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Unfallberichterstattung, Sender vor Übernahme, Falsche Schulen

1. Unfälle: Wie journalistische Sprache Ursachen verschleiert
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 5:50 Minuten)
Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk kritisiert der Sozialwissenschaftler Dirk von Schneidemesser, dass Polizei- und Medienberichte über Verkehrsunfälle oft das Opfer in den Fokus rücken, Fahrzeuge als handelnde Objekte benennen und mit bestimmten Begriffen Schicksalhaftigkeit suggerieren. Dadurch würden Ursachen und Verantwortlichkeiten verschleiert und Lösungen erschwert. Er empfiehlt, präzise und aktiv zu formulieren – handelnde Personen benennen, Aktiv statt Passiv verwenden – und Unfälle systemisch einzuordnen.

2. PPF macht Weg für Berlusconi-Mehrheit bei ProSiebenSat.1 frei
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der tschechische Finanzinvestor PPF wolle seinen 15,7-Prozent-Anteil an ProSiebenSat.1 an Media for Europe (MFE) verkaufen. Damit wäre der Weg frei für eine Berlusconi-Mehrheit bei dem deutschen Sender. Der Bieterwettstreit zwischen PPF und MFE, die Holding der Berlusconi-Familie, sei damit entschieden; MFE halte ohnehin bereits rund 43,6 Prozent der Stimmrechte und strebe die Kontrolle an. “Dieser Sommer wird die deutsche Fernsehbranche nachhaltig verändern”, so die Vorhersage von Alexander Krei.

3. Klinikchef gegen Pressefreiheit: Wer kritisch berichtet, wird nicht verkauft
(taz.de, André Zuschlag)
Dirk Balster, Chef der kommunalen Kliniken in Ostfriesland, habe in den Kiosken seiner Krankenhäuser in Emden, Aurich und Norden den Verkauf lokaler Zeitungen verbieten wollen, offenbar weil ihm deren kritische Berichte missfallen hätten. Auslöser der Eskalation seien Berichte über mutmaßliche Fehldiagnosen gewesen, auf die Balster mit scharfer Medienkritik und der Veröffentlichung von Presseanfragen reagiert habe. Der Aufsichtsrat habe das Verbot nun aufgehoben.

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4. Visum verweigert: Journalistin muss ausreisen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtet, dass Hongkongs Behörden der “Bloomberg”-Reporterin Rebecca Choong Wilkins ohne Begründung die Visumsverlängerung verweigert hätten. Choong Wilkins müsse die Stadt verlassen. Seit dem Sicherheitsgesetz 2020 seien mindestens zehn Journalistinnen und Journalisten bei Visum oder Einreise abgewiesen worden. Insgesamt habe sich die Lage für Medienschaffende in Hongkong massiv verschlechtert.

5. Falsche Journalistenschulen bedrohen die demokratische Entwicklung
(de.ejo-online.eu, Enoch Sithole)
Enoch Sithole berichtet über ein mediales Phänomen, das sich in auf dem afrikanischen Kontinent auszubreiten droht: “In den letzten Jahren hat Afrika eine alarmierende Verbreitung falscher Journalistenschulen erlebt – nicht akkreditierte Einrichtungen, die eine minderwertige Ausbildung anbieten und wertlose Zertifikate ausstellen. Diese dubiosen Einrichtungen sind oft eher gewinnorientiert als der Ausbildung ethisch handelnder, qualifizierter Journalisten verpflichtet.”

6. Das Recht an der eigenen Stimme
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Der Verband Deutscher Sprecher:innen fordere klare Regeln gegen den Missbrauch von Stimmen durch Künstliche Intelligenz (KI) und empfehle, die Verwendung von KI per Vertrag auszuschließen. KI-Stimmen würden viele Profis unter Druck setzen. Zugleich sollen Firmen berichten, dass ein Einsatz von KI oft keine echten Kostenvorteile bringe. Ein Urteil des Landgerichts Berlin habe bestätigt, dass auch KI-generierte Synchronstimmen vom Persönlichkeitsrecht geschützt seien und eine nicht gekennzeichnete, kommerzielle Nutzung ohne Zustimmung zu Unterlassung und Schadensersatz führe.

Klöckner gießt Öl ins Feuer, RBB baut ab, Noch keine Berlusconi-Mehrheit

1. Klöckner gießt Öl ins Feuer
(t-online.de, Lars Wienand)
Gestern berichteten wir in den “6 vor 9” über die Kritik am Auftritt von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner beim Sommerempfang der CDU Koblenz, der auf dem Firmengelände des Unternehmers und “Nius”-Finanziers Frank Gotthardt stattfand. Lars Wienand hat den Fall nun ausführlich und mit Hintergrundinformationen aufbereitet. Demnach habe Julia Klöckner ihre Teilnahme verteidigt, die Vorwürfe gegen “Nius” als Angriff auf die Meinungsfreiheit dargestellt und in ihrer Rede wörtlich Inhalte aus einer Pressemitteilung des Umfrageinstituts Insa übernommen, um vor einer Verengung des Diskursraums zu warnen.
Weiterer Lesetipp: Die taz hat News für Klöckner: “Die Bundestagspräsidentin hat die taz mit dem rechten Portal Nius verglichen. Die taz-Chefredaktion verweist auf ihr Statement zum letzten Geisterfahrer.” (taz.de, Gereon Asmuth)

2. RBB will mit Vorruhestand und Abfindungen Personal abbauen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Uwe Mantel berichtet, dass der RBB im Rahmen seiner “strukturellen Verkleinerung” Stellen abbauen wolle und dafür freiwillige Vorruhestandsregelungen sowie Abfindungen anbiete. Das Programm laufe über sechs Wochen und solle dazu beitragen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Ziel sei es, jährlich 22 Millionen Euro zu sparen, um den öffentlich-rechtlichen Sender zukunftsfähig aufzustellen und finanzielle Spielräume für das Programm zu schaffen.

