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Teil-Rückkehr für Jimmy Kimmel, Rettungsflug, Polizeiberichte

1. Nur eine Teil-Rückkehr für Jimmy Kimmel
(tagesspiegel.de)
Nach massiver Kritik an seiner Absetzung kehrt Jimmy Kimmel mit seiner Late-Night-Show auf Disney und ABC zurück, allerdings nicht flächendeckend. Rund ein Viertel der ABC-Sender, darunter Nexstar und Sinclair, würden die Sendung nicht mehr ausstrahlen. Dies geschehe offenbar aus Rücksicht auf die Trump-nahe Medienaufsichtsbehörde FCC, deren Zustimmung die Sender für eigene Übernahmen benötigen. Kimmels Show war nach Aussagen zum Attentat auf Charlie Kirk vorübergehend aus dem Programm genommen worden. Dies hatte breiten Widerstand in der Öffentlichkeit ausgelöst.

2. Afghaninnen verpassten Rettungsflug wegen fehlendem Rollstuhl, nicht beim Shoppen
(correctiv.org, Sara Pichireddu)
Laut einem Faktencheck von “Correctiv” haben zwei Afghaninnen ihren Rettungsflug nach Deutschland nicht – wie zunächst von der “Bild”-Redaktion behauptet – wegen einer Shoppingtour während des Umsteigens verpasst, sondern weil ein zuvor angemeldeter Rollstuhl in Istanbul fehlte. “Bild” habe die Falschmeldung erst zehn Tage später korrigiert, nachdem sich die falsche Schlagzeile bereits vielfach in Sozialen Netzwerken verbreitet hatte.

3. “Medien haben die Regierung vor sich hergetrieben”
(taz.de, Antje Lang-Lendorff)
Die “taz” hat mit dem Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer gesprochen. Maurer konstatiert, dass große Medienhäuser während der Corona-Pandemie zwar nicht regierungstreu, aber einseitig berichtet hätten. So seien kritische Perspektiven etwa zu sozialen oder wirtschaftlichen Nebenwirkungen der Lockdowns zu selten berücksichtigt worden.

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4. Deutschlands dümmste Journalistin
(kontextwochenzeitung.de, Cornelius W. M. Oettle)
In einer polemisch zugespitzten Kolumne für “Kontext” kritisiert Cornelius W. M. Oettle die Journalistin Julia Ruhs für aus seiner Sicht tendenziöse Inhalte in Ruhs’ Moderation des NDR/BR-Formats “Klar” und nennt sie provokant “Deutschlands dümmste Journalistin”. Ruhs vermarkte sich erfolgreich als Opfer linker Cancel-Kultur, obwohl ihre journalistische Arbeit mehrfach Anlass zur Kritik gegeben habe. Oettle deutet die öffentliche Unterstützung für Ruhs als Ausdruck einer Medienöffentlichkeit, in der Inszenierung zunehmend wichtiger sei als Substanz.

5. Sind Journalisten zu unkritisch?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 29:38 Minuten)
“Übernehmen Medien zu schnell die Darstellung der Polizei? Sind Journalisten zu unkritisch gegenüber Meldungen der Polizei? Wie steht es mit der Polizei als privilegierte Quelle?” Darüber diskutieren im Deutschlandfunk der Journalist und Buchautor Mohamed Amjahid (“Alles nur Einzelfälle? – Das System hinter der Polizeigewalt”) und Journalismus-Professor Tanjev Schultz.

6. Jugendliche wollen soziale Medien weniger nutzen – schaffen es aber nicht
(spiegel.de)
Eine repräsentative Befragung von Infratest dimap habe ergeben, dass eine Mehrheit der Jugendlichen Soziale Medien zwar weniger nutzen wolle, es aber nicht schaffe, den eigenen Konsum zu begrenzen. Viele Jugendliche empfänden neben positiven Gefühlen auch sozialen Druck und emotionale Belastung. Insbesondere junge Frauen seien davon überdurchschnittlich betroffen.

Sprachrohr der Konservativen?, Kimmel, Friedmann ausgeladen

1. Das Sprachrohr der Konservativen
(taz.de, Gilda Sahebi)
Die Entscheidung des NDR, die konservative Moderatorin Julia Ruhs aus dem Format “Klar” zu nehmen, ist auf massive Kritik von CDU-Politikern gestoßen. Dies werfe laut der Autorin Gilda Sahebi grundsätzliche Fragen zur Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf: “Der politische Wind weht konservativ. Spahn, Günther und Linnemann erklären, was sie erwarten. Und die öffentlich-rechtlichen Strukturen scheinen zu gehorchen.”

