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Please Stärke Lindner, “Guardian” geht – SPD kommt zurück, DW-Streik

1. Please Stärke Christian Lindner!
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Lisa Kräher schreibt bei “Übermedien” über die intensive mediale Unterstützung, die Christian Lindner und dessen FDP in den vergangenen Wochen von der “Bild”-Medien erfahren hätten. “Bild” habe wiederholt Partei für den Finanzminister und FDP-Chef ergriffen, vor allem durch die schlagzeilenträchtige Berichterstattung über die angebliche Ungerechtigkeit seiner Entlassung durch Bundeskanzler Olaf Scholz sowie sein neues Image als Opfer im “Ampel-Drama”. Die redaktionelle Sympathie für Lindner habe auch mit Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und dessen einstiger Anweisung “Please Stärke die FDP” zu tun.

2. Der »Guardian« verlässt X, die SPD kehrt zurück
(spiegel.de)
Die renommierte britische Tageszeitung “Guardian” verlässt den Kurznachrichtendienst X, vormals Twitter. “Der US-Präsidentschaftswahlkampf hat nur noch mehr unterstrichen, was wir schon lange vermutet haben: X ist eine toxische Medienplattform und ihr Eigentümer, Elon Musk, hat ihren Einfluss genutzt, um den politischen Diskurs zu beeinflussen”, schreibe der “Guardian” in einer Erklärung. In der deutschen Politik könne man hingegen eine konträre Entwicklung beobachten. So hätten Wirtschaftsminister Robert Habeck und der SPD-Parteivorstand ihre einst stillgelegten X-Accounts kürzlich reaktiviert.
Dazu auch ein Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Wie weit darf das Reichweitenargument gehen? Aus meiner Sicht gibt man schließlich auch nicht der ‘Bild’-Zeitung Interviews, nur weil sie die größte Leserschaft hat. Reichweite um jeden Preis – das kann nicht die Lösung sein. Und bei X ist der Preis besonders hoch: Mit jeder Nachricht, jedem Beitrag auf X läuft man Gefahr, eine Plattform zu legitimieren, die demokratischen Austausch durch Hass und Hetze ersetzt. Der ‘Guardian’ hat das verstanden. Die deutsche Politik offenbar noch nicht.” (radioeins.de, Lorenz Meyer: Audio: 4:06 Minuten)

3. Drei Fragen: Zur Deutschen Welle
(verdi.de)
Nach einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi kam es am gestrigen Mittwoch bei der Deutschen Welle zu einem ganztägigen Streik. Verdi-Sekretärin Kathlen Eggerling erklärt, worum es dabei geht, wie die Hauptforderungen aussehen, welche Auswirkungen der Streik hatte und wie die Stimmung bei den Streikenden war (“Es gibt Reden, Sprechchöre und gerade wurde auch gesungen.”). Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat sich zu Wort gemeldet: “Das Angebot der Geschäftsleitung ist nicht nur meilenweit vom erlittenen Reallohnverlust entfernt, sondern auch vom Abschluss im Öffentlichen Dienst, der immer Referenzwert für den Tarifabschluss des Auslandssenders war”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Die Bezahlung von Journalistinnen und Journalisten darf sich nicht dauerhaft von der Lohnentwicklung anderer Branchen abkoppeln. Guter Journalismus muss gut bezahlt werden.” (djv.de, Gina Schad)

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4. Doppelgänger: CORRECTIV-Recherchen legen russische Propaganda-Kampagne lahm
(correctiv.org, Max Bernhard & Alexej Hock & Sarah Thust)
Alexej Hock, Sarah Thust und Max Bernhard erläutern in eigener Sache, wie “Correctiv” und die IT-Forensik-Organisation Qurium eine russische Desinformationskampagne namens “Doppelgänger” durch ihre Recherchen weitgehend eindämmen konnten. “Doppelgänger” soll seit Jahren gefälschte Webseiten und Propaganda-Links verbreitet haben, um in westlichen Ländern die Sicht auf die Ukraine zu beeinflussen. Nach Anfragen von “Correctiv” hätten mehrere europäische Dienstleister ihre Unterstützung für die Kampagne eingestellt.

5. Mutmassliche Online-Stalker von Jolanda Spiess-Hegglin streiten vor Gericht alles ab
(tagesanzeiger.ch)
In einem Prozess vor dem Bezirksgericht Pfäffikon würden zwei mutmaßlichen Online-Stalker der ehemaligen Schweizer Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin alle Anschuldigungen der Belästigung und Diffamierung bestreiten. Trotz einer Vielzahl an Beweisen, darunter E-Mails zu pornografischen Fotomontagen und hetzerischen Kommentaren in Sozialen Medien, würden die beiden Männer eine Beteiligung leugnen. Stattdessen würfen sie der Staatsanwaltschaft Fehler vor.

6. Sportjournalismus: Nur dabei statt mittendrin
(fachjournalist.de, Michael Schaffrath & Thorsten Schulz)
“Wie nehmen Trainer*innen die Dopingberichterstattung wahr? Wie schätzen sie die Kompetenz von Sportjournalist*innen ein? Und welche Mitverantwortung schreiben die Coaches den Medienvertreter*innen beim Thema Doping zu?” Um diese und weitere Fragen ging es in einer Studie der TU München. Beim “Fachjournalist” fassen die Studienmacher ihre Ergebnisse zusammen und liefern einen Ausblick.

