Suchergebnisse für ‘youtube’

“taz” überholt “Welt”, Jauch siegt im Clickbait-Prozess, Intendanten-Talk

1. Zeitungs-Auflagen: “Zeit” wächst massiv mit Print und Digital, “taz” überholt “Welt”
(meedia.de, Jens Schröder)
Die aktuellen IVW-Auflagenzahlen haben spektakuläre Ausschläge: Die Wochenzeitung “Zeit” konnte gegen den allgemeinen Abwärtstrend 15 Prozent hinzugewinnen. “Bild” verlor erneut und hat nunmehr die schlechtesten Zahlen seit 1953. Besonders dramatisch fällt das Auflagenminus bei der Tageszeitung “Welt” aus. Dort musste man einen Rückgang von 37 Prozent hinnehmen: “Hier spielt zwar auch die Einstellung der ‘Welt kompakt’ eine Rolle, aber vermutlich nicht die einzige Rolle. Mit nur noch 41.661 Abos und Einzelverkäufen fällt die ‘Welt’ diesmal sogar hinter die ‘taz’ zurück, die dank gesteigerter E-Paper-Abos 1,2% hinzu gewann”, schreibt Jens Schröder.

2. Neues Urheberrecht – Entrechtung oder Befreiungsschlag?
(zeit.de, Heinrich Wefing & Uwe Jean Heuser)
Der “FAZ”-Herausgeber Carsten Knop und der Youtuber Rezo haben sich zum Streitgespräch über die EU-Urheberrechtsreform getroffen, die noch in nationales Recht umgesetzt werden muss. Lesenswert, auch wegen Rezos Direkte-Ansage-Rhetorik: “Du schmeißt ohne Belege mit dicken Kloppern wie ‘Enteignung’ oder ‘Zwangskollektivierung’ durch die Gegend, obwohl Rechte gegenüber heute gestärkt werden.”

3. “Stern” verliert ein Stück Autonomie
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 3:30 Minuten)
Zukünftig muss der “Stern” ohne eigenes Politik- und Wirtschaftsressort auskommen. Das Verlagshaus Gruner und Jahr hat eine Zentralredaktion eingerichtet, die “Stern”, “Capital” und “Business Punk” mit Inhalten beliefert. Der Journalistik-Professor Frank Lobigs erwartet weitere derartige Konzentrationen: “Das ist der Startschuss dazu, dass man zentrale Themenredaktionen auch in nächster Zeit dann sehen wird bei Gruner und Jahr.”

Bildblog unterstuetzen

4. Großes zu verkünden
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der scheidende Intendant des Bayerischen Rundfunks Ulrich Wilhelm hat sich vom eigenen Sender interviewen lassen und musste dabei keine allzu kritischen Fragen befürchten. Ein Beispiel: “Sie haben ja die größte Reform in der Geschichte des Bayerischen Rundfunks angestoßen. Wenn Sie jetzt nach zehn Jahren Bilanz ziehen: Wie erfolgreich waren Sie mit Ihren Mitarbeitern und was hat es Bayern gebracht?” Steffen Grimberg kommentiert: “Ulrich Wilhelm ist ein guter Redner und Überzeuger. Einer, der eigentlich geeignet wäre, das sperrige öffentlich-rechtliche System glaubwürdig rüberzubringen. Dass er so etwas kann, hat er als Regierungssprecher von Angela Merkel bewiesen. Als Intendant und ARD-Vorsitzender hat er das kaum gemacht.”

5. Twitter sperrt chinesische Botschaft in den USA
(spiegel.de)
Twitter hat den Account der chinesischen Botschaft in den USA wegen eines Tweets zum Umgang mit der Minderheit der Uiguren gesperrt. In dem Tweet habe gestanden, uigurische Frauen seien nicht länger “Gebärmaschinen” (“baby making machines”). Für ein besseres Verständnis der Sachlage lohnt ein “Spiegel”-Artikel über vermutete Zwangssterilisierungen in China: “Die chinesische Staatspartei KP unterhält in der Region Xinjiang Internierungslager für die muslimische Minderheit der Uiguren. Dort werden Frauen offenbar zur Sterilisierung und sogar zur Abtreibung gezwungen.” (spiegel.de, Bernhard Zand)

6. Günther Jauch siegt im Clickbait-Prozess gegen “TV Movie”
(dwdl.de, Manuel Weis)
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Rechtsstreit zwischen Günter Jauch und der “TV Movie” dem Fernsehmoderator Recht gegeben. Jauch ist gegen die Programmzeitschrift der Bauer Media Group vorgegangen, weil diese sein Bild für ein geschmackloses Clickbait-Posting (“Krebserkrankung”) auf Facebook verwendet hatte. Ein Landgericht hatte Jauch daraufhin 20.000 Euro zugesprochen, was nun vom BGH bestätigt wurde.

Es ist kompliziert, Kaschierte Politwerbung, Streaming boomt

1. Löschstatus – es ist kompliziert
(zeit.de, Lisa Hegemann & Meike Laaff & Jakob von Lindern)
Spätestens nach dem plattformübergreifenden Rauswurf von Donald Trump ist die Diskussion über die Verantwortung von Social-Media-Konzernen in der Öffentlichkeit angelangt: “Üben die Unternehmen nur ihr Hausrecht aus, so wie ein Wirt eben auch einen rüpeligen Gast rauswerfen darf? Greifen sie in die Meinungsfreiheit ein? Oder gar in die Demokratie, weil sie einem Staatsoberhaupt ein wichtiges Sprachrohr nehmen? Oder sehen wir einfach derzeit den Moment, in dem die Plattformen nicht länger so tun können, als stünden sie als unbeteiligte Beobachter am Spielfeldrand?” Die Analyse von “Zeit Online” hat nicht auf alles eine Antwort, stellt aber die richtigen Fragen.

