Suchergebnisse für ‘youtube’

Letztes Geschäft, Drölfzig Studientote, Konsensverschiebung

1. “Letztes Geschäft im Existenzkampf einer Zeitung”
(deutschlandfunk.de, Michael Bürgers)
“Warum berichtet “Bild” über die Speiseplan-Änderung in zwei von 56.000 Kitas in Deutschland?”, fragte der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz auf Twitter und war mit dieser Frage nicht allein. Auch wir befassten uns hier im BILDblog mit der Thematik. Der “Deutschlandfunk” hat unter anderem mit dem Politikberater und ehemaligen “Bild am Sonntag”-Chef Michael Spreng über den Fall gesprochen. Man könne laut Spreng den “Existenzkampf einer Zeitung, ein letztes Geschäft zu machen”, erleben. Sein ehemaliger Arbeitgeber sei zur “Vorfeldorganisation der AfD” geworden.

2. Nachbeben
(sueddeutsche.de, Adrian Lobe)
Immer mehr Redaktionen bedienen sich automatisierter Schreibprogramme, doch der sogenannte Roboterjournalismus hat seine Tücken. So rutschte der “LA Times” 2017 eine Falschmeldung von einem Erdbeben in Los Angeles durch, das eigentlich 92 Jahre zuvor stattgefunden hatte. Auch im Wirtschaftsjournalismus vertraut man zunehmend den automatisierten Meldungen. Auch hier können Fehler dramatische Folgen haben: “Kaum vorstellbar, was passieren würde, wenn ein Nachrichtenscanner an der Börse die Falschmeldung eines Schreibroboters verarbeiten würde — und infolgedessen der Aktienkurs einbricht. Im Hochfrequenzhandel führen sogenannte Algo-Trader Transaktionen in Mikrosekunden aus. So schnell, wie diese Maschinen operieren, kann keine Meldung korrigiert werden.”

3. Taten und Worte
(zeit.de, Christian Fuchs)
Christian Fuchs schlägt einen historischen Bogen vom Rechtsextremismus der Neunziger bis in die Jetztzeit mit dem Aufstieg der Neuen Rechten. Deren Strategen würden an einer Konsensverschiebung arbeiten und sich dabei eines Medien-Ökosystems aus mehr als 35 Zeitungen, Blogs, Magazinen, YouTube-Kanälen und einem Radiosender bedienen. Fuchs kennt sich in diesem Bereich besonders gut aus und hat mit Paul Middelhoff das Buch “Das Netzwerk der Neuen Rechten” verfasst. Sein Appell: “Gewaltverherrlichende, einschüchternde und abwertende Äußerungen dürfen nirgends unwidersprochen bleiben. Wenn Politiker und Bürger nicht klare Kante gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit zeigen, werden die Schüsse von Wächtersbach und Kassel nicht die letzten gewesen sein.”

4. Worte als Taten
(kontextwochenzeitung.de, Rainer Jedlitschka)
In der Buchreihe “Täter, Helfer, Trittbrettfahrer” geht es um NS-Belastete aus dem heutigen Baden-Württemberg. Ein Kapitel des zuletzt erschienenen Bands widmet sich Giselher Wirsing, dem Star-Journalisten des “Dritten Reichs”. “Kontext” veröffentlicht das gekürzte Kapitel über den Mann, dessen Karriere nach dem Krieg als Chefredakteur von “Christ und Welt” weiterging.

5. Kann eine Ex-AfDlerin uns wirklich etwas über Meinungspluralität beibringen?
(jetzt.de, Berit Dießelkämper)
“Funk” nennt sich das Bündel von öffentlich-rechtlichen Youtube-Kanälen für junge Leute. Seit vier Monaten bespielt dort auch Ex-AfDlerin Franziska Schreiber ihren eigenen Kanal und hat es auf immerhin 15.000 Abonnenten gebracht. Ein Format, das die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Berit Dießelkämper für problematisch hält: “Braucht es wirklich eine ehemalige Anti-Demokratin, um uns Pluralismus zu lehren? Und vor allem: Ist das überhaupt Pluralismus?”

6. Drölfzig Menschen sterben jedes Jahr beim Lesen von Studien
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
In den Jahren 2011 bis 2017 soll es laut einer indischen Studie 259 “Selfie-Tote” gegeben haben. Eine Meldung, die in den Sozialen Medien vom beömmelungssüchtigen Publikum mit allerlei Spott kommentiert wurde. Dennis Horn hat die Zahl in Relation gesetzt und kommt zu einem anderen Ergebnis: “Fast 0 Prozent aller Selfie-Aufnahmen gehen tödlich aus.”

“Operation Reisswolf”-Video, Geschmacklos, Newsroom-Klimbim

1. Die Wahrheit über die Operation Reisswolf
(youtube.com, Falter, Video: 4:43 Minuten)
Die “Falter”-Redaktion hat das Video zur “Operation Reisswolf” ausgegraben: “Sehen Sie hier exklusiv, wie ein enger Mitarbeiter von Sebastian Kurz mit Fake-Accounts und falschem Namen 5 Festplatten des Bundeskanzleramts vernichtete.”
Dazu auch: Geheimoperation Reißwolf (sueddeutsche.de).