Proteste gegen Strunz, Medienwende nach Mauerfall, Freiheit der Herzen

1. Euronews-Redaktionen protestieren gegen ihren neuen Chef Claus Strunz
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier fasst die Diskussionen um den neuen Euronews-Chef Claus Strunz, Ex-Mitglied der “Bild”-Chefredaktion, zusammen. Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Gewerkschaften in Lyon und Brüssel würfen Strunz vor, die Prinzipien der Neutralität und Unparteilichkeit zu verletzen, insbesondere durch öffentliche Pro-Trump-Äußerungen und politische Eingriffe in die Berichterstattung. Dies untergrabe das Vertrauen in den Sender. Die Belegschaft fordere eine Untersuchung durch den Verwaltungsrat und plane ein Townhall-Meeting, um Strunz zur Einhaltung der Euronews-Redaktionscharta zu bewegen.

2. Herausforderungen des Kriegsjournalismus (zu Gast Sophie von der Tann)
(innovation-minutes.podigee.io, Sabrina Harper, Audio: 26:31 Minuten)
In der aktuellen Episode der “Innovation Minutes” spricht Moderatorin Sabrina Harper mit der vielfach ausgezeichneten Kriegs- und Krisenreporterin und Korrespondentin Sophie von der Tann: “Sophie gewährt Einblicke in die handwerkliche Arbeit, wie die sorgfältige Kuration von Informationen aus unsicheren Quellen und die Aufrechterhaltung von journalistischer Objektivität. Sie spricht auch offen über die zwischenmenschlichen und persönlichen Herausforderungen, die das Leben und Arbeiten in Krisen- und Kriegsgebieten mit sich bringt.”

3. Die Medienwende nach dem Mauerfall
(verdi.de, Günter Herkel)
Günter Herkel beschreibt die Veränderungen in der ostdeutschen Medienlandschaft nach dem Fall der Mauer. Er skizziert, wie die Volkskammer der DDR in den Jahren 1989 und 1990 Ansätze für eine vom Staat unabhängige Medienlandschaft initiierte, etwa durch die Gründung eines Medienkontrollrates und Maßnahmen gegen westliche Medienkonzerne. Die Einführung marktwirtschaftlicher Prinzipien habe dann zur Schließung vieler DDR-Medien und zu einer hohen Konzentration westdeutscher Verlagsmacht geführt.

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4. Walther Bensemann: Die Freiheit der Herzen
(kicker.de, David Bernreuther)
David Bernreuther schreibt über die letzten Jahre von Walther Bensemann, dem Gründer des “kicker”, der als Wegbereiter des internationalen Fußballs und Verfechter eines friedensstiftenden Sports gilt. Bensemanns Kritik an der nationalistischen Instrumentalisierung des Sports, wie er sie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1934 in Rom erlebte, spiegele seine Überzeugung wider, dass Sport aus der “Freiheit des Herzens” kommen müsse – ein Ideal, das er auch im Exil bis zu seinem Tod verteidigt habe.

5. Resolution des Herbsttreffens der Medienfrauen 2024
(corporate.dw.com)
Die diesjährige Herbsttagung der “Medienfrauen” von Deutscher Welle, Deutschlandradio und Phoenix endete mit einer Resolution für einen diskriminierungsfreien und geschlechtersensiblen Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Die “Medienfrauen” fordern Maßnahmen wie gezielte Schulungen, transparente Richtlinien und die Einbindung interdisziplinärer Teams, um die Qualität von KI-Systemen zu sichern und geschlechtsspezifische Diskriminierung zu verhindern.

6. “Je komplexer Mobilität wird, desto größer ist der Bedarf, sich auch mal intensiver mit einem Thema zu beschäftigen”
(turi2.de, Björn Czieslik)
Im Interview mit “turi2” zieht Chefredakteur Martin Kunz Bilanz über den seit 2020 vollzogenen Wandel seiner “ADAC Motorwelt” vom “Auto-Blatt zum Mobilitäts­magazin”. In dem Gespräch geht es darum, wie sich die Reduzierung auf vier Ausgaben pro Jahr und die Einführung eines Abholmodells in Supermärkten und ADAC-Geschäftsstellen ausgewirkt hat, was die Auslagerung der Produktion an den Burda-Verlag bedeutet, und wie die Abgrenzung zu den Online-Inhalten erfolgt.

FAQ zur Rundfunkreform, “Ruptly” macht weiter, Wenn KI Radio macht

1. Wie die Öffentlich-Rechtlichen aus der Krise kommen sollen
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Ann-Kathrin Leclère hat die wichtigsten Fragen und Antworten zur Rundfunkreform zusammengestellt, beispielsweise: Warum braucht es Reformen? Wer kümmert sich darum? Was wurde beschlossen? Wer hat Angst vor welchen Änderungen? Und was ist mit dem Rundfunkbeitrag?

2. Wie das insolvente Kreml-Medium Ruptly unter neuem Namen in Abu Dhabi weitermacht
(rnd.de, Felix Huesmann)
Wie Felix Huesmann beim “RedaktionsNetzwerk Deutschland” berichtet, setze die russische Staatsmedienagentur “Ruptly” ihre Tätigkeit trotz eines in Deutschland eröffneten Insolvenzverfahrens unter dem neuen Namen “Viory” von Abu Dhabi aus fort. Das Unternehmen operiere aus einer Freihandelszone am Persischen Golf, um EU-Sanktionen zu umgehen, und nutze ein internationales Netzwerk von über 3000 Journalisten und Journalistinnen zur Verbreitung pro-russischer Inhalte.

