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Aktenzeichen X, Ermittlungen gegen Reichelt, Journalismus als Ich-AG

1. In Gaza getöteter Ingenieur war Hamas-Mitglied – Unionspolitiker kritisieren ZDF
(spiegel.de)
Das ZDF habe bestätigt, dass ein kürzlich in Gaza getöteter Mitarbeiter einer Partnerproduktionsfirma Mitglied der Terrororganisation Hamas gewesen sei. Führende Unionspolitiker würden dies als “Skandal” kritisieren und vom öffentlich-rechtlichen Sender eine lückenlose Aufklärung fordern. Das ZDF habe die Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma bis auf Weiteres eingestellt. Der Sender habe betont, dass der Mann nicht journalistisch tätig gewesen sei.

2. Ermittlungen gegen “Nius”-Chefredakteur Reichelt
(taz.de)
Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittele gegen den heutigen “Nius”- und früheren “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Grund sei ein Beitrag auf X (vormals Twitter), in dem Reichelt behauptet habe, die deutsche Polizei werde “unterwandert” und bald “arabisch dominiert” sein. Reichelt habe seine Aussage als seine Meinung verteidigt und dabei auf Berichte über kriminelle Polizisten mit Migrationshintergrund verwiesen.
Nachtrag, 31. Oktober: Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen gegen Julian Reichelt eingestellt, der Anfangsverdacht habe sich nicht erhärtet.

3. Aktenzeichen X
(arminwolf.at)
Der bekannte österreichische Journalist und Fernsehmoderator Armin Wolf hat nach eigener Aussage den Kurznachrichtendienst X angezeigt: “Ich weigere mich einfach, zu akzeptieren, dass X (vormals Twitter), eine der größten und einflussreichsten Social-Media-Plattformen der Welt, einschlägige Gesetze in Österreich und der EU nicht nur ignoriert, sondern ganz offen verhöhnt und sich der Justiz entzieht.”

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4. Neues Geschäftsmodell? Journalismus als Ich-AG
(ardaudiothek.de, Thomas Bimesdörfer & Christoph Borgans, Audio: 17:20 Minuten)
Wie können sich Journalistinnen und Journalisten abseits der etablierten Medien eine eigene Leserschaft aufbauen? Darüber sprechen Thomas Bimesdörfer und Christoph Borgans bei “Medien – Cross und Quer” mit Nils Minkmar, deutsch-französischer Journalist, Historiker und Publizist. Minkmar kann auf entsprechende eigene Erfahrungen zurückgreifen: Einmal die Woche versendet er seinen Newsletter “Der siebte Tag”.

5. Social-Media-Nutzung sinkt – aber die KI wächst auf diesen Apps
(steady.page, Ingrid Brodnig)
Ingrid Brodnig berichtet in ihrem Newsletter über die seit 2022 sinkende Nutzungszeit auf Social Media. Viele Menschen seien ernüchtert und würden weniger posten. Gleichzeitig nehme die Menge an billig produzierten KI-Inhalten, sogenanntem “AI Slop”, auf den Plattformen stark zu. Brodnig vermutet, dass die Konzerne diese KI-Inhalte nutzen, um die Feeds trotz sinkender Nutzeraktivität lebendig wirken zu lassen.

6. “Wir gehen massiv ins Risiko, nur eben an anderer Stelle”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Im Interview mit dem Medienmagazin “DWDL” spricht YouTube-Deutschlandchef Andreas Briese über das Verhältnis zu klassischen Medien und die Notwendigkeit einer plattformübergreifenden Erfolgsmessung. Er hob hervor, dass die detaillierten Daten, die YouTube seinen Partnern biete, weit über die Aussagekraft der traditionellen TV-Quote hinausgehen würden: “Bei uns kann ein Content Creator sehen, wer was wann wie gesehen hat, wann Zuschauer*innen ein- und wann wieder ausgestiegen sind, oder über welche Suchbegriffe sie/er reingekommen sind, welche Szenen gut funktioniert haben, wie sein bzw. ihr Video im Ausland gelaufen ist und welche Zielgruppe es gesehen hat. Wir sagen immer, unsere Creator sind tagsüber Kreative und in der Nacht Daten-Analyst*innen.”

KW 43/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Rechte oder linke Medienmacht?
(youtube.com, Ole Nymoen & Wolfgang M. Schmitt, Video: 45:56 Minuten)
“Ist die Meinungsfreiheit bedroht? Ja, wobei zugleich zu sagen ist: Gesetze muss man dafür gar nicht ändern. Meinung kann man wunderbar steuern, wenn man viel Geld hat und dieses sich mit politischer Macht verbindet.” In der neuesten Folge von “Wohlstand für Alle” sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die sich immer mehr zusammenballende Medienmacht einiger weniger, reicher Männer.
Weiterer Gucktipp: Trumps Freunde schalten jetzt die Medien gleich! (youtube.com, Der Dunkle Parabelritter, Video: 33:48). Ebenfalls hörenswert ist Sascha Pallenberg mit Bluesky ist tot – Wie Trump das Netzwerk kapert (youtube.com, Audio: 39:50). Und wer nochmal einen tollen und kurzweiligen Abriss über Trump und den “Trumpismus” bekommen will, der die großen Zusammenhänge herstellt, dem sei der Vortrag von Michael Hochgeschwender empfohlen, Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie im Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. (youtube.com, Video: 1:27 Stunden)

2. Vom Landtag ins Weiße Haus – So vernetzen sich AfD und US-Regierung
(ndr.de, Noura Mahdhaoui & Tamara Keller & Nils Altland, Video: 13:13 Minuten)
Der AfD-Landespolitiker Joachim Paul sei von der Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen ausgeschlossen worden, da aufgrund seiner Kontakte zu rechtsextremen Gruppen Zweifel an seiner Verfassungstreue bestanden hätten. Die AfD und ihr mediales Umfeld hätten daraufhin eine koordinierte Social-Media-Kampagne über X/Twitter orchestriert, die internationale Aufmerksamkeit erzeugte und bis zu Elon Musk und ins Weiße Haus reichte. Das NDR-Medienmagazin “Zapp” ist dem Fall nachgegangen.