2. “Finden Sie das nicht geschmacklos?”
(cicero.de, Bastian Brauns)
Beim ARD-Sommerinterview mit dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner stellte die Interviewerin eine Frage, die Lindner schlicht mit “Geschmacklos!” beantwortete. In der Schnellfragerunde hatte ARD-Moderatorin Tina Hassel Lindner die Wahl gelassen zwischen “Lieber Vermögenssteuer oder gleichaltrige Freundin?”. Als sich Lindner über die Art der Fragestellung beschwerte, verteidigte sich Hassel damit, dass es sich um eine Zuschauerfrage handele und sie “Anwalt” der eingehenden Fragen sei. Bastian Brauns erklärt, was an der Frage alles falsch ist.

3. Newsroom-Klimbim
(journalist-magazin.de, Olaf Wittrock)
Bundestagsfraktionen und Parteizentralen muss es wie ein herrlicher Traum vorkommen: Wie schön müsste es sein, wenn man die lästigen Journalistinnen und Journalisten abschütteln könnte und mittels eines eigenen Newsrooms die Berichterstattung lenken könnte? Eine Art Trendsetter ist ausgerechnet die AfD, die dies schon lange angekündigt und dafür angeblich 20 Planstellen geschaffen hat. Olaf Wittrock erklärt, inwieweit die Hoffnungen der Parteien auf die eigenen Nachrichtenzentralen berechtigt sind und inwieweit nicht.

4. Liebe Parlamente: Dass kleineanfragen.de stirbt, ist auch eure Schuld
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Wenn die Dokumentationsseite kleineanfragen.de stirbt, stirbt auch ein kleines Stück Demokratie. Seit fünf Jahren wurde auf der Plattform alles zusammengetragen, was die Parlamentarier aus den Bundes- und Landesparlamenten so wissen wollten. Ende 2020 steht nun das traurige Ende der Seite bevor. Der Grund: “Es fehlt auf Seiten der Parlamente und Verwaltungen an Konsistenz, an einheitlichen Standards und am Wille, etwas Kompatibles und Langfristiges zu schaffen. Es ist eine Sisyphosarbeit, die Informationen zugänglich zu machen. Ein einzelner Mensch, der das bei kleineanfragen.de ehrenamtlich leistete, kann das nicht schaffen.”

5. Die Angst vor dem Wort “Rassismus”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Carolina Schwarz hat sich die Medienberichterstattung über einen Angriff auf einen Eritreer in Hessen angeschaut und kritisiert das dabei verwendete Vokabular: “Dass verschiedene Medien den brutalen Vorfall vermelden, ist richtig, doch ihre Wortwahl ist falsch. Bei den Schüssen auf den Eritreer handelt es sich nicht um ein fremdenfeindliches, sondern um ein rassistisches Motiv. Und das ist ein großer Unterschied.”

6. Neue Vorwürfe gegen Spiegel TV wegen Saarbrücken-Film
(saarbruecker-zeitung.de, Niklas Folz)
Die Stadt Saarbrücken hat sich über den “Spiegel TV”-Beitrag “Saarbrooklyn – Der Randbezirk der Gesellschaft” geärgert und bei der zuständigen Medienanstalt Beschwerde eingelegt. Der Fernsehbeitrag sei extrem einseitig und verzerrt. Außerdem habe man der Stadt nicht die Gelegenheit gegeben, sich zu den angeblichen Missständen zu äußern. Weiterhin habe das TV-Team einen “überaus verantwortungslosen Umgang” mit Drogenabhängigen an den Tag gelegt.

Hetze ohne Spendenquittung, AfD-Rückwärtsrudern, Fremdschämen

1. Hetze ohne Spendenquittung
(zeit.de, Christian Fuchs)
Das rechtspopulistische Blog “Journalistenwatch” muss in Zukunft ohne steuerliche Vorteile hetzen: Das Finanzamt Meißen hat dem Trägerverein die Gemeinnützigkeit entzogen. Christian Fuchs erklärt als Kenner der Materie (aktuelles Buch: “Das Netzwerk der Neuen Rechten”) die Hintergründe.

2. Die neuesten Zeitungs-Auflagen der IVW: “Bild”, “Welt” und “BamS” im freien Fall, “SZ”, “taz” und “Zeit” weitgehend stabil
(meedia.de, Jens Schröder)
Inmitten all der schlechten Nachrichten gibt es auch Erfreuliches zu berichten: Die verkaufte Auflage der “Bild”-Zeitung ist über das vergangene Jahr um 9,9 Prozent zurückgegangen, die “Bild am Sonntag” liegt 9,8 Prozent unter dem Vorjahr. Diese und viele andere Zahlen verrät Jens Schröder in seinem aktuellen Auflagen-Report bei “Meedia”.

3. Das sind die abenteuerlichsten Rechtfertigungen der AfD
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Es ist ein wiederkehrendes Muster: Zunächst machen AfD-Vertreter mit Provokationen und Tabubrüchen auf sich aufmerksam. Anschließend wird dann mit hanebüchenen Erklärungen und Rechtfertigungen pseudomäßig zurückgerudert. Sebastian Leber hat die bizarrsten AfD-Rechtfertigungen gesammelt. Lesenswert wegen der Kuriosität der Begründungen — und weil sich trotz all der Einzelfallartigkeit ein System dahinter abzeichnet.

