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Mark Medlock bei Neben-Mann-Hergehen erwischt

Paparazzerei ist ein schmieriges Geschäft. Websites wie TMZ.com können ein Video davon spielen, wie unschön das penetrante Behelligen und Beschleimen irgendwelcher Promis in der Öffentlichkeit mitanzusehen ist.

Aber auch die Schmalspur-Paparazzi der “HauptBruch GbR – Film- & Fernsehproduktion” zeigen uns das in einer Videosequenz (Der Sänger Mark Medlock und ein weiterer junger Mann verlassen wortlos eine Veranstaltung, gehen wortlos zum Parkplatz und steigen dort wortlos in ein Auto) ganz eindrucksvoll. O-Ton:

Wie hat’s euch gefallen, darf ich fragen? Bleibt ihr noch lange auf Mallorca?

Magst du deinen Fans was sagen? Bitte, nur einmal… Du musst dein Schweigen doch mal brechen!

Bitte einmal noch umdrehen, dann lass ich euch in Ruhe! Ein Bild zusammen noch, ein schönes…

Aber natürlich betteln und hecheln Paparazzi nicht zum Spaß. Und wenn sich schon die Aufnahmen nicht lohnen, müssen sie sich wenigstens lohnen. Eine HauptBruch-Website etwa verkauft sie so:

Sprachloser Superstar
Mark Medlock Arm in Arm mit einem Mann!

(…) Aber irgendwie hatte der Sänger keine Lust gefilmt zu werden und legte lieber demonstrativ den Arm um seinen Begleiter! (…) Wir fragen, wie ihm der Abend gefallen hat – keine Antwort! Dafür gestikuliert der DSDS-Star: Mark zeigt ein Peace-Zeichen und züngelt lasziv in unsere Linse! Auch einen Gruß an seine Fans möchte er uns nicht in die Kamera sagen.
Immer wieder haken wir nach, (…).

Und es hat funktioniert. Gestern zeigte die kleine “Bild”-Schwester “B.Z.” Fotos aus dem HauptBruch-Video — und schrieb:

Händchen haltend laufen Mark Medlock (30) und sein neuer Freund […] durch die Straßen von Mallorca

Und weil die “B.Z.” auch gleich noch eine News dazu hatte, steht sie mitsamt dem HauptBruchschen Foto-Beweis seit gestern (samt Video) auch bei Bild.de:

Mark Medlock liebt jungen Unternehmer

(…) Der Sänger und sein Lover wurden Hand in Hand auf der Baleareninsel gesichtet.

Und mal mit mal ohne Bild.de als Quelle findet sich die “Hand in Hand”-Nachricht seither u.a. auch auf Gossip-Halden* wie 20min.ch und shortnews.de**.

Die Sache hat nur einen Haken. Nein, nicht den, dass der Medlock-“Lover” die Beziehung gestern auf Sat.1 irgendwie dementiert hat (“… als Kumpel … gute Freundschaft, mehr auch nicht … bin nicht schwul …”). Nein, der vermeintliche Foto-Beweis ist keiner:


Wer auf dem Video irgendein “Händchen halten” sieht, sollte Boulevardjournalist werden.

Mit Dank an Leon B. für den Hinweis.

*) Nachtrag, 8.8.2008: Laut Viva.tv wurden sie sogar “beim öffentlichen Turteln und Händchenhalten auf Malle entdeckt”. Ach, echt?!

**) Nachtrag. 11.8.2008: Bei shortnews.de wurde die Übernahme der Bild.de-Meldung inzwischen entfernt. (Mehr dazu hier.)

F. J. Wagner endlich wieder so alt wie Mick Jagger

Zu Ehren von “Bild”-Kolumnist Franz Josef Wagner, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, wiederholen wir unseren BILDblog-Eintrag von vorvergangener Woche:

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Franz Josef Wagner und die Nebel von Avon

Jedes Jahr um diese Zeit feiert Franz Josef Wagner zwei Geburtstage. Seinen eigenen und den von Mick Jagger. Eine ganz besondere Beziehung verbindet den “Bild”-Autor mit dem Sänger. Kein Wunder: Ihre Biographien weisen verblüffende Parallelen auf.

