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Hauptsache Gewalt

Es gibt ja quasi nichts, was Journalisten nicht als Rangliste präsentieren könnten:

Wie viele gefährliche Fans hat mein Verein? Bild-Exklusiv: Gewalt-Tabelle der Bundesliga.

“Bild” berichtete am Mittwoch jedenfalls ganz aufgeregt:

Sportlich macht Aufsteiger Frankfurt Spaß. Platz 3 in der Liga. Doch auf den Rängen machen die Eintracht-Fans oft Ärger. Platz 1 in der Gewalt-Tabelle des deutschen Profifußballs.

BILD liegt die bisher geheim gehaltene Liste aus dem Bericht der “Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze” der Polizei exklusiv vor.

Anders als angeblich “Bild” liegt uns die Langfassung des Berichts nicht vor und die ZiS hat bisher nicht auf unsere Anfrage reagiert. Deswegen können wir auch nicht beurteilen, ob in dieser andere Zahlen stehen als in der gekürzten Version — oder ob “Bild” sich beim Abschreiben schlicht vertan hat.

Die Zeitung jedenfalls schreibt:

Für die Saison 2011/12 sind dort 10603 Gewalt-Fans für 1. und 2. Liga vermerkt. Davon 7830 sogenannte “Kategorie B-Fans” (gewaltbereit) und 2783 aus der Kategorie C (gewaltsuchend). Ein Anstieg von 918 Personen im Vergleich zur Vorsaison.

Die gekürzte Fassung des Berichts nennt hingegen diese Zahlen:

Kategorie B: 8.480 Personen, Kategorie C: 2.893 Personen

Der Bericht selbst führt weiter aus:

Gegenüber der vorhergehenden Saison 2010/11 war damit ein Anstieg des Gesamtpotenzials um insgesamt 1.688 Personen (+ 17,5 Prozent) dieser Kategorien zu verzeichnen. Der rechnerische Durchschnitt liegt bei 316 Personen dieser Kategorien je Verein in beiden Bundesligen. Wie bereits in der Zusammenfassung ausgeführt, ist dieser Anstieg der Gesamtzahl der Personen der Kategorien B und C um ca. 1.700 Personen im Vergleich zur Saison 2010/11 im Wesentlichen auf die bereits vor der Saison absehbare brisante Zusammensetzung der 2. BL mit den Absteigern aus der BL (Eintracht Frankfurt und FC St. Pauli) und den Aufsteigern aus der 3. Liga (FC Hansa Rostock, Eintracht Braunschweig, SG Dynamo Dresden) zurückzuführen, die allein in dieser Liga zu einem Anstieg des dort tätigen Gewaltpotenzials um ca. 1.100 Personen geführte (sic!) hatte. Der Anteil dieses Potenzials in der Bundesliga hatte lediglich im Rahmen der Neubewertung einzelner Störergruppen und auch durch auf- /abstiegsbedingte Schwankungen zu einem geringeren Zuwachs geführt.

Doch die ganze Polizeistatistik ist eher mit Vorsicht zu genießen. Wie unscharf und damit wenig aussagekräftig sie ist, dokumentieren vor allem die Antworten auf den Fragenkatalog von “Spiegel Online”. So wird etwa klar, dass Menschen, die “explizit durch den Einsatz von Tränengas geschädigt wurden”, genauso in die Statistik mit einfließen wie die, die von gewaltbereiten “Fans” verletzt wurden. Darüber, wie viele der 7.298 “freiheitsentziehenden Maßnahmen” letztlich zu Strafverfahren, Gerichtsprozessen und Verurteilungen führten, liegen keine Statistiken vor.

n-tv.de stellt fest:

Ähnlich wie bei der Zahl der Verletzten verhält es sich mit den 11.373 Personen, die die Behörde als Gewalttäter einstuft. Auch sie bewegt sich im Promillebereich.

Selbst “Bild”-Sportchef Alfred Draxler kommt zu dem Ergebnis, dass die sogenannten “gewaltsuchenden Fans” “nur eine kleine Minderheit” seien. Die Statistik und ihre Interpretation durch Polizei und Politik hinterfragt “Bild” aber an keiner Stelle.

