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Wario Basler

Jeder Fußballfan weiß: Es gibt nur ein’ Rudi Völler. Was viele jedoch nicht wissen: Es gibt mindestens zwei Mario Baslers.

Einer dieser Mario Baslers wurde von bundesliga.de interviewt, ist nicht so leicht zu überraschen und hat folgende Meinung zum erfolgreichen Saisonstart von Werder Bremen:

bundesliga.de: Wie sehr überrascht Sie das gute Abschneiden?

Basler: Für mich kommt das nicht ganz so überraschend. Denn Werder ist ja seit Jahren eigentlich immer im Kampf um die internationalen Plätze mit dabei. (…)

bundesliga.de: Ist die Truppe von Thomas Schaaf für Sie ein ernsthafter Meisterschaftskandidat?

Basler: Nein, ich glaube nicht, dass Werder bereits ein Titelkandidat ist. (…) Aber einen Platz unter den ersten Vier (…) traue ich den Bremern schon zu.

Der andere Mario Basler schreibt unter dem Titel “SUPER MARIO gibt Gas” eine krawallige Kolumne bei “Bild” und hat die Lage seines Ex-Vereins am Anfang der Saison so eingeschätzt:

Hottentottenwerder! Wer da in Bremen noch von der Champions League oder so träumt, der sollte besser nie mehr aufwachen …

Die fetten Jahre in Bremen sind vorbei. (…)

Der Thomas Schaaf muss es also wieder richten. Mit seinen Interview-Ikonen und Invaliden muss er in eine schwierige Saison starten. Der Thomas macht mit dem hoffentlich bald fitten Naldo hinten drin das Beste draus, wird Neunter.

Normalerweise wäre das für Werder-Verhältnisse eine völlig verkorkste Saison. Nun ist es das Maximum!

Mit Dank an Daniel M.

Gehirne, Kalauer, Drohnen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Leser in die Röhre”
(sueddeutsche.de, Werner Bartens)
Zusammen mit Ernst Pöppel, dem “Boulevard-Wissenschaftler unter den Hirnforschern”, plant “Bild”, Hirnaktivitäten beim Lesen des Blatts zu messen. “Die Zeitung geht zur Markenpflege direkt an die Schnittstelle der Leser-Blatt-Bindung – in der Fußballsprache würde man sagen, dahin, wo es wehtut: ins Gehirn des Lesers.”

2. “Nur keine Häme gegen Talkshows!”
(zeit.de, Lutz Hachmeister)
“Der österreichische Philosoph Robert Pfaller hat kürzlich bemerkt, dass in den Talkshows der 1970er und 1980er Jahre noch Gesamtpersönlichkeiten als Gäste gefragt gewesen seien, heute fast nur noch ‘one-trick-ponys’ – also Figuranten, von denen dramaturgisch eine ganz bestimmte Haltung erwartet wird. Die Talkshows sind heute scripted reality, in der Oskar Lafontaine oder Gregor Gysi ihre feste Funktion haben wie einst Slatko und Jürgen bei Big Brother.”

3. “Wie ich die Finanzkrise bewältigte”
(freitag.de, Michael Angele)
Michael Angele liest Feuilletons zur Finanzkrise: “Unschärfen und Inkompetenzen liegen nicht auf der Seite von uns ­Beobachtern, das Finanzsystem selbst produziert sie. Und zwar systematisch. Der Beweis? Die Krise natürlich.”

4. “Neues aus Kalau”
(noemix.twoday.net)
Kalauer mit Namen in Zeitungsüberschriften: “Manchmal ist der Unterschied zwischen einem Kindergarten und einer Zeitungsredaktion nicht leicht zu erkennen.”

5. “ARD und Fraunhofer proben die Totalüberwachung”
(ccc.de)
Das SWR-Sommerfest in Heidenheim am kommenden Sonntag wird “von fliegenden Drohnen, Heliumballons, Funk-Sensornetzen, Infrarotkameras und Webcams” überwacht.

