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“Bild” stürmt, Deutschlandstart von “Facebook News”, Die Meteorologin

1. “Bild” stürmt auf Polizisten los, die angeblich Koch-Abend gestürmt haben sollen
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Immer öfter stellt “Bild” den Staat als einen autoritären Herrscher dar, der in Corona-Zeiten seine Bürger und Bürgerinnen angeblich mit allerlei unsinnigen Maßnahmen drangsaliert und terrorisiert. Da passt die Geschichte vom harmlosen Koch-Abend zweier Freunde, der von der Polizei gestürmt worden sei, bestens ins Bild. Boris Rosenkranz hat sich den Vorgang angeguckt und eine ganz andere Geschichte dahinter entdeckt.

2. Facebook holt (fast) alle an Bord
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Annika Schneider, Audio: 4:59 Minuten)
Ab Mai will Facebook in Deutschland ein kuratiertes journalistisches Nachrichtenangebot starten. Bei “Facebook News” sind einige namhafte Medienpartner wie “Spiegel”, “FAZ” und “Zeit” mit an Bord, aber auch kleinere Medien wie die “Nordwest-Zeitung” (“NWZ”) aus Oldenburg. Der Deutschlandfunk hat sich mit “NWZ”-Geschäftsführerin Stephanie von Unruh über die geplante Kooperation unterhalten.

3. Augustus Intelligence klagt gegen Herausgabe von Lobbyschreiben an abgeordnetenwatch.de
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Das im Zuge der Amthor-Affäre bekanntgewordene Unternehmen Augustus Intelligence wolle unbedingt verhindern, dass die Initiativen “Abgeodnetenwatch” und “FragDenStaat” in den Besitz eines Lobbyschreibens kommen, und habe dazu Klage gegen das Bundeswirtschaftsministerium eingereicht, berichtet Martin Reyher. In dem Schreiben habe der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier (ebenfalls CDU) um politische Unterstützung für Augustus geworben.

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4. Ein Palast für Frauen
(taz.de, Simone Schmollack)
Silke Burmester hat als freie Journalistin und Autorin bereits für viele Medien gearbeitet. In der “taz” schrieb sie zum Beispiel als “Kriegsreporterin” sieben Jahre lang wöchentlich über die Medienbranche. Nun hat Burmester ein Solo-Projekt gestartet: Palais F*Lu­xx, ein virtueller “Palast für Frauen ab 47 Jahren”, die sich dort auch mit eigenen Texten einbringen können. Simone Schmollack hat sich die Seite näher angeschaut.

5. Guter Film braucht einen guten Ton
(verdi.de, Tilmann P. Gangloff)
Der Ton sei seit Jahrzehnten das Stiefkind der Filmproduktion, findet Medienjournalist Tilmann P. Gangloff, doch nun bekomme das Problem eine besondere Brisanz: Die Zuschauerinnen und Zuschauer von ARD und ZDF würden immer älter, entsprechend wichtiger sei ein guter Ton. Verschiedene ARD-Sender wollen im Rahmen von Pilotprojekten die Sprachverständlichkeit des Fernsehens verbessern, doch das Thema ist komplexer, als man ahnt.

6. Die Meteorologin
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Nahezu dreißig Jahre lang trug die Meteorologin Karla Wege im ZDF den Wetterbericht vor, nun ist sie im Alter von 90 Jahren in München gestorben. Die “Süddeutsche” erinnert an eine Frau, die sich ganz dem Wetter verschrieben hatte und dafür verantwortlich ist, dass Wetterlagen auch in Deutschland einen Namen tragen.
Weiterer Hinweis: Sogenannte Wetterpatenschaften, die eben auch auf Karla Wege zurückzuführen sind, für das Jahr 2022 können ab dem 8. September beim Institut für Meteorologie beantragt werden.

Ist das “nd” nah?, Gewinnspiel verliert, Mausgezeichnet

1. Ist das ND nah?
(taz.de, Anne Fromm)
Bei der schwer angeschlagenen linken Tageszeitung “Neues Deutschland” (“nd”) wird derzeit die Umwandlung in eine Genossenschaft diskutiert. Derartige Modelle haben bei “taz”, “Junge Welt” und “Krautreportern” einigermaßen gut geklappt, doch für die “nd” könnte die Situation schwerer sein, findet Anne Fromm: “Ihre LeserInnenschaft ist alt, älter vermutlich als die anderer Zeitungen. Den Großteil ihrer LeserInnen hat das Blatt in Ostdeutschland, viele von ihnen sind treu geblieben aus alter DDR-Verbundenheit, als die Zeitung noch Zentralorgan der SED war. Treten die noch in eine neue Genossenschaft ein?”

2. Gewinnspielportal der Funke Mediengruppe entblößt über 85.000 Datensätze
(heise.de, Jan Mahn)
Das Gewinnspielportal “funke.fun” der Funke Mediengruppe habe nach Informationen von “Heise” versehentlich die Einsicht in Daten von rund 85.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglicht. Ursache sei eine “schlampig umgesetzte” Prämienaktion. Funke habe den Fall als meldepflichtigen Datenschutzverstoß im Sinne der DSGVO eingestuft und erklärt, die zuständige Berliner Landesdatenschutzbeauftragte informiert zu haben. Außerdem wolle man die 85.664 Betroffenen über den Fall unterrichten.

