Kerners Jahr der deutschen Einheit
(faz.net, Jörg Thomann)
Ein Jahr ohne Krieg, ohne Papstreden und ohne Islamismus-Gefahr: Als erster Fernsehsender hat das ZDF 2006 für beendet erklärt und Johannes B. Kerner Bilanz ziehen lassen. Ein Abend mit Rotwein, Fußball – und gespenstischen Momenten.
Der Groberhauser
(extradienst.at, Josef Neumayr)
Mit 1. Jänner 2007 wird Elmar Oberhauser zum wichtigsten News-Maker des Landes: als Informations-Direktor des ORF. ExtraDienst hat dem Bären beim beharrlichen Aufstieg auf die Pranken geschaut.
Der Blasse
(tagesspiegel.de, Bernd Gäbler)
?Tagesthemen?: Tom Buhrow weckte Erwartungen – erfüllt hat er sie noch nicht.
Ein bisschen Spass muss sein
(weltwoche.typepad.com, Güzin Kar)
Heute früh landet eine mail mit Interviewfragen bei mir. Noch bevor ich das File öffne, weiss ich, was die erste Frage ist: «Sie sind in der Türkei geboren. Wie verträgt sich Ihr Humor mit Ihrem kulturellen Hintergrund?». Ich öffne das File. Bingo.
“Ich bin wieder ein richtiger Patriot”
(zeit.de, Christoph Ruf und Daniel Theweleit)
Der Bosnier Sergej Barbarez spielt seit 15 Jahren in Deutschland Fußball. Seither scheiden sich an ihm die Geister: Ist er ein unheilbarer Querulant oder ein Mann mit starkem Rückgrat? Der 35-jährige Angreifer von Bayer Leverkusen über die Religionskriege in seiner Heimat, den Rücktritt aus der Nationalelf und seinen Wunsch, Trainer zu werden.
“Finger weg von platter Meinungsmache” (persoenlich.com)
Die Nutzerprofile der Online-Communities bieten neue Perspektiven für das One-to-One-Marketing. Eine neue Studie (pdf, 472 kb) hat die Eigenschaften und Interessen von Mitgliedern sozialer Online-Netzwerke untersucht. Ein Ergebnis: Versucht ein Unternehmen Meinungsmanipulation, schadet das dem Image enorm.
Schlimmer Verdacht (ndr.de)
Journalisten tarnen sich als Rettungshelfer.
“Es langweilt mich zunehmend” (zeit.de)
Was sagt Moderator Johannes B. Kerner zur Kritik an der “Kernerisierung” des Fernsehens? Und warum hat er weiterhin kein Problem damit, Werbung zu machen? Ein Streitgespräch.
Politisch nicht ganz korrekt (freitag.de)
Wille und Wirklichkeit: Zur Auseinandersetzung über den ARD-Film “Wut”.
Gefahrenzone (sz-magazin.sueddeutsche.de)
Im Fußballsommer entbrannte eine Debatte über No-go-Areas für afrikanische Gäste. Können sich Menschen mit dunkler Haut in Ostdeutschland tatsächlich nicht mehr frei bewegen? Ist der Hass auf alles Fremde ein Teil der dortigen Alltagskultur geworden? Gehört der Osten noch zum Westen?
Wenn man in diesenTagendie“Bild”–Zeitungliest, könnte man glauben, dass “Rückführungen”, also die Erforschung vermeintlicher früherer Leben unter Hypnose, eine Art neuer Massensport sind. Oder dass die “Bild”-Zeitung wenigstens ihren Beitrag dazu leisten will, sie zu einem Massensport werden zu lassen.
Heute stellt “Bild” die nicht ganz unwichtige Frage:
Und:
Kann mir eine Hypnose-Rückführung schaden?
“Bild” hat den Leiter der medizinischen Psychologie der Uni Köln, Prof. Dr. Volker Tschuschke, gefragt. Und der gibt eine scheinbar klare Antwort:
“Nein. (…) wen es ins Jenseitige zieht, der braucht sich nicht zu sorgen. Eine professionelle Hypnose ist nicht schädlich, sie trägt sogar zur Entspannung bei.”
Na, dann ist ja alles gut. Womöglich hat Professor Tschuschke danach noch etwas über die Gefahren nicht-professioneller Hypnosen gesagt. Aber in “Bild” steht nichts davon.
