Viel Feind, viel Ehr. Das ist ein Thema, was sich an ein paar obskure Online-Blogger wendet. Ich glaube, wir richten uns an zwölf Millionen Leser. Die wissen die journalistische Qualität der “Bild”-Zeitung zu schätzen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, die Kritik, die in BILDblog an “Bild” geübt wird – wenn das alles ist, was man uns vorwerfen kann, dann können wir in der Tat zu Recht stolz auf die Qualität der “Bild”-Zeitung sein.
Dazu gäbe es zweierlei zu sagen.
Erstens ist das, was in BILDblog steht, keineswegs alles, was man der “Bild”-Zeitung vorwerfen kann. Wir haben nicht den Anspruch, sämtliche Verfehlungen der “Bild”-Zeitung aufzuschreiben, die ganzen kleinen Schlampigkeiten und großen Ungeheuerlichkeiten — und wenn wir diesen Anspruch hätten, könnten wir ihn nie erfüllen. So manche schlimme Erfahrung, die Menschen vor allem in Stunden größter persönlicher Not mit “Bild” machen, steht hier nicht. Weil sich diese Menschen nicht bei uns melden. Weil sie andere Sorgen haben, als sich auch noch mit der “Bild”-Zeitung anzulegen. Weil wir diese Menschen nicht auch behelligen wollen. Oder weil sie uns bitten, ihre Erfahrungen nicht aufzuschreiben. So manche schlimme Verdrehung der Wahrheit steht hier deshalb nicht, weil es uns unmöglich ist, sie zu beweisen, wenn Aussage gegen Aussage steht. So manche schlimmen Persönlichkeitsrechtsverletzung steht hier nicht, weil es unmöglich ist, sie zu dokumentieren, ohne zweifelhafte Aussagen selbst zu wiederholen, zweifelhafte Aufnahmen selbst zu zeigen.
Aber zweitens: Selbst wenn sich die Qualität der “Bild”-Zeitung tatsächlich daran messen ließe, was BILDblog an “Bild” kritisiert — selbst dann würden wir uns schämen, zu behaupten, darauf stolz zu sein.
Kommentare kommentieren (spreeblick.com, Johnny Haeusler)
“Kommentierende Blog-Leser mögen also in der lesenden Minderheit sein (und böse Zungen behaupten sogar, dass einige von ihnen gar keine Leser sind), doch sie sind diejenigen, die sichtbar sind, und so prägen sie das Bild eines Blogs u.U. überproportional mit. Denn die Ausdrucksweise, der Ton, die vorhandene oder fehlende Freundlichkeit, der Grad an Respekt vor Dritten in den Kommentaren können neben den Artikeln die Stimmung eines Blogs maßgeblich für alle beeinflussen.”
Intime Welt für alle (echo-online.de, Norbert Bartnik)
Frankfurter Museum für Kommunikation zeigt papierene und digitale Notizen von prominenten und unbekannten Autoren.
Herr Kollege: Victor Kocher, Neue Zürcher Zeitung NZZ, Limassol (andremarty.com)
“Herr Kocher, seit einem Viertel Jahrhundert berichten Sie aus und über den Nahen Osten. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: wird’s Ihnen journalistisch besehen nicht langsam etwas langweilig?”
“Blocher ist ganz anders als Haider” (derstandard.at, Klaus Stimeder)
Roger Köppel, Chefredakteur der Schweizer “Weltwoche”, im Interview mit dem österreichischen Magazin “Datum” über Unterschiede in Politik, Medien und Fußball.
The world’s 50 most powerful blogs (guardian.co.uk)
From Prince Harry in Afghanistan to Tom Cruise ranting about Scientology and footage from the Burmese uprising, blogging has never been bigger. It can help elect presidents and take down attorney generals while simultaneously celebrating the minutiae of our everyday obsessions. Here are the 50 best reasons to log on.
Besuch im neuen Google-Forschungszentrum in Zürich am 06.03.2008 (studisurf.ch/google, Video, Dialekt, 27:28 Minuten)
Journalist Thomas Benkö macht zusammen mit Kameramann Matthias Mahr einen Rundgang durch die beeindruckenden Räumlichkeiten von Google in Zürich: Rutschbahnen, Telefonkabinen, Aquarien, überall verfügbares Essen – und das Beste: Es hat alles fast nichts gekostet, weil man das Meiste “gebraucht” einkaufen konnte.
