Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Tarnen und Täuschen, Keine 220 Millionen, Künast vs. Facebook

1. 220 Mio Euro schwere Presseförderung vorerst gescheitert
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Lange sah es so aus, als könnten sich die Verlage über eine 220 Millionen Euro schwere Presseförderung zur Finanzierung der “digitalen Transformation” freuen. Nun habe das zuständige Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, das Vorhaben sei vorerst gescheitert. Timo Niemeier erklärt die Hintergründe des Subventions-Pokers.

2. Werbung getarnt als Artikel
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz)
Anzeigen, die absichtlich nicht wie Werbung aussehen, werden im Fachjargon als “Native Advertising” bezeichnet. Die eingebettete Werbung ist bei den Werbetreibenden beliebt, weil sie von vielen als redaktioneller Inhalt und damit als wahr und richtig wahrgenommen wird. Umso wichtiger ist eine deutliche Kennzeichnung, aber auch hier operieren viele Medien mit optischen und sprachlichen Verschleierungstricks.

3. “Wiener Zeitung”: Aus oder doch Rettung?
(verdi.de, Danilo Höpfner)
Vor über drei Jahrhunderten, im Jahr 1703, wurde die “Wiener Zeitung” als “Wiennerisches Diarium” gegründet und ist damit die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Damit könnte es jedoch bald zu Ende sein: Die im Eigentum der Republik Österreich stehende Zeitung soll in ein Wochenblatt oder in ein reines Onlinemedium umgewandelt werden. Mit einer Kampagne versuchen einige Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft, das Blatt zu retten: “Es wäre nicht nur ein schwerer Schlag gegen die im internationalen Vergleich ohnehin wenig ausgeprägte Medienvielfalt in diesem Land, sondern auch das Ende einer Kulturinstitution in Zeiten von Fakenews und Intransparenz.”

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4. Renate Künast verklagt Facebook
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Die Grünen-Politikerin Renate Künast verklagt Facebook. Sie wolle erreichen, dass nicht nur ein einzelner Beitrag mit einem ihr fälschlicherweise zugeschriebenen Zitat gelöscht wird, sondern dass auch alle identischen und “sinngleichen Inhalte auf der ganzen Plattform” entfernt werden. Es gehe dabei um eine Bild-Text-Kachel, in der neben einem Foto Künasts der Satz steht: “Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher mal Türkisch lernen”. Das Zitat ist jedoch frei erfunden.

5. Traditioneller Machtkampf
(taz.de, Steffen Grimberg)
Barbara Hans beendet zum Monatsende ihre Tätigkeit als “Spiegel”-Chefredakteurin. Nach Ansicht vieler sei sie aus der “Spiegel”-Führung herausgedrängt worden. Ist der “Spiegel” noch immer “das alte, testosterongesteuerte Flaggschiff wie zu Augstein-Zeiten”? Ganz so leicht sei es nicht, findet Steffen Grimberg.

6. Die Goldenen Blogger 2021 – Das sind die Preisträger*innen
(die-goldenen-blogger.de)
Die diesjährige Verleihung des Social-Media-Preises “Die goldenen Blogger” erfolgte wegen der Corona-Pandemie erstmals im Rahmen eines Online-Events. Bloggerin des Jahres wurde Teresa Bücker, als Newcomer des Jahres wurde das “RosaMag” ausgezeichnet. Sonderpreise gingen an “maiLab” und das Team vom NDR “Coronavirus-Update”.

Mit Anlauf in den Shitstorm, Mann hinter Lanz, Oscarverleihung

1. Auf die Fresse
(netzpolitik.org, Daniel Laufer)
Die Aktion #allesdichtmachen polarisiert wie selten etwas: Auf der einen Seite Jubel und Lob von AfD, “Querdenker”-Lager, Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen und “Bild”-Redaktion, auf der anderen Seite pures Entsetzen, Ablehnung und Shitstorm. Daniel Laufer fragt sich, wieso 53 Schauspieler und Schauspielerinnen “praktisch mit Anlauf in einen Shitstorm” sprangen. Die Antwort könnte mit Dietrich Brüggemann zu tun haben, einem in der deutschen Film- und Fernsehszene eigentlich hoch angesehenen Regisseur und Drehbuchautor.
Weitere Lese- und Hörhinweise: Im “Übermedien”-Podcast kommentiert Samira El Ouassil: “Am Ende schaut man sich diese 53 Videos an – und fühlt nur diesen schneidenden Effekt der Bitterkeit. Sie haben mit dem Messer nicht nur gekitzelt, wie es Künstler normalerweise machen, sondern sie haben zugestochen, in den Diskurs hineingestochen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und wir wissen am Ende nicht, wofür? Und warum? Was wollen sie denn jetzt genau?” (übermedien.de, Holger Klein, Audio: 42:21 Minuten)
Jetzt.de hat sechs Schauspieler und Schauspielerinnen, die nicht Teil der Kampagne waren, gefragt, was sie von der Aktion halten.
Bei n-tv.de räumt der Schauspieler und Aktionsteilnehmer Richy Müller ein: “Ich war blauäugig”. Er habe sein Video zurückgezogen: “Ich musste feststellen, dass mein Video vielen Menschen wehgetan hat, die ich niemals kränken oder veralbern wollte. Außerdem ist es auf einer Plattform gelandet, die ich nicht unterstützen will.”
Und bei rnd.de argumentiert Matthias Schwarzer lesenswert, warum Liefers Medienbashing so gefährlich ist.