3. Harris-Interview: Trump verklagt US-Sender
(zdf.de)
Donald Trump habe den US-Sender CBS wegen eines Interviews mit Kamala Harris auf eine Entschädigung in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar verklagt. CBS habe angeblich Harris’ Aussage zum Gaza-Krieg manipuliert. Trump sehe dies als “Wahlbeeinflussungsbetrug”, CBS weise die Vorwürfe zurück.

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4. Wenn KI einen Radiosender übernimmt
(tagesschau.de, Sabina Matthay)
Sabina Matthay berichtet von einem Experiment der Jugendwelle “Off” des öffentlich-rechtlichen Radio Krakau, bei dem Künstliche Intelligenz (KI) als virtuelle Moderatoren eingesetzt worden sei. Der eigentlich auf drei Monate ausgelegte Versuch sei nach nur einer Woche aufgrund massiver Kritik abgebrochen worden. Besonders umstritten sei ein KI-generiertes Interview mit der verstorbenen Literaturnobelpreisträgerin Wisława Szymborska gewesen. Sabina Matthay sieht gleich mehrere Themen berührt: “Es geht um Persönlichkeitsrechte, Urheberrechte, die Kennzeichnung KI-gestützter Inhalte, um ethische und rechtliche Fragen journalistischer Verantwortung.”

5. Fit for News: Die Herausforderung, Nachrichten-Kompetenz zu vermitteln
(de.ejo-online.eu, Stephan Ruß-Mohl)
Eine Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland misstraue Medien, Journalistinnen und Journalisten. Das Projekt “Fit for News” des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung in Leipzig entwickele daher Unterrichts- und Trainingsprogramme, die sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte befähigen sollen, Nachrichten zuverlässig zu beschaffen, zu prüfen und zu nutzen. Stephan Ruß-Mohl stellt das Projekt vor.

6. ChatGPT kann nun auch das Internet durchsuchen
(spiegel.de)
Das Softwareunternehmen OpenAI habe seine ChatGPT-App um eine Internetsuchfunktion erweitert, die zunächst nur Premium-Nutzern zur Verfügung stehe und direkt mit Google und Microsofts Bing konkurriere. Die neue Funktion integriere Technologien aus dem früheren “SearchGPT”, biete verlinkte Quellen, ermögliche Anschlussfragen und erlaube Webseitenbetreibern, selbst zu entscheiden, ob sie in den Suchergebnissen erscheinen möchten.

Eulen-Clickbait, Milliardäre mischen die Karten neu, 71-Stunden-Woche

1. Ich klicke auf Clickbait, damit ihr nicht müsst
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 16:33 Minuten)
In seinem Video berichtet Mats Schönauer über Youtube-Kanäle wie “Die weise Eule”, die irreführende und oft gefälschte Inhalte als Bildungsvideos präsentieren. Er erklärt, wie solche Kanäle gezielt Kinder sowie unkritische Zuschauerinnen und Zuschauer ansprechen und Künstliche Intelligenz einsetzen, um täuschend echte, aber falsche Inhalte zu erstellen: “Ich hab’ mir das ausgeklügelte System der Clickbait-Channel mal genauer angeguckt und zeige in diesem Video, mit welchen perfiden Tricks die Kanäle arbeiten, warum sie das alles machen und was für unschöne Folgen das im echten Leben hat.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. Milliardäre mischen die Karten neu
(t-online.de, Nicole Diekmann)
Nicole Diekmann prangert in ihrer Kolumne das Verhalten von US-Milliardären wie Jeff Bezos und Mark Zuckerberg an, die direkten Zugang zu Medien und Sozialen Netzwerken haben und entsprechende Vorgaben machen können: “Sollte Kamala Harris diese Wahl gewinnen, sollte sie sich daran erinnern, wie duckmäuserisch sich diese Männer zeigten, als sie Sorgen um ihre Imperien hatten. Und diesen Hebel nutzen. Um zu regulieren. Damit zum Beispiel Leute wie Donald Trump samt ihren Unterstützern, samt ihrem auf Fake News, Hetze und Menschenverachtung basierenden Modell endlich eingehegt werden.”

3. X zahlt Nutzern wohl Tausende Dollar für Desinformation und KI-Bilder
(spiegel.de)
Nach Recherchen der BBC können Nutzer auf der Plattform X/Twitter bis zu mehrere Tausend US-Dollar verdienen, indem sie Desinformation und KI-generierte Bilder zu den US-Wahlen teilen. X habe vor Kurzem seine Monetarisierungsregeln angepasst, so dass Nutzer durch die Einrichtung von Premium-Accounts Geld verdienen können, wobei besonders kontroverse, oft politische Beiträge belohnt würden.
Weiterer Lesehinweis: Elon Musk muss wegen Millionentombola vor Gericht erscheinen (spiegel.de).