3. Die Berlusconis scheitern vorerst
(taz.de)
Die italienische Mediengruppe MediaForEurope der Familie Berlusconi habe vorerst ihr Ziel verfehlt, die Aktienmehrheit an ProSiebenSat.1 zu übernehmen. Ihr Anteil liege aktuell bei rund 44  Prozent. Aktionärinnen und Aktionäre könnten das Übernahmeangebot aber noch bis zum 1.  September annehmen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit des Senders und den Medienunternehmer Pier Silvio Berlusconi, Sohn des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, zu einem Gespräch ins Kanzleramt eingeladen.

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4. Bundesregierung soll Tempo machen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband fordert die Bundesregierung auf, nach der politischen Sommerpause zügig das Gesetzgebungsverfahren für den “Plattform-Soli” einzuleiten. Diese Abgabe soll einen Teil der Gewinne von Tech-Konzernen wie Google und Meta abschöpfen und unabhängigen Journalismus stärken. Jeder Tag ohne den “Plattform-Soli” verschärfe die wirtschaftliche Lage vieler Redaktionen. Die bisherige Untätigkeit der Regierung sei ein Versäumnis für den Medienstandort Deutschland.

5. Perspektiven einer Invasion: Medienberichterstattung über den Krieg Russlands in der Ukraine
(de.ejo-online.eu, Oleksandra Yaroshenko)
Eine vergleichende Analyse von Kriegsbildern aus internationalen Medien zeige, wie stark sich die visuelle Berichterstattung über den russischen Angriff auf die Ukraine unterscheide. Während westliche und ukrainische Medien das Leid der ukrainischen Bevölkerung und deren Widerstand betonen würden, würden russische Medien den Krieg überwiegend als staatlich legitimierte Operation inszenieren mit einem Fokus auf das Führungspersonal und patriotische Symbole.

6. US-Sender Newsmax zahlt 65 Millionen Dollar
(spiegel.de)
Der konservative US-Sender Newsmax zahle 65 Millionen US-Dollar an den Wahlmaschinenhersteller Dominion, um einen Verleumdungsprozess wegen falscher Behauptungen zur US-Wahl 2020 beizulegen. Newsmax hatte, ähnlich wie zuvor Fox News, unbelegte Verschwörungserzählungen über Wahlbetrug und manipulierte Dominion-Maschinen verbreitet.

KI-Video-Flut, Luftschlösser, Filme in Originalsprache verbessern Englisch

1. Wie künstliche Videos Social Media fluten
(netzpolitik.org, Karoline Tanck)
Laut einer neuen Studie beständen auf TikTok ein Viertel der Top-Suchergebnisse zu beliebten Hashtags aus KI-generierten Fake-Videos (“AI slop”). Diese KI-Videos seien nur mangelhaft gekennzeichnet, obwohl die EU das vorschreibe. Hinter der Flut der Fake-Videos würden automatisierte Accounts stecken, die massenhaft Inhalte produzieren, um die Algorithmen auszutricksen und hohe Reichweiten zu erzielen.
Weiterer Lesetipp zu TikTok-Trends: Freshe Fits für die Front: “Auf Tiktok trenden Videos, in denen junge Leute humoristisch mit den Krisen der Welt umgehen. Daraus spricht keine Gleichgültigkeit, sondern Ohnmacht.” (taz.de, Giorgia Grimaldi)

2. Irgendwann ist auch mal gut
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Bei “Übermedien” kommentiert Lisa Kräher die Berichterstattung zum Tod der Extrembergsteigerin und früheren Biathletin Laura Dahlmeier: “Man kann Medien kaum vorwerfen, dass sie ausführlich über den tragischen Tod einer beliebten Sportlerin berichten. Allerdings kann man erwarten, dass es irgendwann auch gut ist – aus Rücksicht auf die Angehörigen und die Verstorbene. Als Sportlerin war Laura Dahlmeier eine öffentliche Person, ihr toter Körper ist das nicht.”

3. Machte Berlusconis MFE ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Sender ProSiebenSat.1 habe nach jahrelangem Widerstand nun doch einem Übernahmeangebot des italienischen Medienkonzerns Media For Europe zugestimmt, nachdem dieser sein Angebot finanziell deutlich verbessert habe. Ein weiterer Grund für den Sinneswandel bei ProSiebenSat.1 sei die Sorge, dass RTL durch die geplante Übernahme von Sky Deutschland zu einem übermächtigen Konkurrenten werden könnte.

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4. Schräge und schöne Alternativen zum Wegfall der Mehrwertsteuer auf Presseprodukte
(turi2.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg begrüßt das Scheitern der geplanten Mehrwertsteuer-Abschaffung auf Presseprodukte, weil davon vor allem große, umsatzstarke Verlage profitiert hätten, und die digitale Transformation gebremst worden wäre. Den Vorschlag der “Initiative 18”, Zeitungsabos für Leserinnen und Leser steuerlich absetzbar zu machen, hält er für “noch ein bisschen schräger” und wenig zielführend. Stattdessen plädiert Grimberg dafür, endlich gemeinnützigen Journalismus in Deutschland zu ermöglichen, was bereits im Koalitionsvertrag stehe und eine bessere Lösung sei.