3. Warum stirbt das Internet?
(ardaudiothek.de, Gregor Schmalzried & Marie Kilg, Audio: 43:43 Minuten)
Im “KI-Podcast” diskutieren Gregor Schmalzried und Marie Kilg über die These, dass das Internet in seiner bisherigen Form stirbt, weil mittlerweile die Hälfte aller Artikel im Netz von Künstlicher Intelligenz generiert und oft fehlerhaft oder qualitativ minderwertig sei. Klassische Websites wie Wikipedia würden massiv an Traffic verlieren, weil Menschen direkt zu Chatbots gehen. Die beiden fragen sich, ob das bisherige Internet überhaupt noch eine Zukunft hat, oder ob Chatbots und KI die Informationssuche komplett verändern werden.

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4. Medienverantwortung in Zeiten von verstärkter Kriegspropaganda
(youtube.com, Sabine Schiffer, Video: 1:19:07 Stunden)
In ihrem Vortrag kritisiert Sabine Schiffer, dass Medien in Kriegs- und Krisenzeiten oft Regierungs- und PR-Narrative übernehmen, statt Macht kritisch einzuordnen. Sie warnt vor Gesinnungsjournalismus sowie manipulativen Frames und fordert strengere Quellenprüfung, Unabhängigkeit von Think-Tank-Briefings sowie Aufmerksamkeit für Astroturfing. Schiffers Appell: Redaktionen sollen offenlegen, was nicht überprüfbar ist, und systematisch fehlende Aspekte mitdenken.
Update nach Leserhinweis: Schiffers Vortrag enthält neben wertvollen Einblicken in PR-Mechanismen und Medienframing auch problematische Passagen: faktische Fehler (zum Beispiel zur Chronologie Japan/Nürnberg), polemische statt präzise Begriffe (“Ukraine-Fetisch”) und steile Thesen ohne ausreichende Belege. Die methodischen Grundlagen (Framing-Analyse, Propagandamuster) bleiben aus unserer Sicht wertvoll, aber bitte mit kritischer Distanz zu den konkreten politischen Einordnungen schauen.

5. „Leute, die nur destruktiv sind, wollen wir nicht“
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 45:18 Minuten)
“Was wäre, wenn es eine echte Alternative zu YouTube, Instagram, TikTok und Co. gäbe? Ein öffentlich-rechtliches soziales Netzwerk, das wir vielleicht sogar mit unserem Rundfunkbeitrag finanzieren?” Darüber hat Annika Schneider mit Robert Amlung gesprochen, dem Digitalbeauftragten des ZDF: “Hätte so ein Angebot überhaupt eine Chance gegen die großen Tech-Plattformen? Was würde dort anders laufen? Und wie entscheidet das ZDF, welche Kommentare gelöscht werden und welche nicht?”

6. Markus Beckedahl: So könnte digitale Souveränität konkret funktionieren
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 30:43 Minuten)
Alexander Matzkeit hat bei “Läuft” Markus Beckedahl zu Gast, den Gründer von netzpolitik.org und des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie. Das Gespräch dreht sich um digitale Souveränität und die Frage, wie Deutschland und Europa unabhängiger von großen Tech-Konzernen wie Meta, Google und X werden können. Geeignete Maßnahmen dafür wären laut Beckedahl offene Standards, dezentrale Plattformen wie Mastodon und eine stärkere Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Presse im Pentagon, Eckpunkte der Bundesländer, Obdachlose als Content

1. Pentagon ersetzt Pressekorps durch regierungsnahe “neue Medien”
(n-tv.de)
Das Pentagon habe nach dem Abzug etablierter Korrespondentinnen ud Korrespondenten ein neues Pressekorps aus “neuen Medien” vorgestellt. Mehr als 60 Reporterinnen und Reporter hätten die umstrittenen Richtlinien des US-Verteidigungsministeriums unterschrieben und Zugang erhalten. Hintergrund sei ein Konflikt mit großen US-Medien, die einen 21-seitigen Regelkatalog nicht unterzeichnet hätten. Die Regeln sähen vor, dass Veröffentlichungen nur mit Genehmigung erfolgen dürfen, sonst drohe der Entzug der Akkreditierung. Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth hätten die Verschärfungen verteidigt und den Zugang zum Pentagon als “Privileg, kein Recht” bezeichnet.