2. YouTube verlängert Sperre von Trumps Nutzerkonto
(spiegel.de)
Aus Furcht vor Anstiftung zu Gewalt hat Youtube Donald Trumps Nutzerkonto für eine weitere Woche gesperrt. Kommentare unter Videos des Kanals seien “weiterhin auf unbestimmte Zeit deaktiviert”. Damit ist Trump der Zugang zu wichtigen Onlineplattformen nach wie vor versperrt: Auch Twitter, Facebook, Snapchat und Twitch haben den Ex-Präsidenten von ihren Plattformen verbannt.

3. Mehr als doppelt so viele Angriffe auf Journalisten
(sueddeutsche.de, Florian Flade & Ronen Steinke)
Die Bundesregierung hat auf Anfrage der Grünen offizielle Zahlen zu Angriffen auf Medienschaffende im Jahr 2020 mitgeteilt. Bundesweit habe es 252 Straftaten “gegen Medien” gegeben. Die Zahl der Vorfälle habe sich damit im Vergleich zu den Vorjahren mehr als verdoppelt.

Bildblog unterstuetzen

4. Heute im Ausverkauf: Journalismus
(republik.ch, Elia Blülle)
Noch vor einem Jahr habe der Schweizer Medienkonzern Ringier beteuert, keine als Journalismus getarnten politischen Anzeigen zu schalten. Nun sei genau das passiert: Der Verlag habe auf seinen Medienportalen Native Ads zur kommenden Abstimmung über das Gesetz zur E-ID, einer elektronischen Identitätskarte, platziert. Elia Blülle kommentiert: “Kaschierte Polit­werbung schädigt die Meinungs­bildung und verfeuert das einzige Kapital, das der sogenannte Qualitäts­journalismus noch hat: das Vertrauen seiner Kundschaft.”

5. Die lokalen Hoffnungsträger
(deutschlandfunk.de, Peter Weissenburger, Audio: 5:07 Minuten)
In den USA genössen die lokalen Zeitungen, Radio- und TV-Stationen noch ein breites Vertrauen in der Bevölkerung. Dies sei Chance und Gefahr zugleich, so Peter Weissenburger im Deutschlandfunk: “Verschwörungsmythen und billige Aufreger werden zur kostengünstigen Alternative zu guten Recherchen.”

6. Netflix vermeldet mehr als 200 Millionen Abonnenten
(wuv.de, dpa)
Netflix hat mittlerweile mehr als 200 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten. Die aktuellen Zahlen hätten die eigene Prognose und die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen: Allein im laufenden (vom Zuhause-Bleiben geprägten) Jahr seien 37 Millionen Abos dazugekommen. Doch auch die anderen Streamingdienste erlebten während der Corona-Pandemie einen Boom. So sieht sich Netflix zunehmend dem Druck der Mitbewerber ausgesetzt.

Clubhouse-Hype, Todesanzeigen, Reportageformat “Strg_F”

1. Social-Hype Clubhouse: Die fünf großen Probleme der App
(linkedin.com, Martin Hoffmann)
Ist der Hype um die Soziale Audio-Plattform Clubhouse der Anfang einer neuen Social-Media-Erfolgsgeschichte? Martin Hoffmann ist skeptisch. Seine Kritik: Die Plattform tue zu wenig gegen Hate Speech und sei nicht “divers” und “catchy” genug. Clubhouse sei ein vorübergehendes Phänomen und werde den Sprung in die breite Masse nicht schaffen.
Weiterer Lesehinweis: Dirk von Gehlen erklärt, warum Clubhouse Einladungs-Marketing mittels “Invites” betreibt: “Wegen der Begrenzungs-Mechanik. Sie ist das perfekte Beispiel dafür wie Aufmerksamkeit als zentrale Währung im digitalen Ökosystem verteilt wird. Ob Clubhouse dabei tatsächlich auch ein interessantes Produkt ist? Das kann zum jetzigen Zeitpunkt vermutlich niemand so richtig beurteilen. Sehr sicher kann man aber lernen, wie man einen Hype anzettelt: Wenn du viel erreichen willst, musst du den Eindruck erwecken, es gebe einen Lieferengpass.”

2. Sieben Ideen, sie zu zähmen
(spiegel.de, Patrick Beuth & Max Hoppenstedt & Marcel Rosenbach)
Die Regulierung Sozialer Netzwerke ist eine oft gehörte Forderung, doch wer soll in der Praxis die Kontrolle übernehmen? Die Politik? Die Polizei? Die Community? Der “Spiegel” liefert sieben mögliche Strategien gegen Online-Extremismus, die wiederum wertvolle Ansätze zum Weiterdenken und Diskutieren liefern.

3. Nah dran
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Das Reportageformat “Strg_F” gehört zur Familie von Funk, dem Jugendangebot von ARD und ZDF. Jeden Dienstag gibt es bei Youtube eine neue Reportage, die Aufrufzahlen liegen in der Regel im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Aurelie von Blazekovic hat sich mit Projektleiter Dietmar Schiffermüller im Hamburger Redaktionsbüro beim NDR getroffen und ihn unter anderem zu seinem Umgang mit Empörungswellen befragt.

Bildblog unterstuetzen

4. Seitenweise Totengedenken
(taz.de, Anne Fromm)
Sind die überdurchschnittlich vielen veröffentlichten Todesanzeigen in Tageszeitungen auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, wie sich als erste Vermutung aufdrängen könnte? Anne Fromm hat bei der “Freien Presse” in Chemnitz nachgefragt. Dort bestätigte man eine Häufung derartiger Anzeigen. Ein Zusammenhang mit Corona sei jedoch nicht beweisbar, da der Zeitung die Sterbeursache in den meisten Fällen nicht bekannt sei.