2. Der Mann, der Markus Lanz zur Marke machte: “Es gehört Mut dazu, jemandem ins Gesicht zu sagen, dass er lügt”
(rnd.de, Imre Grimm)
Der ZDF-Talker Markus Lanz erfährt in letzter Zeit viel Lob für seine hartnäckigen Politikergespräche. Imre Grimm hat sich mit Markus Heidemanns, dem Produzenten und Mann hinter dem Erfolg, unterhalten und ihn gefragt, wie er sich die Entwicklung erklärt.

3. We love to infotain you: Gelingt die Info-Offensive der Privaten?
(dwdl.de, Peer Schader)
RTL, ProSieben & Co. bemühen sich derzeit mit allerlei Sondersendungen und Interviews um mehr Ernsthaftigkeit. Das gelingt mal mehr und mal weniger. Peer Schader ordnet den derzeitigen Stand der Transformation als “Übungsmodus” ein: “Der Wille, gesellschaftlichen Themen und aktuellem Tagesgeschehen im Programm mehr Raum zu geben, ist da – aber allzuoft hapert’s noch an der Ausführung.”
Weiterer Lesetipp: Neue Studio-Welt: Newssender sendet aus Springer-Neubau (dwdl.de, Alexander Krei).

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4. Warum Sie auf TikTok noch was lernen können
(meedia.de, Luca Schallenberger)
Viele assoziieren mit TikTok Tanzvideos oder lustige Lip-sync-Clips. Die Kurzvideoplattform fährt jedoch unter dem Hashtag #LernenMitTikTok eine Art Bildungsoffensive. Luca Schallenberger hat sich durch die Filmchen geklickt und ist recht angetan: “Auf TikTok lerne ich an einem Tag mehr als auf Twitter in einer Woche.”

5. Corona-Berichterstattung: Panikmacher oder seriöse Warner?
(de.ejo-online.eu, Marlis Prinzing & Florian Meißner)
Die Kommunikationswissenschaftlerin Marlis Prinzing und ihr Kollege Florian Meißner leiten aus Studienbefunden und Ethik fünf Punkte ab, was eine verantwortungsvolle Corona-Berichterstattung auszeichne. Gute Journalisten und Journalistinnen würden differenzieren, könnten zwischen Korrelation und Kausalzusammenhang unterscheiden, einordnen, Transparenz schaffen und die Risikokompetenz der Menschen stärken.

6. Wer hat gewonnen?
(spiegel.de)
Wegen der Corona-Pandemie fand die Oscarverleihung nicht im 3.400 Personen fassenden Dolby-Theatre, sondern mit 170 handverlesenen Anwesenden in der Union Station in Los Angeles statt. Beim “Spiegel” gibt es eine übersichtliche Zusammenfassung der Nominierten und Preisträger. Weitere Informationen unter: “Nomadland” ist der beste Film des Jahres (spiegel.de, Florian Pütz)

#allenichtganzdicht, Videobotschaft aus der Klinik, Youtubes Eiskönig

1. Stars gegen den Lockdown: Warum die Aktion “Alles dicht machen” eine Verhöhnung der Coronatoten ist
(rnd.de, Imre Grimm)
Mehr als 50 deutsche Schauspieler und Schauspielerinnen, darunter Jan Josef Liefers und Ulrike Folkerts, wenden sich in einer Video-Aktion (sarkastisch gemeinter Titel: “Alles dicht machen”) gegen die Corona-Maßnahmen. Imre Grimm kommentiert: “Diese Aktion ist ein Schlag ins Gesicht der erschöpften Pfleger und Ärzte, die seit Monaten auf der letzten Rille laufen. Es ist eine Verhöhnung der Hinterbliebenen von mehr als 70.000 Coronatoten und derer, die auf Intensivstationen um ihr Leben kämpfen. Es ist eine zynische, kaltherzige Demonstration von Borniertheit aus den klimatisierten Türmen der Elfenbeinkultur, vorgetragen auch von jenen, die durchaus gut bezahlter Arbeit nachgegangen sind in den letzten Monaten.”
Beim “Tagespiegel” bezeichnet Sebastian Leber die Netz-Kampagne als “so schäbig, dass es weh tut”: “Die Prominenten, allen voran Jan Josef Liefers, begehen zudem einen Logikfehler, den man ebenfalls von der Querdenken-Fraktion kennt: Sie unterstellen, die Befürworter der Sicherheitsmaßnahmen seien regierungstreu, ja untertänig. Das ist grob falsch.”

2. Ich bin sprachlos, frustriert und ratlos
(facebook.com/Manfred Wagner, Video: 3:36 Minuten)
In bestimmten Medien, unlängst bei “Bild”, wird immer mal wieder bezweifelt, dass es in der Intensivmedizin eine Notlage gebe. Manfred Wagner, medizinischer Direktor und Pandemiebeauftragter des Klinikums Fürth, hat das keine Ruhe gelassen. In einer eindringlichen Videobotschaft erklärt er, welche unglaublichen Kraftanstrengungen es bedeute, den Intensivbetrieb aufrechtzuerhalten, und wie nahe man am Abgrund der Überlastung stehe.

