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6 zu 9/11

Nur ein Rauschen (taz.de)
Als am 11. September 2001 die Twin Tower zusammenstürzten war es in Manhattan still wie in einer Winternacht. Eine Erinnerung.

Das ist der vierte Weltkrieg! (titanic-magazin.de)
Was am 11. September wirklich passierte.

Inside Job? (telepolis.de)
Fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist in den USA eine beträchtliche Graswurzelbewegung entstanden, die Kreise der eigenen Regierung direkt für die Katastrophe verantwortlich macht.

Geboren am 11. September (neon.de)
Als vor fünf Jahren in New York tausende Menschen ums Leben kamen, hatte ich gerade ein Kind zur Welt gebracht.

11. September 2001 (interactivepublishing.net)
Screenshot-Sammlung von über 250 Nachrichtenseiten aus aller Welt.

“Bush beutet die Angst der Amerikaner aus” (taz.de)
Der US-amerikanische Schriftsteller T. C. Boyle über die Reaktionen der USA auf 9/11, den Hass der Welt auf die Amerikaner und die Freiheit des Künstlers, das Thema 11. September nicht unbedingt wichtiger zu finden als andere.

Wo man war und wie man von den Ereignissen erfuhr, ist auch fünf Jahre später immer wieder Thema. Schilderungen des persönlichen 9/11 sind zu lesen bei mein911.twoday.net, netzeitung.de und bei jetzt.sueddeutsche.de.

Die Ereignisse des Tages in chronologischer Aufarbeitung sind ebenfalls mehrfach verfügbar: ausführlich (wikipedia.de), mit weiterführenden Links (lpb.bwue.de), kompakt zusammengefasst (netzeitung.de), im Newsroom (spiegel.de), mit Illustrationen (sueddeutsche.de), rekonstruiert (stern.de) und mit einer Auflistung der langfristigen Folgen (freitag.de).

neu  

Enthüllt: Was “Bild” enthüllt

Wir hatten hier schon vor zwei Jahren mal geschrieben:

Enthüllen ist ein schönes Wort und bedeutet laut Duden so viel wie “offenkundig machen”, “entlarven” oder “aufdecken”.

Und gestern stand das Wort mal wieder auf der “Bild”-Titelseite:

"BILD enthüllt: Die geheimen Marken bei Aldi & Co"

Das macht sich ziemlich gut auf so einer Titelseite (zumal, wenn gleich daneben eine fast 20 Zentimeter lange Tabelle mit über 30 “geheimen Marken” abgedruckt ist). Allerdings bedeutet “enthüllen” in der Formulierung “BILD enthüllt” nicht unbedingt das, was z.B. der Duden darunter versteht. Im Gegenteil: Was “Bild” am Samstag mit “BILD enthüllt” meinte, war schon zu erahnen, wenn man sich den Quellennachweis unter der Tabelle anschaute:

"Quelle: www.lebensmittelmarken.de, stern-tv, eigene Recherche"

Würde man jedoch nur die “eigenen Recherchen” von “Bild” abbilden, wäre die komplette (!) Tabelle leider gar nicht mehr fast 20 Zentimeter und über 30 Produkte lang, sondern sähe ungefähr so aus:

Beziehungsweise so.

Mit anderen Worten: Abgesehen von den “Monarc Butterkeksen” steht all das, was “BILD enthüllt”, öffentlich und kostenlos zugänglich bei www.lebensmittelmarken.de. Außerdem hatte “Stern TV” über das, was bei www.lebensmittelmarken.de steht, zuletzt drei Tage vor “Bild” berichtet, nachdem bereits am vorvergangenen Sonntag die “Bild am Sonntag” darüber berichtet hatte, die übrigens im Mai 2002 nach “Tagesspiegel” und “Stuttgarter Nachrichten” schon mal darüber berichtet hatte, wie überhaupt kaum ein Medium in den vergangenen vier Jahren nicht daüber berichtet hatte, was wiederum auch alles bei www.lebensmittelmarken.de nachzulesen ist…

PS: Dass die “Monarc Butterkekse” von Aldi, wie “Bild” als offenbar einziges Produkt für die Tabelle durch “eigene Recherchen” “enthüllt” zu haben behauptet, eigentlich von Bahlsen sind, steht auch in dem Buch “Welche Marke steckt dahinter? No-Name- Produkte und ihre namhaften Hersteller”, erschienen im September 2004. Zumindest berichtete Bild.de darüber offenbar im Oktober 2005.

