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Leidlich unvermeidlich

Am vergangenen Wochenende fand im niederländischen Landgraaf das Pink Pop Festival statt. Die “Aachener Zeitung” hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, von diesem Großereignis in der Nachbarschaft zu berichten.

Besonders der Auftritt von Bruce Springsteen galt als “Höhepunkt des ganzen Festivals”:

“The Ghost Of Tom Joad”: energisch. “Trapped”: euphorisch. “I’m on Fire”: besinnlich. “Outlaw Pete”: sehnsüchtig. Und unvermeidlich: “Born in the USA”.

Ganz so “unvermeidlich” ist “Born In The U.S.A.” dann aber wohl doch nicht, denn wie Festivalbesucher berichten und zwei Fanseiten belegen, hat Springsteen den Song gar nicht gespielt — übrigens bei keinem seiner bisherigen Konzerte in diesem Jahr.

Mit Dank an Joachim M.

Erwachsen auf Probe, Verzettelung

1. “Die Hysterie um ‘Erwachsen auf Probe'”

(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Stefan Niggemeier)

“Ist es nicht toll, in einem Land zu leben, in dem es mehr Kinderschutzvereine gibt als Kinder? Und in dem die größte Gefahr, die diesen Kindern droht, die Produktion und Ausstrahlung einer Fernsehsendung ist?”

2. Interview mit Helmut Thoma

(tagesspiegel.de, Joachim Huber und Kurt Sagatz)

Auch Helmut Thoma äussert sich zur RTL-Sendung “Erwachsen auf Probe“: “Als ob da Babys an völlig Unbekannte gegeben würden. Es sind doch alle Teilnehmer gecastet, und es steht dauernd jemand dabei. Im realen Leben ist die Gefahr viel größer, dass Eltern an einen jungen Babysitter geraten, der noch völlig unerfahren ist.”

3. “Das Magazin – Schluss mit Kommentieren im Web”

(persoenlich.com)

Finn Canonica, Chefredakteur des “Magazins“, versteht das “Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism” nicht und ist “skeptisch geworden gegenüber den journalistischen Möglichkeiten im Internet”. Deshalb stellt er ohne Ankündigung nach zwei Jahren die Online-Kommentare ein, die ihm “manchmal sehr ‘dahingerotzt'” erschienen. Mehr dazu im Henusode Blog und beim Journalistenschredder.

4. “Journalismus am Nullpunkt”

(heinz.typepad.com)

“Journalismus kann sich nicht mehr so finanzieren wie bisher, und zugleich verändern sich seine Rolle und seine Formen radikal. Wer heute Journalist wird, weiß weder, wovon er in Zukunft leben wird, noch wie seine Arbeit aussehen wird.”

5. “Sex sells, again and again”

(presseverein.ch)

“Blech, Blut und Busen. Im Boulevard braucht’s niedere Reize. Ob Pornosprüche im Dutzend auf 20 Minuten oder anzügliche Schlagzeilen zu irgendwelchen Themen beim Blick. Die verlegenen Verleger hatten sich das anders vorgestellt.”

6. “Cogitus interruptus – Googeln, Bloggen und Twittern”

(nzz.ch, Eduard Kaeser)

Der Physiker und Philosoph Eduard Kaeser schreibt über die neuzeitlich alltägliche Verzettelung: “Ehe ich michs versah, war meine Hauptaufmerksamkeit auf zwei oder drei Nebenspuren verzettelt. Ich fand nicht mehr zur Konzentration auf die ursprüngliche Arbeit zurück. ‘Cogitus interruptus’ nenne ich das für mich. Dagegen kenne ich zwei Mittel: Sex oder Joggen. Sie fügen mich wieder zusammen.”

Reuters  etc.

Wer Storm sät, muss Gewitter ernten

— von Jörg Kachelmann —

Englisch ist ja für viele Menschen eine blöde Sprache. Oft denkt man, man wüsste, was das Zeug heißt, und dann stimmt’s gar nicht. Pathetic. Eigentlich ‘ne klare Sache. Aber heißt auf deutsch erbärmlich, nicht pathetisch. Mist. Eventually wird man’s dann lernen. Aber das heißt gar nicht eventuell, sondern am Ende, schlussendlich. Blöd.

Der “Sturm”

Reuters:
“Air-France-Maschine nach Sturm über Atlantik vermisst”

dpa:
“Möglicherweise seien im Sturm auch die Antennen und das Radar der Maschine zerstört worden.”

