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Ungeprüft übernommen (1)

Okay, eigentlich ist es wohl ein Fehler der Nachrichtenagentur AFP. Deren deutschsprachiger Dienst berichtete nämlich am Dienstag über die (notwendige) “Entrümplung” britischer Gesetze. Einen aktuellen Anlass für die Meldung gab es nicht. Britische Medien hatten vor knapp einem Jahr über das 40-jährige Bestehen der für die “Entrümplung” zuständigen Law Commission berichtet und vor knapp zwei Monaten über eine sachdienliche Ausstellung der Law Society.

Dennoch übernahmen verschiedene deutschsprachige Medien die AFP-Meldung. Und darin heißt es u.a. (und mit Verweis auf das 2004 erschienene Buch “The Strange Laws of Old England” von Nigel Cawthorne) über den so genannten “Town Police Clauses Act”:

“Er verbietet es, Wäsche auf der Straße auszubreiten, Teppiche auszuschlagen, anzügliche Lieder zu singen, ohne Grund die Feuerwehr zu rufen, im Garten zu zündeln, Drachen steigen zu lassen, auf dem Eis zu laufen, ständig an der Türe anderer Leute zu klingeln oder öffentliche Lampen auszumachen.”

Und das ist so nicht ganz richtig. Denn der Act (von dem AFP zudem behauptet, er sei “von 1872”, obwohl er eigentlich aus dem Jahr 1847 stammt) verbietet nirgends, “ohne Grund die Feuerwehr zu rufen”, sondern Schusswaffen abzufeuern (wie vor drei Wochen auch noch die französische AFP korrekt zu berichten wusste).

Heute aber, mit drei Tagen Verspätung, findet sich das alles auch im Angebot von Bild.de wieder — in redaktionell bearbeiteter Form, also unter Verzicht auf jegliche Quellenangabe (und den Cawthorne-Verweis). Stattdessen behauptet Bild.de in der Rubrik “Zum Ablachen” über “Gesetze, die die Welt nicht braucht”:

Verrückte Gesetze der Briten -- Es ist ebenfalls untersagt, ohne Grund die Feuerwehr zu rufen. („Town Police Clauses Act“ von 1872)

Aber wer weiß: Womöglich liegen Bild.de-Redakteure auch bei der Lektüre von §145 StGB unterm Tisch und kriegen sich nicht ein vor Lachen.

Mit Dank an Beate T. und Nikolai S. für die Hinweise.

Nachtrag, 11.3.2006: Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass heute, einen Tag nach der verzögerten, fehlerhaften Berichterstattung bei Bild.de, auch Spiegel Online die fehlerhafte AFP-Meldung ungeprüft übernommen* hat.

*) Nur zur Info: Der Presserat ist der Ansicht, dass eine Zeitung darauf vertrauen können müsse, “dass das, was eine Nachrichtenagentur verbreitet, auch inhaltlich richtig ist. Die pressegemäße Sorgfalt verlangt demnach keine eigene Überprüfung des Wahrheitsgehaltes mehr.”

Kurz korrigiert (65)

Die “Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika” gehört zu den Grundsätzen von Springer und “Bild”. Die Solidarität nimmt man offenbar so ernst, dass man auch mal ein bisschen schummelt, wenn es um die Frage geht, welches das stolzeste Volk ist. So schreibt “Bild” heute auf ihrer Seite 1 über die Ergebnisse einer Studie namens “National Pride in Comparative Perspective”:

Auf Platz 1 stehen übrigens die USA.

Und das ist so, wie “Bild” es aufschreibt, übrigens schlicht falsch. Bei Spiegel Online steht beispielsweise:

Den Sieg in der Disziplin “allgemeiner Nationalstolz” trugen übrigens nicht die USA davon, wie mancher vielleicht vermutet hätte. Die Vereinigten Staaten landeten hier mit 17,7 von 25 möglichen Punkten nur auf Platz zwei, hinter Venezuela mit 18,4 Zählern. Allerdings können sich die US-Amerikaner damit trösten, dass sie beim Stolz auf spezielle Leistungen die Welt anführen

Für den “Stolz auf spezielle Leistungen” gab’s zwar bloß 4 Punkte, aber vielleicht tröstet das “Bild” ja trotzdem irgendwie.

Mit Dank an Tim O. für den ausführlichen Hinweis.

