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Online-Manipulation, AfD-Einstufung, TikTok verstößt gegen EU-Recht

1. Untersuchung warnt vor verdeckter politischer Online-Manipulation
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Bei netzpolitik.org warnt Tomas Rudl vor der wachsenden Gefahr politischer Manipulation durch bezahlte Influencer in Sozialen Medien. Eine Untersuchung der Nichtregierungsorganisation (NGO) Civil Liberties Union for Europe zeige, wie leicht Plattformen wie TikTok für verdeckte Kampagnen genutzt werden können. Die NGO fordere daher strengere Transparenzregeln, bessere Kontrollmechanismen und mehr Verantwortung seitens der EU, um demokratische Prozesse vor systematischer Einflussnahme zu schützen.

2. TikTok verstößt gegen EU-Recht
(zeit.de)
Die EU-Kommission werfe TikTok vor, gegen den Digital Services Act zu verstoßen, da die Videoplattform keine ausreichenden Informationen zu Werbeanzeigen, deren Finanzierung und Zielgruppen bereitstelle. Besonders kritisiert werde die mangelhafte Suchfunktion im Anzeigenarchiv, was Transparenz und Aufklärung über politische Werbung und Desinformation erschwere. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohe TikTok nun eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes.

3. AfD-Einstufung zwingt Rundfunkgremien zum Handeln
(verdi.de)
Nach der Veröffentlichung verschiedener Medien des bis dahin geheimen Gutachtens des Verfassungsschutzes zur AfD-Einstufung fordert Verdi-Vorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen mehr Transparenz und sieht darin eine Chance für eine öffentliche Debatte. Er betont, dass journalistische Recherchen zur Aufklärung solcher Vorgänge rechtlich geschützt bleiben müssen. Zugleich plädiert er für eine grundsätzliche Diskussion innerhalb der Rundfunkgremien über die Frage, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig mit extremistischen Parteien wie der AfD umgehen soll.

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4. Deutsche 15-Jährige sind besonders oft am Bildschirm
(spiegel.de)
Laut einer Studie der OECD verbrächten deutsche 15-Jährige im internationalen Vergleich besonders viel Zeit mit digitalen Medien: rund 48 Stunden pro Woche, also fast sieben Stunden täglich. Die Untersuchung warne vor gesundheitlichen Risiken wie Schlafstörungen und psychischen Problemen, betone aber auch die Chancen digitaler Medien für Teilhabe und Bildung.

5. Zweiter Anlauf: Findet der NDR heute einen neuen Intendanten?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nach dem Scheitern der ersten Wahl im April versuche der NDR-Rundfunkrat heute erneut, einen neuen Intendanten zu bestimmen. Zur Abstimmung steht der langjährige NDR-Manager Hendrik Lünenborg, seine Wahl sei jedoch nicht sicher. Sollte Lünenborg nicht gewählt werden, drohe dem öffentlich-rechtlichen Sender eine anhaltende Führungskrise, da der bisherige Intendant Joachim Knuth vorzeitig in den Ruhestand gehen wolle.

6. Raab-und-Gottschalk-Dämmerung: Letzte Chance ESC
(tagesspiegel.de, Gerrit Bartels)
Gerrit Bartels, Kulturredakteur beim “Tagesspiegel”, ist skeptisch, was die Zukunft des TV-Entertainers Stefan Raab anbelangt. Mit Blick auf Raabs Rolle bei der Auswahl des deutschen Beitrags zum Eurovision Song Contest (ESC) kommentiert er: “Das Raab-Versprechen ist gar keins, sein Händchen für gute Popsongs eine Behauptung. Was also, wenn Deutschland einen guten 15. Platz belegt? Dann hat es sich auch beim ESC ausgeraabt – und die vier Jahre, die er noch bei RTL unter Vertrag steht, werden vier sehr lange und sehr traurige werden.”

Sender dementiert, Druck auf US-Medien, Die nonlineare Zukunft

1. Gedenkstätten-Chef macht ZDF Vorwurf – Sender dementiert
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, sagte im Gespräch mit t-online.de, dass er in einem ZDF-Interview gebeten worden sei, aus Angst vor rechter Hetze in den Sozialen Medien keine direkten Bezüge zwischen der AfD und nationalsozialistischer Propaganda herzustellen (siehe die “6 vor 9” von gestern). Diesem Vorwurf trete das ZDF nun mit einer Stellungnahme entgegen: “Aus dem Transkript des Interviews, das dem ZDF vorliegt, geht hervor, dass die Autorin an keiner Stelle, wie von Herrn Wagner behauptet, gesagt hat, das ZDF oder die Redaktion würden einen Beitrag, in dem die AfD thematisiert wird, nicht senden.” Daraufhin habe Wagner seine Kritik noch einmal konkretisiert.

2. Druck auf US-Medien
(tagesspiegel.de, Daniel Krause)
Wie Daniel Krause im “Tagesspiegel” berichtet, sei Bill Owens, langjähriger Produzent der US-Investigativsendung “60 Minutes”, zurückgetreten, weil er sich unter wachsendem politischen und firmeninternen Druck nicht mehr frei in seinen Entscheidungen gefühlt habe. Insbesondere die Einflussversuche auf die Berichterstattung aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump und der Eigentümerin Shari Redstone hätten Owens Unbehagen bereitet.

