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“Schieß doch!”

“Bild”-Reporter Christian Kitsch überrascht heute mit einer interessanten Statistik. Die Erstliga-Fußballer des VfL Bochum nämlich kommen derzeit bloß auf durchschnittlich 44,37 Prozent Ballbesitz pro Spiel. Und weil man sich darunter ja nun nix vorstellen kann und jetzt auch irgendwie gar nicht so richtig weiß, wie gut oder schlecht das im Verhältnis zu anderen Mannschaften ist, steht da netterweise auch:

"Zum Vergleich: Der durchschnittliche Ballbesitz in der Liga liegt bei ziemlich genau 50 Prozent."

Glückwunsch! Der durchschnittliche Ballbesitz in der Liga liegt tatsächlich bei “ziemlich genau 50 Prozent”. War bestimmt keine leichte Aufgabe für Statistikfachmann Kitsch das auszurechnen.

Daraufhin haben wir uns die Mühe gemacht und schnell mal alle Spiele der laufenden und der letzten Bundesliga-Saison ganz genau angeschaut — und kommen zu noch viel überraschenderen Ergebnissen: Sogar in jedem einzelnen Spiel liegt der durchschnittliche Ballbesitz beider Mannschaften bei ziemlich genau 50 Prozent.

Und jetzt gucken wir mal, ob das beim Handball genauso ist …

Mit Dank an Stephan B., Johannes W., Marcel G. und Mark P. für den sachdienlichen Hinweis.

  

BILDblog-Lesung

Wir sind ausverkauft!
Es gibt nur noch ein paar Karten an der Abendkasse (ab 20 Uhr) für 10 Euro.

Charlotte Roche liest BILDblog. Am Donnerstag, dem 25. Oktober 2007, um 21 Uhr im FritzClub, Berlin

Eine Weltpremiere. Und ein gemeinsamer Ausflug an die Abgründe der “Bild”-Berichterstattung – erhellend, aufrüttelnd und kurzweilig: Die wunderbare Charlotte Roche liest (mit uns) die schönsten, lustigsten, skurrilsten, traurigsten Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung – live, in Farbe und (beinahe) zum Anfassen!

  • Wann?
    Am Donnerstag, dem 25. Oktober 2007, um 21 Uhr.
  • Wo?
    Im FritzClub im Postbahnhof.
    (Straße der Pariser Kommune 8, 10243 Berlin)

Es moderiert Nicole Markwald von Radio FRITZ.

Im Anschluss sind alle Gäste herzlich eingeladen zu einer Aftershow-Party mit Musik, aufgelegt vom Schwule Mädchen Soundsystem (Fettes Brot).

Mit Dank an die apparat event gmbh für die Organisation!

Charlotte Roche liest BILDblog mit freundlicher Unterstützung von:
Radio FritzZittyQypesevenload

Als Augenzeuge augenscheinlich ungeeignet

Unter der (womöglich gut gemeinten) Überschrift “Geschäftsleute & Kunden sauer: Rechtsextreme legen City lahm” berichtete die “Bild”-Zeitung gestern über eine NPD-Demonstration in Düren (siehe Ausriss).

Laut “Bild” gab es in Düren deshalb:

  • “300 Gegendemonstranten des ‘Bündnis gegen Rechts'”,
  • “180 Rechtsextreme der NPD”
  • und “fast so viel Polizei wie Rechtsextreme”.

Tatsächlich sprechen das “Bündnis gegen Rechts” und die örtliche Presse nicht von 300, sondern von rund 1200 Gegendemonstranten — eine Zahl, der sich die Dürener Polizei auf unsere Nachfrage hin anschließt. Auch die “Bild”-Behauptung, es sei “fast so viel Polizei wie Rechtsextreme” vor Ort gewesen, ist laut Polizei “augenscheinlich falsch”. Genaue Zahlen wollte man zwar nicht nennen, doch sprechen auch hier Gegendemonstranten, Presse und NPD übereinstimmend von ca. 1200 Polizeibeamten.