6. “Ein Missverständnis namens Mindesthaltbarkeitsdatum”
(faz-community.faz.net/blogs/supermarkt, Peer Schader)
Im “Supermarktblog” macht Peer Schader darauf aufmerksam, dass ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum noch keinen ungenießbaren Joghurt macht: “Wer minimale Cremigkeits-Abstriche in Kauf nimmt, kann den Becher auch noch Tage später auslöffeln. Wenn er vorher die Anstrengung in Kauf nimmt, die Folie abzuziehen und höchstpersönlich zu testen, ob der Joghurt noch gut ist. Riechen und schmecken nennt man das. Irgendwie müssen wir das verlernt haben.”

Perry Rhodan, NATO, Berlin Neukölln

6 vor 9

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1. “Der Journalismus und die Verbreitung im Netz”
(moritzhomann.de)
Moritz Homann macht sich Gedanken darüber, “wie einfach es ist, mit einem relativ inhaltsleeren Artikel, für den vermutlich keinerlei Recherche nötig war, beträchtliche Reichweite zu erzielen” – “diese Vorgehensweise belohnt Autoren, die aus einer Laune heraus einen übertriebenen, tendenziösen Text schreiben und bestraft Autoren, die recherchieren, telefonieren, vor Ort sind und gute Texte schreiben.”

2. “Zeit Online Artikel verägert Rhodan-Fans”
(space-view.de, David Meiländer)
Der Titel eines zeit.de-Artikels zum 50. Jubiläum der Perry-Rhodan-Hefte wurde von “Der Ersatz-Hitler aus dem All” auf “Der Weltraum als Modelleisenbahnkeller” geändert, nachdem sich Leser darüber beschwert hatten.

3. “Libyen-Berichterstattung der ARD-Tagesschau peinlich NATO-hörig”
(kriegsberichterstattung.com, Maximus)
Maximus kritisiert bei der Libyen-Berichterstattung der ARD-Tagesschau und anderer deutschen Medien eine Einseitigkeit zugunsten der NATO: “So gut wie nie ist in der Kriegsberichterstattung die Rede von NATO-Opfern, von den Tausenden Opfern, die durch die schweren Waffen starben, die entgegen der UNO-Auflage den Rebellen geliefert wurden.”

4. “Philipp Lahm und die Heuchler”
(faz-community.faz.net, Jürgen Kaube)
Jürgen Kaube thematisiert, wie wenig Redefreiheit Fußballprofis haben: “Sogar über ehemalige Trainer soll der Spieler nichts sagen dürfen, nicht einmal all das Freundliche, was Lahm über Louis van Gaal zu Protokoll gegeben hat. Wenn er es doch tut, muss er sich Beschreibungen wie ‘Selbstdarstellungsdrang des kleinen Mannes’ gefallen lassen.”

5. “Online-Kommentare unter Kontrolle”
(taz.de, Reinhard Wolff)
Online-Portale schwedischer Zeitungen verschärfen die Regeln für Leserkommentare. So geht “Expressen” von einer nachträglichen zu einer Vorab-Moderation der Kommentare über: “Vor allem viele rassistische Kommentare seien durch das bisherige System gerutscht, publiziert und oft erst nach Stunden entdeckt und gelöscht worden. Nun werde nichts mehr Online landen, was die Redaktion nicht auch verantworten könne.”

6. “Neues Integrationsproblem”
(youtube.com, Video, 6:06 Minuten)
Der Zentralrat der Sinti und Roma lobt den Bericht von “Report Mainz” über Familien aus Rumänien und Bulgarien in Berlin Neukölln und fordert mehr Integration (swr.de, sintiundroma.de).