3. Spiegel’s Digest
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
In der aktuellen “SZ”-Medienkolumne “Abspann” schreibt Cornelius Pollmer über eine besondere Gunst, die gelegentlich “Spiegel”-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern zuteil wird: den werbeträchtigen Vorabdruck ihrer Bücher.

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4. Was es für den deutschen Streaming- und Fernsehmarkt bedeutet, wenn Hollywood-Studios zu Konkurrenten werden
(medienpolitik.net, Thorsten Hennig-Thurau, Ricarda Schauerte, Niko Herborg, Veronika Schneid, Nico Wiegand)
Die von WissenschaftlerInnen und einer Unternehmensberatung durchgeführte Studie “Angriff aus Hollywood” (PDF) beschäftigt sich mit dem Markteintritt der großen Hollywood-Studios ins Streaming-Geschäft und den daraus folgenden Auswirkungen auf den deutschen Streaming- und Fernsehmarkt. Interessant sind auch die Erkenntnisse zur derzeitigen Mediennutzung. So habe das Pay-TV trotz Wiederanpfiff der Bundesliga verloren, während Youtube Zuwächse verzeichnen könne.

5. Inflation berechnen? Lass uns mal Twitter fragen
(zeit.de, Henrik Oerding)
Für viele ist der Kurznachrichtendienst Twitter ein praktisches Instrument, um sich in kurzen Botschaften mit anderen auszutauschen oder den eigenen Standpunkt klarzumachen. Für die Wissenschaft ist Twitter darüber hinaus eine gigantische Datenquelle, die vielfältige, teilweise überraschende Erkenntnisse liefert. Henrik Oerding stellt einige der auf Twitter-Daten basierenden Studien vor. Dabei geht es unter anderem um Inflationserwartungen, die Messung von Erdbeben und eine “Zufriedenheitsforschung”.

6. Klingt komisch, ist aber so
(philomag.de, Matthias Warkus)
Am Sonntag wird “Die Sendung mit der Maus” (WDR) 50 Jahre alt. Im “Philosophie Magazin” huldigt Matthias Warkus dem kleinen TV-Nager und seinen Sachgeschichten: “Alles ist interessant, alles ist zugleich selbstverständlich und wundervoll, aber das heißt nicht, dass deswegen auch gleich alles gut wäre. Das ist nicht die schlechteste Sicht auf die Dinge, und ein hervorragender Ausgangspunkt für die Philosophie.”

Spahn und die Pressefreiheit, AfD-Beilage, Bundespressekonferenz

1. “Ein Bundesminister sollte die Pressefreiheit achten”
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Gesundheitsminister Jens Spahn soll über seine Anwälte vom Grundbuchamt beim Amtsgericht Berlin-Schöneberg verlangt haben, Namen zu Rechercheanfragen von Journalisten von “Spiegel”, “Bild”, “Stern” und “Tagesspiegel” herauszugeben. Bei den Recherchen ging es anscheinend um den Kauf einer Wohnung, die Spahn dem früheren Pharma-Manager Markus Leyck Dieken abgekauft haben soll. Spahn holte Leyck Dieken später an die Spitze der mehrheitlich bundeseigenen Gematik GmbH.
Weiterer Lesetipp: Der Europarat will mehr Transparenz beim Vermögen deutscher Minister – Jens Spahn offenbar weniger (stern.de, Hans-Martin Tillack).

2. “Südkurier” wegen AfD-Beilage in der Kritik
(meedia.de, Sarah Neven-Stieber & Tobias Singer)
Der “Südkurier”, eine regionale Tageszeitung für den Raum Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, hat mit einer AfD-Beilage viel Kritik auf sich gezogen. “Meedia” hat bei den Verantwortlichen nachgefragt und benennt die entscheidende Problematik: “Muss Parteien der Zugang zu Wahlwerbung ermöglicht werden?”

3. Wurde die Bundespressekonferenz “gekapert”?
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Mathis Feldhoff & Stefan Fries, Audio: 6:22 Minuten)
In der “Süddeutschen Zeitung” beklagten einige Autoren jüngst (nur mit Abo lesbar), dass manche Teilnehmer der Bundespressekonferenz die Veranstaltung für Propaganda und Verschwörungsmythen nutzen würden: “Einige Journalisten und Blogger – vor allem die Namen Boris Reitschuster und Florian Warweg fallen da immer wieder – würden die Veranstaltung sehr erfolgreich als Bühne für Verschwörungsmythen und Fake News nutzen.” Der Deutschlandfunk fragt: “Ist die Bundespressekonferenz zur Bühne für Selbstdarsteller und Verbreiter von Desinformationen geworden? Wurde die Bundespressekonferenz ‘gekapert’?”

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4. Facebook will Journalismus mit einer Milliarde Dollar fördern
(zeit.de)
Facebook und Google haben zwei Monate Zeit, mit den traditionellen australischen Medienhäusern eine Vereinbarung über die Nutzung von Medieninhalten zu treffen. Facebook hatte sich gegen eine derartige Verlagsbeteiligung zunächst vehement gesträubt und zeitweilig sogar eine Sperre für journalistische Inhalte in Australien verhängt. An anderer Stelle ist der Konzern entgegenkommender: In den kommenden drei Jahren wolle er mindestens eine Milliarde US-Dollar zur Unterstützung von Medienunternehmen ausgeben.