Stattdessen schreibt “Bild” über einen Verein, “der noch mehr Problem-Fans hat als jeder Bundesligist – und der kickt in der 5. Liga (Oberliga Nordost)!”:

Beim Berliner FC Dynamo zählt die Polizei 760 gewaltbereite und gewaltsuchende Fans (zum Teil mit rechtsradikalem Hintergrund). Und das bei einem Zuschauer-Schnitt von 728…

Der gefährlichste Klub in Deutschland!

Der BFC Dynamo widerspricht dieser Darstellung deutlich:

Nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden weist der BFC Dynamo die Anschuldigungen im Bericht der BILD-Zeitung vom 21.11.2012 entschieden zurück! Die dort erwähnten Zahlen und Fakten sind falsch und entsprechen nicht den Tatsachen.

Der Vorstand des Vereins hat sich umgehend mit der zuständigen Senatsverwaltung für Inneres und Sport in Verbindung gesetzt. Auch von dort sind die in der Bild-Zeitung veröffentlichten Zahlen nicht bestätigt worden. Auch gab es seitens der BILD-Zeitung keine Anfrage an die Senatsverwaltung, so dass der Bericht nur als populistisch bezeichnet werden kann.

“Bild” war gestern unterdessen beim nächsten Thema angekommen:

Gewalt-Fans prügeln im Drogen-Rausch

Die Zeitung schreibt:

Am 11. Spieltag wurden Fans der Frankfurter Eintracht beim Auswärtsspiel in München (0:2) in Nackt-Zelten gefilzt. Bei einem wurde Kokain entdeckt. Kein Zufall?

Kleiner Haken: Das Kokain wurde nicht in den “Nackt-Zelten” entdeckt, mit denen “Bild” sowieso ihre Schwierigkeiten hatte (BILDblog berichtete), sondern ganz woanders.

Die Polizei schreibt:

Weiterhin kam es vor dem Spiel im Bereich des Busparkplatzes zu einer Begegnung von 30 – 50 Frankfurter Fußballfans mit ca. 150 Münchner Ultras. Die beiden Gruppen liefen aufeinander zu und es kam hier zu Auseinandersetzungen. (…) Ein weiterer Frankfurter Fan, der davon gelaufen war, konnte abgesetzt wegen einer weiteren Körperverletzung festgenommen werden. Bei ihm wurde dann auch noch eine Ampulle Kokain aufgefunden.

Mit Dank an Sven P., Moritz N., Benzemama, Olli, Danny W. und Stephan U.

Torschusspanik

Zlatan Ibrahimovic, Fußballer in der schwedischen Nationalmannschaft, hat der Fußballwelt am Mittwoch einen kollektiven Dauerorgasmus verpasst. Im Spiel gegen England verwandelte er, nachdem er schon drei Tore geschossen hatte, zur Krönung noch einen unglaublichen Fallrückzieher aus 25 Metern Tor-Entfernung. Noch im selben Augenblick war klar: Dieser Treffer wird in die Geschichte eingehen.

Fans und Medien sind seitdem völlig aus dem Häuschen. Die deutsche Presse kniete geschlossen nieder, betete das Zlatanunser und kürte den Treffer nicht nur zum Tor des Tages, sondern auch wahlweise zum Tor des Jahres, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts oder des Jahrtausends. Um es auf den Punkt zu bringen: ein unvergleichliches Ereignis.

Nur die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” will den einmaligen Charakter des Treffers nicht so recht anerkennen. Dort erinnert sich Sportredakteur Uwe Marx nämlich heute daran …

(…) dass es mal einen Spieler gab, der nicht nur aus fünfundzwanzig, sondern gleich aus vierzig Metern per Fallrückzieher traf. Es war auch ein Schwede, Rade Prica, der mal bei Hansa Rostock gespielt hat. Er hatte im Spiel für Rosenborg BK gegen den FC Basel tatsächlich mal die Unverfrorenheit, es aus noch größerer Entfernung als Ibrahimovic zu versuchen – und zu treffen.

Der Haken an der Sache ist allerdings: Wir haben keinerlei Hinweis darauf gefunden, dass es diesen Treffer jemals gegeben hat. Fraglich ist sogar, ob die Mannschaften Rosenborg BK und FC Basel überhaupt je gegeneinander gespielt haben. Und auch Rade Prica hat in seiner Karriere zwar schon gegen so manchen Verein auf dem Platz gestanden, der FC Basel war jedoch nie dabei.