2. Wie die Länder Medien helfen und Tech-Riesen regulieren wollen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie Uwe Mantel bei “DWDL” berichtet, haben die Bundesländer Eckpunkte für einen neuen Digitalen Medien-Staatsvertrag beschlossen, der Medienunternehmen stärken und Tech-Konzerne stärker regulieren soll. Geplant seien unter anderem lockerere Werberegeln für Privatsender, mehr Haftung und Aufsicht für Plattformen sowie eine Reform des Medienkonzentrationsrechts. Ziel sei es, die Medienordnung an die digital und von KI geprägte Welt anzupassen und faire Wettbewerbsbedingungen zwischen klassischen Medien und globalen Plattformen zu schaffen.

3. Neue Kampagne gegen Instrumentalisierung von Obdachlosen durch Influencer
(netzpolitik.org, Paula Clamor)
Immer mehr Influencer würden angebliche Hilfsaktionen für obdachlose Menschen inszenieren und die Betroffenen ohne deren Einverständnis filmen und in ihre Videos einbauen. Die Bahnhofsmission Essen starte deshalb die Kampagne “Mein Gesicht gehört mir!”, um auf den Verlust der Privatsphäre und die Instrumentalisierung von Obdachlosen aufmerksam zu machen. Mit Stickern und Aufklärungsarbeit wolle die Organisation Betroffene vor Stigmatisierung schützen und zeigen, dass echte Hilfe nicht für Klicks oder Likes stattfinden darf.

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4. Mediengruppe Pressedruck streicht 350 Stellen
(sueddeutsche.de)
Die Mediengruppe Pressedruck mit Titeln wie der “Augsburger Allgemeinen”, dem “Südkurier” und der “Main-Post” wolle bis 2027 rund 350 Stellen abbauen, etwa zehn Prozent der Belegschaft. Begründet werde der Schritt mit den Herausforderungen durch die Digitalisierung und den Medienwandel. Der neue Geschäftsführer Axel Wüstmann habe angekündigt, der Abbau solle sozialverträglich ablaufen und erfolge, “um den Investitionsspielraum des Unternehmens zu erhöhen”.

5. “Medien spielen eine große Rolle bei internationalem Druck”
(taz.de, Leo Schurbohm)
Im Interview mit der “taz” spricht die Autorin und Afrikanistin Meret Weber über das geringe Interesse von Medien an der Berichterstattung über den Sudan. So werde der dort stattfindende Krieg in den meisten Medien nur wenig oder gar nicht behandelt: “Der Krieg im Sudan wird zwar nicht durch mehr Aufmerksamkeit aufhören, aber Medien spielen eine große Rolle beim Aufbau von internationalem Druck. Sie können sichtbar machen, dass es Widerspruch gibt. Gerade kriegt das niemand mit und die Staaten werden so nicht unter Druck gesetzt, zu handeln.”

6. Pressekonferenz: “Rettet den Journalismus”
(youtube.com, Presseclub Concordia, Video: 22:54 Minuten)
In Wien haben sich die Gewerkschaft GPA und der Presseclub Concordia an die Öffentlichkeit gewandt: “Die wirtschaftliche Lage der Medien-Branche in Österreich ist besorgniserregend. Jobabbau in den Redaktionen führt zu großen Problemen sowohl für die betroffenen Journalist:innen als auch für den (Qualitäts-)Journalismus als solchen. Immer weniger Redakteur:innen sehen sich immer größeren PR-Apparaten gegenüber, die Monetarisierung von Online-Angeboten leidet unter der Konkurrenz internationaler Plattformen.” Damit Redaktionen und Medienschaffende abgesichert sind, seien jetzt schnelle und wirksame Maßnahmen nötig.

KW 42/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie man angemessen über Verkehrsunfälle berichtet
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 30:29 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Berichterstattung über Verkehrsunfälle. DLF-Hörer und “Blaulichtreporter” Marcel von Fehrn diskutiert darüber mit Medienethikerin Marlis Prinzing und Jakob Gokl, Chefredakteur der “Schaumburger Zeitung”.

2. Keine Macht den Tätern – Berichterstattung über sexualisierte Gewalt im Sport
(wdr.de, Nora Hespers & Kerstin von Kalckreuth & Andrea Schültke, Audio: 48:28 Minuten)
Nora Hespers unterhält sich im Podcast von “Sport inside” mit ihren Kolleginnen Andrea Schültke und Kerstin von Kalckreuth über die mediale Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt im Sport: “Körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt im Sport sind keine Einzelfälle. Sie sind Teil des Systems. Eine Erkenntnis, die erst seit wenigen Jahren in der Gesellschaft angekommen ist. Berichterstattung über die Hintergründe hat dazu beigetragen.”

3. Ich soll ermordet werden
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 27:23 Minuten)
In diesem Video geht es um die zunehmenden Drohungen und Hassnachrichten, die Kritiker rechter Content-Creator im Internet erhalten, zum Beispiel nachdem sie Inhalte des YouTubers “Clownswelt” kritisch hinterfragt haben. Mats Schönauer schildert persönliche Erfahrungen, analysiert Muster der Angriffe und gibt Hinweise, wie Betroffene damit umgehen können. Ein zentrales Anliegen ist dabei die Forderung nach sachlicher Debatte statt Beleidigungen sowie die Offenlegung der Mechanismen hinter solchen Kampagnen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

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4. Internet-Blockaden nehmen zu – warum Staaten das Netz abschalten
(br.de, Linus Lüring, Audio: 23:38 Minuten)
Linus Lüring spricht bei “BR24 Medien” mit Daniel Leisegang von netzpolitik.org über die weltweite Zunahme staatlich veranlasster Internetblockaden, die besonders in autoritär regierten Ländern wie China, Iran oder Russland häufig seien. Leisegang erklärt, wie solche Sperren technisch funktionieren, etwa über DNS-Blockaden. Er betont, dass es dabei meist nicht um vollständige Abschaltungen, sondern um gezielte Zensur einzelner Inhalte oder Plattformen gehe.