3. Voice of America soll wieder senden
(reporter-ohne-grenzen.de)
Auf Betreiben der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) und des US-Auslandssenders Voice of America habe ein US-Bundesrichter die Trump-Administration angewiesen, die Abwicklung der Auslandssender rückgängig zu machen und den Sendebetrieb wiederherzustellen. “Die Entscheidung des Gerichts ist ein klares Zeichen gegen das pressefeindliche Vorgehen der US-Regierung”, sagt RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus.

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4. Sarah Palin scheitert mit Klage gegen “New York Times”
(taz.de)
Die stramm-rechte US-Politikerin Sarah Palin sei mit ihrer Verleumdungsklage gegen die “New York Times” (“NYT”) gescheitert. Eine Jury habe entschieden, dass ein fehlerhafter Leitartikel sie nicht absichtlich diffamiert habe. Die “NYT” hatte 2017 fälschlicherweise behauptet, Palins politisches Aktionskomitee sei indirekt für einen Schusswaffenangriff mitverantwortlich. Die Redaktion hatte den Fehler jedoch schnell korrigiert.

5. Medienentwicklung neu denken: Ein Gespräch mit Dr. Michel Leroy
(de.ejo-online.eu)
Bei “EJO-Online” spricht Kommunikationswissenschaftler Michel Leroy über die zentralen Thesen seines Buches “The Sustainability Imperative in Media Development” und kritisiert die westliche Medienhilfe in Entwicklungsländern. Leroy hinterfragt die verbreitete Annahme, dass diese Hilfe automatisch nützlich sei, und bezeichnet das Konzept der Nachhaltigkeit als “eigennützigen Mythos”. Dieser diene oft mehr den Interessen der Geldgeber als den lokalen Medien.

6. Die nonlineare Zukunft des Fernsehens mit Leonhard Dobusch
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 27:08 Minuten)
Im Podcast “Läuft” spricht Alexander Matzkeit mit dem Wirtschaftswissenschaftler und ZDF-Verwaltungsratsmitglied Leonhard Dobusch über den Umbau der ZDF-Website zu einem Streamingportal. Die beiden diskutieren darüber, was dieser Schritt für die Zukunft des linearen Fernsehens bedeutet und inwieweit das neue Angebot den Anforderungen an öffentlich-rechtliche Onlineangebote entspricht.

7. 20 Jahre YouTube
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:51)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den 20. Geburtstag von YouTube: “YouTube hat vielen Menschen Chancen eröffnet, Wissen frei zugänglich gemacht, Kreativität gefördert. Und ja, das verdient Anerkennung. Aber das reicht nicht. Wer eine Bühne für die ganze Welt baut, kann sich nicht damit rausreden, nur der Hausmeister zu sein.”

Grimme Online Awards, Presserat über KI, Muss Musk blechen?

1. Grimme Online Award legt Schwerpunkt auf historische Themen
(spiegel.de)
Der Grimme Online Award 2024 hat acht Internetformate für ihre “publizistische Relevanz und Informationstiefe” ausgezeichnet, wobei der Schwerpunkt auf Themen gelegen habe, die “der Demokratie dienlich” seien. Der erstmals vergebene Sonderpreis für Künstliche Intelligenz ging an eine Krimi-Challenge des Bayerischen Rundfunks. Trotz finanzieller Probleme des Grimme-Instituts konnte die Preisverleihung in Marl stattfinden. Insgesamt waren 27 Medienangebote nominiert.

2. Presserat zum Thema KI
(journal-nrw.de)
Der Pressekodex gelte uneingeschränkt auch für journalistische Inhalte, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden. Mit Blick auf die Bewertung der bei ihm eingehenden Beschwerden halte der Deutsche Presserat eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Texte derzeit nicht für notwendig, verlange aber, dass KI-generierte Bilder als Symbolbilder gekennzeichnet werden. Diese Regelung solle verhindern, dass solche Darstellungen als reale Abbildungen missverstanden werden.

3. Datenreport über das Einkommen der Autor*innen in Deutschland
(kunst-kultur.verdi.de)
Einem Datenreport (PDF) des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller zufolge können nur 5,7 Prozent der Autorinnen und Autoren in Deutschland ausschließlich vom Schreiben leben, wobei nur ein kleiner Teil davon über 50.000 Euro brutto jährlich verdient. Die Mehrheit müsse zusätzliche Jobs annehmen, um den Lebensunterhalt zu sichern, oft auch in fachfremden Bereichen. Der Verband fordere daher strukturelle Änderungen wie eine Verlagsförderung und Anpassungen im Urheberrecht, um angemessene Honorare für Autorinnen und Autoren zu gewährleisten.

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4. Muss Elon Musk persönlich für X-Verstöße blechen
(netzpolitik.org, Maximilian Henning)
Der Digital Services Act der EU verpflichtet die Anbieter großer Online-Plattformen zur Einhaltung strenger Regeln. Verstöße können mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Unklar sei jedoch, ob bei Verstößen die Plattform selbst oder ihr Eigentümer wie Elon Musk im Fall von X/Twitter haften muss. Die EU-Kommission prüfe derzeit, ob Musk persönlich als Anbieter haftet und ob mehrere Strafen für verschiedene Verstöße verhängt werden können.