Wie kommt Uwe Marx also darauf? Höchstwahrscheinlich stützt er seine Aussage auf folgendes Video:

Und das zeigt nicht etwa ein einen realen Treffer, sondern einen Ausschnitt aus dem Videospiel (!) “Pro Evolution Soccer”.

Damit wäre der Favorit für den “Tor des Jahres” schon mal klar.

Mit Dank an Patrick S. und Ole S.

Nachtrag, 13.07 Uhr: FAZ.net hat den angesprochenen Absatz gelöscht und folgende Korrektur veröffentlicht:

Der Text wurde nachträglich korrigiert. In einer ersten Fassung wollten wir die Leistung Ibrahimovics schmälern mit dem Verweis auf ein Fallrückziehertor von Rade Prica. Der Schwede soll nach unserer Darstellung einmal aus 40 Metern mit dieser Art des Kunstschusses  in einem Spiel von Rosenborg Trondheim gegen den FC Basel getroffen haben. Offenkundig  sind wir dabei einer Täuschung erlegen. Prica traf so elegant lediglich in einem auf Youtube verbreiteten Video, das eine Szene aus einem Spielkonsole-Duell wiedergab. Wir bitten deshalb um die Nominierung dieses Treffers für das Tor des Jahrhunderts im Bereich Spielekonsole und bitten zugleich um Nachsicht für den Fehler.

Nachtrag, 26. November: Auf Papier hat sich die FAZ (am 19. November) für folgende Korrektur — und ein Passiv an entscheidender Stelle entschieden:

Eines schon mal vorneweg: Das Fallrückzieher-Tor von Zlatan Ibrahimovic ist der spektakulärste Treffer, der in dieser Kategorie je dokumentiert wurde. Ibrahimovic hatte im Länderspiel der Schweden nicht nur alle vier Treffer zum 4:2 erzielt, sondern auch den sensationellen Schlusspunkt gesetzt, als er akrobatisch aus 25 Metern getroffen hatte. Dass wir Rade Prica in einer Partie von Rosenborg Trondheim gegen den FC Basel einen noch spektakuläreren Treffer zugetraut haben, hätte eingefleischte Anhänger von Hansa Rostock wohl sofort stutzig gemacht. In Diensten von Hansa hatte Prica einst manche Chance ausgelassen. Was also für die computeranimierte Version eines realen Tores gehalten wurde, war in Wirklichkeit doch nur ein Kunstschuss aus der virtuellen Welt, entstanden auf dem Videokonsolenspiel “Pro Evolution Soccer 2011”. Auch schön zwar, aber eben nur dank besonderer Fingerfertigkeit und nicht wegen einer bemerkenswerten Körperbeherrschung entstanden. Wir ziehen das Büßerhemd über, bewundern Ibrahimovic uneingeschränkt und trauen Prica weiterhin alles zu. Auch in der Realität.

Redefreiheit, Ralph Grosse-Bley, Daily Mail

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Der ‘Stern’ glaubt, ein Monopol auf Fakten zu haben”
(stefan-niggemeier.de)
Aufgrund einer vom “Stern” erwirkten einstweiligen Verfügung musste die FDP einen veröffentlichten Fragekatalog offline stellen. Stefan Niggemeier schreibt dazu: “Der ‘Stern’ hat ein Urheberrecht an seinen Fragen. Er kann der FDP vermutlich untersagen, sie wörtlich zu veröffentlichen. Aber auf welcher Grundlage sollte er die Redefreiheit in Deutschland soweit einschränken können, dass diejenigen, die er etwas fragt, nicht darüber reden dürfen, was er sie gefragt hat?”

2. “Skandalös bieder”
(blog.tagesanzeiger.ch/blogmag, Michèle Binswanger)
Michèle Binswanger macht sich Gedanken über Frauen, die sich für Boulevardzeitungen ausziehen: “Könnten wir uns nicht einfach darauf einigen, dass es Zonen geben sollte, in denen es keine Titten braucht? Und vielleicht ist eine Zeitung, die über Politik und Wirtschaft und Vergewaltigungen und Kindsmissbrauch berichtet, wirklich nicht der ideale Platz dafür.”

