Suchergebnisse für ‘youtube’

Clickworker-Suchergebnisse, TikTok-“Tagesschau”, Hintergrundgespräche

1. Der selbstgebaute Algorithmus
(netzpolitik.org, Chris Köver)
Sind Googles Suchmaschinenalgorithmen wirklich objektiv und unbelastet von menschlichen Eingriffen, wie der Konzern gerne behauptet? Das “Wall Street Journal” habe daran seine Zweifel und begründe dies mit einer aktuellen Recherche. Google habe in den vergangenen Jahren immer wieder bewusst Einfluss auf die Suchergebnisse genommen. Teilweise mit Unterstützung von mehr als 10.000 Hilfskräften, sogenannten “Clickworkern”, die mit dazu beitrügen, die Suchergebnisse “sauber” zu halten.

2. Warum muss ich Sendungen bezahlen, wo Menschen in Kreuzfahrtschiffen um die Welt reisen?
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre hat sich mit René Ketterer, einem der Betreiber des Forums “GEZ-Boykott”, unterhalten. Natürlich geht es um den Rundfunkbeitrag und das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, aber auch um vertrauenswürdige Medien, die derzeitige Rechtsprechung und Ketterers “Intervall-Boykotte”. “Planet Interview”-typisch lesenswert und in die Tiefe gehend.

3. Triff mich ganz seriös auf TikTok
(taz.de, Simon Sales Prado)
Die altehrwürdige “Tagesschau” ist ab heute auch auf der chinesischen Kurzvideoplattform TikTok vertreten und will dort ihre Meldungen an Mann und Frau beziehungsweise ans Kind bringen. TikTok steht seit Längerem wegen seiner Zensurmaßnahmen in der Kritik. Eine Kritik, die aber auch bei anderen Plattformen angebracht sei, wie Simon Sales Prado findet: “Man könnte deshalb auch fragen, was die “Tagesschau” von der Zensur weiblicher Nippel auf Instagram und Facebook hält oder wie sie zum Overblocking unbedenklicher Profile auf Twitter steht. Also, liebe “Tagesschau”?”

4. VoxUp: Das sind die Inhalte des neuen Senders
(wuv.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Anfang Dezember startet die Mediengruppe RTL ihren neuen Sender “VoxUp”. Lisa Priller-Gebhardt berichtet, was es mit dem neuen Vox-Spinoff auf sich hat, was es dort zu sehen geben wird, und wen die Senderverantwortlichen erreichen wollen.

5. Exklusiv und informativ
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 5:20 Minuten)
Isabelle Klein hat sich mit dem Hauptstadtkorrespondenten Frank Capellan über Sinn und Zweck von Hintergrundgesprächen unterhalten, zu denen Unternehmer, Politiker, aber auch Behörden gelegentlich einladen. “Man ist immer wieder gut beraten, das Ganze zu hinterfragen und gegenzuchecken”, so Capellan. Trotzdem nutze er die Gesprächsangebote, weil sie oftmals Rechercheanstöße böten.

6. Jung und nicht naiv
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Die Wochenzeitung “Kontext” hat mit Youtuber und Podcaster Tilo Jung (“Jung und Naiv”, “Aufwachen!”-Podcast) gesprochen. Es geht um die Zukunft des werbefinanzierten Pressemodells, aber auch um die Frage, warum Jung fast alle Polit-Promis vor die Kamera bekommt: “Sahra Wagenknecht hat mir erzählt, dass ein ZDF-Team eineinhalb Stunden gebraucht habe, bis es ein 15-Sekunden-Statement im Kasten hatte. Bei mir kriegt sie eineinhalb Stunden, ungeschnitten, und Fragen gestellt, die auf der Augenhöhe von jungen Leuten liegen.”

Deckname Bernstein, Ökomythen, Böhmermann und die Hohenzollern

1. Deckname Bernstein
(taz.net, Alexander Nabert & Daniel Kretschmar)
Bei der “Berliner Zeitung” überschlagen sich derzeit die Ereignisse: Erst das wirre und umstrittene Manifest der neuen Verlagseigentümer, dann die Aufdeckung der Stasi-Tätigkeit und das Bekanntwerden von Interessenkonflikten von Neu-Eigentümer Holger Friedrich. Die “taz”-Redakteure Alexander Nabert und Daniel Kretschmar fassen den derzeitigen Erkenntnisstand zusammen.
Vertiefende Lesehinweise: Neuer Besitzer des Berliner Verlags spitzelte als IM für die Stasi (welt.de, Uwe Müller & Christian Meier) und “Berliner Zeitung” veröffentlicht Jubelbericht über Firma — an der der Verleger beteiligt ist (spiegel.de, Stefan Berg & Sven Röbel).
Die “Berliner Zeitung” hat auf die Vorwürfe mit einem Statement von Holger Friedrich und einem “In eigener Sache” reagiert.

2. Wir haben uns entschlossen …
(twitter.com/kugelundniere)
Die Medientage in München haben ein Panel zum Thema Podcasts ausschließlich mit Männern besetzt. Ein Umstand, der dem Podcast-Team von “Kugel und Niere” bei der Zusage nicht bekannt gewesen sei und nun zur Absage führte: “Wir haben uns entschlossen am Montag bei diesem Panel nicht dabei zu sein. Wir wussten bei Zusage nicht, dass nur Männer auf der Bühne sitzen werden. Wir haben angeboten, dass Anna oder Elli kommen. Es hieß, man wolle die Zusammensetzung so kurzfristig nicht ändern.”

3. Gemeinsam gegen Angriffe
(taz.de, Peter Weissenburger)
Journalistinnen und Journalisten, die über die rechte Szene berichten, führen ein gefährliches Leben. Das reicht von Beschimpfungen und Bedrohungen bis zu echten Angriffen. Nachdem Neonazis eine Demonstration gegen drei freie Journalisten angekündigt haben, wurde von Medien- und Gewerkschaftsseite der Aufruf “Schützt die Pressefreiheit” gestartet. Dem Aufruf sollen sich bislang bereits 20 Medienverbände, 17 Redaktio­nen und 450 Einzel­per­sonen angeschlossen haben.

