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Doku über Natascha Kampusch, Der Hassanzeiger, Verantwortungslücke

1. ORF nimmt Kampusch-Doku nach Protesten aus dem Programm
(spiegel.de)
Der österreichische Rundfunk ORF habe eine für den heutigen Montag geplante Fernsehdokumentation über das frühere Entführungsopfer Natascha Kampusch nach massiven Protesten vorerst aus dem Programm genommen. Als Grund für die kurzfristige Absetzung nenne der öffentlich-rechtliche Sender noch ungeklärte Fragen bezüglich der Persönlichkeitsrechte der heute 38-Jährigen. Zuvor hätten unter anderem Medienanwälte, behandelnde Ärzte sowie die Opferhilfeorganisation Weißer Ring scharf gegen die Doku protestiert.

2. Der Hassanzeiger
(taz.de, Jost Maurin)
Der 25-jährige Fabian F. durchforste in seiner Freizeit Soziale Netzwerke nach rechtsextremer Hetze und zeige gezielt strafbare Inhalte wie NS-Symbole oder Mordaufrufe an. Es gehe ihm darum, die demokratische Debattenkultur zu schützen und zu verhindern, dass aus hasserfüllten Worten reale Taten würden. Um nicht als bloßer Denunziant zu gelten, habe er sich bei seinen rund 300 erstatteten Anzeigen bewusst auf schwere Vergehen und notorische Wiederholungstäter konzentriert.

3. Vom Incel-Forum zum TikTok-Trend – Wie Incel-Sprache Mainstream wurde
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Toxische Vokabeln wie “Looksmaxxing” aus frauenfeindlichen Incel-Foren seien mittlerweile zu einem viralen, scheinbar harmlosen TikTok-Trend für Jugendliche avanciert. Hinter diesem Hype um extreme körperliche Selbstoptimierung verberge sich ein zutiefst misogynes Weltbild, das den Wert von Menschen auf einen rein optischen Marktwert reduziere, schreibt Kira Ayyadi. Dieser Lifestyle werde gezielt von rechtsextremen Influencern genutzt, um junge Männer für rassistische und antidemokratische Ideologien zu rekrutieren.

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4. Iran-Krieg aus 3 Perspektiven: Vor Ort, in den USA, für Kinder
(br.de, Linus Lüring, Audio: 28:44 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” diskutiert Moderator Linus Lüring mit drei Medienschaffenden über die massiven Herausforderungen aktueller Kriegs- und Krisenberichterstattung. Katharina Willinger, Leiterin des ARD-Studios in Istanbul, spricht über die schwierige Aufgabe, über einen Krieg zu berichten, ohne in das Land des Geschehens reisen zu können. Christian Fahrenbach, Journalist in New York, ordnet die Kommunikation der Trump-Administration und den medialen Umgang mit den Epstein-Akten ein. Und “logo!”-Redaktionsleiterin Constanze Knöchel erläutert, wie man Kindern ein komplexes Kriegsgeschehen verantwortungsvoll und teils sogar humorvoll vermittelt.

5. Die Verantwortungslücke
(npj.news, Leif Kramp & Stephan Weichert)
In einem aktuellen Debattenbeitrag vertreten Leif Kramp und Stefan Weichert die These, dass sich die Bühne des Journalismus massiv verschoben habe. Texte müssten künftig zwingend maschinenlesbar für KI-Assistenten aufbereitet werden, um in den digitalen Informationsströmen überhaupt noch sichtbar zu bleiben. Weitreichende neue Finanzierungsmodelle seien nötig. Denkbar seien etwa API-Lizenzzahlungen von Tech-Konzernen, direkte Community-Unterstützung oder gar eine Öffnung des Rundfunkbeitrags für jeglichen gemeinwohlorientierten Journalismus.

6. Werbung muss klar erkennbar sein
(verbraucherzentrale-bawue.de)
Das Landgericht Bamberg habe nach einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geurteilt, dass die Werbekennzeichnung auf YouTube deutlich transparenter und dauerhafter erfolgen müsse. Es reiche keinesfalls aus, wenn bei einem minutenlangen Video eines Finanz-Influencers lediglich in den ersten zehn Sekunden ein Werbehinweis eingeblendet werde und der eigentliche Sponsor unklar bleibe. Auch das Onlineportal des “Handelsblatts” stehe wegen unzureichender Transparenz massiv in der Kritik.

Ehrenlose Staaten, ARD muss Bericht korrigieren, Zulässiger “Pinocchio”

1. Ehrenlose Staaten
(taz.de, Christian Rath)
Der Bundesgerichtshof habe in einem Grundsatzurteil entschieden, dass ein Staat keine persönliche Ehre und keine Persönlichkeitsrechte besitze und daher nicht auf Unterlassung gegen Medienberichte klagen könne. Folglich sei Marokko mit seinen Klagen gegen die “Süddeutsche Zeitung” und “Zeit Online” gescheitert. Die Redaktionen hätten dem Land in ihrer Berichterstattung den mutmaßlichen Einsatz der Spionagesoftware Pegasus vorgeworfen.

2. Auch ARD korrigiert Bericht nachträglich und entschuldigt sich
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die ARD habe für einen Fehler im “Bericht aus Berlin” um Entschuldigung gebeten. Durch einen Zusammenschnitt von Aufnahmen des CDU-Parteitags sei fälschlicherweise der Eindruck erweckt worden, Angela Merkel habe nach der Wiederwahl von Friedrich Merz zum CDU-Parteichef im Saal applaudiert. Tatsächlich sei Merkel zum Zeitpunkt der Ergebnis-Bekanntgabe gar nicht mehr vor Ort gewesen. Der Sender habe den Beitrag in der Mediathek umgehend korrigiert und auf den zeitlichen Zuordnungsfehler des an sich authentischen Bildmaterials hingewiesen.