Schön, daß es so einfache Dinge gibt wie das Wetter. Schließlich sieht und hört man auf CNN und liest in den englischen Agenturen häufig das Wort storm. Klare Sache, oder? Das muss ein Sturm sein, der das Space Shuttle beim Landen behindert. Oder womöglich bei aktuellen Airbussen schlimme Dinge tut. Aber sonst fliegen die doch auch alle bei Sturm?

Jaja, so ein Sturm ist eben auch gar nie ein Problem, das Problem ist der storm. Ist es kein Theodor, ist es ein Gewitter. Thunderstorm war zu kompliziert, um im amerikanischen Englisch zu überleben, also wurde der Thunder einfach weggelassen. Stürme sind high winds, gales und anderes mehr, aber erst Blitz und Donner machen den storm. Aber es gibt so viele Stürme in den Medien, dass es einen langen Marsch geben wird, bis die vielen Stürme aus dem Ausland zum Gewitter werden. Kann man eigentlich Englisch beim deutschen Abitur immer noch abwählen? Das wär’ ja pathetic.

Jörg Kachelmann ist der Oberwettererklärer in der ARD und Chef Gründer des Wetterdienst-Unternehmens Meteomedia.

Steul, SPD, Facebook, Songs

1. “Welt des Journalismus”

(zweitens-magazin.de, max)

max wird betreffend einem “Einleger für die FTD” kontaktiert, lässt sich “ein Probeexemplar und die Unterlagen ‘für eine ziel- und themengerechte Ansprache potentieller Kunden’ zuschicken” und berichtet von seinen Erfahrungen: “Damit sich unser ‘Beitrag von anderen abhebt’ wird unser Firmentext ‘nach redaktionellen Aspekten bearbeitet’, uns ‘selbstverständlich zur Freigabe vorgelegt’ und dann ‘farblich unterlegt in das Gesamtbild der Reportage eingefügt’. Und dies alles gegen einen ‘Druckkostenzuschuß’.”

2. “SPD-Werbung im redaktionellen Korsett von bild.de”

(pottblog.de, Jens)

Die SPD schaltet Werbung auf bild.de. Doch nicht einfach so: “Der gesamte Bericht ist im typischen bild.de-Layout gehalten, selbst der aktuelle TV-Spot zur Europawahl wurde im ‘Bild-Videoplayer’ eingebunden.”

3. Interview mit Willi Steul

(cicero.de, Christoph Seidl)

Der neue Intendant des Deutschlandradios skypt mit seiner Familie, findet aber “Kommunikation über so etwas wie Facebook” eine “schreckliche Vorstellung”: “Ich bin ein intellektuell den modernen Medien ausgesprochen aufgeschlossener und neugieriger Mensch, wäre es anders, wäre ich im falschen Beruf. Aber ich bin 58 Jahre alt.”

4. “Verlernt, zu verweilen”

(3sat.de/mediathek, Video, 3:53 Minuten)

“Erinnern Sie sich an die Zeiten, als die Menschen am Morgen noch raschelndes Papier lasen?”

5. Schweizer Beamten droht Facebook-Verbot

(nzz.ch, Heidi Gmür)

“Die Beanspruchung des Internets in der Bundesverwaltung durch Facebook ist enorm: ‘Von den analysierten zweihundert meistbesuchten Websites betreffen 16 bis 25 Prozent der heruntergeladenen Daten allein Facebook’, sagt Claudio Frigerio, Pressesprecher des Bundesamtes für Information und Telekommunikation (BIT).”

6. “Ten Songs About Print Journalism”

(pastemagazine.com)

Zehn Lieder über Printjournalismus, von “Newspapermen Meet Such Interesting People” (Pete Seeger) bis “Yesterday’s Papers” (The Rolling Stones).

AFP, heise.de  etc.

Schüler entdeckt Formel für Welt-Schlagzeilen

Versuchen wir lieber gar nicht erst zu erklären, was die Bernoulli-Zahlen sind. Belassen wir es bei dem Satz: Sie sind der Stoff, aus dem Märchen sind.

Diese Geschichte beginnt in der Kleinstadt Falun in Mittelschweden. Ein 16-jähriger Einwanderer aus dem Irak schaffte es dort anscheinend auf eigene Faust, eine Formel für die Bernoulli-Zahlen zu finden — eine Aufgabe, die sonst eine Herausforderung für gestandene Mathematiker ist. Es war kein Durchbruch für die Mathematik, aber für den jungen Mann. Ein Mathematikprofessor der Universität Uppsala sagte der schwedischen Nachrichtenagentur TT, der 16-Jährige habe nichts herausgefunden, was bislang unbekannt war. Aber wenn er allein auf die Lösung gekommen sei, wofür vieles spräche, sei das eine erstaunliche Leistung für einen Oberschüler — und man würde sich freuen, wenn er einmal bei ihnen an der Uni studieren würde.