4. Was ist schon politisch?
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Im Gegensatz zu Facebook soll es auf Twitter laut Netzwerkchef Jack Dorsey keine politische Werbung mehr geben. Ab Ende der Woche sollen die neuen Richtlinien gelten. Lisa Hegemann erklärt die Hintergründe des Werbeverbots, die Schwachstellen und die Abgrenzungsprobleme. Und sie weist auf ein elementares Problem hin: “Das Netzwerk hat sich also zwar Richtlinien überlegt, aber ob die auch Konsequenzen haben, das scheint man je nach Einzelfall entscheiden zu wollen. Transparent ist das nicht.”

5. Die Arbeit an den Ökomythen
(flurfunk-dresden.de, Stephan Zwerenz)
Stephan Zwerenz beschäftigt sich in seiner Kolumne mit der medialen Sicht auf die Klimadebatte, die an vielen Stellen von “falschen Ökomythen” geprägt sei. Und von der, im wahrsten Sinne des Wortes, Fokussierung auf eine einzelne Person: “Aber was will man erwarten, wenn selbst seriös wirkende Nachrichtenmagazine wie Focus online regelrechte Hetzkampagnen starten, um den Hass auf die Fridays-for-Future-Bewegung zu schüren. Im Sommerloch dieses Jahres hatten die zuständigen Redakteure anscheinend nichts besseres zu tun, als fast jeden Tag über Greta Thunberg zu berichten, obwohl es gar keine Neuigkeiten von ihr gab.”

6. Jan Böhmermann, der Aufklärer
(sueddeutsche.de, Jörg Häntzschel)
Der Entertainer Jan Böhmermann übernimmt immer wieder Themen, denen sich eigentlich der Journalismus widmen müsste. Aktuell geht es um die Forderung der Hohenzollern nach Entschädigung, Wohnrecht in einem Schloss und “Rückgabe” von Tausenden von Kunstwerken. Böhmermann habe “für eine breite Öffentlichkeit die milde Haltung des Bundes gegenüber den Hohenzollern zum Thema gemacht. Nun werden alle darüber reden müssen, warum der deutsche Adel nicht schon in der Weimarer Republik vollständig enteignet wurde, welche Rolle die Hohenzollern davor spielten, und warum man nach der Wende wieder so sanft mit ihnen umging. Daran kommt jetzt keiner mehr vorbei.”

Juristische Keule gegen “Kontext”, Merkwürdiger Satz, NPD-Bedrohung

1. Wir schweigen nicht
(kontextwochenzeitung.de)
Als die “Kontext”-Redaktion aus Facebook-Chats eines Mitarbeiters von zwei AfD-Abgeordneten zitierte, wurde dies vielfach gelobt, weil die Zitate den Rassismus, den Antisemitismus und die Demokratieverachtung dieser Kreise offenlegten. Auch das Oberlandesgericht Karlsruhe habe “Kontext” in dieser Sache vollumfänglich Recht gegeben. Doch nun wird die Redaktion erneut juristisch bedroht, mit einer 60.000-Euro-Schmerzensgeld-Forderung und einem sehr hohen Streitwert: “Wer den Streitwert in einem Presserechtsverfahren gegen eine spendenfinanzierte Zeitung auf 260 000 Euro veranschlagt, hat ein klares Ziel: eine kritische Stimme zum Schweigen zu bringen.” “Kontext” bittet daher um finanzielle Unterstützung durch Spenden: “Lassen Sie uns gemeinsam stark und laut sein gegen den Rechtsruck und dessen juristische Keule. Diesmal zielt sie auf uns. Gemeint sind wir alle.”

2. Kommentar: der wirklich ziemlich merkwürdige Satz des Holger Friedrich
(meedia.de, Matthias Oden)
Nach ihrem langen Aufsatz in der “Berliner Zeitung” haben die Verleger Silke und Holger Friedrich nun der dpa ein Interview gegeben. Darin liefert Holger Friedrich auch eine Erklärung für seinen umstrittenen Dank an den ehemaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR Egon Krenz. Eine Erklärung, die “Meedia”-Chefredakteur Matthias Oden erschreckt aufhorchen lässt: “Man hätte man also auch dieses Thema irgendwie beiseite legen können, wenn nicht Holger Friedrich in diesem Zusammenhang einen anderen Satz hätte fallen lassen: “Ich kann es aber nicht nachvollziehen, wenn jemand, der danach geboren wurde, sich zu einem kräftigen moralischen Urteil aufschwingt, weil er zu der Zeit nicht dabei war.” Und weil die Friedrichs wichtige Themen gerne in Fragen angehen, soll an dieser Stelle auch mit einer geantwortet werden: Meint er das ernst? Wirklich jetzt?”

3. Reflexe der Redaktionen
(journalist-magazin.de, Josef Zens)
Kalkulierte Tabu-Brüche, inszenierte Skandalisierungen, “False Balance”, mangelnde Fehlerkultur, unzureichende Recherchen … In der neuen Folge von “Mein Blick auf den Journalismus” hat sich Josef Zens die Wut über aktuelle Missstände des Journalismus von der Seele geschrieben. Zum Schluss gibt es aber auch Lob, und zwar für neue (und hier auch gelegentlich verlinkte) Journalismusmodelle wie die “RiffReporter” und das deutsche “Science Media Center”.

4. “YouTubers Union” sucht den Streit mit Google
(heise.de, Torsten Kleinz)
Zwischen Youtube und den vom Netzwerk lebenden Videoproduzentinnen und -produzenten besteht ein großes Machtgefälle: Die Youtuber sind dem Netzwerk mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert und müssen sich an das halten, was ihnen Youtube vorschreibt. Der Youtuber Jörg Sprave wollte sich mit diesem Ungleichgewicht nicht abfinden und gründete die Initiative “YouTubers Union”. Mittlerweile hat er einen mächtigen Bündnispartner gewonnen, die IG Metall. Torsten Kleinz erklärt in seinem Beitrag die Streitpunkte der beiden Parteien und sagt, welche Aktionen die Youtube-Gewerkschafter planen.