4. Das Antike an Sozialen Medien: Hervorragende Reden gehen viral
(blog.zhaw.ch, Daniel Perrin)
Wer Grundeinsichten der klassischen Rhetorik verstanden hat, kommuniziert besser, findet der Linguist Prof. Dr. Daniel Perrin. Dies sei in der Antike so gewesen und gelte auch in der Zeit von Facebook, Twitter und Youtube. Im eingebetteten SRF-Interview verrät der Professor (auf Schweizerdeutsch) die Zauberformel für gutes(s) Reden.

5. Kevork Almassian: Ein “Flüchtling” im Auftrag der AfD
(disorient.de, Sascha Ruppert)
Der AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier hat einen Syrer als Social-Media-Beauftragten eingestellt. Mit Hintergedanken, wie Sascha Ruppert glaubt: “So können sie Almassian als Insider mit speziellen Fakten über die Ursachen der sogenannten Flüchtlingskrise präsentieren, der als “legaler Flüchtling” aufgrund seiner unterstützenden Haltung gegenüber Bashar al-Assad von den deutschen Medien verhetzt wird. Er kann als der Syrer dargestellt werden, der die vermeintlichen Lügen aufdeckt, welche die deutsche Regierung ihrer Bevölkerung über den Syrienkrieg erzählt.”

6. Welt-Moderator ganz durch den Wind
(uebermedien.de, Video: 2:51 Minuten)
Zum Schluss noch eine Mutprobe: Wer diesen circa dreiminütigen Zusammenschnitt der “Welt”-Nachrichten-Moderation übersteht, ohne vor Fremdscham einzugehen, ist wirklich hartgesotten. Aber nicht zwischendurch wegschauen oder sich die Ohren zuhalten!

“Hoffentlich verreckt das Vieh bald” – und “Bild” stört’s nicht

Beim heutigen Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne zitterte Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut. Es war der dritte Anfall dieser Art in gut drei Wochen. Viele Medien berichten derzeit über den Vorfall, so auch Bild.de. Die Redaktion hat unter anderem ein Video des Zitteranfalls bei Youtube hochgeladen, und die vielen, vielen Kommentare darunter sind voller Hass und Häme: Merkel wird als Alkoholikerin bezeichnet, Leute zeigen offen ihre Freude und wünschen der Kanzlerin immer wieder den Tod, am liebsten schon “bald” und “elendig” und “qualvoll”.

Die “Bild”-Redaktion scheint das alles nicht zu jucken — sie lässt diese Kommentare seit Stunden so stehen:

Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Ne Allergie gegen Deutschland. Hoffentlich verreckt das Vieh bald.
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Hoffentlich stirbt Merkel! Was tut sie schon gutes für Deutschland!
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Die soll einfach sterben
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Die geht kapput
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Wir brauchen nur die Deutsche National Hymne um die Dschihad Raute zu vernichten
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Niemand wird sie vermissen, wenn sie endlich über den Jordan geht, diese Völkermörderin!
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Hoffentlich verreckt die so schnell wie möglich
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - frau merkel bekommt ihre verdienten karma-kellen. ihr karma wird sie zerficken dafür, was sie deutschland angetan hat.
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Fette stirbt bald
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Epilepie aber happy hoffe die fällt endlich tot um .....zittert bestimmt wegen deutscher national Hymde  bekannter weise ist ihre ja türkisch ...wünsche dieser Person nur das  schlechteste
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Aller guten Dinge sind drei. Jetzt verrecken
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Man erntet was man sät. Menschen die wegen ihrer und der anderen gestorben sind hatten es schlimmer als sie. Hoffe das Merkel und Co elendig verrecken . Ps es brauch mit jetzt auch keiner ins Gewissen reden.
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Soll sie verrecken die Hoe
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Ne Verarbeitungsphase???? Die ist wirklich krank, aber im Oberstübchen. Sorgen mach ich mir nur um Deutschland und die Deutschen! sicher nicht um Merkel! Spielt ihr die Hymne in Dauerschleife vor dann sind wir sie endlich los.
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Ich hoffe sie stirbt beim nächsten Anfall
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Zur Hölle mit ihr und ihre Zitteranfälle. Die kann von mir aus verrecken wie ein erbärmlicher Hund und ich wäre froh darüber. Das ist die Strafe von Gott dafür das sie so viele Menschen das Leben genommen hat mir ihrem Erdogan.
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Voll die Jüdin
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Danke liebe Bild. Es versüsst mir jedes mal den Tag wenn ich diesen Dämon zappeln sehe. Der Teufel fordert so langsam seinen Lohn ein, die Hölle wartet schon. Irgendwann bezahlt jeder den Preis für seine Taten.
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Die brauch kein Mensch soll tot umfallen
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Sie ist Landesverräterin hat Deutschland an amerika verkauft. Möge sie Qualvoll sterben
Kommentar auf der Bild-Youtube-Seite - Die soll endlich zum letzten mal zittern und Tod umfangen dieses Pest für Deutschland

Und das ist wahrlich nur eine kleine Auswahl aus einer großen Jauchegrube.