5. Bücher werden überall gesammelt, Websites nur hier
(zeit.de, Tilman Baumgärtel)
Das “Internet Archive” sei die einzige ernstzunehmende Plattform, die systematisch Webseiten und andere digitale Inhalte archiviert, darunter 866 Milliarden Websites. Kürzlich sei ausgerechnet diese wichtige Plattform Ziel von Cyberangriffen geworden, die jedoch keinen Schaden an den archivierten Daten verursacht hätten. Neben Hackerangriffen würden auch Urheberrechtsklagen die Existenz des Archivs gefährden.

6. Nachrichten gegen Desinformation
(verdi.de, Irene Hell)
Irene Hell berichtet über den von über 800 Medien weltweit unterstützten “World News Day”, der zeitgleich mit dem UN-Tag für den universellen Zugang zu Information am 28. September gefeiert werde. Journalistinnen und Journalisten seien durch steigende Gewalt und Desinformation bedroht, während traditionelle Medien durch sinkende Einnahmen und aggressiv agierende Technologiekonzerne geschwächt würden.

Prorussische “Doppelgänger”, KI bei Springer, Grimme Online Awards

1. Experten kritisieren X wegen prorussischer Propagandakampagne
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Die Analyseorganisation “CeMAS” habe auf der Plattform X/Twitter eine prorussische Propagandakampagne namens “Doppelgänger” aufgedeckt, die gefälschte Nachrichten verbreite und Stimmung gegen die Ukraine und westliche Regierungen mache. Die Kampagne nutze manipulierte Posts, die angeblich von besorgten Bürgern stammen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, und verlinke auf gefälschte Nachrichtenseiten, die etablierten Medien ähneln sollen. Trotz Meldungen an X seien viele der Beiträge noch immer online.
Weiterer Lesehinweis zur Plattform: Oberstes Gericht bestätigt Sperrung von X in Brasilien (zeit.de).

2. “Eine Sprache der Zuspitzung”
(message-online.com, Maira Mellinghausen)
“Message” veröffentlicht ein Interview mit dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger, das dieser dem “Nestbeschmutzer”, der Zeitung zur Jahrestagung des Netzwerk Recherche (PDF), gegeben hat. Homburger betont darin die Bedeutung präziser Sprache im Journalismus und die Risiken unbedachter Formulierungen, insbesondere unter Zeitdruck. Er spricht sich für eine geschlechtersensible und diskriminierungsfreie Sprache aus, betont aber auch die Notwendigkeit, die Verständlichkeit für die gesamte Gesellschaft zu gewährleisten und jede Form der Sprachentwicklung sorgfältig abzuwägen.

3. Wie Axel Springer via KI die Gesellschaft destabilisiert
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer kritisiert den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Medienunternehmen, insbesondere beim Springer-Verlag, als strategischen Fehler, der das Vertrauen in Medien weiter untergrabe und die Gesellschaft verunsichere. KI-generierte Inhalte seien oft fehlerhaft und manipulativ. Knüwer sieht den Einsatz von KI bei Springer als Teil einer größeren Strategie, um negative Emotionen in der Bevölkerung zu erzeugen und so Angst zu schüren.

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4. Social Media im Wahlkampf
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Peter Stawowy stellt seine “15 Beobachtungen zu Social Media im Wahlkampf” vor. Er betont, dass Social-Media-Arbeit für den politischen Erfolg mittlerweile unverzichtbar ist, da man dort insbesondere junge Wählerinnen und Wähler erreichen und vielfältige Interaktionen herstellen kann. Stawowy kritisiert, dass viele Parteien Social Media oft falsch einsetzen, indem sie nur vor Wahlen aktiv sind oder sich zu wenig auf kontinuierliche Inhalte und Interaktion konzentrieren. Er betont die Notwendigkeit, Soziale Netzwerke strategisch und kreativ zu nutzen, um Vertrauen aufzubauen, Emotionen zu wecken und die eigene Botschaft effektiv zu vermitteln.

5. Wer dieses Jahr auf einen Grimme Online Award hoffen kann
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Grimme Online Award werde trotz finanzieller Schwierigkeiten des Grimme-Instituts auch 2024 vergeben, dank Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Nominierungen umfassen ein breites Spektrum an Formaten, darunter Podcasts, TikTok- und Instagram-Kanäle, die Themen wie Vergangenheitsbewältigung und Geschichtsaufarbeitung, aktuelle politische Ereignisse und Wissensvermittlung behandeln. Neu in diesem Jahr sei der “Sonderpreis KI”, für den drei Podcasts nominiert sind, die sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen. Uwe Mantel hat in seinem Artikel praktischerweise alle Nominierten verlinkt.

6. Mut­maß­liche Anführer der “New World Order” festgenommen
(lto.de)
Die Polizei habe bei einer Razzia mutmaßliche Anführer der Online-Gruppierung “New World Order” festgenommen, die Menschen, darunter Streamer und Youtuber, durch digitales Stalking, Drohungen und sogenanntes Swatting terrorisiere. Die Gruppe habe Methoden wie Doxing und den Missbrauch von Notrufen genutzt, um ihre Opfer zu schikanieren und deren Online-Existenz zu zerstören.

