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Symbolfoto XLV

Netter Versuch.

Aber die heute von “Bild” abgebildete Boeing 747 (also das als “Jumbo-Jet” bekannte Flugzeug mit dem charakteristischen “Buckel”) wird leider auch dadurch nicht zum Airbus 330-300, dass die “Bild”-Zeitung “Airbus A330-300” draufschreibt.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

PS: Bild.de zeigt das falsche Flugzeug immerhin kommentarlos.

Nachtrag, 13.2.2007: “Bild” hat’s heute in ihrer “Korrekturspalte” korrigiert.

Déjà vu

Und wer hätt’s gedacht: Es handelt sich bei beiden “Bild”-Geschichten sogar um dieselbe “Heroin-Beichte” — vor einem Jahr erzählt von Lauterbach in einem Buch und nun eben auch von Schweiger in einem Magazin.

Und weil’s so schön ist, zitieren wir hier noch mal die Lauterbach-Passage, die damals das große Wort “Heroin” in der “Bild”-Überschrift rechtfertigte:

“Was immer in diesen vermaledeiten Kapseln auch gewesen sein mochte, in jedem Fall war reichlich Heroin dabei. Von glücklichen Kotzern hatte ich bisher nur in Zusammenhang mit Heroin gehört.”

Mit Dank an Andreas G. für sein gutes Gedächtnis.

Im Zweifel gegen den Angeklagten

Wenigstens kann man “Bild”-Kolumnist Franz Josef Wagner nicht vorwerfen, die Leser über sein Verständnis von den Grundlagen eines Rechtsstaates im Unklaren zu lassen. Im Zusammenhang mit dem Fall Kurnaz/Steinmeier schreibt er heute:

Der Bremer Türke ist für mein Leben nicht so wichtig. Wichtig ist für mich die Sicherheit.

Wichtig

Natürlich ist alles, was in der “Bild”-Zeitung steht, wichtig. Auch diese Geschichte über ein entführtes 4-jähriges Mädchen, das nun “nach 433 Tagen wieder in Berlin” sei: sehr wichtig, keine Frage. Aber jetzt raten Sie mal, was “Bild” selbst an der Geschichte “WICHTIG” findet!

Sie kommen nie drauf, wetten?

Jedenfalls tot

Schon länger haben wir den Verdacht, dass die Menschen, die bei “Bild” die Schlagzeilen machen, die Artikel, über denen sie stehen, nicht kennen.

Danke an Michael T. für den sachdienlichen Hinweis.

Zu spät

Nachdem bekannt wurde, dass der Fußballspieler Ivan Klasnic eine neue Niere bekommt, teilt sein Anwalt heute “klarstellend” mit,

dass es sich vorliegend um eine Lebendspende aus dem persönlichen Umfeld meines Mandanten handelt. Der Spender hat sich aus persönlicher, enger Verbindung zu Ivan Klasnic zur Spende entschlossen. (…) Wir bitten aber um Verständnis, dass aus Gründen des Schutzes auch des Spenders dessen Namen ungenannt bleiben soll.

Die Bitte kommt leider zu spät. In fast dreieinhalb Millionen Exemplaren von Europas größter Tageszeitung heißt es heute:

"Nach BILD-Informationen ist Klasnic-XXXX XXX (XX), XXXXXX in XXXX, der Spender.
*) Verwandschaftsgrad, Name, Alter, Beruf und Wohnort des Spenders
    wurden von uns unkenntlich gemacht.

Mit Dank an Sebastian P. für den Hinweis.

Nachtrag, 25.1.2007 (mit Dank an Simon und Michael): Medienberichten zufolge bezeichnet Klasnics Anwalt die “Bild”-Enthüllung übrigens als “definitiv unrichtig”.

Nachtrag, 29.1.2007: Als wäre nichts gewesen, berichtet “Bild” heute unter Berufung auf eine kroatische Tageszeitung, “die neue Niere (…) stammt von seiner Mutter” — eine Behauptung, die Klasnics Anwalt inzwischen bestätigt.

Aufstand ohne Buback

Ja, auch “Bild” berichtet heute über die mögliche vorzeitige Entlassung der inhaftierten, ehemaligen RAF-Terroristen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar. Und zum Schluß des Artikels mit der Überschrift “Aufstand der RAF-Opfer! Angehörige lehnen Entlassung der Terroristen ab” zitiert “Bild” den Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Siegfried Buback, Michael Buback:

Buback zu BILD: “Wer von Gnade redet, sollte wenigstens den Ablauf der Tat offenbaren, für die er gebüßt hat.”

Hier endet der heutige “Bild”-Artikel. Und das ist erstaunlich, denn mit genau dem selben Satz wird Buback seit gestern abend auch in Agenturmeldungen und anderen Medien zitiert — allerdings nicht mit der Quellenangabe “zu BILD”, sondern meistens mit dem Zusatz:

(…) sagte Michael Buback “Spiegel Online”.

