Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Bestsellerlisten, Tichyosaurus Rex, angezogene Nackte

1. So werden Bestsellerlisten wirklich gemacht
(welt.de, Felix Zwinzscher)
Jedes Jahr erscheint eine hohe fünfstellige Anzahl von neuen Büchern. Wer will da noch durchsteigen? Unter anderem an diesem Punkt setzen die Bestsellerlisten an, die uns die Auswahl einfacher machen wollen und suggerieren: Wer ein Buch dieser Liste kauft, kann quasi nichts falsch machen! Doch die am meisten vertretenen Listen von “Börsenblatt” und “Spiegel” unterscheiden sich erheblich. Wie es dazu kommt, und wer hinter all den Zahlen steckt, verrät der Artikel.

2. “Mediensysteme im Wandel, Fokus Naher Osten”
(de.ejo-online.eu, Nadia Leihs)
Die Autorin Nadia Leihs promoviert über “den Einfluss institutioneller Strukturen auf journalistische Inhalte und die Rolle von Medien in sozialen und politischen Transformationsprozessen am Beispiel Ägypten”. Wer sich für die spannende arabische Medienlandschaft interessiert, wird sich über ihre Buchvorstellungen von “Arabische Medien”, “Arab Media Moguls” und den Sammelband “Medienfreiheit in Ägypten” freuen.

3. Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit
(uebermedien.de, Michalis Pantelouris)
Die nach ihrem Gründer, dem umtriebigen Wirtschaftsjournalisten Roland Tichy, benannte Seite “Tichys Einblicke” bezeichnet sich im Header als eine “liberal-konservative Meinungsseite”. Rezensent Pantelouris drückt es etwas anderes aus: “Eine dieser Parallelgesellschaften tanzt hier schonmal klar erkennbar den Apocalypso. Es ist nicht die dumpf-rassistische Gesellschaft der rechtsextremen Blubber-Blogger von “Politically Incorrect”, auch wenn die Ziele – weniger Migration, mehr Homogenität, mehr 1000-Jähriges, Kampf gegen die linksgrünen angeblichen Kinderschänderfreunde – sich oft geradezu schmerzhaft ähneln.”

4. Deutschland: Off Duty
(youtube.com, Neo Magazin Royale, Video, 2:34 Minuten)
Jan Böhmermann hat zur Vertiefung und Intensivierung seiner Männerfeindschaft mit Til Schweiger diesen, im wahrsten Sinne des Wortes, krachenden Action-Trailer im Nick-Tschiller-Style gedreht (“Deutschland, Du Fotze!”). Mit dabei: Flüchtlinge, die AfD, Nazis, unzählige Tote, der (natürlich) völlig versehentlich vom Himmel geholte Weltraumhopser Felix Baumgartner und eine Kanzlerin, die ihren Vize zum Abschuss freigibt. Fünf BILDblog-Movie-Stars für großes, lispelfreies Unterhaltungskino!

5. Facebook: freundlich aber verschlossen
(ndr.de, Aimen Abdulaziz & Daniel Bouhs, Video, 5:25 Minuten)
Facebook verlangt von seinen Nutzern größtmögliche Offenheit, gibt sich selbst aber mehr als verschlossen. Die Informationspolitik nimmt groteske Züge an, wenn eine Managerin um den heißen Brei herumredet und partout keine Zahlen nennen will. Simon Hurtz (“Süddeutsche Zeitung”) sollte bei Facebook in Dublin Einblicke hinter die Kulissen bekommen, doch auch hier mauerte der Konzern. “Wir konnten überhaupt nicht in den Bereich, wo die Leute normalerweise arbeiten.” Zahlen nannte man natürlich auch nicht. Jeder deutsche Mittelständler sei auskunftsfreudiger als die Facebook-Presseabteilung, so der “SZ”-Journalist.

6. Erste Ausgabe ohne Nackte
(tagesanzeiger.ch)
Dank Internet können testosterongeplagte Männer zur manuellen Triebabfuhr auf unzähliges Bewegtbildmaterial unbekleideter Frauen zurückgreifen oder sich den Objekten der Begierde per Video bis auf Gebärmutterhalshöhe nähern. Ausgerechnet der amerikanische Playboy steuert jetzt in die Gegenrichtung und will nur noch bekleidete Frauen zeigen. Normalerweise wäre dies ein guter Zeitpunkt für die “ADAC-Motorwelt” dem Trend zu folgen und auf Tests von E-Bikes umzuschwenken. Aber dort konzentriert man sich ja, zumindest im hinteren Teil, auf die Zielgruppe der Geronten und deren Fortbewegungsmittel (Treppenlifte).