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4. “Unser Ziel ist es, dass möglichst viele vom Podcasten leben können”
(medientage.de, Petra Schwegler)
Die zwei Spotify-Verantwortlichen Saruul Krause-Jentsch und Yves Brunschwiler sprechen im Interview mit dem Blog der Medientage München über die Zukunftsstrategie für Podcasts auf ihrer Plattform. Sie erklären, wie Spotify Creator dabei unterstützen will, vom Podcasten leben zu können, und welche Rolle innovative Werbeformate dabei spielen. Zudem betonen sie das Potenzial von Video-Podcasts und die neuen Monetarisierungsmöglichkeiten für die Creator-Community.

5. “Es gibt schon genügend Blasen, in denen sich die Menschen bewegen”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei hat sich mit ProSiebenSat.1-Chefredakteur Sven Pietsch über die Nachrichtensendung aus dem neuen Senderstudio unterhalten. Pietsch betont die Bedeutung wertungsfreier Berichterstattung angesichts zunehmender Polarisierung in der Gesellschaft. Außerdem erläutert er die umfangreiche Berichterstattung zur bevorstehenden US-Wahl und die Planung zur Bundestagswahl, bei der ProSiebenSat.1 auch kontroverse Themen ausgewogen präsentieren wolle.

6. Jugendliche sind wieder länger online
(zeit.de)
Laut der “Jugend-Digitalstudie 2024” der Postbank seien Jugendliche wieder länger online und verbringen derzeit durchschnittlich 71,5 Stunden pro Woche im Internet, vor allem über das Smartphone. Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen gebe es vor allem bei der Nutzung des Desktop-PCs, den Jungen deutlich häufiger nutzen.

Anatomie eines Systemversagens, Ohne Empfehlung, ÖRR-Reform

1. Medien und Nahost: Anatomie eines Systemversagens
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann, Audio: 42:02 Minuten)
“Nach einem Jahr Krieg liegen große Teile des Nahen Ostens in Trümmern. Und mit ihnen die Glaubwürdigkeit des deutschen Journalismus.” Mit diesen Worten leitete Fabian Goldmann seinen vielbeachteten Essay Medien und Nahost: Anatomie eines Systemversagens ein. Nun hat Goldmann den Text für seinen Podcast “Schantall und Scharia” eingesprochen.

2. Ab jetzt ohne Empfehlung
(taz.de, Nicholas Potter)
Anders als in vorangegangenen US-Wahlkämpfen geben die “Washington Post” und die “Los Angeles Times” dieses Mal keine Wahlempfehlungen ab. Aus journalistischer Sicht sei das genau richtig, findet Nicholas Potter, schränkt dies jedoch ein: “Die richtige journalistische Praxis ist die eine Sache. Die Rettung der liberalen Demokratie jedoch eine völlig andere, die mit allen möglichen Mitteln unterstützt werden muss. Denn nach deren Abschaffung wird es keine freie Presse mehr geben.”
Weiterer Lesetipp: Offenbar 200.000 Abo-Kündigungen bei US-Zeitung: Die ausbleibende Wahlempfehlung der “Washington Post” hat anscheinend sehr konkrete Auswirkungen auf die Abozahlen. Amazon-Gründer und “Washington-Post”-Eigentümer Jeff Bezos “begründete den umstrittenen Schritt in einem Meinungsbeitrag vor allem mit gesunkenem Vertrauen der amerikanischen Öffentlichkeit in die Medien. Zuvor hatte der Sender NPR berichtet, dass nach der Entscheidung mehr als 200.000 Leser der traditionsreichen Zeitung ihre Abos gekündigt hätten.” (tagesspiegel.de)

3. ÖRR-Reform: Das sind sind die Last-Minute-Änderungen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier berichtet in seinem Artikel über “die Last-Minute-Änderungen” bei der Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland, bei der verschiedene Interessengruppen erfolgreich Lobbyarbeit betrieben hätten. Zu den wichtigsten Änderungen zählten Anpassungen bei der Presseähnlichkeit von Online-Inhalten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die Erlaubnis zur Kooperation mit privaten Anbietern, die Deckelung der Ausgaben für Sportrechte auf 5 Prozent des Gesamtetats sowie die vorgezogene Abschaltung der linearen Spartenkanäle.

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4. Holen wir uns das Internet zurück!
(netzpolitik.org, Paul Robben & Karla Hildebrandt)
In ihrem Gastbeitrag bei netzpolitik.org fordern Paul Robben und Karla Hildebrandt die Enteignung und Demokratisierung der großen Tech-Konzerne. Sie kritisieren, dass bisherige Regulierungen die undemokratische Macht der Konzerne nicht ausreichend eingeschränkt hätten. Stattdessen plädieren sie für eine gemeinschaftlich verwaltete, transparente digitale Infrastruktur, die im Sinne des Gemeinwohls funktioniere.

5. Media Capture: Welche Dynamiken kontrollieren Medien weltweit?
(de.ejo-online.eu, Bissera Zankova & Ivo Indzhov)
Der Artikel von Bissera Zankova und Ivo Indzhov beschreibt, dass und wie weltweit immer mehr Medien ihre Unabhängigkeit verlieren und durch “Media Capture” von Regierungen oder wirtschaftlichen Eliten kontrolliert werden. Diese Dynamiken beeinträchtigten die Meinungsfreiheit und demokratischen Prozesse, indem Medien als Instrumente der Desinformation und Einflussnahme missbraucht würden.

