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“Bild” gebärmutterhalskrebst rum

Vermutlich würde man zu viel von der “Bild”-Zeitung verlangen, wenn man wollte, dass sie tatsächlich umfassend und ausgewogen über ein Thema wie die Impfung gegen Gebärmutterhals-Krebs informiert. Das ist nämlich kompliziert.*

Jedenfalls sehr viel komplizierter, als “Bild” heute auf der Service-Seite (“BILD beantwortet die wichtigsten Fragen”) den Eindruck erweckt:

"Gebärmutterhals-Krebs: Soll ich meine Tochter jetzt wirklich impfen lassen?"

Nicht, dass “Bild” keine Hinweise geben würde, dass die Beantwortung dieser Frage, möglicherweise nicht so einfach sein könnte. Immerhin heißt es im ersten Absatz des Textes: “Aber die Impfung ist umstritten.” Insgesamt dürften sich die Impfstoff-Hersteller Glaxo Smith Kline und Sanofi Pasteur MSD jedoch über die “Bild”-Seite gefreut haben, entspricht sie im Tenor doch deren Werbekampagnen zum Thema, und die Antwort von “Bild” fällt eindeutig aus:

"Soll ich also meine Tochter wirklich impfen lassen? Ja! Trotz einiger kritischen Stimmen – die Mehrheit der Mediziner empfiehlt die Impfung."

Indes zeigt die “Bild”-Zeitung gleich in der Antwort auf die erste der “wichtigsten Fragen”, wie wenig sie eigentlich verstanden hat:

"Ist die neue Impfung erfolgreich? (...) Eine neue offizielle Statistik beweist die Wirksamkeit: Die Zahl der Todesfälle bei jungen Frauen im Alter von 15 bis unter 20 Jahren ist 2007 (dem ersten Jahr nach Einführung der Impfung) deutlich gesunken.

Wer sich ein bisschen mit Krebs auskennt, hätte eigentlich merken müssen, dass da was nicht stimmen kann. Denn wenn Frauen an Gebärmutterhalskrebs sterben, geschieht das normalerweise nicht schon mit 15 bis 20 Jahren. Laut Robert-Koch-Insitut lag das “mittlere Erkrankungsalter” in den Jahren 2003-2004 bei 51 Jahren (pdf).

Und davon abgesehen beweist die “offizielle Statistik”, auf die “Bild” und das Albring-Zitat sich beziehen, eines ganz sicher nicht: die Wirksamkeit der Impfung.

Anders als “Bild”, behauptet Albring das auch nicht, wie sich aus einer Pressemitteilung verschiedener Ärzte-Verbände von gestern ergibt. In der Statistik geht es um etwas, das mit der Wirksamkeit der Impfung nichts und mit der Impfung selbst nur entfernt und indirekt zu tun hat: die Zahl von Todesfällen junger Frauen “mit unbekannter Todesursache” – ermittelt vom Bundesamt für Statistik. Im Jahr 2007 habe es nur 17 derartige Fälle gegeben, in den Jahren davor seit 1998 dagegen zwischen 20 und 33. Im Zusammenhang lautet das Zitat Albrings deshalb auch so:

“Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) in keinem Zusammenhang mit ungeklärten Todesfällen stehen kann. (…) Das ist eine sehr gute Nachricht für alle unsere Patientinnen und deren Eltern, die durch Meldungen Anfang dieses Jahres verunsichert wurden”, verweist Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) auf einen Bericht des “arznei-telegramms”, der einen Zusammenhang zwischen zwei Todesfällen mit ungeklärter Ursache und einer vorangegangenen HPV-Impfung hergestellt hatte.
(Link von uns)

Im Klartext: Anders als “Bild” behauptet, beweist die “offizielle Statistik” nicht, dass die Impfung “erfolgreich” ist, sondern allenfalls, dass sie wahrscheinlich nicht tödlich ist.

*) Wer sich nicht auf das eindeutige Urteil der “Bild”-Zeitung verlassen, und sich lieber umfassend informieren will über die gesamte Diskussion um die Zweifel an der Aussagekraft von Studien zum Impfstoff, um die aggressive Werbekampagne für die Impfung und den “Hype”, der nach Auffassung einiger Kritiker um die Impfung gemacht werde, und um die mögliche Einflussnahme durch die Pharma-Lobby, dem bleibt nichts anderes übrig, als andere Medien zum Thema zu konsultieren.