US-Wahlkampf, Medaillenspiegel, Berichten in Uganda

1. Ingo Zamperoni: “Es ist nicht unsere Aufgabe, irgendwas zu verhindern”
(augsburger-allgemeine.de, Ingo Kaminski)
Im Interview mit der “Augsburger Allgemeinen” spricht “Tagesthemen”-Moderator Ingo Zamperoni über den US-Wahlkampf und darüber, wie seine Verwandten in den USA das Geschehen dort sehen. Er betont, dass Medien eine neutrale Rolle einnehmen und sich nicht aktivistisch betätigen sollten: “Gerade in Zeiten wie diesen sollten Journalisten nicht als Aktivisten auftreten. Es ist nicht unsere Aufgabe, eine Strömung, eine Partei oder irgendwas zu verhindern oder zu befördern.”

2. Olympia-Medaillenspiegel bei ARD & ZDF: Kaum der Rede wert?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei berichtet bei “DWDL”, dass ARD und ZDF dem Medaillenspiegel der Olympischen Spiele in Paris weniger Aufmerksamkeit schenken als früher, was mit dem durchwachsenen Abschneiden der deutschen Athleten und Athletinnen zusammenhängen könnte. Der Medaillenspiegel erscheine in den Sendungen der Öffentlich-Rechtlichen oft erst gegen Mitternacht. Abgesehen davon werde das Medaillenranking als Wertungssystem von vielen kritisiert und dessen Aussagekraft infrage gestellt.

3. Journalist:in sein in Uganda – Berichten trotz Unsicherheit
(de.ejo-online.eu, Paula Genius & Nina Feldman & Zoe Gleisberg)
“Journalist:innen in Uganda werden regelmäßig verhaftet, der Großteil der Medien wird vom Staat kontrolliert, Medienhäuser werden durchsucht oder geschlossen. Doch wie gefährlich ist die Arbeit als Journalist:in dort wirklich? Und wie beeinflusst Social Media die Pressefreiheit in Uganda?” Benon Herbert Oluka, ugandischer Multimedia-Journalist und Mitbegründer von “The Watchdog”, einem Zentrum für investigativen Journalismus, gibt Auskunft über die Situation in dem ostafrikanischen Staat.

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4. Gegenseitiges Wertschätzen
(verdi.de, Gunter Becker)
Im Interview mit dem Verdi-Medienmagazin “M” spricht der Journalist und Youtuber Mirko Drotschmann (“Terra X”/”MrWissen2Go”) über Trennendes und Gemeinsames bei Journalisten und Influencern. Beide Gruppen könnten voneinander profitieren, sagt Drotschmann: Redaktionen könnten die agile Produktionsweise der Influencer übernehmen, während Influencer von der strategischen und sorgfältigen Arbeitsweise der Journalisten lernen könnten. Wichtig sei dabei gegenseitiger Respekt und Offenheit für die Stärken der jeweils anderen Gruppe, ohne herabzuschauen oder sich auf reine Klickzahlen zu fixieren.

5. TikTok zieht umstrittenes Bonusprogramm zurück
(spiegel.de)
TikTok habe sein umstrittenes Bonusprogramm “TikTok Lite Rewards” in Europa zurückgezogen. Die EU-Kommission hatte das Programm wegen möglicher negativer Auswirkungen auf die Gesundheit der Nutzerinnen und Nutzer sowie wegen mangelnder Risikoabwägung durch TikTok kritisiert. Es würden jedoch weiterhin Verfahren gegen TikTok und andere Social-Media-Plattformen wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Dienste laufen.

6. KI: Kollaps droht wegen KI-generierter Trainingsdaten
(heise.de, Michael Link)
“KI-Modelle könnten an sich selbst ersticken.” Michael Link berichtet, dass Künstliche Intelligenzen dysfunktional werden können, wenn sie wiederholt mit KI-generierten Daten trainiert werden. Forscher der Rice University hätten gezeigt, dass die Qualität von generierten Bildern bei solchen Trainingsschleifen abnehme – ein Phänomen, das als “Modellkollaps” oder “Model Autophagy Disorder” bezeichnet wird. Um dieses Problem zu vermeiden, sollten KI-Entwickler darauf achten, KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen und vorzugsweise nur von Menschen generierte Daten für das Training zu verwenden.

Gefangenenaustausch, Streit um “Spiegel”-Abo, Brotzeit-Politik

1. Der größte Gefangenenaustausch seit dem Ende des Kalten Kriegs
(zeit.de, Anastasia Tikhomirova & Alexander Eydlin & Tilman Steffen )
Beim “größten Gefangenenaustausch zwischen dem Westen und Russland seit dem Mauerfall” sind mit “Wall-Street-Journal”-Reporter Evan Gershkovich, der russisch-amerikanischen Journalistin Alsu Kurmasheva und Oppositionspolitiker Wladimir Kara-Mursa auch aktuelle beziehungsweise frühere Medienschaffende freigekommen. “Zeit Online” gibt Antworten auf “die wichtigsten Fragen” rund um den Deal.
Weiterer Lesehinweis: Die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigt sich hinsichtlich der Freilassungen erleichtert: “Die Medienschaffenden wurden aufgrund absurder Vorwürfe verurteilt und hätten nicht einen Tag in Haft verbringen dürfen.” Allerdings gibt Geschäftsführerin Anja Osterhaus zu bedenken, dass der Austausch “ein problematisches Vorbild für künftige Erpressungsversuche durch Russland” schaffe: “Ausländische Medienschaffende können nun jederzeit zur Verhandlungsmasse Moskaus bei Verhandlungen mit dem Westen werden.”