5. “Ein sehr starker Versuch der Einschüchterung”
(deutschlandfunk.de, Antje Allroggen, Audio: 7:42 Minuten)
Die NPD will in Hannover anscheinend eine Demonstration gegen drei Journalisten durchführen, die im rechtsextremen Milieu recherchieren. Antje Allroggen hat sich im Deutschlandfunk mit dem Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit unterhalten, der das Vorgehen für bundesweit einmalig und für einen Teil einer neuen Einschüchterungsstrategie hält. Speit fürchte, “dass manches Mal Kolleginnen und Kollegen dann doch so ein wenig überlegen: ‘Ja, Mensch, muss ich mir das antun, wenn ich über die berichte, wenn das solche Folgen haben könnte?'”
Weiterer Lesehinweis: Die andere Pressefreiheit oder: Wie ich mit der AfD Bekanntschaft machte: “Nach der Abwahl des Rechtsausschuss-Vorsitzenden Stephan Brandner wegen Antisemitismus stellte ich nahe liegende Fragen und bekam unverschämte Antworten. Mir ist das eine Lehre. Sollte die AfD mal regieren, bleibt von der von ihr reklamierten Meinungsfreiheit vermutlich nicht viel übrig.” (rnd.de, Markus Decker).
Und noch ein Lesehinweis: Gericht untersagt NPD Falschbehauptungen gegen NDR Mitarbeiter.

6. Rezo hat ein kleines Meisterwerk geschaffen
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Die Deutsche Umwelthilfe hat den Youtuber Rezo mit dem UmweltMedienpreis in der Kategorie Online ausgezeichnet. In seiner Laudatio betont netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl, wie wichtig Rezos Video für das Entstehen einer gesellschaftlichen Klimadebatte war: “In Kombination mit den aufkommenden Protesten der Fridays-for-Future-Bewegung wurde “Die Zerstörung der CDU” ein weiteres bedeutendes Puzzlestück in der Sensibilisierung und Mobilisierung vieler, vor allem junger Menschen gegen die Klimakrise. Klimafragen waren auf einmal cool, was auch an der Darreichungsform von Rezos Video und seiner Vermittlung lag.”

Twitters Taktik, Frontstadt Cottbus, Kriegsreporter

1. Sechs Monate Twittersperre
(tomhillenbrand.de)
Es muss sich sehr frustrierend anfühlen: Der Autor Tom Hillenbrand wird von Twitter zu Unrecht gesperrt, bekommt vor einem deutschen Gericht Recht, erfährt aber trotzdem keine Gerechtigkeit. Das sich hinter seiner Dubliner Firmenadresse verschanzende Sozialen Netzwerk nehme die Einstweilige Verfügung aus Deutschland einfach nicht zur Kenntnis. Twittersperren-Opfer Hillenbrand kommentiert: “Meiner Ansicht nach ist der Gesetzgeber gefordert. Wenn eine Social-Media-Plattform hierzulande Kunden und Geschäft hat, müsste sie eine in Deutschland ansässige Dependance haben, die Korrespondenz entgegennimmt. Bei Fällen, die das NetzDG betreffen, ist das offenbar vorgeschrieben, bei Accountsperren wie meiner hingegen nicht.”

2. Der rbb und Cottbus
(ardaudiothek.de, Sebastian Schöbel, Audio: 25 Minuten)
In bestimmten Cottbusser Kreisen zählen die Reporterinnen und Reporter des rbb zum erklärten Feindbild. Dies äußert sich zum Beispiel bei flüchtlingsfeindlichen Demos, beim Ärger mit rechtsextremen Fußballfans oder beim Berichten über den Rückzug aus der Braunkohle. In der aktuellen Folge des Podcasts “Die erzählte Recherche” geht es um die schwierige Situation der regionalen Berichterstattung und die Frage: “Was passiert, wenn sich eine Stadt gegen einen Rundfunksender wendet?”

3. “Ich würde mich über AfD-Anhänger freuen”
(tagesspiegel.de, Thomas Gehringer)
Thomas Gehringer hat sich für den “Tagesspiegel” mit WDR-Talker Jürgen Domian unterhalten, der heute sein TV-Comeback feiert (WDR, 23:30 Uhr). Domian hat in den vergangenen beiden Jahrzehnten mehr als 20.000 Telefongespräche geführt und dabei unter anderem gelernt, dass Menschen “erschreckend abgründig sein können. Das habe ich vorher nicht so gesehen. Auf der anderen Seite habe ich gelernt, wie großartig Menschen sein können. Mutig, tapfer, Vorbilder für andere.”

4. Nein, “Zeit-Online”-Autor Christian Bangel forderte keinen “gezielten Völkermord durch Migration”
(correctiv.org, Till Eckert)
Hat “Zeit Online”-Autor Christian Bangel tatsächlich in einem Artikel den “Genozid am deutschen Volk” gefordert, wie die Website “Anonymous News” und ein ehemaliger Katzenkrimi-Autor, der schon mal wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, behaupten? Natürlich nicht! “Correctiv”-Faktenchecker Till Eckert hat die Sache trotzdem noch mal aufgedröselt, zitiert die entsprechenden Passagen, erklärt die von beiden Seiten verwendeten Begriffe und zeigt, warum die Behauptung einfach nur falsch ist.

5. Kriegsreporter – Mythos und Wirklichkeit eines Berufsbildes
(de.ejo-online.eu, Martin Gerner)
Um den Beruf des Kriegsreporters beziehungsweise der Kriegsreporterin ranken sich vielerlei Mythen, doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Martin Gerner erzählt, wie sich Kriegsberichterstattung tatsächlich abspielt. Dazu gehören auch die lokalen Reporter und Reporterinnen, die oftmals die schwere und gefährliche Vorarbeit übernehmen, deren Einsatz jedoch nicht angemessen gewürdigt werde: “Meinem Freund und Kollegen, dem afghanischen Fotojournalisten Massoud Hossaini, habe ich jahrelang nahegelegt, bei seiner renommierten Nachrichtenagentur auf gleichen Versicherungsschutz zu pochen. Er zögerte. Immer wieder. Erst als er den Pulitzer-Preis in den Händen hielt, traute er sich: “Jetzt werden sie mich wohl nicht vor die Tür setzen, wenn ich danach frage.””