Beide sind im Sommer 1943 geboren. Beide sind Männer. Jaggers Mutter war Avon-Beraterin, Wagners Mutter Handarbeitslehrerin. Jagger macht Musik, Wagner hört sie.

Zum 60. Geburtstag Jaggers schrieb Wagner in der “Welt”:

Wenn man an 60 denkt, dann denkt man, dass die betreffende Person Schwierigkeiten beim Einparken hat und gelegentliche Unsicherheit im Personengedächtnis. Ich glaube, dass man mit 60 triumphierend jung sein kann — wenn man ein Rock ‘n’ Roller ist. Jeder Orthopäde sagt, dass das Geheimnis die Bewegung sei. Tanzen wir den Tod zum Teufel. Der 60-jährige Mick Jagger tanzt das Leben vor. In einer Woche werde ich 60.

Zum 63. Geburtstag Jaggers schrieb Wagner in “Bild”:

Rock ‘n’ Roll ist ein Lebensentwurf – es ist auch mein Lebensentwurf. Wir rocken uns den Tod weg, die Bandscheibe, die Prostata, die Röchel-Lunge. Ich liebe Mick Jagger nicht nur, weil er “Satisfaction” singt, sondern weil seine Mutter Avon-Beraterin war. Der Sohn einer Avon-Beraterin wird Mick Jagger — was für ein Traum, was für ein Märchen!

Und ein paar Tage später in der “taz”, nach einem Konzert der Stones:

Mick Jagger ist eine Woche älter als ich, er wird am 26. Juli 63, ich am 7. August. Aber es waren viele tausend noch Ältere im Berliner Olympiastadion als wir beide. Vielleicht war es das, was wir feierten: dass die Katastrophen wie Weltuntergang, Raucherkrebs, Prostata, Herz, Venen nicht eingetreten waren und auch in dieser Nacht nicht eintreten würden. (…)

“What can a poor boy do except to sing for a rock’n’roll band”, fragte Mick Jagger vor 40 Jahren in seinem Ur-Song “Street Fighting Man”. Vor 40 Jahren — wo war ich?

Vor 40 Jahren hing ich auch an den Fersen des Glücks. What can a poor boy do … Micks Mutter war Avon-Beraterin, meine Handarbeitslehrerin, sie unterrichtete Mädchen im Stricken und Tischdecken. Da war nicht viel Kohle zu holen. Also, what can a poor boy do?

Er kann Zahnarzt werden, Astronaut werden, er kann sein Leben verschlafen, er kann Mick Jagger werden, oder er kann im Drogenrausch wie der beste Rolling Stone, Brian Jones, im Swimmingpool ertrinken. Er kann ein Gesicht wie Keith Richards kriegen, er kann Bianca Jagger heiraten, Jerry Hall. Er kann sieben Kinder mit vier Frauen zeugen, er kann aber auch als PR-Gag auf eine Palme klettern und herunterfallen. Er kann Boulevard-Reporter werden, Gossen-Goethe. Er kann eigentlich alles werden, wenn er ein Street Fighting Man ist.

Und heute nun wird Mick Jagger 65. Und Franz Josef Wagner, der “Gossen-Goethe”, schreibt in “Bild”:

Sie sind eine Woche älter als ich, heute werden Sie 65, ich am 7. August. Was gibt’s für uns 65-Jährige zu feiern? Zuallererst, dass wir überlebten und Leber, Lunge, Arterien sich bisher nicht bemerkbar machen. Den Genen sei Dank!

Es war im Sommer 62, vor 46 Jahren, als ich Ihren Ursong “Street Fighting Man” zum ersten Mal hörte. Ich war damals ein Junge wie Sie. Ihre Mutter war Avon-Beraterin, meine Mutter war Handarbeitslehrerin. (…) Man konnte damals schnell abgleiten in die Hippie- und Kifferkultur.

Von einem Tag auf den anderen riss mich Ihr “Street Fighting Man” aus dem Kiffen heraus. “What can a poor boy do except to sing for a rock ‘n’ roll band”. (…)

Ihr Song hat mich gerettet. Ihr Song war eine Aufforderung, seine eigene Kraft zu entdecken.