3. “Blick auf einen Grenzgänger”
(tablet.baz.ch, Michael Bahnerth)
Ex-“Bild”-Mann Ralph Grosse-Bley, Chefredaktor des Boulevardblattes “Blick”, im ausführlichen Porträt.

4. “Die Rolle der Medien in der Demokratie”
(weltwoche.ch, Roger Köppel)
Wie Constantin Seibt sprach auch Roger Köppel auf Einladung der Medienvielfalt Holding AG: “Journalisten müssen Missstände und Probleme im Staat und in der Politik aufdecken. Weil es dem Staat an Konkurrenz fehlt, sind sie hier besonders gefordert. Unternehmen werden durch andere Unternehmen wirksam durch die Konkurrenz kontrolliert, der Staat nicht.”

5. “‘Exactly what happened'”
(tabloid-watch.blogspot.de, MacGuffin, englisch)
Ist Roberto Mancini anlässlich des Fußballspielspiels Manchester City gegen Tottenham Hotspur eingeschlafen, wie das Berichte der “Daily Mail” glauben machen wollen? Nein.

6. “Post, Privacy und Politiker”
(blog.spackeria.org, Klaus Peukert)
“Auch Politiker dürfen Sex haben, darüber twittern und wir müssen lernen, das zu akzeptieren.”

Messerwisser

Zu den Kernkompetenzen von “Bild” gehören (angeblich) Fußball und (offensichtlich) Nacktheit.

So gesehen war gestern ein großer Tag:

Nackt-Zelte bald vor jedem Stadion?

Vor dem Spiel des FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt hatten die Bayern zwei Zelte aufgestellt, in denen die Gästefans laut “Bild” kontrolliert wurden “wie auf dem Flughafen”:

Drinnen wurden die Fans vom Bayern-Sicherheitsdienst auf verbotene Gegenstände wie Pyrotechnik kontrolliert. Bei einem Anfangs-Verdacht hätten sich Fans für weitere Kontrollen wohl komplett ausziehen müssen.

“Bild” zitierte Kritiker der Aktion, erklärte die Rechtslage (“Nur die Polizei darf Fans zum Entkleiden auffordern.”), ließ die Bayern aber auch zu Wort kommen:

Bayern-Sprecher Markus Hörwick verteidigt die Maßnahme: “30 bis 40 Anhänger wurden strenger kontrolliert, mussten maximal ihre Jacken ausziehen.” Dabei wurden laut Polizei 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden.

Ähnliche Angaben finden sich auch in anderen Medien.

süddeutsche.de berichtete:

Am vergangenen Samstag, beim Spiel des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt, von DFB vorab als “Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko eingestuft, wurden darin stichprobenartig Frankfurter Fans kontrolliert. Dabei wurden sichergestellt: 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und Pfefferspray, außerdem Kokain.

Der Sportinformationsdienst sid schrieb:

Bei den Kontrollen am Samstag seien unter anderem 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain sichergestellt worden.

Und die Deutsche Presse Agentur dpa vermeldete:

Die Maßnahmen rechtfertigte der Verein etwa damit, “verbotene Pyrotechnik und Gewalt im Stadion” verhindert haben zu wollen, um dadurch “die Sicherheit von rund 71 000 Zuschauern in der Allianz Arena zu gewährleisten”. Bei den Kontrollen seien unter anderem 20 Messer sichergestellt worden.

20 (oder 22) Messer wären eine ganze Menge, wenn sie bei der näheren Kontrolle von “30 bis 40 Anhängern” gefunden worden wären, wie man es aus dem “Bild”-Bericht herauslesen könnte. Oder bei der “stichprobenartigen” Kontrolle der Frankfurter Fans auf süddeutsche.de.