3. Staats­an­walt­schaft sieht “Pinoc­chio” als zuläs­sige Kritik an Merz
(lto.de)
Die Staatsanwaltschaft Heilbronn habe ein Ermittlungsverfahren gegen einen Facebook-Nutzer eingestellt, der Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Online-Kommentar als “Pinocchio” bezeichnet habe. Laut den Behörden handele es sich bei diesem Vergleich nicht um eine strafbare Beleidigung, sondern “um eine von der Meinungsfreiheit gedeckte und damit zulässige Machtkritik”.

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4. ZDF: Neue Regeln für Programmbeschwerden
(verdi.de, Volker Nünning)
Das ZDF habe seine Beschwerdeordnung novelliert, um mit strengeren Regularien auf die stark gestiegene Zahl von Programmbeschwerden und auf gezielte digitale Beschwerdekampagnen zu reagieren. Künftig müssten Eingaben an den Fernsehrat neun klare Kriterien erfüllen, darunter vollständige Kontaktdaten. Außerdem müssten “Beschwerden respektvoll und angemessen formuliert sein, insbesondere dürfen sie ‘keinen beleidigenden, erpresserischen oder nötigenden Charakter’ haben.”

5. So navigieren Verlage durch die kritische Phase
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Laut einer aktuellen Branchenumfrage befinde sich die Verlagslandschaft in einer kritischen Transformationsphase, in der ein kontrollierter Abschied vom schrumpfenden Printgeschäft durch wachsende Digitalerlöse abgefedert werden müsse. Parallel dazu steige der Konsolidierungsdruck. Viele Medienhäuser seien nach wie vor existenziell vom Traffic der großen Tech-Plattformen abhängig. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz werde zwar branchenweit als notwendig betrachtet, erfordere jedoch dringend neue Standards und EU-Regulierungen.

6. Britische Datenschützer verhängen Millionenstrafe gegen Reddit
(spiegel.de)
Die britische Datenschutzbehörde ICO habe eine Strafe von umgerechnet rund 16,5 Millionen Euro gegen Reddit verhängt. Die Plattform habe Minderjährige nicht ausreichend geschützt, da sie ihrer gesetzlichen Pflicht zur besonderen Absicherung von Kindern nicht nachgekommen sei. Laut ICO reiche eine einfache Selbstauskunft der Nutzerinnen und Nutzer nicht aus. Reddit habe Widerspruch gegen die Entscheidung angekündigt.

Altbekannte Meckerei, Showdown um Warner, Streit über Zettel-Verkäufer

1. Altbekannte Meckerei
(taz.de, Michael Bartsch)
In seinem Kommentar wirft Michael Bartsch der neuen “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” vor, lediglich eine Mischung aus Ostalgie, Sowjetromantik und AfD-Nähe zu bedienen, anstatt den Leserinnen und Lesern wirklich neue Perspektiven zu bieten. Das Blatt von Verleger Holger Friedrich kultiviere in Bartschs Augen eine reaktionäre Opferhaltung und ein ständiges Beleidigtsein der Bürgerinnen und Bürger, ohne zur demokratischen Mitwirkung aufzurufen. Zudem sei es für ihn geradezu ironisch, dass in der Zeitung überwiegend Autorinnen und Autoren westdeutscher Herkunft schreiben würden.

2. Türkischen Botschafter einbestellen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die Inhaftierung des Deutsche-Welle-Korrespondenten Alican Uludağ in der Türkei: “Das ist pure Schikane gegen einen kritischen und unabhängigen Journalisten, der seinen Beruf ernst nimmt und sich nicht mundtot machen lässt”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Und es ist ein Frontalangriff auf den deutschen Auslandssender Deutsche Welle, der die Menschen journalistisch und nicht propagandistisch informiert.”

3. Showdown um Warner: Bringt Paramount den Netflix-Deal zu Fall?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
In der Nacht zum heutigen Dienstag sei die Verhandlungsfrist für ein verbessertes Übernahmeangebot von Paramount für Warner Bros. Discovery ausgelaufen. Bislang favorisiere der Warner-Vorstand den bereits im Dezember beschlossenen Milliarden-Deal mit Netflix. Sollte der von der Familie Ellison gestützte Paramount-Konzern sein Gebot nun erhöhen, habe Netflix vier Tage Zeit, um finanziell gleichzuziehen. Ein direkter Vergleich der beiden Angebote sei jedoch kompliziert, schreibt Uwe Mantel bei “DWDL”.

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4. Streit über Schabowski-Zettel geht in nächste Runde
(spiegel.de)
Der Rechtsstreit um Günter Schabowskis historischen Sprechzettel zum Mauerfall gehe in die nächste Instanz. Ein “Bild”-Journalist poche auf seinen presserechtlichen Auskunftsanspruch. Der Reporter fordere vom Bonner Haus der Geschichte für eine Recherche die Offenlegung der Namen jener Personen, die dem Museum das Dokument für 25.000 Euro verkauft hätten. Zwei Vorinstanzen hätten der Klage des Journalisten bereits stattgegeben. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung sei jedoch die Revision zugelassen worden.

5. 18 Monate im Europäischen Observatorium für (Desinformations)narrative
(de.ejo-online.eu, Martin Lestra)
In einem Rückblick auf die vergangenen anderthalb Jahre berichtet Projektleiter Martin Lestra, dass das europäische Pilotprojekt “PROMPT” in den zurückliegenden 18 Monaten erfolgreich zielgerichtete KI-Werkzeuge zur Erkennung und Bekämpfung von Desinformation entwickelt habe. Dabei habe sich gezeigt, dass Künstliche Intelligenz zwar große Datenmengen schnell verarbeite, menschliche Analysen für die Interpretation von Kontexten jedoch unersetzlich seien. Das Projekt habe zudem eine gemeinsame Terminologie für Desinformationstaktiken geschaffen und frei zugängliche Verifizierungs-Tools bereitgestellt.