Ja, so war es. Es war dieser Song. Alle, die dabei gewesen waren und heute Zahnärzte sind, Therapeuten, Rechtsanwälte, werden es bestätigen. Es war dieser Song. (…)

Rock ‘n’ Roll hat die Welt immer verbessert. Vor 46 Jahren wurde ich durch Mick Jagger Rock ‘n’ Roller – ich liebe die Freiheit.

Aber was immer Franz Josef Wagner vor 46 Jahren vom rechten Weg abbrachte und ihn veranlasste, einen Karrierepfad einzuschlagen, an dessen Ende er heute täglich einen Brief in der “Bild”-Zeitung schreibt — die Rolling Stones und “Street Fighting Man” waren es nicht. Ihr erstes Album brachten die Stones 1964 heraus. “Street Fighting Man” wurde, inspiriert von den Studentenunruhen in Paris, 1968 aufgenommen und veröffentlicht.

Wann hörte Franz Josef Wagner also mit dem Kiffen auf? Man weiß es nicht. Aber nach dem Konzert der Stones fuhr er mit dem Taxi nach Hause: “Richtung Paris Bar, um mich mit Alkohol noch ein bisschen mehr in Stimmung zu bringen.”

Mit Dank an Steffen B., Manfred L., Maren, Andreas und Map!

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Weiters gratulieren Wagner dpa, der “Kölner Stadtanzeiger”, “RP Online”, die “Berliner Morgenpost” und die Ursula.

6 vor 9

1. “Journalisten fallen auf Steinmeiers PR herein”
(ndr.de, Video, 5:27 Minuten)
Die mit dem deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier nach Afghanistan mitreisenden Journalisten berichten unkritisch über dessen symbolische Aktionen. So wurde eine Schule für Armeefahrer schon zum dritten Mal eröffnet, ein Trinkwasserprojekt eingeweiht, das seit Jahren in Betrieb ist und eine Altstadt-Sanierung verkündet, die aber nur einen kleinen Teil davon abdeckt.

2. Will tagesschau.de Google News zensieren?
(blog.jan-filter.de)
Der tagesschau.de-Artikel “Wie braune Propaganda zur Nachricht wird” sorgt bei mehreren Bloggern für Unmut. Das Filterblog fragt sich, “wie man sich mit den Positionen der politischen Ränder auseinandersetzen soll, wenn sie totgeschwiegen” werden. “Vielleicht sollen wir uns auf das verlassen, was uns die Tagesschau zu diesem Thema liefert?”. Die Öffentlich-Rechtlichen nennt er “8.000.000.000 Euro teure Pay-TV-Sender, deren Abo keiner von uns legal kündigen kann”.

3. “Transparenz: Glücksache” bei den Rundfunkgebühren
(fr-online.de, Daniel Bouhs)
Ein Journalist verklagt den WDR, um Transparenz bei der Ausgabenpolitik zu erhalten: “Er will wissen, mit welchen dieser Firmen der WDR Geschäfte macht, welche Honorare vereinbart wurden und ob die Aufträge ausgeschrieben wurden.”

4. “John Miller”, Redakteur eines staatlichen chinesischen Mediums
(zeit.de, Steffen Dobbert)
Ein unter dem Namen “John Miller” verdeckter chinesischer Redakteur gibt Auskunft und ernüchtert gleich mal die zum Teil missionarischen Texte vieler westlicher Medien. “ZEIT ONLINE: Kommt vom Protest der westlichen Medien gegen die Zensur etwas in China an? – Miller: Wo denken Sie hin? Das wird hier nicht wahrgenommen und auch nicht gelesen.”

5. “Internet killed the Kochzeitschrift?”
(antsinp.antville.org, herr paulsen)
“Sind Kochzeitschriften also tatsächlich die ersten ‘Print-Opfer’ des Internets?”

6. Norbert Neininger zu news1.ch
(shn.ch, Erwin Küenzi)
Norbert Neininger wird von der Zeitung, der er als Chefredaktor vorsteht, zu seinem neuen Projekt befragt. News1.ch sei mit mehreren 100.000 Franken finanziert: “Der Return on Investment wird durch Onlinewerbung erzielt. Nach einem Jahr sollte die Investitionsphase abgeschlossen sein.”

