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Symbolfoto XXXVII

In Nigeria ist heute eine Pipeline explodiert.

Und Bild.de zeigt dazu auch ein dpa-Foto:

Das dpa-Foto allerdings zeigt nicht etwa, wie Bild.de (auch in einem großen Teaser) vermuten lässt, die heutige Explosion der Pipeline, sondern, wie es z.B. korrekt bei Handelsblatt.com heißt, ein “Archivbild”. Noch genauer heißt es dort:

"Das Archivbild vom 17.9.2004 zeigt ein ähnliches Unglück in Nigeria."

Mit Dank an Marc B. für den Hinweis.

Nachtrag, 13. Mai. Es hat lange gedauert, aber inzwischen hat Bild.de das Foto gegen ein anderes ausgetauscht.

Vox Populi

Am Mittwochnachmittag hinterließ ein Leser bei zeit.de folgenden Kommentar:

Heute erlebt – Straßenumfrage der Bild.

Reporter: “Wie finden Sie, daß die Bild nicht über die Hochzeit Günther Jauchs berichten darf?”

Antwort Passant: “Gut.”

Bild-Reporter: “Ok, danke schön, wir suchen aber eine andere Meinung.”

So passierte das noch drei mal!

Der Bild-Reporter hatte von ganz oben den Auftrag bekommen, bnur Leute mit der richtigen Meinung zu Wort kommen zu lassen: Bild soll berichten und Jauch soll sich fügen (und damit auch die dt. Justiz, die ja schließlich das Urteil erlassen hat)

Naja, morgen sind dann in der Bild die Leute zu sehen, die sich eine Berichterstattung der Bild wünschen.

Der zeit.de-Leser hatte Unrecht. “Bild” brauchte einen Tag länger:

Danke an Jonas G.!

“Bild” kennt Nationalhymne nicht

“Bild” schreibt heute auf der Titelseite unter Berufung auf die Boulevardzeitung “B.Z.”, der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele wolle,

“(…) daß es von der dritten Strophe unserer Nationalhymne eine türkische Version gibt.”

Das ist falsch.

Denn in der “B.Z.” heißt es heute auf der Titelseite (und ähnlich auch auf Seite 3):

“Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele (66) will unsere Nationalhymne ‘Einigkeit und Recht und Freiheit’ in einer offiziellen Übersetzung, damit sie auch in türkischer Sprache gesungen werden kann. Das sei ein ‘Zeichen der Integration’ und ein ‘Symbol für die Vielsprachigkeit Deutschlands’, sagte er der B.Z.”

Von einer “dritten Strophe unserer Nationalhymne” ist dort allerdings nirgends die Rede. (Zwar findet sich in einer weiterverbreiteten “B.Z.”-Vorabmeldung auch ein O-Ton Ströbeles, in der es heißt, Ströbele würde es “als Zeichen der Integration werten, wenn türkisch-stämmige Mitbürger die dritte Strophe auf türkisch singen könnten”. Doch anderen Medien — so sie sich nicht mit Witzischkeiten aufhalten — gelingt es mühelos, Ströbeles Satz auf das “Deutschlandlied” zu beziehen.) Denn anders als “Bild” ist der “B.Z” und anderen Medien offenbar bekannt, dass “unsere Nationalhymne” gar keine dritte Strophe kennt.

Mit Dank an Stefan P. für den Hinweis.

Im Zweifel gegen den Angeklagten

Im Oktober 2004 wurde eine Bank in Siegelsbach überfallen. Der Täter tötete dabei eine Person und verletzte zwei lebensgefährlich. Angeklagt wurde ein Bäcker aus dem Ort. Vergangenen Freitag wurde er freigesprochen.

Bei Bild.de wird daraus “Deutschlands merkwürdigster Freispruch”. Eine Einschätzung, die durchaus nachvollziehbar ist — zumindest, wenn man nur das liest, was Bild.de dazu schreibt. Denn Bild.de ignoriert fast alles, was den Bäcker entlastet.

Etwas anders sieht es aus, wenn man in die “Heilbronner Stimme”* schaut. Sie berichtet ausführlich über den Fall und zitiert aus der Urteilsbegründung des Gerichts. Dabei erwähnt sie, anders als Bild.de, belastende und entlastende Momente.

Wer will, kann also nach Lektüre der “Heilbronner Stimme” den Freispruch “merkwürdig” finden oder nicht. Vor allem aber kann er das Urteil deswegen merkwürdig finden, weil es so klar ausfiel. Das Gericht hat den Angeklagten nämlich, wie uns das Landgericht Heilbronn bestätigt, wegen “erwiesener Unschuld” freigesprochen — und nicht, wie Bild.de fälschlich schreibt, “nach dem Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten”.

Mit Dank an Jörn W. auch für die vielen Links.

*) Die “Heilbronner Stimme” ist übrigens bei weitem nicht das einzige Medium, das ausgewogen berichtet, sie berichtet lediglich am ausführlichsten.

Jetzt XI

Als Paul C. Martin in der “Bild”-Zeitung vom 11. April in einer Buchrezension behauptete, die Buchautoren hätten “jetzt (…) sämtliche Quellen zusammengetragen und mit vertraulichen Informationen zu einem makabren Puzzle zusammengefügt”, war daran insofern nichts auszusetzen, als das Buch tatsächlich am 11. April in den Buchhandel kam.