3. Wir brauchen eine neue Sprache für die Verkehrsberichterstattung
(iass-potsdam.de, Dirk von Schneidemesser)
“Offene Straßen”, nicht “Straßensperren”. “Autolagerflächen” anstatt “Parkplatz” – Dirk von Schneidemesser schlägt eine neue Sprache für die Verkehrsberichterstattung vor, denn: “Es beeinflusst die Städte, in denen wir leben, wie wir über sie reden.”

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4. Erstmals Tiktok-Formate für Grimme Online Award nominiert
(zeit.de)
Unter den Nominierten für den Grimme Online Award sind erstmals auch Formate, die bei der Kurzvideo-Plattform Tiktok erscheinen: der “Tagesschau”-Kanal und der Auftritt von Niklas Kolorz. In einer Pressemitteilung berichtet das Grimme-Institut über die Besonderheiten der diesjährigen Verleihung und einige ausgesuchte Nominierte. Weitere Einzelheiten finden sich in der Übersicht aller Nominierten.

5. Gegen die neue Normalität
(taz.de, Erica Zingher)
Vor allem durch die Querdenker- und Coronamaßnahmen-Gegner-Demos hat sich die Bedrohungslage für Jour­na­lis­ten und Journalistinnen in Deutschland verschlechtert. Nun hat ein Bündnis verschiedener Initiativen einen Kodex für Medienhäuser (PDF) entwickelt. Die darin geforderten Maßnahmen umfassen eine juristische, psychologische und finanzielle Unterstützung der Betroffenen. Medien wie “Zeit”, “Zeit Online”, “Spiegel”, “Frankfurter Rundschau”, dpa und die “taz” hätten sich dem Aufruf bereits angeschlossen.

6. Der Eiskönig und seine zehn Millionen Untertanen
(spiegel.de, Markus Böhm)
Zum Wochenausklang noch etwas sinnliche Lebensfreude: Der “Spiegel” berichtet über den Eiskünstler Gil Grobe und dessen Youtube-Kanal “Ice Cream Rolls”. Grobe versorgt von Hamburg aus weltweit mehr als 10 Millionen Abonnenten und Abonnentinnen mit Videos seiner Eiskreationen. Das Besondere an den Filmchen: Grobe redet nicht, trotzdem gibt es ganz viel zu hören.

RTLs “Info-Offensive”, Burda beleidigt, Baerbock bei ProSieben

1. Was hinter der Informations-Offensive von RTL steckt
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 6:26 Minuten)
RTL ist bislang vor allem für sein Unterhaltungsprogramm bekannt, doch der Sender wolle seine Kompetenzen im News-Bereich ausbauen. Was steckt hinter der “Info-Offensive”? Die Abgrenzung zu Streaming-Diensten? Der Versuch, sich bei den Medienaufsehern einzuschmeicheln? Oder die gestiegene Nachfrage nach verlässlichen Informationen, wie der RTL-News-Geschäftsführer behauptet?

2. Burda: Böhmermann geht “weit über die Grenzen des guten Geschmacks”
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Jan Böhmermann hat sich in der jüngsten Ausgabe seines “ZDF Magazin Royale” mit der deutschen Regenbogenpresse und ihrem skrupellosen Geschäftsmodell beschäftigt. Mit auf der Anklagebank: Der für zahlreiche Klatschblättchen und Lügengeschichten verantwortliche Burda-Verlag, der gegenüber seinen Mitarbeitenden mit einer hilflos wirkenden Stellungnahme reagiert: Die Sendung des TV-Satirikers gehe “weit über die Grenzen des guten Geschmacks”.

3. Über das Ende von Maxwell Strauß wurde nicht diskutiert
(faz.net)
Der Bayerische Rundfunk hat unlängst einen Sketch des Satirikers Helmut Schleich ausgestrahlt, in dem dieser als schwarz geschminkter “Maxwell Strauß” zu sehen war. Zunächst hatte der Sender die Ausstrahlung gegen Blackfacing-Vorwürfe verteidigt, war dann jedoch umgeschwenkt und hat die Sendung aus der Mediathek entfernt. Schleich hat sich dazu in verschiedenen Medien geäußert. Er bedauere, dass “der Diskriminierungsvorwurf stärker gewichtet wurde als die Freiheit der Kunst”. Den Vorwurf des Blackfacings wolle er nicht gelten lassen: “Hier in Deutschland spielt das Thema historisch betrachtet keine besondere Rolle.”

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4. Realität oder Fiktion – wer erklärt die Politik besser?
(de.ejo-online.eu, Joachim Trebbe)
In einer Studie wird die Politik-Darstellung in einer Fernsehserie (“Borgen”) mit der Darstellung in einem politischen Magazin (“Berlin direkt”) verglichen. Joachim Trebbe fasst die Ergebnisse zusammen: “Für das Wissen darüber, wie politische Prozesse ablaufen, können fiktive Geschichten also offensichtlich genauso relevant sein wie die journalistische Berichterstattung über das politische Tagesgeschäft – das gilt allerdings nicht für die Meinungsbildung über aktuelle, gesellschaftliche Probleme – die kann man sich nicht ausdenken.”