Tote Links zu toter Frau

Nachdem die Potsdamer Staatsanwaltschaft am Dienstag vergangener Woche bekannt gegeben hatte, dass eine junge Frau tot aufgefunden wurde und gegen einen Mann wegen fahrlässiger Tötung ermittelt werde, berichtete auch “Bild” – und zwar…

… am Mittwoch vergangener Woche, am Donnerstag vergangener Woche, am Freitag vergangener Woche, am Samstag vergangener Woche sowie am Montag dieser Woche und am Dienstag dieser Woche.

Alle diese Berichte, verfasst u.a. von “Bild”-Reporter Jörg Bergmann, waren illustriert mit allerlei Fotos, die “Bild” offenbar aus Internetseiten zusammengesucht hatte: “Bild” jedenfalls nannte als Quelle einfach nur “Web”. Und ab Tag 2 der Berichterstattung zeigten alle diese Fotos das Opfer (das mit der Preisgabe privater Daten im Internet – StudiVZ, MySpace etc. – leider nicht zimperlich gewesen ist) ohne jede Unkenntlichmachung. Wollten wir indes die vielen “Bild”-Berichte ohne irgendeine Urheber- und Persönlichkeitsrechtsverletzung zeigen, bliebe davon wohl nicht mehr viel übrig (siehe Beispielausriss).

Heute nun berichtet “Bild” wieder über den Fall, wieder fast seitenfüllend. Aber anders als bisher wird der heutige Bericht nicht mit Fotos des Opfers illustriert. Anders als bisher wird die junge Frau heute auch nicht mehr bei ihrem richtigen Vornamen und abgekürzten Nachnamen genannt, sondern plötzlich:

"Katja Z. (21, Name und Alter geändert)"

Und bei Bild.de sind die bisherigen Veröffentlichungen zum Thema (außer ein paar, in deren URL die, ähm, unbeachtete Aufforderung “ACHTUNG… PIXELN” steht) vollständig aus dem Angebot entfernt.

Erfahrungsgemäß machen “Bild” und Bild.de sowas nicht freiwillig.

Und dass “Bild” nach einer Woche täglicher Berichterstattung auf einmal von selber zur Besinnung gekommen wäre, ist unwahrscheinlich: Über den Mann, gegen den im Zusammenhang mit dem Todesfall ermittelt wird, berichtet “Bild” auch heute wieder ausführlich, vorverurteilend und identifizierbar — und (seit gegen ihn auch wegen Mordes ermittelt wird) auch ohne schwarze Balken oder sonstige Unkenntlichmachung.

Mit Dank auch an die zahlreichen Hinweisgeber.

Oder liegt nur ein Fluch auf der “Bild”-Zeitung?

Ein “FLUCH” liegt auf dem Batman-Film, glaubt “Bild”, weil es — spätestens seit dem Autounfall des Schauspielers Morgan Freeman am vergangenen Sonntag — eine “unheimliche Häufung von Unglücksfällen in der Crew des neuen ‘Batman’-Films ‘The Dark Knight'” gebe.

Begonnen hatte die Unglücksserie im September 2007. Bei einem Stunt wurde der Spezialeffekt-Experte Conway Wickliffe (+ 41) aus Versehen erschossen.

“Erschossen”? Wickliffe kam ums Leben, als er im September vergangenen Jahres am Set mit einem Auto in einen Baum fuhr.

Wie kommt “Bild” dann darauf, dass er erschossen wurde? Der Bild.de-Artikel zum Thema gibt einen guten Hinweis. Dort ist ein “Sun”-Artikel verlinkt, in dem es heißt:

Last September special effects technician CONWAY WICKLIFFE, 41, was killed during shooting of a truck stunt near Chertsey, in Surrey.

So gesehen ist es ein Wunder, dass bei den ganzen Schießereien, zu denen es bei der Produktion von Filmen im Englischen regelmäßig kommt, nicht viel mehr passiert.

Mit Dank an Niklas V., Malte L., Jens K., Mutlu Y., Michael M., Jonas G., Robin D., Konstantin, Sven, Axel L., Eugen, Sebastian F. und Tobias R.!

6 vor 9

1. Schweizer Armee im Video-Fieber
(sf.tv, Video, 7:31 Minuten)
Die schweizer Armee kann es nicht verhindern, dass Soldaten immer wieder Videos vom lustigen Armeebetrieb auf YouTube hochladen (Beispiel: “Duschen mit Gasmaske“). Selbst bietet sie auf mediathek.admin.ch (mit Steuergeldern produzierte) PR-Clips in Hollywood-Manier an (Beispiel: “Der Grenadier – semper fidelis“).