6. Bitte sparsam dosieren
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 41:00 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um Meinungen und Urteile in politischen Talkshows und Social-Media-Diskursen: Wann wäre weniger davon wünschenswert? Und wie ließe sich das erreichen? Es diskutieren die DLF-Hörerin Barbara Mürdter, der Philosoph Tobias Rosefeldt und Dirk-Oliver Heckmann vom Deutschlandfunk.

Demokratieabbau, Sprengender Journalist, Tucker Carlson

1. Senderabbau heißt Demokratieabbau
(tagesspiegel.de, Claudia Seiring)
“In Zeiten von Fake News, Trollen und selbstgemachten ‘Info-Kanälen’ entscheidet die Politik, die Programmvielfalt der Öffentlich-Rechtlichen zu beschneiden. Ein falscher Schritt”, kommentiert Claudia Seiring im “Tagesspiegel” die politischen Reformbestrebungen rund um die Öffentlich-Rechtlichen.
Weitere Lese- und Hörtipps: Bei netzpolitik.org findet Anna Biselli: Wir müssen über Journalismus für alle reden: “Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll weniger Textinhalte produzieren dürfen. So sieht es zumindest der Entwurf für einen Reformstaatsvertrag vor. Dabei wäre es höchste Zeit, das anachronistische Konzept der Presseähnlichkeit zu verbannen und über ganz andere Fragen nachzudenken.” Die Redaktion von “Legal Tribune Online” (“LTO”) fasst noch einmal zusammen, worum es bei der Reform eigentlich geht: Das ändert sich mit der Rund­fun­k­re­form. Ebenfalls bei “LTO” kommentiert Medienrechtler Wolfgang Schulz: “Das ganze atmet ein gutes Stück Reaktion auf populistischen Druck”. Und beim Bayerischen Rundfunk gibt es eine 24-minütige Ausgabe des Podcasts “BR24 Medien” mit dem Titel: Reformen beschlossen – was soll sich bei den Öffentlich-Rechtlichen ändern? (ardaudiothek.de, Linus Lühring, Audio: 24:17 Minuten)

2. Israelischer Journalist hilft bei Gebäudesprengung der Armee im Libanon
(spiegel.de)
Der israelische Journalist Danny Kushmaro habe im Südlibanon aktiv an einer Gebäudesprengung durch das israelische Militär teilgenommen. Kushmaro habe auf Anweisung israelischer Soldaten den Zündmechanismus betätigt und anschließend darüber berichtet. Kollegen aus Israel würfen ihm vor, die Unabhängigkeit des Journalismus zu gefährden und die Grenze zwischen Berichterstattung und militärischer Beteiligung überschritten zu haben.

3. Der Mega-MAGA-Medienmacher
(taz.de, Nicholas Potter)
Nicholas Potter beschreibt, wie der US-amerikanische Fernsehmoderator und politische Kommentator Tucker Carlson trotz seines Rauswurfs bei “Fox News” weiterhin großen Einfluss auf die US-amerikanische Rechte und insbesondere auf Donald Trump ausübe: “Tucker Carlson ist bis heute eine Schlüsselfigur der US-Rechten. Seine Reichweite mag insgesamt geringer geworden sein, doch er hat so viel Einfluss auf die Republikaner wie noch nie. Und im Gegensatz zu Trump und Vance ist er jemand, der sich keine Sorgen um die Größe seines Publikums machen muss.”

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4. Mehr Positivität folgen!
(zeit.de, Eike Kühl)
Eike Kühl findet, dass es sich lohne, von Twitter auf Alternativen wie Bluesky umzusteigen, obwohl diese Netzwerke vergleichsweise wenig Nutzerinnen und Nutzer hätten. Kühl geht auf seine eigenen Erfahrungen ein und beschreibt, wie er sich bewusst eine neue, positivere Community aufgebaut habe. Er betont, dass diese Veränderung eine Chance für eine gesündere und angenehmere Online-Erfahrung biete, auch wenn es Zeit brauche, bis mehr Menschen folgen.

5. Wie Erzählperspektiven auf Social Media Frauen stärken können
(media-lab.de, Eva Prieto Wunderlich)
Eva Prieto Wunderlich schreibt darüber, wie der gezielte Einsatz von Ich-Perspektiven in Sozialen Medien Frauen stärken kann. Diese persönliche Erzählweise schaffe Nähe und Identifikation. Im Gegensatz dazu wirke die dritte Person distanzierter und schwäche den Effekt der Vorbildfunktion und des positiven sozialen Vergleichs.

6. Warum Politiker jetzt Ansteckmikrofone halten
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
“Ansteckmikrofone werden normalerweise am Jackett, am Pullover oder am T-Shirt befestigt – so wird es seit Jahrzehnten im Fernsehen praktiziert. Auf Tiktok und Youtube allerdings halten Influencer die kleinen Geräte neuerdings in der Hand. Ein Trend, der längst auch die Politik erreicht hat.” Matthias Schwarzer ist der Frage nachgegangen, welche Gründe es für das bewusst falsche Benutzen der Ansteckmikros geben könnte.