Meteor, Mailbox, Lobo

6 vor 9

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1. “Meteoritenhoax auf Spiegel Online”
(scilogs.de, Jan Hattenbach)
“Spiegel Online” berichtet über ein “spektakuläres Naturschauspiel” am Himmel und kommt zum Schluß: “Es handelt sich offenbar um einen abstürzenden Meteoriten.” Jan Hattenbach sieht das anders: “Da hat wohl jemand in Peru einen Kondensstreifen für einen Meteor (nicht Meteorit) gehalten. Man ersetze ‘Peru’ durch ‘China’ und ‘Kondensstreifen’ durch ‘Sack Reis’, und erhalte ungefähr den Nachrichtenwert dieser Meldung.” Auf den Nachrichtenportalen sueddeutsche.de, faz.net, welt.de und focus.de ist nach wie vor ein Video zu sehen, in dem es heisst: “Dieser mutmaßliche Meteorit steuert geradewegs auf Peru zu.”

2. “Der Inzest-Opa und die Journalisten-Richter-Henker-Meute”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr erinnert daran, dass gegen einen in Österreich wegen Inzestverdacht festgenommenen Mann kein Gerichtsurteil, noch nicht mal eine offizielle Anklage vorliegt.

3. “‘Gooool!’ aus zweiter Hand”
(sueddeutsche.de, Javier Càceres)
Spanische Radioreporter erhalten im Fußballstadion keine kostenfreie Akkreditierungen mehr.

4. “Making of…”
(cab-log.blogspot.com, Klaus)
Taxifahrer Klaus beobachtet ein Foto-Shooting für die extragroße “Bild”: “Der Kollege schlug dann schließlich ein Honorar von 5 Euro raus. Die Kollegin bekam große Augen: ‘Ich habe nichts gekriegt.'”

5. “How to hack like a News of the World reporter”
(reuters.com, Video, englisch)
Kevin Mitnick erklärt, wie man eine Handy-Mailbox abhört. Und wie man sich dagegen schützt: “You go into your voicemail options and you enable to prompt for a password always.”

6. “Lobo, der Wolf vom Zentralplatz”
(rhein-zeitung.de, Hartmut Wagner)
Lobo trinkt vor allem Bier und Boonekamp, verzichtet auf eine Wohnung, die ihm zusteht, erhält monatlich 370 Euro Grundsicherung, ohne damit ein moralisches Problem zu haben und setzt sich mit einem Becher an die Straße, wenn das nicht ausreicht (Artikel als PDF-Datei, Kommentar des Chefredakteurs).

Bulle, Apple, Füllstoff

6 vor 9

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1. “Mein Bulle”
(lawblog.de, Udo Vetter)
Ein Polizist wird vom Amtsgericht Mannheim zu einer Geldstrafe verurteilt, “wegen der Verhaftung einer Bundestagskandidatin, die so inszeniert war, dass die Journalistin eine exklusive Schlagzeile bekam.” Die Schlagzeile lautete 2009 auf Bild.de: “Hier wird eine Bundestags-Kandidatin verhaftet”.

2. “Die Selbstvergewisserungs-Maschine Bild”
(meedia.de, Christian Meier)
Christian Meier liest gelangweilt die am Samstag in Übergröße erschienene “Bild”: “Die Mega-Bild ist auch mega-langweilig. Sie gibt sich als Huldigung an große Deutsche und deutsche Marken (Werbekunden, hereinspaziert) und endet als Einschlafhilfe.”

3. “Live by the BILD, die by the BILD”
(sportmedienblog.de)
Fußball: Das Sportmedienblog befasst sich mit der “Führungsspieler-Debatte” und der Aufregung über das Buch von Philipp Lahm: “Seine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen? Verkürzt dargestellt? Ach was! So arbeitet BILD nunmal.” Siehe dazu auch nennenswertes.de, das sich Aussagen von Mario Gomez im ZDF-Sportstudio widmet.

4. “traurige BILDfälschung”
(die-anmerkung.blogspot.com)
Bezugnehmend auf diese Analyse eines Fotos von Steve Jobs fragt “Die Anmerkung”, ob Bild.de eine Fotofälschung verbreitet.