Von gut informierter Seite informiert

Ob Brad Pitt und Angelina Jolie zur Verleihung der “Goldenen Kamera” kommen würden, sorgte im Vorfeld für viele Spekulationen. Spiegel Online beispielsweise behauptete sogar,”von gut informierter Seite” erfahren zu haben, dass die beiden Schauspieler “als Laudatoren” aufträten. Tatsächlich war es eine schlecht informierte Seite – Pitt und Jolie kamen nicht.

Unglaublich! Brad Pitt verzichtet auf Millionenspende für WaisenkinderUnd die “Bild am Sonntag” erklärt sogar wieso. “Nach BamS-Informationen” (siehe Ausriss) verhält es sich nämlich folgendermaßen :

Der Schauspieler Brad Pitt, der sich vergangene Woche mit seiner Freundin Angelina Jolie privat in Berlin aufhielt, sei für die Verleihung der “Goldenen Kamera” am Donnerstag “in der Auswahl der Kandidaten für die Kategorie ‘Schauspieler international'” gewesen, hätte also einen Preis verliehen bekommen können – und sollen. Aber:

“Pitt hatte für sein Erscheinen eine Million Dollar gefordert. Das Geld sollte in die Stiftung seiner Freundin Angelina fließen (Jolie-Stiftung), die sich unter anderem um Waisenkinder kümmert.

Vor diesem Hintergrund gelang es den Verantwortlichen des Medienpreises, die geforderte Summe mit Hilfe eines englischen Sponsors aufzutreiben.

Doch Brad Pitt lehnte überraschend ab – ihm soll plötzlich der Sponsor nicht gepaßt haben.”

Dazu vielleicht dreierlei:

1.) Die “Goldene Kamera” ist ein Medienpreis der TV-Illustrierten “Hörzu”, die wie “Bild” und “BamS” vom Axel-Springer-Konzern herausgegeben werden. Die Verleihung fand in der Berliner Springer-Dependance statt. Einziger Kronzeuge der “BamS”-Geschichte über Pitt ist ein gewisser Thomas Garms, Chefredakteur der “Hörzu”.

2.) Eine Kategorie “Schauspieler international” gab es in diesem Jahr nicht. Und es gab sie auch in den vergangenen zwei Jahren nicht – ebensowenig wie einen Hinweis darauf, dass in diesem Jahr Brad Pitt und/oder andere internationale Schauspieler nominiert gewesen wären.

3.) Richtig verwunderlich wird der “BamS”-Bericht am Ende. Dort heißt es:

“BamS fragte Cindy Guagenti, die persönliche Sprecherin des Schauspielers. Die antwortete ausweichend: ‘Brad Pitt war im Rahmen einer persönlichen Geschäftsreise vor und nach der Verleihung in Berlin. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.'”

Die “BamS” verrät nicht, was sie Guagenti gefragt hat, um diese angeblich ausweichende und knappe Antwort zu bekommen.

Wenn wir bei Cindy Guagenti nachfragen, was es mit der “BamS”-Berichterstattung auf sich habe, dauert es hingegen nicht lange, bis wir eine weitaus ausführlichere Antwort bekommen – und eine überraschende dazu. Unter anderem teilt uns nämlich Guagenti zu dem “BamS”-Bericht mit:

“Der Artikel ist komplett unwahr.”

Pitt, der Preise wie die “Goldene Kamera” grundsätzlich ablehne, habe “niemals irgendeine Gegenleistung für den Preis verlangt“. Vielmehr seien ihm, so Guagenti weiter, von den Veranstaltern eine “Goldene Kamera” und darüber hinaus tatsächlich auch “eine Million Dollar für einen wohltätigen Zweck seiner Wahl” angeboten worden. Allerdings habe sich herausgestellt, dass “die Spende nicht das war, was sie zunächst schien”. (Laut Pitts Sprecherin hatten die Veranstalter bezüglich ihrer Gegenleistungsforderungen “die ursprüngliche Abmachung geändert”.) Und daraufhin habe Pitt dann dankend abgelehnt.

Natürlich fragen wir morgen auch noch mal bei den Veranstaltern der Preisverleihung und bei der “BamS” nach, bitten um Stellungnahme zu Vorwürfen und Ungereimtheiten und hoffen auf keine ausweichende Antwort. Und vielleicht erfahren wir ja auch was “von gut informierter Seite”, wer weiß.

Mehr dazu hier.