5. Überlaufen (k)ein Problem
(jungewelt.de, Marvin Oppong)
Seitenwechsel von Politikern in die Wirtschaft kennt man zur Genüge, ob Dirk Niebel (FDP), Sigmar Gabriel (SPD) oder Ronald Pofalla (CDU). Weit weniger bekannt sind Seitenwechsel von Medienleuten in die Wirtschaft. Marvin Oppong berichtet über einen besonders interessanten Fall: Den Wechsel des früheren “Handelsblatt”-Chefredakteurs Sven Afhüppe zur Deutschen Bank.

6. Wechsel jetzt offiziell: Mai Thi Nguyen-Kim geht zum ZDF
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die erfolgreiche und beliebte Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim (Youtube-Kanal: MaiLab) wechselt vom WDR zum ZDF. Dort soll sie ab April exklusiv für mehrere ZDF-Formate vor der Kamera stehen. Damit hat das ZDF im Wissenschaftsbereich neben Harald Lesch einen weiteren Publikumsliebling in den Reihen.

Klemmbaustein in der Klemme, Googles Titanic-Sorry, Sky-Strategie

1. Lego bringt die treuesten Fans gegen sich auf
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
In den vergangenen Jahren ging der dänische Klemmbaustein-Konzern Lego immer wieder mit Anwälten gegen kleine Händler und Youtuber vor. Die rechtlichen Vorwürfe sind mindestens strittig und manchmal Auslöser für den berühmten Streisand-Effekt. So habe der Youtuber Thomas Panke (Youtube-Kanal: “Held der Steine”) nach der letzten Lego-Attacke zehntausende Abonnenten hinzugewonnen. Sebastian Leber mit einer lesenswerte Geschichte über den Kampf Goliath gegen David.

2. Sky-Programmchefin im Interview: “Ich glaube nicht an einen magischen Algorithmus”
(rnd.de, Imre Grimm)
Streaming boomt, der Markt ist heiß umkämpft: Netflix und Amazon sind bereits seit längerer Zeit dabei, Disney und Apple wollen auch etwas vom Kuchen abhaben. Und dann ist da ja noch Sky mit seinen Angeboten. Imre Grimm hat sich mit Sky-Programmchefin Elke Walthelm über teure Großproduktionen wie “Babylon Berlin”, die allgemeine Geschäftsstrategie und die Frage, warum der Pay-TV-Sender zusätzlich Werbung zeigt, unterhalten.

3. Mit Hashtag in die Zukunft
(taz.de, René Martens)
Die NDR-Spitze aus Intendanz und Programmdirektion werbe hausintern für eine Strukturreform der innerbetrieblichen Hierarchien, die teilweise erratisch wirke. René Martens kommentiert: “Viele Mitarbeiter haben daher den Eindruck, dass die Reform keiner inhaltlichen Strategie folgt, sondern dass es darum ging, den Machtkuchen so zu verteilen, dass beide Di­rek­to­r*in­nen gleich viele Stücke abbekommen.”

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4. Die Podcast-Strategie der Süddeutschen Zeitung
(anchor.fm, Levin Kubeth, Audio: 1:40:09 Stunden)
Levin Kubeth hat bei “Unter Zwei” mit Vinzent-Vitus Leitgeb gesprochen, der bei der “Süddeutschen Zeitung” das Audio-Team leitet. Leitgeb erzählt unter anderem von der Podcaststrategie der “SZ” und dem Nebeneinander von kostenlosen und Bezahlformaten. Und natürlich geht es um die generelle Zukunft des Mediums sowie die Auswirkungen von Spotify auf die freie Podcastszene.
Weiterer Lesehinweis: Spotify kündigt Hifi-Abo und Start in 85 neuen Märkten an (faz.net, Benjamin Fischer).

5. Wie ein Anglizismus das Sportinterview veränderte
(diepresse.com, Erich Kocina)
Realisieren bedeutete früher, etwas umzusetzen, heute ist damit häufig der Prozess der langsamen Bewusstmachung gemeint. In Interviews sagen Sportler und Sportlerinnen nach einem Erfolg deshalb oft, sie könnten das Erlebte “noch gar nicht realisieren”. Ein “falscher Freund” aus dem Englischen, wie Erich Kocina erklärt.

6. Google entschuldigt sich bei »Titanic« – per Karikatur
(spiegel.de)
Vergangene Woche hatte Google die App des Satiremagazins “Titanic” aus dem hauseigenen Appstore (“Google Play Store”) geschmissen. Stein des Anstoßes war unter anderem eine Jesus-Karikatur auf dem Cover der Dezemberausgabe der “Titanic”. Nun hat der Konzern die App wieder aufgenommen und sich bei der “Titanic”-Redaktion auf ziemlich originelle Weise entschuldigt: per Karikatur.

Wüste Sammlung, Papageno-Effekt, Der MDR und das Glyphosat

1. Medien kaufen Uni wüste Materialsammlung als brisante Corona-Studie ab
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Journalist Felix Huesmann hat es auf Twitter recht gut zusammengefasst: “Ein fachfremder Professor stellt wissenschaftliche Texte und Zeitungsartikel zusammen, fügt dem ganzen ein paar bunte Markierungen hinzu und die @unihh verkauft das dann als ‘Studie’. Mitten in der von Desinformation begleiteten Corona-Pandemie. Unfassbar.” Medienkritiker Stefan Niggemeier ist der Frage nachgegangen, wie das umstrittene Papier derart viel Medienaufmerksamkeit erfahren konnte. Außerdem verlinkt er mehrere Faktenchecks, die allesamt zu ähnlichen, wenn nicht übereinstimmenden Ergebnissen kommen.