Im Kommentarbereich auf der “Bild”-Facebookseite gibt es ebenfalls viel Häme und Schadenfreude und vor allem solche Kommentare:

Unsere Nationalhymne muss sie aber ganz schön anwidern

Und:

Wenn sie eine Nationalhymne hört überkommt sie ihr schlechtes Gewissen

Und:

Zitteranfall immer bei der Nationalhymne. Wenn man nicht mehr zu diesem Land steht, reagiert man halt allergisch bei der Nationalhymne.

Und:

Vielleicht die DDR Hymne beim nächsten mal spielen?

Diese Häufung ist kein Zufall. Die “Bild”-Redaktion hat ihren Post so anmoderiert:

Screenshot eines Facebookposts der Bild-Redaktion - Es passierte wieder bei der Nationalhymne

… als gäbe es da irgendeinen Zusammenhang. Nur nebenbei: Angela Merkels zweiter Zitteranfall ereignete sich während einer Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier — also als keine Nationalhymne lief.

Mit Dank an @fisch_kopp für den Hinweis!

Nachtrag, 11. Juli: Die “Bild”-Redaktion hat den Kommentarbereich unter ihrem Youtube-Video inzwischen deaktiviert.

“Das Parlament” im Neuland, Leon Stusslock, Politiker als Kolumnisten

1. Ins Neuland
(sueddeutsche.de, Julian Erbersdobler)
Die politische Wochenzeitung “Das Parlament” gibt es bereits seit den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Bis zum Jahr 2000 wurde sie von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegeben, danach vom Deutschen Bundestag. Julian Erbersdobler hat den Chefredakteur im Jakob-Kaiser-Haus besucht, dem größten Parlamentsgebäude in Berlin. Wie geht es weiter mit der Zeitung? Und wie will man ein junges Publikum erreichen?

2. Wir haben Leon-Lovelock-Videos mit einem Verschwörungstheorie-Experten geschaut
(vice.com, Johann Voigt)
Der Youtuber Leon Lovelock (378.000 Abonnenten) unterhält sich auf seinem Kanal gerne mit Rappern und rutscht dabei oft in Verschwörungstheorien ab. “Vice” hat mit dem Philosophen und Experten für Verschwörungstheorien Jan Skudlarek über die aus seiner Sicht demokratiefeindlichen Filmchen gesprochen: “Es ist empirisch bewiesen, dass Menschen, die mit solchen Verschwörungstheorien konfrontiert werden, weniger bereit dazu sind, wählen zu gehen. Wenn du bei Leon Lovelock als Jugendlicher in vielen Videos erzählt bekommst, dass “die da oben” eh machen, was sie wollen, ist das aus moralischer Sicht problematisch. Gerade weil Jungwähler beeinflusst werden. Diejenigen also, die man am meisten für die Demokratie begeistern sollte.”

3. Donald Trump hat kein Recht, Twitter-Nutzer zu blockieren
(spiegel.de)
Ein amerikanisches Berufungsgericht hat bestätigt, dass Regierungsbeamte auf Twitter niemanden wegen seiner politischen Ansichten blockieren dürfen. Auch nicht Regierungsbeamte wie der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

4. Alexa birgt laut Gutachten Risiken für Kinder
(zeit.de)
Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags warnt vor Amazons digitaler Sprachassistentin “Alexa”. Das Gerät sei für Kinder nicht geeignet, weil diese persönliche Informationen preisgeben oder für Minderjährige nicht geeignete Inhalte abrufen könnten. Auch der Umgang mit den erhobenen Daten sei problematisch.

5. Ungute Mischung
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm kritisiert Zeitungen dafür, dass sie Politikern wie Friedrich Merz (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) Kolumnen geben. Damit würden die Redaktionen ihre Glaubwürdigkeit verspielen: “In einer Zeit, in der sich “die da oben” als Chiffre für das angebliche Geklüngel von Medien und Politik etabliert hat, ist das kurzsichtig.”

6. Boris Johnson: Der ehemalige Journalist als Meister der Medienmanipulation
(medienwoche.ch, Peter Stäuber)
Peter Stäuber erklärt das Medienphänomen Boris Johnson und beschreibt einige seiner Tricks: “Boris Johnson ist ein Meister der “toten Katze”. So nennt man im britischen Medienjargon ein plumpes Ablenkungsmanöver: Ein Politiker, dem die Berichterstattung über ein heikles oder schwieriges Thema zu schaffen macht, sagt etwas derart Kurioses oder Unverschämtes, dass die Medien über nichts anderes mehr sprechen können — wie eine tote Katze, die während des Abendessens mitten auf den Tisch geschmissen wird.”