Mit Dank an Rainer G. für den sachdienlichen Hinweis.

In eigener Sache

Wer hätt’s gedacht: Sie lesen gerade das bekannteste Blog Deutschlands.

Denn ungefähr jeder dritte vierte Internetnutzer zwischen 18 und 49 Jahren, der Blogs kennt, kennt BILDblog. Das ergab eine repräsentative Studie des Markt- und Trendforschungsinstituts EARSandEYES*. Mit einer Bekanntheit von 28,8 Prozent liegt BILDblog in dieser Gruppe vor Ehrensenf (20,9 Prozent), Blogbar (9,3 Prozent) usw.

*) Online-Befragung von 1.213 Internetnutzern im August/September 2008.

Wochenrückblick Nr. 39

Alte Zeitschriften zu Euros, Merkwürdige Leserbriefe in der Kronen-Zeitung und Wahlen in Bayern und Österreich – medienlese.com blickt zurück auf die 39. Kalenderwoche.

Jörg Haider wählt in Klagenfurt (Keystone)
Wahlsonntag, nicht nur in Bayern: Währen die CSU im Freistaat nach ersten Prognosen unter 43 Prozent rutscht, rückt Österreich nach rechts. Rund 10 Prozent der Stimmten entfielen auf Jörg Haiders Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Zusammen mit der Freiheitlichen Partei (FPÖ) kommen die Rechten vorerst auf knapp 30 Prozent.

Am Kiosk wurde diese Woche die Park Avenue verkauft, im Paket mit einer Ausgabe von Monopol, für nur 4 Euro. Das hörte sich nach einem guten Angebot an, denn normalerweise kostet die Kunstzeitschrift Monopol ja 7.50 Euro. Also kaufte ich das Ding, wunderte mich dann aber beim Durchblättern, warum jetzt schon von Ausstellungen im März und April die Rede ist. Des Rätsels Lösung? Die Ausgabe war vom März, vom März 2008. Andere erhielten gar Altpapier, das ein volles Jahr alt ist. Natürlich ist das eine gute Lösung, um seine offenbar grossen unverkauften Bestände loszuwerden, aber ist es auch eine nachhaltige?

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Dumm klickt gut

Was Klickstrecken angeht, hat Bild.de gerne die Längsten: Im Moment arbeitet man sich dort an “666 Fakten über Sex” ab, aufgeteilt in handliche Portionen von beispielsweise 166 Fakten gestern und 146 heute.

Falls es sie interessiert, bekommt die geneigte Leserin die Frage beantwortet, wie lang der “längste bisher gemessene Penis” war (48,3 cm), der interessierte Leser wird über wichtige linguistische Unterschiede aufgeklärt (“Brust und Busen sind nicht dasselbe. Busen ist lediglich die Vertiefung zwischen den Brüsten.”).

Aber auch Menschen mit ausgefallenen Vorlieben, etwa für Statistiken, kommen nicht zu kurz:

Pro Sekunde sehen 28 258 Internetuser Pornografische Inhalte. Das sind in der Minute 1,7 Millionen, in der Stunde 101,7 Millionen und pro Tag 2,4 Milliarden.

… nach nur drei Tagen wären es 7,2 Milliarden Menschen (und damit mehr, als im Moment auf der Erde leben) und nach etwa anderthalb Monaten hätten mehr Menschen im Internet Pornos geguckt, als insgesamt jemals auf der Erde gelebt haben.

Anders ausgedrückt: Täglich sehen sich 184,6 % aller weltweiten Internetnutzer pornografische Inhalte an.

Mit Dank an Thomas für den Hinweis.

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1. “… und noch ein Schweizer Gratisblatt”
(tagesanzeiger.ch, David Vonplon)
“Ringier will die Lancierung von ’20 Minuten Friday’ kontern. Der Verdrängungskampf im Markt der Umsonstpresse spitzt sich zu.”

2. “Der Journalist hat immer das letzte Wort. Immer.”
(klartext.ch, Nick Lüthi)
Ursula Haller, Präsidentin der neu gegründeten schweizer Partei BDP, über ihr Verhältnis zu Journalisten: “Ich pflege grundsätzlich ein relativ gutes Verhältnis zu den Journalisten. Das hat aber nie etwas mit Anbiedern zu tun. Denn der Journalist und ich wissen: Wir können noch so gut miteinander auskommen, wenn ich aber einen politischen Fehler mache, muss ich damit rechnen, dass der gleiche Journalist, mit dem ich am Vorabend noch gemeinsam einen Teller Spaghetti gegessen habe, am nächsten Tag bitterböse über mich schreiben kann.”