6. Weimer will Tiktok nach US-Vorbild in europäische Hände legen
(n-tv.de)
Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer habe sich dafür ausgesprochen, bei TikTok und dessen Mutterkonzern Bytedance ähnlich wie die USA vorzugehen: “Bei Tiktok bin ich der Meinung, wir müssen dort auch die Eigentumsfrage stellen, wie die Amerikaner. Europa sollte eine Antwort darauf finden: Wem gehört Tiktok, ob wir das nicht in europäische Hände legen sollten, im Einvernehmen mit Bytedance.”

Wie umgehen mit Social Media?, Kuschelblatt, Satz für die Ewigkeit

1. Tolerieren, regulieren oder verbieten: Wie umgehen mit Social Media?
(wdr.de, Susan Link, Video: 57:13 Minuten)
Im “Presseclub” geht es um die Frage, ob nach australischem Vorbild ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren eingeführt werden soll, um junge Menschen vor Suchtgefahren zu schützen: “Wie gefährlich sind die sozialen Netzwerke für unsere Demokratie und welche Möglichkeiten gibt es, sich aus der Abhängigkeit der großen Tech-Konzerne in den USA und China zu lösen?” Es diskutieren Jakob Hanke Vela (Büroleiter des “Handelsblatt” in Brüssel), Laura Hertreiter (Feuilletonchefin der “Zeit”), Gavin Karlmeier (freier Journalist und Digitalexperte) sowie Katharina Nocun (freie Journalistin, Autorin und Podcasterin).
Weitere Lesetipps: Social-Media-Sucht: Wie Schwarz-Rot die Verantwortung auf Nutzer schiebt (volksverpetzer.de, Patrick Gensing). Bei netzpolitik.org hat Sebastian Meineck die allgemeine Stimmungslage zusammengefasst: So breit ist die Kritik am Social-Media-Verbot: “Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) findet ein Social-Media-Verbot bis 16 Jahre sympathisch. Viele Organisationen aus Kinderschutz, Wissenschaft und Pädagogik lehnen das Verbot allerdings ab – und warnen vor Schäden für Kinder und Jugendliche. Die Übersicht.” (netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
 Die Union ist sich bei dem Thema anscheinend nicht einig. Die CSU widerspreche ihrer großen Schwester: CSU stellt sich gegen Altersgrenze für Social Media (spiegel.de).

2. ZDF zieht New-York-Korrespondentin Nicola Abrecht ab
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das ZDF berufe seine New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht ab, da sie in einem Bericht für das “heute journal” ungekennzeichnete KI-Bilder und thematisch falsches Videomaterial verwendet habe. Chefredakteurin Bettina Schausten spreche von einem schweren Verstoß gegen interne Richtlinien. Dies habe die journalistische Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders massiv beschädigt.
Weiterer Lesetipp: Unterstützung habe Albrecht vom langjährigen “heute-journal”-Moderator Claus Kleber erhalten: “Es gilt, den Rücken breit zu machen und dafür zu sorgen, dass professionelle Journalisten furchtlos ihrer Arbeit weitermachen können. Wie Nicola Albrecht.” (dwdl.de, Uwe Mantel)

3. Kuschelblatt für klasse Leute
(taz.de, Anne Fromm & David Muschenich)
Der Verleger Holger Friedrich habe mit der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” (“OAZ”) eine neue Wochenzeitung auf den Markt gebracht, die gezielt ostdeutsche Identitätsgefühle und Befindlichkeiten bedienen wolle. Anne Fromm und David Muschenich haben sich die erste Ausgabe der “OAZ” angeschaut. Diese fokussiere sich auf das Narrativ einer angeblich bedrohten Meinungsfreiheit und falle durch unkritische Beiträge auf, darunter ein schmeichelhaftes Porträt des AfD-Chefs Tino Chrupalla sowie russlandfreundliche Forderungen.
Weiterer Lesetipp: Für t-online.de hat Medienexperte Volker Lilienthal die “Ostdeutsche Allgemeine Zeitung” rezensiert. Ihm ist neben vielem Großen auch eine in ihrer Widersprüchlichkeit bezeichnende Kleinigkeit aufgefallen: “Reden müssen wir noch über eine ganz merkwürdige Losung in kleiner Schrift auf Seite eins ganz unten: ‘Unabhängig. Mutig. Gewaltfrei.’ Was soll das? Wie könnte eine Zeitung je gewalttätig sein? Was wären ihre Instrumente? Oder sind die anderen gewalttätig, die ‘OAZ’ aber nicht? Im Impressum findet sich ganz unten noch ein Hinweis: ‘Unsere Waffe ist das Wort. Es kann, wenn nötig, geschliffen sein.’ Also doch nicht so ganz gewaltfrei?” (t-online.de, Volker Lilienthal)

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4. Von Trumps Gnaden
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Der US-Sender CBS beuge sich zunehmend dem politischen Druck der Trump-Administration. So habe man in vorauseilendem Gehorsam ein Interview des Satirikers Stephen Colbert zensiert. Zudem sei die Unabhängigkeit der Nachrichtenredaktion massiv eingeschränkt. Der neue, Trump-freundliche CBS-Eigentümer David Ellison baue den Sender ideologisch um und lasse kritische Berichte unterdrücken. Tomas Rudl hat die Entwicklung für netzpolitik.org zusammengefasst.