5. Ein Medienimperium aus Luftschlössern: Mit gefälschten Zeitungen ans große Geld
(correctiv.org, Max Bernhard)
Zwei Männer aus Österreich sollen ein Netzwerk aus 26 gefälschten Nachrichtenseiten aufgebaut haben (wie die “Neue Berliner Zeitung” oder das “Frankfurter Handelsblatt”), auf denen man gegen Geld Artikel veröffentlichen konnte. Diese Fake-Medien seien unter anderem genutzt worden, um positive Berichte über den umstrittenen bosnischen Serbenführer Milorad Dodik zu verbreiten, die dann vom dortigen Staatsfernsehen als echte Nachrichten zitiert worden seien.

6. Filme in Originalsprache verbessern das Englisch
(spiegel.de)
Eine Studie des Ifo-Instituts zeige, dass Menschen in Ländern, in denen englische Filme im Originalton mit Untertiteln statt mit Synchronisation gezeigt werden, deutlich besser Englisch sprechen. In Island (Originalton mit Untertiteln) sprächen zum Beispiel 75 Prozent der jungen Leute gut Englisch, in Frankreich (mit Synchronisation) nur 21 Prozent. “Hätten Deutschland und andere Synchronisationsländer früh auf Untertitel gesetzt, wäre das durchschnittliche Sprachniveau hier deutlich höher”, so Frauke Baumeister, Co-Autorin der Studie.

7. Genderverbot: Was ist das Problem an der Argumentation von Kulturstaatsminister Weimer?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:12 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator das Genderverbot des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer in seiner Behörde: “Das Gendersternchen ist nicht unser Problem. Unser Problem ist, dass wir uns von solchen Scheindebatten ablenken lassen. Herr Weimer sollte weniger Zeit als Sprachpolizist verbringen und mehr damit, Kultur zu fördern. Denn eins ist klar: Eine lebendige Demokratie lebt von Vielfalt – auch sprachlicher Vielfalt. Wer das nicht aushält, hat den Job verfehlt. Und ja, damit meine ich ausdrücklich Sie, Herr Weimer.”

Der Kurz-Clan, Trojanischer Journalismus, Substacks Neonazis

1. Der Kurz-Clan und der Reichelt-Boss
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe & Michael Bonvalot)
Enge Vertraute des ehemaligen österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz sollen zunehmend Einfluss auf die Geschäfte von Frank Gotthardt gewinnen, der hinter dem rechtem Krawallportal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt stehe. Die Kurz-Freunde seien auf zentrale Entscheiderpositionen in Gotthardts Medien- und Investmentunternehmen gesetzt worden. Dazu gehöre auch das österreichische Boulevardportal “Exxpress”.

2. Berlusconi junior
(taz.de, Francesca Polistina)
Die italienische Mediengruppe Media for Europe (MFE), geführt von Pier Silvio Berlusconi, wolle ihren Anteil am deutschen Sender ProSiebenSat.1 erhöhen. Aufgrund der politischen Nähe von MFE zu rechtspopulistischen Kräften und der familiären Verbindung zum früheren italienischen Premierminister Silvio Berlusconi gebe es in Deutschland eine große Sorge um die journalistische Unabhängigkeit des Senders. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sowie der Deutsche Journalisten-Verband hätten bereits Bedenken gegen eine mögliche Übernahme geäußert.

3. Verlag Nürnberger Presse streicht etwa 200 Stellen
(tagesspiegel.de)
Der Verlag Nürnberger Presse, Herausgeber der “Nürnberger Nachrichten” und der “Nürnberger Zeitung”, plane einen massiven Stellenabbau und wolle bis Ende 2027 etwa 200 Arbeitsplätze streichen. Dies geschehe im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung hin zu digitalen Angeboten. Ein erheblicher Teil des Stellenabbaus hänge auch mit der geplanten Inbetriebnahme einer neuen Druckerei im Jahr 2026 zusammen.

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4. Wir müssen über Substack – und seinen Umgang mit Nazis – sprechen
(steady.page, Ingrid Brodnig)
Ingrid Brodnig kritisiert die US-amerikanische Newsletter-Plattform Substack, da diese rechtsextreme und antisemitische Inhalte dulde und sogar deren Monetarisierung erlaube. Anlass ist eine Push-Nachricht, mit der Substack kürzlich einen Neonazi-Newsletter verbreitet habe, was auf breite Kritik gestoßen sei. Brodnig betont deshalb die Bedeutung alternativer Plattformen wie Steady oder Ghost, auf denen solche Inhalte nicht erlaubt seien.

5. Wo “Entertainment-Journalismus” auf Social Media an Grenzen stößt
(dwdl.de, Simon Pycha)
Social-Media-Plattformen wie TikTok und Instagram würden Formate begünstigen, die zunehmend schneller, reißerischer und unterhaltsamer seien, wodurch Qualität und Informationsgehalt oft leiden würden. Medien würden darauf mit “trojanischem Journalismus” reagieren, also journalistisch fundierten Inhalten, die unterhaltend verpackt werden, um hohe Reichweiten zu erzielen. Studien würden jedoch deutliche Unterschiede aufzeigen: Demnach legen öffentlich-rechtliche Anbieter mehr Wert auf Qualitätskontrolle und Vielfalt, während private Anbieter stärker nutzerorientierte Beiträge und einfachere Prozesse bevorzugen.