2. Ueli Haldimann zur Affäre Schmid/Nef
(cr.blog.sf.tv, Ueli Haldimann)
Der Chefredaktor des Schweizer Fernsehens stellt drei Hypothesen auf, “woher wohl all die Informationen kamen, mit denen die Story während zwei Wochen am Kochen gehalten wurde. Schon beim ersten Artikel in der SonntagsZeitung fragte ich mich: Wer hat den Kollegen diese Geschichte gesteckt?”

3. “Sie wollen jetzt aber nicht allen Ernstes über meine Haare reden?”
(falter.at, Nina Horaczek und Julia Ortner)
Fernsehjournalistin Ingrid Thurnher muss im Interview mit dem Falter Auskunft geben über ihren Pony, über Groupies und über ihre eventuelle Eitelkeit. Ausserdem beantwortet sie die Frage, ab wann man als Journalist “verhabert” ist: “Ich würde nie mit einem Politiker über Urlaubspläne reden oder beim Heu­rigen versacken.”

4. “Keine Olympia-Filme im Internet”
(tagesschau.de, Sabine Klein)
Tagesschau.de befragt den ARD-Rechtsexperten Christian Blankenburg, warum “Zusammenfassungen der Wettkämpfe, die in der Tagesschau und in den Tagesthemen zu sehen sind, nicht im Internet gezeigt werden” dürfen.

5. “Andys Liebling”
(jetzt.sueddeutsche.de, Andrian Kreye)
“Warhols Zeitschrift ‘Interview’ wieder in der Hand seiner Freunde”

6. “24 mal aufs Auge: internationale Magazincover”
(linksoben.biz, Florian Köppe)
“Ich habe hier eine kleine Auswahl von bekannten Publikumszeitschriften und eher unbekannten Kultur, sowie Designmagazinen zusammengestellt, die durch ein interessantes Äußeres glänzen und uns Inspiration und Lust zum Entdecken neuer Magazine in diesem undurchsichtigen Dschungel geben können.”

Selber doof!

Nicolaus Fest, Mitglied der “Bild”-Chefredaktion, ist jemand, der sich schnell mal ein bisschen in Rage schreibt. Und man muss nicht sein Therapeut sein, um zu ahnen, dass das gestern, als er den “Bild”-Kommentar für heute verfasste, wieder passiert ist.

Doof wie Rogge

Leider verliert Nicolaus Fest mit der Contenance auch gern den Überblick über die Fakten. Und so schreibt er heute über die Versprechungen von Jacques Rogge, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, und die Zensur des Internets durch China:

Statt des versprochenen „freien“ gibt es für die Journalisten am Ort nur den „größtmöglichen“ Internet-Zugang. „Größtmöglich“ ist ein dehnbarer Begriff. Wie die Sperrung der Internet-Seiten von „Frankfurter Allgemeine“, Deutsche Welle oder des britischen Staatssenders BBC zeigt, legen ihn die Chinesen in Richtung „kleinstmöglich“ aus.

Mal abgesehen davon, dass es sich bei der BBC (im Gegensatz zum chinesischen Fernsehen) nicht um einen “Staatssender” handelt, ist das falsch. Die Internetseiten der “FAZ”, der Deutschen Welle und der BBC sind nicht gesperrt — wie unsere heute morgen um 9 Uhr Ortszeit in Peking entstandenen* Screenshots beweisen:

Genau das ist der in der vergangenen Woche erreichte Kompromiss, den Jacques Rogge als “größtmöglichen” Internetzugang bezeichnet hat (und den man mit gutem Recht kritisieren darf): dass diese und viele andere internationale Nachrichtenseiten nicht mehr gesperrt sind und sich die Zensur fast nur noch auf Homepages zum Beispiel von Dissidenten, Tibet-Gruppen und manchen Menschenrechtsorganisationen bezieht.

Und wenn uns jetzt noch ein passendes Wortspiel mit dem Namen des erregt-erratischen “Bild”-Kommentators einfiele, wäre es uns ein Fest.