Lieblingsfeind Springer, falsche Lottozahlen, Schweizer Wochen.
Basha Mika, Chefredakteurin der taz, stand in Berlin auf dem Dach eines hohen Hauses und zeigte mit dem Finger auf ein anderes hohes Haus. Sie sagte: “Da zum Beispiel haben wir unseren Lieblingsfeind deutlich zu erkennen und wir haben ihn immer im Blick – Springer”. Sie freute sich über den “Treppenwitz der Geschichte”, dass nach der Umbenennung der Kochstrasse in die Rudi-Dutschke-Strasse die kleine Axel-Springer-Strasse auf die grosse Rudi-Dutschke-Strasse führen wird.
Der Tages-Anzeiger druckte die Lottozahlen von der Vorwoche ab und stürzte damit eine Zürcher Wirtin zuerst ins Glück, dann ins Unglück.
Journalisten, umarmt die Blogger! (fr-online.de, René Martens)
“Manche Experten sind angesichts des fortschreitenden Umbruchs auf dem Zeitschriften- und Zeitungsmarkt der Ansicht, ein paar Visionäre stünden der Branche nicht schlecht zu Gesicht.”
Die Schweiz in 660 560 000 000 Pixeln (nzz.ch, Kurt Haupt)
Jedes Stückchen Schweiz wird alle drei Jahre aus der Luft neu fotografiert. Internet-Firmen wie Search.ch oder Google nutzen diese Bilder für vielfältige Auskunftsdienste. Bei einer Flughöhe von zwei Kilometern lassen sich auch noch fussballgrosse Objekte erkennen.
Dürfen die das? (zeit.de, Christian Fuchs und Judith Scholter)
Auf dem Internetportal spickmich.de bewerten Schüler ihre Lehrer – anonym. Manche Lehrer fühlen sich an den Pranger gestellt und klagen gegen die Webseite. Der nächste Gerichtstermin ist am 12. März. Vorher bat die ZEIT zum Streitgespräch.
Ärzte und Kliniken im Internet angeprangert (welt.de, Claudia Liebram)
Im Internet können Nutzer Ärzte und Kliniken bewerten. Die sind nicht immer begeistert. “Arzt-Bewertungsportale halten oft nicht, was sie versprechen”, meint die Stiftung Gesundheit. Die Geschmähten lassen das nicht auf sich sitzen. Ein Portal zur Beurteilung von Kliniken fand sich jüngst vor Gericht wieder.
Keeping your job in journalism (ojr.org, Robert Niles)
Competition is back in journalism, and many reporters are losing their jobs in the confusion. Here are some tips to help you avoid that end.
Als “Bild”-Kolumnist Peter Heinlein kürzlich schrieb, die britische Presse sei bzgl. der Geheimhaltung von Prinz Harrys Einsatz in Afghanistan bei einer “Presseverhinderungsabsprache und gnadenlosen Selbstzensur erwischt worden”, war das offenbar nicht nur zynisch (weil die Geheimhaltung, wie berichtet, vor allem dem Schutz vor Anschlägen diente), sondern auch ahnungslos und irreführend.
Denn die “Bild”-Zeitung selbst, als deren Autor sich Heinlein empört, spielt eine seltsame Rolle bei der Enthüllung von Prinz Harrys Aufenthaltsort.
BILDblog dokumentiert:
“Ist Prinz Harry im Krieg?
Wo steckt Prinz Harry (23)? Seit Wochen ist er verschwunden. Keine öffentlichen Auftritte, keine peinlichen Party-Ausfälle. Nun geht das Gerücht: Er ist im Krieg!
Ein Insider des britischen Königshauses sagte dem Magazin ‘Frau im Spiegel’: ‘Es ist durchaus denkbar, dass er im Irak oder in Afghanistan im Einsatz ist.’
Eine offizielle Stellungnahme gibt es dazu aber nicht. Oder: Es darf sie nicht geben. Wenn es um einen geheimen Einsatz des Prinzen geht, dann herrscht strikte Nachrichtensperre, heißt es aus Militärkreisen.” (Quelle: Bild.de vom 26.2.2008)
Bereits einen Tag vor der “weltexklusiven” Enthüllung durch den Drudge Report nämlich stand bei Bild.de eine kleine Meldung (siehe Kasten) unter der Überschrift:
“Ist Prinz Harry im Krieg?”