Dass es Experten gibt, die anderer Ansicht sind, was die Bedenkenlosigkeit der lustigen Hypno-Reisewelle angeht, ahnt der “Bild”-Leser nicht. Denn die kommen in “Bild” nicht zu Wort. Dabei hatte zum Beispiel der Psychologe Dr. Colin Goldner schon 1999 gegenüber der “Badischen Zeitung” von dem beunruhigenden Fall einer Opernsängerin berichtet:
“Sie litt unter der Angst, auf der Bühne könnte ihr plötzlich die Stimme versagen. In einer Reinkarnationstherapie “erinnerte” sie sich — d.h. sie folgte den Suggestionen des “Therapeuten” –, sie sei im 15. Jahrhundert Scharfrichter in Rothenburg o. d. Tauber gewesen, als welcher sie Hunderte von Delinquenten an den Galgen geknüpft habe. (…) Diese Schuld äußere sich in ihrem jetzigen Leben — naheliegenderweise — in Problemen an ihrem Halse. Sie steigerte sich in die Vorstellung hinein, sie könne dieses Karma nur abtragen, wenn sie sich selbst antue, was sie ihren unschuldigen Opfern angetan habe. (…) Aufgrund akuter Selbstmordgefährdung kam sie in stationäre psychiatrische Behandlung, in der sie mehr als ein halbes Jahr verbleiben mußte.”
Bernd Borckmann, Arzt und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Hypnose, äußerte sich im “Kölner Stadtanzeiger” am 21. November 2005 kritisch über “Showhypnosen” und angebliche “Rückführungen” in frühere Leben und warnte:
“Die Hypnose kann für den Hypnotisierten brandgefährlich werden, etwa wenn sie mit traumatischen Erinnerungen konfrontiert werden, von denen der Hypnotiseur nichts weiß.”
Und der Münchner Psychotherapeut und “Hypnotherapeut” Burkhard Peter berichtete in der Zeitschrift “P.M.” im Dezember 2004 zwar davon, dass die Katzenphobie einer Patientin behandelt werden konnte, nachdem sie sich in der Hypnose an eine negative Erfahrung als Baby erinnert hatte, warnte aber:
“Es gibt keine Möglichkeit, innerhalb der Hypnose zu beurteilen, ob es sich um eine historisch korrekte Erinnerung handelt oder um eine suggerierte Konstruktion. Im Fall einer Katzenphobie ist das unproblematisch — bei hypnotisch erinnerten Missbrauchs-Taten dagegen fatal.”
(Alle Hervorhebungen von uns.)
Ach, und noch was: Vielleicht lohnt es sich an dieser Stelle, einmal auf den Mann zurückzukommen, der die aktuelle Wiedergeburts-Kampagne der “Bild”-Zeitung scheinbar ausgelöst hat: Hape Kerkeling. Seit drei Tagen tut “Bild” so, als habe Kerkeling behauptet, er hätte schon einmal gelebt. Das hat er nicht getan. Bei “Johannes B. Kerner” im ZDF sagte er am Donnerstag vergangener Woche über seine vermeintlichen früheren Leben:
“Ich zweifle daran, ob man das wirklich ernst nehmen kann. (…) Ich kann es mir vorstellen, dass ich schon mal gelebt habe, aber dass ich’s glaube, kann ich nicht sagen, nein. (…) Ich glaube nicht daran, dass es wirklich so war. Keine Ahnung, welche Streiche einem da die Phantasie und die Psyche so spielen. (…) Ich kann das nicht wirklich glauben.”
Und schon der ausführlichen Schilderung seiner außergewöhnlichen Hypnose-Erfahrung in seinem Buch (und in “Bild”) hat Kerkeling drei nicht ganz unwesentliche Sätze hinzugefügt:
Ob mir das alles wirklich zugestoßen ist? Keine Ahnung. Das würde ich niemals behaupten.
Die beiden Geiseln aus Leipzig haben alles richtig gemacht. Nach ihrer Freilassung im Irak haben sie (laut “Bild”) ein Bier verlangt, sich nach dem Stand der Bundesliga erkundigt, bei ihren Familien angerufen und sich sofort bei den Behörden und den Unterstützern bedankt. Das gibt volle Punktzahl von “Bild” und eine freundliche Erwähnung auf der Titelseite.