Inwiefern die Rechtsextremen (deren Route ums Stadtzentrum herum gelegt worden war) in Düren die Geschäftsleute und Kunden sauer machten und die City lahmlegten, wissen wir nicht: “Bild” nennt keinen Beleg für diese Behauptung, Augenzeugen berichten uns das Gegenteil, und die “Dürener Nachrichten” schrieben:

[Die Polizei] lobt ausdrücklich die Dürener Bürger, die (…) für die Einsatzmaßnahmen volles Verständnis gezeigt hätten. (…) Auch die Dürener Geschäftsleute hätten die Polizei auf vielfältige Weise unterstützt.

Dass die Dürener Innenstadt “großteils gesperrt” war, wie “Bild” schrieb, lag nach Polizeiangaben übrigens nicht zuletzt daran, dass Düren sich am Tag der NPD-Demo mit einem “autofreien Tag” an einer europaweiten Aktion beteiligt hatte.

Mit Dank an Jens F. für Hinweis und Scan.

Ein bisschen TEXT muss sein

Stellen Sie sich vor, Sie sind Fotobetexter bei Bild.de!

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen vor Ihrem Bildschirm und haben da diese fünf Fotos, auf denen der bekannte “Schmuse-Bade” [sic] Roberto Blanco gemeinsam mit ein paar leicht bekleideten Frauen zu sehen ist. Sie wissen wie immer NICHTS über die Umstände. Kein leichter Job. Und nachdem Sie sich an vier Fotos bereits vollkommen verausgabt haben (“SIE schwingt die Peitsche, ER grinst und stützt sich vorsichtshalber ganz fest aufs Geländer”), ist da noch dies:

Und jetzt?

“Roberto lacht: ‘Das Muttermal da sieht ja aus wie ich — ganz schwarz!'”

Nee, nee.

“Der Rückenkrauler von Mexiko…”

Auch nicht, nein!

Der Fotobetexter von Bild.de jedenfalls hat sich überraschenderweise für folgende, schönheitschirurgisch schwer nachvollziehbare Variante entschieden:

"Da lacht er! Am Ende hat sich

Ach, hätte er doch bloß bei den Kollegen der “Bild”-Zeitung nachgefragt! Denn entweder die haben im Bildtexte-Ausdenken mehr Erfahrung, oder sie waren tatsächlich vor Ort. Zumindest steht heute in der München-Ausgabe (Überschrift “Ein bisschen NACKT muss sein”) neben demselben Foto schlicht:

Für das Dessous-Model gab’s von dem Schlagerstar ein Autogramm auf den Rücken

Mit Dank an Marko H. für Hinweis & Handyfoto.

Nachtrag, 21.9.2007: Bild.de hat nachgebessert und…
… das Wörtchen “Schmuse-Bade” korrigiert.

Zisch und fit

Bevor der Presserat vor einem Vierteljahr “Bild” dafür rügte, mit ihrer Berichterstattung über Aldi-Reisen die Grenze zwischen zulässiger Information und unzulässiger Werbung überschritten zu haben, hatte die Zeitung sich gegenüber dem Gremium ja damit gerechtfertigt, dass es einen “publizistischen Anlass” gegeben habe: Erstmals sei ein Discounter ins Reisegeschäft eingestiegen.

Das stimmte zwar nicht, aber “Bild” war auch nach der Rüge nachhaltig unzufrieden mit der Entscheidung des Presserates.

Und fand am vergangenen Freitag einen neuen “publizistischen Anlass” für detaillierte Berichterstattung über ein neues Produkt: Vermutlich erstmals ist eine deutsche Boulevardzeitung ins Sportdrinkgeschäft eingestiegen. “Bild”, äh: informierte exklusiv und auf Seite 1:

Mit Dank an Torsten W., Andreas H. und Andy.

neu  

Exklusiv und unzulässig

Dursun Gündogdu ist ein Reporter der türkischen Zeitung “Hürriyet”. Ende Juni war er laut “Bild” “für BILD” im Gefängnis von Antalya, um exklusiv den 17-jährigen Marco Weiss zu interviewen, der dort in Untersuchungshaft sitzt, weil ihm vorgeworfen wird, ein 13-jähriges britisches Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

Das Interview, das Gündogdu laut “Bild” “für BILD” führte, hätte nie stattfinden dürfen. Weder die Eltern noch der Anwalt des Jungen haben die nötige Zustimmung gegeben. Gegenüber dem NDR-Medienmagazin “Zapp” (Video) sagte Marcos Mutter:

“Wir waren dann später einfach nur überrascht und erschrocken, wie so was zustande kommen kann. Denn wie gesagt, wir haben, weder Marco, noch wir, noch sein türkischer Anwalt, der unser Mandat hat, haben vorher davon gewusst und sind auch nicht gefragt worden. Und hätten sicherlich auch zu dem Zeitpunkt nicht unsere Zustimmung gegeben.”