3. “Klinsmann verstärkt die Homepage der Bayern”
(faz.net, Christian Kamp)
“Bis auf wenige Ausnahmen bieten die Klubs der Fußball-Bundesliga auf ihren Internetseiten auch Fernsehbeiträge in eigener Sache an. Journalismus durch die Vereinsbrille oder Zusatzangebot für Fans?”

4. “‘Newsnetz’-Zynismus”
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
Bazonline.ch titelt eine Story zur Todesstatistik an einem schweizer Berg tatsächlich mit “Das Matterhorn – gefährlicher als ein Irakeinsatz“.

5. “Verflixt, diese Splitscreens”
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
Wo befindet sich Peter Klöppel? In Köln oder in Peking?

6. “Herr Federer, ein Mensch”
(arlesheimreloaded.ch, Manfred Messmer)
“Man kommt ja an den Spielen nicht vorbei. Wenn man sich wie ich mit Tagesschau- und Durchzäpphäppchen begnügt, fallen einem so wesentliche Dinge wie der Körperbau dieser Randsportathleten auf.”

Bei Bild.de haben Bierwucherer leichtes Spiel

Das Wetter wird schlechter, Italien und Russland haben in ihren ersten Fußball-EM-Spielen traurig gespielt — und wir pfeifen heute mal aufs Urheberrecht und drucken einen Bild.de-Artikel komplett nach:

[Artikel-Anfang]

Der Warenkorb eingefleischter Fußballfans während einer EM unterscheidet sich markant von dem des Durchschnittsverbrauchers. Bier braucht darin reichlich Platz.

Die Unterschiede lassen staunen: Wer sich in Stockholm, Rom oder Ankara 0,33 Liter Markenbier aus dem Supermarkt holt, bekommt in Bukarest, Amsterdam oder Wien die zwei bis dreifache Menge für das gleiche Geld.

Das internationale Consulting-Unternehmen Mercer hat die Bierpreise im Einzelhandel in den Hauptstädten der EM-Teilnehmerländer unter die Lupe genommen.

Schlachtenbummler aus 13 der 16 EM-Teilnehmerländer werden in Wiener Supermärkten weniger für ihr Bier bezahlen, als sie das in der Hauptstadt ihrer Heimat müssten.

Mittelmaß sind die Supermarktpreise für 0,33 Liter in Paris (1,45 EUR), Berlin (1,20 EUR), Athen (1,56 Euro), Bern (1,58 Euro), Moskau (1,20 Euro) und Warschau (1,31 Euro).

In der Stadt der Kaffeehäuser kommt das Bier (1,08 Euro) nur wenig teurer als in den Bierparadiesen Amsterdam (0,94) und Bukarest – mit 0,88 Euro der unangefochtene Europameister beim günstigen Bierpreis.

Fast schon ungehörig präsentieren sich die Bierpreise in anderen Teilen Europas. Wenn die zahlreichen italienischen Fans (Rom: 2,30 EUR) in Wien ihre gewohnten Budgets für Bier einsetzen, müssen sie auf der Hut sein, dass sie anderntags nicht der Kater vom Ball trennt. Denn für das gleiche Geld erwerben sie hier mehr als die zweifache Menge an Bier.

Am Genießertipp, dass das Pils in Prag gut und billig (2,03 EUR) sei, stimmt immerhin noch der erste Teil. Am teuersten in Europa wird Bier übrigens in Großbritannien gehandelt: Gegen 3 Euro für 0,33 Liter in London nehmen sich sogar die 2,44 Euro in Stockholm als Schnäppchen aus.

Schuld an der großen Preisspanne ist übrigens die unterschiedliche Besteuerung.

[Artikel-Ende]

Erschienen ist dieser schmissige Artikel (Lesen Sie ruhig den “Wer sich in Stockholm…”-Satz noch einmal!) gestern mittag auf Bild.de im Ressort “Wirtschaft”.

Na, logisch!