Was “Bild” die “Sprache der Wahrheit” nennt

“Mit über 12 Millionen Lesern täglich ist uns auch die Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft ein ernstes Anliegen.”
(“Bild”-Chef Kai Diekmann zu Johannes Paul II. und in “Bild”)

“Wir sind Papst!” schrieb “Bild” vor gar nicht allzulanger Zeit. Und zuvor war “Bild” selbst beim Papst, hatte eine Volks-Bibel verkauft usw.

Gestern lautete die “Bild”-Schlagzeile anders: “Wird sie geköpft?” nämlich (was ja schon den Herausgeber der Wochenzeitung “Die Zeit”, Michael Naumann, zu drastischen Worten greifen ließ).

Heute nun hat sich auch die Katholische Kirche, genauer gesagt, der Diözesanrat der Erzdiözese München und Freising als höchstes Laiengremium der Erzdiözese mit deutlichen Worten gegen den “Wird sie geköpft?”-Titel (anlässlich der Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak) gewandt. Das Gremium wirft den Verantwortlichen der “Bild”-Zeitung vor, “unter bewusster Missachtung der Menschenwürde die Auflage steigern” zu wollen, “mit sprachlicher Brutalität Schicksal gespielt” und die Pressefreiheit “missbraucht” zu haben.

PS: Bei Spiegel Online heißt es zudem, es seien inzwischen sechs Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen. Dort wird auch auf die Nachrichtenagentur ddp verwiesen, wonach die Mutter der Geisel “geschockt” sei über den “Wahnsinn” einiger Medien, das Schicksal ihrer Tochter so auszuschlachten.

PPS: Bei “Bild” sieht man die Sache natürlich offenbar anders. Laut dpa sagte ein “Bild”-Sprecher, es gehe der Zeitung “allein darum, mit der Sprache der Wahrheit diesen abscheulichen und widerlichen Akt des Terrors, nämlich einen angekündigten Mord, deutlich beim Namen zu nennen, auch wenn dies schrecklich sei”.

Mit Dank an Roland B. und andere für die Hinweise.

Entzaubert

So steht es heute über Christiane Hoffmanns “Ich weiß es!”-Kolumne in “Bild”. Denn Christiane Hoffmann weiß schließlich Bescheid und schreibt:

“Der Magier David Copperfield (…) gibt jetzt Erstaunliches in einem Interview mit dem Magazin ‘Galore’ von sich: (…) ‘Im Rahmen meiner kommenden Shows werde ich live auf der Bühne ein Mädchen schwängern.'”

Und Hoffmann ist das ungläubige Staunen über Copperfields Ankündigung förmlich anzumerken: “Uff! Bitte?” schreibt sie – und auch wir sind sprachlos: nicht nur, weil das zitierte Magazin nicht “jetzt”, sondern bereits vor zweieinhalb Wochen erschien, und nicht nur, weil von “kommenden Shows” inzwischen keine Rede mehr sein kann, nachdem die Show bereits am 10. Oktober in Mannheim und am 12. Oktober in Erfurt stattfand, sondern auch, weil zwischen den 8500 Zuschauern bei Copperfields Tourneeauftakt ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa herumstand, der anschließend ausführlich ausplauderte, wie Copperfields neue Show so war. Da hieß es nämlich unter anderem:

“Etwas befremdend mutet die Show an, als Copperfield eine Seniorin auf die Bühne bittet, damit sie ‘sein Baby’ bekommt. Nach einer platonischen Befruchtungsprozedur wird der ‘per Ultraschall’ gewonnene Film eines Babys im Mutterleib gezeigt. Es hält genau jene Spielkarte in der Hand, die eine Zuschauerin zuvor verdeckt auf ein Papier gemalt hat.”

Mehr noch als Hoffmanns Unwissenheit aber wundert uns, dass ihre “Ich weiß es!”-Abschrift aus dem (am 5. Juni im Berliner Hilton-Hotel geführten) “Galore”-Interview obendrein mit der Ortsangabe “Las Vegas” versehen ist. Aber bestimmt hat der Postbote einfach nur anderthalb Wochen gebraucht, um Hoffmann die in Dortmund gemachte Zeitschrift in der rund 8792 Kilometer entfernten amerikanischen Wüstenstadt vorbeibringen…

Mit Dank an Annette B. und Joachim W. für die Hinweise.

Nachtrag, 19.10.2005:
Spiegel Online hatte am 17. Oktober Auszüge aus dem “Galore”-Interview veröffentlicht. Hoffmanns Postboten trifft also keine Schuld.