AfD-Talkshows, “Mad”-Aus, Harald Schmidts Dieter-Nuhrisierung

1. “Öffentlich-rechtliche Talkshows sind Werbeträger für die AfD”
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 8:30 Minuten)
Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister spricht im Deutschlandfunk über die Rolle von Talkshows in Bezug auf politische Berichterstattung. Hachmeister nennt das Format ein “Ritual der Politiksimulation”, das durch Taktung und Inszenierung der AfD in die Hände spiele: “Man muss eigentlich dieses System austrocknen, man müsste diesen Talkshow-Sumpf, um es mal so hart zu sagen, trockenlegen. Und das gelingt nur, indem man ihm insgesamt weniger Beachtung schenkt, auch über die sozialen Medien, über Twitter. Es kommt ja noch dazu, dass diese Talkshows in den Tageszeitungen zum Teil rezensiert werden wie Theateraufführungen, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Beispiel, die macht das regelmäßig, auch online. Und damit bekommt das Ganze ja noch mehr Gewicht, und das ist insgesamt für die Temperatur der gesellschaftlichen Debatte kein guter Zustand.”

2. Die Dieter-Nuhrisierung von Harald Schmidt
(blogs.faz.net, Martin Benninghoff)
Der “FAZ”-Autor Martin Benninghoff ist über einige Äußerungen von Harald Schmidt im Interview mit dem ORF verwundert und fragt: “Kann es sein, dass Schmidt eine Dieter-Nuhrisierung durchmacht? Indem er aus einer Position der Selbstgefälligkeit heraus den bräsigen Mainstream bedient?”

3. Hans-Ulrich Jörges zittert um Angela Merkel
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier wundert sich, wie “Stern”-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges es schafft, eine ganze Seite mit Geraune und Spekulationen über Angela Merkels Gesundheitszustand zu füllen: “Er weiß, um es vorwegzunehmen, nichts über den Gesundheitszustand von Angela Merkel. Er sieht die Bilder, die wir alle gesehen haben, und dann geht er zum Recherchieren in seinen Kopf und lässt uns staunend teilhaben an den Abgründen, die sich dort auftun.”

4. Kriminalisierung von Tor-Servern stoppen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen kritisiert die Bestrebungen des Bundesinnenministeriums, Tor-Server und Anonymisierungsdienste zu kriminalisieren. Die Organisation wäre davon selbst betroffen: “Wir wehren uns gegen die Kriminalisierung unseres Einsatzes für Anonymität im Internet. Nur weil wir Tor-Knoten betreiben, sind wir nicht kriminell. In unseren Trainings zur digitalen Sicherheit erleben wir täglich, wie wichtig ein VPN oder der Tor-Browser für die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten geworden ist. Solche Angebote gilt es im Zeitalter zunehmender Überwachung zu stärken, anstatt zu kriminalisieren.”

5. LKA ermittelt nach tausenden Hass-Kommentaren zu Lübcke
(hessenschau.de, Heike Borufka & Tobias Lübben)
Im Zusammenhang mit dem Mord am früheren Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke tut sich ein Abgrund von Hass und Häme im Internet auf. Das Landeskriminalamt Hessen will der geballten Hasskriminalität nun mit einer eigens dafür eingerichteten Arbeitsgruppe begegnen. Man rechne mit mehreren tausend Strafverfahren.
Weitere Lesetipps: t-online.de berichtet über die Initiative HateAid: Opfer erzählt: So half mir die neue Shitstorm-Feuerwehr. Siehe dazu auch den Facebook-Eintrag von HateAid-Mitgründer Gerald Hensel.
Außerdem einen Blick wert: der Bericht zur neuen Hate-Speech-Studie: Eine massive Einschränkung der Meinungsvielfalt (belltower.news, Oliver Saal & civic.net).

6. Regular Issue Mad Covers
(madcoversite.com, Dough Gilford)
Das amerikanische “Mad”-Magazin steht nach 67 Jahren kurz vor dem Aus und füllt die nächsten Ausgaben nur noch mit Alt-Material. Vielleicht ein Anlass, einen wehmütigen Blick auf Dough Gilfords Website zu werfen, auf der alle “Mad”-Cover seit 1952 abgebildet sind.

Noch Leser da?, Unlesbare E-Books, Presserat-“Hinweis” für “Bild”

1. Hallo Leser, noch da?
(kontextwochenzeitung.de, Rainer Stephan)
Rainer Stephan hat sich Gedanken zum Medienwandel gemacht und zieht einen interessanten historischen Vergleich: “An wen erinnern wir uns, wenn wir an große deutsche Publizisten denken? An Maximilian Harden, der sich im Untertanenklima des deutschen Kaiserreichs nicht scheute, den Monarchen persönlich in die Schranken zu fordern. An Karl Kraus — als die tonangebenden Geistesgrößen 1914 unisono den Krieg begrüßten, überzog er sie unnachgiebig mit seinen Wut- und Intelligenztiraden. Weil die großen Zeitungen das nicht ertrugen, gründeten Harden wie Kraus kurzerhand eigene Blätter, “Die Zukunft” und “Die Fackel”, die sie praktisch im Einmannbetrieb gestalteten. Sie, und nicht die heutigen Leitmedien, sind die Vorgänger der kritischen Blogger und Youtuber.”