Susanne Osthoff hat alles falsch gemacht. Und sie macht immer noch alles falsch. Am Donnerstag bei “Johannes B. Kerner” trug sie merkwürdige Irak-Anstecker, rauchte in der Sendung, schimpfte auf Deutschland. Sie hat (laut “Bild”) “bis heute keinen Kontakt zu ihrer Familie aufgenommen”, will nicht sagen, wovon sie lebt, und ihr Bruder ist “nach BILD-Recherchen” gerade von einer vierwöchigen Ägypten-Reise mit Nil-Kreuzfahrt zurückgekehrt. Was immer uns das sagen will.
Und was immer “nach BILD-Recherchen” bedeutet. “Bild”-Autor Sebastian Voigt, der vermutlich das mit der Nil-Kreuzfahrt recherchiert hat, behauptet nämlich auch:
Bis heute hat sich Susanne Osthoff nicht öffentlich für die Anteilnahme an ihrem Schicksal und den Einsatz unserer Behörden bedankt.
Der Vorwurf schaffte es sogar in die Unterzeile der Überschrift:
Mag sein, dass sich Frau Osthoff nach Meinung der nationalen Punktrichter von “Bild” nicht genug bedankt hat. Aber bedankt hat sie sich. Vor einem Millionenpublikum am 9. Januar 2006 in der ARD-Talkshow “Beckmann”. Sie sagte wörtlich:
“Ich bin jedem dankbar, der sich für mich engagiert hat und für mich seine Zeit geopfert hat.”
Bereits am Tag vor der Ausstrahlung verbreitete dpa eine Zusammenfassung des aufgezeicheten Gesprächs. In der Agenturmeldung hieß es auch:
Die Archäologin kritisierte, dass der deutsche Krisenstab nicht frühzeitig einen Mittelsmann bestellt habe. Trotzdem bedankte sie sich ausdrücklich beim Krisenstab und allen, die zur Beendigung der Geiselnahme beigetragen haben.
Bei “Bild” hat die Vorberichterstattung über weibliche Sportmoderatorinnen im deutschen Fernsehen Tradition: Als Carmen Thomas am Abend des 03. Februars 1973 erstmalig ein “Sportstudio” moderierte, hatte sie eine druckfrische “Bild am Sonntag” vom nächsten Morgen dabei. Obwohl ihre Sendung gerade erst begonnen hatte, stand in der “BamS” bereits ein erster Verriss mit der Schlagzeile “Charme allein genügt nicht”.
Knapp 33 Jahre später tritt abermals eine Frau ihren Dienst beim “Sportstudio” an, was “Bild” heute veranlasst, die neue “Miss Sportstudio” Katrin Müller-Hohenstein mit ihrer Kollegin Monica Lierhaus von der “Sportschau” zu vergleichen — und mit brisanten Infos aufzuwarten.
Heißt es doch im “großen BILD-Vergleich” ganz nebenbei über Lierhaus:
“War 1999 vier Monate mit ZDF-Talker Johannes B. Kerner liiert.”
“Bild” schreibt außerdem:
“Seit sieben Jahren mit dem Journalisten Rolf Hellgardt (37) zusammen.”
Und wenn beides stimmen sollte, wäre Lierhaus ja, während sie mit Hellgardt “zusammen” war, gleichzeitig auch mit Kerner “liiert” gewesen. Und schlimmer noch wäre Kerner, seit 1996 mit Britta Becker verheiratet, ebenfalls während seiner Ehe mit Lierhaus “liiert” gewesen.
War er aber nicht. Kerner und Lierhaus waren offenbar kurzzeitig im Winter 95/96 ein Paar, wie “Bild” zum Beispiel in der “BamS” hätte nachlesen können, die über “Kerner und sein privates Glück” mit Lierhaus am 21. Januar 1996 berichtete, “die beiden lernten sich letzten Herbst beim Schminken in der Garderobe kennen”.
Frage: Wäre es nicht seltsam, wenn das WDR-Landesstudio Dortmund bekannt gäbe, dass Diego Maradona seinen “Auftritt in der Talkshow von Johannes B. Kerner” abgesagt habe? (Schließlich läuft “Kerner” beim ZDF, während das WDR-Landesstudio Dortmund zur ARD gehört.)
Nachtrag, 19:35:
Auch der Bild.de-Beauftragte für öffentlich-rechtliches Fernsehen hat am Nachmittag seinen Dienst angetreten und die falsche Talkshow (“Kerner”) durch die richtige (“Beckmann”) ersetzt und (womöglich aus Sicherheitsgründen) die Angabe, auf welchem Sender die Show ohne Maradona läuft, komplett weggelassen.