5. Facebook blockiert Veranstaltungen im Umkreis des Kapitols
(faz.net)
Am 20. Januar findet die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden statt. Seit Tagen gleicht Washington einem Militärstützpunkt samt Straßensperren und Kontrollpunkten. Rund 15.000 Nationalgardisten würden das Kapitol sichern. In Vorbereitung auf die Inauguration habe Facebook Veranstaltungen im Umkreis des Gebäudes blockiert.

6. Ich war ein Star – macht endlich Schluss!
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Kurt Sagatz hat sich die Dschungel-Ersatz-Show bei RTL angeschaut und stellt als Resümee die Frage: “Wann, wenn nicht jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt, das Format sanft entschlafen zu lassen?” Weiterer Lesehinweis: Bei “DWDL” kommentiert Manuel Weis: Ich bin ein Star, gebt mir ein Konzept!

Semsrotts Parteiaustritt, Parlers folgenreiches Datenleck, Mausiläum

1. Semsrott verlässt Die Partei nach Rassismusvorwürfen gegen Sonneborn
(zeit.de)
Der Europaabgeordnete und Satiriker Nico Semsrott hat seinen Austritt aus der Partei Die Partei verkündet. Konkreter Anlass ist ein Zwist mit seinem nun ehemaligen Parteikollegen Martin Sonneborn über einen Tweet, der von vielen als rassistisch wahrgenommen wurde, und Sonneborns Umgang mit Kritik. Bei der Einordnung hilft auch der Beitrag Wenn Sonneborn nicht bald aufhört, wird er zum peinlichen Onkel auf der Familienfeier (vice.de, Robert Hofmann). Sonneborn hat mittlerweile mit einem Statement reagiert, in dem er seine Sicht darlegt und sich für die Folgen des Tweets entschuldigt.

2. Die unsichtbaren Helfer der Kriegsreporter
(ndr.de, Manuel Daubenberger & Florian Guckelsberger, Video: 16:58 Minuten)
Auslandsberichterstattung aus Krisenregionen ist ohne die Unterstützung der sogenannten Fixer nicht denkbar. Sie leiten Journalistinnen und Journalisten sicher durch die Region, stellen Kontakte her und dienen häufig als Fahrer und Übersetzer. Dabei setzen sie oft ihr eigenes Leben aufs Spiel. “Zapp” macht einen der unsichtbaren Helfer sichtbar, den 30-jährigen Simultanübersetzer Norayr Iskandaryan.

3. GPS-Daten zeigen, wie Trump-Anhänger ins Kapitol vordrangen
(spiegel.de, Matthias Kremp)
Beim in rechten Kreisen beliebten Alternativ-Netzwerk Parler gab es ein Datenleck. Nachdem Apple, Google und Amazon der Plattform die technische Unterstützung entzogen hatten, konnten Aktivisten die bei Parler gespeicherten Inhalte sichern. Rund 70 Terabyte an Daten sollen auf diese Weise zusammengekommen sein. Daten, die nun dabei helfen können, die Vorgänge um die Erstürmung des Kapitols aufzuklären.

Bildblog unterstuetzen

4. Auch Youtube sperrt Trump
(sueddeutsche.de)
In den vergangenen Tagen hatte Donald Trump bereits verschiedene seiner Social-Media-Kanäle verloren, nun deaktiviert Youtube Trumps Konto für zumindest eine Woche. Der US-Präsident kann somit erstmal keine neuen Videos hochladen. Außerdem seien wegen “Bedenken ob des anhaltenden Gewaltpotenzials” Inhalte auf Trumps Kanal entfernt worden.

5. Übersterblichkeit unter Celebrities
(deutschlandfunk.de, Arno Orzessek, Audio: 4:07 Minuten)
Es könnte eine Formel sein: Je prominenter ein Mensch ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er oder sie im Internet fälschlicherweise schon mal für tot erklärt wurde. In seiner Deutschlandfunk-Kolumne stellt Arno Orzessek einige der jüngsten Schein-Todesfälle aus den Sozialen Medien vor. Das Ganze sei jedoch beileibe kein neues Phänomen: Bereits 1964 habe die dpa gemeldet, KPdSU-Chef Nikita Chruschtschow sei aufgrund einer “akuten Hephocapalytirosises” gestorben, was sich als doppelt falsch herausstellte: Weder war Chruschtschow gestorben noch gab es die als Todesgrund genannte Krankheit.

6. Mausjubiläum
(faz.net, Oliver Jungen)
Man sieht es ihr nicht an, weil sie sich über die Jahre gut gehalten hat, aber die Maus wird fünfzig. Zum Mausjubiläum gratuliert Oliver Jungen: “Leibesfülle hin, das fröhlich aufgetragene Müllwagen-Orange her: So gut altern die wenigsten Medienmäuse. Denn tatsächlich handelt es sich nicht nur um eine der erfolgreichsten, sondern auch um eine der bildendsten Sendungen, die das deutsche Fernsehen je produziert hat.”

Lockdown-Schulfernsehen, K(l)eine Anfragen, Duden passt an

1. ARD und ZDF erweitern Bildungsprogramm
(tagesschau.de)
ARD und ZDF erweitern während der Lockdown-Phase ihr Bildungsprogramm. In der ARD-Mediathek seien die nach Klassenstufen sortierten Angebote in der Rubrik “Zu Hause lernen” gebündelt. Außerdem werde es ab heute für drei Wochen Sonderprogrammierungen auf allen Kika-Plattformen geben. Beim Bildungskanal ARD-alpha gibt es werktags zwischen 9 und 12 Uhr Lernformate für alle Schularten und Fächergruppen. Auch die dritten Programme sind mit Angeboten für Schüler und Schülerinnen dabei.