Stattdessen fand die Polizei die aufgezählten Gegenstände bei ihren Kontrollen im gesamten Stadionbereich, wie Sprecher von Polizei und FC Bayern gegenüber dem Eintracht-Blog der “Frankfurter Rundschau” heute bestätigten:

“Bild” hatte da in der Frankfurter Regionalausgabe bereits diese Klarstellung veröffentlicht:

Klarstellung: Zum BILD-Artikel über die "Nackt-Zelte" in der gestrigen Ausgabe: 20 Messer, zwei Schlagstöcke und eine Dose Pfefferspray fand die Polizei vorm Eintracht-Spiel in München — bei sämtlichen Kontrollen rund ums Stadion. Damit sind nicht nur die umstrittenen Vollkörperkontrollen vorm Eintracht-Bereich gemeint.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber.

Durch die Zeit mit Anastacia

Wir wollten eigentlich keine falschen Altersangaben mehr aufschreiben, aber …

Anders: Die Popsängerin Anastacia macht es einem leicht, ihr Alter falsch anzugeben: Jahrelang hatte sie sich ein paar Jahre jünger gemacht, wie sie anlässlich ihres (offenbar tatsächlichen) 40. Geburtstags am 17. September 2008 zugab — was die Journalisten sogleich verwirrte, ob sie zuvor vier, fünf oder sechs Jahre “jünger” gewesen war.

Für “Bild” war das Alter von Anastacia allerdings vor und nach ihrem “mutigen Alterslügen-Geständnis” reine Glückssache:

7. Februar 2002 (tatsächlich 33, angeblich 28 Jahre alt):

Goldene Kamera für ihre Wahnsinnsstimme: Anastacia (26)

5. Juni 2002 (33, 28):

Anastacia (27), die bei der Schlussfeier der Fußball-WM singt, hat keine Ahnung vom Fußball.

17. August 2002 (33, 28):

Bei der COMET-Verleihung gestern Abend in Köln gewann Anastacia (25, “Boom”) den begehrten Musikpreise.

29. August 2002 (33, 28):

Anastacia (29) fühlt sich allein.

23. November 2002 (34, 29):

Anastacia (27) küsst ihren “Bambi 2002 Pop International”

22. Januar 2003 (34, 29):

Popstar Anastacia (“One Day In Your Life”, WM-Hymne “Boom”) hat Brustkrebs! Dabei ist sie erst 29.

2. Mai 2003 (34, 29):

Anastacia (30) hat nach ihrer Brustkrebs-Operation eine neue Liebe gefunden.

6. Mai 2003 (34, 29):

Pop-Queen Anastacia (34) ließ ihre Brustkrebs-Operation filmen, um kranken Frauen Mut zu machen.

7. Mai 2003 (34, 29):

Popstar Anastacia (29) hat die Entfernung eines Krebsgeschwürs aus ihrer linken Brust filmen lassen.

13. Februar 2004 (35, 30):

Anastacia (30) steht bei der Echo-Verleihung am 6. März in Berlin erstmals wieder auf einer europäischen Bühne.

8. März 2004 (35, 30):

Erster Europa-Auftritt nach der Brustkrebserkrankung: Anastacia (28)

25. März 2004 (35, 30):

Operation, Chemotherapie, unendliche Angst. Das war vor einem Jahr. Jetzt ist Anastacia (30) wieder da.

2. September 2004 (35, 30):

Anastacia (29) will sich den Busen verkleinern lassen.

4. April 2005 (36, 31):

US-Rockröhre Anastacia (29) küßte ihren deutschen Hit, “MTV”-Moderator Patrice (31)!

18. Mai 2005 (36, 31):

Pop-Sängerin Anastacia (31, “I’m Outta Love”). Sie hat ein Jahr gegen den Tumor in ihrer Brust gekämpft. Heute ist sie geheilt.

5. Juli 2005 (36, 31):

Pop-Star Anastacia (29) hat sich von ihrem deutschen Freund, MTV-Moderator Patrice Bouédibéla (30), getrennt.

5. November 2005 (37, 32):

Anastacia (30) posiert wie Marilyn Monroe

14. Januar 2006 (37, 32):

Popstar Anastacia (30) erkrankte vor drei Jahren an Brustkrebs

23. September 2006 (38, 33):

Popsängerin Anastacia (31) will im nächsten Jahr ihren Leibwächter Wayne Newton (38) heiraten.

18. November 2006 (38, 33):

Anastacia (31, “Not That Kind”) ist auf die Nähmaschine gekommen!