Die “Harry im Krieg?”-Meldung fand – ähnlich wie bereits Wochen zuvor eine ähnliche Meldung des australischen Frauenmagazins “New Idea” – keinen Widerhall: weder hierzulande, noch anderswo. Jedenfalls nicht, bis sich der Drudge Report der Sache annahm und (wie u.a. die “New York Times” berichtet) zuerst unter ausdrücklicher Berufung auf “New Idea” und “Bild” aus den Afghanistan-Spekulationen eine Tatsache machte – um dann allerdings in einer überarbeiteten Fassung “New Idea” und “Bild” wegzulassen und die Geschichte als “world exclusive” auszugeben.
Und als wäre das alles nicht seltsam genug, sind die Ursprungsmeldungen bei “New Idea” (Screenshot hier) und Bild.de inzwischen nicht mehr verfügbar. Eine Anfrage bei “Bild”, warum und auf wessen Veranlassung Bild.de den eigenen Artikel gelöscht hat, wurde uns bislang noch nicht beantwortet.
Andererseits ist es umso erstaunlicher, dass die Bild.de-Meldung nicht nur dem Drudge Report als Quelle gedient haben soll, sondern “Bild” auch bei der Rekonstruktion der heiklen Enthüllung in vielenMedienundAgenturmeldungen überhaupt eine Rolle spielt. Denn eigentlich verbreitete Bild.de doch eh’ nur eine exklusive Vorab-Meldung der Illustrierten “Frau im Spiegel” weiter.
Aber so ist das wohl, Herr Heinlein: Ihre “Bild” ignoriert erst die Nachrichtensperre, entscheidet sich im Nachhinein zur gnadenlosen Selbstzensur und steht am Schluss weder zum einen noch zum andern.
Nachtrag, 14.28 Uhr: Inzwischen hat ein “Bild”-Sprecher auf unsere Frage, warum die “Harry im Krieg?”-Meldung auf Bild.de gelöscht wurde, geantwortet, er könne “dazu keine Auskunft geben”. Was im Blatt oder auf Bild.de erscheine, seien Entscheidungen der Chefredaktion – und diese Entscheidungen kommentiere man grundsätzlich nicht.
Wie ich mal wieder die taz las (umblaetterer.de, Marcuccio)
Als ich einem Kumpel vor ein paar Jahren erzählte, dass ich genauso gern wie die FAZ eigentlich nur noch die taz läse, runzelte er die Stirn. Komischerweise machen die Leute das öfter, wenn ich das erzähle. Weil ich die taz nur reziprok so häufig wie die FAZ zur Hand habe, kaufte ich mir am letzten Sonntag mal wieder eine Ausgabe. Vier Beobachtungen und ein Fazit auf Basis der Wochenend-Ausgabe vom 1./2. März.
Das ist aber kischig: Ein paar Punkte zu Journalistenpreisen (blog.dummy-magazin.de, Oliver Gehrs)
“Für den Preis für das ‘Lead-Magazin des Jahres’, mit dem das innovativste Magazin des Jahres 2007 geehrt wird, ist in diesem Jahr der Stern nominiert. Kein Scherz. Und in der Kategorie ‘Newcomer des Jahres’ war Vanity Fair ein heißer Anwärter – das ist das Magazin, dessen Verlag neulich den Chefredakteur auswechselte. Morgen abend wissen wir mehr.”
Ab ins Archiv (medienspiegel.ch, Andrea Masüger)
“Das gegenseitige Querbeet-Abschreiben ist in den letzten Jahren enorm vereinfacht worden. Früher musste man in mühsamer Kleinarbeit Handarchive anlegen und Zeitungsausschnitte nach irgend einer Logik ordnen. Da Journalisten in den seltensten Fällen systematische Schaffer sind, herrschte in solchen Archiven innert kürzester Zeit das grösste Chaos bis hin zur Unbrauchbarkeit.”
“Die Fett-Hysterie ist übertrieben” (zoomer.de, Bas Kast, Video)
Die Fett-Hysterie geht um. Bas Kast will wissen, ob diese begründet ist. Sein Ergebnis: Kein Grund zur Panik; denn wer ein wenig Speck auf den Hüften hat, hat mehr vom Leben.