5. “Artikel Fanatismus”
(343max.de, Max Winde)
Max Winde über Blogger und Twitterer, die jeden unverzüglich steinigen, der es wagt, ‘der Blog’ zu sagen. “Ganz im Ernst: Wie wollen wir jemals zu einer Gesellschaft gelangen, die jeden seine Kultur, Religion, Sexualität, Weltanschauung frei ausleben lässt, wenn wir es nicht mal schaffen solche Nebensächlichkeiten zu akzeptieren oder wenigstens zu ignorieren?”

6. “Lorem ipsum dolor sit amet (Hajos Apple-Bashing)”
(rpzine.de)
In sozialen Netzwerken hat der “Spiegel Online”-Artikel “Abrechnung eines Ex-Fans – Apple, es reicht!” von Hajo Schumacher für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Texts for Robots kürzt den Text “um den Füllstoff”.

Tripolis, Philipp Lahm, Schlamper

6 vor 9

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1. “Irgendwas passiert in Tripolis”
(zeit.de, Daniel Erk)
Zwangsläufig ahnungslose Korrespondentenberichte aus Libyen erinnern Daniel Erk an Parodien: “Wenn schon die Menschen in Tripolis nicht wissen, wer an der Macht ist, wenn der Sieg der Rebellen nahe scheint, aber eben noch nicht errungen ist, wenn vermutlich nicht einmal Gadhafi selbst mehr übersieht, wie es um Libyen bestellt ist: Wie sollen es die Journalisten wissen?”

2. “Infokasten, IN-novativ”
(axel-springer-akademie.de, amayer)
Im Magazin “In” stösst amayer auf einen wunderlichen Infokasten.

3. “Jetzt noch Erotikfotos!”
(11freunde.de, Philipp Köster)
Philipp Köster widmet sich der Autobiographie des 27-jährigen Fußballspielers Philipp Lahm: “Dass ein solch nüchterndes, leidenschaftsloses Buch durch eine Vorabveröffentlichung auf dem Boulevard nun doch größere Verwerfungen hervorruft, ist deshalb einigermaßen skurril und zugleich völlig erwartbar. Denn natürlich gelingt es der ‘Bild’ durch eine routinierte Montage der spärlichen Stellen, an denen sich Lahm wenig schmeichelhaft über seine früheren Trainer auslässt, mühelos den falschen Eindruck zu erwecken, hier habe der Nationalspieler schonungslos abgerechnet.”

4. “taz heute mit BILD-Coupon”
(blogs.taz.de, Sebastian Heiser)
“In der taz steht am heutigen Freitag folgende ganzseitige Anzeige mit Coupon für die morgen erscheinende XXL-Ausgabe der BILD-Zeitung.”

5. “Das Blog ist tot, es lebe der Blog”
(scilogs.de, Anatol Stefanowitsch)
Das Blog oder der Blog? Neue Erkenntnisse in der am längsten währenden Debatte der deutschsprachigen Blogosphäre: “(…) auch in Deutschland ist das Maskulinum mit fast siebzig Prozent der Vorkommen klar die dominante Form”.

6. “Die Schlampenparade wird es jetzt vermutlich jedes Jahr geben”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Harald Martenstein fordert Männer dazu auf, bei einem “Schlampermarsch” mitzumachen. “Sie sollten alle zwei verschiedene Strümpfe tragen, die Hemden müssen Fettflecken haben und aus den Hosen heraushängen. Die Haare müssen ungewaschen und zerstrubbbelt sein. Auf den Plakaten soll stehen: ‘Ich bin ein Schlamper, und ich bin stolz.’ Während des Marsches essen sie Chips, trinken Bier, zerfleddern Zeitungen und lassen anschließend alles fallen. Wenn jemand sie deswegen anmacht, sollen sie sagen: ‘Schlamper dürfen kein Freiwild sein.'”

Als Moslem sieht Mesut Özil schnell rot

Beim spanischen Supercup zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona am Donnerstag ging es (wieder einmal) hoch her: Unter anderem sahen David Villa und der deutsche Nationalspieler Mesut Özil die rote Karte, nachdem sie nach ihrer Auswechslung in einem großen Tumult aneinander geraten waren.