2. “Die nächsten Monate werden supergefährlich”
(sueddeutsche.de, Martin Bernstein)
Der Journalist Robert Andreasch ist für seine jahrelange Dokumentation der rechtsextremen Szene mit dem Publizistikpreis der Stadt München ausgezeichnet worden. Andreasch geht seiner Tätigkeit bereits seit mehr als 25 Jahren nach und ist dabei sowohl ins Visier von Neonazis als auch Verfassungsschutz geraten.
Weiterer Lesetipp: Drohbriefe an Journalisten: ABC-Alarm beim WDR Studio Dortmund (wdr.de).

3. Der Nutzer wünscht sich einen Kiosk im Netz
(faz.net, Nora Sefa)
Die Landesanstalt für Medien NRW hat Menschen zur “Zahlungsbereitschaft für digitaljournalistische Inhalte” befragt. Von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Befragung wurde die Idee einer allumfassenden Kiosk-Lösung geäußert, die Inhalte verschiedener Medienhäuser zum Einzelabruf anbietet. Kommentar des “6 vor 9”-Kurators: Die Befragten mögen sich ein derartiges Angebot wünschen, ob sie es nutzen, ist eine andere Frage. Bemühungen in dieser Richtung blieben in der Vergangenheit erfolglos (“Blendle”). Und auch “Readly” mit seiner Magazin-Flatrate tut sich noch schwer in Deutschland.

4. Wenn der Mensch mit der Maschine: die Zukunft des Journalismus ist hybrid
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Der US-Journalist Nicholas Diakopoulos hat ein Buch zur Automatisierung des Journalismus geschrieben (“Automating the News”). Adrian Lobe hat sich das Buch angeschaut und fasst die wichtigsten Erkenntnisse daraus zusammen.

5. Lizenz zum Lesen, oder auch nicht
(taz.de, Helena Werhahn)
Stell dir vor, dein Buchhändler bricht nachts in dein Haus ein, entwendet einige deiner Bücher und schleicht sich wieder aus dem Haus. Was in der Realwelt schwer vorstellbar ist, praktiziert derzeit Microsoft mit dem Einstellen seiner E-Book-Sparte. Microsofts E-Book-Kunden können nicht nur keine weiteren Bücher erwerben, es gehen auch alle in der Vergangenheit erworbenen Bücher verloren. Der deutsche Buchhandel hätte sich kein besseres Szenario zur Bewerbung des klassischen Buchs ausdenken können.

6. Presserat: “Bild”-Artikel über Ausgewogenheit von “Bild” zu einseitig
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Deutsche Presserat stellt nach einer Beschwerde von “Übermedien” fest, dass der “Bild”-Artikel über die Ausgewogenheit von “Bild” zu unausgewogen war, und spricht einen “Hinweis” (PDF) aus. “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt gibt sich wie gewohnt uneinsichtig. Stefan Niggemeier dröselt den Vorgang auf.

Rätsel Lanz, Gerichtsreporterin Friedrichsen, Altkanzler mit Knarre

1. TV-Kritik zu Markus Lanz: Niveaumäßig auf Grasnarben-Höhe
(fr.de, Daland Segler)
Bei Markus Lanz waren zuletzt die Grünen-Politiker Annalena Baerbock und Robert Habeck zu Gast und wurden von diesem teilweise scharf angegangen. Daland Segler kritisiert: “… ein Moderator, der nicht moderiert, sondern Fragen abschießt, der in seiner typischen Haltung, ganz vorne auf der Stuhlkante sitzend, als wolle er sich auf das Gegenüber stürzen (und so seine Nervosität und Überforderung zeigt) fast nie schafft, seine Gäste ausreden zu lassen und dann irgendwann sagt: “Lasst uns diese Schärfe rausnehmen” — die er selbst hineingebracht hat in das Gespräch: Solch ein Mann dürfte nie und nimmer eine Talkshow leiten. Nun tut das aber Markus Lanz seit Jahren, und es ist eines der großen Rätsel der bundesdeutschen Fernsehlandschaft, dass er das trotz seiner offensichtlichen Unfähigkeit immer noch tut.”

2. “Ich war die einzige Frau”
(taz.de, Doris Akrap)
Die bekannte Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen arbeitete 16 Jahre für die “FAZ”, 27 Jahre für den “Spiegel” und seit nunmehr drei Jahren schreibt sie für die “Welt”. Im Interview spricht sie über ihren beruflichen Werdegang, die Besonderheiten des NSU-Prozesses und darüber, mit welchem Blick sie auf eine Gerichtsverhandlung schaut.

3. «Journalismus ist nicht marktfähig»: Warum Verlage nun experimentieren müssen
(tagblatt.ch, Michael Genova & Kaspar Enz)
Den Zeitungsverlagen brechen mehrheitlich die Einnahmen weg. Was tun? Der Medienwissenschafter Guido Keel plädiert für Hinwendung zum Digitalen, spricht sich für Bezahlschranken aus und rät den Lokalzeitungen zu Experimenten.