Sind Blogger gefährlich? (sueddeutsche.de, Bernd Graff)
“Wirklich ekelhaft an all diesen Berichten ist also die Berichterstattung selbst.”
The Charms of Wikipedia (nybooks.com, Nicholson Baker)
In einem sehr langen, aber sehr lesenswerten Artikel beklagt Wikipedia-User Wageless zuviel (und nicht etwa zuwenig) Kontrolle bei Wikipedia. Das aktuelle Problem des gemeinschaftlich erarbeiteten Lexikons sei nicht die ausufernde Anzahl an Artikeln, sondern dass sich auch lesenswerte Artikel oft nicht halten können. Ein Löschantrag (“irrelevant”) und eine Zustimmung (“stimmt”) reichen aus, damit es der Artikel gar nicht erst auf Wikipedia schafft.
Die SPD holt die absolute Mehrheit in Bayern (Quelle: SPON) (blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Es gibt Tage, da mag man sich über die Akzeptanzprobleme, die Journalismus hat, nicht mehr wundern. Beispielsweise wenn Spiegel Online so wie heute ein Lehrstück abgibt, wie Journalismus nicht sein sollte: wenig fundiert, voreingenommen, vorurteilsbehaftet, ideologisch, vermessen, handwerklich unsauber. Und ahnungslos. Völlig ahnungslos.
Wir wollen unseren geistigen Reichtum teilen (faz.net, Jordan Mejias)
Die Bibliothek der Harvard University will ihre Bücher und Zeitschriften fast unbegrenzt im Internet zugänglich machen. Ihr Direktor Robert Darnton ist einer der angesehensten Buchhistoriker. Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht er von einem der tiefsten Einschnitte in der Geschichte der Wissensverbreitung.
Web 2.0-Studie: “Community-Anbieter wissen zu wenig über Communitys” (portel.de)
Portel.de-Interview mit Prof. Dr. Jens Böcker, FH Bonn-Rhein-Sieg: “Um überhaupt dauerhaft eine Chance zu haben, müssen die Portale möglichst schnell die kritische Masse von etwa 20.000 bis 50.000 angemeldeten Usern überschreiten. Dann ist eine Community nach Ansicht der meisten befragten Anbieter überhaupt erst lebensfähig.”
CRM: «It’s all coming 2.0gether» (infoweek.ch, Clint Oram)
Dank Web 2.0 bekommt der Kunde die Macht zurück. Neu entstehende CRM-Strategien und -technologien greifen diesen wachsenden Trend auf.
Der Brockhaus im Internet – Fünf Fragen an Klaus Holoch (upload-magazin.de, Christian Noe)
“Mit Brockhaus online starten wir mit einer hochwertigen Substanz, die wir für das Medium ?Internet? entwickelt und aufbereitet haben. Zum Start wird das Portal bereits rund 300.000 Stichworteinträge enthalten. Neben der hervorragenden Textsubstanz bietet Brockhaus online multimediale Elemente, die Sie in dieser Menge und Qualität noch nicht kennen.”
Die “Bild”-Leser Michael E., Joachim R. und Manfred S., deren Leserbriefe “Bild” heute abdruckt, sind offenbar einigermaßen empört:
Und das liegt daran, dass sie vergangenen Sonnabend eine Geschichte in der “Bild”-Zeitung gelesen haben:
Muss ein Neunjähriger wissen, dass Muslime kein Schweinefleisch essen? Drittklässler Philipp aus Seelze (Niedersachsen) wusste es nicht. Deshalb gab er zwei muslimischen Klassenkameraden jeweils ein Cocktailwürstchen ab. Als die Jungen ihn fragten “Ist da Schweinefleisch drin?”, antwortete Philipp: “Ihr werdet daran schon nicht sterben …” Später erfuhren die muslimischen Kinder, das eben doch Schwein in den Würstchen war. (…) Der Vorfall landete bei der Grundschuldirektorin. Sie verdonnerte Phillip dazu, vor Schulbeginn den Pausenhof sauber zu machen. (…) Die Rechtfertigung der Landesschulbehörde: “Die Strafe sollte zum Nachdenken anleiten. Für Muslime ist das mit dem Schweinefleisch schlimm.”