2. “Wir müssen leider abbrechen”
(sueddeutsche.de, Georg Mascolo)
Der Sturm auf das Kapitol in Washington war von Angriffen auf Journalistinnen und Journalisten begleitet. Dafür seien nicht nur Trump und einige Republikaner verantwortlich, sondern auch Teile der US-Medien: “Die USA sind auch im Bereich der Medien ein Land schwer zu erklärender Widersprüche. Aus dem Land kommt der beste und der schlechteste Journalismus der Welt – der Grund, stolz auf diesen Beruf zu sein, oder sich dafür zu schämen.”
Weiterer Lesehinweis: Im Interview mit der “taz” berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen, wie er und sein Team am Kapitol von Rechtsextremen angegriffen wurden: “Einer sagte ‘You are next'” (taz.de, Peter Weissenburger).

3. “Die Lösung zu all unseren Problemen könnte in PDFs schlummern, die niemand liest”
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Über sogenannte Kleine Anfragen können Parlamentarierinnen und Parlamentarier Auskünfte von der Exekutive (Regierung/Verwaltung) verlangen. Die Kleinen Anfragen sind ein wichtiges Instrument der parlamentarischen Kontrolle, die Antworten darauf eine wichtige Informationsquelle für Politik und Öffentlichkeit. Da es keine zentrale Sammelstelle dafür gibt, hatte Maximilian Richt 2014 mit großem technischen Aufwand und viel Fleiß das Portal kleineanfragen.de ins Leben gerufen. Leider kann er das Projekt nicht fortführen. Im Gespräch mit netzpolitik.org spricht er mit einer Spur nachvollziehbarer Bitterkeit über die Gründe der Einstellung des Dienstes.

Bildblog unterstuetzen

4. Wir
(jetzt.de, Franziska Koohestani)
Der Duden passt seine Einträge für Personen- und Berufsgruppen an und verwendet dabei geschlechtersensible Sprache. Das bedeute jedoch nicht das Aus für das generische Maskulinum. Kathrin Kunkel-Razum, Chefredakteurin des Dudens: “Unser Hauptanliegen war es, zu präzisieren: Und dazu gehörte auch, die weibliche Form auszuarbeiten”.

5. “Wichtig, richtig, viel zu spät”
(zeit.de, Meike Laaf)
Jonas Kaiser beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Frage, wie rechte Bewegungen in den USA und in Deutschland über das Internet kommunizieren. Im Interview mit “Zeit Online” äußert er sich zu der Rolle der Sozialen Medien und der Radikalisierung im Netz. Kaiser empfiehlt unter anderem Youtube, von Empfehlungsalgorithmen für politische Inhalte abzusehen: “Der Effekt dieser Änderung wäre: Wer mehr von einer bestimmten Sorte Inhalt sehen will, kann sie weiter suchen und finden – so sie sich denn noch in einem legalen Rahmen bewegen. Aber sie müssen ja nicht gleich empfohlen werden. Damit beugt man dem Effekt der rabbit holes, in die man stürzt, vor.”

6. Wenn man in den Deutschaufsatz rhetorische Figuren einbauen soll
(twitter.com, Alex Grantl, Video: 32 Sekunden)
Die Journalistin Hanni Hüsch ist – nomen est omen – eine ausgelassene Anhängerin von Alliterationen. Ihr Kollege Alex Grantl hat einige der hübschesten Hüschismen zu einem Video verarbeitet, das gleichzeitig eine Bewerbung für die ständigen Stabreim-Stakkatos von “Bauer sucht Frau” sein könnte.

Amazons peinliche “Bild”-Doku, Abmahnwesen, “Goldenes Brett”

1. So toll ist es also bei der “Bild”
(faz.net, Oliver Jungen)
Die ab heute abrufbare Amazon-Doku “Bild.Macht.Deutschland?” verspricht “exklusive Einblicke in die Redaktion von Deutschlands bekanntester und größter Medienmarke”. Oliver Jungen hat sich das Werk angeschaut. Sein Fazit: “Amazons eingebettete, kritikfreie Reportage über die ‘Bild’-Zeitung ist journalistisch eine Nullnummer. Ein Kniefall. Peinlicher geht es kaum.”
Weiterer Lesehinweis: Bei der “taz” kritisiert Peter Weissenburger besonders zwei Dinge: “Die Postproduktion, die immer wieder dramatisch das Springer-Haus im Zeitraffer zeigt und sich bei Einblendungen am Design der Bild orientiert, als wäre es ein Imagefilm. Und die Recherche, die kaum andere Stimmen zu Wort kommen lässt, als Bild-Leute.” (Rumsitzen im Krawallklub, taz.de)
Weitere Hör-Empfehlung: Die Journalistin Ferda Ataman hat sich Amazons “Bild”-Beobachtung für Deutschlandfunk Kultur angesehen. Ihr Urteil: “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt habe sich mit der Serie keinen Gefallen getan. (Kampf mit allen Mitteln, deutschlandfunkkultur.de, Audio: 7:29 Minuten)

2. “Vielleicht Seite schließen?” – Troll-Kommentare aus dem RBB-Netz auf Planet Interview
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre ist nicht nur für seine gut vorbereiteten Interviews, sondern auch für seine nachfassenden Fragen bei Pressekonferenzen der Öffentlich-Rechtlichen bekannt. Sein kritisches Hinterfragen und seine wohltuende Unbequemlichkeit haben ihm dort anscheinend nicht nur Freunde beschert: Buhre berichtet, wie sich allerlei Negativkommentare verschiedenster Nutzerinnen und Nutzer auf seinem Blog ergießen. Allesamt von der IP-Adresse 192.108.72.0 versendet – ein Adressraum, der dem öffentlich-rechtlichen rbb zugeordnet ist.