“Warum dennoch die krassen Preisdifferenzen? – ‘Das liegt zum Geringeren an der Industrie und am Handel,’ nimmt Mercer-Principal Dirk Ewert Vermutungen um regionale Preiskartelle den Schaum vom Glas. ‘Eher schon an den national stark unterschiedlichen Besteuerungen von Bier. Da ist es ohnehin bemerkenswert, dass Bier in Wien etwas weniger kostet als in Berlin – obgleich es hier mehr als doppelt so stark besteuert wird wie im Nachbarland Deutschland.'”
(Quelle: Mercer)

Erschienen ist er aber auch, knapp fünf Tage früher, auf pressetext.at, einem österreichischen Portal für Pressemitteilungen. Nur dort eben nicht als Bild.de-Artikel, sondern quasi wortgleich (mitsamt “Wer sich in Stockholm…”-Satz und allem) als Pressemitteilung des “Consulting-Unternehmens Mercer”. Bild.de hat den Text nur hie und da um Wörter wie “denn” und “immerhin” gekürzt, “Rumänen ist Europameister” drübergeschrieben – und am Ende aus einem ohnehin abwegigen Erklärungsversuch für die Preisunterschiede (siehe Kasten) eine Tatsache gemacht.

Darüber allerdings, was von der Studie überhaupt zu halten ist, hat sich bei Bild.de im Copy&Paste-Taumel offensichtlich niemand Gedanken gemacht: 1,20 Euro für 0,33 Liter Markenbier im einem Berliner Supermarkt?! Selbst im Berliner KaDeWe kostet die Flasche Beck’s zzgl. Pfand nur 67 Cent (Quelle: BILDblog-Recherche). Und fragt man bei Mercer nach, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage die angegebenen Bier-Preise für den hauseigenen “Executive Cost of Living Report” eigentlich errechnet wurden, ist die Antwort nicht nur vorläufig, sondern auch ernüchternd: Vor-Ort-Mitarbeiter gehen in den angegebenen Städten “mit einer Einkaufsliste in einen Supermarkt” und melden anschließend die vorgefundenen Preise an Mercer. Um welchen Supermarkt es sich handelt oder so, will Mercer uns eventuell am Freitag mitteilen.*

Ach, ja: Noch vor zwei Wochen nannte “Bild” selbst als deutschen Durchschnittspreis für eine 0,5l-Flasche Beck’s Bier: 87 Cent.

*) Auch die österreichische Nachrichtenagentur APA veröffentlichte eine leicht umgeschriebene Version der Mercer-Pressemitteilung — und weder ORF.at noch Standard.at noch diepresse.com oder Oe24.at konnten widerstehen, ihr Gehirn auszuschalten und sie weiterzuverbreiten… Offenbar betrug der durchschnittliche Supermarktpreis für 0,5 Liter Bier in Österreich 2007 laut Statistik Austria übrigens 90 Cent.

Mit Dank an Leo für die Anregung.

Nachtrag, 13.6.2008: Bereits gestern hat sich die PR-Agentur comm.in wegen der Mercer-Studie noch einmal bei uns gemeldet – allerdings ohne echte Neuigkeiten: Wie uns eine Sprecherin sagte, handele es sich bei den angegebenen Bierpreisen um “Listenpreise”, die von “Feldforschern vor Ort in regulären Supermärkten ermittelt” würden: “Ich zweifle nicht daran, dass die Preise korrekt eingesammelt wurden.” Die Frage, in welchen Supermärkten die “Feldforscher” in Berlin, Wien usw. ihr Bier zu Fantasie-Wucher-Preisen einkaufen, konnte sie nicht beantworten. Immerhin: Bild.de hat reagiert und den “Artikel” noch einmal überarbeitet: Statt “Rumänen ist Europameister” heißt es nun in der Überschrift korrekt “Rumänien ist Europameister”. Das war’s. Ansonsten wird die absurde Pressemitteilung den Lesern weiterin unverändert als redaktioneller Beitrag verkauft.

6 vor 9

Hoffen auf Ringiers Medialab
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
“Bleibt zu hoffen, dass Ringiers neues mediaLAB nicht ausschliesslich aus Softwareentwicklern bestehen wird, sondern dass Techies gemeinsam mit Journalisten und Redaktoren an neuen Ideen und Projekten arbeiten werden.”

MySpace startet Serie
(FAZ, Philipp Vetter)
Digital, sozial, härter als herkömmliches Fernsehen: Murdochs MySpace startet mit “CandyGirls” eine neue deutsche Fernsehserie (NDF): “Jedes ‘Candy Girl’ hat ein MySpace-Profil, auf dem es Weblogs führt und Video-Tagebücher, als gehe es um eine reale Person und nicht um eine Rolle.” Was für ein Fake!