6. Sind Memes nun illegal oder nicht?
(twitter.com/docupy, Video: 1:43 Minuten)
Ist das Anfertigen und Posten einer Mem-Bildtafel mit urheberrechtlich geschütztem Material legal oder illegal? Diese Frage hat der Youtuber Rezo Mitgliedern des Bundestages quer durch das Parteienspektrum gestellt. Es gab zwar Antworten, aber echte Sachkompetenz kann man wohl nur einer der Befragten attestieren …

Tilo Jung kritisiert DJV, F wie Falschheit, “Nachhilfe-Thread”

1. Talk mit Tilo Jung – 70 Jahre DJV
(youtube.com, Jörg Wagner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat anlässlich seiner Jubiläumsfeier (“70 Jahre DJV”) Tilo Jung für ein Podiumsgespräch eingeladen. Und der wäscht der Organisation und deren Spitze tüchtig und in unverblümter Direktheit den Kopf. Jung kritisiert die seiner Meinung nach unglückliche Vorgehensweise des DJV beim Kommentar zum Rezo-Video, die nicht genügende Trennschärfe von Journalismus und PR, die ausgebliebene Solidarität mit dem seinerzeit inhaftierten Journalisten Billy Six und die wiederholt nötigen Berichtigungen und Löschungen von fehlerhaften Statements. Jung wünscht sich ausdrücklich einen Wechsel an der Führungsspitze des Verbands: “Der Fisch stinkt vom Kopf her.”

2. Das F steht für Falschheit
(journal-frankfurt.de, Ronja Merkel)
Das F in “FAZ” stehe nicht für Freiheit — sondern für Falschheit und Feigheit. Jedenfalls im Fall des zur Geburtstagsfeier der Zeitung eingeladenen AfD-Chefs Alexander Gauland, so Ronja Merkels Kommentar im “Journal Frankfurt”. Der “FAZ”-Mitherausgeber Berthold Kohler habe vor einem knappen Jahr die “politischen Phantasien” Gaulands wie folgt kommentiert: “Die Verleumdung des freiheitlichsten und demokratischsten Systems, das es je auf deutschem Boden gab, darf man den Brandstiftern im Biedermann-Sakko nicht durchgehen lassen.” Ronja Merkel greift dies auf und fügt an: “Und doch feiert eben dieser Biedermann-Sakko tragende, die Demokratie verleumdende Mann Seite an Seite mit den Herausgebern einer Zeitung, die, würden die Phantasien Gaulands Realität werden, ihre so groß auf die Fahne geschriebene Freiheit umgehend verlieren würden.”

3. Von Schreibern, Sprechern und Seitenwechslern
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Viele Journalistinnen und Journalisten wechseln die Seite und arbeiten als Pressesprecher für Unternehmer oder Organisationen. Der DJV schätze die Zahl auf mittlerweile etwa 15 Prozent seiner 32.000 Mitglieder, mit Trend nach oben. Markus Ehrenberg erzählt, was DJV und Seitenwechsler zu Berufsverständnis und Besonderheiten zu sagen haben.

4. Schon öfter gehört, kein Witz: “Aber wie kriegen wir denn nun mehr #Frauen in unsere Berichterstattung?”
(twitter.com/JuliaKarnick)
Die freie Journalistin, Kolumnistin und Autorin Julia Karnick hat auf Twitter einen “Nachhilfe-Thread” für “verzweifelte männliche Redakteure” verfasst, die sich mehr Frauen in der Berichterstattung wünschen: “Genug Frauen zu finden, über die es sich zu berichten lohnt, ist 0 Problem. Man muss es nur wollen. Und ein paar Dinge beherzigen …”

5. Der Streaming-Krieg: Wie Apple und Disney Netflix und Amazon angreifen wollen
(rnd.de, Imre Grimm)
Die globale Fernsehwelt befindet sich im Umbau: Nach Netflix und Amazon steigen nun auch Apple und Disney in den Streaming-Markt ein. In der Branche sei bereits vom “Streaming War” die Rede, so Imre Grimm: “Es ist ein kreativer Krieg um die Aufmerksamkeit eines verwöhnten Publikums — und um die besten Geschichtenerzähler. Der große Verlierer heißt Hollywood, denn der Exodus von Autoren, Stars und Filmemachern hin zu den Streamern ist atemberaubend.” Außerdem werde der Einstieg von Apple und Disney Auswirkungen auf Geschmack und Moralempfinden haben. Die Konzerne würden sich auf “keimfreie, unanstößige, den Geschmacksgrenzen des amerikanischen Purismus folgende brave Massenware” konzentrieren.

6. Aus dem Textbuch für Trainerentlassungen
(faz.net, Achim Dreis)
Beim FC Bayern gibt es anscheinend ein Textbuch für Trainerentlassungen. So kommentiert man aktuell den Rausschmiss von Trainer Niko Kovač mit den Worten: “Ich erwarte jetzt von unseren Spielern eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.” Mit exakt den gleichen Worten habe man 2017 den Rauswurf von Bayern-Trainer Carlo Ancelotti kommentiert.

Missbrauchsverdacht, Twitter stoppt Polit-Werbung, “Entkräfter Pro Max”

1. Viele Worte für einen Missbrauchsverdacht
(sueddeutsche.de, Hannah Beitzer)
Die Portale “Vice” und “BuzzFeed” haben über einen Berliner Arzt berichtet, der homosexuelle Patienten in seiner Praxis sexuell missbraucht haben soll. Nun hat ein Gericht die Berichterstattung auf Betreiben des Arztes untersagt. Obwohl zahlreiche Zeugenaussagen vorliegen, bei der Berichterstattung unzählige Male vom Konjunktiv Gebrauch gemacht wurde und einschränkende Formulierungen eingeflochten wurden.
Weitere Lesehinweise: “BuzzFeedNews”-Reporter Marcus Engert kommentiert auf Twitter: “Stell dir vor, dein Artikel ist voller “mutmaßlich, “angeblich” + Konjunktiven, aber du hast so viele Quellen & Belege, dass ein Gericht sagt: Genau darum kann dein Leser zu keinem anderen Urteil kommen als dass all das stimmt, und darum verbieten wir das.” “BuzzFeedNews”-Chef Daniel Drepper erklärt seine Sicht auf den Fall in einem lesenswerten Twitter-Thread und fragt: “Wie viele Belege braucht man, um Vorwürfe sexualisierter Gewalt zu veröffentlichen?” Und auch “BuzzFeedNews”-Reporterin Juliane Löffler, die an der Recherche mitgewirkt und den Fall mit ihrem Kollegen Thomas Vorreyer aufgeschrieben hat, kommentiert die juristische Niederlage: “Ich bin ernüchtert, enttäuscht, verwirrt.”