5. Behandelt wie die Mafia
(taz.de, Michael Braun)
Die sizilianische Staatsanwaltschaft hat über Rettungseinsätze im Mittelmeer recherchierende Journalisten und Journalistinnen in einem Umfang abgehört, wie es sonst nur ­­­­bei Mafia- oder Terrorismusverdacht üblich ist, berichtet Michael Braun. Mindestens in einem Fall soll eine Person abgehört worden sein, gegen die kein Verdacht bestanden habe. In einem anderen Fall sei ein Gespräch einer Journalistin mit ihrer Anwältin protokolliert worden, das nichts mit den Ermittlungen zu tun hatte. Als Reaktion auf dieses Vorgehen habe die Journalistengewerkschaft für den 3. Mai, den Tag der Pressefreiheit, zu einer Protestkundgebung vor dem Sitz des Ministerpräsidenten in Rom aufgerufen.

6. Baerbock hat bei Pro Sieben leichtes Spiel
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
In der aktuellen “SZ”-Medienkolumne geht es um das erste große Exklusivinterview mit der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bei ProSieben. Cornelius Pollmer zieht ein Fazit: “Bekommen haben die Grünen nicht zuletzt ein schönes Handicapmatch, weil die Interviewer Katrin Bauerfeind und Thilo Mischke es in kaum einer Sekunde vermochten, Baerbock inhaltlich zu stellen. Fazit aus Sicht der Grünen: extrem smarter Schachzug, we love to politain you, netter Fernsehsender, gerne wieder!”

Böhmermann-Boulevard, BR stoppt Blackfacing, Umarmungsvorhang

1. Dreiste Lügen über Hubert Burda! Wie Jan Böhmermann am Kiosk die Klatschpresse foppt
(rnd.de, Imre Grimm)
In der jüngsten Ausgabe seiner Sendung “ZDF Magazin Royale” beschäftigt sich Jan Böhmermann mit dem perfiden Geschäftsmodell der Regenbogenpresse. Außerdem holt er zum Gegenschlag aus: Seit Samstag liegt in den Kiosken das 32-seitige “Freizeit Magazin Royale” für 99 Cent zum Kauf bereit. Im Visier der Schundblatt-Parodie mit reichlich Fake-Geschichten sind jedoch nicht die üblichen Personen wie Michael Schumacher, Helene Fischer oder Günther Jauch, sondern Verleger Hubert Burda (“Starb seine Mutter aus Scham?”) oder Verlegerin Yvonne Bauer von der Bauer Media Group (“Schädel-Schock: Wie lange liegt sie noch im Koma?”).

2. MeToo: Nach 19 Monaten dürfen wir diese Recherchen wieder online stellen
(buzzfeed.de)
2019 hatten “BuzzFeed News” und “Vice” über einen Berliner Arzt berichtet, dem von zahlreichen Patienten vorgeworfen worden sei, sie sexuell missbraucht zu haben. Gegen die Berichterstattung hatte sich der bekannte HIV-Arzt juristisch und zunächst erfolgreich gewehrt. Nun habe das Kammergericht Berlin große Teile der Texte wieder zugelassen.

3. “Welt” täuscht über Fakten zum PCR-Test – bekommt Applaus von Rechtsextremen und Querdenker:innen
(volksverpetzer.de)
Der “Volksverpetzer” kritisiert einen Meinungsbeitrag der “Welt” zur Debatte über die Ergebnisse von PCR-Tests: “Die WELT schreibt einen tendenziösen Artikel voller Falschdarstellungen, die längst bekannte Fakten zum Skandal aufbauschen und wichtigen Kontext und Aussagen von Expert:innen verschweigen.”

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4. BR nimmt Satirefigur aus dem Programm
(spiegel.de)
Der Bayerische Rundfunk zeigte unlängst einen Sketch, für den sich der Satiriker Helmut Schleich das Gesicht schwarz angemalt hatte. In dem Satirebeitrag mimte Schleich den fiktiven Kanzlerkandidaten “Maxwell Strauß”; das Blackfacing sorgte für viel Kritik. Zunächst verteidigte der Sender die umstrittene Kunstfigur. Nun hat sich der BR aber anders entschieden: Die Franz-Josef-Strauß-Karikatur werde künftig nicht mehr im Programm zu sehen sein.

5. Kinderschützer kritisieren geplantes Instagram für Kinder
(zeit.de)
Bei Instagram könnte es demnächst eine “sichere und altersgerechte” Version für unter 13-Jährige geben. Das jedenfalls werde derzeit vom Mutterkonzern Facebook geprüft. Kinderschützer warnen in einem Offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor der ihrer Meinung nach gefährlichen “Babyvariante”.

6. Endlich nah
(sueddeutsche.de)
In Amsterdam wurden zum 64. Mal die World Press Photo Awards vergeben. Als bestes Pressefoto des Jahres wurde eine Aufnahme des dänischen Fotografen Mads Nissen ausgezeichnet. Es zeigt, wie eine 85-jährige Bewohnerin eines Pflegeheims von einer Krankenschwester umarmt wird – corona-konform durch einen Umarmungsvorhang.