2. Zu viele nehmen sich das Leben – darüber müssen wir reden
(krautreporter.de, Martin Gommel)
Der Werther-Effekt besagt, dass das öffentliche Sprechen über Suizide weitere Suizide provoziert. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, findet die Soziologin Ellen von den Driesch: “Der Werther-Effekt ist eine umstrittene These, denn es gibt auch einen Papageno-Effekt. Hier geht man davon aus, dass es eine Schutzfunktion haben kann, wenn wir über Suizid in Verbindung mit Hinweisen auf Hilfsangebote sprechen.” Martin Gommel schreibt über psychische Krisen, den medialen Umgang damit und unsere gesellschaftliche Verantwortung für Menschen in Not.
(Solltest Du Suizid-Gedanken haben, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der “TelefonSeelsorge”, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 und 116 123) erreichen kannst.)

3. Fast jeden zweiten Tag schrieb der Boulevard 2020 etwas Negatives über Menschen aus Afghanistan
(kobuk.at, Benjamin Steiger)
Benjamin Steiger hat die Berichterstattung der österreichischen Presse über Menschen aus Afghanistan untersucht und dabei Missverhältnisse festgestellt, die “die Realität grob verzerren und Vorurteile verfestigen können”. Beispielsweise sei 2020 in fast jeder zweiten Ausgabe der “Kronen Zeitung” zumindest ein Negativ-Artikel über Afghaninnen oder Afghanen erschienen.

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4. MDR gewinnt in Glyphosat-Streit
(meedia.de)
Im Jahr 2015 hatte das ARD-Magazin “Fakt” über das Glyphosat-Gutachten einer Behörde berichtet und damit in Zusammenhang stehende Dokumente veröffentlicht. Das betroffene Bundesinstitut ging dagegen juristisch vor, angeblich seien die Urheberrechte der Autoren verletzt worden. Nun hat das Oberlandesgericht Köln die Klage des Instituts abgewiesen. MDR-Programmdirektor Klaus Brinkbäumer kommentiert: “Das Gericht hat diesen Versuch, Zensur über den Umweg des Urheberrechts auszuüben, ganz klar zurückgewiesen. Der Fall zeigt aber, dass die Rundfunkfreiheit auch in unserem Land jeden Tag aufs Neue verteidigt und erstritten werden muss.”

5. JournalistInnen, wir müssen reden
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer hat sich das aktuelle “Edelman Trust Barometer” angeschaut. Dabei handelt es sich um eine jährliche Umfrage zum Vertrauen in Regierungen, Unternehmen, Medien und Nichtregierungsorganisationen. Knüwer fordert: “JournalistInnen müssen sich endlich den Fehlentwicklungen ihrer Branche stellen, sie müssen bereit sein, Kritik zu ertragen und auszutragen. Und sie müssen sich ändern.”

6. Der Mann, der BILD zur Kriegsmaschine macht
(youtube.com, Walulis Story SWR3, Video: 15:00 Minuten)
Philipp Walulis wirft einen satirischen Blick auf das Aufmerksamkeits-Business von “Bild”-Chef Julian Reichelt. Ein unterhaltsames und kurzweiliges Psychogram, bei dem man manchmal nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Harter Cringe, schokoladehaltiger PR-Stunt, Giovannis Braten

1. Harter Cringe
(faz.net, Felix Hooss)
Die beiden umtriebigen Gründer eines Kondom-Start-ups kamen 2019 auf eine weitere publicityträchtige Idee: Wie wäre es, wenn man im Berliner Olympiastadion die größte “BürgerInnenversammlung” abhielte und dort über Petitionen abstimmen ließe? Dank einer geschickten Medienkampagne und der Unterstützung durch einige Influencer und Influencerinnen sammelten sie 1,8 Millionen Euro für die Umsetzung des Vorhabens ein. Felix Hooss hat sich eine sechsteilige Doku über das ambitionierte Projekt angeschaut: “Bis zuletzt bleibt vage, was genau im Olympiastadion eigentlich geschehen, wie das mit den Petitionen funktionieren, was hier politisch verhandelt werden soll. Das ist aber irgendwie auch egal. Letztlich wird hier eine leere Hülle promotet, darunter ist nichts; ob politische Beteiligung verkauft werden soll oder eben Kondome, spielt keine Rolle. Die Reichweite der Influencer wirkt dabei wie ein Steroid. Nie war es leichter, sich ein bisschen politisch, ein bisschen weltverbessernd zu fühlen, ohne auch nur das Geringste am eigenen Lebensstil zu hinterfragen.”
Weiterer Gucktipp: Zum Hintergrund ein Hinweis auf das lohnenswerte und vorausschauende Gespräch zwischen Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen aus dem Jahr 2019: Olympiastadion: So blöde war die Weltrettung noch nie! (youtube.com, Video: 29:41 Minuten).

2. 90 Jahre Haus des Rundfunks: Die Sendesäle und die Akustik
(rbb-online.de, Sigrid Hoff)
Das Haus des Rundfunks in der Berliner Masurenallee hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Zum 90-jährigen Bestehen geht der rbb in einer Serie den Spuren der Architektur und der wechselvollen Geschichte dieses Baus nach. In der aktuellen Folge geht es um die Sendesäle und die Akustik.
Weiterer Hörtipp: Der fünfteilige Podcast über das Haus des Rundfunks, von der Grundsteinlegung im Jahr 1929 bis in die Jetztzeit.