2. Inhaltliche statt technische Konkurrenz
(tvdiskurs.de, Sebastian Pertsch)
Sebastian Pertsch hat sich mit dem Medienwissenschaftler Bertram Gugel über die derzeitigen Probleme der Medienbranche und mögliche Auswege unterhalten. Gugel schlägt eine gemeinsame deutsche Videoplattform vor (“Deutschland Pass”), auf der die sonst im Wettbewerb stehenden Anbieter ihre Kräfte bündeln. Interessant sind auch seine Gedanken zu Social Media: “Wir haben bekanntlich Kommentarfunktionen auf den meisten Websites und in allen sozialen Netzwerken. Ich kann überall etwas kommentieren. Mittlerweile bin ich der Meinung: Nein, lasst doch “Social” “Social” sein.”

3. Twitter stoppt politische Werbung
(tagesschau.de)
“Wir glauben, dass Reichweite für politische Botschaften verdient werden muss, statt erkauft zu werden.” So begründet Twitter-Chef Jack Dorsey, warum Twitter zukünftig keine politische Werbung zulässt — und zwar weltweit. Damit hebt sich der Kurznachrichtendienst deutlich von Facebook ab, wo man derlei Werbung gestattet und sie auch keinem Faktencheck unterzieht.

4. Politikerinnen verurteilen “geschmacklose” Berichterstattung über Meghan
(spiegel.de)
In Großbritannien muss sich Herzogin Meghan gegen übergriffige Nachstellungen der Boulevardpresse wehren, um ihre Privatsphäre zu schützen. Nun haben 72 weibliche Abgeordnete in einem offenen Brief ihre Solidarität mit der Herzogin erklärt: “Als weibliche Abgeordnete sämtlicher politischer Richtungen möchten wir unsere Solidarität mit Ihnen zum Ausdruck bringen, indem wir uns gegen die oft geschmacklose und irreführende Natur der Geschichten aussprechen, die in einer Reihe unserer nationalen Zeitungen über Sie, Ihren Charakter und Ihre Familie abgedruckt sind.”

5. Neue Pläne gegen den Hass im Netz
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 8:15 Minuten)
Seit mehr als zwei Jahren gilt in Deutschland das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das die Betreiber Sozialer Netzwerke verpflichtet, Hasskommentare zu löschen. Auf den Hass im Netz hat sich das jedoch nur unzureichend bis gar nicht ausgewirkt. Nun will die Bundesregierung das NetzDG verschärfen und legt dazu ein “Maßnahmenpaket gegen Rechtsextremismus und Hasskriminalität” vor. Der Deutschlandfunk hat sich mit dem Medienrechtsanwalt Jonas Kahl über das Vorhaben unterhalten, der von “erheblichen Herausforderungen” für die Justiz spricht.

6. Joko und Klaas: 15 besondere Minuten gegen Rechtspopulismus
(rnd.de)
Bei “Joko und Klaas gegen ProSieben” können die Protagonisten 15 Minuten Sendezeit gewinnen. Eine Viertelstunde, die von den Moderatoren gestern Abend für den Kampf gegen Rechts genutzt wurde: Zunächst gab es einen Zusammenschnitt rechtspopulistischer Parolen, danach ein Angebot für den “Entkräfter Pro Max”, den “Automaten von heute gegen die Parolen von gestern”.

Rezo bei “Zeit Online”, Höcke will Bürgerkrieg, Die Methode Trump

1. Horst Seehofer ist kein drolliges Kleinkind
(zeit.de, Rezo)
“Ein Nazi tötet, ein Innenminister labert Scheiße und der Rest der Bevölkerung lässt sich vom Wesentlichen ablenken.” Das sind die ersten Worte der neuen “Zeit Online”-Kolumne von Youtuber Rezo (bekannt aus “Die Zerstörung der CDU”). In seinem Text erklärt Rezo, “wieso wir in Zukunft die Äußerungen von Politikern häufiger als Bullshit bezeichnen sollten, um ein konstruktiveres Umfeld zu schaffen für die Diskussionen, die ja geführt werden müssen.” Rezos Kolumne erreicht damit Platz 1 der Social-Media-News-Charts, wie Daten-Analyst Jens Schröder in seiner #trending-Kolumne bei Meedia feststellt.
Es sind allerdings wahrlich nicht alle begeistert von Rezos Beitrag: Jana Wolf findet ihn beispielsweise inhaltlich “daneben” und im Ton “überheblich” und “selbstgefällig”.

2. Werben wie Donald Trump
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Bekanntermaßen gibt es für Posten wie den des Möchtegern-Autokraten Donald Trump keinen Ausbildungsgang. Alexander Fanta hat daher auf netzpolitik.org die wichtigsten Tipps und Tricks zusammengetragen, wie sich mit Hilfe von Facebook Menschen und Wahlen manipulieren lassen: “Schritt eins: Frage Fragen und bitte um Geld. Schritt zwei: Erzähle Märchen über deine Gegner. Schritt drei: Stifte mit Troll-Armeen Verwirrung. Schritt vier: Lasse Sockenpuppen für dich sprechen.” Was sich vielleicht etwas lustig anhört, hat einen ernsten Hintergrund und ist mit unzähligen Links zum Weiterlesen gespickt.
Weiterer Lesetipp: US-Präsident Trump hat angekündigt, die “New York Times” und die “Washington Post” im Weißen Haus abbestellen zu wollen. Die Bundeseinrichtungen sollen ebenfalls ihre Abos kündigen: Trumps neues Aufbäumen gegen kritische Medien (sueddeutsche.de, Anna Ernst).
Und wer sich darüber informieren will, wie es hierzulande um den Online-Wahlkampf bestellt ist: Wahlwerbung via Social Media: CDU gab am meisten für Microtargeting aus (heise.de).