US-Wahl-Attacken, Israel: Gezielte Tötungen?, Ministerium droht Attac

1. Microsoft warnt vor ausländischer Beeinflussung der US-Wahl
(spiegel.de)
Aus einem Report des Microsoft Threat Analysis Center gehe hervor, dass Russland, China und Iran versuchen würden, die anstehende Wahl in den USA im jeweils eigenen Interesse zu beeinflussen. Demnach konzentriere sich Russland auf die Diskreditierung der Demokratin Kamala Harris, während China mit Bots republikanische Kandidaten angreife, die dem Staat kritisch gegenüberstehen, und Iran zum Boykott pro-israelischer Kandidaten aufrufe.
Weiterer Lesetipp: “In den USA funktionieren Memes besser”: “Kommunikationswissenschaftler Michael Johann forscht zu Memes in der Politik. Ein Gespräch über Wahlkämpfe und KI-generierte Katzenfotos.” (taz.de, Martin Seng)

2. “Israel nimmt Journalisten gezielt ins Visier”
(taz.de, Daniel Bax)
Jodie Ginsberg ist Geschäftsführerin des “Komitees zum Schutz von Journalisten” CJP. Die “taz” hat sie gefragt, ob die israelische Armee im Krieg in Gaza Journalisten systematisch ins Visier nehme. Ginsbergs erschütternde Antwort: “Uns sind mindestens fünf Fälle bekannt, in denen Journalisten gezielt ins Visier genommen wurden, und wir untersuchen mindestens zehn weitere Fälle von gezielter Tötung. Aber die Zahl könnte weitaus höher sein.”

3. Süddeutsche ohne Süddeutschland?
(verdi.de)
Die “Süddeutsche Zeitung” (“SZ”) fahre ihre Lokalberichterstattung in den Landkreisen rund um München weitgehend zurück: “Am Mittwoch teilte die Chefredaktion der SZ zusammen mit der Ressortleitung den rund 60 Beschäftigten in einer außerordentlichen Konferenz mit, dass die Außenbüros in den Landkreisen aufgegeben werden und die Berichterstattung stark zurückgefahren wird.”
Weiterer Lesetipp: Warnstreik bei der Süddeutschen Zeitung (verdi.de, Jutta Czeguhn).

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4. Finanzministerium droht Attac wegen kritischer Satire-Webseite
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Das Bundesfinanzministerium drohe der NGO Attac mit rechtlichen Schritten, weil diese eine satirische Website erstellt habe, die eine offizielle Initiative zweier FDP-geführter Ministerien kritisiere und das Design der Originalseite nachahme. “Getroffene Hunde bellen”, kommentiert Attac-Bildungsreferent Holger Oppenhäuser in einer Pressemitteilung: “Offenbar passt es dem Lindner-Ministerium nicht, dass sein Pseudobildungsprojekt öffentlich kritisiert wird. Aber wir lassen uns nicht einschüchtern. Die Seite gibt inhaltlich die richtige Antwort, und gestalterisch gilt einmal mehr: Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt!”

5. Die Gewinner:innen der Grow-Stipendien 2024/25 stehen fest!
(netzwerkrecherche.org)
Die diesjährigen “Grow-Stipendien” des Netzwerk Recherche und der Schöpflin Stiftung zeichnen drei Medienprojekte aus, die “den gemeinnützigen und gemeinwohlorientierten Journalismus und die Medienvielfalt voranbringen”: Jacob Queißners “Gerda” plant, kritischen Lokaljournalismus in Gera auszubauen, Laura Vorsatz entwickelt ihren Podcast “Feminismus mit Vorsatz” weiter, und das “WAV Recherchekollektiv” aus Zürich stärkt seine investigativen Strukturen. Alle Projekte erhalten finanzielle Unterstützung, Coachings und Workshops, um ihre Arbeit zu professionalisieren und auszubauen.

6. Land­kreis darf keine kos­ten­losen Anzeigen anbieten
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof habe entschieden, dass ein Landkreis keine Stellenanzeigen privater Unternehmen und öffentlich-rechtlicher Institutionen kostenlos auf seinem eigenen Onlineportal veröffentlichen darf, da dies gegen das Gebot der Staatsferne der Presse verstoße. Diese Praxis werde als wettbewerbswidrige geschäftliche Handlung der öffentlichen Hand angesehen, die Medienhäusern potenzielle Einnahmen entziehe.

Textangebote im Netz, Kampf gegen Wortspiele, Bedrohung durch KI

1. Textangebote im Netz sollen eingeschränkt werden
(tagesschau.de, Mandy Mülling)
“Wie viel Text dürfen öffentlich-rechtliche Sender online veröffentlichen? Die Ministerpräsidenten beraten über einen Reformentwurf, der enge Regeln vorsieht. Für tagesschau.de, sportschau.de und andere Angebote wären die Auswirkungen massiv.” tagesschau.de beschreibt sozusagen in eigener Sache die Auswirkungen des Reformentwurfs. Der Text von Mandy Mülling ist mit einer Bilderstrecke angereichert, die das Ganze sehr anschaulich darstellt.
Weiterer Lesetipp: Auch an anderer Stelle weist die “Tagesschau”-Redaktion auf mögliche Reformfolgen hin: “Tagesschau”-Reformpläne lösen Ärger auf Instagram aus (t-online.de).
Und noch ein Lesetipp aus dem öffentlich-rechtlichen Kosmos: Tom Buhrow war auch 2023 bestbezahlter ARD-Intendant (dwdl.de, Timo Niemeier).