3. “Ritter Sport hat es geschafft, absolut an die Grenze des Möglichen zu gehen”
(wiwo.de, Nele Husmann)
Ein Schokoladen-Hersteller behauptete, seine Schokolade dürfe nicht Schokolade genannt werden, weil sie keinen Zucker enthalte. Ein geschickter PR-Stunt, der sich jedoch als unwahr herausstellte. Der Firma konnte es egal sein: Zahlreiche Medien waren auf die Meldung angesprungen und hatten berichtet. Lars Rademacher, Vorsitzender des Deutsches Rats für Public Relations und Medien-Professor in Darmstadt, hält die Aktion für einen Grenzfall.
Weiterer Lesehinweis: Wie man eine neue Schokoladensorte in alle Medien bringt (übermedien.de, Stefan Niggemeier).

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4. MDR bietet virtuelle Tour durchs Sendezentrum an
(dwdl.de, Alexander Krei)
Pandemiebedingt bietet der MDR derzeit keine Studioführungen an. Nun hat sich der Sender eine Alternative einfallen lassen und lädt zu einer virtuellen 360-Grad-Tour durch die Studios am Standort Leipzig ein. Bei “Mittendrin – die virtuelle MDR-Studiotour” kann man zum Beispiel hinter die Kulissen der Studios von “MDR aktuell” und “Sport im Osten” schauen, eine Regie besuchen oder beim “Riverboat” vorbeigucken.

5. Facebook-Blockade wegen Mediengesetz: Was nun, Australien?
(heise.de, Torsten Kleinz)
In Australien eskaliert ein Streit um die sogenannte Linksteuer. Das Parlament will Konzerne wie Facebook und Google dazu verpflichten, Verlage und Medienhäuser an den Erlösen zu beteiligen, wenn deren Inhalte abgegriffen werden. Als Reaktion hat Facebook sämtliche Nachrichteninhalte des Landes gesperrt. Was bedeutet dies für Netzpolitik, Medien und das Internet? Und wer wird aus dem Kampf als Sieger herausgehen: Nationalstaaten oder die großen Konzerne? Torsten Kleinz spielt drei Szenarien durch, die er für möglich hält.

6. “Die Zeit” wird 75 Jahre alt. Braten für alle!
(twitter.com/uebermedien, Video: 0:27 Minuten)
Anlässlich des 75. Geburtstag der Wochenzeitung “Die Zeit” präsentiert “Übermedien” einen Ausschnitt aus einer NDR-Doku über Giovanni di Lorenzo, den “Meister der Zwischentöne”. di Lorenzo ist anscheinend auch ein Meister der Zwischentöne, wenn es um (seltenes) Lob geht.
Weiterer Gucktipp: “‘Die Zeit’ – Eine Wochenzeitung wird 75” (ndr.de, Inga Mathwig & Davod Hohndorf, Video: 44:53 Minuten).

Demütigungs-Business, Bezirksamt vs. Livestream, Gedächtnis weg

1. Das Geschäft mit der Demütigung hat eine lange Tradition
(tagesspiegel.de, Inga Barthels)
Dass Frauen in der Öffentlichkeit immer wieder mit Hass, Häme und Misogynie überschüttet und öffentlich gedemütigt werden, habe seit der Antike Tradition, schreibt Inga Barthels beim “Tagesspiegel”. Mit dem Aufkommen des Internets habe das Problem jedoch eine neue Dimension angenommen. Barthels nennt einige prominente Beispiele wie Kasia Lenhardt, Monica Lewinsky und Britney Spears.
Weiterer Hinweis: Auf Twitter wirft Jasmina Kuhnke (Twitter-Name: @ebonyplusirony) dem “Tagesspiegel” vor, mit ihr ähnlich umgegangen zu sein: “Lieber Tagesspiegel, ihr seid Teil des Problems, denn ihr hattet auch keinerlei Bedenken, u.a. mich, eine ‘twitternde Vierfachmutter’, zu diffamieren und öffentlich zu demütigen!” Kuhnke bezieht sich damit auf einen Artikel von Fatina Keilani aus dem Januar, der mehrfachen Widerspruch (1, 2, 3) ausgelöst hatte.

2. Bezirksamt untersagt Live-Berichterstattung
(tagesschau.de, Andrej Reisin)
Gestern haben das Robert-Koch-Institut und das Bezirksamt Berlin-Mitte auf einer Pressekonferenz über eine Corona-Studie berichtet. Die “Tagesschau” wollte, wie übliche Praxis, die Pressekonferenz per Livestream übertragen. Dies wurde jedoch vom Bezirksamt untersagt. Dazu hätte man vorher eine Einverständniserklärung aller Teilnehmenden einholen müssen. Die ARD-Verantwortliche Juliane Leopold zeigt sich besorgt: “Wir finden einen Präzedenzfall gefährlich, Livestreaming einer Pressekonferenz zur Corona-Lage zu verhindern.”
Auf Twitter zieht Hendrik Wieduwilt einen Vergleich: “Man muss sich das mal reinzimmern: Die live-Information der Öffentlichkeit soll davon abhängen, dass *jeder* Beteiligte vorher einwilligt. Hoffentlich bricht in Berlin kein Krieg aus, da verliert man immer DSGVO-mäßig den Überblick und es kommt wieder nichts in der Tagesschau!”
Weiterer Gucktipp: Bei “Zapp” geht der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar der Frage nach: Corona – Hat der Journalismus versagt? (ndr.de, Video: 10:30 Minuten)