3. Amtsgericht Hamburg: Abmahnungen von Christoph Scholz durch Rechtsanwalt Lutz Schroeder waren rechtsmissbräuchlich
(kanzleikompa.de, Markus Kompa)
Der Creative-Commons-Foto-Abmahner Christoph Scholz hat lange Zeit ein lukratives Geschäft betrieben, doch nun habe das Amtsgericht Hamburg vier nahezu gleich lautende Urteile gegen ihn gesprochen. Das Gericht sehe in seinem Handeln einen Rechtsmissbrauch. Die Art und Weise der Organisation des Abmahnwesens habe das “Gepräge einer Einkommensgenerierung durch provozierte Rechtsverletzungen”. Der Jurist Markus Kompa fasst zusammen: “Herr Scholz hat damit weder Anspruch auf Ersatz eines Lizenzschadens noch auf Ersatz von Anwaltskosten. Umgekehrt muss Herr Scholz dem Abgemahnten die Kosten vorgerichtlicher Abmahnabwehr ersetzen sowie alle Prozesskosten.” Kompas Fazit: “Diese aktuellen Urteile sind weitere Sargnägel für das Abmahn-Business der Urheberrechtsfallensteller.”

Bildblog unterstuetzen

4. Floskel des Monats: durchstarten
(journalist.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
Sebastian Pertsch und Udo Stiehl sind die Initiatoren des sprach- und medienkritischen Projekts “Floskelwolke”, in dem sie Floskeln, Phrasen und Formulierungen in deutschsprachigen Nachrichtentexten analysieren. Im Fachmagazin “journalist” stellen sie regelmäßig die “Floskel des Monats” vor. Aktuell: “durchstarten”.

5. In der Druckkammer
(taz.de, Anne Fromm)
Die Corona-Pandemie hat viele Medienhäuser in Bedrängnis gebracht. Die “Süddeutsche Zeitung” begegnet dem mit einem rigorosen Sparprogramm. Trotz steigender Abozahlen und erhöhtem Arbeitsaufkommen sei die Redaktion in Kurzarbeit geschickt worden. Nun wolle der Verlag sich von 50 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen trennen. Gleichzeitig ändere sich die Unternehmenskultur: Die Chefs würden neuerdings duzen und sprächen von “Town Hall Meetings” und “Lunch mit Christian”.
Weiterer Lesehinweis: “Süddeutsche”-Autorin Aurelie von Blazekovic hat sich in der Medienbranche umgehört, ob und wie die Verlage ihre Mitarbeitenden in dem Corona-Jahr unterstützt haben. Bei Condé Nast habe es in Deutschland eine Corona-Sonderzahlung in Höhe von 1.000 Euro gegeben, bei der “Süddeutschen Zeitung” soll eine “Corona Beihilfe” von 100 Euro ausgezahlt werden (Ein freier Tag und schönen Dank, sueddeutsche.de).

6. Das Goldene Brett 2020 für Sucharit Bhakdi: “Noch nie gab es einen passenderen Kandidaten”
(blog.gwup.net)
Mit dem Negativpreis “Das goldene Brett” prämiert die Gesellschaft für kritisches Denken Personen oder Institutionen, die “mit wissenschaftlich widerlegten oder unsinnigen Behauptungen Medienpräsenz anstreben, Angst machen oder Geld verdienen wollen.” Diesjähriger Preisträger ist der Arzt Sucharit Bhakdi, der für seine Äußerungen zur Corona-Pandemie, nun ja, ausgezeichnet wird: “Es gab vielleicht noch nie einen Kandidaten, auf den das ‘Goldene Brett vorm Kopf’ so perfekt gepasst hat wie auf ihn.” Der Preis fürs “Lebenswerk” geht an Ken Jebsen und dessen Kanal KenFM. Dieses Jahr fand die Verleihung nicht live statt, es gibt jedoch ein Video mit den Laudationen von Katharina Nocun (Ballweg), “Hoaxilla” (Hildmann) und Krista Federspiel (Bhakdi) (youtube.com, 44:35 Minuten).
(Transparenzhinweis: Der “6 vor 9”-Kurator war im Jahr 2016 selbst Laudator des “Goldenen Bretts”.)

***

Dies ist die letzte “6 vor 9”-Ausgabe in diesem Jahr (mit dem sonstigen BILDblog-Programm geht es noch ein paar Tage weiter). Wir bedanken uns für Eure Treue und verabschieden uns in die “6v9”-Winterpause. Allen Leserinnen und Lesern unserer morgendlichen Medienrundschau frohe Festtage und ein gesundes Wiedersehen im kommenden Jahr!

Mighty Mai Thi, Jahresbilanz der Pressefreiheit, Hinweisgeberschutz

1. Mai Thi Nguyen-Kim ist Journalistin des Jahres 2020
(mediummagazin.de)
Die über 100-köpfige unabhängige Fachjury der Branchenzeitschrift “medium magazin” hat entschieden: Journalistin des Jahres 2020 ist Mai Thi Nguyen-Kim. In der Begründung heißt es: “Die promovierte Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin verbindet die Expertise einer Wissenschaftlerin mit der Gestaltungsfantasie von Youtubern. Sie hat das alles dominierende Thema des Jahres 2020 ‘Corona’ ebenso kenntnisreich wie originell aufbereitet – sei es in ihrem Youtube-Kanal MaiLab (Funk), als Moderatorin von Quarks (WDR), als Autorin, Talkgast oder Kommentatorin.”
Weiterer Hinweis: Unser Autor Ralf Heimann hat bei der Wahl zum Journalisten des Jahres in der Kategorie “Chefredakteur regional” mit dem Portal rums.ms den 3. Platz belegt. Wir gratulieren und erinnern an Ralfs BILDblog-Serie “Kleine Wissenschaft des Fehlers”.

2. Jahresbilanz der Pressefreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Zum Jahresende sitzen laut Reporter ohne Grenzen (RoG) mindestens 387 Journalistinnen, Journalisten und andere Medienschaffende wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Mehr als die Hälfte davon verteile sich auf nur fünf Länder: China, Saudi-Arabien, Ägypten, Vietnam und Syrien. Über 130 Personen seien in allen Teilen der Welt wegen ihrer Corona-Berichterstattung verhaftet worden. Diese und weitere Zahlen gibt es in der ausführlichen RoG-Jahresbilanz (PDF).