Corona-Karten, Sat.1 am Tiefpunkt, Prekarisierung im Journalismus

1. Corona-Inzidenzwerte und ihre Abbildung in der tagesschau
(blog.tagesschau.de, Marcus Bornheim & Helge Fuhst & Juliane Leopold)
In den vergangenen Tagen war gelegentlich der Vorwurf zu hören, die “Tagesschau” habe die Deutschlandkarte mit den Corona-Inzidenzwerten manipuliert, um die Lage dramatischer aussehen zu lassen. Nun reagiert die ARD-aktuell-Chefredaktion mit dem Eingeständnis eines Fehlers: “Der Eindruck, wir hätten in der Darstellung etwas verändert, ist dadurch entstanden, dass im Fernsehen für die gleiche Karte eine andere Farbskala eingesetzt wurde. So war eine Darstellung mit helleren Farben im Umlauf. Diese Karte wurde am 17.03. auch auf Instagram verwendet. Unser Fehler war, dass wir uns innerhalb unseres Hauses nicht ausreichend abgestimmt haben und zwei verschiedene Darstellungen parallel veröffentlicht wurden.”

2. Armin Laschet braucht ein Kanzler-Coaching – von Markus Söder
(uebermedien.de, Hendrik Wieduwilt)
Dass die CDU-Kanzlerkandidatenkandidaten Armin Laschet und Markus Söder eine unterschiedliche mediale Wirkung entfalten, liegt auch an ihren “stimmlichen Führungsqualitäten”, so Hendrik Wieduwilt. Er hat die Redetechniken und den Stimmeinsatz von Laschet und Söder miteinander verglichen. Unbedingt lesenswert – nicht nur wegen des Erkenntnisgewinns, sondern weil man in Zukunft noch genauer hinhört und unter Umständen auch sein eigenes Reden überprüft.

3. Hass im Netz und kein Ende
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:58 Minuten)
Neue Gesetze sollen den Hass im Internet zurückdrängen und die Strafverfolgung erleichtern. Anbieter Sozialer Netzwerke sollen Straftaten künftig nicht nur blockieren und löschen, sondern auch an das Bundeskriminalamt melden. Außerdem sollen auch die Androhungen von Straftaten verfolgt werden. Tipp: Bookmark anlegen wegen des angefügten Kastens mit Angeboten gegen Hass im Netz.

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4. Die Leiden der freien Schreiber
(kontextwochenzeitung.de, Peter Dietrich)
Die Ludwig-Maximilians-Universität in München hat eine Studie zur “Prekarisierung im Journalismus” durchgeführt mit, man ahnt es schon, alarmierenden Ergebnissen (PDF). Nur 31 Prozent der befragten freien Medienschaffenden könnten von dem Beruf leben, ohne weiteren Beschäftigungen nachgehen zu müssen. Peter Dietrich befürchtet, dass immer mehr freie Journalistinnen und Journalisten in PR und Öffentlichkeitsarbeit abwandern: “PR ist für Freie zwar verpönt, weil es die Unabhängigkeit gefährdet, aber oft überlebensnotwendig – da besser bezahlt.”

5. Hamburger Datenschützer eröffnet Verfahren gegen Facebook
(spiegel.de)
Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat ein Verfahren gegen Facebook eröffnet. Damit soll verhindert werden, dass der dominierende Internet-Konzern Daten von WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzern erhebt und zu eigenen Zwecken verarbeitet. WhatsApp werde in Deutschland mittlerweile von fast 60 Millionen Menschen genutzt und sei die mit Abstand meistgenutzte Social-Media-Anwendung, noch vor Facebook, so Caspar. Dies dürfe nicht zu einer missbräuchlichen Ausnutzung der Datenmacht führen.
Weiterer Lesetipp: Abgesaugt: “Datenlecks wie jüngst bei Facebook werden zunehmen. Bedrohlich wird die Sache durch die schiere Masse preisgegebener Informationen.” (taz.de, Daniél Kretschmar)

6. Homophobe Attacke in der Sat.1-Primetime: ein Sender am Tiefpunkt
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Im Rahmen der Trash-Show “Promis unter Palmen” (Sat.1) wurde minutenlang eine homophobe Verbalattacke des Bordellbesitzers “Marcus Prinz von Anhalt” ausgestrahlt. Ein neuer Tiefpunkt des Privatfernsehens, wie Matthias Schwarzer findet: “Unter diesen Umständen ist Sat.1 jedoch nicht mehr als eine skrupellose Plattform für unerträgliches Proll-TV, das zur besten Sendezeit Homophobie fördert.”
Update: Nachdem der Sender die Ausstrahlung der Sendung zunächst verteidigt hatte, kam nun der Sinneswandel: “Prinz Marcus von Anhalt hat sich bei ‘Promis unter Palmen’ inakzeptabel homophob geäußert. Wir haben versucht, diese Aussagen im Umfeld und im Anschluss der Sendung einzuordnen. Aber wir müssen feststellen: Diese Einordnung war so nicht ausreichend. Deswegen haben wir uns entschieden, die Folge online von allen Plattformen zu entfernen. Prinz Marcus von Anhalt wird in Zukunft in keiner Show von Sat.1 mehr stattfinden.” Man ist versucht, ein “Warum nicht gleich so?” anzufügen, denn dem Sender war natürlich genau bekannt, wem er dort eine Bühne bot.