Propaganda, Logokrieg, Jugendunterforderung

1. Verheddert im Gestrüpp der Propaganda
(nzz.ch, Ivo Mijnssen)
Das ZDF strahlte Mitte Dezember einen Dokumentarfilm über den “Machtmensch Putin” aus, in dem ein russischer Freiwilliger auftrat, der im Donbass (Donezbecken) gekämpft haben soll. Um diese Szene kam es im Anschluss zum Streit. Der Augenzeuge nahm seine Äußerungen zurück, er habe nur das erzählt, was ihm die Produzenten vorgegeben hätten. Später erklärte der Mann, vom russischen Geheimdienst zum Widerruf gezwungen worden zu sein. “Wie so häufig, wenn es um Russland geht, vermischen sich Wahrheit und Lügen zu einem Gestrüpp der Propaganda. Das ZDF ist in diesem Fall daran nicht unschuldig”, so der Schluss der “NZZ”.

2. Tiroler Tageszeitung bekämpft mit dem Urheberrecht lästiges Kündigungsportal
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Will man eine Zeitung abonnieren oder einen Vertrag abschließen, ist dies mit wenigen Mausklicks erledigt. Das Abo wieder loszuwerden, ist oft erheblich schwieriger. Infos zur Kündigung werden versteckt, die entsprechenden Seiten fies verschachtelt, oder die online so abschlussfreudigen Anbieter bestehen auf einmal auf Schriftform. Dem Nutzer die Mühen leichter machende Kündigungsportale sind da natürlich unbequem und werden auch schon mal auf fragwürdige Weise bekämpft. Und wenn´s mit dem schmutzigen Trick über das Urheberrecht wegen eines abgebildeten Logos ist.

3. “Ich finde nicht, dass unsere Themen unterfordernd sind”
(140z.de, Till Daldrup)
Die großen Zeitungen kämpfen derzeit massiv um junge Leser und haben dazu eigene Jugendportale aus dem Boden gestampft. Beim “Spiegel” heißt das Portal “Bento”, “Bild” versucht sich mit “Byou” ans junge Publikum ranzuwanzen, das “Handelsblatt” hat seit Neuestem “Orange” im Angebot und die “Zeit” ist mit “Ze.tt” am Start. Ein junger Journalistenschüler spricht mit Redaktionsleiter Sebastian Horn von “Ze.tt” und stellt ihm die kecke Frage, ob die oft banalen Themen die Leser nicht unterfordern würden.

4. Wer unbequem ist, wird vor laufender Kamera gedemütigt
(tagesanzeiger.ch, Kai Strittmatter)
An die Schreckenszeit von Maos “Kulturrevolution” (1966-1976) erinnere das derzeitige Vorgehen der chinesischen Regierung gegen Blogger und Journalisten. Doch die Methoden hätten sich verfeinert: Heutzutage würden unbequeme Menschen nicht nur mit Haftstrafen mundtot gemacht, sondern im chinesischen Staatsfernsehen CCTV an den Pranger gestellt und gedemütigt. Die brutale Einschüchterung wirke. Immer mehr kritische Stimmen verstummten und die gesellschaftliche Debatte im Land sterbe.

5. Warum sich Radio jetzt auf den Weg in die Zukunft machen muss!
(marckrueger.tumblr.com)
Der “Rundfunkfritze” Marc Krüger macht sich Sorgen um das Radio. Das Medium müsse sich jetzt Gedanken machen und sich auf die Zeit vorbereiten, in der mobiles Internet unbegrenzt auch in Autos, Bussen und Bahnen verfügbar sei. In seiner Analyse geht er auf die aus seiner Sicht fünf Hauptproblemfelder ein. Danach ist eins klar: Das Radio wird sich verändern müssen, will es nicht endgültig vom omnipräsenten Internet abgehängt werden.

6. Jetzt bleiben wir mal schön bei der Sache
(faz.net, Nina Rehfeld)
Der rechtskonservative Stammtischsender “Fox News” ist in Amerika berühmt-berüchtigt. Dort sorgt nun eine Moderatorin für Furore, vor deren kühler Schärfe selbst Leute des eigenen Lagers Angst haben. So stellte die stets gut vorbereitete Megyn Kelly ihrem Interviewgast Donald Trump die Frage: “Sie haben Frauen, die Sie nicht mögen, ,fette Schweine‘, ,Schlampen‘ und ,widerliche Tiere‘ genannt. Klingt das in Ihren Ohren nach dem Temperament eines Mannes, den wir zum Präsidenten wählen sollten?” Meist nehme sie sich jedoch Vertreter der Linken vor, so der Artikel über Amerikas derzeitige News-Autorität.