3. Höcke will den Bürgerkrieg
(zeit.de, Hajo Funke)
Die Sprache des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke offenbare seine Gefährlichkeit, so der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke in seinem Gastbeitrag auf “Zeit Online”: “Wenn wir Höcke also an seiner Sprache messen, so geht es ihm um eine nicht nur ethnische, sondern auch politische “Säuberung” und um das Einsetzen staatlicher Gewalt gegen beliebig definierte Feinde. Er suggeriert mit dieser Sprache auch einen künftigen Kampf zwischen denen, die anders denken und seinen Anhängern, er will offensichtlich den Bürgerkrieg in Dörfern und Städten in Deutschland. Es ist eine Strategie der Entfesselung und der Aufschaukelung von Ressentiments und Gewalt.”
Weiterer Lesetipp: Höcke scheitert mit Eilantrag gegen Verfassungsschutz (spiegel.de, Wolf Wiedmann-Schmidt).

4. Datenschutzbeschwerde gegen Zeit Online eingereicht
(onlinejournalismus.de, Matthias Eberl)
Matthias Eberl kritisiert seit Langem die Trackingpraxis und Datenweitergabe deutscher Medienhäuser. Nachdem die Redaktion von “Zeit Online” (von der in dieser “6 vor 9”-Ausgabe auch zwei Beiträge verlinkt sind) bereits im Sommer mit dem Negativpreis Big-Brother-Award bedacht wurde, hat nun ein Leser eine Datenschutzbeschwerde eingereicht. Eberl hat mit dem Beschwerdeführer über dessen Beweggründe gesprochen: “Ich finde es frech, dass Zeit-Online meine Daten an Facebook gibt, obwohl ich zahle”.

5. 70 Jahre FAZ: Wo die Herausgeber regieren wie «Kurfürsten»
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Zum 70. Geburtstag der “FAZ” hat der Historiker Peter Hoeres ein über 500-seitiges Buch über die Geschichte der Zeitung vorgelegt. Adrian Lobe stellt das Werk vor und erzählt dabei von den verschiedenen Epochen und Machtkämpfen des berühmten Medienhauses. Lobe sieht in der Geschichte der “FAZ” auch den Bedeutungsverlust der gedruckten Zeitung: “Im Rückspiegel der Geschichte sieht man die aktuellen Entwicklungen klarer. Insofern leistet das Buch — wohl etwas unfreiwillig — auch einen Beitrag zum Verständnis des Medienwandels.”

6. “Lachen bedeutet Freiheit”
(taz.de, Erica Zingher)
Seit ihrem Start 2017 wurde die rbb-“Abendshow” von Britta Steffenhagen und Marco Seiffert moderiert. Nun hat der Sender das Moderatoren-Duo abgelöst und durch den Komiker Ingmar Stadelmann ersetzt. Im Interview mit der “taz” spricht Stadelmann über seine Pläne, die Grenzen der Freiheit und darüber, warum er Dieter Nuhr verteidigt, ohne seinen Verteidiger spielen zu wollen.
Weiterer Lesetipp: Markus Ehrenberg hat sich für den “Tagesspiegel” die erste Sendung der Stadelmannschen “Abendshow” angeschaut. Sein Befund: “Noch viel Luft nach oben”.
Und noch ein Lesetipp: Cordula Nitsch und Dennis Lichtenstein schreiben in der “Medienwoche” über Satire als “Einstiegsdroge”.

Mysteriöser AfD-“Wahlhelfer“, Filterblasen, Netflix-Blasphemie?

1. “Radikalisierung ist nicht erst durch das Internet entstanden”
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Kommunikationswissenschaftlerin Merja Mahrt forscht seit Jahren zu Filterblasen und Echokammern. Im Interview mit “Zeit Online” erklärt sie unter anderem, wie Empfehlungsalgorithmen zur Entstehung von Filterblasen beitragen: “Schauen Sie sich ein Video auf YouTube an, schlägt Ihnen das Portal vor, was Sie sich als Nächstes anschauen könnten, oder startet vielleicht sogar automatisch den nächsten Clip. Solche Empfehlungsalgorithmen sind in der Regel darauf trainiert, mehr vom Gleichen zu zeigen — sie sind nicht darauf programmiert, einen breiten Überblick zu geben. Dadurch bestätigen auch sie uns möglicherweise in unseren Meinungen.”

2. Wer hinter dem “Wahlhelfer” in Thüringen steckt: Der Mr. X der “freien” Medien
(correctiv.org, Till Eckert & Marcus Bensmann & Ulrich Stoll)
T-online.de berichtete jüngst über eine AfD-nahe und äußerst dubiose Wahlkampfzeitschrift in Thüringen, bei der es sich um verdeckte Parteienfinanzierung beziehungsweise Wahlkampffinanzierung handeln könnte. “Correctiv” und “Frontal21” haben den Fall weiterverfolgt und sich auf die Suche nach dem im Impressum angegebenen Herausgeber “Hanno Vollenweider” gemacht. Keine einfache Aufgabe, denn “selbst gegenüber seinen Vertrauten soll der Mann nicht seinen tatsächlichen Namen preisgeben. In der an Irrungen und Wirrungen inzwischen reichen Spendenaffäre der AfD dürfte das ein Novum sein. ”

3. Nikolaus Blome verlässt “Bild”
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die “taz” beschäftigt sich mit dem Ausscheiden des stellvertretenden Chefredakteurs Nikolaus Blome bei “Bild”. Ein Rückzug aus “persönlichen Gründen”, bei dem viele über die wahren Hintergründe spekulieren würden. Eine kleine Spitze hat die “taz” in der Bildzeile versteckt, in der es heißt: “Nicht gerade die intellektuelle Spitze des deutschen Politjournalismus: Nikolaus Blome”.