Gefährliches Feld, G+J-Betriebsrat wehrt sich, Russische Kampagnen

1. “Das gefährlichste Feld für Journalisten überhaupt”
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster, Audio: 5:27 Minuten)
Innerhalb von wenigen Jahren wurden in Europa zwei Journalisten und eine Journalistin ermordet: Die Maltesin Daphne Caruana Galizia, der Slowake Ján Kuciak und, ganz aktuell, der Grieche Giorgios Karaivaz. Juliane Matthey von Reporter ohne Grenzen sieht in den Fällen Parallelen. Alle Mordopfer hätten sich mit Themen wie Korruption und Organisierter Kriminalität beschäftigt: “(…) wenn Journalisten zu solchen Themen recherchieren und gerade auch zu Verbindungen der organisierten Kriminalität in die Politik, in die Verwaltung, ist das ein sehr, sehr gefährliches Feld, und eigentlich das gefährlichste Feld für Journalistinnen und Journalisten überhaupt.”

2. Der liberale Westen sei im Niedergang, Extremisten seien die Guten – wie Moskaus Propaganda die Gesellschaft destabilisieren will
(nzz.ch, Markus Ziener)
Deutschland sei das Hauptzielland russischer Propagandaaktivitäten, so Markus Ziener in der “NZZ”. Kein anderer EU-Staat werde heftiger angegriffen. Laut einer Analyse des Europäischen Auswärtigen Dienstes sei Berlin seit Ende 2015 mehr als 700 Mal das Ziel von Kampagnen russischer Medien gewesen. Wie ist der Wunsch auf Einflussnahme zu erklären? Was bewegt die russische Regierung zu dieser Art von Aktivität?

3. “Bild” wird zum TV-Sender
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Mit “Bild Live” will der Axel-Springer-Konzern einen neuen Fernsehsender starten. Online hatte es schon ein Liveprogramm gegeben. Der neue TV-Sender soll über Kabel, Satellit und im Internet zu empfangen sein. Programmchef des neuen Kanals soll Claus Strunz werden, der Fernsehmoderator und ehemalige Chefredakteur von “Bild am Sonntag”. Der postfaktische Strunz ist für Sätze wie “Populismus ist das Viagra einer erschlafften Demokratie” bekannt, siehe dazu auch: Claus Strunz will es der Demokratie besorgen (übermedien.de, Boris Rosenkranz, aus 2017).

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4. EM in zwölf Ländern “verantwortungslos”
(zdf.de)
Im Sommer steht nicht nur ein Sport-, sondern auch ein Medienereignis an: die Fußball-Europameisterschaft. “Zehntausende Fans in den EM-Stadien, dazu Nationalmannschaften, die für ihre Spiele munter zwischen Amsterdam, Bukarest oder London hin- und herreisen – für den SPD-Gesundheitsexperten ein Unding inmitten der Pandemie.”

5. G+J-Betriebsrat spricht sich gegen Fusion mit RTL aus
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Betriebsrat von Gruner + Jahr spricht sich gegen eine mögliche Fusion mit RTL aus. Zuvor hatte es im Verlag bereits eine wichtige Personalie gegeben: G+J-Chefin Julia Jäkel war durch den RTL-Verantwortlichen Stephan Schäfer ersetzt worden. Spätestens seit diesem Zeitpunkt deutet vieles auf eine mögliche Fusion der beiden Häuser hin (siehe dazu: Raus aus dem Dschungelcamp, spiegel.de, Isabell Hülsen & Anton Rainer & Alexander Kühn).

6. Gamerin mogelt Fragen in Pressekonferenzen des Weißen Hauses
(spiegel.de, Markus Böhm)
In den USA ist es einer Person gelungen, als angebliche Korrespondentin Zugang zu den Pressekonferenzen des Weißen Hauses zu erhalten und dort Fragen unterzubringen. “Die Trollaktion dürfte einigen, die ‘Kacey Montagu’ für eine echte Kollegin hielten, peinlich sein. ‘Kacey Montagu’ selbst sammelt auf ihrem Twitteraccount derweil Begriffe wie ‘Hochstaplerin’, mit denen sie Medien wie Fox News beschreiben. Zugleich betont sie aber, offen für Jobangebote von Medien zu sein, die jetzt über sie berichten.”

Neue Hass-Dimension, RTL richtet neu aus, Chinas TV-Zensur radiert aus

1. Hass und Hetze im Netz: Kaum Schutz für Opfer
(wdr.de, Lara Straatmann, Video: 7:32 Minuten)
Die couragierte und meinungsstarke Comedyautorin Jasmina Kuhnke sieht sich seit Jahren Einschüchterungen, Beleidigungen und Morddrohungen ausgesetzt. Doch nun erreicht die auch von rechtskonservativen Journalisten angefeuerte Online-Hetze einen neuen traurigen Höhepunkt: Aufgrund der akuten Bedrohungslage musste Kuhnke samt ihrer vier Kinder den Wohnort wechseln.