2. Ste­phan Brandner muss 50.000 Euro Ord­nungs­geld zahlen
(lto.de, Kevin Japalak)
Wie gestern in den “6 vor 9” berichtet, wurde der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner erneut zu einem Ordnungsgeld verurteilt, weil er die “Spiegel”-Journalistin Ann-Katrin Müller als “Faschistin” bezeichnet hatte. “Legal Tribune Online” zeichnet den Fall und seine Vorgeschichte juristisch nach – mitsamt einiger Verweise auf die bisherige Berichterstattung und Kommentierung.

3. Streit um Pur-Abo des SPIEGEL eskaliert
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Wie netzpolitik.org berichtet, hat die Datenschutzorganisation noyb den Hamburgischen Datenschutzbeauftragten verklagt, weil dieser voreingenommen das Pur-Abo-Modell des “Spiegel” geprüft und dem Medienhaus preisgünstige Rechtsberatung angeboten haben soll, statt unabhängig einer Beschwerde nachzugehen. Die Behörde habe dem “Spiegel” grünes Licht für das Modell gegeben, bei dem die Nutzerinnen und Nutzer zwischen einem kostenlosen Zugang mit Tracking und einem kostenpflichtigen Zugang ohne Tracking wählen müssen. Die Klage richte sich gegen das Prüfverfahren und die angeblich unzureichende Kommunikation mit den Beschwerdeführern.

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4. Partizipative Propaganda auf TikTok
(verdi.de, Till Schmidt)
Im Interview mit dem Verdi-Medienmagazin “M” erklärt der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Marcus Bösch, wie die AfD in den Sozialen Medien junge Zielgruppen anspricht und warum sie damit erfolgreicher ist als andere Parteien. Bösch beschreibt das Phänomen der “partizipativen Propaganda”, bei der Botschaften nicht nur gesendet, sondern durch die Beteiligung der Anhängerinnen und Anhänger, insbesondere über Plattformen wie TikTok, verstärkt werden.

5. RSF prangert Straflosigkeit in Griechenland an
(reporter-ohne-grenzen.de)
Nach einem Freispruch zweier Brüder, die des Mordes an dem Kriminalreporter Giorgos Karaivaz angeklagt waren, wendet sich die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) an die griechischen Behörden: “Wir fordern die griechische Justiz und Politik auf, weiter nach den Schuldigen für den Mord an Giorgos Karaivaz zu suchen – im Namen seiner Angehörigen und im Namen der Pressefreiheit. Auch die Gerichtsentscheidung, welche den griechischen Geheimdienst im Predator-Spyware-Fall aus der Verantwortung entlässt, ist inakzeptabel”, kommentiert ROG-Geschäftsführerin Anja Osterhaus.

6. Bayrische Brotzeit-Politik
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Johannes Drosdowski kritisiert die Inszenierung von Politikerinnen und Politikern, die über Soziale Medien persönliche Einblicke geben, um Nähe herzustellen. Besonders steche dabei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit seinen Essensfotos hervor. Drosdowskis Fazit: “Bei uns daheim kommt Markus Söder übrigens nur am Essenstisch vor, wenn sich mal wieder jemand über ihn beschwert. Weil er mit seinem Trara um Tradition so tut, als wären alle Baye­r*in­nen diskriminierende, hinterwäldlerische Rechts­po­pu­lis­t*in­nen.”

Wechsel an “Spiegel”-Spitze, Sinkende Werbeerlöse, Hassrede

1. “Spiegel” bestätigt Trennung von Klusmann, Kurbjuweit übernimmt
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der bisherige Chefredakteur Steffen Klusmann verlässt den “Spiegel”: “Es war mir eine große Ehre, in den vergangenen fast fünf Jahren für die SPIEGEL-Redaktion gearbeitet zu haben. Wir haben eine ganze Menge gemeinsam erreicht. Zuletzt haben Geschäftsführung und ich in entscheidenden strategischen Fragen allerdings allzu oft keine Einigkeit erzielt – was nun mein Ausscheiden zur Folge hat.” Klusmanns Nachfolger werde Dirk Kurbjuweit, der derzeit als Autor im Hauptstadtbüro des “Spiegel” arbeitet und Führungserfahrung mitbringt.

2. Schluss mit stiller Post
(taz.de, Steffen Grimberg)
Gemeinsam mit fast 30 weiteren Verbänden und zivilgesellschaftlichen Initiativen fordert die Deutsche Akademie für Fernsehen in einem offenen Brief (PDF) eine “angemessene Beteiligung am aktuellen Reformprozess der öffentlich-rechtlichen Medien”. Steffen Grimberg kennt die Details und empfiehlt die direkte Kontaktaufnahme: “Schluss mit der stillen Post und auf nach Mainz!”
Randnotiz: Wie das Medienblog “Flurfunk” berichtet, übernimmt Steffen Grimberg, der Autor des oben verlinkten Beitrags, zum 1. Juni die Leitung der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

3. Newsletter Netzwerk Recherche 221 vom 24.05.2023
(netzwerkrecherche.org, Daniel Drepper)
Im aktuellen Newsletter des Netzwerk Recherche geht es neben vielen anderen interessanten Themen um die bevorstehende Jahrestagung am 16. und 17. Juni. Wer sich einen ersten Eindruck von den geplanten Panels verschaffen möchte: Das vorläufige Programm ist bereits online, und auch eine Übersicht der Referentinnen und Referenten gibt es.