2. Wie Instagram, X und Tiktok den US‑Wahlkampf beeinflussen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Matthias Schwarzer beschreibt, wie schwierig es sei, sich in den Sozialen Medien über die anstehende Wahl in den USA zu informieren. Instagram reduziere aktiv die Sichtbarkeit politischer Inhalte, X/Twitter unter Elon Musk fördere politische Inhalte, besonders in Unterstützung für Donald Trump und die Republikaner. TikTok agiere vorsichtiger, wobei es immer noch Probleme mit der Verbreitung von Desinformation gebe.

3. China will Wortspiele noch mehr wegzensieren
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Der chinesische Staat intensiviere seine Zensur und habe eine Kampagne gegen Wortspiele, Memes und zweideutige Begriffe gestartet, die zur Umgehung der bestehenden Zensur genutzt würden. Die Maßnahme ziele darauf ab, “unregelmäßige und unzivilisierte” Sprache im Internet zu unterbinden, da diese als Bedrohung für die ideologischen Werte angesehen werde.

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4. Eine große, ungerechte Bedrohung
(faz.net)
Tausende Künstlerinnen, Künstler und Kreativschaffende hätten ein Statement zum Thema KI unterzeichnet: “Der unlizenzierte Gebrauch kreativer Arbeit für das Training generativer Künstlicher Intelligenz ist eine große, ungerechte Bedrohung für den Lebensunterhalt der Menschen hinter diesen Arbeiten, und sollte verboten werden.”

5. Blauer Panther: Doppelte Freude für “Maxton Hall” und “Pumuckl”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei stellt die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des TV- und Streaming-Awards “Blauer Panther” (vormals Bayerischer Fernsehpreis) vor. Der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten ging an den Kabarettisten Dieter Nuhr, der bei der Preisverleihung persönlich anwesend war – anders als der zweite Preisträger in der Kategorie Unterhaltung neben Heidi Klum, der Satiriker Jan Böhmermann. In der Kategorie Information/Journalismus bekamen Sophie von der Tann und Andreas Pichler jeweils einen Preis verliehen.

6. Drohnenfotos von Kunstwerken verletzen Urheberrechte
(spiegel.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) habe entschieden, dass das Veröffentlichen von Drohnenaufnahmen von urheberrechtlich geschützten Kunstwerken nicht von der Panoramafreiheit gedeckt sei. Ein Buchverlag hatte Luftaufnahmen von Kunstwerken auf Abraumhalden im Ruhrgebiet ohne Zustimmung der Urheber veröffentlicht und damit nach Ansicht des BGH die Rechte der Künstler verletzt.

“FragDenStaat”-Chef veurteilt, Musks Verlegetricks, Dummfluencerin

1. FragDenStaat-Chefredakteur Arne Semsrott verurteilt
(netzpolitik.org, Ben Bergleiter)
“Ein Berliner Gericht verurteilt den Journalisten Arne Semsrott wegen der Veröffentlichung von Gerichtsdokumenten zu einer Geldstrafe auf Bewährung. Doch für Semsrott ist das Urteil nur der Auftakt: Er will einen Paragrafen, der die Pressefreiheit einschränkt, notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht bringen.” Ben Bergleiter fasst noch einmal zusammen, worum es in dem Fall geht und warum dieser so wichtig für die zukünftige Rechtsprechung werden könnte.
Weiterer Lesetipp: Bei “Legal Tribune Online” kommentiert Felix W. Zimmermann den juristischen Aspekt: “Ob sich der dann zuständige BGH-Strafsenat der Auffassung seiner Kolleg:innen aus dem VI. Zivilsenat des BGH anschließt, wird sich zeigen. Der hatte entschieden, dass die Bestimmung in Konflikt mit der Meinungs- und Pressefreiheit steht und sich für eine eingeschränkte ‘konventionskonforme’ Auslegung der Strafnorm ausgesprochen.”

2. “Ein Kulturwandel ist dringend nötig”
(fachjournalist.de, Nadine Zeidler, Audio: 16:44 Minuten)
Im aktuellen “Fachjournalist”-Podcast spricht Nadine Zeidler mit dem Medienwissenschaftler Björn Staschen über den Einfluss der sozialen Herkunft auf den Zugang zum Journalismus. Staschen stellt dabei die Ergebnisse seiner Studie vor, die zeige, dass der Beruf von Menschen aus einkommensstarken, bildungsbürgerlichen Familien dominiert werde. Er gibt zudem Empfehlungen, wie die Diversität in Redaktionen erhöht und der Zugang für Nichtakademikerinnen und Nichtakademiker verbessert werden könne.

3. Elon Musk setzt bei Klagen gegen X auf einen Richter mit Tesla-Aktien
(spiegel.de)
Elon Musks Plattform X/Twitter habe eine trickreiche Änderung ihrer Geschäftsbedingungen durchgeführt: “Rechtliche Streitigkeiten werden künftig in einem Bezirk ausgetragen, in dem das Musk-Unternehmen zwar nicht sitzt – aber ein bestimmter Richter.”

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4. Deutscher ging es nicht: “Derrick” feiert seinen 50. Geburtstag
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm hat einen kritischen Glückwunsch zum 50. Geburtstag von “Derrick” verfasst, einer deutschen Krimiserie, die in mehr als 100 Länder verkauft wurde: “Man sprach laaangsam in ‘Derrick’ und gestelzt. Jemand sagt einen Satz auf. Pause. Jemand antwortet. Pause. Dazwischen Landschaft. Das hatte etwas Kontemplatives, wirkt heute aber schnell nervtötend. Gern zeigte die Kamera Details wie Gebüsch oder Straßenlaternen, aber – in zeittypischem Voyeurismus – auch genüsslich Schülerinnen in der Umkleidekabine.”

