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“Bild” macht Neuanfang

“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann greift hart durch: Er will bei der Beachtung der “journalistischen Standards” des Blattes in Zukunft kein Auge mehr zudrücken. Das sagte er anlässlich der Neubesetzung mehrerer Stellen in der Chefredaktion, die er als “Zäsur” bezeichnete. Seine “grundsätzlichen Überlegungen” waren ihm “so wichtig”, dass er sie zusätzlich per E-Mail an die “Bild”-Mitarbeiter schickte. In dem Brief, den die Fachzeitschrift “werben & verkaufen” veröffentlichte, lobt er die Bedeutung des Blattes, fährt aber fort:

Wo Licht ist, ist Schatten. Wo gearbeitet wird, da werden Fehler gemacht. Das heißt nicht, daß wo mit besonders großen Buchstaben gearbeitet wird, deshalb auch besonders große Fehler gemacht würden. Aber: In großen Buchstaben sind Fehler eben besonders eindrucksvoll und tun uns besonders weh. Gerade weil wir journalistischer Schrittmacher und Marktführer sind, werden wir sehr genau und kritisch beobachtet. Und deshalb müssen wir uns selbst und unsere Performance jeden Tag kritisch überprüfen.

Jeder Fehler ist ein Fehler zuviel! Lassen Sie mich ein paar Dinge unsortiert herausgreifen:

Wer sich bei heiklen Themen auf andere verläßt und keine eigenen Recherchen anstellt, paßt nicht zu uns. Übergeigte Überschriften, die vom Text nicht gehalten werden, haben in BILD nichts zu suchen. Texte, die man nicht versteht, Bildunterschriften, die lieblos hingerotzt werden, machen unsere Zeitung kaputt. Wer bei anderen abschreibt und dabei nicht mal in der Lage ist, Namen oder Fakten richtig abzuschreiben, gehört nicht zu BILD!

Was ich Ihnen hier beispielhaft sage, sind eigentlich selbstverständliche Standards. … Deshalb gilt bei der Beachtung unserer journalistischen Standards künftig: Null Toleranz! Qualität kommt von quälen. Und das erwarte ich von uns. Jeden Tag, immer wieder.

Wem die Bereitschaft fehlt, mit Lust, mit Liebe und mit Leidenschaft für BILD zu arbeiten, jeden Tag für das gesamte Blatt mitzudenken, der sollte sich prüfen, ob er bei uns wirklich richtig ist. In diese Kritik schließe ich jeden, der Führungsverantwortung trägt, vor allem und zu allererst mich, ein.

Der Antritt der neuen Mitglieder der Chefredaktion, fast vier Jahre, nachdem Diekmann “Bild”-Chefredakteur wurde, solle als ein “Neuanfang” begriffen werden, schrieb Diekmann:

Wenn alle mitmachen, werden die nächsten vier Jahre ganz sicher so erfolgreich wie die vergangenen vier Jahre.

Wir begrüßen den “Neuanfang”, weisen aber darauf hin, dass die verkaufte Auflage von “Bild” in den vergangenen vier Jahren um elf Prozent oder eine halbe Million Exemplare gesunken ist.

Allgemein  

Symbolfoto IV

Am Donnerstag zeigte “Bild” als Aufmacher auf Seite 1 dieses Foto:

Auf das Foto zeigte diese Schlagzeile:

Unter dem Foto stand dieser Bildtext:

Britische Flugzeuge im Bombenkampf gegen Deutschland.

Und was zeigt das Bild? Amerikanische Flugzeuge über der Normandie.

Nach einem Bericht des “Tagesspiegel” und mehrern sachdienlichen Hinweisen.

Nichts Neues im Dschungel

Seit dem Start der zweiten Staffel von “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” ist “Bild”-Reporterin Patricia Dreyer vor Ort in Australien und berichtet aus dem RTL-Camp. Gestern hatte sie vermutlich ziemlich viel Freizeit – trotz der großen “Schummelei”-Enthüllungsgeschichte, die heute im Blatt steht.

“Warum regnet’s nie?”, fragt Dreyer darin misstrauisch – und erklärt: “Weil der Regen gar nicht ins Camp gelangt! Eine Plane ist drübergespannt, damit trotz extremer Wetterbedingungen TV-Bilder geliefert werden können.” Na gut, das ist kein Aufreger. Schon am 18. Januar 2004 während der ersten Dschungel-Staffel hatte “BamS” berichtet: “Das ganze Areal ist gegen Regen geschützt. Techniker Keith, der im TV-Team arbeitete, zu BamS: ‘In die Baumwipfel wurde eine riesige Abdeckplane eingewoben.'”