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4. Gemeinsam gegen Hassrede im Netz
(verdi.de)
Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Landesmedienanstalten vertiefen ihre Kooperation gegen Hassrede und illegale Online-Inhalte. Alle deutschen Medienanstalten können nun Verdachtsfälle von strafrechtlich relevanter Hassrede an die zentrale Meldestelle des BKA melden. Seit Mai 2022 habe die Landesanstalt für Medien NRW bereits rund 700 Meldungen geliefert.

5. RTL, Sat1 und Co. müssen umsteuern
(deutschlandfunk.de, Fanny Buschert, Audio: 4:46 Minuten)
Die Radio- und Fernsehsender verzeichnen sinkende Werbeeinnahmen. Unternehmen würden immer weniger Werbung im privaten Rundfunk schalten. Fanny Buschert hat sich auf die Suche nach den Gründen gemacht. Diese haben etwas mit der Coronapandemie, dem Krieg in der Ukraine, der Energiekrise und der Inflation zu tun.

6. Drohnenaufnahmen und Urheberrecht
(urheberrecht.org)
Fotografen und Fotografinnen, die für ihre Aufnahmen eine Drohne einsetzen, können sich nicht unbedingt auf die urheberrechtliche Panoramafreiheit berufen. Das gehe aus einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm hervor. “Streitgegenstand im Verfahren zwischen der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und einem Verlag waren Fotografien von Kunstwerken, die der beklagte Verlag in zwei Büchern veröffentlicht hatte. Diese waren mittels einer Drohne aus dem Luftraum aufgenommen worden und sodann ohne Lizenzierung abgedruckt worden.”

“Spiegel” behauptet sich gegen Reichelt, “Stern TV”, Astrologie

1. “Das OLG Hamburg hat heute …”
(twitter.com, Der Spiegel)
Wie der “Spiegel” auf Twitter mitteilt, hat das Oberlandesgericht Hamburg in einem Rechtsstreit mit dem früheren “Bild”-Chef Julian Reichelt zugunsten des “Spiegel” entschieden. Der Artikel “Vögeln, fördern, feuern” sei aus diesem Grund ab sofort wieder online verfügbar.
Weiterer Lesehinweis: Wie sich Julian Reichelt verteidigt: “Der geschasste “Bild”-Chefredakteur spricht bei Servus TV über seinen Rausschmiss und seine beruflichen Pläne. Über einen, der versucht, seine Haut zu retten.” (sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)

2. Ein schlechtes Magazin für Leute, die wissen, dass sie die Guten sind
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier hat erhöhten Puls: “Am Sonntag lief eine Sonderausgabe von ‘Stern TV’ auf RTL, und nachdem ich sie gesehen habe, bin ich jetzt kurz davor, zum Impfskeptiker, ‘Querdenker’ und Corona-Leugner zu werden – aus reinem Trotz und kindischem Protest und weil es beinahe wie eine angemessene Reaktion wirkt auf eine Sendung, die so unfassbar und umfassend dumm war in der Art, wie sie mit dem Thema umging und überhaupt: mit allem.” Ein lesenswerter Verriss, weil Niggemeier ein ganzes Bündel an Denk- und Konstruktionsfehlern der Sonderausgabe offenlegt.

3. Pressefreiheit in Gefahr?
(luhze.de, Adefunmi Olanigan)
Die Immobilienfirma United Capital geht juristisch gegen die ehrenamtliche Hochschulzeitung “luhze” aus Leipzig vor. Die Studierendenzeitung hatte zuvor die Methoden des Unternehmens kritisiert und dabei auch betroffene Mieterinnen und Mieter zitiert. Das Unternehmen argumentiere, “luhze” habe sich deren Vorwürfe zu eigen gemacht. Die Redaktion entgegnet: “Dass United Capital die Vorwürfe der Mieter*innen als solche darstellt, die unsere Zeitung selbst erhoben hat, können wir uns nur damit erklären, dass unliebsame Berichterstattung mit allen Mitteln verhindert werden soll.”

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4. Warum moderieren so wenige Frauen große Unterhaltungsshows?
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader beschäftigt sich in seiner neuen Kolumne mit dem Geschlechterungleichgewicht im deutschen Fernsehen: “Moderatorinnen großer Unterhaltungsshows sind im deutschen Fernsehen irgendwie immer noch – gesondert erwähnungsbedürftig. Und für die allermeisten lautet die Antwort auf die Frage ‘Wer stiehlt mir die Show?’: Bommes und Pflaume, Silbereisen und Kerner, Lanz und Gätjen, Opdenhövel und Hartwich usw.”

5. Gabor Steingart lässt zweites Medienschiff bauen – mit Ballsaal
(meedia.de)
Der Publizist Gabor Steingart hat mit seinem Redaktionsschiff “Pioneer One” für einige Aufmerksamkeit im Medienbetrieb gesorgt. Nun wolle er expandieren: Die “Pioneer Two” soll 52 Meter lang werden und zwei Studios sowie einen Ballsaal beherbergen. Außerdem wolle Steingarts Unternehmen Media Pioneer 25 neue Leute einstellen.