3. Lambrecht will Whistleblower schützen
(sueddeutsche.de, Robert Roßmann)
Das Bundesjustizministerium hat einen Entwurf für ein “Hinweisgeberschutzgesetz” vorgelegt, der die Richtlinie der Europäischen Union nicht nur umsetze, sondern in einem wichtigen Punkt über sie hinausgehe: “Der Anwendungsbereich der EU-Richtlinie ist auf das Unionsrecht beschränkt, die Richtlinie schützt also nur die Hinweisgeber, die Verstöße gegen EU-Recht anprangern. Das bedeutet zum Beispiel: Wer ein Datenleck meldet, wäre geschützt – wer Schmiergeldzahlungen aufdeckt, aber nicht. Deshalb bezieht sich der Gesetzentwurf des Justizministeriums nicht nur auf Verstöße gegen europäisches Recht, sondern auch auf Verstöße gegen deutsches Recht.”

Bildblog unterstuetzen

4. Diversität in den Medien: Es braucht Motivation von innen
(de.ejo-online.eu, Philipp Vogt)
Bei der von der UNESCO veranstalteten World Press Freedom Conference 2020 erzählten fünf Medienmacherinnen und -macher von ihren Erfahrungen mit der Diversität in Redaktionen und sprachen darüber, was sich aus ihrer Sicht in diesem Feld noch ändern müsse. Eines der bezeichnenden Zitate der Diskussion: “Ich wünschte, wir könnten aufhören, in Diskussionsrunden über dieses Thema zu sprechen.”

5. Rivva: Ohne eure Spende geht es nicht mehr
(blog.rivva.de, Frank Westphal)
Set mehr als einem Jahrzehnt filtert Frank Westphal bei seinem Projekt “Rivva” das Social Web nach den meist empfohlenen Artikeln und debattierten Themen. Immer mal wieder konnte er auf die Unterstützung von Sponsoren setzen, doch momentan ist es um die Finanzierung des nützlichen Dienstes nicht gut bestellt. Westphal ruft zu Spenden auf, denn “2020 hat mich (wie viele) voll erwischt. Im Frühjahr habe ich meine letzten Aufträge verloren: Projekte, die von Rivva-Technologien profitiert und sie teils mitfinanziert haben.”

6. “Ich bin ja nicht weg von der Welt”
(deutschlandfunk.de, Ada von der Decken, Audio: 5:32 Minuten)
Gestern Abend hat sich Jan Hofer von der “Tagesschau” verabschiedet. 35 Jahre war er dort als Sprecher tätig, für viele war er das Gesicht der Nachrichtensendung. Langweilig dürfte es ihm jedoch nicht werden: Zu Hause habe Hofer sich ein eigenes Studio eingerichtet, von dem aus er seine privaten Kanäle auf Instagram, Youtube und TikTok bespielen will.

“Bild TV” ohne 20 Millionen, Fonds für Pressefreiheit, Browser Ballett im TV

1. Presserat rügt SZ
(sueddeutsche.de)
Der Presserat hat einen Online-Text der “Süddeutschen” über den Mord an fünf Kindern in Solingen gerügt, in dem zunächst Zitate aus einem Whatsapp-Chat des sechsten Kindes zu lesen waren. Später hatte die Redaktion diese Zitate gelöscht, ist nun jedoch für die Ursprungsversion gerügt worden. Anstatt das unangenehme Thema zu ignorieren, reagiert die “SZ”, wie man es sich von manch anderem gerügten Medium wünschen würde: “Die Chefredaktion der SZ hält die Rüge für gerechtfertigt und bedauert den Fehler.”

2. Renner: Springer verweigert “Bild TV” zusätzliche Gelder.
(turi2.de, Andreas Grieß)
Laut einem Bericht der “Berliner Zeitung” (Bezahlartikel) hatte “Bild”-Chef Julian Reichelt fest damit gerechnet, weitere 20 Millionen Euro für den Ausbau von “Bild TV” zur Verfügung gestellt zu bekommen. Der Springer-Aufsichtsrat habe ihm die Mittel jedoch verweigert. Ein Grund: Die größtenteils kläglichen Zuschauerzahlen. Bei der Verleihung des Axel-Springer-Awards an Tesla-Chef Elon Musk hätten beispielsweise nur 260 Menschen zugeschaut.
Nachtrag: Die “Berliner Zeitung” musste ihren Artikel um folgenden Hinweis ergänzen: “In einer vorherigen Version schrieben wir, am 17. November habe der Springer-Aufsichtsrat beschlossen, ‘Mittel in Höhe von mindestens 20 Millionen Euro für Bild Live’, würden ‘nicht fließen’. Inzwischen teilte Axel Springer mit, dass am 17. November in einer Vorstandssitzung ‘für das Jahr 2021 für Bild Live ein Investitionsvolumen von ca. 22 Millionen Euro bestätigt worden’ sei. Zudem ist uns im ursprünglichen Text eine Verwechslung unterlaufen: Nicht die Verleihung des Axel-Springer-Awards sahen bei Bild Live im Schnitt 260 Zuschauer. Tatsächlich hatte diese Quote ein Interview mit dem Tesla-Chef im Vorfeld der Preisverleihung.”

3. Die Top-Listen 2020 der besten Videos des Jahres stehen fest
(blog.youtube)
Youtube hat seine Bestenlisten für Deutschland veröffentlicht: die “Top Trending Videos”, die “Top-Musikvideos”, die “Top Creator” und die “Breakout Creator” (größte Durchstarter des Jahres) des Jahres 2020. In der Video-Bestenliste wurden keine Musikvideos, Trailer und Kindervideos einbezogen. Sie wird angeführt vom Corona-Video der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, einem Video über die Belästigung von Frauen (“Männerwelten” von Joko und Klaas) und Bibis Haus-Tour. Wer sein Medien-Universum erweitern oder einfach nur erfahren will, was derzeit so angesagt ist, bekommt hier eine gute Übersicht.