Eine kleine, regionale Geschichte aus dem Vermischten.

Allerdings machte die örtliche Zeitung “Falu Kuriren” aus der Entdeckung eines möglichen Mathe-Genies eine naturwissenschaftliche Sensation und behauptete, dass zuvor niemand eine entsprechende Formel gefunden habe. Und so ging die Meldung auf Weltreise. Die Nachrichtenagentur AFP meldete am Donnerstag:

Junger Iraker knackt Jahrhunderte altes Mathe-Rätsel

Wie die schwedische Zeitung “Dagens Nyheter” am Donnerstag berichtete, entwickelte der 16-jährige Mohamed Altoumaimi in nur vier Monaten eine Formel, um die sogenannten Bernoulli-Zahlen zu erklären und zu vereinfachen — Zahlenreihen, die nach dem Schweizer Mathematiker Jacob Bernoulli benannt sind und über die Mathematiker sich seit über dreihundert Jahren die Köpfe zerbrechen. (…)

(Ursprünglich hatte die Agentur den Mann noch “Bernouilli” genannt.)

Nun war die Geschichte also im Kern falsch, aber interessant. Die “taz” brachte sie am Freitag unter der Überschrift “Jahrhunderträtsel gelöst”; “Berliner Zeitung”, “B.Z.”, DiePresse.com, n-tv.de und viele andere übernahmen die AFP-Meldung. “Welt Online” fabulierte noch hinzu, dass für die “Bernolli-Zahlen” [sic] “bisher keine Formal [sic] existierte”.

Bereits am Freitag veröffentlichte die Universität Uppsala eine Pressemitteilung, in der sie den Meldungen und der Behauptung, man habe dem jungen Mann gleich einen Studienplatz gegeben, widersprach. Erstaunlicherweise weiß der englische Dienst von AFP von dem Dementi seit drei Tagen — und der deutsche bis heute nicht.

Über das Dementi berichtet heute auch der Nachrichtendienst “heise online”. Der Artikel beginnt mit dem Satz:

Im Internet kursieren derzeit Meldungen über einen spannenden Fall von mathematischer Frühbegabung.

“Im Internet”, soso. “heise online” selbst hatte die Falschmeldung mit Tagen Verspätung heute noch veröffentlicht, Überschrift: “16-Jähriger entwickelt Formel für Bernoulli-Zahlen”. Nach Leserhinweisen wurde die Aussage des Artikels klammheimlich ins Gegenteil verkehrt. Jeden Hinweis, dass man auch selbst der Ente aufgesessen war, ließ “heise online” weg. Bestimmt nur, um den eigenen Ruf nicht unnötig zu ruinieren.

Hat ja super geklappt.

Nachtrag, 1. Juni. “heise online” hat die Korrektur jetzt im Artikel transparent gemacht. (Und wir hatten den Schüler in der Überschrift ursprünglich einen Studenten genannt.)

Mit Dank an Mathias S. und Kai B.!

D! da?

Detlef D! Soost: D! fand DIE

Wie konnte das passieren?

Ja, das fragen wir uns auch.

Fakt ist jedenfalls: Bild.de braucht uns nicht — zumindest nicht immer.

Im Fall des Artikels über Detlef D! Soost und seine neue Freundin wurde Bild.de jedenfalls frühzeitig von den eigenen Lesern darauf aufmerksam gemacht, dass die Grafik nicht Soosts Partnerin Kate Hall zeige, sondern die Schauspielerin Kate Beckinsale:

tiki_h schrieb: vor 3 Stunden Das auf dem Bild ist Kate Beckinsale!!!! Kajal schrieb: vor 4 Stunden halllloooooooo die frau da auf dem foto ist ganz bestimmt nicht kate hall !!! wie peinlich ist das denn??????????????????? das ist eine schauspielerin oh oh oh!!

Nur Folgen hatten die Kommentare der aufmerksamen Leser bisher keine. Das Foto zeigt immer noch Kate Beckinsale bei der Premiere des Films “Nothing But The Truth”:

Detlef D! Soost und Kate Hall (26). Sie war früher die Freundin von Sänger Ben

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 21:40 Uhr: Bild.de hat das Foto von Kate Beckinsale gegen eines von Kate Hall ausgetauscht und alle Leserkommentare gelöscht.