3. Verbannung dank halbnacktem Jesus
(sueddeutsche.de, Christiane Lutz)
Google hat die App des Satiremagazins “Titanic” aus dem hauseigenen Appstore (“Google Play Store”) geschmissen. Stein des Anstoßes ist unter anderem eine Jesus-Karikatur auf dem Cover der Dezemberausgabe der “Titanic”. Dabei handele es sich um eine Darstellung, die laut Google “nicht mit unseren Sexualitäts- und Obszönitätenrichtlinien vereinbar” sei. Das Angebot der “Titanic”, einen Balken über die heikle Stelle zu legen, habe Google abgelehnt und auf der kompletten Löschung des Covers bestanden. “Titanic”-Chefredakteur Moritz Hürtgen zeigt sich eher amüsiert als schockiert: “Wenn Google bei seiner Haltung bleibt, finden wir eben nicht im Playstore statt.”

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4. Weg mit dem Gedächtnis
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Das Stuttgarter Pressehaus, Teil der Südwestdeutschen Medien-Holding (SWMH), will im Zuge von Einsparmaßnahmen sein Archiv schließen. Sparen an der falschen Stelle, wie Josef-Otto Freudenreich findet: “Ökonomisch bewertet ist der Posten Archiv höchstens Portokasse für die SWMH. Der größte deutsche Tageszeitungskonzern weist einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro und eine Beschäftigtenzahl von mehr als 5.000 aus. Zum Vergleich: Im Möhringer Keller sind von ursprünglich elf MitarbeiterInnen noch vier übriggeblieben, die ihre Kosten zudem in Teilen wieder einspielen.” Freudenreichs Urteil: “Publizistisch gesehen ist die Schleifung des Archivs ein Kulturbruch, ein weiterer Offenbarungseid.”

5. Podcasts, öffentlich-rechtliches Radio und die Plattformen
(kuechenstud.io, Philip Banse & Sandro Schroeder, Audio: 2:03:27 Stunden)
Der Journalist Philip Banse podcastet bereits seit dem Jahr 2005 und ist einer der Köpfe des tagespolitischen Podcasts “Lage der Nation”. Sandro Schroeder ist beim Deutschlandradio für Konzeption und Präsentation von Podcasts zuständig und versendet regelmäßig einen Fach-Newsletter. In ihrem Podcastgespräch über Podcasts sprechen die beiden Experten unter anderem über die Schwierigkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit dem neuen Medium und die drohende Dominanz der Audio-Plattformen.

6. Clubhouse in Real Life
(youtube.com, Late Night Berlin, Video: 4:33 Minuten)
Keine Einladung für die Audio-Chat-App Clubhouse bekommen oder nicht im Besitz eines iPhones? Macht nichts, Klaas Heufer-Umlauf und sein Sidekick Jakob Lundt nehmen Euch mit ins analoge Clubhouse.

Pandemie des Hasses, Handy-Ich, Datensammelwut der Verlage

1. Die Pandemie des Hasses
(rnd.de, Markus Decker & Jan Sternberg)
Es scheint, als trete in Zeiten der Pandemie bei manchen Menschen das Schlechteste nach außen. Leidtragende sind oft PolitikerInnen und inzwischen auch WissenschaftlerInnen, die mit Hassbotschaften und Drohungen überschüttet werden. Der Staat tue sich schwer mit einer angemessenen Reaktion, schreiben Markus Decker und Jan Sternberg. Das Gesetz gegen Hasskriminalität konnte wegen verfassungsrechtlicher Bedenken zur Bestandsdatenauskunft bislang nicht in Kraft treten. Nun drängen Fachleute zur Eile.
Weiterer Gucktipp: Der Youtuber “Schlauchbootfan” setzt sich in seinen Videos kritisch mit Querdenkern auseinander. Das hat den prominenten Querdenker und Betreiber einer Schwindelambulanz Bodo Schiffmann auf den Plan gerufen. Dieser habe auf Telegram seine Gefolgschaft aufgefordert, die Identität des Kritikers aufzudecken. Anschließend habe Schiffmann den Klarnamen, den Arbeitgeber und die Anschrift des “Schlauchbootfans” veröffentlicht (sogenanntes Doxing). Der IT-Anwalt Chan-jo Jun hat sich mit dem Doxingopfer unterhalten. Dabei geht es vor allem um die Frage der Strafbarkeit (youtube.com, Video: 6:41 Minuten).

2. Die Idee der Entbündelung
(taz.de, Stefan Stuckmann)
So sehr der Autor Stefan Stuckmann den Hype um die Audio-Chat-App Clubhouse nachvollziehen kann, so besorgt ist er, was die Folgen anbelangt: “Damit wird aufs Neue ein zwar regulierter, aber im Prinzip offener Markt ersetzt durch eine komplett privatwirtschaftliche Plattform. Eine, die scheinbar offen daherkommt – jeder kann mitmachen! – aber letztlich ein Silo ist. Die keine einzige neue Idee mitbringt, wie sie all die Probleme angehen will, die bereits die älteren sozialen Netzwerke überfordern.”