Zudem heißt es bei “Spiegel Online” seit gestern abend weiter:

Buback sagte, es sei gut, dass die Angehörigen nicht über die Begnadigung zu entscheiden hätten, und kündigte an, die Entscheidung zu akzeptieren. “Wenn andere zum Urteil kommen, die Inhaftierten gehören auf freien Fuß, werde ich mich nicht sträuben.” Es sei für ihn grundsätzlich kein Problem, dass Klar und Mohnhaupt in Freiheit lebten.

Im “Aufstand der RAF-Opfer” der “Bild”-Zeitung ist davon nirgends die Rede — ebensowenig wie von den ebenfalls wenig aufständischen Worten Bubacks, die bereits seit gestern nachmittag der Radiosender NDR Info verbreitet:

“Ich bin froh, dass Angehörige nicht beteiligt sind an Begnadigungen. Das müssen andere tun, die sicher eine Prognose abgeben können über die Frage, ob noch eine Gefahr von einem Täter ausgeht oder ob das nicht der Fall ist”, sagt Michael Buback im Exklusiv-Interview mit NDR Info. Dies gelte auch für den speziellen Fall von Christian Klar: Es sei für sein Wohlbefinden oder Unwohlbefinden unerheblich, ob er noch in Haft sei oder nicht, so Buback. “Ich möchte auch keinesfalls, dass er wegen meines Wohlbefindens länger in Haft bleibt, als es sinnvoll und richtig ist.”

Mit Dank an Jos G. für den Hinweis.

neu  

Heute anonym XI

Gestern berichtete die Aachener Regionalausgabe der “Bild”-Zeitung über einen jüngst verurteilten Sexualstraftäter in Düren. Im Vergleich zur Berichterstattung etwa der “Aachener Nachrichten” und der “Aachener Zeitung” finden sich darin jedoch mehrere Ungereimtheiten: So behauptete “Bild” beispielsweise pauschal, der Mann habe “fünf Jungen (…) in über 14 Fällen sexuell missbraucht” und sei “wegen schweren sexuellen Missbrauchs an fünf Kindern” verurteilt worden — wohingegen die Lokalzeitungen (übrigens vor knapp einer Woche!) berichtet hatten, er sei zwar “für insgesamt 14 Taten” bzw. “14 Taten von sexuellem Missbrauch und sexueller Nötigung” verurteilt worden, allerdings habe es sich nur “in einem Fall um schweren sexuellen Missbrauch gehandelt”.*

“Bild” zeigt zudem ein Flugblatt (“Warnung vor diesem Mann!!!! Er hat meine 6-jährige Tochter sexuell missbraucht!!!!”, siehe Ausriss), das eine Mutter der missbrauchten Kinder vor dem Prozess in der Nachbarschaft verteilt hatte. Und man mag darüber streiten, wie sachdienlich es ist, dieses Flugblatt abzubilden, obwohl ausgerechnet der auf dem Flugblatt geäußerte Vorwurf “vor Gericht nicht zweifelsfrei zu beweisen” gewesen sei, wie die “Bild”-Zeitung schreibt, die den Artikel trotzdem mit den Worten beginnt: “Er soll eine Sechsjährige missbraucht (…) haben.”

Unstrittig aber ist, dass sich die Kollegen der Aachener “Bild”-Redaktion offenbar alle Mühe gegeben haben, den Verurteilten unkenntlich zu machen: Im Text ist sein Name durchgängig abgekürzt, und das Foto des Mannes (immerhin) mit einem schwarzen Balken versehen.

Genutzt allerdings hat die ganze Mühe nichts: Denn zwar hat “Bild” auch das Foto auf dem abgebildeten Flugblatt unkenntlich gemacht, nicht aber (siehe Ausriss) den vollen Namen und die komplette Adresse des Verurteilten, die von der Mutter ebenfalls auf ihrem Flugblatt notiert worden waren…

Mit Dank an Martin M. für den Hinweis, den selbstlosen “Bild”-Zeitungskauf und den Scan!

*) Übrigens lagen die Lokalzeitungen offenbar zumindest näher an der Wahrheit als “Bild”. Wie uns das Landgericht Aachen auf Anfrage mitteilt, wurde der Mann für insgesamt 14 Fälle von sexuellem Missbrauch, versuchtem sexuellen Missbrauch und sexueller Nötigung verurteilt, darunter zwei Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch.

Ulla?

Eigentlich weiß es ja auch die “Bild”-Zeitung besser, aber auf der heutigen Titelseite behauptet sie trotzdem, Horst Seehofer (der Horst Seehofer) sei Bundesgesundheitsminister. Im Ernst:

Mit Dank an Matthoa D.

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