Heute nun, 14 Tage später, rezensiert Paul C. Martin in “Bild” ein anderes Buch:

“Jetzt ist der Maritim-Experte Klaus Hympendahl in einem sensationellen neuen Buch der Sexualität auf den Weltmeeren nachgegangen (…).”

Und das ist insofern gelogen eine für “Bild”-Verhältnisse bekanntermaßen zwar halbwegs durchschnittliche, aber nach wie vor bemerkenswerte Auslegung des kleinen Wörtchens jetzt, weil andernorts beispielsweise schon vor einem Vierteljahr nachzulesen war, welche Sensationen Hympendahl in seinem neuen Buch “jetzt belegt” habe, und uns der Heel-Verlag auf Anfrage mitteilt, das Buch sei “Anfang/Mitte Dezember letzten Jahres erschienen”*.

Mit Dank an Frank S. für den Hinweis.

*) Nachzulesen ist der Erscheinungstermin übrigens auch, wenn man bei Bild.de auf die Ebay-Anzeige im Artikel klickt.

Flausen

Kommt ein Mann zum Arzt und klagt über Kopfschmerzen. Kein Wunder: In seinem Schädel stecken zwölf Stahlstifte. Am Tag zuvor hatte sie sich der Mann mit einer Nagelmaschine selbst in den Kopf geschossen. Der Patient wird operiert und behält keine bleibenden Schäden zurück.

Über diese unglaubliche Geschichte berichten heute Medien in aller Welt.

Nur in “Bild” ist die Geschichte noch unglaublicher. Um nicht zu sagen: falsch.

Bei “Bild” war man offenbar nachhaltig verwirrt von der Tatsache, dass sich all das, der Selbstmordversuch, der Krankenhausbesuch und die gelungene Operation, schon vor einem Jahr abgespielt hat — die Geschichte wurde erst jetzt in einem medizinischen Fachmagazin veröffentlicht. Aber “Bild”-Leute sind es bekanntlich nicht gewohnt, dass es Dinge gibt, die nicht “jetzt” passieren, und packten die Zeitangabe mit dem einen Jahr an eine Stelle, an der sie viel eindrucksvoller ist.

Und so hat “Bild” heute weltexklusiv die Geschichte von dem Mann, der ein ganzes Jahr lang mit Nägeln im Kopf durch die Gegend rannte:

12 Nägel im Kopf und 1 Jahr Migräne

Danke an die vielen Hinweisgeber!

Allgemein  

Schal und Lauch

Diese Geschichte ist schon fast zwei Wochen alt. Aber vielleicht können wir aus ihr etwas lernen. Über die Abläufe in der Redaktion von Europas größter Tageszeitung. Konkret darüber, wie dort Überschriften gemacht werden.

Wir müssen uns das nämlich etwa so vorstellen, dass da kurz vor Redaktionsschluss ein eigens ausgebildeter Überschriftenmacher ins Büro kommt. Er setzt sich schnaufend an seinen Platz, lässt sich die Augen verbinden, und dann hat jeder Autor etwa zehn Sekunden Zeit, ihm ausführlich den Inhalt seinen Artikels zu schildern. Der Überschriftenmacher, ein Profi, formuliert daraus eine griffige Headline und tippt sie blind in den Computer, bevor der nächste an die Reihe kommt.

So könnte es sein. Jedenfalls ist das nicht die abwegigste Erklärung für das, was da am 31. März in “Bild” (Halle) stand.

Es ging in dem Artikel um zwei Männer: Karl-Heinz Paqué und Veit Wolpert. Beide sitzen für die FDP im Landtag von Sachsen-Anhalt. Der eine, Wolpert, war Fraktionsvorsitzender, der andere, Paqué Finanzminister. In einer Kampfabstimmung um den Posten des Fraktionschefs wurde nun Wolpert von Paqué geschlagen.

Und die “Bild”-Zeitung berichtet über diesen Kampf zwischen den Männern, die sie im Artikel naheliegenderweise Paqué und Wolpert nennt, unter der Überschrift:

Paquet schlägt Volpert k.o.

Vielen Dank an Thomas R. für Hinweis und Scan!

In The Ghetto

In Hamburgs Süden gibt es unbestreitbar einige Stadtviertel mit hohem Ausländeranteil. Als Beispiel für Ghettoisierung hat sich die “Bild”-Zeitung in ihrem aufrüttelnden und “ehrlichen” Aufmacher “7 Wahrheiten über Ausländer-Politik” allerdings ausgerechnet Steinwerder ausgeguckt:

Die Suche nach all den Ausländern, die sich hier abschotten und “oft nach ihren eigenen Gesetzen” leben, dürfte etwas länger dauern. Verstecken sie sich vielleicht zwischen den zehntausenden Containern am Terminal Tollerort? Im riesigen Trockendock Elbe 17? Oder auf dem Gelände des Klärwerks Köhlbrandhöft?

Offensichtlich, denn die Statistiker haben 2004 (siehe Ausriss) gerade einmal 16 Ausländer auf Steinwerder entdecken können (von 57 gemeldeten Einwohnern insgesamt).

Und die deutschsprachige Wikipedia weiß noch mehr über das neu entdeckte Ghetto:

Steinwerder ist fast vollständig als Freihafen ausgewiesen. Der Stadtteil besteht aus Hafen-, Industrie- und Gewerbeflächen. Wohngebiete gibt es hier nicht.

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