*) Ja, wirklich.

Mit Dank an Jens W.!

6 vor 9

1. “Das bisher ambitiöseste journalistische Projekt im Internet”
(tagesanzeiger.ch, Reto Hunziker)
Das Newsnetz bereitet seinen Startschuss am 8. August sehr selbstbewusst vor: “Die Zeiten, in denen Onlinejournalismus in der Schweiz im Copy-Paste-Verfahren betrieben wurde, sind vorbei. Heute weiss man: Qualität hat ihren Preis. Newsnetz, das bisher ambitiöseste journalistische Projekt im Internet, setzt diesbezüglich neue Standards.” Da freuen wir uns doch schon mal im Voraus.

2. “Der Rückblick in die Netz-Pionierzeit”
(blog.jacomet.ch, Andi Jacomet)
Andi Jacomet blick zurück und zeigt auf, dass die Ankündigungen zum Relaunch von tages-anzeiger.ch im Jahr 1996 ähnlich vollmundig waren. Damals hiess es: “Der konsequente Schritt ist also, sich langsam, aber sicher, vom Printprodukt zu lösen und ein eigenständiges Medium zu erschaffen.” Ein Versprechen, das während 12 Jahren nicht oder nur ansatzweise eingelöst wurde.

3. “Und täglich grüßen die Reformen”
(jungle-world.com, Sascha Becker)
Sascha Becker macht in den überregionalen Blättern Deutschland einen Einheitsbrei aus, der sich als Vielfalt tarnt: “Die schon in Schulbüchern den großen Blättern zugewiesenen politischen Richtungen wie ‘linksliberal’, ‘konservativ’ oder gar ‘links’ zeigen sich in den Meinungs­texten der Medien lediglich als geringfügige Stil­unterschiede im selben Konsens.”

4. “Die WZ wandelt auf BILD-Spuren…”
(wupperblog.de, Marcus Müller)
Marcus Müller sorgt sich um seine Zeitung: “Irgendwie mag man inzwischen den traurigen Eindruck gewinnen, dass sich die Westdeutsche Zeitung (WZ) mit ihrer Wuppertaler Lokalredaktion immer mehr an anderen Zeitungen orientiert.”

5. Als Privatmann am Fackellauf
(jensweinreich.de)
“Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat mit sofortiger Wirkung seinen Redaktionsleiter Dieter Hennig abberufen.”

6. Wieder solo / wieder Single
(coffeeandtv.de)
Nachdem wir gestern erfahren haben, wie man durch Zeitungen mehrmals scheinschwanger werden kann (Bild), hat sich nun Sienna Miller gleich zweimal getrennt (RP Online).

6 vor 9

“Wir sind’s nur”
(jetzt.sueddeutsche.de, Christian Zaschke)
“China öffnet sich mit den Olympischen Spielen der Weltpresse? Nun ja, es kommen hauptsächlich Sportjournalisten. Eine Relativierung.”

“Katie Holmes besteht jeden Schwangerschaftstest”
(bildblog.de, Clarissa)
Katie Holmes, die Frau von Filmstar Tom Cruise, war, seit sie 2006 Tochter Suri zur Welt gebracht hat, schon sage und schreibe zehn Mal beinahe schwanger. Allerdings nur in der Bild-Zeitung.

“Das Sofa ist ein Betriebsunfall”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Friedrich Nowottny, ehemaliger Intendant des WDR, analysiert die Talkmaster Anne Will und Sabine Christiansen und kommt dabei auf die Haarfarbe zu sprechen: “Die beiden Journalistinnen sind zwei völlig unterschiedliche Charaktere. Unterschiedlich im Temperament, unterschiedliche Ausstrahlung, die eine ist blond, die andere dunkel.”

“Olympische Spiele in Peking: Keine dicken Kameras erlaubt”
(fokussiert.com, Wolf-Dieter Roth)
“Die Wellen der Empörung schlagen bereits hoch, doch wirklich unerwartet ist es nicht: Normale Besucher der olympischen Spiele dürfen keine größeren Kamerausrüstungen in die Stadien bringen.”