Russland, Dialektik des Negativen, Herzschmerz-Kurator

1. Warten auf den Exodus?
(de.ejo-online.eu, Jannis Carmesin & Kai Steinecke)
Ausländische Verlage mit russischen Verlagsbeteiligungen sehen sich durch ein neues Mediengesetz gezwungen, ihre Anteile abzustoßen. Die Autoren erklären, welche Verwerfungen dies für die russische Medienlandschaft bedeutet. Eine Gesetzgebung, die auch deutsche Unternehmen wie den Axel-Springer-Verlag (Engagement bereits gelöst) und Burda beträfe (noch Herausgeber von rund 60 Titeln).

2. „Ihr könnt das? Dann liefert jetzt mal“
(taz.de, Jens Mayer)
Ein “Novum” sei es, dass ARD-Verantwortliche und TV-Produzenten erstmals ein gemeinsames Papier vorgelegt hätten, das die künftige Ausgestaltung der Beauftragung von TV-Auftragsproduktionen regele. Zwei Jahre hätten die Produzenten mit der ARD gerungen, und nun liege eine Vereinbarung vor, die einen Paradigmenwechsel in der deutschen Fernsehlandschaft einläute, indem sie das Risiko für Produzenten senke und die Innovationsfreude anheize.

3. Positiver Journalismus: “Eine Ausgewogenheit in der Berichterstattung herstellen”
(fachjournalist.de, Felix Fischaleck)
Einer der Hauptvorwürfe an Nachrichten (neben denen, dass sie falsch, ungenau oder tendenziös seien) ist: “Es wird immer nur über Negatives berichtet!” Hier setzt der sogenannte “positive Journalismus” an, der sich als “eine Art Gegenbewegung zum vorherrschenden Negativitätsbias in der Berichterstattung” sieht. Kommunikationswissenschaftler Dr. Oliver Bidlo spricht im Interview über die “Dialektik des Negativen” und wie man die, aus seiner Sicht notwendige, Ausgewogenheit in der Berichterstattung herstellen könne.

4. Rechtsstreit: Facebook will Nutzerprofile nicht vererben lassen
(spiegel.de)
Ein sowohl juristisches wie auch ethisch schwieriges Problem beschäftigt derzeit die Gerichte: Wem gehört das Facebook-Konto eines verstorbenen Kindes, den Erben oder dem Diensteanbieter? Das Landgericht Berlin hat das Konto den Eltern zugesprochen, die sich darin Aufklärung über den Tod ihrer Tochter erhoffen. Dagegen wehrt sich Facebook nun mit einer Berufung. Der Grund: Die Eltern könnten Einblick in private Nachrichten anderer Nutzer erhalten, die einen Anspruch auf Privatsphäre hätten.

5. Unter dem Radar
(faz.net, Fridtjof Küchemann)
Die amerikanischen Netzanbieter können Daten ihrer Nutzer relativ unkontrolliert wirtschaftlich nutzen beziehungsweise ausbeuten. Dagegen haben nun 60 Daten- und Verbraucherschutzorganisationen Protest eingelegt. Die Organisationen hätten die amerikanische Kommunikationsbehörde aufgefordert, schnellstmöglich Regeln aufzustellen, die nur bei Einwilligung der Nutzer die Sammlung und Vermarktung ihrer Daten zulassen. Die deutsche Datenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff weist in diesem Zusammenhang tapfer darauf hin, dass Datenschutz keineswegs wirtschaftsfeindlich sei und sogar ein Wettbewerbsvorteil sein könne.

6. Meet the guy who makes sure your ex shows up in your Facebook feed.
(facebook.com/mashable.socialmedia, Video, 2:35 Minuten)
Eine Trennung geht wohl nie leicht vonstatten. Und wenn dann die Fotos des oder der Ex im Facebook-Feed auftauchen, verheilen die seelischen Narben noch schwerer oder reißen wieder auf. Die Investigativreporter von “Mashable Humor” konnten erstmals mit einem Verantwortlichen sprechen, der die herzschmerzerzeugenden Bilder der abgelegten Liebschaften in unsere Accounts einspeist: dem “Facebook Heartbreak Curator”.

Folge dem Kaninchen, Bedrohnung aus Fernost, Verpackungskunst

1. Sender-Bewusstsein
(sueddeutsche.de, Martin Schneider)
Ein Radiosender kündigt an, ein Kaninchen zu schlachten. 86.000 Menschen unterstützen eine dagegen gestartete Online-Petition. Der Sender teilt mit, man hätte von Anfang an nicht vorgehabt, das Kaninchen zu schlachten. Es handele sich vielmehr um eine abgesprochene Aktion in Sachen Tierschutz. Die fragwürdigen Inszenierungen der deutschen Radiomacher sind vielfältig und reichen bis zum vorgetäuschten Tod einer Hörerin. Dazu auch: “Fair Radio” mit einer Polemik zum Thema.