6. Staatsanwaltschaft akzeptiert Freispruch für El Hotzo nicht
(spiegel.de)
Die Berliner Staatsanwaltschaft gehe gegen den Freispruch des Satirikers Sebastian Hotz alias “El Hotzo” vor, der wegen eines umstrittenen Kommentars zum Attentat auf Donald Trump angeklagt war. Sie habe gegen das Urteil des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten Rechtsmittel eingelegt. Hotz hatte die Tat auf der Plattform X/Twitter satirisch begrüßt, was das Amtsgericht jedoch als “straflose Satire” bewertet hatte. Die Staatsanwaltschaft fordere dagegen eine Geldstrafe. Hotz’ Posts seien “geeignet gewesen, den öffentlichen Frieden zu stören”.

KW 31/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Einschüchtern, bedrohen, klagen: Trumps Strategie gegen Medien
(tagesschau.de, David Krause, Audio: 26:46 Minuten)
In dieser Folge des “Tagesschau”-Podcasts “11KM” geht es darum, wie US-Präsident Donald Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit mit Einschüchterungen, Milliarden-Klagen und finanziellen Kürzungen aktiv gegen kritische Medien in den USA vorgeht. Kerstin Klein, Korrespondentin im ARD-Studio Washington, erläutert die Strategie hinter diesen Angriffen und zeigt deren Folgen für die Pressefreiheit auf.

2. Islamismus und Medien: Wie zu Extremismus berichten?
(bonjourno.de, Olivia Samnick, Audio: 56:27 Minuten)
Bei “Bonjourno” spricht Olivia Samnick mit Philip Mohammed Al-Khazan von der Hamburger Beratungsstelle Legato und mit Margit Stein, Pädagogikprofessorin an der Universität Vechta. Thema ist die Frage, wie Medien verantwortungsvoll über Islamismus berichten können, ohne Rassismen und Generalverdacht zu reproduzieren. Al-Khazan schildert die Folgen rassistischer Berichterstattung, während Stein erläutert, welche Rolle digitale Medien bei der Radikalisierung spielen.

3. “KI killt Klicks – Was bedeutet der Erfolg der Künstlichen Intelligenz für Online-Angebote?”
(ardaudiothek.de, Christoph Borgans & Michael Meyer, Audio: 18:42 Minuten)
Künstliche Intelligenz, etwa in Form von ChatGPT, wird immer häufiger genutzt, um gezielt Informationen zu suchen und zu finden. Das hat zur Folge, dass weniger Besucherinnen und Besucher auf Webseiten von Verlagen und Sendern landen. Christoph Borgans und Michael Meyer sprechen bei “Medien – Cross und Quer” mit Sebastian Esser, dem Geschäftsführer der Plattform Steady, über die möglichen Folgen für Online-Geschäftsmodelle: Inwieweit schaden die KI-Angebote Medien? Und könnten Kooperationen, wie sie der Springer-Verlag bereits eingegangen ist, eine Lösung sein?

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4. Veränderter Blick auf Gaza und die Zukunft der Stadtrevue
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 45:23 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe des WDR5-Medienmagazins “Töne, Texte, Bilder” geht es unter anderem um Veränderungen in der deutschen Berichterstattung zum Nahostkonflikt, um eine Übernahmeschlacht bei privaten TV-Sendern wie RTL und ProSiebenSat.1, um die Frage, wie die EU mit einer neuen KI-Verordnung das Urheberrecht stärken will, und darum, wie China den Wettbewerb im Bereich der Künstlichen Intelligenz vorantreibt.

5. Wenn aus dem Podcast eine Show wird
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 45:26 Minuten)
Die beiden Medien-Podcaster Christian Jakubetz (“Satzzeichen”) und Lukas Schöne (“This is Media Now”) diskutieren über die Entwicklung des Mediums Podcast: Warum sprechen einige Experten zunehmend von “Shows” statt von Podcasts? Schöne kritisiert, dass dieser Wandel hin zu Videopodcasts eher von Plattformen wie Spotify und YouTube als von den Nutzerinnen und Nutzern selbst vorangetrieben werde.

6. Hörspielkönigin Heikedine Körting: Die Frau hinter “Die drei ???” & Co.
(youtube.com, Steffen Hallaschka, Video: 13:54 Minuten)
Bei “stern TV” wird die Hörspielproduzentin Heikedine Körting vorgestellt, die seit über 50 Jahren erfolgreiche Serien wie “Die drei ???”, “TKKG” und “Fünf Freunde” produziert. Gezeigt wird ihr Arbeitsalltag, die analoge Technik und die unzähligen Geräuscherequisiten. Bis heute habe Körting mehr als 3.000 Hörspiele produziert und 500 Millionen Tonträger verkauft. Unbedingt sehenswert für alle, die in ihrer Jugend gerne Hörspiele gehört haben und dies womöglich immer noch tun.

“Voice of America” verstummt, Agenten auf Mission, Quotenpanne

1. Neue Kündigungswelle bei Voice of America
(spiegel.de)
Der US-Auslandssender “Voice of America” stehe über 80 Jahre nach seiner Gründung kurz vor dem Aus. Auf Anordnung von US-Präsident Donald Trump seien mehr als 600 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen worden. Trumps Beraterin Kari Lake rechtfertige die massive Personalreduzierung als notwendigen Abbau einer “aufgeblähten, unverantwortlichen Bürokratie”. Kritiker sähen darin jedoch den Versuch, einen als regierungskritisch wahrgenommenen Sender gezielt zu schwächen und abzuschaffen.