Was die “Bild”-Leser Michael E., Joachim R. und Manfred S. nicht wissen: “Bild” erzählte ihnen nur eine Seite der Geschichte. Nämlich die Version, die offenbar die Mutter des neunjährigen Philipp (der jetzt angeblich “Angst vor Würstchen” hat) der “Bild”-Zeitung erzählte.
Um zu erfahren, wie die Direktorin der Grundschule den Vorfall darstellt, müsste man schon die “Leine Zeitung” lesen. Die berichtet nämlich heute über den Vorfall und hat, anders als “Bild”, auch die Version der Direktorin aufgeschrieben. Laut ihr ist der neunjährige Philipp schon “mehrfach negativ aufgefallen” und zeige sich “uneinsichtig”. Der Vorfall mit den Würstchen sei nur der Tropfen gewesen, der “das Fass zum Überlaufen brachte.” Die Sache mit den Würstchen habe sich anders abgespielt, als in “Bild” dargestellt:
Die Variante der Schule: Die Frage der Kinder, ob die Würstchen Schweinefleisch enthielten, habe [Philipp] verneint. Als seine Mitschüler die Würstchen gegessen hatten, habe er sie ausgelacht und sich lustig darüber gemacht, dass sie trotz ihres religiösen Verbots Schweinefleisch gegessen hätten. Die Mutter erzählt das anders. Sie sagt, ihr Sohn kenne das muslimische Gebot nicht. [Die Schulleiterin] dagegen sagt, dieses Thema begegne den Kindern im Schulalltag immer wieder. Sie schließt kindliche Naivität bei dem Neunjährigen aus.
Der religiöse Hintergrund sei im Übrigen unerheblich. “Es geht darum, dass sich der Junge über seine Mitschüler lustig gemacht hat”, sagte die Schulleiterin gegenüber der “Leine Zeitung”.
Wie gesagt, all das wussten die “Bild”-Leser nicht, als sie ihre Leserbriefe verfassten und an “Bild” schickten. Insofern mag ihre Empörung naheliegend sein.
“Bild” indes kannte offenbar beide Versionen. Jedenfalls teilt uns die Niedersächsische Schulbehörde auf Nachfrage mit, dass man “Bild” auch die Darstellung der Schulleiterin geschildert habe.
Genützt hat es nichts. Eher im Gegenteil. Denn die “Bild”-Zeitung legt heute in ihrer Hannover-Ausgabe noch einmal nach. Einen erheblichen Teil der Seite 3 hat sie dem Thema gewidmet (siehe Ausriss), für die Darstellung der Schulleitung allerdings immer noch keinen Platz gefunden. Stattdessen hat “Bild” Elisabeth Heister-Neumann (Kultusministerin Niedersachsen), Aliou Sangaré (Chef eines Kulturvereins) und Ina Wunn (FDP-Politikerin und Religions- und Gesellschaftswissenschaftlerin) zu dem Fall befragt. Alle drei halten die Bestrafung des neunjährigen Philipp offenbar für überzogen.
Aliou Sangaré wird von “Bild” bedeutungsschwanger (“Sogar Moslems verteidigen Philipp”) mit den Worten zitiert: “Die Bestrafung ist nicht richtig. Der Junge hatte keine Ahnung, dass Muslime kein Schweinefleisch essen (…) Dieser Vorfall ist kontraproduktiv für die Integration von Moslems!” Uns gegenüber sagte er allerdings, dass er nur die “Bild”-Version der Geschichte kannte.
Elisabeth Heister-Neumann, so sagt uns ihre Büroleiterin, habe sich “auf Ansprache der ‘Bild’-Zeitung” dahingehend geäußert, dass sie sich über den Fall informieren wolle (“Bild”: “Ich werde das genau prüfen!”), ließ sich aber vorab schon mal zu der Aussage hinreißen, es könne von keinem Neunjährigen erwartet werden, “dass er religiös bedingte Ernährungsvorgaben fremder Religionsgemeinschaften” kenne. In unseren Worten: Auch ihr war die Darstellung der Schulleitung unbekannt.
Ina Wunn konnten wir leider noch nicht erreichen. Wir werden ihre Antwort selbstverständlich nachreichen, sobald wir wissen, ob wenigstens sie beide Versionen der Würstchen-Geschichte kannte, bevor sie der “Bild”-Zeitung sagte, ihrer Meinung nach sei das “eine überzogene Reaktion auf einen völlig normalen Vorgang”:
Auf das unbefangene kindliche Verhalten mit Strafe zu reagieren, zeige, so Prof. Wunn, “dass die Schulleitung nicht in der Lage ist, gelassen mit kultureller und religiöser Vielfalt umzu gehen”. Hier sei “mit vorauseilendem Gehorsam” reagiert worden.