6. Astrologie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Der ORF hat ein Problem
(scienceblogs.de, Florian Freistetter)
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Österreich habe ein Problem mit der Astrologie, findet der Astronom Florian Freistetter. Immer wieder werde dort völlig unkritisch damit umgegangen: “Es geht hier nicht um Boulevardzeitungen und Privatsender. Sondern um einen gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender mit einem Bildungsauftrag. Es steht dem ORF nicht gut zu Gesicht, die Astrologie immer wieder so unkritisch zu präsentieren.”

Bedrohter “Weltspiegel”, Drehtage runterrocken, Orbán-Propaganda

1. Jux und Dollerei
(kontextwochenzeitung.de, Jörg Armbruster)
ARD-Programmdirektorin Christine Strobl will den “Weltspiegel” von seinem über Jahrzehnte angestammten Sendeplatz am frühen Sonntagabend auf Montag, kurz vor Mitternacht, verlegen. Das seien “Informationen, die uns schockieren”, klagen die ARD-“Weltspiegel”-Redaktionen und die Fernseh-Auslandskorrespondenten in einer gemeinsamen Stellungnahme. Und auch Jörg Armbruster, einst Moderator der Sendung, protestiert: “Sollte es so kommen, dann betreibt des Ministers Gattin Kahlschlag bei der Auslandsberichterstattung der ARD und das in einer Zeit, in der erklärt werden muss, warum so viele Flüchtlinge lieber ihr Leben auf dem Mittelmeer riskieren als in ihrer Heimat zu bleiben, weshalb politische Krisen und Kriege anderswo sich auch auf Europa auswirken oder ganz einfach, wie Menschen in entfernten Winkeln dieser Erde leben.”

2. Handreichung an Journalisten & Journalistinnen für die Wahlkampf-Berichterstattung. Ein Thread.
(twitter.com, Nadia Zaboura)
Die Kommunikationswissenschaftlerin und Linguistin Nadia Zaboura fasst in einem Twitter-Thread die wichtigsten Fragen zusammen, die sich Journalistinnen und Journalisten in Zusammenhang mit ihrer Wahlkampf-Berichterstattung stellen sollten. Der kleine Fragenkatalog ist auch für Medienkonsumierende interessant, da er zur Bewertung politischer Berichterstattung verwendet werden kann.

3. Wie deutsche Medien mit der Genderfrage umgehen
(mdr.de, Jenni Zylka & Steffen Grimberg)
Wie halten es die deutschen Medien mit dem Gendern? Jenni Zylka und Steffen Grimberg haben sich einige Beispiele aus Print, Online und TV herausgesucht, die das volle Spektrum von Akzeptanz bis Ablehnung abbilden. Ihr Kompromissvorschlag: “Wenn alle in sich den Großmut suchen und finden könnten, das Gegenüber so sprechen und schreiben zu lassen, wie es möchte. Und sich, anstatt ‘Sprachdiktatur’ und ‘Unlesbarkeit’ zu nölen, über mehr hübsche Sternchen freuen würde.”

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4. “Ein Runterrocken von Drehtagen”
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Mittlerweile haben sowohl Hörspielautoren und Drehbuchautorinnen als auch Filmregisseurinnen und -regisseure in offenen Briefen gegen die sich verschlechternden Rahmenbedingungen protestiert, insbesondere mit Blick auf die ARD. Im persönlichen Gespräch seien die Initiatoren des offenen Briefes, den der Bundesverband Regie am 1. Juli veröffentlicht hat, deutlich geworden: “Das ist kein Geschichtenerzählen mehr mit den Mitteln des Films”, habe einer von ihnen gesagt, “sondern nur noch ein Runterrocken von Drehtagen.”

5. Eine ganze Seite Propaganda
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 4:08 Minuten)
Ungarn hat in der “Bild”-Zeitung eine ganzseitige Anzeige mit Vorschlägen über die “Zukunft der Europäischen Union” geschaltet. Im Deutschlandfunk kommentiert Marina Weisband: “Wenn Zeitungen sich als bloße Plakatwände für die Propagandaposter autoritärer Staaten missbrauchen lassen, läuft etwas schief.”

6. Zu viele Experten, zu wenig Distanz: Warum die TV-Berichterstattung zur EM nicht funktioniert hat
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm zieht eine (Zwischen-)Bilanz der TV-Berichterstattung zur Fußball-Europameisterschaft und entdeckt dabei einige Parallelen zwischen dem Zustand der deutschen Nationalmannschaft und dem öffentlich-rechtlichen Sportjournalismus: “Beide halten Erfolg für ein Naturgesetz, zehren zu sehr von altem Ruhm und erwecken mit altbackenen Konzepten den Eindruck, nicht mehr mit letzter Leidenschaft bei der Sache zu sein.”