So einfach wird man Erster

Auch im Kölner “Express” vom Sonntag hätten sie schon stehen können: die Gewinner des Deutschen Fernsehpreises 2005. Ebenso in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”, vermutlich in der “Welt am Sonntag” und natürlich seit vielen, vielen Stunden bei “Spiegel Online” oder irgendwelchen Internet-Fachdiensten. Tun sie aber nicht. Sie stehen — soweit wir gesehen haben — nur (und teils falsch geschrieben) in der “Bild am Sonntag”.

Das ist nicht so, weil die andereren zu blöd sind oder die “Bild am Sonntag” bessere Quellen hat oder einfach schneller ist. Das ist so, weil “Bild” sich erneut nicht an Regeln hält. Die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises fand nämlich schon am Samstagabend statt, es galt für Journalisten aber eine Sperrfrist bis heute abend. Vorher sollte niemand die Ergebnisse melden, um den Zuschauern der Show am Sonntagabend in Sat.1 nicht die Spannung zu nehmen.

Natürlich muss sich niemand an solche Vereinbarungen und Regeln halten. Es ist nur guter Stil.

Springer übernimmt ProSiebenSat.1

Axel Springer (“Bild”, “Die Welt”, “Hörzu” …) übernimmt ProSiebenSat.1 (Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1, N24, Neun Live …). Bis zum Herbst will Springer 100 Prozent der Fernsehfamilie besitzen und mittelfristig beide Unternehmen miteinander verschmelzen. Was das für die “Bild”-Zeitung und ihre “unabhängige” Berichterstattung bedeutet, kann man erahnen. Und natürlich demnächst hier nachlesen.

Mehr in der “Financial Times” und bei “Spiegel Online”, erste Reaktionen bei tagesschau.de.

Nachtrag, 12.47 Uhr: Auf einer Pressekonferenz sagte ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch zu Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, er werde in Zukunft nicht nur “Bild” und “Welt” lesen, sondern auch die Fernsehprogramme sehen müssen. Und wörtlich: “Ich kann dir versichern, die Frauen sehen auf unseren Sendern genau so gut aus wie in der ‘Bild’-Zeitung.”

Nachtrag, 18.45 Uhr: Die “Süddeutsche Zeitung” kommentiert die Fusion so:

Harmlos, unpolitisch ist [Springer] freilich nicht — und will es auch nicht sein. Man hat gern Einfluss, man hat auch gern Medienmacht, um Dinge zu bewegen. (…) Hier wächst zusammen, was nicht zusammengehört, wenn die Meinungsvielfalt erhalten bleiben soll.

“Bild” entdeckt den idealen Urlaubsort

Astronomen der Nasa haben in knapp 150 Lichtjahren Entfernung erstaunlicherweise einen Planeten in einem System aus drei Sonnen entdeckt, aber eines der größten Rätsel des Universums ist immer noch ungelöst: Warum es der größten deutschen Tageszeitung nicht gelingen will, Artikel über astronomische Themen zu veröffentlichen, die auch nur grob annähernd den Tatsachen entsprechen.

Es wäre eigentlich nicht so schwer. Denn eigentlich sagt die Nasa zu dem Bild aus dem Sonnensystem “HD 188753”, das sie verbreitet, alles, was man wissen muss: Dass es sich um die Illustration eines Künstlers handelt, zum Beispiel. Und dass die Landschaft, die das Bild zeigt, die eines hypothetischen Mondes ist, der um den neu entdeckten Planeten kreist. Der Planet selbst ist die rosafarbene Kugel links oben, es handelt sich um einen Gasriesen.

So schön strahlt der 3-Sonnen-PlanetMan hätte das alles nur lesen und abschreiben müssen. “Bild” aber nennt die Illustration ein “Foto”. “Bild” verwechselt den hypothetischen Mond mit dem Gasriesen selbst und tut so, als sei dessen Felswüste die attraktive Oberfläche des Planeten. “Bild” verwechselt den Namen des Planeten mit dem des Sonnensystems. (Und am Zeitdruck kann es nicht gelegen haben: Die Nachrichtenagentur dpa berichtete — schön auf deutsch — schon am 13. Juli; bei Spiegel Online steht die Geschichte auch schon seit zehn Tagen.)