5. Journalismus unter KI-Bedingungen
(verdi.de, Günter Herkel)
Günter Herkel fasst die wichtigsten Themen der 11. Medienpolitischen Tagung der Gewerkschaften Verdi und DGB zusammen. Es sei unter anderem um die Frage gegangen, wie Künstliche Intelligenz den Journalismus verändert, mit Chancen für Recherche und Verifizierung, aber auch mit Risiken wie Desinformation und Arbeitsplatzverlust. Außerdem habe man über die mögliche Einschränkung der Meinungsvielfalt durch eine “Fusion light” im öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskutiert.

6. Emma, die virtuelle Dummfluencerin der Tourismuszentrale
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Die Deutsche Zentrale für Tourismus habe sich bei ihrer Medienarbeit für eine virtuelle, KI-generierte Influencerin namens Emma entschieden, was im Netz für Spott und Verwunderung sorge. Thomas Knüwer kommentiert: “Sehr viele wollen zu den coolen Kids gehören und geben sehr viel Geld für sehr sinnlose KI-Anwendungen und, sagen wir, problematische Dienstleister aus. Das ist erstmal ärgerlich, liefert aber schöne Pointen. Doch leider wird es auch dem Standort schaden.”

KW 42/24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Realitätsfabrik Mediensystem
(schweigenistzustimmung.de, Jens Brodersen & Patrick Breitenbach, Audio: 2:06:59 Stunden)
“Man muss in letzter Zeit ansehen, wie Debatten verunglücken, fast überall Desinformation herumgereicht werden und scheinbar nur noch das Rückenmark die Kommunikation beherrscht. Einordnung häufig Fehlanzeige. Ist das Zufall, Zeitgeist, Ziel oder alles zusammen?” Jens Brodersen und Patrick Breitenbach unterhalten sich über die “Realitätsfabrik Mediensystem” und das bietet, wie eigentlich immer bei ihrem Podcast “Schweigen ist Zustimmung”, lohnenswerte Gedanken und Perspektiven.

2. Diese Talkshows sind Gift!
(youtube.com, Maurice Höfgen, Video: 28:38 Minuten)
Maurice Höfgen kritisiert in seinem Video die Art und Weise, wie politische Talkshows, insbesondere die von Maybrit Illner, die öffentliche Debatte prägen. Er bemängelt eine fehlende Struktur und Führung in der Sendung, einen fehlenden Faktencheck und einen fehlenden Kontext. Darüber hinaus kritisiert Höfgen, dass sich die Diskussionen oft auf Nebenschauplätze wie Migration konzentrierten, während dringendere Themen wie Investitionen und Schuldenpolitik ignoriert würden.

3. Wie hart ist es, über einen Vergewaltigungsprozess wie den in Avignon zu berichten?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:26 Minuten)
Holger Klein spricht mit Annika Joeres, die für “Zeit Online” aus Frankreich über einen großen Vergewaltigungsprozess berichtet: “Wie ist das für eine Journalistin, über einen Fall dieses Ausmaßes zu berichten? Schaut sie die Videos an? Gibt es eine Grenze zum Voyeurismus in der medialen Abbildung, die nicht überschritten werden sollte? Und was für eine Debatte hat die breite Berichterstattung über den Fall in Frankreich (und auch in Deutschland) ausgelöst?”
Hinweis: “Übermedien” hat dem Podcast eine Triggerwarnung beigefügt.

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4. Was ist Hassrede?
(deutschlandfunknova.de, Inga Bones, Audio: 55:13 Minuten)
Die Philosophin Inga Bones spricht in ihrem Vortrag bei Deutschlandfunk Nova darüber, wie der Begriff “Hassrede” definiert werden kann und welche Unterschiede es zu Beleidigungen oder Diskriminierungen gibt. Sie betont, dass es wichtig sei, Hassrede präzise zu definieren, da Meinungsfreiheit ein wichtiges Grundrecht sei, das dennoch klare Grenzen haben sollte.

5. KINO.TO – Die verbotene Streamingrevolution
(ardaudiothek.de, Maxie Römhild, Audio: fünf Folgen zwischen 36 und 44 Minuten)
Der fünfteilige Podcast des MDR erzählt die Geschichte des illegalen Streamingdienstes kino.to, der 2008 in Deutschland entstand und eine ganze Generation von Nutzern prägte. Im Mittelpunkt steht der Aufstieg und Fall des Gründers Dirk B., der mit gestohlenen Filmen Millionär wurde, bis die Behörden seine Aktivitäten beendeten. Und es geht um die Frage, ob auch die Nutzer eine Mitschuld an der millionenfachen Verletzung des Urheberrechts tragen.

6. Thomas Gottschalk darf noch sagen, was er will
(spiegel.de, Maximilian Sepp, Video: 18:51 Minuten)
Ende vergangener Woche sorgte ein “Spiegel”-Interview (nur mit Abo lesbar) für großes mediales Aufsehen, das Alexander Kühn und Vicky Bargel mit dem Entertainer Thomas Gottschalk geführt haben. Jetzt gibt es eine Art “Making of” zu dem Gespräch, in dem Bargel verrät, wie die Umstände des Interviews waren und wie sie es einordnet.

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