3. Bezahlen mit Daten
(kontextwochenzeitung.de, Johanna Henkel-Waidhofer)
DatenschützerInnen kritisieren die Datensammelwut der großen Zeitungsverlage, die ihren Lesern und Leserinnen teilweise auf Schritt und Tritt durchs Netz folgen. Johanna Henkel-Waidhofer hat sich an das Thema gemacht, was angesichts verschiedener Interessenlagen und rechtlicher Implikationen nicht einfach ist: “Es ist, als müsste ein Kabelsalat entwirrt werden: Wer an den falschen Stellen zieht, bekommt neue Probleme anstatt alte zu lösen.”

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4. Das Herz des Journalismus schlägt links – so what?
(medienpolitik.net, Christian Pieter Hoffmann)
Die politische Linksverschiebung im Journalismus sei real und vollkommen plausibel, so Christian Pieter Hoffmann, Professor für Kommunikations-Management an der Universität Leipzig. In seinem Text diskutiert Hoffman die Argumente und Gegenargumente zum politischen Bias im Journalismus.

5. Kinozahlen brechen massiv ein
(faz.net)
Die Pandemie hat in der Kinowirtschaft für einen drastischen Rückgang der Besucherzahlen gesorgt. Laut Aussage der Filmförderungsanstalt (FFA) sei der Ticketverkauf um 68 Prozent eingebrochen. Bislang sei die Anzahl der Kinounternehmen stabil. Aus den Zahlen der FFA sei jedoch nicht ersichtlich, wie gut oder schlecht die jeweiligen Kinos durch die Krise kommen.

6. Das Handy-Ich
(zeit.de, Christoph Drösser & Matthias Schütte)
Was sagt unsere Smartphonenutzung und unser Medienkonsum über unseren Charakter aus? Forscher haben 30 Tage lang die Handynutzung von mehreren hundert Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern aufgezeichnet und deren Kommunikations- und Sozialverhalten analysiert. Die “Zeit” fasst in Infografiken die fünf Hauptdimensionen zusammen, anhand derer sich die Persönlichkeit eines Menschen beschreiben lässt – gekoppelt an die Smartphonenutzung. Die Grafiken sind auch deshalb einen Blick wert, weil sie das eigene Medienverhalten überdenken lassen.

“Familien in der Krise”, Blackfacing beim WDR, Relotius-Verfilmung

1. Wer und was steckt hinter der Initiative “Familien in der Krise”?
(uebermedien.de, Annette Bulut)
Die relativ kleine Initiative “Familien in der Krise” (“FidK”) findet mit ihren Forderungen nach Öffnung von Kitas und Schulen relativ oft Gehör in Medien sowie bei Politikern und Politikerinnen. Wie gelingt es der Gruppe, Zugang zu Talkshows und Polit-Promis zu bekommen? Möglicherweise durch tätige Mithilfe von außen: Es gäbe Gerüchte, dass “FidK” eine wirtschaftsnahe Astroturfing– oder Grassroots-Lobbying-Kampagne sei. Annette Bulut ist der Sache nachgegangen und auf interessante Indizien gestoßen.

2. Medien-Aufseher gehen gegen rechte Online-Medien vor
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 7:01 Minuten)
Youtube hat unlängst den Kanal von Ken Jebsen gesperrt. Nun geht nach Informationen des Deutschlandfunks auch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg gegen Jebsen vor. Es werde überprüft, ob er journalistische Grundsätze nicht eingehalten und gegen journalistische Sorgfaltspflichten verstoßen habe.

3. Schon wieder, WDR?
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Der WDR hat wieder einmal Ärger wegen einer alten Unterhaltungssendung. In einem Karnevals-Zusammenschnitt tauchte eine elf Jahre alte Szene auf mit Désirée Nick als Nofretete und zwei Männern an ihrer Seite, die viel dunkle Schminke im Gesicht haben. Der WDR reagierte auf die Kritik, ersetzte die Blackfacing-Szenen durch eine Hinweistafel und gestand den Fehler auf Twitter ein.

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4. Parler ist wieder online
(spiegel.de)
Nach dem Sturm auf das Kapitol hatte Amazon dem rechten Onlinenetzwerk Parler den Cloud-Service gekündigt, der zum Betreiben der Plattform notwendig ist. Nach einer rund einmonatigen Zwangspause ist der Dienst wieder online. Wer der neue technische Dienstleister ist, sei noch unklar.

5. Liebe Boomer, muss es in der Journalist*innen Bubble wirklich so laut sein?
(meedia.de, Lena Wrba)
“Bevor ich an die Journalistenschule gekommen bin, hatte ich keine Ahnung, wie wichtig Selbstdarstellung in diesem Beruf ist – und wie sehr das nervt“, schreibt Lena Wrba in ihrem Brief an die “Boomer”. Wrba weiter: “Die Lauten sind nicht schlechter, aber eben auch nicht toller als die Leisen. Vielfalt ist wichtig – auch hier. Leise und Laute könnten gegenseitig so viel besser voneinander profitieren, wenn sie das verstünden.”