Mit Dank auch an Jan H., Henrik W., Torsten T. und Danny.

Heute anonym IX

In Teilen ihrer Ausgabe berichtet “Bild” heute über “Uschi K.” und “Ursula K.” mit Sätzen wie:

“Ursula K. (64) ist …”
“… knöpfte sie Büffetkraft Uschi K. (58) die Ersparnisse ab.”
“… erzählt Frau K.”
“… lernte dabei Ursula K. kennen.”
“Ende Juli bat sie Uschi K. …”
“Als sie später Uschi Ks. Lebensgefährten aufsuchte …”
“Uschi K. hat per Quittung …”

Und so weiter. Mit anderen Worten: “Bild” hat die beiden Frauen im Text konsequent anonymisiert — zum Schutz ihrer Persönlichkeit, was sonst? Nur ist so eine Anonymisierung bekanntermaßen nichts wert, wenn man sie nicht durchhält und beispielsweise im selben Artikel ein “Beweisstück” mit den vollständigen Namen von “Ursula K.” und “Uschi K.” abbildet:

Mit Dank an Olav L. für Hinweis und Scan.

Allgemein  

Zitat-Anschlag auf Nena?

Am Montag berichtete “Bild” über einen angeblichen “Terroranschlag” bzw. “Feuer-Anschlag auf Nena” (siehe Ausriss) und schrieb: “Türkischstämmige Männer (…) wollten angeblich ein Tankschiff auf dem Rhein-Herne-Kanal kapern und am Gelsenkirchener Amphitheater in die Luft jagen – während eines Nena-Konzerts!” Die Polizei hatte die Sache indes (wie berichtet) als “Fehlalarm” bezeichnet, das zeitgleich stattfindende Nena-Konzert als “Zufall” und den von “Bild” hergestellten Nena-Zusammenhang als “Spekulation”. Unbeirrt schrieb “Bild” tags drauf nochmals über den “Nena-Anschlag!”, ließ ihre Leser über die deutlichen Polizeidementis jedoch weiter im Unklaren.

Wenn man so will, blieb “Bild” von der ganzen Story letztlich aber nur der exklusive O-Ton, mit dem “Bild” Nena zitiert hatte:

Sie sagte zu BILD: “Ich habe nachmittags von der Bombendrohung erfahren, hatte ein mulmiges Gefühl. Aber ich lasse mir von Terroristen den Auftritt nicht kaputt machen.”

Auf Nenas Website allerdings gibt Nenas Management bekannt:

“Die Behauptung angeblicher Äußerungen von Nena gegenüber der BILD ist von der BILD frei erfunden. NENA hat kein Gespräch mit BILD-Redakteuren zu diesem Thema geführt. Nena distanziert sich von dieser unwahren Berichterstattung der BILD.”

Mit Dank an Michael P.

Geschehen ist (fast) nichts

In der gestrigen “Bild” erschien ein (vergleichsweise großer) Artikel, dessen Überschrift seinen Inhalt schon ganz gut zusammenfasst:

“Vor der Wahl versprach Angela Merkel Reform der Altersbezüge für Politiker — geschehen ist (fast) nichts.

Wann kürzt die Kanzlerin endlich die Minister-Pensionen?”

Genauer hieß es dann:

“Im zuständigen Innenministerium rührt sich so gut wie gar nichts. ‘Die Planungen werden weiter verfolgt und nach und nach umgesetzt’, erklärt die Bundesregierung auf Anfrage von BILD. Wann und wie die Neuregelung kommt, sei ‘noch offen’.”

Und heute? Heute berichtet “Bild” in einem (vergleichsweise kleinen) Artikel:

"Regierung will nun doch Minister-Pensionen kürzen!"

Genauer heißt es dazu:

“Die Große Koalition hat gestern angekündigt, dass die Pensionen (…) gekürzt werden! (…) Der genaue Termin der Neuregelung ist weiterhin offen.”