5. Nostalgie in Hof: Radiogeschichte zum 80. Jubiläum von RIAS Berlin
(radiowoche.de, Stephan Wunder)
Der 80. Geburtstag des Rundfunksenders RIAS sei vom offiziellen Nachfolgesender in Berlin weitgehend ignoriert worden, doch in der oberfränkischen Stadt Hof hätten sich über 120 ehemalige Hörerinnen und Hörer, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter zusammengefunden. Die Stadt Hof pflege eine besonders enge emotionale Verbindung zu dem Sender. Dieser habe über viele Jahre als “mediales Schaufenster” mit zahlreichen Live-Übertragungen fungiert.

6. Ein rätselhafter Todesfall – und ein erster Satz für die Ewigkeit
(spiegel.de, Hauke Goos)
Hauke Goos analysiert humorvoll eine kuriose Lokalnachricht aus dem Jahr 1979 über einen rätselhaften Todesfall. Dabei nimmt er die unbeholfenen, aber charmanten Phrasen des damaligen Reporters detailliert unter die Lupe, wie etwa den angesichts der Leiche “nicht schlecht staunenden” Briefträger. Am Ende feiert Goos diese eigenwillige Wortwahl als unfreiwillig komische Prosa-Miniatur und würdigt den kuriosen Einleitungssatz als Meisterwerk für die Ewigkeit.

Im freien Fall, Raus aus der Manege, Vorteile des Bibliotheksausweises

1. Im freien Fall
(taz.de, Nicholas Potter)
Amazon-Gründer Jeff Bezos habe die “Washington Post” einst als Retter übernommen und ihr eine “goldene Ära” versprochen. Doch nun stecke die traditionsreiche Zeitung in einer tiefen Krise, die sich durch den massenhaften Verlust von Abonnentinnen und Abonnenten, den Abgang namhafter Journalistinnen und Journalisten sowie die Entlassung von hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeige. Kritiker würfen Bezos vor, strategisch versagt zu haben und die journalistischen Werte der “Washington Post” politischen Interessen zu opfern. Das Management unter ihm beharre jedoch weiterhin auf seinem rigiden Sparkurs.

2. Raus aus der Manege – Warum öffentliches Reden mit Rechten ein Problem ist
(54books.de, Simon Sahner)
Simon Sahner argumentiert, dass die Strategie des öffentlichen Redens mit Rechten gescheitert sei, da die AfD trotz ständiger medialer Aufmerksamkeit heute stärker dastehe als je zuvor. Er kritisiert, dass Talkshows und Influencer rechtsextremen Akteuren oft nur aus Quotengründen eine Bühne böten. Dadurch würden deren radikale Ansichten fälschlicherweise als normale, diskutierbare Meinungen legitimiert. Statt inszenierter “Schaukämpfe” vor der Kamera fordert Sahner, sich wieder den konkreten Alltagsproblemen der Menschen zu widmen.

3. Epstein Files: Medien, Schwefelsäure und die Wahrheit
(youtube.com, Raja Khadour & Fritz Lüders, Video: 8:44 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” hat sich mit dem Recherche-Hype um die veröffentlichten Epstein-Akten beschäftigt. Dieser sei durch den freien Zugang für Privatpersonen ausgelöst worden und habe eine Flut an ungeprüften, teils vermeintlichen, teils tatsächlichen Enthüllungen und KI-Fälschungen in den Sozialen Netzwerken ausgelöst. Klassische Medienhäuser stünden vor dem Dilemma, dass sie mit der Geschwindigkeit der Online-Gerüchteküche nicht mithalten können, ohne ihre journalistische Sorgfaltspflicht zu verletzen.

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4. Australien: “Viele Jugendliche machen sich über die Altersgrenze lustig”
(deutsches-schulportal.de, Alexander Brand)
Der australische Lehrer Chris Bush berichtet, dass das Social-Media-Verbot in seinem Land für Personen unter 16 Jahren das Nutzungsverhalten bisher kaum verändert habe. Die Jugendlichen würden die Sperren oft durch falsche Altersangaben oder das Nutzen von VPNs mühelos umgehen. Dennoch hält er das Gesetz langfristig für richtig und vergleicht es mit dem Rauchverbot, dessen positive Effekte auf die psychische Gesundheit erst bei der nachfolgenden Generation sichtbar werden dürften. Unmittelbar wirksamer seien derzeit die konsequenten Handyverbote an Schulen, die bereits jetzt dazu führen würden, dass Schülerinnen und Schüler in den Pausen wieder miteinander spielen und direkt miteinander kommunizieren.

5. Medienanstalten sehen Staatsferne bei KI-Kontrolle gewahrt
(faz.net)
Nachdem die “FAZ” das neue KI-Durchführungsgesetz wegen mangelnder Staatsferne kritisiert habe, widersprächen nun das Digitalministerium sowie die Landesmedienanstalten dieser Darstellung. Sie würden auf die gesetzliche Regelung verweisen, laut der die Kontrolle von Medienanbietern weiterhin explizit in der Zuständigkeit der Länderbehörden verbleibe, womit die journalistische Unabhängigkeit gewahrt sei.

6. Das bekommen Sie alles kostenlos, wenn Sie einen Bibliotheksausweis haben
(spiegel.de)
Viele Bibliotheken hätten ihr Angebot längst über das Ausleihen von Büchern hinaus erweitert und böten nun auch “Makerspaces” mit 3D-Druckern oder eine “Bibliothek der Dinge” für den Verleih von Alltagsgegenständen wie Bohrmaschinen. In Städten wie Frankfurt und München stünden Nutzerinnen und Nutzern zudem Musikinstrumente zum Ausleihen oder Tonstudios für eigene Aufnahmen zur Verfügung. Ergänzend dazu ermögliche der Bibliotheksausweis oft den digitalen Zugriff auf Streamingdienste, Sprachlernprogramme sowie umfangreiche Pressearchive.