“Warum hört man keine Tiergeräusche?”, rätselt die Dschungelreporterin weiter. Na, “weil’s keine gibt! Alle größeren wilden Tiere wurden vor Beginn der Dreharbeiten aus dem Wald entfernt, um die Promis nicht zu gefährden.” Auch nicht gerade eine Neuigkeit. Vor 9 Monaten zitierte “BamS” einen RTL-Mitarbeiter: “Das Camp ist vorher gesäubert worden. Jedes Tier, auf das die Kandidaten treffen, ist von RTL dort platziert worden.”

Und der angeblich verbotene Kontakt zur Außenwelt? Dreyer deckt auf: “Von wegen Einsamkeit! Die Promis können mit einem Psychologen telefonieren, in Notfällen einen Arzt verlangen, einmal am Tag wird auch das Plumpsklo geleert.” Das mit dem Plumpsklo war bisher tatsächlich nicht bekannt. Der Rest schon. Wieder “BamS” im Januar: “Sie sind ganz auf sich gestellt – hieß es vor dem Start der Show. In Wirklichkeit stand sogar ständig ein Psychologe zur Verfügung, der im eigens dafür aufgebauten Haus (darin ist auch die Erste-Hilfe-Station) fleißig kontaktet wurde.”

Ein paar Seiten vor Dreyers Bericht druckt “Bild” übrigens diese originelle Eigenanzeige ab:

Sündenfall

Wer zeigt jeden Tag die guten und fröhlichen wie die dunklen und traurigen Seiten des Lebens? Das ganze Spektrum unserer Gesellschaft, lebensnah, anschaulich und fern aller Theorie?

Wissen Sie nicht? Na gut. Zwei Antwortmöglichkeiten:
Möglichkeit 1: “Bild”.
Möglichkeit 2: Die Bibel.

Die Lösung: Beides stimmt – jedenfalls nach Ansicht von “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann. Kein Wunder also, dass “Bild” gemeinsam mit der Verlagsgruppe Weltbild eine hochwertig ausgestattete Volksbibel auf den Markt bringt. Ja, lesen Sie das ruhig noch mal, um es zu glauben:

“Europas größte Tageszeitung BILD und die Augsburger Verlagsgruppe Weltbild bringen gemeinsam eine hochwertig ausgestattete Volksbibel auf den Markt.”

Und das “Geleitwort”, also quasi ein Vorwort zur Heiligen Schrift, zum Alten und Neuen Testament, zur Bibel also, hat Diekmann auch gleich geschrieben, mit freundlicher Unterstützung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann.

Allein das schockt schon derart, dass man glatt vergessen könnte, zu erwähnen, wer heute “Gewinner des Tages” ist.

Sehtest

Prinz Philip ist ein Malheur passiert: Im Oreanda Hotel in Jalta ist er offiziellen Angaben zufolge in der Badewanne ausgerutscht und hat dabei ein blaues Auge bekommen.

Viele Medien in Großbritannien (aber auch beispielsweise in Deutschland) berichteten darüber. Und weil Prinz Philip am Montag nach seinem Missgeschick in der Ukraine noch einen öffentlichen Auftritt hatte, gibt es davon natürlich auch Fotos.

Die “Kronenzeitung” aus Österreich etwa entschied sich für dieses Bild:
 
 
 
 
 
Der Schweizer “Blick” druckte dasselbe Foto. Da sah’s dann so aus:
 
 
 
 
 
Aber natürlich mochte auch Bild.de auf die Meldung vom blauen Auge nicht verzichten und illustrierte die offenbar witzig gemeinten (und nach dem Vorbild des “Blick” bzw. der britischen “Sun” verfassten) Zeilen am Mittwoch ebenfalls mit nämlichem Foto, nur dass hier das Gesicht von Prinz Philip eigenartigerweise irgendwie käsiger und das “Veilchen” irgendwie viel, viel schlimmer aussieht…
 
 
 
 

Blutzoll

“Bild” spricht eine “Wahl-Empfehlung” aus. Für Bush. An wen sich diese “Empfehlung” richtet, womöglich an die 200.000 Amerikaner, die in Deutschland leben, wer weiß es. “Bild”-Ratgeber Hugo Müller-Vogg weiß dafür “zehn Gründe, warum es für Deutschland, die Welt und Amerika besser wäre, wenn George W. Bush Präsident bleibt.”

Am besten ist Punkt 3:

Unter Bush werden die USA als Supermacht weiterhin die Hauptlast in dem von den islamistischen Fanatikern einseitig erklärten “Heiligen Krieg” tragen – militärisch, finanziell und auch beim Blutzoll.

Anders gesagt: Die USA haben den Krieg zwar nicht angefangen, aber immer noch besser, Amerikaner sterben, als Deutsche.

Ist es das, was die Axel Springer AG meint, wenn sie alle Redakteure als einen von fünf Grundsätzen auf die “Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika” verpflichtet? Und wissen das die Amis, dass sie George W. Bush wählen sollen, damit sie auch weiterhin die “Hauptlast” des “Blutzolls” tragen dürfen? Weil das nicht nur für “Deutschland” und “die Welt”, sondern auch für “Amerika” besser wäre?