Wir vermuten allerdings, dass Wunn genauso schlau war wie die “Bild”-Leser, die auf der Grundlage von “Bild”-Artikeln Leserbriefe verfassen oder sich ihre Meinung bilden. Nicht nur über Cocktailwürstchen an Grundschulen, sondern auch über die “schleichende Islamisierung” unserer Gesellschaft.
Heute lernen wir mal wieder Grundsätzliches über “Bild”.
Dabei trifft das, was “Bild”-Kolumnist Peter Heinlein da aufgeschrieben hat, zunächst durchaus den Kern der Sache. Unter der Überschrift “Prinz Harry im Krieg — wer hat das verraten?” schildert Heinlein, dass der “notorische amerikanische Drudge Report” über den Einsatz des britischen Prinzen Harry als Soldat in Afghanistan berichtet und damit eine vor drei Monaten zwischen “Buckingham Palace, britischer Regierung und den nationalen Medien” vereinbarte Nachrichtensperre unterlaufen habe. “Wütend”, so Heinlein, hätten die britischen Medien [und, wiewirwissen, im Anschluss auch “Bild”] daraufhin “die Schleusen” geöffnet und all das berichtet, was eigentlich erst nach Harrys sicherer Rückkehr im April hätte veröffentlicht werden sollen. So kannman das sehen.
Doch dann schreibt Heinlein einen Satz, wie man ihn wohl nur in “Bild” finden kann:
Das ist ein Schlag für die als unbändig frei angesehene britische Presse, bei dieser Presseverhinderungsabsprache und gnadenlosen Selbstzensur erwischt worden zu sein.
“Presseverhinderungsabsprache”? “gnadenlose Selbstzensur”? “erwischt”? Gegenüber Prinz Harry war die vereinbarte Sperrfrist das Gegenteil von gnadenlos. Denn es besteht kein Zweifel, dass sie vor allem einen Grund hatte: das Leben von Prinz Harry und der anderen Soldaten in seiner Einheit zu schützen. Man könnte es verantwortungsvoll nennen.
Du sollst nicht langweilen (+) (espace.ch, Alexander Sury)
Der Chefredaktor des «Blicks» teilt mit Fussballnationaltrainer Köbi Kuhn eine Erfahrung: Alle wissen, wie man seinen Job besser macht. Für die einen ist «Blick» zu rechts, für andere zu links, zu seriös oder dann zu seicht. Am 5. März erscheint ein neuer «Blick» – vielleicht seine letzte Chance.
Internet ist jetzt wichtigstes Nachrichtenmedium für Amerikaner (medienkonvergenz.com, Andreas Göldi)
Die Verschiebung der Publikumsgunst von den alten zu den neuen Medien scheint sich weiter zu beschleunigen. Eine neue Umfrage der Marktforschungsfirma Zogby International bestätigt einmal mehr, wie wichtig das Internet als Nachrichtenmedium geworden ist.
“Russen fahren total auf Neues ab” (zoomer.de, Wladimir Kaminer, Video)
Wozu braucht Russland eigentlich einen neuen Präsidenten, wenn es mit dem alten auch nicht schlecht lief? Weil die Russen einfach total auf alles Neue abfahren, sagt Wladimir Kaminer zur Mentalität seiner Landsleute. Aber ist nicht das Bessere der Feind des Guten? Wie dem auch sei: Nicht der nächste, aber der übernächste Präsident wird auf jeden Fall wieder eine Glatze haben.
Matt Drudge: world’s most powerful journalist (telegraph.co.uk, Toby Harnden)
Ten years ago, he was a reclusive, pasty-faced 31-year-old who, bashing away on his laptop in his grungy Hollywood apartment, shot to prominence when he threatened to bring down Bill Clinton’s presidency by breaking news of the Monica Lewinsky scandal (drudgereport.com).
Schalt mal um (dasmagazin.ch, Michèle Roten)
Wer damit prahlt, keinen Fernseher zu haben, hat vor allem zu wenig Arroganz.