2. Enkel des »Weltbühne«-Gründers übt scharfe Kritik an Verleger Friedrich
(juedische-allgemeine.de)
Der Enkel des Gründers der Zeitschrift “Die Weltbühne”, Nicholas Jacobsohn, erhebe scharfe Vorwürfe gegen den Verleger Holger Friedrich. Dieser habe die traditionsreiche Publikation ohne seine Zustimmung neu aufgelegt. Jacobsohn werfe Friedrich vor, das Erbe und die journalistische Integrität der “Weltbühne” zu beschädigen. Der Verleger weise die Vorwürfe zurück und behaupte, Jacobsohns Familie habe jahrzehntelang selbst nichts zur Fortführung der Zeitschrift beigetragen.

3. Agenten auf komplexer Mission
(journalist.de, Henning Kornfeld)
Henning Kornfeld berichtet darüber, wie Medienhäuser KI-Agenten einsetzen, um komplexe redaktionelle Aufgaben effizienter zu erledigen. So habe beispielsweise Ippen Digital bei der automatisierten Erstellung lokaler Wahlanalysen auf Künstliche Intelligenz gesetzt, ebenso der Bayerische Rundfunk bei der Produktion von Teletext-Seiten. KI-Agenten hätten zwar ein großes Potenzial, Redaktionen würden aber weiterhin Menschen zur Kontrolle benötigen. Langfristig sei daher die Kombination aus KI-Unterstützung und menschlicher Qualitätskontrolle entscheidend.

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4. Berichte aus dem Iran und transparenter Investigativjournalismus
(wdr.de, Anja Backkaus, Audio: 48:40 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” spricht Parniean Soufiani über die aktuelle Lage der Menschen im Iran angesichts des Kriegs mit Israel. Außerdem berichtet Florian Flade von seinen Recherchen zur Zusammenarbeit des Journalisten Peter Scholl-Latour mit dem Bundesnachrichtendienst, und Stefanie Dodt fordert mehr Transparenz im Investigativjournalismus. Weitere Themen sind gesperrte Social-Media-Accounts und das Phänomen der Beziehungscoaches in Sozialen Medien.

5. Innovatives Arbeiten im Journalismus
(verdi.de)
In ihrer Studie “Agiles Arbeiten im Journalismus: Einführung, Anwendung und Effekte von agilen Methoden in deutschen Medienhäusern” (Hinweis: Die verlinkte Seite scheint aktuell nicht erreichbar zu sein) untersuchen Maria Hendrischke und Ann-Kathrin Lautenschläger, wie agile Methoden, die ursprünglich aus der Softwareentwicklung stammen, in deutschen Medienhäusern eingesetzt werden. Die Einführung derartiger Prozesse sei vor allem durch digitale Transformation, wirtschaftliche Herausforderungen und die Corona-Pandemie beeinflusst worden.

6. Monatelang falsche Zahlen: Die größte Panne der Quotenmessung
(dwdl.de, Christian Richter)
Die neueste “DWDL”-“Telegeschichte” des Medien- und Fernsehwissenschaftlers Christian Richter behandelt die größte Panne der Einschaltquotenmessung in Deutschland, die sich im Jahr 1994 ereignet habe und bei der aufgrund eines technischen Fehlers monatelang falsche Zahlen veröffentlicht worden seien. Betroffene Sender wie ProSieben hätten dadurch massiv Werbegelder verloren, während RTL II überraschend hohe Marktanteile verzeichnet habe. Ein interessanter Blick in ein spezielles Kapitel der deutschen TV-Geschichte.

Pressefreiheit gefährdet, Irre Jagd auf Harry Styles, Entappelliert Euch!

1. Pressefreiheit: Wirtschaft und autoritäre Tendenzen machen Medien zu schaffen
(de.ejo-online.eu, Judith Odenthal)
Judith Odenthal vom deutschsprachigen “European Journalism Observatory” berichtet, dass sich die Lage der weltweiten Pressefreiheit laut der Organisation Reporter ohne Grenzen dramatisch verschlechtert habe. Autoritäre Regime und wirtschaftliche Krisen würden den Journalismus zunehmend bedrohen. Auch in Demokratien wie den USA und Deutschland sei der Druck auf unabhängige Medien gewachsen, sei es durch politische Rhetorik oder ökonomische Zwänge.

2. Verfolgt in Berlin: Die irre Jagd auf Harry Styles
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz schildert bei “Übermedien”, wie sich der Aufenthalt des Musikers Harry Styles in Berlin zur medialen Jagd entwickle, bei der Styles’ Privatsphäre zunehmend missachtet werde. Radiosender und Boulevardblätter würden das Geschehen zusätzlich anheizen, etwa mit Prämien für Fotos oder Übersichtskarten mit Harry Styles’ Aufenthaltsorten. Rosenkranz sieht darin ein anschauliches Beispiel dafür, wie problematisch viele Redaktionen mit dem Recht auf Privatsphäre von Prominenten umgehen.

3. Grok macht »Programmierfehler« für Holocaustleugnung verantwortlich
(spiegel.de)
Elon Musks KI-Chatbot “Grok” habe Zweifel an der Zahl der im Holocaust ermordeten Jüdinnen und Juden geäußert. xAI, das Unternehmen hinter “Grok”, spreche von einer unbefugten Änderung durch einen “abtrünnigen Mitarbeiter” und habe die Äußerung inzwischen korrigiert. Zuvor habe “Grok” bereits durch das Verbreiten rechtsextremer Verschwörungsmythen für Kritik gesorgt, worauf xAI angekündigt habe, künftig transparenter vorzugehen und ein Überwachungsteam einzurichten.