US-Neonazi-Content, Kamera als Waffe, Zensurvorwürfe gegen TikTok

1. Die Kamera als Waffe
(taz.de, Valérie Catil)
Valérie Catil argumentiert, dass erst die Videoaufnahmen eines Augenzeugen die Tötung von Alex Pretti durch ICE-Beamte als kaltblütige Hinrichtung und die offizielle Notwehr-Darstellung der US-Regierung als Lüge entlarvt hätten. Die Handykamera fungiere in diesem Kontext als eine Form der Bewaffnung. Sie sei die einzige Möglichkeit, staatlicher Propaganda und der Verzerrung der Realität durch US-Präsident Donald Trump und dessen Behörden wirksam entgegenzutreten. Das Dokumentieren staatlicher Gewalt sei unverzichtbar.

2. US-Regierungsaccounts posten Neonazi-Content
(volksverpetzer.de, Annika Brockschmidt)
Wie Annika Brockschmidt beim “Volksverpetzer” ausführt, würden sich US-Regierungsaccounts unter der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump seit 2025 gezielt der Ästhetik und Codes rechtsextremer Online-Subkulturen bedienen. Diese Strategie ziele darauf ab, die eigene rechtsextreme Basis zu mobilisieren und politische Gegner einzuschüchtern. Etablierte Medien übersähen die oft subtilen Hinweise auf White-Supremacy-Literatur oder faschistische Computerspiel-Mods häufig. Die Normalisierung solcher Inhalte zeige, dass eine neue Generation radikalisierter Republikaner in den Institutionen Fuß gefasst habe.

3. Ökonomin Veronika Grimm wird Herausgeberin bei „The Pioneer“
(deutschlandfunk.de)
Die Ökonomin und Wirtschaftsweise Veronika Grimm werde Herausgeberin des von Gabor Steingart gegründeten Portals “The Pioneer”: “Ich hoffe, mit meinem wirtschaftspolitischen und geoökonomischen Blick neue Impulse einbringen zu können und bin sicher, dass die Zusammenarbeit auch meinen Blick auf die gesellschaftliche Debatte erweitern wird.” Die Personalie wird von “Spiegel”-Kolumnist Christian Stoecker auf Threads kritisch kommentiert: “Veronika Grimm sollte Ihren Posten im Rat der ‘Wirtschaftsweisen’ mit sofortiger Wirkung niederlegen. Schon ihre Rolle im Aufsichtsrat von Siemens Energy ist ein Interessenskonflikt, aber Herausgeberin eines Pressemediums und Beraterin der Bundesregierung, das geht wirklich nicht.”

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4. Martenstein, Mario Barth und die Armee der Amazon-Rezensenten
(kulturundkontroverse859.substack.com, Johannes Franzen)
Johannes Franzen kritisiert Kolumnisten wie Harald Martenstein, die sich als mutige Außenseiter inszenieren, in Wahrheit aber nur ein populäres Ressentiment ihres wohlhabenden Publikums bedienen, indem sie sich über geschlechtergerechte Sprache lustig machen. Es gebe eine Allianz zwischen bildungsbürgerlichem Elitismus und aggressivem Populismus, bei der sich selbsternannte Verteidiger der Freiheit paradoxerweise für staatliche Verbote des Genderns einsetzen würden. Eine regelrechte “Armee” von Internetnutzern nutze gezielt Rezensionsplattformen wie Amazon, um Bücher mit geschlechtergerechter Sprache durch schlechte Bewertungen abzustrafen.

5. Wie Eventisierung den Literaturbetrieb stresst
(tagesschau.de, Julia Hercka)
Während kleine Veranstalter oft kaum das empfohlene Mindesthonorar für Lesungen zahlen könnten, würden wenige Literatur-Stars mit Einnahmen von bis zu 50.000 Euro pro Auftritt massiv von der sogenannten “Eventisierung” des Betriebs profitieren. Kritiker würden befürchten, dass durch die hohen Honorarforderungen der Top-Verdiener die Möglichkeit zur Querfinanzierung kleinerer Veranstaltungen wegfalle und somit die kulturelle Vielfalt bedroht sei.

6. Kalifornien untersucht Zensurvorwürfe gegen TikTok USA
(spiegel.de)
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom habe eine offizielle Untersuchung gegen die neuen US-Betreiber von TikTok eingeleitet, nachdem Berichte über blockierte Nachrichten zum Namen “Epstein” und unterdrückte Kritik an der Trump-Regierung lautgeworden seien. Zudem sorge eine Passage in den Nutzungsbedingungen für Unruhe. Demnach sammele die Plattform Daten, die Rückschlüsse auf den Einwanderungsstatus der Nutzerinnen und Nutzer zulassen.

Richter als Hasskommentierer?, Presserat-Rüge, Social-Media-Verbot

1. Anonym verurteilt
(taz.de, Laurenz Schreiner)
Die “taz” berichtet, dass Indizien darauf hindeuten würden, dass ein hochrangiger Richter hinter einem Account stecken könnte, der seit Jahren Frauen und queere Menschen im Internet mit Hasskommentaren überziehe. Laurenz Schreiner ist der Sache in einer lesenswerten Recherche nachgegangen. Er habe dazu auch die betreffende Person angefragt, die davon nichts wissen wolle. Eine Folge habe es dennoch gegeben: “Nach Eingang der taz-Anfrage an Neuhäuser wurden zahlreiche der beanstandeten Kommentare des Accounts gelöscht. Der Anwalt weist darauf hin, dass daraus keine Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers gezogen werden dürften.”

2. Presserat-Rüge: Irreführende Berichterstattung der WELT über NGOs
(lobbycontrol.de, Christina Deckwirth & Nina Katzemich)
Der Deutsche Presserat habe die “Welt” wegen einer irreführenden Artikelserie über Nichtregierungsorganisationen öffentlich gerügt. Die Redaktion habe fälschlicherweise behauptet, dass Umweltverbände durch geheime Verträge von der EU-Kommission für Lobbyarbeit bezahlt würden. LobbyControl begrüßt diese Entscheidung des Presserats als wichtiges Signal gegen gezielte Diffamierungskampagnen und für die Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflichten.