Null Überraschung bei den “Superstars”
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
“Heute hat RTL ? wie üblich ? die Votingergebnisse der Entscheidungsshows veröffentlicht … Diese Statistiken müssen bis zur letzten Show eines der bestgehütetsten Geheimnisse dieser Erde sein, die der zuständige RTL-Redakteur vermutlich mit seinem Leben verteidigen wird.”

Grand-Prix-Kandidaten in Wort und Bild
(Lukas Heinser und Stefan Niggemeier)
“43 hoffnungsvolle Kandidaten singen in Belgrad über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Eine Handreichung …” Fleißpreis, meine Herren!

Hyperlocal Journalism – Fehlanzeige!
(The Journalism Iconoclast, Patrick Thornton)
“The irony is that the local reporting is where newspapers and journalists could be hitting home runs. Instead, we find decreasing amounts of good, local reporting. Journalists are being asked to do more with less ? AKA produce shallower content.”

Video: Der Wortschwall
(BuzzFeed)
Gestelzte Langeweile vom Papier abnuscheln oder doch lieber wütend brüllend: “Keith Olbermann says ‘Shut the hell up!’ to President Bush in the Special Comments segment.” Wenn die politische Kultur es erlaubt.

Schlimm & schlimmer

Es ist eine erschreckende Zahl und ein hochemotionales Thema, aber der “Bild”-Bericht dazu ist geradezu vorbildlich:

Die Gewalt an Berlins Schulen reißt nicht ab. Körperverletzung, Bedrohung, Mobbing. Die Opfer: Schüler und immer mehr Lehrer.

Allein im vergangenen Schuljahr wurden 1735 Gewaltvorfälle gezählt. Zehn Prozent mehr als 2005/2006 (1573 Fälle). Schlimm! (…)

Dennoch sieht Bildungssenator Jürgen Zöllner (62, SPD) eine Besserung der Situation: “Die Zunahme der Meldungen ist nicht mehr so stark.” Im Schuljahr 2005/2006 wurden 76 Prozent (!) mehr Gewalttaten gemeldet. (…)

Seit 1992 sind Berlins Schulleiter verpflichtet, Gewaltdelikte zu melden — deutschlandweit einmalig. Doch kaum ein Direktor hielt sich daran, aus Angst, seine Schule könnte in ein schlechtes Licht geraten. Das hat sich offenbar geändert.

Schwer zu sagen, ob dieser “Bild”-Artikel vom 28. März 2008 journalistisch so unangreifbar war, dass er im Nachheinein durch die interne “Bild”-Qualitätskontrolle fiel. Jedenfalls vermeldet “Bild” heute, sechs Wochen später, dieselbe Entwicklung einfach noch einmal…

…diesmal allerdings nach den üblichen journalistischen Standards des Blattes.

Von “Bild” gestrichen:

“Die Zahlen spiegelten aber nicht die Gewaltentwicklung an den Schulen wider, sondern das Meldeverhalten der Schulen, betonte Staatssekretär Eckart Schlemm.”

Aus einer aktuellen Meldung der Nachrichtenagentur dpa (wo man offenbar auch nicht gemerkt hat, dass die Zahlen längst bekannt sind [pdf]), die “Bild” als Grundlage diente, hat das Blatt zum Beispiel die Information gestrichen, dass nach Angaben des Senats die Zunahme damit zusammenhängt, dass ein höherer Anteil der Gewaltdelikte gemeldet wird. Überhaupt hat “Bild” die wichtige Unterscheidung entfernt, dass es sich um die Zahl der gemeldeten, nicht der tatsächlichen Fälle handelt.

Von “Bild” gestrichen:

“Die Zahl von 2007 liege aber immer noch deutlich unter den Steigerungsraten von 1998 bis 2004.”

In derselben Meldung verbreitet dpa auch noch einmal einige Zahlen aus der (vor neun Wochen veröffentlichten) Polizeistatistik über die Kinder- und Jugendkriminalität insgesamt. Auch dabei gibt es einen leichten Anstieg. Allerdings liegen die Zahlen immer noch weit unter den Werten früherer Jahre. Diese Information hat “Bild” ebenfalls säuberlich aus der dpa-Meldung entfernt.

Wenn man sich die Entwicklung im Überblick ansieht, versteht man auch die besondere Form selektiver Wahrnehmung bei “Bild”. Hätte “Bild” auch bei der Polizeistatistik einen Fünf-Jahres-Vergleich gemacht wie bei der Gewalt an Schulen (Grafik links oben), hätte das Blatt nämlich einen deutlichen Rückgang von Jugendgewalt feststellen müssen (Grafik links unten).