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4. Über die Unabhängigkeit des profil: Was wir tun und lassen können
(profil.at, Sebastian Hofer & Jakob Winter)
Das österreichische Magazin “profil” weist den Vorwurf seiner ehemaligen Kolumnistin Barbara Blaha zurück, ihre Absetzung habe politische Gründe oder sei durch Eigentümerinteressen beeinflusst worden. Man habe sich aus redaktionellen Gründen von Blaha getrennt und betone, dass die Redaktion unabhängig von Eigentümern entscheide. Blahas Kritik am Einfluss wirtschaftlicher Strukturen auf Medien hält “profil” für irreführend und verweist im Gegenzug auf finanzielle Abhängigkeiten von Blahas Plattform Moment.at.

5. ProSiebenSat.1 übernimmt Podcast-Schmiede Studio Bummens
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, übernimmt ProSiebenSat.1 die Mehrheit an der Podcast-Produktionsfirma Studio Bummens. Dadurch sollen Produktion und Vermarktung enger verzahnt werden und sich neue Möglichkeiten für Werbekunden sowie Podcast-Talente eröffnen. Beide Seiten würden den Zusammenschluss als strategischen Meilenstein mit großem Zukunftspotenzial bewerten.

6. Appell-Titel im Trend: Wenn Bücher uns anschreien
(br.de, Knud Cordsen)
Knut Cordsen schreibt beim Bayerischen Rundfunk über seine Beobachtung, dass immer mehr Bücher mit Appell-Titeln wie “Entromantisiert Euch!” oder “Entpolarisiert Euch!” erscheinen. Der Ursprung dieser Titelwelle liege in Stéphane Hessels erfolgreichem Essay “Empört Euch!”, seither sei der imperativische Ton zur gängigen Vermarktungsstrategie geworden. Cordsen übt ironisch Kritik an der Masche und ruft den Verlagen zu: “Strengt Euch an! Erfindet Euch neu! Bewegt Euch!”

Wie mit Rechtsextremen umgehen?, Flüchtige Gewissheiten, Afghanistan

1. AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft – wie reagieren Deutschlands Fernsehsender?
(correctiv.org, Samira Frauwallner)
Samira Frauwallner hat untersucht, wie deutsche Fernsehsender auf die neue Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch reagieren, und dafür bei öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern nachgefragt. ARD und ZDF überdächten zwar ihren Umgang, wollen aber weiterhin AfD-Vertreterinnen und -Vertreter in ihren Programmen abbilden und die Einstufung jeweils deutlich machen. ProSiebenSat.1 sehe dagegen keinen Änderungsbedarf, während RTL noch keine Entscheidung getroffen habe.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator unter der Überschrift “Kritische Einordnung statt Bühne: Medien und die AfD”: “Gerade wir in Deutschland sollten aus der Weimarer Republik gelernt haben, wohin die Normalisierung radikaler Positionen führt: Damals wurde die Demokratie schrittweise ausgehöhlt. Und zwar, weil Medien und Politik Extremisten immer wieder eine Bühne boten – bis es irgendwann zu spät war. Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:59 Minuten)

2. Wenn Gewissheiten flüchtig werden
(journalist.de, Stephan Karkowsky)
Der Radiojournalist Stephan Karkowsky schreibt in der Reihe “Mein Blick auf den Journalismus”, dass Journalistinnen und Journalisten angesichts der vielen Lügen von Donald Trump und der Strategie rechtsextremer Gruppen, Fakten bewusst in Frage zu stellen, nicht neutral bleiben können. Er fordert eine klare Rückbesinnung auf journalistische Qualitätsstandards wie Faktenchecks, das Zwei-Quellen-Prinzip und transparente Fehlerkorrekturen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in seriösen Journalismus zurückzugewinnen. Karkowskys Fazit: “Möglicherweise haben wir die Gatekeeper-Funktion durch die Einführung sozialer Medien verloren. Unsere Funktion als die Vierte Gewalt im demokratischen System aber dürfen wir nicht aufgeben, egal, wie sehr interessierte Kreise uns dafür als Zensurorgane delegitimieren wollen.”

3. Bundesregierung soll Journalisten aufnehmen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) appelliert an die neue Bundesregierung, die besorgniserregende Lage der Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan nicht zu vergessen: “Vielen afghanischen Medienschaffenden bleibt nur noch der Weg ins Exil, um sich vor den Taliban zu schützen. Aufnahmeprogramme sind für sie der einzige sichere Ausweg. Doch seit Monaten sitzen höchst gefährdete Journalisten in Pakistan fest und warten auf ihre zugesagte Einreise nach Deutschland. Sie haben einen Rechtsanspruch darauf”, so RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus: “Wenn die Bundesregierung die Einreisen aussetzt, wer soll sich in Zukunft auf das Wort der deutschen Regierung verlassen? Das wäre nicht nur eine Katastrophe für die Journalisten und ihre Familien, es schadet auch dem Ansehen Deutschlands.”

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4. Pressefreiheit braucht starken politischen Rückhalt
(dju.verdi.de)
Die Gewerkschaft Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi gratuliert Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zum Amtsantritt, verbindet dies aber mit Erwartungen: “Die gegenwärtigen Herausforderungen an den Berufsstand sind vielfältig. Sie reichen von ökonomischem Druck über juristische Einschüchterung bis hin zu Hassrede und Angriffen auf Journalist*innen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Medien sollte es sich zur Aufgabe machen, die Resilienz unserer Medienlandschaft im Sinne der Demokratie zu stärken.”