Bildblog unterstuetzen

4. Twitter will mehr Gruppen vor »Entmenschlichung« schützen
(spiegel.de)
Twitter hat seine “Richtlinie zu Hass schürendem Verhalten” überarbeitet. Verboten ist nun auch die “Entmenschlichung einer Gruppe” aufgrund von “Kaste”, “nationaler Herkunft” oder “ethnischer Zugehörigkeit”. Inwieweit sich die überarbeiteten Regeln in der Praxis auswirken werden, ist noch unklar. Ähnlich unklar wie die Konsequenzen bei Verstößen gegen die Twitter-Richtlinie, die vom Einzelfall anhängen würden. Arisha Michelle von der US-Menschenrechtsorganisation Color of Change sagt, die Ankündigung falle in die “wachsende Kategorie von zu unbedeutenden, zu späten PR-Stunts”.

5. Ein Fonds für die Pressefreiheit
(verdi.de, Sarah Schäfer)
Beim jüngsten Medien-Meeting der Gewerkschaft dju (Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union) ging es um den Druck, der durch Klagen auf Redaktionen ausgeübt wird. Dass juristische Mittel eingesetzt werden, um eine ungewünschte Berichterstattung zu beeinflussen oder zu verhindern, sei längst keine Ausnahme mehr. In dem Beitrag geht es auch um den “Prinzenfonds”, der Menschen unterstützt, die wegen Aussagen über das Haus Hohenzollern abgemahnt oder verklagt werden.

6. Browser Ballett
(ardmediathek.de, Video: 29:38 Minuten)
Auf Youtube hat der Satire-Kanal “Browser Ballett” etwa 300.000 Abonnenten gewinnen können. Das öffentlich-rechtliche Format aus der Funk-Familie hat nun den Sprung aus dem Internet ins klassische ARD-Programm geschafft. Highlight der Sendung aus unserer Sicht: Ein satirischer Einblick in den “Bild”-Redaktionsalltag mit Julian-Reichelt- und Paul-Ronzheimer-Doubles, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Die geschilderten Szenen scheinen bei aller Überzeichnung durchaus vorstellbar (ab Minute 1:20).
Weiterer Lesehinweis: Nur mit indirektem Medienbezug, aber sehr lesenswert: Der Bericht “Ich war in der Psychiatrie und es war die beste Zeit meines Lebens” vom “Browser Ballett”-Gründer Schlecky Silberstein.

Sachsen-Anhalt-Krimi, Erklärerin mit Empathie, Feigenblatt Dokumentarfilm

1. Nur Sachsen-Anhalt schert aus
(taz.de, Steffen Grimberg)
15 von 16 Bundesländern haben sich für die Erhöhung des Rundfunkbeitrags ausgesprochen, im Fall von Sachsen-Anhalt ist dies noch offen. Die CDU könnte dort zusammen mit der AfD für ein Scheitern sorgen, doch ein derartiges Abstimmungsverhalten gefährdet die sachsen-anhaltinische Koalition aus CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So wurde in Magdeburg bis tief in die Nacht um eine Lösung gerungen – vergeblich. Steffen Grimberg hat einen Vorschlag: “Bis die Sache geklärt ist, senden ARD und ZDF für Sachsen-Anhalt einfach in schwarz-weiß.”

2. WDR-Reporterin Isabel Schayani: Erklärerin mit Empathie
(dwdl.de, Alexander Krei)
Zu den Bildschirmheldinnen und -helden 2020 gehört für “DWDL” die WDR-Reporterin Isabel Schayani, die mit ihren Schilderungen von der griechischen Insel Lesbos für einen der eindringlichsten Fernsehmomente des Jahres gesorgt habe. Eine verdiente Auszeichnung, wie man spätestens dann feststellt, wenn man sich noch einmal Schayanis Bericht über die katastrophalen Zuständen nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria ansieht (youtube.com, 3:15 Minuten).

3. Die Politik muss den Mut haben, einzelne Bereiche der Öffentlich-Rechtlichen neu aufzustellen.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Thorolf Lipp ist Filmemacher und Mitglied im Vorstand der AG DOK, der größten Interessenvertretung für Dokumentarfilmer in Deutschland. Im Interview mit Jakob Buhre spricht er über den Stellenwert des Dokumentarfilms im öffentlich-rechtlichen Programmangebot. Es geht unter anderem um den sehr geringen Anteil von (unformatierten) Dokus am Programm, die Situation für Dokumentarfilmproduzent und -produzentinnen in Deutschland und die Frage, wie es in dem Genre zu einer “Vereinheitlichung von Form und Inhalt” kam. Außerdem erklärt Lipp, warum die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Publikum nicht als Konsumenten, sondern als Bürger betrachten sollten.

Bildblog unterstuetzen

4. MDR will Klaus Brinkbäumer als Programmdirektor anheuern
(faz.net)
MDR-Intendantin Karola Wille will Klaus Brinkbäumer als Programmchef nach Leipzig holen. Brinkbäumer war zwischen 2015 und 2018 Chefredakteur des “Spiegel”, arbeitete zwischenzeitlich als USA-Korrespondent für das Nachrichtenmagazin und schreibt und podcastet seitdem für die “Zeit”. In Zusammenarbeit mit dem Dokumentarfilmer Stephan Lamby entstand der jüngst ausgestrahlte Film “Im Wahn – Trump und die Amerikanische Katastrophe” (in der ARD-Mediathek noch verfügbar bis zum 24. Januar 2021, 88:52 Minuten).
Weiterer Lesehinweis: Bei “Meedia” ist Stefan Winterbauer wenig angetan von der sich abzeichnenden Personalie: “Klaus Brinkbäumer als Programmchef beim MDR – wie bitte?”