26. April 2007 (38, 33):

Popsängerin Anastacia (31) hat ihren Bodyguard Wayne Newton (39) geheiratet.

2. Juli 2007 (38, 33):

Sängerin Anastacia (31) ließ tief blicken

6. März 2009 (offiziell 40):

Den meisten Applaus bekam Sängerin Anastacia (33).

Insofern ist es womöglich nur konsequent, dass Anastacia auch bei ihrer neuesten Erwähnung auf Bild.de ein Alter verpasst bekam, dass weder zum falschen (39) noch zum richtigen (44) Geburtsdatum passt:

Anastacia (37) hat vier Jahre nach “Heavy Rotation” ein neues Album aufgenommen.

Mit Dank an Kai-Oliver K.

Monokulturen, Druckaufträge, IFG

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Deutschlands Redaktionen – reine Monokulturen”
(blog.tagesschau.de, Marjan Parvand)
Monokulturen in deutschen Redaktionen: “In Deutschland hat jeder fünfte Bürger mittlerweile einen sogenannten Migrationshintergrund, aber nur jeder 50. Journalist.”

2. “Wir haben da mal 10 Fragen”
(journalist.de, Tim Gerber)
Tim Gerber schreibt in zehn Punkten auf, wie man mittels dem Informationsfreiheitsgesetz zu Behördenauskünften kommt. Selbst hat er bisher rund 200 Anfragen gestellt – und so etwa 150 mal Auskunft erhalten.

3. “Forschungsglaube – Journalisten im Studienrausch”
(ndr.de, Video, 4:39 Minuten)
Studienergebnisse werden in den Medien oft aufgepeppt und unhinterfragt wiedergegeben. Es gibt aber auch Journalisten, die sich die Mühe der Einordnung machen.

4. “Ex-DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn über Gewalt im Fußball”
(11freunde.de, Ron Ulrich)
Ein Interview mit Helmut Spahn, der während fünf Jahren Sicherheitsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bunds war. “In der Saison 2010/11 gab es 846 Verletzte in Erster und Zweiter Bundesliga, im Übrigen bei weitem nicht alle verursacht aufgrund gewalttätiger Auseinandersetzungen. Jeder Verletzte ist einer zu viel, aber diese Anzahl weist das Oktoberfest an einem einzigen Tag auf. Doch im Fußball wird gleich von bürgerkriegsähnlichen Zuständen gesprochen.”

5. “Druckauftrag als Druckmittel”
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Nach 60 Jahren wechselt der schweizerische Hauseigentümerverband die Druckerei, als Hintergrund zu vermuten ist eine kritische Berichterstattung der NZZ: “Auch wenn Gmür das so nicht sagen will, liegt es auf der Hand, weshalb er Ringier als neuen Drucker für seine Verbandszeitung gewählt hat. Im Gegensatz zur NZZ hat man ihn dort regelrecht hofiert. Etwa mit einer Homestory bei der Familie Gmür in der Schweizer Illustrierten (…). Kritische Berichterstattung wird abgestraft und Gefälligkeitsjournalismus mit einem Millionenauftrag honoriert.”

6. “Mit 100 Jahren noch Journalist”
(swp.de, KHMT)

El País, Pro Publica, Google

6 vor 9

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1. “Fieldreporter: Die härtesten Jungs des Fußballgeschäfts”
(11freunde.de, Philipp Köster)
Ein Leitfaden in 9 Punkten zur Befragung von Fußballern nach dem Spiel.

2. “Wer marschiert mit der Filmbranche?”
(critic.de, Frédéric Jaeger)
Exponenten der deutschen Filmbranche treffen auf Filmkritiker. Frédéric Jaeger schreibt dazu einen langen Artikel: “Gegen den wiederkehrenden globalen Vorwurf, die Filmkritik bespreche internationale Produktionen positiver als deutsche, verwehrten sich die Redakteure sicherlich zu recht. Doch man hätte auch ganz naiv gegenfragen können: Wenn dem so wäre, könnte es dann vielleicht doch auch ein ganz klein wenig an der Qualität der Filme selbst liegen?”