Zuckerberg, Murdoch, Promi-Anwälte

1. “Intimsphäre vs. Pressefreiheit”

(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs)

Der Chef von sueddeutsche.de schreibt über “die unheimliche Nähe von Medienanwälten, Presse und Prominenz”: “Die Macht der Presse ist heutzutage auch eine Frage, wie viel Geld man in einen Rechtsstreit stecken kann.”

2. “Reinigendes Getwitter”

(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)

Lukas Heinser macht sich Gedanken über Menschen, die twittern, ohne sich Gedanken zu machen. Er findet es erstaunlich, dass man “Volksvertretern offenbar erst einmal erklären muss, was mit ‘nicht-öffentlich’ gemeint sein könnte”. Und er fragt sich: “Wann kommen die ersten Tweets aus den geheimen Sicherheitsausschüssen? (‘Hinweise auf gepl. Anschläge im Raum Berlin. Schmutzige Bombe, BKA ist dran’)”.

3. Bei “Freundchen” Mark Zuckerberg

(zeit.de, Christoph Amend und Götz Hamann)

Das Zeit-Magazin verbringt Zeit mit dem Gründer von Facebook. Immer, wenn das Gespräch persönlich werden könnte, gehen sofort die Berater von Zuckerberg dazwischen.

4. Interview mit Rupert Murdoch

(foxbusiness.com, Video, 6:39 Minuten)

Für Rupert Murdoch ist der endgültige Abschied vom Papier in der Zeitungsbranche nur noch zwei oder drei Jahre entfernt. Dann finde der Umstieg auf “panels” statt. In etwa 10 bis 15 Jahren werde sich die Öffentlichkeit daran anpassen.

5. “Verdeckte PR”

(spiegel.de)

“Die Bahn hat allein im Jahr 2007 1,3 Millionen Euro ausgegeben, um die Öffentlichkeit mit bezahlten Beiträgen in Radioprogrammen und Internet-Foren zu manipulieren – wobei nicht erkennbar war, dass die Bahn Auftraggeber der Artikel und Meinungsäußerungen war. ”

6. Höchstleistungen eines Fussball-Kommentators

(youtube.com, Video, 1:21 Minuten)

Deutschsprachige Fussball-Kommentatoren äussern sich zur Veränderung des Spielstands nicht selten mit einem kurzen “Tor!”. Langweiler! (Video unbedingt mit Ton ansehen).

Geistesaristokratie, Spiegel, Experten

1. “Geistesaristokratie”

(zeit.de, Gero von Randow)

Der bereits bei netzwertig.com ausführlich analysierte Artikel “Das Netz als Feind” von Adam Soboczynski erhält nun auch Zeit-intern eine Gegenstimme. Gero von Randow schreibt: “Es ist schon seit einiger Zeit auffällig, dass dieses Thema unter Journalisten starke Gefühle weckt. Man könnte meinen, dieser Netzwut läge Angst zugrunde.”

2. “Journalistenfrust – Gerichtsurteile behindern Berichterstattung”

(ndr.de, Video, 9:50 Minuten)

Da es sich herumgesprochen hat, dass sich das Landgericht in Hamburg oft eher für das Persönlichkeitsrecht und eher gegen die Meinungsfreiheit ausspricht, klagen sich in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt sehende Bürger gerne dort. Was zur absurden Situation führt, dass sowohl Kläger als auch Angeklagter über 500 Kilometer fahren müssen, um zu klären, wer im Recht ist.

3. “Die besten Recherche-Tools für Journalisten”

(meedia.de, Felix Disselhoff)

“Es gibt jede Menge kostenlose Dienste, die für Sie das News-Geschehen sortieren, die Blogosphäre durchforsten und Ihnen Audio- und Videobeiträge automatisch auf den Rechner schicken.”

4. “‘Spiegel’ löst politisches Beben in Libanon aus”

(nzz.ch, hoh.)

“Ein Bericht des Magazins ‘Der Spiegel’ hat im Zedernstaat ein politisches Erdbeben verursacht. ‘Der Spiegel’ gibt vor, dass hinter dem Attentat an dem Ex-Regierungschef Hariri nicht die Syrer, sondern der Hizbullah stecken könnte. Kritiker werfen dem Magazin vor, beinahe einen Bürgerkrieg vom Zaun gebrochen zu haben.”