Aber wie unrealistisch wäre das denn?

6 vor 9

Es ist soweit!
(web2null-derfilm.de, Video, 35:16 Minuten)
Die Version 1.0 des Web-2.0-Films ist veröffentlicht. Produziert haben den Film Heiko Brandsch, Felix Kolb und Anne Arndt von der Hochschule der Medien in Stuttgart (hdm-stuttgart.de).

Die Zeitung von gestern
(moritzleuenberger.blueblog.ch, Moritz Leuenberger)
Der Medienminister der Schweiz fragt sich, warum ein Blick-Journalist offenbar überzeugt sei, “ein Bundesrat lüge gewissermassen von Berufs wegen sowieso”.

Neues Tool zeigt die besten Blogs
(heute-online.ch, Thomas Benkö)
Ab heute hat die Schweizer Blogszene ihr erstes Real-Time-Statistik-Tool (-> Slug.ch Live). Entwickelt hat es der heute-online.ch-Chef und Betreiber des Blogverzeichnisses Slug.ch, Benny Rüegg.

Bye-bye, Baby
(ejo.ch, Kurt W. Zimmermann)
Journalisten und Streikende misstrauen dem technologischen Fortschritt. Doch es wird schwierig mit der Rückkehr zu Dampflokomotiven und Hermes-Schreibmaschinen.

Die vielen Wahrheiten über Tibet
(zoomer.de, Nicole Meßmer)
China versucht, der Weltöffentlichkeit seine Sicht auf die Ereignisse in Tibet zu vermitteln. Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments – die zuvor massive Kritik an Peking geäußert hatten – haben vom chinesischen Botschafter eine CD bekommen, die “objektives Wissen” vermitteln soll. An Objektivität mangelt es tatsächlich auf beiden Seiten – doch das chinesische Video ist kaum dazu geeignet, offene Fragen zu beantworten.

Flocke-Irrsin bei ZDF, n-tv und N24
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Schön, dass Öffentlich-Rechtliche und Nachrichtensender ihren Informationsauftrag noch so ernst nehmen und parallel live dabei sind, wenn Weltbewegendes passiert. Weltbewegendes wie der Umzug von Eisbär-Baby Flocke im Nürnberg Zoo ins Freigehege.

NZZ rezensiert «Blogwerk-Jahrbuch» Fluch des Blogreflexes?

Es hat funktioniert. Im letzten November hatten wir beschlossen, ein «Blogwerk Jahrbuch 2007» mit den besten Blogwerk-Beiträgen des vergangenen Jahres herauszugeben. Auf Papier, denn unsere Überlegung war: So besteht eine grössere Chance, dass auch Journalisten und Werber es lesen.

Vor Weihnachten haben wir es versandt; auf den Verteiler habe ich unbekannterweise auch Stefan Betschon, Ressortleiter «Medien und Informatik» bei der NZZ genommen. Und tatsächlich, schon nach drei Monaten hat er es gelesen und publiziert in der Ausgabe von gestern die Replik. (Das ist wohl der übliche Vorlauf bei der NZZ für alles, was nicht tagesaktuell ist; der Blogger-Artikel von Matthias Daum, für den ich Mitte Januar interviewt wurde und Anfang Februar die Zitate autorisiert habe, ist auch noch nicht erschienen. Ist allerdings nicht für das Medien-Ressort.)

Betschon nennt seine Betrachtungen originellerweise Web 2.0. Vom Leistungsdruck, dass diese Überschrift einen weiten Fokus verspricht, befreit sich der Autor sogleich mit etwas Ironiegeschwurbel, bei dem man nicht genau versteht, worauf er hinaus will, sowie etwas am unpassenden Ort angebrachtem Typografie-Detailwissen. Vielleicht kommt das ja in der gedruckten Zeitung gut. In der wird man im übrigen auch nicht abgelenkt dadurch, dass der Text durchbrochen ist von einem grossen, quadratischen Banner, das wechselweise für eine Fluglinie oder «Schnäppchen bei Neckermann» wirbt. (Ja, Blogwerk hat auch Banner, aber nicht in der Mitte des Lauftexts.)

Nach dem Geblinke geht’s aber endlich los mit dem Inhalt.
Read On…

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