3. Putins tote Soldaten: Reporter enthüllen die Bilanz des Krieges
(ndr.de, Roman Schell, Video: 15:38 Minuten)
“Zapp”-Reporter Roman Schell geht der Frage nach, wie hoch die russischen Verluste im Krieg gegen die Ukraine tatsächlich sind, und wie Medienschaffende für Transparenz sorgen. Da der Kreml die offiziellen Zahlen geheim halte, würden Journalistinnen und Journalisten versuchen, die Daten selbst zu rekonstruieren. Sie würden dafür öffentlich zugängliche Quellen wie lokale Todesanzeigen, Nachrufe und Beiträge in Sozialen Medien nutzen. Diese Arbeit sei für sie sehr gefährlich, da sie dadurch in Russland als “Auslandsagenten” gälten und meist aus dem Exil operieren müssten.

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4. Social-Media-Verbot ist nicht die beste Lösung
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine Umfrage unter 875 Eltern und Kindern habe ergeben, dass eine Mehrheit Soziale Medien lieber einschränken als komplett verbieten wolle. Zwar fänden viele Eltern ein gesetzliches Verbot für Personen unter 16-Jahren prinzipiell gut, allerdings lehne der Nachwuchs dies mehrheitlich ab. Die beliebteste Lösung sei für beide Gruppen daher nicht ein Komplettverbot, sondern eine technische Einschränkung von Funktionen. Einig seien sich fast alle Befragten, dass der Staat hier nicht allein entscheiden solle, sondern die Eltern weiterhin die Hauptverantwortung tragen müssten.
Weiterer Lesetipp: Fast fünf Millionen Konten von australischen Jugendlichen im ersten Monat gesperrt: “Seit Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greifen TikTok, Instagram und andere Techkonzerne hart durch: Innerhalb eines Monats wurden 4,7 Millionen Jugendkonten gesperrt – weit mehr als zuvor erwartet.” (spiegel.de)

5. Algo­rithmen regu­lieren statt Mei­nungen bestrafen
(lto.de, Carl Christian Müller)
Rechtsanwalt Carl Christian Müller argumentiert in seinem Gastbeitrag für “Legal Tribune Online”, dass die Debatte um Daniel Günthers missverstandenes “Ja” in der Talksendung von Markus Lanz den Blick auf die eigentlich relevanten rechtlichen Instrumente verstelle. Zivilrechtliche Schritte gegen bewusste Falschbehauptungen sogenannter alternativer Medien seien keineswegs Zensur, sondern rechtsstaatliche Normalität und für demokratische Institutionen sogar geboten. Die massenhafte strafrechtliche Verfolgung einzelner Social-Media-Posts sieht Müller hingegen kritisch. Diese wirke oft unverhältnismäßig und verstärke ungewollt Opfernarrative.

6. Mutter von Elon Musks Kind verklagt seine Firma wegen gefälschter Nacktbilder
(spiegel.de)
Die Autorin Ashley St. Clair, Mutter eines Kindes von Elon Musk, verklage dessen Unternehmen xAI, weil das KI-Tool “Grok” ohne Zustimmung sexuelle Deepfakes von ihr erstellt und auf der Plattform X veröffentlicht habe, teilweise auf Basis von Kinderfotos. Nachdem St. Clair diesen Missbrauch öffentlich kritisiert hatte, soll X als Vergeltungsmaßnahme ihren Premium-Status entzogen und ihr Konto demonetarisiert haben.

Vertrauter als Treuhänder, Ausblick aufs Medienjahr, Keine Abschreckung

1. Wolfram Weimer setzt engen Vertrauten als Treuhänder ein
(handelsblatt.com, Martin Greive & Thomas Sigmund)
Wie das “Handelsblatt” berichtet, habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer seine Anteile an der Weimer Media Group ausgerechnet an einen leitenden Angestellten des eigenen Unternehmens treuhänderisch übertragen. Kritiker wie Lobbycontrol würden diesen Schritt als bloße Augenwischerei werten, da der Treuhänder weisungsgebunden und wirtschaftlich abhängig sei. Weimers Interessenkonflikt zwischen Amt und Geschäft werde damit keineswegs gelöst. Als Reaktion auf die anhaltende Debatte um angeblich käuflichen Regierungszugang hätten mittlerweile sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als auch mehrere Bundesminister ihre Teilnahme am kommenden “Ludwig-Erhard-Gipfel” abgesagt.

2. Keine Abschreckung gegen Donald Trump
(taz.de, Christian Rath)
Christian Rath befasst sich mit dem neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung gegen sogenannte SLAPP-Klagen. Zwar solle das geplante Gesetz, das eine EU-Richtlinie für grenzüberschreitende Fälle umsetze, Gerichte ermächtigen, missbräuchliche Klagen, schneller zu identifizieren und zu sanktionieren, die tatsächliche abschreckende Wirkung bleibe jedoch zweifelhaft. Sinnvoller als die eher symbolischen gesetzlichen Hürden seien prozessuale Beschleunigungen. Den besten Schutz für betroffene Medien biete aber weiterhin die offensive Mobilisierung der eigenen Öffentlichkeit gegen den Angreifer.

3. X will Chatbot Grok an Erstellen von KI-Nacktbildern hindern
(spiegel.de)
Nach heftiger internationaler Kritik habe Elon Musks Firma xAI neue technologische Hürden für den Chatbot Grok eingezogen, um die Erstellung sexualisierter KI-Bilder zu unterbinden. Der US-Bundesstaat Kalifornien habe bereits Ermittlungen wegen der Verbreitung nicht einvernehmlicher expliziter Inhalte eingeleitet. Die EU-Kommission habe angekündigt, die Wirksamkeit der Maßnahmen genau zu prüfen und notfalls das volle Arsenal des Digital Services Act einzusetzen.