2. Eine vergebliche Suche nach der Lügenpresse
(tagesspiegel.de, Carsten Reinmann & Nayla Fawzi)
Die Kommunikationswissenschaftler Reinmann und Fawzi von der Ludwig-Maximilians-Universität in München machen sich Gedanken über den vieldiskutierten Vertrauensverlust der Medien und ziehen dabei verschiedene Umfragen und Studien zu Rate. Ob es tatsächlich eine „Glaubwürdigkeitskrise“ des Journalismus gebe, sei fraglich.

3. Das Fernsehen als Hort der Konservativen
(dwdl.de, Hans Hoff)
“Das deutsche Fernsehen ist auf Publikumsseite ein Hort des Konservativen, ein Bewahrmedium, das vor allem den mentalen Besitzstand sichern hilft”, so beschreibt es Kolumnist Hans Hoff. Im Netz werde probiert, im Fernsehen verwahrt. Hoffs knackiges Fazit: “Viel geschautes Fernsehen ist das Medium für Spießer. Keine Experimente. Gib mir mehr von dem, was ich kenne.”

4. Digitale Dividende
(jungle-world.com, Jörn Schulz)
Wenn beim World Economic Forum über eine angebliche vierte industrielle Revolution debattiert werde, sei Misstrauen geboten, so “Jungle World”-Autor Schulz. Von der “vierten industriellen Revolution” würden vornehmlich Unternehmensvertreter und Politiker sprechen. Der Trick dabei: Der Staat soll kostenlos die gewünschte Infrastruktur bereitstellen, die den Unternehmern im Erfolgsfall die entsprechenden Gewinne beschert.

5. Bedrohnung aus Fernost
(zeit.de, Xifan Yang)
Der neue Star der chinesischen Start-up-Welt soll der Ingenieur Wang Tao sein, der sich im geschäftlichen Umgang “Frank Wang” nennt. Wang ist der Chef von Dajiang Innovations, dem größten Drohnenhersteller der Welt. Interessanter Bericht über den medienscheuen Unternehmer und sein florierendes Drohnenbusiness.

6. Wie ein verpacktes Auto in Marburg viral geht und zeigt, wie scheiße Medien arbeiten können
(philippmag.de, Katharina Meyer zu Eppendorf)
Herrliches Lehrstück über Medienarbeit im Kleinen und im Großen: Eine Mitarbeiterin eines Studentenmagazins sieht in Marburg ein in Kunststofffolie eingeschlagenes Auto. Sie fotografiert den Wagen und postet das Bild auf Facebook. Das sehen andere, die eine klickheischende Story dazudichten. Danach handele es sich um eine Racheaktion einer Frau an ihrem fremdgehenden Partner. Darauf geht das Bild viral und Medien befördern den Hype.

Verzettelte Drohungen

Seit ein paar Tagen geistert ein gelber Zettel durch so ziemlich alle deutschsprachigen Medien:

Zwei Festnahmen in Köln! Polizei findet diesen Droh-Zettel [Dazu der gelbe Zettel mit handgeschriebenen Wörtern und Phrasen wie 'gelegenheit, Große Brüste, Fucken, Ich Will fuchen, ich will dich küssen, ich Töte sie ficken'
(Bild.de)

[Abbildung des gelben Zettels]
(“Tagesschau”)

[Abbildung des gelben Zettels]
(“ARD Brennpunkt”)

[Abbildung des gelben Zettels]
(“ZDF heute”)

[Abbildung des gelben Zettels]
(“Spiegel TV”)

[Abbildung des gelben Zettels] dazu die Schlagzeile 'Skandalnacht von Köln: Das ist der erschreckende Drohzettel, den die Polizei fand'
(“Focus Online”)

[Abbildung des gelben Zettels] dazu die Schlagzeile ''Ich töte sie' - Polizei findet Übersetzungszettel bei Verdächtigen'
(ksta.de)

[Abbildung des gelben Zettels] dazu die Schlagzeile 'Köln-Übergriffe - 'Große Brüste': Der schlimme Übersetzungs-Zettel der Festgenommenen'
(express.de)

Köln: Drohbotschaften bei Verdächtigen entdeckt
(krone.at)

Köln: Polizei findet Droh-Zettel
(oe24.at)

'Ich will fucken': Verdächtige hatten irren Drohzettel dabei
(aargauerzeitung.ch)

Der Zettel soll bei einem der Verdächtigen aus der Silvesternacht gefunden worden sein. Viele Medien bezeichnen ihn als “Droh-Zettel”, denn er sei, wie zum Beispiel “Spiegel TV” gestern feststellte, …

voll mit Drohungen und Anleitungen zur Gewalt.