Was ist zwischen diesen beiden “Bild”-Meldungen passiert? (Fast) nichts. “Es ist nicht so, dass die ‘Bild’ irgendwas angestoßen hat”, erklärt die Bundesregierung auf Anfrage von BILDblog — und verweist auf ihre gestrige Pressekonferenz, in der Regierungssprecher Thomas Steg (vergleichsweise ausführlich) darlegte, was “Bild” doch schon zuvor, also gestern, mit den Worten “Die Planungen werden weiter verfolgt und nach und nach ungesetzt” zusammengefasst hatte und was “Bild” hernach, also heute, mit zum Teil denselben Worten noch einmal aufschreibt.

Wirklich neu ist an der ganzen Sache nur das “nun doch” in der heutigen “Bild”-Überschrift — als hätte die “Bild”-Zeitung mit ihrer gestrigen Geschichte irgendwas bewirkt.

Kulz kolligielt (257)

Bild.de zeigt heute ein paar Anfang August schon andernorts veröffentlichte Erlkönig-Fotos des Ssangyong Chairman und warb dafür auch den Tag über auf der Startseite.

Und um den fernöstlichen Automobilhersteller nicht beständig beim Namen zu nennen, hat sich Bild.de offenbar für ein Synonym entschieden (s.o.). Das steht dann in Sätzen wie “Die Chinesen kopieren die Mercedes E-Klasse!”, “Erwischt! So klauen die Chinesen bei Mercedes” oder “Die Chinesen waren schon immer gut im abkupfern”.

Zu dumm nur, dass “die Chinesen“, die bereits seit 1991 mit Mercedes ko-o-pe-rie-ren, von anderen Medien — zum Beispiel der “Auto-Bild” — “die Koreaner” genannt werden, weil doch Ssangyong ein seit 1954 in Süd-Korea beheimatetes Unternehmen mit chinesischer Beteiligung ist.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 25.8.2006: Erst jetzt wird uns klar, dass die Geschichte vom “Chinesen-Mercedes” eigentlich die Bild.de-Übernahme einer entsprechenden Meldung aus der gedruckten “Bild” vom Mittwoch war — und wie irreführend die Behauptung “BILD erwischte den Erlkönig (…)”: Handelte es sich doch, wie auch der “Bild”-Fotonachweis “Fotos: AUTOMEDIA” belegt, nur um den verspäteten Abdruck andernorts längst veröffentlichter Aufnahmen.

Gong!

Ach ja, die “Tagesschau”. Seit 1952 gibt es die Sendung. Vieles hat sich seitdem verändert: Der Kalte Krieg ging zuende, Deutschland ist nicht mehr geteilt, und das Fernsehen gibt’s inzwischen in Farbe. Aber die Anfangszeit der Abendausgabe der “Tagesschau”, die blieb immer gleich. Heute Abend spricht Eva Herman zum “vorerst letzten Mal” die “Tagesschau”, und “Bild” macht die älteste Nachrichtensendung des deutschen Fernsehens deshalb auf der Titelseite zum TV-Tipp:

Zum Glück weiß ja jedes Kind, wann die “Tagesschau” anfängt.

Mit Dank an Marpfaff für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 25.8.: “Bild” stellt heute in der Korrekturspalte klar, dass die “Tagesschau” um 20 Uhr anfängt.

Heute anonym VIII

Wie schon so oft, war es Bild.de auch heute wieder nicht gelungen, die Unkenntlichmachung von Personen zum Schutz ihrer Persönlichkeit konsequent durchzuhalten. Seit heute mittag zeigte Bild.de auf ihrer “News”-Seite einen Teaser (“Arbeitstag eines Strandhändlers – ‘Sonnebrille? Gutt Preiss”), auf dem “der Senegalese Latif (25, Name geändert)” zu sehen ist. Doch während das Gesicht des Mannes im eigentlichen Artikel von Bild.de durch Verpixelung unkenntlich gemacht worden war, fehlte die Unkenntlichmachung im Teaser.

Nachdem wir Bild.de auf die abermalige Inkonsequenz beim Schutz der Persönlichkeit aufmerksam gemacht und um Stellungnahme gebeten hatten, erhielten wir abermals keine Antwort. Abermals aber wurde die unterlassene Unkenntlichmachung anschließend nachgeholt.