5. Wer bezahlt das? Der Journalismus und das Geld
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 43:56 Minuten)
Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer überlegen in der neuesten Folge der “Medienversteher”, wie sich Journalismus in Zeiten schwindender Werbeeinnahmen und Abo-Müdigkeit noch finanzieren lässt. Sie diskutieren über Modelle wie Paywalls, Mitgliedschaften, Crowdfunding und staatliche Förderung. Eine Patentlösung gebe es jedoch nicht. Zudem hänge die Zukunft des Journalismus stark vom gesellschaftlichen Engagement ab.

6. Wer haftet eigentlich für KI-Chatbots, die lügen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:05 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast geht es um die Frage, wer zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn KI-Chatbots falsche Informationen verbreiten. Holger Klein spricht dazu mit Journalist Falk Steiner über fehlerhafte Antworten, mögliche rechtliche Folgen und überlegenswerte Regulierungsansätze. Auch der Umgang mit Falschinformationen über Einzelpersonen kommt dabei zur Sprache.

Mächtige Medienmänner, Kampagne gegen Verlagspreis, Podcasts

1. Wie reiche Männer Meinung kaufen
(youtube.com, Jan Böhmermann, Video: 19:11 Minuten)
Jan Böhmermann beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe seines “ZDF Magazin Royale” mit drei mächtigen Medienmännern: “Was man dafür braucht? Viel Geld, eine Handvoll gesunden Unternehmer-Spirit und natürlich das richtige Personal, das schon zuvor mit Bravour gezeigt hat, wie man Meinungen abseits des öden Mainstreams hübsch aufbereitet.” Er startet mit Holger Friedrich und dessen Berliner Verlag und leitet dann zu Frank Gotthardt mit dessen Beteiligungen an rechtslastigen Portalen über. Am Schluss wird ein noch mächtigerer Dritter angeteasert, doch die Folge bricht mit dem Verweis auf die angeblich abgelaufene Sendezeit ab.

2. Kampagne gegen Deutschen Verlagspreis : “Nius” versus Wolfram Weimer
(tagesspiegel.de, Gerrit Bartels)
Die rechte Onlineseite “Nius” habe versucht, eine Kampagne gegen den Deutschen Verlagspreis zu starten, indem sie behauptet habe, unter den 80 Preisträgern befänden sich “linksradikale Verlage” wie der Verbrecher Verlag oder die Edition Nautilus. “Nius” habe fünf Artikel zu dem Thema veröffentlicht und offenbar auf eine Intervention von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gehofft, ähnlich wie im Fall des Rappers Chefket.

3. “Podcasts sind noch nicht zu Ende gelernt”
(medientage.de, Petra Schwegler)
Im Interview mit den Münchener Medientagen erklärt Maria Lorenz-Bokelberg, Gründerin der Podcast-Produktionsfirma Pool Artists, warum sie trotz mancher Grabgesänge weiter an das Hörformat glaubt. Ihr Appell: “Zieht Euch nicht alle zurück aus der Podcast-Branche! Erkundigt Euch ein bisschen, geht es im Zweifelsfall langsamer an – das ist gar kein Problem. Aber lasst uns nicht nervös machen von zwei, drei etwas lauteren Stimmen, die sich vielleicht verschätzt haben oder falsche Erwartungen hatten.”

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4. Ein inszenierter Skandal wird zur Hasswelle gegen die Zivilgesellschaft
(belltower.news, Robert Lüdecke)
“Apollo News”, ein rechts-alternatives Medienportal, habe eine Kampagne gegen die Amadeu Antonio Stiftung gestartet, nachdem eine Mitarbeiterin bei einer Veranstaltung über rechte Medien gesprochen habe. Dabei sei der Veranstaltungstitel “Rechten Medien auf die Tasten treten” bewusst als Gewaltaufruf gedeutet worden. Die Geschichte sei von anderen rechten Medien wie “Nius” und AfD-Politikern aufgegriffen und verbreitet worden, was zu einer Welle von Hassmails, Morddrohungen und antisemitischen Beleidigungen gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung geführt habe. Robert Lüdecke zeichnet den Ablauf der “orchestrierten Kampagne” bei “Belltower News”, das von der Amadeu Antonio Stiftung betrieben wird, nach.

5. Es geht los
(steady.page, Sebastian Esser)
In seinem Newsletter beschäftigt sich Sebastian Esser mit den Expansionsplänen des ChatGPT-Anbieters OpenAI und den damit verbundenen Risiken: “Was uns als Medien, aber besonders uns als User dabei sehr bewusst sein sollte: Was wir da machen, ist sehr gefährlich. OpenAI wird in irgendeiner Form seinen App-Partnern Zugriff auf Memory und Kontext seiner User gewähren. OpenAI weiß sehr viel über dich und mich, wenn wir die App benutzen. Dieses Wissen ist hochsensibel und sollte auf keinen Fall in falsche Hände fallen.”
Weiterer Lesehinweis: In ihrem Newsletter fragt Ingrid Brodnig: “Ist die Schmeichelei der KI ein Problem?” und warnt: “Auch wenn Menschen es tendenziell mögen, wenn sie bestätigt werden oder ihnen geschmeichelt wird, sollten wir diese Ausdrucksweise der KI-Chatbots sehr genau und kritisch beobachten.” (steady.page)