2. US-Sender ABC schickt Jimmy Kimmel wieder auf Sendung
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach massiver Kritik und einem Kurssturz an der Börse lasse der Medienkonzern Disney die zuvor abgesetzte Late-Night-Show “Jimmy Kimmel Live” ab dem heutigen Dienstag wieder laufen, wie “DWDL” unter Berufung auf den US-Sender ABC berichtet. Die kurzfristige Absetzung folgte auf Kimmels kritische Aussagen zum Mord am ultrarechten Aktivisten Charlie Kirk und sorgte für politischen Druck sowie Boykottaufrufe durch konservative Mediengruppen.

3. Michel Friedman offenbar aus Sorge vor rechten Protesten ausgeladen
(zeit.de)
Der jüdische Publizist Michel Friedman sei auf Weisung des Bürgermeisters von Klütz von einer geplanten Veranstaltung im Literaturhaus “Uwe Johnson” wieder ausgeladen worden. Hintergrund seien laut dem neuen Leiter des Hauses in Mecklenburg-Vorpommern Sorgen vor Protesten rechter Gruppen. Friedman selbst sei weiterhin an Auftritten in Ostdeutschland interessiert: “Ich bin bereit, aufdringlich zu sein”.

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4. Akteursvielfalt und Selbstreflexion in der Berichterstattung über den Gazakrieg – eine Inhaltsanalyse dreier deutscher Tageszeitungen
(de.ejo-online.eu)
Eine Inhaltsanalyse von 346 Artikeln der “Süddeutschen Zeitung”, “Welt” und “taz” zeige, dass israelische Akteure und Kriegsbetroffene in der Berichterstattung über den Gazakrieg deutlich häufiger zitiert worden seien als palästinensische. Besonders kritisch falle ins Gewicht, dass die Zivilbevölkerung aus dem Gazastreifen trotz deutlich höherer Opferzahlen medial stark unterrepräsentiert gewesen sei. Gleichzeitig fehle es weitgehend an journalistischer Selbstreflexion über eingeschränkte Arbeitsbedingungen oder eigene Perspektiven.

5. “Journalismus muss unbedingt selbstbewusster werden”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Interview mit dem “journlist” betont Kommunikationswissenschaftler Michael Brüggemann, dass Journalismus beim Thema Klimawandel klar, faktenbasiert und selbstbewusst kommunizieren müsse. Er plädiert für einen transformativen Journalismus, der nicht nur informiert, sondern gesellschaftlichen Wandel unterstützt und auf Missstände aufmerksam macht. Um Menschen wirksam zu erreichen, solle Journalismus außerdem verständlich bleiben und Desinformation aktiv entgegentreten.

6. Niederländische Disney-Parodie wird Internethit
(spiegel.de)
Der “Spiegel” macht auf ein Satirevideo des niederländischen Komikers Arjen Lubach aufmerksam, das nach der Absetzung von Jimmy Kimmels Late-Night-Show viral gegangen ist. In der Parodie zeigt Lubach bekannte Disney-Figuren in einer Welt, wie sie US-Präsident Donald Trump gefallen könnte: Zum Beispiel Aladdin, der von der Einwanderungsbehörde abgeführt wird, oder Bambi, dessen Mutter für transfreundliche Aussagen am Spieß landet.

Berliner Verlag will expandieren, US-Zensur, Antisemitismus in Medien

1. “Projekt Halle”: Berliner Verlag expandiert in ostdeutsche Hauptstädte
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Der Berliner Verlag, zu dem unter anderem die “Berliner Zeitung” gehört, plane unter dem Titel “Projekt Halle”, neue Regionalzeitungen in den fünf ostdeutschen Landeshauptstädten zu gründen. Zunächst solle es digitale Ausgaben geben, später auch eine gedruckte Wochenendausgabe. Verleger Holger Friedrich begründe das Vorhaben mit dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit, regionaler Repräsentanz und einer Gegenstimme zur laut Friedrich westlich geprägten Medienelite. Parallel solle die Verlagsstruktur neu aufgestellt werden.