2. “Katapult” macht Lokalzeitung Konkurrenz
(deutschlandfunk.de, Silke Hasselmann, Audio: 5:23 Minuten)
Der für seine Infografiken bekannte “Katapult”-Verlag startet ein neues Online-Medium für Mecklenburg-Vorpommern. Im Deutschlandfunk erzählt “Katapult”-Chef Benjamin Fredrich von den Beweggründen – und die haben etwas mit dem marktbeherrschenden “Nordkurier”” zu tun.

3. Aufruf: Schützt unsere Reporterinnen und Reporter und ihre Teams!
(agra-rundfunk.de, Hubert Krech)
Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse (AGRA) ist eine Plattform, auf der sich die Redakteursvertreter von ARD, Deutschlandradio, Deutsche Welle und ZDF austauschen. Wegen der zunehmenden Angriffe und Übergriffe auf Reporterteams bei Demonstrationen hat die AGRA einen Offenen Brief an die Innen- und Justizminister (PDF) geschrieben: “Die Journalist*innen und ihre Teams werden schon seit einigen Jahren massiv beschimpft und bedrängt – und teilweise sogar körperlich angegriffen. Einige Reportage-Teams können schon länger ihre Arbeit nur unter Schutz von privaten Sicherheitsfirmen verrichten. Immer wieder werden Reporter*innen und Teammitglieder verletzt und müssen sogar ärztlich behandelt werden. (…) Das können und wollen wir nicht als mögliches Berufsrisiko hinnehmen.”
Weiterer Lesehinweis: Corona-Proteste in Österreich: ORF will Reporter besser schützen (deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz).

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4. “Das Thema Wohnen ist sehr emotional aufgeladen”
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Ulrike Bremm hat für den “Fachjournalist” mit zwei Verantwortlichen des Wohn- und Lifestyle-Magazins “Living at Home” gesprochen: Was fasziniert sie am “Living-Journalismus”? Welche Qualifikationen sollte man als “Living-Journalist” mitbringen? Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Und: Wie wohnen sie selbst?

5. Weniger laut und seriöser – Darum ist der angestrebte Imagewandel bei RTL ein richtiger Schritt
(meedia.de, Thomas Borgböhmer)
Unlängst sorgte eine Medienpersonalie für Schlagzeilen: Quasi im laufenden Geschäftsbetrieb trennte sich RTL von seiner langjährigen Programmikone, dem Pop-Star und “DSDS”-Juror Dieter Bohlen. Gleichzeitig holt sich der Sender Hape Kerkeling und Jan Hofer ins Programm. Keine zufälligen Entscheidungen, sondern Teil einer strategischen Neuausrichtung des Senders, wie “Meedia”-Redakteur Thomas Borgböhmer erklärt.

6. Chinas TV-Zensur radiert westliche Marken aus
(spiegel.de)
Einige Modefirmen wollen keine Baumwolle mehr aus der chinesischen Provinz Xinjiang beziehen. Ende vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass dort Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren als Zwangsarbeiter in der Baumwollproduktion eingesetzt werden. Als Reaktion auf den Baumwoll-Boykott haben chinesische TV-Sender damit begonnen, Hinweise auf Kleidungshersteller aus Europa und den USA in ihrem Programm zu überblenden. Das Resultat ist mitunter kurios.

Krautreporter vs. Bundesregierung, Pekings Propaganda, Facebooks Leck

1. Warum wir rechtlich gegen die Bundesregierung vorgehen
(krautreporter.de)
Die Bundesregierung will über 200 Millionen Euro Fördergelder an die Presse ausschütten. Der Haken: Das Geld geht nur an die etablierten Player der Print-Branche – digitale, unabhängige Medien bekommen nichts. Dagegen wollen sich die “Krautreporter” wehren. Zunächst mit einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, möglicherweise aber auch mit weiteren Schritten: “Sollte Minister Altmaier uns nicht bis zum 20. April bestätigen, dass er die Presseförderung in dieser Form unterlässt, gehen wir vor Gericht.”

2. Peking investiert in Propaganda
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Steffen Wurzel, Audio: 6:44 Minuten)
Nicht nur Russland will seinen medialen Einfluss im Ausland ausbauen. Auch China investiere in Propaganda, so der China-Korrespondent Steffen Wurzel im Deutschlandfunk. Die Kommunistische Partei setze laut einem australischen Thinktank systematisch auf die Sozialen Medien und auf Influencer. Erwähnung finden auch prominente Personen wie der frühere SPD-Bundesvorsitzende Rudolf Scharping und der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess.

3. Dann lieber den wütenden Rezo als die eiernde Birgitta
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Medienkritiker Stefan Niggemeier wundert sich über einen “Tagesthemen”-Kommentar von Birgitta Weber, der Inlandsfernsehchefin des SWR und Leiterin von “Report Mainz”. In ihrem Kommentar hat Weber sinngemäß beklagt, dass die politische Diskussion auch an den Osterfeiertagen weitergegangen sei. Niggemeier kommentiert: “Man kann wirklich viel sagen gegen Laschets ‘Brückenlockdown’ (und auch einiges dafür). Aber der eine Vorwurf, der wirklich zu dumm sein sollte für eine öffentliche Debatte und sogar einen ‘Tagesthemen’-Kommentar, ist der der öffentlichen Ruhestörung.”

