Krankentracking, „Jerks“-Klischees, Schief gewickelt

1. Wie Hilfesuchende im Netz erfasst werden
(sueddeutsche.de, Jannis Brühl & Felix Ebert & Svea Eckert & Jan Strozyk & Vanessa Wormer)
Wer sich im Netz über psychische Erkrankungen informiert oder einen Depressions-Selbsttest durchführt, muss damit rechnen, dass seine Daten an Dritte weitergegeben werden. Das hat eine Analyse der Organisation Privacy International ergeben, die der „Süddeutschen Zeitung“ und dem NDR vorliegt: „Heikel ist das vor allem, weil wenige Themen so schambesetzt sind wie psychische Krankheiten. Daten, die Rückschlüsse auf die Gesundheit Einzelner zulassen können, sollten deshalb nicht nur in der Krankenakte beim Arzt, sondern auch im Netz besonders geschützt sein.“

2. „Jerks“: Sind Klischees über behinderte Menschen witzig?
(ze.tt, Konrad Wolf)
Der studierte Theaterregisseur und Autor Konrad Wolf hat sich angeschaut, wie in der Comedyserie „Jerks“ mit dem Thema Behinderung umgegangen wird: „Die Serie gibt vor, mit Klischees zu spielen. Aber tut sie das wirklich? Der Serie gelingt in den Szenen, die die Behinderung thematisieren, nicht, was ihr in vielen anderen Szenen sehr wohl gelingt: dass der Witz auf Christian und Fahri zurückfällt. Jerks bedient die Klischees über Menschen mit Behinderung, ohne sie überraschend zu brechen.“

3. Geleakte Lobbystrategie: VG Media fühlt sich missverstanden und entschuldigt sich
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Netzpolitik.org hat vor ein paar Tagen über ein internes Schreiben einer „Verwerterlobby“ berichtet, zu der unter anderem der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und der Börsenverein des deutschen Buchhandels gehören, aber auch die Kinderschützer von Innocence in Danger, die „eine große Kampagne“ plane, „um für mehr Regulierung der Digitalkonzerne zu werben.“ Nun hat sich die Lobbyorganisation VG Media zu Wort gemeldet und sich „für missverständliche Formulierungen“ entschuldigt. Markus Beckedahl ist nicht überzeugt: „Für uns zeigte sich vor allem eine große Doppelmoral: Die beteiligten Verlegerverbände kämpfen auf EU-Ebene Hand in Hand mit den Digitalkonzernen gegen besseren Datenschutz und Verbraucherrechte beim intransparenten Tracking und drohen dabei mit dem „Ende der Demokratie“.“

4. Liebe 20 Minuten-Redaktion…
(daslamm.ch, Miriam Suter)
Miriam Suter ärgert sich über einen Artikel der kostenlosen Schweizer Pendlerzeitung „20 Minuten“ zum Wickeln eines Kindes in der Öffentlichkeit: „Dass sich eine Frau 2019 tatsächlich noch immer schämen muss, wenn sie ihr Kind in der Öffentlichkeit wickelt oder stillt, ist auch Artikeln wie euren zu verdanken. Dass die Frau dafür öffentlich an den Pranger gestellt wird und man in euren Kommentarspalten gar von ihr verlangt, sich öffentlich für ihr „Verhalten“ zu entschuldigen, ist einer übertrieben klickgeilen Art von Journalismus geschuldet, wie ihr ihn betreibt. Es ist eine bewusste redaktionelle Entscheidung von euch, mit Frauenfeindlichkeit Geld zu machen.“

5. YouTube löscht Rekordzahl an Hassvideos
(tagesschau.de)
Youtube hat im vergangenen Quartal nach eigenen Angaben wesentlich mehr Videos wegen Hassinhalten gelöscht als bisher. Mehr als 100.000 Videos habe das Netzwerk gelöscht, das sei fünfmal so viel wie zuvor. Des Weiteren habe man 17.000 Youtube-Kanäle wegen Hassinhalten gesperrt und mehr als 500 Millionen Kommentare unter Videos entfernt. Leider fehlen Zahlen zur quantitativen Gesamtentwicklung, mit denen sich die Entwicklung besser einordnen lassen würde.

6. Ich bin ein Mann mit Bauch
(faz.net, Anna Vollmer)
Der (derzeit geschäftsführende) italienische Innenminister und Lega-Nord-Politiker Matteo Salvini ist ein Meister der Selbstinszenierung. Auf seinem Twitter-Account soll er bereits über 11.000 Fotos und Videos gepostet haben. Der rassistische Politiker und volkstümliche Kumpel von nebenan sende dabei gerne doppeldeutige Signale: „Salvinis Fotos suggerieren ein Italien-Bild, bei dem es vor allem um drei Dinge geht: Essen, Fußball und Katholizismus. Themen, die auch in den klassischen italienischen Komödien immer wieder eine Rolle spielen. Wo die Filme jedoch mit Leichtigkeit und Selbstironie daherkommen, haben Salvinis Bilder einen doppelten Boden, der durchaus politisch ist. Indem Salvini vorgibt, was italienisch ist, zeigt er auch, wer nicht dazugehört.“