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4. Reuters Institute: Ausblick auf das Medienjahr 2026
(medientage.de, Petra Schwegler)
Wie eine aktuelle Studie des Reuters Institute zeige, würden viele Medienmanagerinnen und -manager zwar skeptisch auf die Zukunft des Journalismus blicken, aber mehrheitlich zuversichtlich auf ihre eigenen Unternehmen. Um in Zeiten sinkender Suchmaschinen-Reichweiten und mächtiger KI-Plattformen bestehen zu können, würden Verlage verstärkt auf Automatisierung, Videoformate und die Zusammenarbeit mit Influencern setzen. Zudem würden viele Häuser auf Einnahmen durch Lizenzdeals mit KI-Firmen hoffen.

5. Misstrauen abbauen und selbst machen
(verdi.de, Claudia Krieg)
Unter Anleitung der Journalistin Janett Vogelsberg erarbeiten im sächsischen Zwenkau derzeit sieben Bürgerinnen und Bürger eigene journalistische Beiträge, um im Rahmen des Projekts “Bürger machen Journalismus” das journalistische Handwerk praktisch zu erlernen. Projektleiterin Judith Kretzschmar von der Universität Leipzig habe trotz des gelungenen Auftakts eingeräumt, dass die Gewinnung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern generell schwierig sei. Hintergrund des Vorhabens sei eine Studie über das wachsende Misstrauen gegenüber Medien.

6. Ein anderes Internet ist möglich
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Anlässlich des 25. Geburtstags der Wikipedia würdigt Markus Reuter die Online-Enzyklopädie als unverzichtbaren Gegenentwurf zum kommerziellen Internet. Gerade weil das Projekt auf faktenbasiertem Gemeinwohl fuße, sei es autoritären Akteuren wie Elon Musk heute ein Dorn im Auge. Neben der politischen Relevanz hebt Reuter den spielerischen Wert des “Wikipedia-Tauchens” hervor, bei dem man sich stundenlang in den endlosen Verknüpfungen des Wissens verlieren könne.

US-Medien im ersten Jahr Trump, Stellenabbau bei RTL, Maduro-Foto

1. Macht und Geld: US-Medien im ersten Jahr Trump 2.0
(medien.epd.de, Konrad Ege)
In den USA gehe Präsident Donald Trump aggressiv mit Klagen gegen kritische Berichterstattung vor, woraufhin Konzerne wie Disney und Paramount bereits millionenschwere Vergleiche eingegangen seien. Gleichzeitig hätten sich Eigentümer wie Jeff Bezos oder der neue Paramount-Besitzer David Ellison dem Kurs Trumps angenähert und redaktionelle Inhalte im Sinne der Regierung beeinflusst. Zudem habe sich die Corporation for Public Broadcasting nach der Streichung staatlicher Gelder durch die Trump-Administration Anfang 2026 auflösen müssen.

2. RTL streicht 230 Stellen im Nachrichten-Bereich
(tagesspiegel.de)
Im Zuge des bereits angekündigten Konzernumbaus streiche RTL Deutschland nun 230 Arbeitsplätze im Bereich “RTL News”. Insgesamt sollen 600 Stellen wegfallen. Man wolle “journalistische Kräfte durch eine stärkere Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz effektiver” nutzen. Diese Umstrukturierung habe das Aus für bekannte Formate wie “Gala” (RTL) und “Prominent” (Vox) zur Folge. Die bisherigen Morgensendungen würden ab dem Frühjahr in einem gemeinsamen Programm von RTL und ntv aufgehen. Das Management begründe die einschneidenden Maßnahmen mit dem anhaltend schwachen Werbemarkt. Man wolle sich stärker auf das Streaming-Geschäft fokussieren.

3. Wie russische Propaganda die Methoden des “Dritten Reichs” übernimmt
(de.ejo-online.eu, Swetlana Mikhailowa)
In ihrer Analyse zeigt Swetlana Mikhailowa detailliert auf, wie die heutige russische Kriegspropaganda gezielt Narrative und Methoden des “Dritten Reichs” übernehme, indem Wladimir Putin seinen Angriff auf die Ukraine als “aufgezwungenen Verteidigungskrieg” zum Schutz der eigenen Bevölkerung deklariere. Dabei bediene sich der Kreml systematischer Euphemismen, indem er etwa Krieg als “Spezialoperation” oder Explosionen als bloße “Geräusche” verharmlose und zugleich imperialistische Mythen eines grenzenlosen “ewigen Reiches” beschwöre. Die hohe Zustimmung der russischen Bevölkerung zeige die Wirksamkeit dieser Strategien.

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4. Gefälschtes Maduro-Foto: Wie es dazu kam – und was die Lehren sind
(morgenpost.de)
Die Funke Mediengruppe, konkret die “Berliner Morgenpost”, räumt ein, dass sie irrtümlich ein KI-generiertes Foto veröffentlicht habe, welches die angebliche Festnahme des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro durch US-Truppen zeige. Das Bild sei von einer renommierten Agentur mit einem Begleittext geliefert worden, der die Echtheit der Szene suggeriert habe. Erst auf Nachfrage Dritter habe die Agentur bestätigt, dass die Aufnahme künstlich erzeugt worden sei. Man habe das Bild umgehend gelöscht und wolle künftig die internen Sicherheitsvorkehrungen gegen Manipulationen verstärken.