Und zwar?

Auf dem Droh-Zettel steht u.a. “Ich töte sie“

(oe24.at)

„Ich töte sie“

(“Focus Online”)

“Ich töte Sie”

(ksta.de)

“Ich töte sie”

(“Kopp”)

“Ich töte sie”

(krone.at)

“Ich töte Sie”

(abendzeitung-muenchen.de)

“Ich töte dich”

(Bild.de)

“Ich töte Sie”

(fr-online.de)

Auch der Satz „Ich töte Sie“ ist zu lesen.

(weser-kurier.de)

Doch das stimmt nicht. Tatsächlich ist auf dem Zettel “Ich töte sie ficken” zu lesen — und das ist (wie uns zwei Übersetzer bestätigt haben) wörtlich aus dem Arabischen übersetzt und bedeutet sinngemäß: “Ich werd’s dir richtig besorgen”.

Zu lesen war das bisher aber nur bei einem einzigen Medium:

So reißerisch sind die Überschriften der “Bild”-Zeitung

Diskussionen über Flüchtlinge können schnell hitzig werden, gerade wenn es um Straftaten von Zuwanderern geht. In den sozialen Medien verbreiten sich oft Lügengeschichten über sexuelle Übergriffe durch Flüchtlinge oder über Banden, die komplette Supermärkte leerklauen.

Um etwas Differenzierung in die Debatten zu bekommen, können Zahlen helfen. Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Sachsens Innenminister Markus Ulbig eine “Kriminalitätsstatistik im Zusammenhang mit dem Thema ‘Zuwanderung'”. Zusammengefasst: Ja, es gebe mehr Kriminialität, seit die rund 45.000 Zuwanderer zwischen Januar und September 2015 nach Sachsen gekommen sind, allerdings sei die Anzahl der Straftaten verhältnismäßig gering gestiegen (2014: 7.029 Straftaten, 2015: 10.397). Einen Großteil der Delikte bildeten Ladendiebstähle und Schwarzfahren. Ulbig sagte zur Statistik:

Die überwiegende Mehrheit der Zuwanderer in Sachsen verhält sich rechtskonform. Bei den ermittelten Tatverdächtigen gilt es zu differenzieren. Es sind nicht die Zuwanderer, die einmalig mit Bagatelldelikten straffällig werden, die uns Sorge bereiten, sondern einige wenige Mehrfach-/Intensivtäter, die fast die Hälfte aller durch Zuwanderer begangenen Straftaten zu verantworten haben.

Die regionalen Medien berichteten über die Zahlen des Innenministeriums und griffen in ihren Überschriften entweder die Aussage Ulbigs auf, vermeldeten die Veröffentlichung der Statistik oder fassten sie kurz zusammen:


(MDR)


(sz-online.de)


(“Freie Presse”)


(“Lausitzer Rundschau”)

Die Dresden-Ausgabe der “Bild”-Zeitung berichtete ebenfalls. Im Artikel steht zwar direkt zu Beginn:

Von wegen, Ausländer seien besonders kriminell. Dieses Vorurteil will jetzt Sachsens Innenminister Markus Ulbig (51, CDU) widerlegen.

Die dazugehörige Überschrift ist allerdings nicht gerade geeignet, um hitzige Debatten abzukühlen:

Hinzu kommt die Aufmachung: Ein Foto zeigt einen “Drogendealer aus Tunesien”, der die Polizei verhöhnt; ein anderes eine Festnahme bei einer “Drogenrazzia am Wiener Platz”, obwohl (wie auch “Bild” immerhin erklärt) Rauschgiftdelikte gerade einmal fünf Prozent aller 10.397 Straftaten ausmachten.

Die “Bild”-Kollegen aus Leipzig haben ebenfalls über die Statistik berichtet. Überschrift:

Und so sieht das Umfeld des Artikels aus:

Mit Dank an Elmar!

Alle Jahre wieder

… kommt das Christus-Bild:

“Focus Online” hat die Geschichte vom englischen “Mirror” abgeschrieben. In britischen Medien wurde sie gestern schon fleißig herumgereicht, heute ist sie rübergeschwappt und wird inzwischen nicht nur von “Focus Online” nacherzählt, sondern auch von der “Huffington Post”, von news.de, yahoo.de, vol.at und der Online-Seite von “Österreich”. Letztere hat Jesus auf der Startseite sogar extra verpixelt, um den Lesern noch einen Klick mehr abzulocken.