6. M’Barek und Nay spielen Hauptrollen in Relotius-Mediensatire
(dwdl.de, Alexander Krei)
Michael “Bully” Herbig will Juan Morenos Buch “Tausend Zeilen Lüge” verfilmen, die Geschichte rund um die Aufdeckung des Relotius-Skandals beim “Spiegel”. In der Mediensatire schlüpfen die Schauspieler Elyas M’Barek und Jonas Nay in die Rollen von “Juan Romero” und “Lars Bogenius”. Regisseur Herbig kommentiert: “Ähnlichkeiten mit unwahren Ereignissen könnten zufällig zutreffen. Die Fakten werden aber mit Sicherheit verdreht, damit’s am Ende stimmt.”

Grenzen des Boulevard, Putzige Polizeitaktik, Seitenwechslerin

1. Die Grenzen des Boulevard: Über das Leben und Sterben von Kasia Lenhardt
(rnd.de, Imre Grimm)
Die 25-jährige Kasia Lenhardt war Model, Influencerin und Mutter. Am Dienstagabend fand die Polizei ihren leblosen Körper in einer Wohnung in Berlin. Die genauen Hintergründe ihres Todes sind noch unklar. Klar ist jedoch, dass sie seit Wochen im Zentrum einer Boulevard-Schlammschlacht stand. Imre Grimm kommentiert: “Dieser Tod hat eine Vorgeschichte, und sie verrät viel über die Mechanismen eines Teils der modernen Medienwelt, die ihr Heil darin sieht, Menschen bedenkenlos als Gossip-Objekte und Glamour-Rohstoff auszubeuten, erst recht, wenn diese von sich aus nach Aufmerksamkeit streben. Die Unschuldsbeteuerungen klingen dabei immer gleich: Ist doch nicht unser Problem. Die profitieren doch davon!”
Weiterer Lesehinweis: Jedes Detail ein Text: “Das Model Kasia Lenhardt ist gestorben. Der Umgang mit ihr sagt viel über frauenfeindliche Narrative in Boulevard- und sozialen Medien.” (taz.de, Carolina Schwarz)

2. LobbyControl befürchtet “Schieflage in der Digitalpolitik”
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 4:19 Minuten)
Julia Reuss, bisher Büroleiterin von Digitalstaatsministerin Dorothee Bär und Lebensgefährtin von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, wechselt als Lobbyistin zu Facebook. Ulrich Müller von der Initiative LobbyControl findet das problematisch: “Für Facebook ist das Interessante daran, dass sie eine Lobbyistin gewinnen, die gut vernetzt ist, die das politische Geschäft kennt und die dann dabei helfen soll, die Facebook-Interessen stark in die Politik hineinzutragen. Und das ist eben das Problem: Weil wir so viele große Themen vor der Nase haben und es wichtig ist, dass diese zukünftige digitale Regulierung nicht einseitig von den großen Unternehmen wie Facebook bestimmt wird.”

3. Aus Freude am Rassismus
(uebermedien.de, Hendrik Wieduwilt)
In der “Neuen Zeitschrift für Arbeitsrecht” des renommierten Beck-Verlags erschien ein Beitrag des Juristen Rüdiger Zuck, in dem dieser “mit rassistischen Ausdrücken um sich wirft, als wäre es braunes Konfetti”, schreibt Hendrik Wieduwilt. Er hat den Fall aufgearbeitet: “Dieser Zuck-Text und die redaktionelle Entscheidung, ihn zu drucken, ist eine Schande für den Verlag und das Juristenmilieu. Juristen sollten sich fragen: Will man in diesem Zusammenhang eigentlich wirklich noch auftauchen? Andere Verlage haben schließlich auch schöne Zeitschriften.”

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4. Ausländerkriminalität: Medien und Polizei verzerren das Bild
(youtube.com, Zapp, Svea Eckert & Lea Eichhorn, Video: 11:04 Minuten)
Journalisten und Journalistinnen von NDR und BR haben die Berichterstattung über Kriminalität unter die Lupe genommen. Sie haben dazu zahlreiche Polizeipressemitteilungen ausgewertet, die vielen Redaktionen als Grundlage ihrer Berichte dienen. Ein Ergebnis: In der Berichterstattung über Kriminalität würden ausländische Nationalitäten deutlich öfter genannt als deutsche. Svea Eckert und Lea Eichhorn haben mit Chefredakteuren und dem Presserat über die Problematik gesprochen.

5. Wie US-Polizisten mit Uploadfiltern Livestreams verhindern wollten
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
In den USA hätten laut Markus Reuter Bürgerinnen und Bürger bis auf sehr wenige Ausnahmen das Recht, Polizistinnen und Polizisten bei der Arbeit zu filmen. In Kalifornien haben sich manche der Gefilmten auf eine geradezu putzige Weise dagegen gewehrt: Sie haben im Moment der Filmaufnahme ihr Handy gezückt und urheberrechtlich geschützte Musik abgespielt – offenbar in der Hoffnung, dass die Musikerkennung und die Uploadfilter von Instagram anspringen und eine Veröffentlichung unterbinden.

6. Mehr freie “Zeit”
(sueddeutsche.de)
Die “Zeit”-Verlagsgruppe kündigt eine schöne Aktion an: Schülerinnen und Schülern können ab sofort ein kostenloses digitales “Zeit”-Abo bis zum Ende des Schuljahres bekommen. Nach sechs Monaten, zu Beginn der Sommerferien, laufe das Abo automatisch aus, ohne dass eine Kündigung nötig sei. Mit dem Angebot wolle der Verlag vor allem Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 bis 13 ansprechen.

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