Am vergangenen Samstag schrieb “Bild” mal wieder über die Sängerin Michelle. Michelles neue Platte ist seit gestern im Handel, vor ein paar Jahren war sie mal ein paar Jahre lang mit dem Sänger Matthias Reim zusammen, und man könnte meinen, die 32-Jährige hätte der “Bild” (oder in “Bild”) (oder bei “Kerner”) schon so ziemlich alles erzählt, was es so zu erzählen gibt: Abtreibung, Schulden, Brust-OP, “Koma-Kollaps”, Psychiatrie, Selbstmordversuch, Hundediplom… Die Überschrift vom vergangenen Samstag indes lautete:
“Michelle: Für Sex mit Matthias Reim musste ich mich schminken”
Im Text stand dann als O-Ton von Michelle über sich und Reim:
“Wir trafen uns jede Nacht im Bett. Erst später begriff ich, daß er nicht mich, sondern die Kunstfigur Michelle liebte. Warum sonst hatte er vor dem Sex immer darauf gedrungen, ich solle mich schminken mit knallroten Lippen und ein verführerisches Kleid anziehen?“
Gute Frage. Statt einer Antwort steht bei Bild.de nun aber eine Gegendarstellung von Matthias Reim, die sich auf den “Sex”-Text bezieht und mit den Worten endet:
“Hierzu stelle ich fest: Diese Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage.“
Und man kann an dieser Stelle getrost hinzufügen, was gelegentlich auch andernorts (als “Anm. d. Red.”) unter einer Gegendarstellung zu lesen ist – nämlich, dass die Redaktion verpflichtet ist, eine Gegendarstellung “wie vorgelegt und unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt abzudrucken”. (Siehe beispielsweise auch: HbgPrG, §11) Denn unter Reims Gegendarstellung steht der Zusatz nicht. Stattdessen heißt es:
“Matthias Reim hat Recht.
Die Redaktion”
Eine Frage hätten wir aber trotzdem noch: Wenn Reim also Recht hat und die Behauptungen “jeglicher Grundlage” entbehren — wer hat sie sich dann ausgedacht: Michelle oder die Erschaffer der Kunstfigur Michelle?
Vielleicht erkennt man eine Qualitätszeitung auch daran, dass sie irgendwelche Dinge, die irgendjemand irgendwo behauptet, nicht einfach ungeprüft abschreibt und dann noch zu großen Schlagzeilen aufbläht.
Der “Tagesspiegel” veröffentlichte am Dienstag ein Interview mit ARD-Programmdirektor Günter Struve, das wie folgt endet:
Die ARD sendet am alles entscheidenden 31. Dezember den unschlagbaren “Silvesterstadl” mit Karl Moik. (…) Im ZDF: „Die große André-Rieu-Silvestergala“. Eine Kampfprogrammierung?
Struve: Aber natürlich. Der Rieu ist jetzt völlig neu draufgesetzt worden, weil das ZDF gesehen hat, dass es mit fiktionalen Programmen nicht hat landen können.
Neuer Zoff zwischen ARD und ZDF
TV-Krieg um Silvester! (…)
Ist das denn die Möglichkeit? Der TV-Krieg eskaliert.
Schon wieder streiten sich ARD und ZDF ums Programm. Nach Gottschalk gegen Schmidt, Kerner gegen Christiansen – jetzt das nächste Kapitel. Das ZDF sendet am Silvester-Abend Walzerkönig André Rieu gegen Mr. Musikantenstadl Karl Moik im Ersten.
Es hätte keiner großen Recherche bedurft, um herauszufinden, dass “Die große André-Rieu-Silvester-Gala” keineswegs erst seit kurzem im ZDF-Programm eingeplant ist, sondern schon in allen Programmzeitschriften steht, die Wochen vor dem Sendetermin Redaktionsschluss haben.
Und hatte es nicht vorher schon erste, klitzekleine Anzeichen dafür gegeben, dass das ZDF womöglich im Jahr 2004 mit André Rieu als “Kampfprogrammierung” gegen den “Silvesterstadl” in der ARD vorgehen könnte? Was lief im vergangenen Jahr an Silvester im ZDF? “Die große André-Rieu-Silvester-Gala”.
Und was setzte das ZDF im Jahr 2002 gegen den “Silvesterstadl” der ARD? “Die Große André-Rieu-Silvester-Gala”.