Ob sich das so unbedingt als Clickbait eignet, ist allerdings fraglich, denn die Geschichte hat mittlerweile schon ein nahezu biblisches Alter erreicht.

Bereits im vergangenen Jahr wurde darüber berichtet:

Und vor zwei Jahren:


Und vor drei Jahren:

Und vor vier Jahren:


Und vor fünf Jahren:

Und vor sechs Jahren:

Und vor sieben Jahren:

Und vor acht Jahren:


Und vor neun Jahren:

Und vor elf Jahren:

Und vor dreizehn Jahren:

Und vor vierzehn Jahren:

Das rekonstruierte Gesicht wurde tatsächlich schon 2001 im Rahmen einer BBC-Dokumentation veröffentlicht. Damals schrieb übrigens der “Tagesspiegel”:

Die Wissenschaftler behaupten nicht, dass es sich um ein Abbild Jesu handelt. Aber sie sagen, dass Männer wie Jesus in der damaligen Zeit an diesem Ort etwa so wie auf dem Bild aussahen.

Solche Feinheiten interessieren heute natürlich niemanden mehr. “Focus Online” zum Beispiel schreibt:

Der Forensik-Experte Richard Neave von der Universität Manchester hat mithilfe wissenschaftlicher Methoden vor einiger Zeit das Abbild von Jesus Christus rekonstruiert.

Allerdings hätte sich …

Der Forensik-Experte Richard Neave von der Universität Manchester hat mithilfe wissenschaftlicher Methoden vor vierzehn Jahren rekonstruiert, wie Jesus Christus möglicherweise ausgesehen haben könnte.

… ja auch nicht ganz so doll angehört.

Mit Dank an Fabian!

Falsche “Horror-Kita”, Lügen im Ukraine-Konflikt, neue Buchcharts

1. Die Wahrheit auf der letzten Seite
(taz.de, Aziz El Massassi)
Das ägyptische Regime um General al-Sisi habe vor knapp zwei Jahren eine Verfassung verabschiedet, die Pressefreiheit garantiert. In der Realität gelte diese Freiheit allerdings nur für einen Teil der Medien: Wer die Regierung kritisiert, werde beschuldigt, “den Terror zu unterstützen”. Aziz El Massassi gibt Einblick in eine Gesellschaft, die nur formell eine Demokratie sei, und zitiert eine Kollegin: “‘Für die Journalisten und für die Meinungsfreiheit insgesamt ist dieses Regime schlimmer als das der Muslimbrüder — und sogar schlimmer als das Mubarak-Regime.'”

2. Die “Horror-Kita” in Mainz, die keine war
(tagesspiegel.de, Kai Müller)
“Kinder missbrauchen Kinder: Ermittlungen in Horror-Kita” — diese Schlagzeile der “Bild”-Zeitung löste im Sommer eine Welle teils hysterischer Berichterstattung aus, üble journalistische Fehler inklusive. So wurde etwa aus “53 Blessuren” die Meldung “schwere sexuelle Gewalt, Übergriffe und Erpressung unter 53 Kindern”. Ende November stellte sich schließlich heraus, dass ein Großteil der Vorwürfe haltlos war, die Staatsanwaltschaft sprach von “überwiegend entlastenden Erkenntnissen”.

3. “Ich hoffe, dass es Stop Fake in fünf Jahren nicht mehr gibt”
(de.ejo-online.eu, Stella Venohr)
Um den Propagandalügen im Ukraine-Konflikt entgegenzuwirken, haben Studenten und Absolventen der Kiewer Mohyla Journalistenschule 2014 die Plattform “Stop Fake” gegründet. Seitdem entkräften sie Meldungen über vermeintliche Verstöße bei Kommunalwahlen oder angebliche neue Gesetze. Stella Venohr hat mit “Stop Fake”-Faktenchecker Artem Babak gesprochen.

4. Universitätsklinikum Mannheim: Wie ein Unternehmen gegen Medien auf die Straße geht
(kress.de, Nora Jakob)
Vergangenes Jahr wurde bekannt, dass im Universitätsklinikum Mannheim mit unzureichend sterilisiertem Besteck operiert wurde. Die Medien schlachteten den “Hygieneskandal” aus und übertrieben es dabei, sagt zumindest das Krankenhaus und insbesondere der Vorsitzende des Betriebsrats: Die Journalisten von “Spiegel” und “Zeit Online” hätten “immer wieder dafür gesorgt, dass sich die Bilder in den Köpfen der Menschen festsetzen, egal ob sich mittlerweile bei uns etwas geändert hat oder nicht.” Der Betriebsrat hat vor einigen Wochen Anzeigen im “Mannheimer Morgen” geschaltet und sogar eine Demonstration gegen die unfaire Berichterstattung organisiert. Die Journalisten weisen die Kritik zurück: “Schmutzig waren die Instrumente in Mannheim, unsere journalistische Berichterstattung darüber ist sauber.”