4. Der Altkanzler und die Knarre – wenn Fotos einen schlechten Eindruck machen
(maz-online.de)
Vor ein paar Tagen postete die “heute show” ein Bild von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, das diesen in James-Bond-Pose mit seiner Frau im Arm und einer Pistole zeigte. Daraufhin hagelte es in den Sozialen Medien Kritik und Häme. Entstanden war das Bild anlässlich der Kieler Woche. Bei der “Waffe” handelte es sich um die Startpistole für eine Segelregatta. Anders als der Altkanzler hätten andere Politiker solch ein Bild nicht zugelassen: “Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) meidet zum Beispiel jegliches Kriegsgerät im Hintergrund, das sich später wieder als zu teuer oder zu kaputt oder als ethisch umstritten herausstellen könnte, also zum Beispiel Kriegsdrohnen. Sucht man nach “Startschuss”-Fotos von ihr, wirft sie deshalb eher eine Sektflasche gegen einen Schiffsrumpf oder hält einen symbolischen Schlüssel oder eine Korvetten-Silhouette in die Höhe.”

5. Journalistin Jana Avanzini wegen Hausfriedensbruch verurteilt
(sueddeutsche.de, Isabel Pfaff)
Nun ist es tatsächlich so gekommen, wie es viele Schweizer Medienschaffende befürchtet haben: Das Luzerner Bezirksgericht hat die Journalistin Jana Avanzini wegen Hausfriedensbruchs verurteilt. Die Journalistin hatte für eine Recherche ein besetztes Haus betreten. Die Buße beträgt 500 Franken, doch dazu kommen Gerichtskosten und die Anwaltskosten der Klägerin, so dass Avanzini insgesamt etwa 4.300 Franken berappen muss.

6. Warum wir uns für uns und andere schämen
(deutschlandfunknova.de, Dominik Schottner, Audio: 24:08 Minuten)
Im “Ab 21”-Podcast auf “Deutschlandfunk Nova” geht es um Peinlichkeit. Warum schämen wir uns, und warum hat das Filmpublikum ein so hohes Interesse an schambesetzten Themen? Darüber geben der Peinlichkeitsforscher Paulus Frieder (Uni Lübeck) und der Filmexperte und Youtube-Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt (“Die Filmanalyse”) Auskunft.

Umstrittener NZZ-Kommentar, Wehrt Euch, Korrumpiert der “Tatort”?

1. Foulen im Kampf gegen grüne “Mainstream-Medien”
(uebermedien.de, Stefan Fries)
Vor ein paar Tagen veröffentlichte die “NZZ” einen Gastkommentar des ehemaligen Chefredakteurs der “Heilbronner Stimme”, Wolfgang Bok. Überschrift und Hypothese des Beitrags: “Grün ist die Redaktion — die deutschen Mainstream-Medien haben aus der Flüchtlingskrise nichts gelernt.” Nachdem Stefan Fries auf Twitter zunächst mit einem kurzen Thread reagiert hatte (“An dem Artikel ist so viel falsch, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.”), erklärt er nun auf “Übermedien”, wie der Autor des Textes mit “falschen Zitaten, Dekontextualisierung, falschen Interpretationen wissenschaftlicher Daten und Unkenntnis der Sachverhalte” arbeitet.
Weiterer Lesetipp: Anmerkungen zum NZZ-Kommentar: “Grün ist die Redaktion” (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy).

2. Gekaufte Wahrheiten
(sueddeutsche.de, Adrian Lobe)
Immer wieder ist Wikipedia das Ziel von Schleichwerbern, Faktenverdrehern und Schummlern (bekannte Fälle: die eingeschmuggelten Werbefotos des Outdoor-Ausrüsters North Face und die fragwürdigen Interventionen des Wikipedia-Users “Verlagsleitung BILD Gruppe”). Adrian Lobe erzählt von den “gekauften Wahrheiten”, den Auftraggebern und der Schwierigkeit, sich der Manipulationen zu erwehren.

3. Lokaljournalismus per Newsletter
(deutschlandfunk.de, Vera Linß, Audio: 5:27 Minuten)
Berlin ist in zwölf Stadtbezirke unterteilt, von denen jeder mehr Einwohner hat als manch andere Stadt insgesamt. Weil man nicht jeden der Bezirke mit einer eigenen Regionalzeitung versorgen kann, ist der “Tagesspiegel” auf eine clevere Idee gekommen: maßgeschneiderte Regional-Newsletter. Vera Linß hat mit den Machern der werbefinanzierten Bezirksnewsletter gesprochen. Das Format lebt auch von der Beteiligung der Leserinnen und Leser: “Was auch sehr gut funktioniert ist, dass wir dann auf die Leser zugehen und fragen: Was halten Sie eigentlich von der Randbebauung am Tempelhofer Feld? Und dann hab ich das in einem Newsletter geschrieben, den ich selber geschrieben habe. Es kamen, sobald ich sie rausgeschickt habe, im Fünf-Minuten-Takt Antworten von den Lesern.”

4. Wie man sich gegen Hass und Hetze wehrt
(spiegel.de, Jörg Breithut)
Wer im Netz mit Beleidigung, Nötigung und Volksverhetzung konfrontiert wird, kann sich dagegen rechtlich wehren. Doch wie geht man am besten vor? Jörg Breithut hat die wichtigen Schritte zusammengefasst. Dabei geht es auch um eine gute Dokumentation zur Beweissicherung.