Ein Scoop

Ehre, wem Ehre gebührt. In der jetzigen Situation ein Exklusiv-Interview mit dem angeschlagenen Bundesliga-Spieler Sebastian Deisler zu bekommen, ist ein Hammer. Wir gratulieren den Kollegen von “Bild” und bekunden unseren Respekt vor dieser journalistischen Leistung dadurch, dass wir das Gespräch in voller Länge dokumentieren:

BILD: Sebastian, wie geht es Ihnen? Sie hören sich gut an.
Deisler: “Danke, mir geht es auch gut.”

BILD: Wann werden wir Sie wieder bei Bayern sehen?
Deisler: “Dazu möchte ich noch nichts sagen.”

BILD: Wir wünschen Ihnen gute Besserung und freuen uns, Sie bald wieder zu sehen.
Deisler: “Danke, bis dann.”

Keinen Kontakt, nie gehabt

Schauspieler Karsten Speck sitzt in Untersuchungshaft und “Bild” ist “das Drama” täglich einen Bericht wert. Jetzt kommt die Schreckensmeldung:

“Seit fünf Tagen hat Mutter Ellen keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn. Jetzt sagte Ellen Speck gegenüber der Tageszeitung B.Z.: ‘Wir dürfen nicht mit ihm sprechen!'”

Und außerdem:

“Das ist eine schreckliche Geschichte. Nur sein Anwalt hat noch Kontakt zu ihm. Er hält uns auf dem Laufenden.”

In der “B.Z.” steht dazu:

“Seit sechs Tagen sitzt ihr [Ellen Specks] Sohn in Untersuchungshaft (BZ berichtete). Seitdem hat die Familie keinen Kontakt zu ihm.

So? Na ja, gut.

Bloß zur Erinnerung: “Karsten Speck weint hinter Gittern”, hatte “Bild” wenige Stunden zuvor gemeldet:

“Seit fünf Tagen sitzt der TV-Star in Haft. Die Mutter zu BILD: ‘Als ich ihn im Gefängnis anrief, hat er geweint.’

Vermutlich darf man sich jetzt raussuchen, ob man — wenn überhaupt — lieber der “Bild” oder doch der “B.Z.” glauben möchte. “Bild” jedenfalls glaubt offenbar lieber den Kollegen.

Geheime “Bild”-Liste gefunden!

Heute vormittag wurde (endlich) offiziell bekannt gegeben, wer denn nun bei der zweiten Staffel der RTL-Unterhaltungsshow “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” im sog. Dschungel-Camp dabei sein wird.

Für aufmerksame “Bild”-Leser allerdings war das natürlich keine Neuigkeit. Im Gegenteil stand in der “Bild” bereits am 17. August, also vor mehr als zwei Monaten, dies:

Weiter hieß es damals: “BILD hat die geheime Auswahlliste” bzw. “die geheime Dschungel-Camp-Liste” – und zwar diese:

Désirée Nick,
Jens Riwa,
Verona Feldbusch-Pooth,
Karim “der Knutscher” Maataoui,
Nadja “Naddel” Abdel Farrag,
Carsten Spengemann,

sowie Verena Kerth (nicht mehr online).

Das klang gut damals. Oder wenigstens gut informiert. War es aber nicht. Denn (wie mittlerweile auch “Bild” zu berichten weiß) heißen die Teilnehmer der Dschungel-Show:

Désirée Nick,
Dolly Buster,
Willi Herren,
Isabel Varell,
Heydi Nunez-Gomez,
Fabrice Morvan,
Jimmy Hartwig,
Harry Wijnvoord,
Nadja Abd El Farrag,

sowie Carsten Spengemann (noch nicht bestätigt).

Kurzum: Im direkten Vergleich der “geheimen RTL-Liste” mit der tatsächlichen RTL-Liste finden sich drei Übereinstimmungen. Und man könnte das dürftig nennen – oder den ermittelten Wahrheitsgehalt von rund 30 Prozent als geheimen Richtwert für die sonstige “Bild”Berichterstattung missverstehen…

Allgemein bekannt

“Die traditionelle Rechtschreibung ist noch allgemein bekannt”, stellte “Bild” kürzlich fest, anschließend auf die alte, allgemein bekannte Schreibung um – und macht seitdem vermutlich mehr “ss”- und “ß”-Fehler als “Deutschlands Schüler”.

Nicht nur bei harten “Nüßen“, sondern auch bei einfachen, allgemein bekannten Wörtern – zum Beispiel bei der Frage, wie eigentlich die künftigen Dschungel-Camp-Bewohner entlohnt werden:

Wird fortgeßetzt.

Nachtrag, 10.23 Uhr: Der “Bild”-“ß”-Beaufragte hat seinen Dienst angetreten und hart durchgegriffen. Auch bei den Nüssen.

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