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Anonymität à la “Bild” II

“Alles klar, aber ihr druckt nicht meinen vollen Namen, okay?!”
“Nein, nein, keine Sorge.”

Diese Geschwister, zum Beispiel, die miteinander drei Kinder zeugten, von denen mindestens zwei behindert sind. Dank “Bild” kennt ganz Deutschland das “Inzest-Paar”: ihre Gesichter, ihre Vornamen, ihr Alter, ihren Heimatort. Nur ihre Nachnamen verschwieg das Blatt. Doch bei Bild Online sieht sie jeder, der einen Internet Explorer benutzt und mit der Maus über das Foto fährt. (Rote Balken von uns.)

Oder die ehemalige Geliebte von Frank Zander, die anscheinend mit “Bild” geredet und von der “Bild” auch ein Privatfoto hat, deren Namen das Blatt aber nur als “Michaela M.” abkürzt. Die vermeintliche Diskretion wirkt ein wenig albern, wenn der vollständige Name in den Foto-Informationen steckt, die der Explorer anzeigt.

Dies hier war wohl doch kein Einzelfall.

Danke an Branko K. für den sachdienlichen Hinweis!

Nachtrag, 23.00 Uhr: Das ging schnell. Zwei Stunden nach diesem Eintrag hat Bild Online die Nachnamen entfernt.

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Knapp daneben

“Gewinner des Tages” heute: Liselotte Pulver.

Dieses strahlende Lächeln lieben die Deutschen! Die große Liselotte Pulver faszinierte mit ihrer Gala zum 75. Geburtstag in der ARD ein Riesenpublikum. Über 9 Millionen Zuschauer ließen sich von ihrem Charme und Berichten berühmter Weggefährten wie Hardy Krüger fesseln.

Nein, es waren 6,86 Millionen. Ja, das ist auch viel. Aber wär’ es nicht schön, wenn solche Angaben mal stimmen würden?

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Anonymität à la “Bild”

Es gibt Dinge, die beherrschen sie bei der “Bild”-Zeitung. Das Anonymisieren von Personen gehört nicht dazu (vgl. etwa hier, hier, hier und hier). Da ist diese 16-jährige Vanessa aus Bayern, die im Gefängnis in Ankara sitzt, weil in dem Wagen, in dem sie und ihr Freund unterwegs waren, elf Kilo Heroin gefunden wurden. Den Versuch der “Bild”-Zeitung, das Gesicht der “süßen Schülerin” unkenntlich zu machen, muss man wohl halbherzig nennen: Sie hat nicht einmal den üblichen schwarzen Balken über den Augen bekommen. Stattdessen wurde dieser Bereich ein wenig gepixelt, was der Erkennbarkeit wirklich keinen Abbruch tut.

Die Online-Redaktion wollte die Minderjährige (und ihre Angehörigen) offenbar ein bisschen besser schützen und hat dasselbe Bild anders retuchiert: nämlich mit dem klassischen schwarzen Balken. Richtig gelungen ist das mit der Anonymität allerdings nicht. Denn in die Zusatzinformation, die erscheint, wenn man im Internet Explorer mit dem Mauszeiger über das Bild fährt, hat irgendein Scherzkeks oder Dilettant den kompletten Namen der Verdächtigen geschrieben (siehe Abbildung rechts — der rote Balken über dem Nachnamen ist von uns).

Danke für den Hinweis an Gerhard M., der sagt, dass sowas bei bild.de häufiger vorkommt. In Browsern wie Firefox, Mozilla etc. wird die Namensangabe, die im “ALT”-Tag steckt, übrigens nur sichtbar, wenn man die Anzeige von Bildern abschaltet. Dann zeigt der Browser statt der Grafik den Ersatztext – in diesem Fall die Namensangabe.

Nachtrag 12.10., 9.00 Uhr: Anscheinend ist die halbversteckte Namensnennung bei bild.de tatsächlich gängige Praxis. Wer den vollen Namen eines “Heroin-Mädchens” wissen will, die als 18-jährige in der Türkei verhaftet wurde, muss ebenfalls nur mit der Maus über ihr Foto fahren. (Der rote Balken ist wieder von uns.)

Nachtrag 12.10., 17.00 Uhr: Auch bei “Bild” wird BILDblog gelesen. Seit heute Mittag ist der Nachname von Vanessa verschwunden. Dass das ganze Prinzip der Schein-Anonymisierung durch winzige schwarze Balken eine Farce ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Nachtrag 12.10., 18.00 Uhr: Zugegeben: Das zweite Beispiel mit dem Heroin-Mädchen ist schief. Dessen Name ist längst bekannt aus Auftritten in Funk und Fernsehen.