Özil hat sich zu den Ereignissen noch nicht groß geäußert. Das einzige Zitat, das seit Freitag die Runde macht, stammt von “Bild”:

Mesut Özil gestern zu BILD: “Ich bin unschuldig! Das kann man im Fernsehen sehen. Rangeleien sind nie auszuschließen, das ist dann pure Emotion. Und wenn Kollegen angegriffen werden, dann versuche ich zu helfen.”

Nur bei kicker.de wussten sie schon genau, was los gewesen war:

Supercopa-Rotsünder in der Liga nicht gesperrt - Özil: "Er hat meine Religion beleidigt"

Und weiter:

Warum ging der sonst eher besonnene Mesut Özil im Schlussakt des Supercopa-Endspiels beim FC Barcelona (2:3) so aus sich heraus und sah die Rote Karte? War es ein Schlag des ebenfalls vom Platz gestellten David Villa? Inzwischen hat der Spielmacher von Real Madrid das Rätsel gelöst. “Ich habe mich so verhalten, weil ich meine Religion verteidigen wollte. Er hat den Islam beleidigt”, so der Nationalspieler.

Das Webportal “questionhalal.com” zitiert den Ex-Bremer am Donnerstagabend. (…)

Nur: “gelöst” war damit gar nichts.

Wer auf questionhalal.com ging, konnte auch ohne größere Französischkenntnisse herausfinden, dass sich die Seite auf football.fr beruft — und zu Bedenken gibt:

Es gibt keine andere zuverlässige Quelle für die Richtigkeit dieser Informationen, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigt sind.

Inzwischen gibt es nicht mal mehr diese eine Quelle: In einem Nachtrag stellt questionhalal.com fest, dass der Ursprungsartikel bei football.fr offline genommen wurde. Einer Stellungnahme der Verantwortlichen von football.fr kann man entnehmen, dass es wohl zu “inakzeptablen Kommentaren” gekommen war und auch der Blogger, der das Gerücht über Villas Islam-Beleidigung in die Welt gesetzt hatte, sich nicht ordnungsgemäß verhalten hatte.

Aber weil sie diese Entwicklungen bei kicker.de nicht mehr verfolgt haben, behauptete die populäre Sportseite weiter, Mesut Özil habe so reagiert, weil David Villa dessen Religion beleidigt habe.

Nachdem wir bei kicker.de angefragt haben, ob man diese Art der Recherche und der Verkürzung dort für legitim halte (auch angesichts der Reichweite von kicker.de und des heiklen Themas), schrieb uns die Redaktion:

Wir werden den Quellen nochmal genauer nachgehen und das Thema redaktionsintern diskutieren.

Bis dahin haben wir uns entschlossen, den Beitrag aus dem Angebot zu nehmen.

Da war die Geschichte natürlich schon andernorts abgeschrieben worden.

sport1.de drehte die Irrsinnsspirale der Quellenangabe einfach weiter:

Mesut Özil hat eine Beleidigung von David Villa als Grund seines Ausrasters nach dem Supercup-Spiel gegen den FC Barcelona genannt. “Ich habe mich so verhalten, weil ich meine Religion verteidigen wollte. Er hat den Islam beleidigt”, so der Nationalspieler im “kicker”.

blick.ch bemühte sich noch ein wenig um Relativierung und schrieb von “verschiedensten Gerüchten”:

Aber was bringt den Deutsch-Türken bloss so auf die Palme? Auf verschiedenen Internetseiten wird Özil nun zitiert: “Ich habe dies getan um meine Religion zu verteidigen, weil David Villa den Islam beleidigt hat.” Ob dieses Zitat aus Özils Mund stammt, ist jedoch unklar.

Das freilich ficht die üblichen Islamhasser im Internet nicht an, die sich unabhängig jeder Faktenlage schon wieder in Rage geschrieben haben.