“Sky Sports als Vorbild?”
(sportmedienblog.de)
“Oftmals, wenn die Diskussion darüber geführt wird, was PREMIERE im Sportbereich falsch macht, kommt das Gespräch auf den britischen Pay-Anbieter Sky und seine Sportkanäle. Sollte Sky Sports – erst Recht, nachdem nun Murdochs News Corporation Anteile an PREMIERE gehören – als Vorbild für eine Umorientierung, ja sogar einen Relaunch des PREMIERE Sportprogramms herhalten?”

“Robert Basic ist eine Linkschleuder”
(t3n.yeebase.com)
Frank Westphal, Gründer und Entwickler von rivva.de, im Interview: “Mir schwebt vor, Spiegel Online zu spiegeln. Die Ressorts würden also ähnlich aussehen wie die Hauptressorts bei Spiegel Online, dazu käme dann die Titelseite, die die großen Themen aus den einzelnen Ressorts und dazu noch ein paar kleinere Themen bündelt und dadurch den Überblick auf einer Seite bietet.”

Katie Holmes besteht jeden Schwangerschaftstest

Am 18. April 2006, sieben Monate vor ihrer Hochzeit mit Tom Cruise, brachte Katie Holmes in Los Angeles ihre Tochter Suri zur Welt, am vergangenen Donnerstag hat sie in New York einen Kaffee getrunken, und in der Zwischenzeit gab es immer wieder Gerüchte über eine zweite Schwangerschaft. Hier eine kleine Auswahl:

  • Oktober 2006:
    Indiz 1: Bauch-Foto
  • Dezember 2006:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
    Indiz 2: Augenzeugenberichte über den Kauf blauer Baby-Strampler
  • März 2007:
    Indiz 1: Augenzeugenberichte über den Besuch einer Edel-Baby-Boutique
  • Juni 2007:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
    Indiz 2: weiteres Bauch-Foto
  • November 2007:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
    Indiz 2: weiteres Bauch-Foto
    Indiz 3: “strahlt wie ein Engel” (“Bild”)
  • Januar 2008:
    Indiz 1: Augenzeugenbericht über den Kauf von Kinderkleidung mit dem Aufdruck “Big Sister” und Babykleidung mit den Aufdrucken “Little Sister” und “Little Brother”
  • Februar 2008:
    Indiz 1: Bestellung von Babydecken in einem Online-Shop
  • Mai 2008:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
  • Juli 2008:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
    Indiz 2: weiteres Bauch-Foto

Am vergangenen Donnerstag schossen Paparazzi abermals einen ihrer Schwangerschaftstests – und die “Bild am Sonntag” reagierte prompt:

Katie Holmes wieder schwanger?

(…) Hat Katie Holmes (29) nur einen Kaffee zu viel getrunken oder wölbt sich unter dem weißen T-Shirt etwa ein zartes Babybäuchlein?

Aber wie egal der “Bild am Sonntag” diese Frage eigentlich ist, zeigt eindrucksvoll die Online-Version der “BamS”-Meldung (siehe rechts):

Nun können womöglich Heerscharen von Online-Lesern heute nacht nicht einschlafen, weil sie sich fragen, warum Holmes ausgerechnet “einen Becher Kaffee zu viel getrunken” haben soll (oder wo man auf dem Foto von Holmes im grauen Tanktop eigentlich das “weiße T-Shirt” sehen kann, von dem im Text daneben die Rede ist). Und allen, die jetzt womöglich am Hinterausgang des New Yorker “Minetta Lane Theatre” rumlungern wollen, weil Holmes ja dort – laut “BamS” – “nach einer Theaterprobe” fotografiert wurde, sei gesagt: Man sollte sich lieber nicht auf die “BamS” verlassen dafür vielleicht doch lieber ein paar Straßen rauf zum “Gerald Schoenfeld Theatre” gehen.

Nachtrag, 8.8.2008:

  • August 2008
    Bild.de entdeckt ein neues Schwangerschaftsindiz: “Haare schneiden lassen – das machen Frauen ja in der Regel nicht einfach so.”

Nachtrag, 28.6.2009:

  • Juni 2009
    Bild.de entdeckt mal wieder das übliche Schwangerschaftsindiz: “unter Katies weißem Shirt ein verdächtiges Bäuchlein”. Weiteres Indiz: Holmes Tochter Suri “würde sicher eine gute große Schwester abgeben”.
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