Seltsames “Spiegel”-Interview, Terror-Berichterstattung, Peanuts

1. Dieses Interview ist bemerkenswert.
(twitter.com, Hendrik Wieduwilt)
Der Journalist Hajo Schumacher hat für den “Spiegel” mit der ehemaligen FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin über deren Kampf mit dem Krebs gesprochen. Die Interviewführung wurde im Netz vielfach als übergriffig und sexistisch kritisiert. An einer Stelle fragt Schumacher beispielsweise: “Sie haben, ob Sie wollten oder nicht, früher das Stereotyp der klassischen Blondine bedient. Was haben Glatze und Perücke mit Ihnen gemacht?” und legt nach einem Protest von Koch-Mehrin nochmal nach: “Nun ist aber gut. Sie haben das Blondinen-Spiel schon sehr gut beherrscht. Sie wussten genau, dass sich in einer Männerpartei viel Aufmerksamkeit auf Sie richtet, dass sie als Mann nicht so fix an die Spitze der FDP marschiert wären.” Der ehemalige “FAZ”-Journalist Hendrik Wieduwilt hat einige interessante Hintergrundinformationen über die Verbindung zwischen Interviewer und Interviewgast, die für einen faden Beigeschmack sorgen. Sein Fazit: “Unterm Strich bleibt ein Interview, das bis zur Überschrift ziemlich auffällig der Profilierung Koch-Mehrins nützt. Es ist schlichte PR, auch wenn sie eingewickelt ist in eine fraglos schreckliche, allerdings auch sehr verbreitete Krankengeschichte.” Die Autorin Fabienne Hurst ergänzt: “Und selbst wenn es gestaged wäre: es ist halt niemandem beim Spiegel aufgefallen, wie sexistisch sich das alles liest bzw: es war denen egal.”

2. Wieso lernt (fast) niemand aus den Fehlern der Terror-Berichterstattung?
(uebermedien.de, Holger Klein & Samira El Ouassil, Audio: 56:53 Minuten)
Der Anschlag in Wien hat erneut die Schwächen der Terror-Berichterstattung aufgezeigt. Im “Übermedien”-Podcast sprechen Holger Klein und Samira El Ouassil über das sensible Themenfeld: “Warum hängen wir so atemlos an den Newstickern und unseren Social-Media-Feeds anstatt uns in Geduld zu üben? Wie können Medien besser mit den Taten von Terroristen umgehen, die auf die mediale Wirkung ihrer Taten spekulieren? Wie gelingt medienethische Herzensbildung? Und wie reduzieren wir die Täterbesessenheit von Medien und uns allen?”

3. Ingo Zamperoni: Ein Anchor in unruhiger See
(dwdl.de, Peer Schader)
Seit vier Jahren moderiert Ingo Zamperoni die “Tagesthemen” im Ersten. Jüngst erschien von ihm die vielbeachtete Reportage “Trump, meine amerikanische Familie und ich” (Das Erste, 44:04 Minuten). Medienkritiker Peer Schader ist sehr angetan von der Arbeit Zamperonis: “Mit unerschütterliche Ruhe erklärt er seinem Publikum im Ersten die aktuelle Lage – so sachte wie möglich und so direkt wie nötig, ohne überflüssiges Zusatzpathos. Das ist vor allem in Zeiten zunehmender medialer Aufgeregtheit eine Eigenschaft, die man gar nicht hoch genug schätzen kann.”

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4. Trump und Fox News – zerbricht die besondere Beziehung?
(t-online.de, Johannes Bebermeier & Fabian Reinbold)
Fox News galt lange Zeit als der Haussender Donald Trumps. Doch mit der Meldung des Senders über die Trump-Niederlage in Arizona soll es zu einem dramatischen Bruch der langjährigen und innigen Partnerschaft gekommen sein. Nun werde sogar spekuliert, Trump wolle einen eigenen TV-Sender gründen: “Trump hätte dann einen eigenen Sender ohne einen Hauch von Kritik. Und die einstigen kongenialen Partner Trump und Fox wären direkte Konkurrenten.” Anmerkung des Kurators: Als ob Trump alle Spekulationen widerlegen wollte, hat er in der zurückliegenden Nacht allein zehn TV-Ausschnitte aus Fox-Sendungen getwittert.

5. “Der ist absolut echt, stoßfest und wasserdicht”
(sueddeutsche.de, Fabian Dombrowski)
Jörg Schönenborn präsentiert in der ARD regelmäßig Wahlergebnisse und verwendet dafür einen überdimensionalen Touchscreen. Die “Süddeutsche” hat sich mit dem Wahl-Experten unterhalten, dessen Zusammenarbeit mit dem Screen nicht immer reibungslos verläuft. Bei der US-Wahl habe der intelligente Bildschirm bei einer bestimmten Bewegung des Moderators stets die Übersichtsseite zum Bundesstaats Texas geöffnet. Dies habe jedoch nicht an Schönenborns “Texas-Ärmel”, sondern vermutlich an einem Licht-Reflex gelegen.

6. It’s Neoliberalism, Charlie Brown
(taz.de, Clara von Hirschhausen)
Apple hat die Rechte an der Zeichentrickserie “The Peanuts” gekauft und will die seit Jahrzehnten beliebten Filme nur dem (zahlenden) Apple-TV-Publikum zugänglich machen. Clara von Hirschhausen kommentiert: “Dass Apple sich mit seiner Entscheidung die Peanuts-Fans zu Feinden gemacht hat, ist vielleicht nicht ganz zufällig. Tatsächlich verkörpert Charlie Brown genau das, was Apple nicht ist: Er ist nachdenklich, oftmals zu langsam, meistens erfolglos – und doch charismatisch. Nicht für seine übernatürlichen Leistungen liebt man ihn, sondern für seine menschlichen Mängel.”

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