5. Fakten oder Gefühle? Warum Emotionen im Journalismus unverzichtbar sind
(dfjv.de, Kathrin Boehme)
“Haben Emotionen in der Berichterstattung überhaupt Platz? Oder sollten sie nicht eher konsequent vermieden werden?” Kathrin Boehme hat mit der Kommunikationswissenschaftlerin und Journalistin Margreth Lünenborg über “Emotionen im Journalismus” gesprochen. Lünenborg ist sich sicher: “Emotionen gehören längst zum Journalismus, auch bereits historisch gehörten sie dazu. Das beobachten wir in vielen Bereichen, ob im Sport, in den digitalen Medien, in Reportagen. Sie intensivieren die Berichterstattung und schaffen eine Verbindung zum Publikum.”

6. Leichte Sprache in Apps: Wie schwer kann das sein?
(media-lab.de, Paula Motschmann)
“Leichte Sprache in mobilen Applikationen ist aktuell noch eine Seltenheit. Sie gilt als Netiquette. Dabei wäre mehr davon für sehr viele Menschen sinnvoll und inklusiv. Wo hakt es also – auch in der Medienbranche – und welche Empfehlungen können bei der Umsetzung helfen?” Paula Motschmann kritisiert, dass es kaum mobile Apps in Leichter Sprache gebe. Dabei könnten rund 14 Millionen Menschen in Deutschland davon profitieren. Gründe dafür seien fehlende gesetzliche Vorgaben und Unsicherheiten in der Medienbranche. Motschmann empfiehlt, die Zielgruppen stärker einzubeziehen, Texte übersichtlich zu gestalten, professionell zu übersetzen und von Nutzerinnen und Nutzern prüfen zu lassen.

ZDF vergoogelt sich, Der Macht nachplappern, Qual mit der Wahl

1. Steckt Putin hinter Anschlägen in Deutschland? ZDF vergoogelt sich bei Russland-Recherche
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Das ZDF suggeriere in einer Dokumentation, dass Russland hinter Anschlägen in Deutschland stecken könnte, und mache dies an Daten von “Google Trends” fest. Diese Methode sei jedoch hochgradig fragwürdig und ungenau, kritisiert Stefan Niggemeier. Er argumentiert, dass diese scheinbaren Indizien lediglich Verschwörungserzählungen nähren, und wirft dem ZDF vor, trotz vieler Relativierungen letztlich derartige Verschwörungserzählungen durch zweifelhafte Schein-Beweise zu verbreiten: “Wer sich im Kampf gegen ‘Fake News’ auf Methoden verlässt, die selbst an ‘Fake News’ grenzen, wird ihn nicht gewinnen können.”
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2. Der Macht nachplappern
(taz.de, Gilda Sahebi)
Gilda Sahebi kritisiert, dass das neue Format “Klar” von NDR und BR vorgebe, mutig “Klartext” zum Thema Migration zu sprechen, dabei aber lediglich altbekannte, spaltende Erzählungen wiederhole. Sahebi wirft der Sendung vor, sich hinter der vermeintlichen Wahrheitssuche zu verstecken, um simplifizierende, migrationsfeindliche Narrative zu bedienen und damit von gesellschaftlichen Problemen abzulenken. Statt journalistischer Aufklärung liefere die Sendung nur das “Nachplappern von Erzählungen der Macht”.
Weiterer Lesehinweis: Böhmermann kritisiert neues ARD-Format, Moderatorin antwortet: “Das von BR und NDR gestartete Reportage-Magazin ‘Klar’ erhält mächtig Gegenwind. Auch Jan Böhmermann hat sich nach der ersten Ausgabe zum Thema Migration geäußert und übt Kritik. Moderatorin Julia Ruhs wiegelt ab.” (dwdl.de, Timo Niemeier)

3. Zwei Jahre Krieg – auch gegen Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Laut Reporter ohne Grenzen werden seit Beginn des Krieges vor zwei Jahren zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces Journalistinnen und Journalisten massiv verfolgt, angegriffen und getötet, ohne dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Die Organisation berichtet von mindestens sieben ermordeten Medienschaffenden sowie von zahlreichen weiteren Fällen von Inhaftierung, Vermissten, Überwachung, Bedrohungen, Cybermobbing und sexueller Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten.

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4. ProSiebenSat.1 – Stellenabbau und Übernahmegerüchte: Wie geht’s weiter?
(ardaudiothek.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 28:21 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” geht es um die aktuelle Krise beim Medienkonzern ProSiebenSat.1, der von Stellenabbau, sinkenden Quoten und internen Problemen betroffen sei. Diskutiert wird außerdem über die mögliche Übernahme durch die italienische Berlusconi-Holding “Media for Europe”, die schrittweise ihren Einfluss bei ProSiebenSat.1 ausweiten wolle. Branchenexperten erklären die Strategie hinter der Übernahme, die darin bestehe, durch Synergien und gemeinsame Strukturen ein europäisches Medienunternehmen aufzubauen.

5. Wo hat investigativer Journalismus in einer von KI geprägten Welt Platz?
(de.ejo-online.eu, Oleksandra Yaroshenko)
Investigativer Journalismus habe in einer von Künstlicher Intelligenz (KI) dominierten Welt die Aufgabe, die mächtigen digitalen Plattformen und deren undurchsichtige Algorithmen kritisch zu überwachen, was traditionelle Methoden oft überfordere. KI könne Journalistinnen und Journalisten dabei helfen, riesige Datenmengen zu analysieren, verborgene Muster aufzudecken und algorithmische Verzerrungen aufzuspüren, wie Studien zu Chatbot-Trainingsdaten und TikToks Empfehlungsalgorithmus zeigen würden: “So haben investigative Journalist:innen in der neuen technologischen Landschaft nicht nur Platz, sondern spielen eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung der Transparenz digitaler Giganten.”