Das Zentralorgan für Moslemhasser, “Politically Incorrect”, schreibt:

Man stelle sich nur einmal vor, ein Christ oder Jude würde sich aufgrund seines Glaubens so aufführen. Die FIFA würde sich vermutlich einschalten und drastische Strafen aussprechen. Doch bei der “Religion des Friedens” sollten wir weiter fleißig Toleranz üben und Verständnis aufbringen…

Und “Nachrichten ohne Zensur” sekundiert:

Beim Abspielen der deutschen Nationalhymne erleben die Fans den Fußballsöldner Mehmet Özil schweigend und meistens mit seinen Gedanken abwesend. Dagegen rastet Özil aus, wenn es um die Religion des Friedens geht. In der Nachspielzeit des Supercups zwischen Real und Barca kam es zu Wild West Szenen, wobei auch Özil mit Handgreiflichkeiten nicht sparte und seinen Herausforderer David Villa attackierte, der angeblich den Islam beleidigte.

Wer hätte auch anderes erwartet, außer der DFB, schließlich sind die Heilsbringer für ihr hitziges Gemüt bekannt.

In den Leserkommentaren wird weiter gegen den Islam gehetzt, während bei Facebook Gruppen wie “Fuck you David Villa because you insulted religion of Mesut Ozil” gegründet werden.

Und so hat das ohnehin schon emotional aufgeladene Spiel zwischen Barcelona und Madrid völlig grundlos noch mehr Emotionen provoziert.

Mit Dank an Erik G.

Sensationelle journalistische Kehrtwenden

Im Profifußball ist es eine liebgewonnene Tradition, dass Journalisten munter verkünden, welcher Spieler aktuell zu welchem Verein wechseln könne oder gar wolle, während Spieler und Vereine mindestens ebenso viel Energie darauf verwenden, alles abzustreiten. Wer recht hatte, weiß man höchstens hinterher, als Faustformel kann man aber sagen: jede Seite kommt auf etwa 50%.

Seit Tagen spekulieren “Bild” und andere Ruhrgebietsmedien, der Spanier Raúl werde den FC Schalke 04 verlassen. Womöglich war es in dieser Situation nicht allzu clever von Schalkes Manager Horst Heldt, gegenüber Bild.de zu bestätigen, dass eine Anfrage von den Blackburn Rovers vorlag. Denn aus dem Angebot machte Bild.de schnell einen Wechsel:

Schalke-Superstar Raúl (34) steht vor dem Abflug nach England. Der Premier League-Klub Blackburn Rovers macht dem Spanier ein Angebot. Das bestätigte Schalke-Manager Horst Heldt (41) gegenüber BILD.de

Heldt: “Wir haben gestern (Montag, die Redaktion) eine offizielle Anfrage von Blackburn Rovers per Mail bekommen. Daraufhin haben wir mit seinem Berater Kontakt aufgenommen. Wir werden uns heute mit Raul und seinem Berater treffen und darüber sprechen.

Eigentlich wollen wir ihn nicht abgeben, aber wenn er uns sagt, dass er gehen möchte, werden wir uns damit beschäftigen und in Verhandlungen einsteigen. Es wird eine zeitnahe Entscheidung in dieser Sache geben und zwar bis spätestens Morgen, 13 Uhr.” Dann steigt Schalke in den Flieger zum Europa League-Play-Off-Spiel in Helsinki.

Noch mehr wusste die “Recklinghäuser Zeitung”:

Jetzt ist es sicher: Schalkes Star Raul wird den Verein noch bis zum 31. August verlassen. Das hat S04-Sportdirektor Horst Heldt unserem Medienhaus gerade bestätigt.

Schon seit Tagen gab es Gerüchte über einen Wechsel des Spaniers in die englische Premiere League zu den Blackburn Rovers. Gerade sagte Horst Held zu dem Thema: “Es macht keinen Sinn, einen Spieler auf Schalke zu halten, der nicht mehr zufrieden ist”. Mehr Details wollte Heldt nicht preisgeben.