“Bild” ohne Bild

Das “Manager-Magazin” hat mal wieder eine Liste der “reichsten Deutschen” veröffentlicht. Und das ist eine gute Gelegenheit (angeregt vom Weblog automat) eine Kleinigkeit nachzutragen. Denn am Dienstag druckte “Bild” wie viele andere auch die “Manager-Magazin”-Liste nach und hatte tags drauf zudem eine Art Porträt der “reichsten Frau Deutschlands” im Blatt, das wiederum Bild.de zum Anlass nahm, eine Bilderschau der “Zehn reichsten Deutschen” aus dem Archiv zu kramen, die offenbar irgendwann mal anlässlich eines ähnlichen Rankings angefertigt worden war (und bei der gerade mal die Plätze 1 bis 3 identisch mit der aktuellen “Manager-Magazin”-Liste sind, aber egal). Beim reichsten Deutschen jedenfalls, dem ALDI-Süd-Chef Karl Albrecht, hat Bild.de statt eines Fotos nur ein ALDI-Logo abgebildet und wie eine Entschuldigung hinzugefügt:

“Es existieren keine Fotos.”

Was, nun ja, schlicht gelogen ist, wie man beispielsweise schon ein Jahr vorher auf dem Cover der “Wirtschaftswoche” oder bei Forbes.com sehen konnte.

Mit Dank an Wilhelm R. für den sachdienlichen Hinweis.

Das alte Lied

Eigentlich ist die Überschrift “Gottschalk trommelt für deutschen Pop” ja ganz pfiffig. Meint das Wort “trommeln” doch u.a., dass jemand musiziert, was natürlich hervorragend zum “Pop” als Musikrichtung passt. Da es in dem zugehörigen “Bild”-Artikel aber um die gestern vorm Kulturausschuss des Bundestags diskutierte Frage nach einer Radio-Quote für deutschsprachige oder in Deutschland produzierte Musik geht, dürfte wohl eher die übertragene, umgangssprachliche Bedeutung von “trommeln” gemeint sein, die der Duden folgendermaßen definiert:

tro.m|meln [spätmhd. trumelen]: 1. a) die Trommel (1) schlagen: laut t.; Übertragung: weil die Gewerkschaften für die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich trommeln (ugs.; mit Eifer dafür Werbung, Propaganda machen…)

Gottschalks eifrige Werbung liest sich dann allerdings so:

Nur dass ein Titel deutsch gesungen wird, sollte ihm nicht das Recht geben, zwangsaufgeführt zu werden. (…) Quote für deutsche Produktionen geht in Ordnung – was die Sprache betrifft, hielte ich sie für bedenklich.

Vielleicht ist die Überschrift also doch viel weniger pfiffig als irreführend.

Schlagzeilt “Bild” zu schnell?

“Schießt unsere Polizei zu schnell?”, fragt “Bild” in großen Lettern neben der Abbildung eines SEK-Beamten mit “Waffe im Anschlag”. Denn: “In Gießen wurde ein 77-jähriger Rentner vom SEK getötet, der sich gegen die Zwangsräumung [seiner Wohnung] wehrte.” Mit einer Waffe, wohlgemerkt. Aber: “Schon das dritte Opfer dieses Jahr.”

“Im letzten Jahr töteten Polizisten bundesweit nur drei Menschen. Niedrigster Stand seit 30 Jahren. Und jetzt ist diese Zahl allein in Hessen eingestellt. Vermutung: Seit dem Mord an Radar-Polizist Günter K[.] (41) auf der A4 im Januar 2000 haben Hessens Ordnungshüter einen nervösen Finger” bzw. fühlen sich “als Freiwild”.

War der Tod des Kollegen womöglich

Noch mal zum Mitdenken: Seit dem Mord an Günter K. im Jahr 2000 sollen hessische Polizisten schneller zur Waffe greifen als vorher, obwohl 2003 “bundesweit nur drei Menschen” bei Polizeieinsätzen getötet wurden.

Gibt es denn Indizien, die eine solche Vermutung rechtfertigen?

Nein, sagt ein Sprecher des hessischen Innenministeriums: “Der Einsatz steht immer in Zusammenhang mit lebensbedrohlichen Situationen für die Polizeibeamten oder Dritte.”

Nein, sagt auch “ein Schieß-Experte zu BILD”: “In Notwehrsituationen zielt man da hin, wo die Trefferwahrscheinlichkeit oder der [sic] Wirkung am höchsten ist (…).”