6. Wissen, was Fakt ist: CORRECTIV und GADMO starten in die zweite Phase
(correctiv.org)
Das “German-Austrian Digital Media Observatory” (GADMO), ein seit 2022 bestehendes Bündnis aus Faktencheck-Organisationen sowie Forschungseinrichtungen, starte unter dem neuen Motto “Wissen, was Fakt ist” in die zweite Projektphase. Neben der bereits aufgebauten Datenbank mit über 3.800 Faktenchecks im deutschsprachigen Raum wolle man künftig verstärkt investigative Recherchen, wissenschaftliche Analysen sowie Medienkompetenz-Angebote für Eltern und ältere Zielgruppen anbieten.

KW 41/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wann ist es sinnvoll, dass Medien die Herkunft eines Täters nennen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:04 Minuten)
Holger Klein spricht mit Christine Horz-Ishak über die Praxis, Nationalitäten von Tatverdächtigen in Polizeimeldungen und Medien zu nennen. Die Kommunikationswissenschaftlerin meint, dies helfe niemandem außer Kräften, die den Diskurs nach rechts verschieben wollen. Das Interesse an Herkunft entstehe vor allem durch die Berichterstattung. Klein und Horz-Ishak besprechen, wie Redaktionen mit Vorwürfen der Verheimlichung umgehen, was der Pressekodex verlangt und wann die Nennung der Herkunft sinnvoll sein kann.

2. Wie funktioniert Journalismus im Gazakrieg?
(falter.at, Tim Cupal, Audio: 24:20 Minuten)
Im “Falter”-Podcast erzählt ORF-Korrespondent Tim Cupal, wie Journalismus im Gazakrieg funktioniert und wie er selbst seit dem 7. Oktober aus Israel und den Palästinensergebieten berichtet. Cupal spricht über die Grenzen seiner Arbeit ohne Zugang zu Gaza, seine Quellen, den Umgang mit der Fehlergefahr und Objektivität sowie die Belastung durch fehlendes Mitgefühl auf beiden Seiten.

3. Das Internet braucht einen Neustart
(youtube.com, Sascha Pallenberg, Video: 26:51 Minuten)
Auf der diesjährigen Digitalkonferenz DMEXCO sprach Sascha Pallenberg darüber, wie Social Media, Likes und KI-basierte Inhalte unser Verhalten sowie die Qualität der digitalen Kommunikation beeinflussen. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt er auf, wie algorithmische Plattformlogiken Empörung, Fake-Reichweiten und toxisches Engagement befeuern. Pallenberg warnt vor einer digitalen Welt voller intransparenter Systeme und appelliert an mehr Aufklärung, Verantwortung und kreative Eigenleistung. Informativ und unterhaltsam zugleich.

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4. Chatkontrolle und fünf neue Kolleg:innen
(netzpolitik.org, Anna Biselli, Audio: 42:28 Minuten)
In der neuen Folge des Podcasts “Off/On” von netzpolitik.org sprechen Anna Biselli, Markus Reuter und Timur Vorkul vor allem über die EU-Pläne zur Chatkontrolle. Sie diskutieren über den aktuellen Stand der Pläne im Rat, den Druck aus der Zivilgesellschaft und mögliche Folgen im Trilog. Außerdem geht es um ein vietnamesisches Exilmedium, das wegen Facebook-Sperren in Finanznöte gerät.

5. Vreni Hockenjos (Kinderfotobuch-Expertin)
(wiesoweshalbwarum.podigee.io, Thomas Hartmann, Audio: 1:16:48 Stunden)
Thomas Hartmann hat mit Vreni Hockenjos, Medienwissenschaftlerin, Autorin, Kuratorin und Expertin für Kinderfotobücher, gesprochen. Themen des Gesprächs sind unter anderem die Fotobuchforschung, der Stellenwert und die Faszination von Kinderfotobüchern, Visual Literacy sowie die heutige Relevanz der Fotografie.

6. Die letzten Paparazzi
(ardmediathek.de, Carolin von der Groeben, Video: 30:40 Minuten)
“Y-Kollektiv”-Reporterin Carolin von der Groeben erkundet das Geschäft mit Promifotos und spricht dabei mit Paparazzi und Prominenten wie Jürgen Klopp. Sie zeigt, dass mit bestimmten Bildern auch heute noch hohe Summen verdient werden können. Altgediente Paparazzi sind überzeugt, dass Promis kein Recht auf Privatsphäre hätten, und finden, mit ihren Fotos würden sie VIPs helfen, “very important” zu bleiben.

Annahmeverweigerung, Weimers Wettern, Über Populisten berichten

1. Donnepp-Eklat auch bei Grimme Online Awards allgegenwärtig
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Bei der Verleihung der Grimme Online Awards hätten die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block aus Protest gegen die Aberkennung des Donnepp Media Awards für die Aktivistin Judith Scheytt die Annahme ihres KI-Sonderpreises verweigert (Stream der Preisverleihung/Annahmeverweigerung). Çiğdem Uzunoğlu, Leiterin des Grimme-Instituts, habe erstmals einen “Fehler” des Vereins der Grimme-Freunde eingeräumt, der eigenständig die Jury-Entscheidung für Scheytt zurückgenommen habe. Uzunoğlu habe aber auch die formale Unabhängigkeit des Vereins vom Institut betont.