5. “Zu hohe Verluste”
(sueddeutsche.de, Jan Heidtmann)
Deutschlands größte Nachrichtenagentur dpa trennt sich von etwa 30 der insgesamt rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihres “Englischen Dienstes”. Die Berichterstattung für deutsche Medien sei davon nicht betroffen, sagte dpa-Chefredakteur Sven Gösmann gegenüber der “Süddeutschen”: “Wir sägen ja nicht an dem Ast, auf dem wir sitzen.”

6. Das sind die beliebtesten Hits und Podcasts 2020
(wuv.de, Belinda Duvinage)
Der Streaming-Dienst Spotify hat die beliebtesten Songs und Podcasts des Jahres 2020 bekanntgegeben. In Deutschland auf den vorderen Musik-Plätzen: Die Rapper Capital Bra, Apache 207 und Samra. Die Podcast-Charts werden von “Gemischtes Hack” mit Felix Lobrecht und Tommi Schmitt, “Fest und Flauschig” mit Jan Böhmermann und Olli Schulz sowie der “Tagesschau in 100 Sekunden” angeführt.

Abhören mit Auflagen, Kahlschlag bei Twitch, Weniger Frauen im Krisenjahr

1. Abhören mit Auflagen
(sueddeutsche.de, Ronen Steinke)
Als die Bundesregierung den Entwurf für ein neues BND-Gesetz vorlegte, waren viele Medienschaffende entsetzt. Er sah unter anderem die Möglichkeit für den Bundesnachrichtendienst (BND) vor, ausländische Journalistinnen und Journalisten abzuhören. Im neuen Gesetzestext wurden die Möglichkeiten des BND in diesem Bereich eingeschränkt. Nicht freiwillig, denn zuvor hatten Journalistenverbände eine Verfassungsbeschwerde angestrengt – und gewonnen.

2. Dieser Song ist in deinem Stream leider verboten
(zeit.de, Eike Kühl)
Die Livestream-Plattform Twitch hat mit den großen Musiklabels keine Vereinbarungen getroffen, die den Streamern und Streamerinnen die Verwendung von urheberrechtlich geschützter Musik erlaubt. Nun verlangt die US-amerikanische Musiklobby von Twitch, unzählige Videos zu löschen. Von “Kahlschlag” und “Blutbad” ist die Rede. Eike Kühl erklärt den Konflikt und verrät, wie ein möglicher Ausweg aussehen könnte.

3. Verstößt Artikel 17 der EU-Urheberrechts-Richtlinie gegen EU-Grundrechte?
(irights.info)
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat eine Studie zum umstrittenen Artikel 17 der EU-Urheberrechtsrichtlinie vorgelegt (PDF, englisch). In Artikel 17 geht es um die Haftung von Plattformanbietern wie Youtube für hochgeladene Inhalte und die sogenannten Uploadfilter. Im Interview sprechen Julia Reda und Joschka Selinger, die die Studie verfasst haben, darüber, welche Schwierigkeiten der Artikel aus ihrer Sicht mache und warum er grundgesetzwidrig sei.

Bildblog unterstuetzen

4. Exklusiv: Bei Berichten von Tagesschau, heute-journal und Co. sind Frauen im Krisenjahr noch weniger gefragt als sonst
(kress.de, Roland Schatz)
Der Branchendienst “Kress” hat nachzählen lassen, wie oft in den vergangenen Jahren in ausgewählten TV-Nachrichtenformaten von ARD, ZDF, BBC und SRF über Männer und über Frauen berichtet wurde. Das Ergebnis ist besonders für das aktuelle Jahr ernüchternd: “Ausgerechnet im Covid-19 Jahr spielen Frauen in den Hauptnachrichten-Sendungen von ARD und ZDF eine noch geringere Rolle als in den Jahren zuvor.”

5. Die “New York Times” auf digitalem Erfolgskurs
(deutschlandfunk.de, Sinje Stadtlich, Audio: 5:19 Minuten)
Die “New York Times” schafft es, seit Jahren kontinuierlich zu wachsen. Dafür verantwortlich ist die Digitalstrategie mit ihren, im Vergleich zu deutschen Medien, kleinen Abo-Preisen und Podcasts wie dem auch international erfolgreichen “The Daily”. Der Deutschlandfunk hat mit Stephen Dunbar-Johnson gesprochen, der bei der “New York Times” das internationale Geschäft verantwortet. Bei aller Euphorie warnt er davor, sich die “NYT” zu sehr zum Vorbild zu nehmen: “Unser Modell ist nicht für jede Zeitung richtig. Es gibt viele mögliche Geschäftsmodelle. Ich denke, das Minimum müsste sein, dass Zeitungen ihre Leser dazu bringen, sich zu registrieren, um Inhalte zu lesen. Man muss eine Beziehung zu seinen Lesern aufbauen. Und dann kann man anfangen, unter den registrierten Nutzern verschiedene Bezahlmodelle zu testen.”
Weiterer Lesehinweis: “The Daily” steht in den Spotify-World-Charts aktuell an dritter Stelle (Anmerkung des Kurators: Für Staunen sorgt das Format “Gemischtes Hack”, das es als einziges nicht-englischsprachiger Podcast in die Top 10 geschafft hat).

6. GfdS wählt »Corona-Pandemie« zum Wort des Jahres 2020
(gfds.de)
Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat entschieden: Wort des Jahres 2020 ist “Corona-Pandemie”. Auf den weiteren Plätzen liegen “Lockdown”, “Verschwörungserzählung”, “Black Lives Matter”, “AHA”, “systemrelevant”, “Triage”, “Geisterspiele”, “Gendersternchen” und “Bleiben Sie gesund!”.

Blättern:  1 ... 57 58 59 ... 152