Und dann strickt “Bild”-Redakteur Attila Albert noch eine lange, fantastische Geschichte darüber, wie es wäre, auf diesem Planeten zu leben:

Es wäre der ideale Urlaubsort. (…)

Am Strand müßte sich keiner ärgern, daß eine Seite verbrannt und die andere blaß ist. Die drei Sonnen bräunen Sie ganz gleichmäßig, besser als im Solarium. (…)

Wer Blumen züchtet, müßte sich nicht mehr über krumme Stiele ärgern. (…)

Nie schlechtes Wetter! Bei drei Sonnen ist es auf dem neuentdeckten Planeten jeden Tag hell und warm.

“Warm” ist ein interessanter Begriff in diesem Zusammenhang. Die Temperaturen auf dem Planeten werden auf rund 1000 Grad Celsius geschätzt.

Nachverurteilung

Vor einigen Monaten starb ein vierjähriges Mädchen an einer Überdosis Kochsalz. Anschließend wurde gegen die Stiefmutter des Mädchens ermittelt.

Und dass Bild.de bei der Überdosis Kochsalz von einer Natriumvergiftung” spricht, obwohl es doch eine Natriumchloridvergiftung gewesen sein dürfte*, kann man Bild.de nicht unbedingt anlasten. Das schreiben unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP leider auch Stern.de und Spiegel Online.

Und wie Stern.de und Spiegel Online berichtet auch Bild.de über das heute verkündete Urteil. Bei Stern.de etwa heißt es:

“Das Schwurgericht des Landgerichts Frankenthal schloss in der Urteilsbegründung einen Mord aus und verurteilte die junge Frau lediglich wegen vorsätzlicher Körperverletzung.”

Spiegel Online schreibt:

“In der Urteilsbegründung schloss die Schwurkammer einen Mord aus und verurteilte die junge Frau lediglich wegen vorsätzlicher Körperverletzung.”

Und auch Bild.de formuliert sachgemäß:

“Das Landgericht Frankenthal schloß einen Mord aus, verurteilte die Stiefmutter lediglich wegen vorsätzlicher Körperverletzung.”

Hat sie Angelina umgebracht, weil sie nicht ihr Kind war?Mit anderen Worten: Bei “Bild” hatte man bereits im Vorfeld mit vorverurteilenden Formulierungen und Spekulationen (siehe Ausriss) nicht gegeizt: “Unfaßbar, trotz der Ermittlungen sind Angelinas Vater und die Stiefmutter zehn Monate nach dem Tod der Tochter noch immer auf freiem Fuß!” hieß es da u.a.

Laut Stern.de und Spiegel Online allerdings hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die leiblichen Eltern (als Nebenkläger) die Mordanklage fallenlassen. Stern.de und Spiegel Online zitieren zudem aus der Urteilsbegründung, in der es u.a. hieß, “die Angeklagte sei nicht die ‘böse Stiefmutter’ gewesen. Sie habe sich um die Tochter ihres 31-jährigen Lebensgefährten gekümmert und das Mädchen geliebt. Für einen Mord gebe es kein Motiv: (…) sowohl ein Totschlag als auch eine Körperverletzung mit Todesfolge kämen juristisch nicht in Betracht”.

Und Bild.de?

Bild.de nennt die wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte Stiefmutter in der zur Meldung gehörigen URL ungerührt:

salz__moerderin__urteil.html

Mit Dank an Adrian B. für die Anregung.

*) Nachtrag, 18.7.2005:
Offenbar kann man eine Kochsalzvergiftung doch als Natriumvergiftung bezeichnen, weil die Natrium-Ionen für die Vergiftung verantwortlich sind.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber für die Info.

Kleiner Unterschied

Es war (laut Bild.de) nicht nur ein “Beinahe-Crash”, nein: sogar ein “Beinahe-Horror-Crash”, der “beinahe über 400 Passagiere samt der Besatzungen das Leben gekostet hätte”: Zwei Flugzeuge kamen sich im Luftraum südlich von Grönland bedrohlich nahe.

Wie nahe? Bild.de schreibt:

Nach Angaben der Fluggesellschaft betrug der Abstand zwischen den Fliegern nur noch 183 Meter (der kritische Wert liegt bei ca. 300).

Das klingt wirklich sehr nahe. Ist aber nur der Höhenabstand der beiden Flugzeuge. Seitlich waren sie immerhin noch 1,8 Kilometer voneinander entfernt. Das steht u. a. bei Spiegel Online, dem Standard und n-tv.de.

Aber nicht bei Bild.de.

Danke an Kerri für den Hinweis!

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