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4. Facebook versucht, ein riesiges Datenleak kleinzureden
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Vergangenes Wochenende wurde publik, dass ein Unbekannter in einem Forum einen Datensatz mit Informationen zu mehr als 530 Millionen Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern veröffentlicht hat. Facebook versucht, das brisante Datenleck herunterzuspielen, und scheint sich auch ansonsten wenig Mühe zu geben, verantwortungsvoll zu handeln. So habe das Unternehmen nicht vor, die Betroffenen zu kontaktieren.

5. Die Guten müssen zusammenhalten
(kontextwochenzeitung.de)
Vor zehn Jahren wurde der Kontext-Verein für ganzheitlichen Journalismus e.V. gegründet – es war die Geburtsstunde der Online-Wochenzeitung “Kontext”. Zehn Jahre später schaut die Redaktion zurück auf die verstrichene Dekade und präsentiert besondere Momente der “Kontext”-Historie.

6. Vogelgezwitscher im Hintergrund
(blogs.taz.de, Lalon Sander)
Die “taz” hat zu Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr ein tolles Projekt gestartet: Leser und Leserinnen sprechen “taz”-Texte ein, die Ergebnisse kann man beim Messenger Telegram anhören. Mittlerweile seien 2.000 dieser Hörstücke zusammengekommen. Wer auch einen stimmlichen Beitrag zu dem Projekt beisteuern will, könne sich gerne unter [email protected] melden.

Er ist wieder da, Volksverblödung, Sprechen ohne Sinn für Fußballer

1. Er ist wieder da
(taz.de, Anne Fromm)
Vier Wochen lief das Compliance-Verfahren gegen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt. Zwischenzeitlich war er freigestellt, doch nun ist er wieder da. “Der Vorstand ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht gerechtfertigt wäre, Julian Reichelt aufgrund der in der Untersuchung festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung – die nicht strafrechtlicher Natur sind – von seinem Posten als Chefredakteur abzuberufen”, so die offizielle Verlautbarung. Laut Axel-Springer-Verlag solle sich jedoch die “Führungskultur” bei “Bild” ändern. Reichelt bilde fortan mit Alexandra Würzbach eine Doppelspitze. Außerdem wolle er “eine neue Unternehmenskultur vorleben”.

2. Wie “Welt” und AfD einander die Bälle zuspielen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die AfD und die “Welt” scheinen eine Art symbiotisches Verhältnis zu pflegen: Die AfD liefert Thema, Framing, Zahlen, Zitate, die “Welt” bietet eine Plattform und räumt auf ihrer Onlineseite die Klicks dafür ab. Der Medienkritiker Stefan Niggemeier erklärt anhand eines praktischen Beispiels, wie das Wechselspiel funktioniert.

3. Top Ten der Vergessenen Nachrichten 2021
(derblindefleck.de)
Die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung hat erneut die zehn Nachrichten beziehungsweise Themen des Jahres gewählt, die aus ihrer Sicht in der medialen Berichterstattung vernachlässigt worden seien – vom Netzwerkdurchsetzungsgesetz und dem NATO-Manöver “Defender 2020” bis zur Armut bei jungen Erwachsenen. Die Lektüre ist nicht nur für Medienschaffende auf Themensuche interessant, sondern lohnt unbedingt auch für alle anderen.

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4. “Hartnäckig sein, selbstbewusst sein und auf das eigene Standing schauen”
(fachjournalist.de, Friederike Schwabel)
Die Germanistin Veronika Schuchter forscht zur Bedeutung des Geschlechts innerhalb der Literaturkritik und ist unter anderem Mitherausgeberin der Online-Zeitschrift literaturkritik.at. Im Interview mit dem “Fachjournalist” spricht sie über Geschlechterverhältnisse in der Literaturkritik, eine mögliche Quotierung und nützliches Networking.

5. »Die reinste Volksverblödung«
(spiegel.de, Laura Ewert)
Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen haben ein Buch geschrieben, in dem sie mit Influencern abrechnen. Im Interview mit dem “Spiegel” sagen sie: “Wir sehen sie als eine Gefahr für die Demokratie. Wir bewegen uns zusammen mit den Influencern zurück in ein voraufklärerisches Zeitalter, als der Landesfürst zum Bischof sagte: Halt du sie dumm, ich halt sie arm. Influencer übernehmen jetzt beides in Personalunion. Sie dienen dem Konsumkapitalismus und sind nicht an mündigen Followern interessiert, denn das Geschäft macht man mit jenen, die blind folgen, also liken und kaufen.” Im Gespräch nehmen die beiden Autoren, ähnlich wie in ihrem Podcast, kein Blatt vor den Mund.

6. “Gefühle, wo man nur schwer beschreiben kann”: So lernen Fußballstars, in TV-Interviews nichts zu sagen
(rnd.de, Imre Grimm)
“Warum klingt fast jedes Interview nach einem Fußballspiel so banal? Woher kommt die sinnlose Leersprache?” Imre Grimm ist sich sicher: Das kann man nur in einem geheimen Floskelinstitut lernen! Zum Beispiel in Seminaren wie “Sprechen ohne Sinn – So gebe ich Interviews, ohne den Trainer zu verärgern und zur Lachnummer zu werden”. Grimms satirische Lektionen für Jungfußballer sind eine gute Vorbereitung auf das anstehende Fußballwochenende.

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