2. Neue Orte für Journalismus
(journalist.de, Alexander Streit)
Alexander von Streit kritisiert, dass Journalismus trotz digitaler Präsenz aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinde, und fordert ein “Media Rewilding”, also die bewusste Rückkehr in physische Räume wie Cafés, Theater und Kulturzentren. Erste Beispiele wie das Redaktionscafé von “Correctiv” in Gelsenkirchen oder journalistische Theaterinszenierungen würden zeigen, wie durch direkte Begegnungen wieder Vertrauen und Nähe zum Publikum aufgebaut werden können.

3. Wenn Wolfram Weimer wieder wettert
(taz.de, Steffen Grimberg)
In der “taz” hat Steffen Grimberg dem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine Art offenen Brief zukommen lassen, in dem er Weimers Agitieren gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk thematisiert: “Ihr Plan geht leider auf. Mittlerweile sagen knapp 50 Prozent der Menschen, sie fühlten sich in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt. Dabei ist der Meinungsdruck nur gefühlt. Die Meinungsfreiheit ist nicht eingeschränkt. Doch so wird es erlebt in den aufgeheizten Debatten. Die Sie mit Ihren beliebigen Echos noch befeuern.”

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4. Sophie von der Tann: Pressefreiheit im Gaza-Krieg stark eingeschränkt
(epd.de)
ARD-Nahost-Korrespondentin Sophie von der Tann habe bei einer Veranstaltung des Frankfurter Presseclubs die Abriegelung des Gaza-Streifens durch Israel als “massive Einschränkung der Pressefreiheit” bezeichnet, da Journalistinnen und Journalisten nicht eigenständig in das Gebiet gelangen könnten. Die Berichterstattung sei auf die gefährliche Arbeit lokaler Kräfte vor Ort angewiesen. “Die tragen das Fadenkreuz auf sich”, so die BR-Korrespondentin über die Kameraleute, Fotografen und weiteren Medienschaffenden vor Ort.

5. Kann man ausgewogen über Populisten berichten?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 38:51 Minuten)
Beim b° future festival für Journalismus und freien Dialog hat “mediasres”-Moderatorin Brigitte Baetz mit dem Politikwissenschaftler Philipp Adorf über den journalistischen Umgang mit Populisten debattiert. Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, wie Medien angemessen berichten können, wenn sich Populisten bewusst als Mediengegner inszenieren und gleichzeitig von dieser Konfrontation profitieren.

6. Gemeinsam unabhängigen Journalismus retten!
(riffreporter.de, Christiane Schulzki-Haddouti & Stefan Johannesberg)
Die Journalismus-Genossenschaft “RiffReporter” startet unter dem Motto “Gemeinsam unabhängigen Journalismus retten” ihre erste Crowdfunding-Kampagne, die noch bis zum 19. November laufe. Die mehrfach ausgezeichnete Plattform mit über 100 freien Journalistinnen und Journalisten wolle damit ihre werbefreie und unabhängige Berichterstattung zu Wissenschaft, Umwelt und Gesellschaft langfristig sichern.

Chatkontrolle bedroht Pressefreiheit, Nazimusikschwemme, Strittige Zahlen

1. Chatkontrolle bedroht Pressefreiheit
(djv.de, Ute Korinth)
Beim Deutschen Journalisten-Verband spricht sich Ute Korinth gegen die in Diskussion stehende Chatkontrolle aus: “Sollte die Chatkontrolle beschlossen werden, wäre das ein historischer Bruch – mit Konsequenzen weit über den Journalismus hinaus. Eine Demokratie, die private Kommunikation pauschal unter Verdacht stellt, stellt sich selbst infrage. Ein Nein zur Chatkontrolle wäre daher mehr als eine technische Entscheidung.”

2. Jawoll, mein Streamer
(taz.de, Johanna Schmidt)
Auf Spotify, YouTube und TikTok würden immer öfter KI-erzeugte Songs mit rechtsextremen Inhalten auftauchen, es sei eine “Nazimusikschwemme auf Streamingportalen” zu beobachten. Die Algorithmen der Plattformen würden dafür sorgen, dass diese Titel große Reichweiten erzielen und Nutzerinnen und Nutzer weitere ähnliche Inhalte angezeigt bekämen. Johanna Schmidt fordert, diese Musik und ihre Urheber klar als rechtsextrem zu benennen. Sie verweist dabei auf Theodor W. Adorno, der gesagt habe, dass Verschweigen keine Lösung sei.

3. Über Zahlen lässt sich nicht streiten. Oder doch?
(journalist.de, Kathi Preppner)
Beim “journalist” zeigt Kathi Preppner, wie sich drastische statistische Zahlen in der medialen Berichterstattung verfestigen und warum die Auftraggeber, die Fragestellungen und die Methoden von Studien stets kritisch geprüft werden müssen. Anhand von Beispielen aus den Bereichen Glücksspiel, Digitalwirtschaft, Gesundheit, Chemie und Tabak wird deutlich, wie Interessen, Framing und statistische Unsicherheiten Debatten und Politik beeinflussen können. Die von Preppners Gesprächspartnern genannten Tipps für Redaktionen: Kontext und Erhebungsdesign offenlegen, unabhängige Fachleute einbinden und im Zweifel auf die Nennung nicht belastbarer Studien verzichten.