5. BILD “Journalisten” sind Journalisten in Anführungszeichen
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Für “Bild” ist Russland kein Partner, sondern nur ein “Partner”. Und für “almasala” ist die “Bild”-Berichterstattung mit ihren “subtilen Anführungszeichen als rhetorisches Stilmittel” nur eine “Berichterstattung”: “Für einen Anführungszeichen-Journalisten ist eine ‘Quelle’ eine vertrauenswürdige Quelle ohne Anführungszeichen, sobald sie die gewünschten Aussagen tätigt.”

6. Inklusive eBooks: Bild publiziert Amazon-Buchcharts
(lesen.net, Johannes Haupt)
Seit gestern gibt es eine neue Bücher-Bestsellerliste, herausgegeben von “Bild” und Amazon. Johannes Haupt sieht darin “vor allem eine erhebliche Werbemaßnahme für die Kindle-Plattform”: Die Aussagekraft der neuen Bücher-Charts sei “in vielerlei Hinsicht überschaubar, Amazon und Bild machen aber sicherlich einen guten Schnitt.”

Gewalt bei “Pegida”, Rügen für “Bild”, Journalisten und Social Media

1. “Grenzüberschreitungen jeglicher Art”
(taz.de, Daniel Bouhs)
Nadine Lindner berichtet für das “Deutschlandradio” aus Sachsen und nimmt “auf Facebook und in der Hörerpost (…) seit einem guten Jahr eine radikalere Sprache und höhere Aggressivität wahr.” Insbesondere auf “Pegida”-Demos komme “es mittlerweile leider regelmäßig zu tätlichen Übergriffen.” Um Journalistinnen und Journalisten zu schützen, wünscht sie sich “ein höheres Maß an Sensibilität bei der Polizei und dass sie auch mal von sich aus eingreift.” Passend zur “Pegida”-“Lügenpresse”-Debatte: Im “Tagesspiegel” fasst Maria Fiedler einen Redaktionsworkshop zusammen, bei dem eine Frage im Mittelpunkt stand: “Warum verlieren Medien an Glaubwürdigkeit?”

2. Türkei: Das Ende der Pressefreiheit
(daserste.de, Halil Gülbeyaz, Video, 8:53 Minuten)
Halil Gülbeyaz spricht mit Journalisten, Journalistenvertretern und Abgeordneten über “die Abschaffung der Pressefreiheit in der Türkei”.

3. Rügen des Presserrats: “Bild” wieder ganz vorn
(ndr.de, Fiete Stegers)
Bis zum 1. Dezember wurden beim Deutschen Presserat seit Jahresanfang 2200 Beschwerden eingereicht — so viele wie nie zuvor. Während die Gesamtzahl steigt, bleibt eines konstant: “Acht Mal sprach der Presserat eine Rüge für die Berichterstattung der ‘Bild-Zeitung’ aus (…). Damit wurde die ‘Bild’-Zeitung wie in den vergangenen Jahren wieder weit häufiger als alle anderen Redaktionen für Verstöße gegen den Pressekodex bestraft.” Immerhin liegt dieser Anteil diesmal ‘leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre’. Ebenfalls zur aktuellen Presseratsentscheidung: queer.de über eine Rüge für den “Abdruck eines homophoben Leserbriefs”.

4. Die Kaste der Verweigerer
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz wundert sich über neue Zahlen, die nahelegen, dass rund die Hälfte der deutschen Journalisten mit Social Media nichts anfangen kann. Allerdings wundert er sich nur auf den ersten Blick, denn wenn er seine Filterblase verlässt, stellt er fest, dass die Branche eben auch nur ein Abbild der Gesellschaft ist. Und auch die Journalisten immer noch “ein tiefer digitaler Graben trennt.” Zum Thema: Nach einer Studie des “American Press Institutes” erhöht es die Glaubwürdigkeit von Journalisten, wenn sie auf Twitter unterwegs sind und mit anderen Nutzern — und ihren Lesern — interagieren.