Und an Silvester 2001? “André Rieu in Wien”.
An Silvester 2000? “André Rieu in der Royal Albert Hall”.
Kampfprogrammierungen soweit das Auge reicht. Und “Bild” geht einem Blödsinn redenden ARD-Programmdirektor voll auf den Leim.
Auf Seite 148 erscheint in der morgigen Ausgabe des Magazins “Focus” ein Interview. Darin steht offenbar, dass die ZDF-Show von Johannes B. Kerner demnächst u.U. zur selben Sendezeit ausgestrahlt werden könnte wie die ARD-Show von Sabine Christiansen. Zumindest hat der “Focus” das so bereits am Samstagmorgen in einer entsprechenden Vorabmeldung formuliert.
Und nachdem die Nachrichtenagenturen die Vorabmeldung aufgegriffen und weiterverbreitet haben, steht sie heute auch in der “BamS”. Als Titelgeschichte. Und mir der riesigen Schlagzeile: “TV-KRIEG!” Doch während andere Zeitungen und Nachrichtenseiten die Kerner/Christansen-Meldung bloß rüberkopiert und veröffentlich haben, hat man sich in der “BamS” die Mühe gemacht, sie mit einem Gottschalk-O-Ton aus der “Bild” vom vergangenen Donnerstag, einem kleinen Johannes B. Kerner-Interview und einem richtig exklusiven O-Ton von ARD-Programmdirektor Günter Struve anzureichern (siehe auch Bild.de).
Immerhin zwei Absätze aber (von “Das ZDF droht…” bis “… zu plazieren”) sind auch in der “BamS” quasi identisch mit dem ursprünglichen Agentur-Wortlaut. Warum auch nicht? Warum allerdings ausgerechnet in diesen Abschnitt fälschlicherweise vom “Bericht aus Bonn” die Rede ist (den doch bekanntermaßen bereits am 16.04.1999 der “Bericht aus Berlin” abgelöst hat), wird – anders als eine sinnlose Frage an Johannes B. Kerner (“Werden Sie wie Christiansen auch einen Hundesalon aufmachen?”) – wohl auf immer unbeantwortet bleiben.
Heute vor einer Woche rückte “Bild” auf der Titelseite Oliver Pocher in die Nähe von Kinderschändern. Mehrere Wochen, nachdem er bei Johannes B. Kerner über das Thema Kindesmissbrauch gesprochen hatte, verkürzte und verdrehte das Blatt seine Aussagen (siehe hier). Pocher setzte gerichtlich eine Gegendarstellung durch, die sich heute auf der Homepage von bild.de und auf der Seite 1 der “Bild”-Zeitung findet:
Auf der BILD-Titelseite vom 20. Oktober 2004 schreiben Sie in einer Überschrift über mich: „Oliver Pocher TV-Star schützt Kinder-Schänder“.
Weiter heißt es dort: „… Der Komiker gab in der Kerner-Talkshow zu, von einem Kindesmißbrauch zu wissen. Den Täter zeigte er aber nicht an!“
Hierzu stelle ich fest: Der hierdurch erweckte Eindruck, ich würde aktuell einen Kinderschänder schützen, ist falsch. Meine Aussage in der Sendung Kerner bezog sich auf einen Fall, von dem ich vor zehn Jahren erfahren habe und der zum damaligen Zeitpunkt bereits 3 Jahre zurücklag. Die Tat ist verjährt und den Behörden bekannt.
Die Redaktion hat dem Text einen Satz hinzugefügt:
Herr Pocher hat Recht.
Das ist interessant. Denn gegenüber der FAZ hatte “Bild” vergangene Woche noch beharrt, im Recht zu sein. Und die Gegendarstellung hat “Bild” nicht freiwillig gedruckt, sondern erst, nachdem Pocher eine entsprechende Gerichtsentscheidung erreicht hatte. Von der Managerin des TV-Komikers ist zu erfahren: Entschuldigt habe sich “Bild” bei Oliver Pocher bis heute nicht.
Korrektur, 18.30 Uhr: Pochers Anwalt Christian Schertz sagt, eine Gerichtsentscheidung zur Erzwingung der Gegendarstellung sei nicht nötig gewesen. “Bild” habe die Gegendarstellung gedruckt, nachdem er die Zeitung abgemahnt habe. Am heutigen Donnerstag habe sich die “Bild”-Reporterin auch bei Pochers Managerin entschuldigt.