5. Zu niedrige Zahlen über rechte Gewalt
(tagesschau.de, Patrick Gensing)
Man fragt sich, wie Nachrichtenagenturen wie AFP und epd oder die “Tagesschau” überhaupt auf die Idee kommen, “Bild am Sonntag” als Quelle in Erwägung zu ziehen. Wenn sie es denn schon tun, sollten sie jedoch zumindest den Wahrheitsgehalt überprüfen. Wie zum Beispiel beim jüngsten Fall, in dem die Zahlen rechtsextremer Gewalttaten zu niedrig angegeben wurden.

6. Korrumpiert der “Tatort” das Rechtsempfinden?
(zeit.de, Stephanie Alvarez & Hella Kemper & Anna-Lena Oltersdorf & Max Rauner, Audio: 24:00 Minuten)
Im “Zeit”-Podcast “Woher weißt Du das?” geht es im ersten Teil um die regelmäßig zu beobachtenden Gesetzesverstöße von TV-Kommissaren, Ermittlern und Rechtsmedizinern, so zum Beispiel im berühmten Münsteraner “Tatort”. Ein Drehbuchautor, eine Kommunikationswissenschaftlerin und ein Kriminalpolizist erklären, wie es dazu kommt und worauf besser geachtet werden sollte.

Facebooks Moderatoren-Hölle, Liebeserklärung, Schnüffelverlage

1. Liebeserklärung an einen geschundenen Beruf
(journalist-magazin.de, Thomas Hauser)
In einer bemerkenswerten Rede macht Thomas Hauser, Herausgeber der “Badischen Zeitung”, dem Journalismus einerseits eine Liebeserklärung, spart andererseits nicht mit Tadel: “Der Superlativ ist die Sprachform der Marktschreier in Marketing und Propaganda. Wer jede Maus als Elefanten beschreibt, hat für den großen Dickhäuter keine Worte mehr. Was ist das für ein Land, in dem Springers “Bild” das meistzitierte Medium ist, ihr Verleger als BDZV-Präsident die Branche ermahnt, sich selbst aber einen großen amerikanischen Finanzinvestor ins Haus holt und in dem der Philosoph Peter Sloterdijk vom Magazin “Cicero” zum einflussreichsten Intellektuellen des Jahres 2018 ausgerufen wird — streng wissenschaftlich ermittelt, versteht sich.”

2. Facebooks Moderatoren-Hölle in Florida
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Im amerikanischen Magazin “The Verge” berichten ehemalige Facebook-Moderatoren von ihrer Arbeit. Nicht nur die Arbeitsbedingungen seien verheerend, auch die psychische Beanspruchung sei gewaltig.
Weiterer Tipp: “The Verge” hat eine dreizehnminütige Videoreportage zu dem Fall veröffentlicht. Der Warnhinweis zu Beginn steht dort übrigens nicht ohne Grund. Es ist teilweise schwer zu ertragen, was die Facebook-Moderatoren erzählen: Inside the traumatic life of a Facebook moderator (“The Verge”/Youtube, Video: 13:32 Minuten).

3. Eine Wahl ohne Auswahl
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Bei einer Wahl hat man die Wahl, oder? Nun ja, das mag in den allermeisten Fällen zutreffen, bei der Wahl des NDR-Intendanten gilt diese Regel allerdings nicht. Boris Rosenkranz berichtet von einem intransparenten und problematischen Verfahren, das einer dringenden Reform bedarf.

4. Nachrichten aus der WG-Küche
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 5:30 Minuten)
Volontärinnen des Bayerischen Rundfunks haben ein neues Nachrichtenformat für Instagram entwickelt und dort schon mehr als 40.000 Follower gewinnen können. Helene, Sophie und Ann-Kathrin hatten die Idee zur “News-WG”. Gedreht wird nicht im Studio, sondern in der Wohnung. Der “Deutschlandfunk” hat mit Ann-Kathrin Wetter gesprochen, die als Redakteurin zuständig ist für die Wohngemeinschaft mit Nachrichtenwert.

5. Verlage!
(konstantinklein.com)
Konstantin Klein hat mit einem Tool untersucht, wie Medienseiten mittels sogenannten Trackern ihre Besucher überwachen. Bei “Spiegel Online” sind gar 65 dieser Digitalschnüffler im Einsatz. Klein kommentiert: “Ihr seht also, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, warum ich euer Gejammer über die bösen, bösen Datensammler von der anderen Seite des Atlantik zumindest scheinheilig finde. Und ihr solltet sehen, warum in Zeiten der Datensammelwut der Einsatz von Trackblockern nichts als Notwehr derer ist, die auf ihre Daten aufpassen und sie nicht jedem in die Hand drücken wollen.”

6. Podcasts des Monats
(sueddeutsche.de)
Genau passend zum Wochenende stellt die “Süddeutsche” eine Auswahl hörenswerter Podcasts vor. Dabei ist etwas aus dem Schlagerkosmos, ein fiktionales Format, ein Reisepodcast, etwas Literarisches und ein Format über psychologische Phänomene.

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