Dursun Gündogdu, der das Interview laut “Bild” “für BILD” führte, erklärte in der gleichen Sendung:

“Ok, dann wir haben einen Fehler gemacht und mit einem Minderjährigen ein Interview geführt. Aber wir haben ja schließlich einen Service angeboten für die deutschen Fernsehstationen und Printmedien. Wieso haben sie das denn so benutzt? Gut, es hätte die Einwilligung der Eltern geben müssen. Das ist auch im türkischen Recht so. (…) Es war nicht unsere Aufgabe nach der Genehmigung der Eltern zu fragen. Es ist doch so: Angenommen, wir hätten die Eltern nach der Genehmigung fragen wollen — hätten mir die Eltern diese dann auch geben? Welcher Reporter würde diese Frage zu diesem Zeitpunkt stellen? Wenn sie die Genehmigung haben ins Gefängnis zu gehen, und die Chance stehen 50 zu 50, dass die Familie nein sagt, da fragt doch keiner.”

Bereits wenige Tage nach der ungenehmigten Veröffentlichung des Interviews in “Bild” und auf RTL, hatte sich das deutsche Auswärtige Amt bei den türkischen Behörden beschwert, dass sie das Interview zuließen: Marco Weiss habe sich mit einigen Aussagen möglicherweise selbst belastet.

Laut “Zapp” wollte sich die “Bild”-Zeitung nicht weiter zu ihrem Interview äußern und verwies auf die “Hürriyet”.

Maßlos

Bild.de berichtet über den Abenteurer Steve Fossett, der mit seinem Flugzeug über Nevada verschollen ist, zitiert eine Luftfahrtexpertin mit den Worten: “Die Gegend ist wie ein riesiger Heuhaufen — und das Flugzeug eine sehr kleine Nadel”, und fügt hinzu:

Erschwert wird die Suche derzeit durch starke Winde in dem rund 1500 Quadratmeter großen Gebiet.

Nun ja: Selbst bei Orkanstärke und mit verbundenen Augen würde man in einem rund 1500 Quadratmeter großen Gebiet vermutlich innerhalb von Sekunden über das Flugzeug stolpern.

Und um das mal anschaulich zu machen: Eine 1500 Quadratmeter große Rasenfläche passt locker auf den Axel-Springer-Platz vor der “Bild”-Zentrale in Hamburg, und zwar so, dass an allen Seiten noch Autos dran vorbei fahren können.

Im Gegensatz übrigens zur Hugh-Hefner-Sky-Villa, einem Hotelzimmer in Las Vegas, das nach Überzeugung von Bild.de eine Größe von 10.000 Quadratmetern hat.

(Richtig wären, um die Sache jetzt nicht unnötig spannend zu machen, im ersten Fall 1500 Quadratkilometer, im zweiten 10.000 square feet, etwa 1000 Quadratmeter.)

Danke an Daniel E., S.F., Michael M., Stefan B. und Joachim L.

Nachtrag, 6. September. Bild.de hat den ersten der beiden Fehler korrigiert.

Nachtrag, 19.30 Uhr. Und inzwischen sogar auch den zweiten.

Enthüllt: Philippinen sind eigentlich Philipps

Eine “Sex-Umfrage”, über die Bild.de berichtet, fördert erstaunliche Ergebnisse zutage:

Die harten Fakten der Sex-Umfrage: 25 Prozent der Philippinerinnen haben schon versucht, ihren Penis zu vergrößern. In China sind es immerhin noch 21 Prozent.

Mit Dank an Vroni L., Daniel, Gecko, Said V., Matthias P., J.v.Z., Kalman G., Carsten K., Stefan N., Hermann B., René S., Stefan, Vuffi R. und Frank H.!

Nachtrag, 15.05 Uhr. Bild.de hat nochmal nachgesehen.

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