Nein, sagt außerdem der Sprecher des “sonst stets kritischen” Bunds Deutscher Kriminalbeamter: “Das Training [mit der Waffe] hat sich in den letzten Jahren stark verbessert (…).”

Dem hat auch “Bild” nichts mehr hinzuzufügen.

Polizist. Tot!

Ein Rentner aus Gießen wehrte sich mit einer Pistole gegen die Zwangsräumung seiner Wohnung. Die Polizei versuchte, die Situation in den Griff zu bekommen. Und “Bild” titelt:

Wie aber kam es zu dem Unglück?

Der 77-Jährige hatte sich in seiner Wohnung verschanzt. Als die Polizei die Wohnung stürmen wollte, schoss der Rentner.

Und dabei ist einer der Polizisten ums Leben gekommen?

Nein, ganz und gar nicht. Eigentlich war’s nämlich so, weiß “Bild” im Text zur Schlagzeile:

“Zwei Mal schießt das SEK zurück. Eine Kugel trifft den wütender [sic] Mann tödlich.”

Nicht der Polizist, sondern der Rentner ist also bei dem Einsatz ums Leben gekommen. Und “Bild” schließt mit dem Satz: “Kein Beamter verletzt.”

Kalte Dusche

Schließen Sie bitte die Augen und stellen sich eine “Sex-Attacke” vor – Die “Sex-Attacke” einer Frau auf einen Mann. Sie ist wunderschön, weltberühmt, Oscar-Preisträgerin. Er ein Zwei-Meter-Hühne, Muskel bepackt, Schwergewichts-Boxer, mit Oberarmen so dick, wie anderer Leute Oberschenkel.

So.

Zur Abkühlung lesen Sie nun bitte, was Wladimir Klitschko wirklich mit Julia Roberts erlebte und in seiner “spannenden” (“Bild”) Biografie enthüllt, die nächste Woche erscheint, und aus der “Bild” vorab Auszüge veröffentlicht, was sie auf der Titelseite in fünf Zentimeter hohen Lettern ziemlich heiß ankündigt (s. Ausriss):

Bei einer Gelegenheit … spürte ich plötzlich, wie sie ihre Hand auf meinen Hintern legte. Ich hätte schwören können, dass sie ihn streichelte.

Und es wird noch doller:

Also ließ ich es mir nicht nehmen, sie zum Tanz aufzufordern. Gut möglich, dass die Sache mit meinem Hintern auch hierbei geschah.

Gut möglich auch, dass man sich unter einer “Sex-Attacke” für gewöhnlich etwas spannenderes vorstellt. Etwas mit mehr Sex und mehr Attacke zum Beispiel.

Typisch “Bild”

Typisch Beckham“, schreibt “Bild”, weil der Fußballspieler David Beckham, genannt “Becks”, kürzlich mit einem neuen Auto zum Training beim Fußball-Klub Real Madrid gefahren kam, was wiederum für “Bild” Grund genug ist, gleich mal über “Beckhams teuren Fuhrpark” zu berichten. Und zwar so:

Der Frauenschwarm fuhr auf dem Parkplatz vor Reals Trainingsgelände noch eine Extrarunde, um zu erreichen, dass seinen ‘Millionaros’-Kollegen auch ja die Spucke wegbleibt.”

Und wir sehen die Szene (Brumm-brumm, Extrarunde, quietsch!) vor unserem geistigen Auge. Dumm nur, dass sie überhaupt nicht stimmt. Denn in der britischen Boulevardzeitung “The Sun”, aus der “Bild” die Geschichte abgeschrieben hat, hieß es stattdessen bloß:

“England skipper Becks even turned around to get another glimpse as he went to join his team-mates.”
(Was übersetzt bedeutet, dass Beckham sich auf dem Weg zu seinen Team-Kollegen nach dem Aussteigen noch mal umgedreht und einen kurzen Blick aufs Auto geworfen hatte.)

Aber mal ehrlich: Ist so ein kleiner Übersetzungsfehler (turn around statt turn a round) in Europas größter Tageszeitung denn wirklich der Rede wert? Oder etwa typisch “Bild”?

Mit Dank an Nils für den sachdienlichen Hinweis.

Muss denn das sein?

Erst kürzlich, nicht wahr, war der Herausgeber der neuen Springer-Zeitschrift “Der Freund” für die ebenfalls im Springer-Verlag erscheinende “Bild”-Zeitung der “Gewinner” des Tages. Und kaum ist das Magazin erschienen, taucht “Der Freund” wie zufällig in der “In & Out”-Rubrik der “Bild”-Zeitung auf – natürlich auf der “In”-Seite, wo auch sonst?

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