglicherweise zu einem Dritten Weltkrieg kommen könnte. Die “NZZ” kritisiert: “Es ist fragwürdig, wenn junge Erwachsene wie Laura Sophie unwidersprochen Halbwahrheiten an Millionen von Menschen verbreiten können. Sie scheinen sich nicht bewusst zu sein, dass sie mit ihren Videos mehr Menschen erreichen als viele Tageszeitungen und bei ihren Followern eine Kompetenzfunktion besitzen. Dass ihre «Kriegserklärung» ohne Einordnung auf Plattformen wie Tiktok oder Twitter zirkuliert, ist gefährlich.”
5. “Dieser Bericht ist unanständig” (deutschlandfunkkultur.de, Martin Böttcher, Audio: 6:52 Minuten)
Vergangenes Jahr sorgte der Film “Leaving Neverland” und die darin enthaltenen Kindesmissbrauchsvorwürfe gegenüber Michael Jackson für einiges Aufsehen. Nun hat der TV-Sender Sat.1 eine Doku gesendet, die anscheinend eine Art Gegenposition beziehen und den Musiker entlasten soll. Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt hat sich den 110-Minuten-Beitrag (inklusive Werbeunterbrechungen) angeschaut. Der Film komme wie ein überlanger Bericht aus einem typischen Boulevard-Magazin daher, sei einseitig und ziehe falsche Schlüsse.
6. Alles neu denken – der Prozess hinter dem Relaunch des digitalen SPIEGEL (medium.com/@devspiegel)
Lust auf eine Überdosis Marketing-Bla-Bla? Dann gönnt Euch diesen Artikel der “Spiegel”-Leute zur neu überarbeiteten Website — ein Mix aus BWL-Gelaber, inhaltsleeren Worthülsen und peinlichem Selbstlob. Es entsteht der fatale Eindruck, dass es nicht von Belang ist, ob hier mit Schrauben oder Journalismus gehandelt wird. Aber vielleicht war es ja auch nur ein emotionaler Ausrutscher im narzisstischem Liebesrausch der Selbstbespieglung.