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4. Fotojournalist im Einsatz getötet
(reporter-ohne-grenzen.de)
Wie die Organisation “Reporter ohne Grenzen” (RSF) meldet, wurde der 37-jährige französische Fotojournalist Anton Lallican bei einem Drohnenangriff Russlands in der Ukraine getötet, der ukrainische Fotograf Heorhij Iwantschenko wurde schwer verletzt. Lallicans “Tod muss vollständig und transparent aufgeklärt werden”, fordert RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus: “Journalistinnen und Journalisten in Kriegsgebieten – insbesondere in Hochrisikogebieten wie dem Donbass – müssen besser geschützt werden.”

5. Die Macht der Supermonopole
(verdi.de, Volker Nünning)
Volker Nünning beschreibt, wie bei der Medienregulierung EU- und Länderregeln ineinandergreifen und welche neuen Herausforderungen sich für die Staaten aus dem Vorrang des EU-Rechts ergeben. Zudem thematisiert er, wie Politik angesichts der Macht großer Plattformen und von Künstlicher Intelligenz künftig Meinungsvielfalt, Public-Value-Angebote und offenen Zugang sichern kann.

6. Umstrittene Journalistin Bari Weiss wird neue Chefin von CBS News
(spiegel.de)
Eine bemerkenswerte Personalie in der US-amerikanischen Medienlandschaft: Die umstrittene Journalistin und Kolumnistin Bari Weiss soll die neue Chefin des Senders CBS News werden, trotz fehlender Erfahrung im TV-Geschäft. Die Übernahme komme dennoch nicht überraschend: “David Ellison, CEO des Hollywoodriesen Paramount Skydance und Sohn des ‘Oracle’-Gründers und Trump-Vertrauten Larry Ellison, hatte schon seit Längerem mit Weiss über eine mögliche gemeinsame Arbeit gesprochen.”

7. Wandel der Medienwelt – das langsame Ende der gedruckten Zeitung
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:15 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator das langsame Ende der gedruckten Zeitung: “Die Printzeitung war und ist die perfekte Technologie. Keine Updates, keine Cookies, keine Akku-Warnung, keine nervigen Popup-Fenster. Du schlägst sie auf, sie funktioniert. Die User Experience und das Interface sind nach 400 Jahren Entwicklung unschlagbar. Und trotzdem ist sie tot. Während die ‘Süddeutsche’ – durchaus zu Recht – feiert, hat die ‘taz’ als erste den Mut, es öffentlich zuzugeben und sich dem Unvermeidlichen zu stellen.”

KW 40/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Der talentierte Mr. F.
(ardmediathek.de, Igor Plischke, Video: 1:17:25 Stunden)
In dieser Doku wird eine Geschichte erzählt, die eigentlich zu verrückt klingt, um wahr zu sein: Drei Jahre lang arbeiten die Berliner Filmstudenten Julius und Moritz an ihrem Animationsfilm “Butty”, mit dem sie den Sprung in die große Filmwelt schaffen wollen. Doch dann der große Schock: “Butty” kursiert bereits online unter einem anderen Namen, mit anderen Credits, zugeordnet einem Filmemacher aus den USA. Was folgt, ist eine mitreißende Spurensuche nach dem “talentierten Mr. F.”, der sich öffentlich mit fremden Federn schmückt. Der Film überzeugt dabei nicht nur mit seiner unglaublichen Story, sondern auch mit einem gelungenen Schnitt, einer klugen Regie, passender Musik- und Soundunterstützung und vor allem mit zwei sympathischen, hartnäckigen Protagonisten, die man einfach gern durch dieses absurde Abenteuer begleitet. Unbedingter Gucktipp!
Weiterer Hörtipp: Für “Übermedien” hat Holger Klein mit Regisseur Igor Plischke gesprochen: Wie lässt man einen Hochstapler auffliegen?: “Wie nähert man sich so einem Menschen? Und warum ist dieser Film so versöhnlich?” (uebermedien.de, Audio: 32:42 Minuten)

2. KI: Der Tod des Internets
(arte.tv, Mario Sixtus, Video: 51:31 Minuten)
In seiner Arte-Doku warnt der Filmemacher Mario Sixtus eindringlich vor der zunehmenden Vermüllung des digitalen Raums durch KI-generierte Inhalte. Er zeigt, wie automatisierte Systeme das Netz mit Desinformation, synthetischen Bildern und bedeutungslosem Content überschwemmen. Auf seiner Reise trifft Sixtus unter anderem auf den KI-Kritiker Cory Doctorow, eine Klick-Arbeiterin in Kenia und einen selbstgeklonten Podcaster in New York.

3. Social Media und BigTech: Gefährden sie unsere Demokratie?
(youtube.com, Helene Reiner & Dunja Hayali, Video: 41:14 Minuten)
Im “heute-journal”-Podcast des ZDF diskutieren die Journalistinnen Dunja Hayali und Helene Reiner mit dem Medienwissenschaftler Martin Andree über die Macht von Social Media und die Verantwortung großer Tech-Konzerne. Ausgehend von einem Shitstorm gegen Hayali aufgrund ihrer Moderation zum Tod des US-Aktivisten Charlie Kirk geht es um die Rolle von Plattformen bei Diskursverschiebungen, Desinformation und Hassrede.