3. “Kasino-Kapitalisten fressen Journalisten”
(faz.net, Paul Ingendaay)
Rund 150 Angestellte, ein Drittel der Redaktion der spanischen Tageszeitung “El País”, sollen entlassen werden. Grund dafür sind “die Schulden des Mutterhauses Prisa, ohne dessen geschäftliches Desaster unter Cebriáns Leitung sich der geplante Kahlschlag bei ‘El País’ nicht verstehen lässt.” Der Betriebsrat bloggt unter elpaiscomite.blogspot.com.es.

4. “Schluss mit dem Google-Lamento!”
(cicero.de, Christian Jakubetz)
“Schafft Alternativen – oder hört auf zu jammern”, antwortet Christian Jakubetz den deutschen Medien, die sich mal wieder über die erfolgreichen Geschäftsmodelle von Google beklagen. Die Kunden seien nämlich zufrieden: “Möglicherweise hat die Zufriedenheit – oder zumindest die mangelnde Wechselbereitschaft – auch damit zu tun, dass die meisten Nutzer mit Google dann vielleicht doch zufriedener sind als mit ihrer Tageszeitung. Oder dem Spiegel. Vielleicht ist es ja auch ganz einfach so, dass der gerne verpönte Deal ‘Daten gegen Produkt’ von vielen gar nicht als so schlimm empfunden wird, weil sie das Gefühl haben, dafür von der anderen Seite auch etwas sehr Ordentliches zu bekommen.”

5. “‘What the frack is going on?'”
(nzz.ch, Thomas Schuler)
Pro Publica versucht, sperrige Rechercheergebnisse in der Form von Comics und Songs an das Publikum zu bringen. Denn wenn eine Enthüllung folgenlos bleibe, “dann liege das oft nicht an der Apathie der Leser, sondern am Versagen des Reporters”.

6. “Der Fluchhafen Berlin”
(zdf.de, Video, 43:14 Minuten)
Die mehrfach verschobene Eröffnung des Flughafen Berlin Brandenburg bringt den Steuerzahlern und der Wirtschaft hohe Mehrkosten. Ein ZDF-Reporterteam versucht herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist.

7000 Gründe für ein Leben als Single

Der Markt der Online-Singlebörsen ist heiß umkämpft. Um den eigenen Namen möglichst weit zu verbreiten, veröffentlichen Partnervermittlungen regelmäßig sogenannte “Studien” zu irgendwelchen absurden Liebes- und Sex-Themen — in der Hoffnung, dass die Medien darauf anspringen.

Auch die Verkupplungsseite “Elitepartner.de” verbreitet solche (größtenteils nicht-repräsentativen) “Studien” am laufenden Band.

Viele Medien greifen die Ergebnisse jener Umfragen seit Jahren dankbar auf. Ein besonders eifriger Abnehmer der “Studien” von “Elitepartner” ist Bild.de: Dort schreiben sie die Pressemitteilungen geringfügig um, verpacken sie als eigene Artikel und versehen sie mit Überschriften, die suggerieren, es sei tatsächlich eine hochwissenschaftliche Studie durchgeführt worden. (Ihren vorzeitigen Höhepunkt erreichte diese Beziehung übrigens am 10. Juli 2009, wo innerhalb von neun Stunden auf Bild.de stolze 17 Artikel erschienen, die auf Umfragen von “Elitepartner” beruhten.)

Gerne übernimmt Bild.de auch die Zitate der Psychologin Lisa Fischbach, verschweigt aber ebenso gerne, dass sie zu “Elitepartner” gehört und nennt sie stattdessen einfach nur “Diplom-Psychologin”, “Paarberaterin”, “Flirt-Coach”, “Beziehungsexpertin” oder “Single-Coach”.

Und so schleicht sich “Elitepartner” mit seinen merkwürdigen Umfragen immer und immer wieder in den redaktionellen Teil von Bild.de:

9. Januar 2007:
Wann Flirten wirklich funktioniert

Im Artikel wird übrigens neun Mal auf folgende Seite verlinkt:
Premium-Mitglied werden - jetzt ohne Aufnahmegebühr. Exklusiv für Bild.T-Online.de-Leser

7. August 2007:
Diese Berufe sind wirklich sexy

12. März 2008:
Berliner Singles sind Kultur-Fans

13. Mai 2008:
Was bei der Partnerwahl wirklich zählt

Read On…

Sportlich, sportlich (5)

Der FC Bayern München gibt sich derzeit viel Mühe, den Kampf um die Deutsche Meisterschaft schon am 8. Spieltag als langweilig und “gelaufen” erscheinen zu lassen.