5. So funktioniert Bewegtbild für junge Zielgruppen
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Die Filmproduzentin Corinna Mehner erkläre, dass die Generationen Z und Alpha keineswegs unter einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne leiden, sondern aufgrund ihrer digitalen Sozialisation vielmehr eine komplexe, temporeiche und sprunghafte Erzählweise benötigen würden. Entscheidend für den Erfolg seien dabei eine Kommunikation auf absoluter Augenhöhe sowie eine spezifische Ästhetik. Junge Zielgruppen würden pädagogische Belehrungen ablehnen und sich stattdessen in den Protagonisten und Themen ihrer Lebenswelt wiederfinden wollen.

6. Rowohlt geht Väterrechtlern auf den Leim
(taz.de, Matthias Meisner)
Der Rowohlt-Verlag sei wegen eines geplanten Buchs über “Eltern-Kind-Entfremdung” in die Kritik geraten. Laut Experten bediene es wissenschaftlich widerlegte Narrative der sogenannten Väterrechtsbewegung. Besonders die Beteiligung des umstrittenen Lobbyisten Stefan Rücker, der das Nachwort verfasst habe, sei auf Unverständnis gestoßen. Der Verlag habe den Erscheinungstermin nun verschoben und wolle den Inhalt des Buchs prüfen.

7. Trump, Venezuela und die Medien
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:22 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator eine verharmlosende und teils bewundernde Wortwahl deutscher Medien, die den völkerrechtswidrigen US-Angriff auf Venezuela mit Begriffen wie “Husarenstück” oder “kühne Machtdemonstration” beschreiben: “Wir erleben in Europa gerade eine Debatte darüber, wie wir mit einem Amerika umgehen, das sich nicht mehr an Regeln gebunden fühlt. Diese Debatte können wir nur führen, wenn wir die Dinge beim Namen nennen.”

Nicht zum Jubeln, Gespräche aufnehmen, Prägende Internetstars

1. Nicht zum Jubeln
(taz.de, André Zuschlag)
Das Hamburger Landgericht habe die Klagen gegen “Correctiv” zwar abgewiesen, dennoch sei die Argumentation der Kläger nicht völlig von der Hand zu weisen. Ein Großteil der Öffentlichkeit habe den Text tatsächlich als Tatsachenbericht über konkrete Ausweisungspläne missverstanden. Dies bringt André Zuschlag in seinem Kommentar zu folgendem Fazit: “Juristisch war die Berichterstattung weitgehend sauber, journalistisch hingegen – ein bisschen weniger.”
Weiterer Lesetipp: Felix W. Zimmermann, Chefredakteur bei “Legal Tribune Online”, sieht in der Entscheidung des Landgerichts “kein gutes Urteil für die Debattenkultur” und kommentiert: Die Begründung des Gerichts “ist nichts anderes als eine vorsätzliche Realitätsverweigerung.” (lto.de)

2. Gespräche aufnehmen: Was ist erlaubt?
(verdi.de, Jasper Prigge)
Rechtsanwalt Jasper Prigge erläutert, dass das “Recht am eigenen Wort” grundsätzlich davor schütze, dass nichtöffentlich getätigte Äußerungen ohne Erlaubnis aufgezeichnet werden. Strafbar sei das Mitschneiden laut Gesetz nur dann nicht, wenn eine “faktische Öffentlichkeit” gegeben sei, in der auch unbeteiligte Dritte das Gespräch mithören könnten. Da auch die Verbreitung rechtswidriger Aufnahmen verboten sei, werde Journalistinnen und Journalisten im Zweifelsfall empfohlen, auf wörtliche Zitate zu verzichten und Inhalte stattdessen zu paraphrasieren.

3. Weimer stellt Kompromiss “in wenigen Wochen” in Aussicht
(dwdl.de, Alexander Krei)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe nach den jüngsten Verzögerungen eine baldige Einigung im Streit um die Investitionsverpflichtung für die Filmbranche in Aussicht gestellt. Der diskutierte Kompromiss sehe vor, zunächst mit freiwilligen Selbstverpflichtungen zu starten und erst bei einer negativen Evaluation zur Mitte der laufenden Legislaturperiode ein Gesetz einzuführen. Obwohl die SPD ursprünglich auf eine gesetzlichen Regelung bestanden habe, habe sich Weimer zuversichtlich gezeigt, mit diesem stufenweisen Vorgehen in wenigen Wochen eine Lösung zu finden.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 252
(netzwerkrecherche.org, Greta Linde & Daniel Drepper)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Daniel Drepper über dessen Erfahrungen in den USA und die aktuellen Herausforderungen im Journalismus. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Kommerzielle Komedy
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist holt für die neue Ausgabe seines Newsletters “Noten zur Comedy” noch einmal einen historischen Abmahnfall aus dem Archiv: Im Jahr 2011 habe Comedian Mario Barth einen T-Shirt-Hersteller abgemahnt, weil dieser den Spruch “Nichts reimt sich auf Uschi” verwendet habe. Dabei habe Barth den Slogan, der eigentlich von Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer stamme und den er selbst als Allgemeingut bezeichne, zuvor markenrechtlich schützen lassen. Dies zeige laut Hiergeist eine irritierende Doppelmoral und einen fehlenden Sinn für Selbstironie.

6. Zehn Internetstars, die das Jahr prägten
(spiegel.de, Markus Böhm & Pascal Mühle)
Markus Böhm und Pascal Mühle porträtieren zehn Internetpersönlichkeiten, die das Jahr 2025 mit ihren viralen Erfolgen und unterschiedlichen Inhalten maßgeblich geprägt hätten. Die Bandbreite der vorgestellten Personen reicht dabei vom weltweit bekannten US-Streamer IShowSpeed über den 88-jährigen Newcomer Opa Werner bis hin zur 15-jährigen Rapperin Zahide, die über TikTok in die Charts gelangt sei. Neben klassischem Entertainment wie Gaming oder Comedy hätten sich auch Nischenthemen wie Döner-Tests, Medienkritik und Lyrik erfolgreich im Netz etabliert.

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