4. Sind Serien über Gott, Teufel und Paradies Blasphemie?
(evangelisch.de, Till Frommann)
Auf der Suche nach neuen Filmstoffen und frischem Serienmaterial kommen Streaminganbieter wie Netflix und Amazon auch auf Geschichten mit im weitesten Sinn religiöser Thematik. Sind solche Serien blasphemisch? Tragen sie gar zur Trivialisierung des christlichen Glaubens und der Bibel bei? Till Frommann hat sich mit Pfarrer Sascha Heiligenthal über Gott, die Welt und Popkultur unterhalten.

5. Freie Journalisten beklagen erschwerte Recherche
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:13 Minuten)
Vor einigen Wochen hat sich der Journalist Christian Gesellmann bei Facebook die Wut über das prekäre Leben als freier Journalist von der Seele geschrieben: “Wenn vom Zustand der Pressefreiheit in Deutschland die Rede ist, dann geht es meist um Bedrohung von Journalisten durch Neonazis oder Diskriminierung durch Behörden. Das gibt es alles, und es ist ein Problem. Aber was das viel größere, viel mehr Autoren und andere freie Berufe betreffende Problem ist: unanständig niedrige Honorare und die Arschloch-Zahlungsmoral unserer Auftraggeber.” Der Deutschlandfunk hat die Thematik aufgegriffen und lässt Fachleute wie die Journalistikprofessorin Wiebke Möhring sowie Carola Dorner von der Gewerkschaft Freischreiber zu Wort kommen.

6. Das Märchen vom royalen Märchen
(spiegel.de, Patricia Dreyer)
Als Meghan Markle sich in den britischen Prinz Harry verliebte, sei sie von ihren Freunden gewarnt worden: “Als ich meinen Mann kennenlernte, waren meine Freunde wirklich happy für mich, weil ich so glücklich war. Aber meine britischen Freunde sagten: ‘Er ist bestimmt ganz toll — aber du solltest ihn nicht heiraten, die Boulevardpresse wird dein Leben zerstören.'” Patricia Dreyer beschreibt bei “Spiegel Online”, welchem medialen Psychoterror und welchen Angriffen durch die Boulevardpresse das royale Paar ausgesetzt ist.

“Landolf Ladig” alias Björn Höcke, Neue Klima-Mythen, “Unkorrekt”

1. Andreas Kemper über “Landolf Ladig” alias Björn Höcke (AfD) – Jung & Naiv: Folge 442
(youtube.com, Tilo Jung, Video: 1:49:14 Stunden)
Tilo Jung hat mit dem Soziologen Andreas Kemper über antidemokratische Tendenzen in der AfD gesprochen. Ab Minute 50 erzählt Kemper, wie er herausgefunden habe, dass AfD-Politiker Björn Höcke unter dem Pseudonym “Landolf Ladig” rechtsextreme Schriften verfasst habe (Auszüge beim Zentrum für Politische Schönheit). Ein auf vielen Ebenen empfehlenswertes und erkenntnisbringendes Gespräch, das man sich auch gut im Politikunterricht der Schulen vorstellen kann.
Weiterer Lesehinweis: Von wegen “Nazi-Methoden”: Die falsche Inszenierung von Bernd Lucke als Opfer (uebermedien.de, Andreij Reisin).

2. Die neuen Klimawandel-Mythen
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Wissenschaftsjournalist Florian Freistetter beschäftigt sich regelmäßig mit den Mythen und Falschbehauptungen zu Klimawandel und Klimakrise. In seinem Artikel schreibt er über die “neuen Klimawandel-Mythen” und die dahinterstehende Weltsicht. Diese ließe sich wie folgt beschreiben: “Wir können so weiterleben wie bisher und müssen uns nicht ändern, da alle Aktionen zum Klimaschutz “in Wahrheit” falsch, unnötig oder unwirksam sind. Es gäbe keinen Grund für Aufregung; es würde schon alles irgendwie gut gehen; in der Zukunft lasse sich das alles regeln und in der Gegenwart können wir uns daher entspannen. Was meiner Meinung nach ganz großer Quatsch ist.”
Weiterer Lesehinweis: In einem Gastbeitrag für “Spiegel Online” erklärt Klima- und Meeresforscher Stefan Rahmstorf: Darum schweigt die Bundesregierung zur wichtigsten Zahl beim Klimaschutz. Rahmstorfs Vorwurf: Deutschland genehmige sich besonders viel vom knappen Emissionsbudget: “Konkret bedeutet dies, dass wir fast doppelt so viel des CO2-Budgets beanspruchen, wie unserem Anteil an der Weltbevölkerung (1,1%) entspricht. So sieht es auch mit unseren aktuellen Emissionen aus: die sind pro Kopf doppelt so hoch wie im Weltdurchschnitt.”

3. Ahnungslose Polizisten
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband zeigt sich verwundert über einen Polizisten auf der Frankfurter Buchmesse, der sich in einem Streit zwischen dem rechtsextremen Verleger Götz Kubitschek und einem Pressefotografen auf die Seite des Verlegers geschlagen habe: “Offen ist die Frage, warum die Frankfurter Polizei Beamte zur Buchmesse schickt, die nur rudimentäre Kenntnisse vom Presserecht haben.”

4. Schwarze Balken statt Schlagzeilen
(taz.de, Urs Wälterlin)
In Australien haben Medien in einer gemeinsamen Aktion gegen die wachsende Einschränkung der Pressefreiheit protestiert und zensierte Titelseiten mit schwarzen Balken abgedruckt. Viele der mittlerweile über 75 sogenannten Sicherheitsgesetze, die nach den Anschlägen in New York erlassen worden seien, würden die Arbeit von Journalisten erschweren oder verunmöglichen.
Weiterer Tipp: Stefan Fries kommentiert im Deutschlandfunk (Audio: 3:18 Minuten): “Die Kampagne ist auch deshalb ungewöhnlich, weil zwischen den großen Medienhäusern in Australien normalerweise starke Konkurrenz herrscht. Dass sie sich jetzt zusammentun, sollte die australische Regierung alarmieren, die die Proteste bisher nicht sonderlich ernstgenommen hat.”