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4. Nur gut für Vergleiche? Das Saarland in den Medien
(ardaudiothek.de, Thomas Bimesdörfer & Michael Meyer, Audio: 17:05 Minuten)
“Wenn Wälder brennen, wenn Öl auf dem Meer ausfließt oder Wasser ganze Landstriche überflutet, dann schlägt die Stunde des Saarlandes. Als Vergleichsgröße, zum Anschaulich machen der betroffenen Gebiete.” Thomas Bimesdörfer und Michael Meyer sprechen im Rahmen des Tags der Deutschen Einheit bei “Medien – Cross und Quer” mit dem Journalisten Michael Kuderna. Thema ist die überregionale Berichterstattung über das Saarland, jenseits seiner bloßen Instrumentalisierung als Maßeinheit.

5. Wenn Journalismus versagt – Fabian Goldmann über die Rolle der Medien im Krieg gegen Gaza
(youtube.com, Ignacio Rosaslanda, Video: 48:29 Minuten)
Ignacio Rosaslanda empfängt den Journalisten Fabian Goldmann in der Redaktion der “Jungen Welt” zum Gespräch über dessen Buchprojekt “Staats(räson)funk”. Darin analysiert Goldmann die deutsche Nahost-Berichterstattung seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Sein Fazit: Die großen Medien würden einseitig zugunsten der israelischen Regierung berichten, etwa durch selektive Quellenwahl, Sprache und fehlende Empathie für palästinensische Opfer.

6. Die komplett irre Geschichte hinter der Internet-Legende
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 20:19 Minuten)
Mats Schönauer hat sich mit der oft zu lesenden Behauptung, jeder Mensch verschlucke in seinem Leben im Schlaf acht Spinnen, beschäftigt: “In diesem Video erzähle ich die wilde Geschichte hinter dieser Urban Legend: Was die mysteriöse Journalistin Lisa Holst damit zu tun hat, was Experten dazu sagen und wie KI die Sache noch schlimmer macht.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

“Volksverpetzer” gegen Musk, TikTok-Deal, Medienmacht der Milliardäre

1. Volksverpetzer gegen Musk & X – das passierte vor Gericht!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Vor dem Landgericht Frankfurt wurde die erste mündliche Verhandlung im Verfahren “Volksverpetzer” gegen X/Twitter geführt. Dabei ging es um die Verpflichtung zur konsequenten Löschung rechtswidriger Fake-Accounts und Inhalte. X argumentiere, dies gefährde den Plattformbetrieb. Umstritten sei insbesondere, ob das eigene Meldeformular genügt und welche Pflichten sich aus dem NetzDG und dem DSA ergeben. Das für Ende Oktober erwartete Urteil könne wegweisend für Haftung und Meldeprozesse großer Plattformen in Deutschland werden, berichtet der “Volksverpetzer” in eigener Sache.

2. Trumps TikTok-Deal ist ein Geschenk an ihn selbst
(netzpolitik.org, Chris Köver)
Chris Köver kommentiert die Absicht von US-Präsident Donald Trump, TikTok in die Hände ihm nahestehender Milliardäre zu legen, die dadurch Zugriff auf App, Daten und Algorithmus erhalten würden. Das Ergebnis sei eine stärkere politische Einflussnahme und wachsende Medienkonzentration: “Für die in den USA einst so hochgehaltene Meinungsfreiheit und die Medienvielfalt verheißt das nichts Gutes. Der TikTok-Deal ist damit vor allem ein Geschenk von Trump an sich selbst.”

3. Frankreich: Die Medienmacht der rechten Milliardäre
(ardaudiothek.de, Linus Lüring, Audio: 24:17 Minuten)
“Wie verändern Milliardäre mit strategischen Übernahmen und Einfluss das Meinungsklima in Frankreich? Warum sind französische Mediengesetze hilflos gegenüber den Medienmonopolen? Welche Folgen hat die rechte Medienallianz für die Präsidentschaftswahl 2027?” Darüber spricht Linus Lüring mit der Korrespondentin Julia Borutta, die für die ARD aus Paris berichtet.

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4. Gefährliche Persönlichkeitsrechte
(taz.de, Bernhard Clasen)
Wie Bernhard Clasen in der “taz” berichtet, stoße ein ukrainische Gesetzesvorhaben zur Stärkung von Persönlichkeitsrechten auf breite Kritik, weil es weitreichende Gegendarstellungs- und Löschrechte inklusive De-Indexierung durch Suchmaschinen vorsehe. Besonders heikel seien Passagen, die Berichte ohne rechtskräftiges Urteil faktisch untersagen und das Schadenersatzrecht für “moralische Schäden” ausweiten könnten.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 249
(netzwerkrecherche.org, Greta Linde)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Christina Elmer, die erklärt, warum Datenrettung und ein überlegter KI-Einsatz für die Recherche immer wichtiger werden. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Ein Synchronsprecher wird durch KI ersetzt – und kämpft nun gegen Armut
(youtube.com, Poliana Baumgarten, Video: 10:21 Minuten)
In einem Videobeitrag der “Zeit” warnt der Krefelder Synchronsprecher Christoph Walter, dass KI-Stimmen seine Arbeit verdrängen und dabei sogar unerlaubte Stimmklone nutzen könnten. Er schildert starken Existenzdruck und kritisiert die Entmenschlichung durch große Tech-Konzerne sowie die ethischen Risiken entlang der KI-Produktion. Der Film zeigt auch Walters ehrenamtliches Engagement bei der Verteilung überschüssiger Lebensmittel.

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