Oder, in den Worten von n-tv.de:

Wer sieht, wie der FC Bayern durch die Fußball-Bundesliga stürmt, der fragt sich schon, wer diese Münchner noch stoppen kann.

Der Verein hat eine ganze Menge Rekorde und Serien zu feiern:

Die Bayern haben ihre Partien allesamt gewonnen, so viele wie nie zuvor eine Mannschaft zum Start in eine Saison. […] In diesen acht Spielen haben die Münchner 24 Tore geschossen, im Schnitt also drei pro Begegnung. Und ganze zwei Gegentreffer kassiert. Auch das gab es noch nie. Was soll da noch passieren?

Wie man es dreht und wendet: Die Behauptung, das habe es “noch nie” gegeben, dass ein Verein am achten Spieltag “ganze zwei Gegentreffer kassiert” habe, ist falsch.

In der Saison 2001/2002 hatten die Bayern nämlich exakt zwei Gegentore. Und es geht sogar noch besser: Vor einem Jahr hatten sie nur ein Gegentor auf dem Konto, in der Saison 2003/2004 hatte der VfB Stuttgart gar noch kein einziges.

Mit Dank an Joachim.

Nachtrag, 15.10 Uhr: Bayern hat aktuell übrigens 26 Tore geschossen, nicht 24, wie n-tv.de behauptet.

Mit Dank an Ansgar.

2. Nachtrag, 15.55 Uhr: n-tv.de hat die Stelle unauffällig überarbeitet:

In diesen acht Spielen haben die Münchner 26 Tore geschossen, im Schnitt also drei pro Begegnung. Und ganze zwei Gegentreffer kassiert. Was soll da noch passieren?

Promi-Samenspender kommen doch nicht

Britische Samenbank will Promi-Sperma verkaufen

Genau einmal dürfen Sie raten, was es mit dieser Geschichte auf sich hat, die seit Mittwoch bei Bild.de zu lesen ist:

Wenn schon kein Promi als Partner, dann wenigstens als Vater für den Nachwuchs: Ob Fußballer, Oscar-Preisträger oder Wirtschaftsboss, die britische Samenbank “Fame Daddy” will ab Februar 2013 Sperma von Promi-Männern verkaufen.

Richtig: Die ganze Geschichte ist offenkundig ein Fake, ein Hoax, ein Witz, eine Verarsche, auf die Bild.de hereingefallen ist.

Allerdings nicht als einziges Medium: Auch der “Daily Mirror” und die “Sun”, gerne mal Quellen für extrem unglaubwürdige Geschichten auf Bild.de, hatten darüber berichtet — wobei die “Sun” ihren Artikel inzwischen ganz unauffällig wieder offline genommen hat.

Und auch der private britische Fernsehsender ITV hatte in seiner Sendung “This Morning” über die angebliche Promi-Samenbank “FameDaddy” berichtet.

Die BBC schreibt dazu:

ITV startete nach dem Interview eine Untersuchung, und am Donnerstag entschuldigte sich der Sender bei den Zuschauern und sagte, die Verantwortlichen des Vorfalls hätten “offenkundig einen großen Aufwand betrieben, um die Sendung und unsere Zuschauer hinters Licht zu führen”.

“Es ist ihnen auch gelungen, andere Medien in die Irre zu führen und ins Radio und in die Presse zu kommen”, sagte die Mitteilung.

ITV sagte, man betreibe den “größten Aufwand, um die Richtigkeit” von Geschichten in “This Morning” und “die Echtheit der Gäste sicherzustellen”.

(Übersetzung von uns.)

So einen Aufwand würde Bild.de vermutlich nicht betreiben — aber immerhin könnten die Leute dort ja dem schlechten Beispiel des “Daily Mirror” folgen. Der meldete gestern, dass ITV auf einen Fake reingefallen sei — und verbreitet die falsche Geschichte gleichzeitg immer noch selbst.

Mit Dank an Tobias G.

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