5. Nuhr & Ökogans: Die Welt der Greta-Hasser anhand der Kolumne “Unkorrekt”
(volksverpetzer.de, Natascha Strobl)
Der selbsternannte “unkorrekte” österreichische Journalist Heinz Sichrovsky arbeitet sich in der “Kronen Zeitung” regelmäßig an den “Korrektheits-Ayatollahs, Umweltblockwarten und Geschlechtsverkehrsregulatoren” (Pressetext zur Buchpräsentation) ab. Aktuell in einer Kolumne, in der er auf wirre Weise Greta Thunberg, Recep Tayyip Erdogan, Jan Böhmermann und Dieter Nuhr zusammenrührt und gegen “Teenie-Ayatollahs” hetzt. Natascha Strobl kommentiert: “Alles in allem haben wir hier einen völlig ungefilterten und durch Verankerung in der Realität unberührten Gedankenstrom eines Mannes, der den Grip in der jetzigen Zeit verliert und damit nicht klar kommt. Statt scharfer Analyse oder Kritik wird versucht, sich die Welt einfach zurecht zu zimmern.”

6. Qualitätsramsch
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Die legendäre Zeitschrift “Sports Illustrated” hat mit Ross Levinsohn einen neuen Chef, und der will alles anders machen. “Aus der Sportjournalismus-Ikone soll eine billige Inhaltsfabrik werden”, wie es Jürgen Schmieder in der “Süddeutschen Zeitung” beschreibt. Dazu habe man die Hälfte der Vollzeit-Redakteure rausgeschmissen, an deren Stelle eine Hundertschaft freier Mitarbeiter treten soll. Guter Journalismus werde dort zukünftig nicht stattfinden, dieser sei von Levinsohn schlicht nicht gewollt: “Er will Ramsch produzieren und ihn unter Sports Illustrated als Qualität verkaufen.”

Gartentor Handke, “Titanic”-Briefe, “Vertrautheit schafft Vertrauen”

1. “Stellt mir nicht solche Fragen”: Peter Handke kritisiert Medien
(kurier.at, Georg Leyrer)
Der Nobelpreisträger Peter Handke will “nie wieder” Journalistenfragen beantworten. Das hat etwas mit der öffentlichen Kritik an ihm, aber auch mit einem Gartentor, Homer und Cervantes zu tun: “Ich stehe vor meinem Gartentor und da sind 50 Journalisten und alle fragen nur wie Sie. Von keinem Menschen, der zu mir kommt, höre ich, dass er sagt, dass er irgendwas von mir gelesen hat.  Es sind nur die Fragen: Wie reagiert die Welt? Reaktion auf Reaktion auf Reaktion. Ich bin ein Schriftsteller, ich komme von Tolstoi, ich komme von Homer, ich komme von Cervantes. Lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen”.

2. Die Gutsherren legen die Axt an
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Bei der Südwestdeutschen Medienholding sollen tiefe Einschnitte anstehen: Gleich vier Redaktionen sollen geschlossen werden. Das wird einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Job kosten, wie “Kontext”-Autor Josef-Otto Freudenreich nach einem Gespräch mit einem Verdi-Vertreter befürchtet: “Die Gewerkschaft spricht von 40 bis 45 Stellen, die in der 270-köpfigen StZN-Redaktion gestrichen werden sollen. Als sicher gelte, dass in einem ersten Schritt die Außenredaktionen in Esslingen, Böblingen, Waiblingen und Göppingen geschlossen werden. Nach Kontext-Informationen müssen StZ [“Stuttgarter Zeitung”] und StN [“Stuttgarter Nachrichten”] auch jeweils drei ihrer zwölf sogenannten Exklusiv-Autoren einsparen.”

3. Das sind Twitters neue Regeln für Staatschefs
(spiegel.de)
In einem Blogpost will Kurznachrichtendienst Twitter “klarstellen, dass die Accounts von politischen Führungspersonen nicht komplett über unseren Regeln stehen”. Die entscheidende Formulierung ist dabei das “nicht komplett”, denn man lässt den Staatslenkern dennoch eine Menge durchgehen und wählt als Sanktion, außer bei Extremfällen, höchstens eine Einschränkung der Verbreitung.

4. “Bild TV” ist das Volk
(deutschlandfunk.de, Arno Orzessek, Audio: 4:17 Minuten)
Der Axel-Springer-Konzern will mit “Bild TV” noch stärker ins Fernsehgeschäft einsteigen. Arno Orzessek hat verfolgt, was “Bild”-Boss Julian Reichelt zu dem Thema gesagt hat und ist sich sicher: “Falls “Bild TV” ein ähnliches Bild vom Erleben der Menschen abbildet wie die “Bild”-Zeitung, und Sie zu diesen Menschen gehören, dann werden Sie entdecken: Sie sind voller Ressentiments! Sie verleumden, wenn es Ihnen passt! Sie nehmen es mit den Fakten nicht so genau! Sie mischen sich in Dinge ein, die Sie nichts angehen. Und so weiter.”

5. Jan Hofer: “Vertrautheit schafft Vertrauen”
(haz.de, Imre Grimm)
Imre Grimm hat sich mit der “Tagesschau”-Institution Jan Hofer unterhalten. Der 69-jährige Chefsprecher arbeitet dort seit stolzen 34 Jahren und weiß daher gut über die Konstanten und Wechsel im Nachrichtenbusiness Bescheid. Im Gespräch geht es nicht nur um die Sendung, sondern auch ihre Auswirkungen auf sein Privatleben: “Ich passe höllisch auf, dass meine Kinder nicht in die Presse kommen. Aber wenn es bei mir privat nicht so gut läuft, habe ich wochenlang die Boulevard-Typen vor der Tür stehen. Das ist alles nicht so angenehm. Damit muss man aber fertig werden.”
Weiterer Lesetipp: Grimm hat auch die “Tagesschau” besucht und dabei “ins Herz einer deutschen TV-Institution” geblickt.

6. 40 Jahre TITANIC – 40 Jahre zufriedene Leser Teil 1
(youtube.com, Caricatura – Museum für Komische Kunst, Video: 2:55 Minuten)
“Titanic”-Titelbilder lösen nicht immer vorbehaltlose Zustimmung aus, um es vorsichtig auszudrücken. In einem kurzen Video tragen Redakteurinnen und Redakteure des Satire-Magazins Zuschriften von Leserinnen und Lesern vor, die emotional besonders aufgewühlt waren.

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