5. Missachtung des Urheberrechts oder “public service”?
(onlinejournalismus.de, Andrej Reisin und Fiete Stegers)
Armin Wolf hat auf seiner Facebook-Seite die Übersetzung einer kompletten Reportage aus der “New York Times” veröffentlicht (Post mittlerweile offline), nachdem er das Original als einen “der eindrucksvollsten (und bedrückendsten) Texte, die ich bisher über das IS-Kalifat gelesen habe” bezeichnet hatte. Das Problem: Er besaß keinerlei Urheberrechte an dem Text und hatte die “New York Times” nicht angefragt. Andrej Reisin und Fiete Stegers sehen darin einen “Bärendienst für alle Journalisten als Urheber — denn ignoriert wurden letzten Endes eben nicht die Rechte der mächtigen ‘New York Times’, sondern die der einzelnen Autorin.”

6. Wie Jugendliche Politik und Nachrichten konsumieren
(deutschlandfunk.de, Johannes Nichelmann, Audio, 18:17 Minuten)
“Für mich ist Instagram mehr so: Leute teilen ihren privaten Inhalt. Und ‘Tagesschau’ so bei Instagram. Keine Ahnung, ob ich das so gut finde.”

Reporter beim Schlussverkauf, Mediengipfel, Übergriffe in Sachsen

1. Die Reporter am Wühltisch greifen, was sie kriegen können
(faz.net, Nina Rehfeld)
Fotos, Bücher, Kontoauszüge — nichts war sicher vor den zahlreichen Journalisten, die die Wohnung der Täter von San Bernardino durchwühlt haben. Dieser “Tiefpunkt des amerikanischen Nachrichtenfernsehens” erinnert Nina Rehfled eher an “Szenen bei einem Schlussverkauf” als an ordentliche Berichterstattung. Und auch andere Einschätzungen sind deutlich: “Ein medialer Sündenfall”, kommentiert Frank Patalong. Marlis Prinzing schreibt von einem Versagen der Medien. Für Johannes Kuhn handelt es sich um “ein Debakel für den Journalismus.” Allie Jones hat einige Beispiele von “CNN”, “MSNBC” und “Fox News” gesammelt.

2. Amerikas Waffengesetze — “ein moralisches Verbrechen und eine nationale Schande”
(sueddeutsche.de)
Die “New York Times” hat nach den Schüssen von San Bernardino das erste Mal seit 95 Jahren wieder einen Leitartikel auf Seite 1 gedruckt. Unter dem Titel “The Gun Epidemic” fordert die Chefredaktion der Zeitung, dass die amerikanischen Waffengesetze verschärft werden. Hier ist der Artikel in der Onlineversion.

3. Der Mediengipfel: “Es gibt keine wertfreie Einschätzung.”
(parisprotokoll.de, Hanna Halfon, Video, 4:10 Minuten)
Der Klimagipfel in Paris ist auch ein Mediengipfel: “Über 3000 Journalisten” seien derzeit in der französischen Hauptstadt, um über die Konferenz zu berichten, so Hanna Halfon. Dabei seien sie oft auf Einschätzungen von Lobbyisten angewiesen. Wie gefährlich ist das? Wie einflussreich? Halfon spricht mit Journalisten, Lobbyisten und Delegierten.

4. Über 25 Übergriffe auf Journalisten in Sachsen
(andi-szabo.de, Andreas Szabo)
Vom 12. Januar in Leipzig (“Fahrzeug MDR-Technikers wird bei Legida-Demo beschädigt.”) bis zum 25. November in Dresden (“Kameramann wird bei Pegida-Demo geschlagen, kommt leicht verletzt ins Krankenhaus. Der Angreifer und seine Begleiter werden ermittelt.”): Andreas Szabo hat 26 Angriffe auf “Journalisten, Redakteure, Techniker, Fotografen, Kameraleute oder Twitter-Reporter” in Sachsen zusammengetragen.

5. Eine Hose ist eine Hose keine Slim-Fit Blue Acid Washed Streched-Jeans
(wuv.de, Peter Breuer)
Werbetexter Peter Breuer findet, dass sich Schreiber häufiger an Romanautor Georges Simenon und seinen “Mots matière”, den Sachwörtern, orientieren sollten. “Klare Aussagen werden viel zu häufig durch sprachliche Konventionen, berufsspezifische Floskeln und Anglizismen verstellt.”

6. Warum haben die Medien so ein Problem mit Jan Böhmermann?
(realvirtuality.info, Alexander Matzkeit)
Alexander Matzkeit wundert sich darüber, “was die restlichen Medien des Landes für ein Problem mit Jan Böhmermann​ haben”, und fragt: “Ist die deutsche Medienkaste wirklich immer noch nicht aus ihrem Jacuzzi aus Selbstgefälligkeit und Intrigantentum aufgestanden?” Aber nicht nur in den traditionellen Medien gibt es Problemhaber: Der Youtuber “theclavinover” antwortet auf Böhmermanns “Ich hab Polizei”: “Du hast ZDF — #WirHamInternet”.

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