Mit Dank an die Hinweisgeber.

Jetzt XIV

“Bild” findet heute, dass die Jagd nach einem Mann, der verdächtigt wird, mehrere Frauen getötet zu haben, “immer spannender” wird. In einem Artikel unter der Überschrift “Brummi-Killer wird nervös” heißt es:

Jetzt wird der Killer offenbar nervös!
(Hervorhebung von uns.)

“Bild” folgert das aus der Tatsache, dass jemand (wahrscheinlich der Täter) offenbar zwei Gegenstände weggeworfen hat, die einer der getöteten Frauen (Anna S.) gehörten:

Als [der Täter] in der Zeitung las, dass auch an der Leiche von Anna S. (18) aus Kassel seine DNA-Spuren gefunden wurden, schmiss er ihr Handy und ihr Portemonnaie auf einer Rheinbrücke zwischen Duisburg und Krefeld bei voller Fahrt aus dem Fenster. Die Tüte prallte gegen ein Geländer, wurde gefunden.

Allerdings wurden besagte DNA-Spuren schon vor über drei Wochen gefunden. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am 26. Juli bekannt. Und davon, dass der Verdächtige “jetzt” erst nervös wird, kann auch keine Rede sein — Handy und Portmonee der toten Anna S. wurden nämlich auch schon vor drei Wochen gefunden. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am 28. Juli bekannt.

Mit Dank an Christian B. für den sachdienlichen Hinweis.

“Bild” fand “SS-Beweis” auch

“Bild”-Autor Paul C. Martin schreibt heute über den Schriftsteller Günter Grass, der kürzlich öffentlich gemacht hatte, dass er als Jugendlicher Mitglied der Waffen-SS gewesen sei. Offenbar belegen auch Dokumente seine Waffen-SS-Zugehörigkeit. Und “Bild”-Autor Martin schreibt:

"Ein vergilbtes Dokument aus dem US-Militärarchiv, das BILD vorliegt. Der SS-Beweis!"

“Bild” widmet dem “SS-Beweis” heute auch die Titelschlagzeile (siehe Ausriss) und schreibt:

“Jetzt fand BILD das Dokument, das zweifelsfrei beweist: Grass war bei der Waffen-SS!”

Wie “Bild” das Dokument fand, steht indes nirgends. Eine vergleichsweise naheliegende Möglichkeit wäre ein Klick auf Spiegel Online gewesen. Dort nämlich ist die ganze Story bereits seit gestern nachmittag, 15.05 Uhr, weltweit und kostenlos zugänglich. Und ebenfalls seit gestern nachmittag wimmelt es daher auch im Angebot der Nachrichtenagenturen von Meldungen über die auf Spiegel Online veröffentlichten Dokumentenfunde des “Spiegel”-Autors Klaus Wiegrefe.

Und natürlich ist der “SS-Beweis”, der, nebenbei bemerkt, laut “Berliner Zeitung” seit Jahrzehnten “öffentlich zugänglich” ist, seit seinem Bekanntwerden am gestrigen Nachmittag auch in diversen anderen Medien ein Thema — meist unter Verweis auf den “Spiegel” oder Spiegel Online. Nur Focus Online berichtet treudoof: “Das meldet die ‘Bild’-Zeitung (Mittwochausgabe).”

Übrigens:
Bei Bild.de, wo der Dokumentenfund erstmals gestern abend, 22.57 Uhr, in der “Bild”-Version (“Jetzt fand BILD…”) auftauchte, heißt es in einem Teaser fälschlicherweise noch immer: “Grass-Affäre: Bei der SS musste er Fingerabdrücke abgeben”, obwohl er das doch gar nicht “bei der SS” tat, sondern als Kriegsgefangener der Alliierten.

Nachtrag, 17.8.2006: Bei Focus Online wurde der Hinweis auf “Bild” mittlerweile ersatzlos aus dem Artikel entfernt — offenbar allerdings erst, nachdem BILDblog-Leser Christian G. (Danke übrigens!) die Focus-Online-Redaktion auf ihre Ungeschicklichkeit hingewiesen hatte.

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