Interessant, dass Schalke 04 anschließend das exakte Gegenteil auf seiner Website schrieb:

Am heutigen Dienstag (16.8.) nahm der FC Schalke 04 von einer offiziellen Anfrage der Blackburn Rovers Kenntnis, in welcher der Premier-League-Club mitteilte, an einer Verpflichtung von Raul interessiert zu sein. “Sowohl unser Trainer Ralf Rangnick als auch mein Vorstandskollege Peter Peters und ich haben immer betont, dass wir ihn nicht abgeben möchten”, stellte Manager Horst Heldt klar.

Gleichwohl unterrichteten die Königsblauen den Spieler vom Interesse aus England. Heldt: “Raul hat uns gesagt, dass er bei Schalke 04 bleiben möchte und uns gebeten, den Blackburn Rovers abzusagen. Dies haben wir bereits getan. Wir freuen uns, dass Raul auch künftig alles dazu beitragen will, dass wir sportlich erfolgreich sind.”

Bild.de drehte den Artikel, der ursprünglich unter der Überschrift “Also doch! Raul vor Abflug nach England zu Blackburn Rovers” gestanden hatte, um 180 Grad:

Schalke-Star will nicht nach England: Raúl-Wechsel zu Blackburn geplatzt!

Und die “Recklinghäuser Zeitung”, deren Überschrift “Raul geht definitiv” gelautet hatte, schreibt nun unter der gleichen URL und der ursprünglichen Uhrzeit:

Sensationelle Kehrtwende: Raul bleibt Schalker!

Nur das Ruhrgebietsportal westline.de, das den Artikel von der “Recklinghäuser Zeitung” übernommen hatte, verkündet immer noch:

Abschied vom Spanier:
Raul geht definitiv - Weg von Schalke

Mit Dank an Machete04, Martin E., Cornelius und Steffen F.

Nachtrag, 18. August: westline.de hat seinen Artikel überarbeitet und mit einem Hinweis versehen:

Durch ein Missverständnis war aus einer ganz neutralen Aussage des Schalker Managers Horst Heldt eine “Vollzugsmeldung” geworden. Heldt hatte (wie oben im Artikel nachzulesen) lediglich erklärt, dass es sinnlos sei, einen unzufriedenen Spieler unbedingt halten zu wollen.

Beim Übermitteln des Gesprächsinhaltes in eine Onlinemeldung war dann in unserem Haus aus dem Konjunktiv eine Tatsache geworden. Nun hieß es nicht mehr “wenn ein Spieler gehen wolle”, sondern “dass der Spieler gehen will”.

Wir bitten um Entschuldigung wegen der Falschmeldung. Mehr dazu auch im Schalke-Forum.

Robert Enke, Ron Paul, Drohnen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Nichts worauf man stolz sein muss”
(taz.de, Anna Stommel)
Anna Stommel fragt sich, warum “Bild” sich genau jetzt mit der Vergangenheit des Chefredakteurs der “Märkischen Oderzeitung” auseinandersetzt und liefert Hintergründe dazu. “Pünktlich zum 50. Jahrestag der Mauer? Oder weil sich im Land Brandenburg gerade ohnehin eine Enquete-Kommission mit der Geschichte der DDR auseinandersetzt?”

2. “Absturz ins Sommerloch”
(czyslansky.net, Tim Cole)
Mitarbeiter der “Daily Mail” halten die fiktive Serie “Terminus pour l’euro” (“la fiction de l’été”) der Zeitung “Le Monde”, in der man sich eine Schieflage der Bank “Société Générale” ausmalt, für echt und verbreiten sie weiter. “Dann setzte der normale Automatismus der Branche ein: Ein ums andere Blatt druckte die Meldung nach und bezog sich wiederum auf die Daily Mail.”

3. “Haben sich die Medien nach Robert Enkes Tod verändert?”
(11freunde.de, Alex Raack)
André Beem untersucht in seiner Magisterarbeit Artikel vor und nach dem Tod von Robert Enke. “Haben vor Enkes Tod noch acht Prozent aller Zeitungen negativ über Fußballer berichtet, waren es danach neun Prozent. Die Durchschnittsnote in der Spielerbewertung hat sich von 3,5 auf 3,6 verschlechtert, in einer Tageszeitung aus Hannover sogar von vorher 3,2 auf 4,1. Das hatte allerdings auch mit dem sportlichen Absturz von Hannover 96 zu tun.”