6. Die Qual mit der Wahl: Wie es beim NDR jetzt weitergeht
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Laut “DWDL” herrscht nach der gescheiterten Intendantenwahl beim NDR Unklarheit, ob der Verwaltungsrat dem Rundfunkrat mehrere Kandidaten vorschlagen dürfe, da der NDR-Staatsvertrag in dieser Hinsicht uneindeutig sei. Wegen des engen Zeitrahmens sei kurzfristig keine Vertragsänderung zu erwarten. Daher könnte beim nächsten Versuch, eine Leitung für den öffentlich-rechtlichen Sender zu finden, erneut nur eine Person zur Wahl stehen.

KW 15/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Daniel Drepper bei “Freiheit Deluxe”
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 1:24:11 Stunden)
Bei “Freiheit Deluxe” spricht Jagoda Marinić mit dem Investigativjournalisten Daniel Drepper über dessen Recherchen zu Machtmissbrauch, unter anderem zum Fall von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und der Band Rammstein, und über deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Medien. Die beiden diskutieren außerdem darüber, wie journalistische Arbeit durch politische und mediale Gegenstrategien unter Druck gerät, etwa durch Angriffe auf das Informationsfreiheitsgesetz.

2. Warum berichtet die “Zeit” so ausführlich über einen Sorgerechtsstreit?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 19:56 Minuten)
Holger Klein unterhält sich im “Übermedien”-Podcast mit der “Zeit”-Kriminalreporterin Anne Kunze über deren Artikel (nur mit Abo lesbar) zu einem prominenten Sorgerechtsfall: “Wie geht man als Journalistin mit einem derart gewaltigen Aktenberg um? Gehört so ein Streit überhaupt in die Öffentlichkeit? Und wie schwer ist es, journalistisch neutral zu bleiben, wenn eine Seite der Geschichte deutlich kooperativer ist als die andere?”
Ergänzender Lesetipp aus dem Januar 2024: Die Medienschlacht um die Block-Kinder: “Ein privater Sorgerechtsstreit wird seit Monaten auch in Medien ausgetragen. Für die ist die Sache verlockend, weil es um eine Hamburger Millionärsfamilie geht, um einen ehemaligen Sportmoderator und um Entführung. Doch wäre es nicht geboten, die Kinder vor Öffentlichkeit zu schützen?” (übermedien.de, Boris Rosenkranz)

3. Im Osten nichts Neues? Ostdeutschland in den Medien
(youtube.com, Nadine Lindner, Video: 1:02:21 Stunden)
Im Rahmen der Medientage Mitteldeutschland beschäftigte sich ein Panel mit der Berichterstattung deutscher Medien über Ostdeutschland: “Wie kann die vielschichtige Gesellschaft in den ostdeutschen Ländern differenzierter dargestellt werden? Wie lassen sich Klischees vermeiden? Und wie können ostdeutsche Stimmen sichtbarer werden?” Es diskutierten Reiner Haseloff (Ministerpräsident Sachsen-Anhalt), Christin Bohmann (Chefredakteurin MDR), Heiko Paluschka (Leiter des ProSiebenSat.1-Hauptstadtbüros), Maria Fiedler (stellvertretende Leiterin des “Spiegel”-Hauptstadtbüros) und Dirk Oschmann (Literaturprofessor und Publizist).

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4. “Godcode” & “Avignon: Der Prozess Pelicot” – Das “Ich” im Podcast
(ohrensessel.podigee.io, Sandro Schroeder & Carina Schroeder, Audio: 1:59:57 Stunden)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Ohrensessel” sprechen Carina und Sandro Schroeder über die Podcasts “Godcode – Macht. KI. Drama.” von funk und die “Spiegel”-Produktion “Avignon: Der Prozess Pelicot”. Sie analysieren die unterschiedlichen Moderationsstile der Hosts und diskutieren darüber, was einen guten Podcast-Host ausmacht. Außerdem geht es um gängige Erzählmuster, überladene Einstiege und abgenutzte Stilmittel in der Podcast-Produktion.

5. F.A.Z.: Warum habt ihr ein neues Abo gelauncht?
(spotify.com, Lennart Schneider, Audio: 1:06:01 Stunden)
In der neuen Folge von “Subscribe Now” geht es um die überarbeitete Nachrichten-App “Der Tag” der “FAZ”, die täglich zehn ausgewählte Artikel, KI-Zusammenfassungen, eine Vorlesefunktion und ein News-Quiz biete. Marina Sorg, “Deputy Chief Product Officer” der “FAZ”, erklärt, warum die App zehn Jahre nach ihrem Start einem Relaunch unterzogen wurde, und wie die Redaktion damit gezielt neue Abonnentinnen und Abonnenten ansprechen will. Außerdem geht es um die Rolle der App als Experimentierfeld für neue Funktionen und die Integration von Künstlicher Intelligenz.

6. Die Geschichte eines Medienskandals: Die gefälschten “Hitler-Tagebücher”
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 32:51 Minuten)
Christian Jakubetz spricht in seinem Podcast “Satzzeichen” mit dem Journalisten und Autor Malte Herwig über den Medienskandal rund um die gefälschten Hitler-Tagebücher, die der “Stern” 1983 veröffentlichte. Im Mittelpunkt steht die Rolle des Reporters Gerd Heidemann, dessen Tonbandaufnahmen Herwig später entdeckte und als Grundlage seines Podcasts “Faking Hitler” nutzte. Jakubetz und Herwig sprechen darüber, was der Skandal über den Journalismus aussagt und ob sich so etwas heute wiederholen könnte.

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