5. “Die CDU profiliert sich als Anti-Internetpartei”

(perlentaucher.de/blog, Thierry Chervel)

“In den USA wird das Netz bei allen Problemen – etwa dem Zeitungssterben – als Reich einer neuen Freiheit begrüßt. Im alten Europa ist es das Reich des Bösen. Es untergräbt nicht nur alles Bestehende. Es ist die Sphäre aller dunklen unbeherrschbaren Kräfte in der Gesellschaft.”

6. “Niemand ist eine Insel”

(zeit.de, Harald Martenstein)

Harald Martenstein ist einer von vielen, die immer wieder als Experte zu allem möglichen angefragt werden. Er gibt zu: “Von den meisten dieser Themen verstehe ich nicht mehr als du oder ich.”

JFK, die Praktikantin und das verflixte 6. Jahr

Wir haben lange kein falsches Alter mehr korrigiert …

Also: Marion “Mimi” Fahnestock, die Bild.de heute als “60-jährige Mitarbeiterin einer Kirche” bezeichnet, ist in Wirklichkeit schon 66 Jahre alt.

Das hätte man auch ganz leicht selbst überschlagen können, denn Bild.de berichtet über sie, weil sie als 19-jährige Praktikantin im Weißen Haus eine Affäre mit John F. Kennedy hatte, die “im Juni 1962” begonnen haben soll. Wenn Fahnestock also tatsächlich erst 60 wäre, wäre sie zum Zeitpunkt der Affäre maximal 14 Jahre alt gewesen, was wirklich mal eine Meldung wäre.

So ist die Meldung nicht ganz so sensationell und wie folgt überschrieben:

John F. Kennedy und seine Affären: Er hatte Sex mit einer 19-jährigen Praktikantin

41 Jahre lang hat Marion “Mimi” Fahnestock ihre Liebesbeziehung im Weißen Haus für sich behalten. Weder ihre Ehemänner, noch ihre Töchter wussten bis jetzt, dass Mimi über ein Jahr die Geliebte des US-Präsidenten John F. Kennedy war!

Das mit den 41 Jahren stimmt, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass Ehemänner und Töchter “bis jetzt” nicht wussten, dass Marion Fahnestock als 19-jährige Praktikantin im Weißen Haus eine Affäre mit John F. Kennedy hatte. Denn das Buch “John F. Kennedy, 1917-1963”
von Robert Dallek, in dem die Affäre erstmals erwähnt wurde, ist bereits im Jahr 2003 erschienen. Zufälligerweise zu einer Zeit, als Fahnestock tatsächlich 60 Jahre alt war.

Insofern ist natürlich das ganze Bild.de-Gerede von “jetzt” und “nun” ziemlicher Quatsch:

Nun bekennt sich die 60-jährige Mitarbeiterin einer Kirche öffentlich zu dem Sex-Geheimnis: “Ja, ich hatte eine sexuelle Beziehung mit dem Präsidenten. Ich bin froh, dass ich meinen erwachsenen Kindern endlich die ganze Wahrheit sagen kann.”

Denn bekannt hatte sich die Frau schon vor sechs Jahren, und damals sagte sie auch, was Bild.de als “nun” zitiert.

Dass Bild.de über den Fall jetzt noch einmal berichtet, lässt sich leicht erklären: Die ehemalige Praktikantin und Geliebte hat vergangene Woche angekündigt, ein Buch über ihre Zeit im Weißen Haus zu schreiben.

Die Mimi-Ur-Enthüllung in “Bild”:

“Auch Kennedy liebte Praktikantin
Der Ur-Clinton …”
15. Mai 2003

“Kirchenfrau gesteht Affäre mit Kennedy”
16. Mai 2003

“Sie kam 17 Monate zu Kennedy ins Bett. Amerika staunt! Immer neue Details über den ersten Praktikanten-Sex im Weißen Haus”
17. Mai 2003

“Die Sex-Akte Kennedy …”
19. Mai 2003

“Mimi vergaß den Slip in Kennedys Bett”
24. Mai 2003

Warum Bild.de sich so sehr zwischen Gegenwart und Vergangenheit verheddert, lässt sich nicht ganz so leicht erklären. Vielleicht war der Redaktions-Praktikant einfach überfordert mit der Aufgabe, die Sache als sensationelle Neuigkeit darzustellen, nachdem er die fünf Artikel im Archiv entdeckt hatte, die “Bild” dem Thema im Mai 2003 gewidmet hat (siehe Kasten rechts).

Mit Dank auch an Robert.

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