4. “Journalismus von oben”
(faz.net, Harald Staun)
Mini-Drohnen seien wie geschaffen für die Recherchemethoden des Boulevardjournalismus, schreibt Harald Staun: “Mikrokopter müssen nicht angemeldet werden, sie sind so leicht zu fliegen wie ein Modellflugzeug, leise und sensationell günstig. Nur eine Modellflughaftpflicht ist Pflicht, wegen der Absturzgefahr. Schon für 300 Euro bekommt man bei Amazon den Quadrokopter Parrot AR.Drone mit zwei Kameras an Bord, steuerbar mit jedem iPhone.”

5. “Ron Paul & the Top Tier”
(thedailyshow.com, Video, 4:20 Minuten)
Wie US-Fernsehsender beim Iowa Straw Poll 2011 den möglichen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul ignorieren: “How did libertarian Ron Paul become the 13th floor in a hotel?” Siehe dazu auch diese Diskussionen bei CNN (Video, 1:46 Minuten, englisch).

6. “How Journalists See Each Other”
(blog.digidave.org, englisch)

ndr.de  

Spanische Post

Hannover 96 muss am Donnerstag in der Qualifikationsrunde der Europa League gegen den FC Sevilla antreten.

Der spanische “El Diario de Sevilla” hat im Vorfeld schon mal über das Spiel der Hannoveraner beim 1. FC Nürnberg berichtet und dabei die Namen von Manuel Schmiedebach und Jan Schlaudraff falsch geschrieben: “Schmiedelbach” und “Schauldraff” steht da, weswegen sich “Der Platzwart” im 96-Blog der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” beklagt:

Die Tageszeitung “El Diario de Sevilla” hat dem 96-Sieg gegen Nürnberg sogar einen eigenen Artikel gewidmet, obwohl sich sportlich in Sevilla derzeit (fast) alles um das bevorstehende Stadtderby des FC gegen Real Betis dreht. Berichtet wird von einer Tormaschine (“El Noruego”) und den Spielern Schmiedelbach und Schauldraff. Schmiedelbach und Schauldraff klingt süß, aber nicht nach Gruppenphase. Der Donnerstag wird zeigen, ob es die beiden dabei belassen, oder ob sie sich unter ihren richtigen Namen bei den Spaniern nachhaltig in Erinnerung bringen wollen. Der Platzwart ist für eine Richtigstellung.

Das war offensichtlich zu kompliziert für ndr.de, wo es jetzt heißt:

Nein, als die ganz große Hürde auf dem Weg in die Gruppenphase der Fußball-Europa-League wird Hannover 96 von der Presse in Sevilla nicht angesehen. Zwar widmete die Tageszeitung “El Diario de Sevilla” dem 2:1-Erfolg der Niedersachsen am vergangenen Sonntag beim 1. FC Nürnberg einen eigenen Artikel. Neben einem Lob für 96-Angreifer Mohammed Abdellaoue (“eine Tormaschine”), fanden sich in diesem aber auch Sätze, die von wenig Respekt gegenüber dem Bundesligisten zeugen. “Schmiedebach und Schlaudraff klingt süß, aber nicht nach Gruppenphase”, war dort beispielsweise zu lesen.

ndr.de hat es also geschafft, den Hinweis auf einen Fehler falsch zu verstehen und ihn dann falsch abzuschreiben.

Mit Dank an Simon G.

Nachtrag, 18.55 Uhr: Unser Leser Day weist uns darauf hin, dass “El Noruego” mitnichten “Tormaschine” heiße, sondern “der Norweger”. Genau das ist Mohammed Abdellaoue.

Es ist nicht ganz auszuschließen, dass diese Fehlübersetzung im eher humoristischen Blog vom “Platzwart” Absicht war und ndr.de auch das falsch verstanden hat.

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