2. US-Pentagon gegen Pressefreiheit
(taz.de)
Das US-Verteidigungsministerium (beziehungsweise “Kriegsministerium”, wie es seit Kurzem heißt) habe neue Regeln eingeführt, nach denen Journalistinnen und Journalisten ihre Berichterstattung vor Veröffentlichung genehmigen lassen müssen. Dies betreffe selbst nicht-geheime Informationen. Organisationen wie der National Press Club und Medien wie die “New York Times” hätten diese Maßnahme als direkten Angriff auf die Pressefreiheit kritisiert und auf verfassungsrechtliche Bedenken hingewiesen.

3. Antisemitismus in der Berichterstattung
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Auf der journalistischen Fachtagung “Unter Druck? Medien & Antisemitismus im NS-Staat & heute” sei darüber diskutiert worden, inwiefern Medien bei ihrer Berichterstattung über Israel und über Antisemitismus teils unbeabsichtigt diskriminierende Narrative verstärken. Journalistinnen wie Esther Schapira und Vertreter jüdischer Organisationen hätten mehr sprachliche Sensibilität gefordert, um antisemitische Muster besser zu erkennen. Als Ergebnis eines begleitenden Forschungsprojekts sei schließlich ein kostenloses Lerntool für Redaktionen vorgestellt worden.

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4. Vom Stimmzettel zum Meme: Wie sich Desinformation in Europa verbreitet
(de.ejo-online.eu, Merle Van Berkum & Sara Mercereau)
Laut der von der EU geförderten “PROMPT”-Studie würden sich Desinformationsnarrative in Europa zunehmend lokal angepasst ausbreiten, etwa durch Misstrauen gegenüber Wahlen oder eine Umdeutung des Ukrainekriegs als innenpolitische Belastung. Die beteiligten Faktenprüfer aus sechs Ländern hätten berichtet, dass Form, Auslöser und Kanäle je nach nationalem Kontext stark variieren, mit Memes, Influencern oder russischsprachigen Telegram-Gruppen als Verstärker.

5. “Medienkompetenzförderung muss als Bildungsaufgabe verstanden werden, nicht als Zusatzleistung”
(npj.news, Juliane von Reppert-Bismarck)
Medienkompetenz müsse als feste Bildungsaufgabe im Schulunterricht verankert und nicht als freiwillige Zusatzleistung verstanden werden, meint Juliane von Reppert-Bismarck, Gründerin der Initiative “Lie Detectors”. Gerade durch KI-Tools wie ChatGPT wachse bei jungen Menschen das Bedürfnis, journalistische Inhalte besser einordnen und Desinformation erkennen zu können. Von der Politik wünsche sie sich langfristige Strukturen, eine bundesweite Vernetzung sowie eine klare Haltung zur Bedeutung von Informationskompetenz für die Demokratie.

6. ZDF hat so viele Frauen in Führungspositionen wie noch nie
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Das ZDF habe 2024 mit einem Frauenanteil von 45,3 Prozent in Führungspositionen einen historischen Höchststand erreicht, wolle sich damit jedoch laut Intendant Norbert Himmler nicht zufriedengeben. Die Gleichstellungsbeauftragte Stephanie Keppler habe dem Sender deutliche Fortschritte attestiert, aber auch betont, dass weitere strukturelle Veränderungen notwendig seien.

Gemeinwohl, Widerstand im Journalismus, Staatstrojaner

1. Gemeinwohlorientierter Journalismus braucht Rechtssicherheit
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter kommentiert bei netzpolitik.org die fehlende Rechtssicherheit für gemeinwohlorientierten Journalismus. Die Bundesregierung wolle beispielsweise E-Sport als gemeinnützig anerkennen, nicht-kommerzieller Journalismus bleibe jedoch, trotz der Zusagen im Koalitionsvertrag der einstigen Ampel-Regierung, weiterhin rechtlich im Schwebezustand. Reuter kritisiert die unionsgeführte Regierung für mangelnden Gestaltungswillen und warnt, dass demokratische Medien gerade jetzt gezielte Unterstützung brauchen.

2. RSF verklagt BND wegen Staatstrojanern
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) klagt gegen den Einsatz von Staatstrojanern durch den Bundesnachrichtendienst: “Der Geheimdienst kann Journalisten heimlich per Trojaner überwachen, ohne dass der Betroffene hiervon jemals erfährt. Hiergegen gibt es in Deutschland keinen Rechtsschutz, wenn vom Betroffenen auch weiterhin Nachweise für eine Überwachung verlangt werden. Dies steht einem demokratischen Rechtsstaat schlecht zu Gesicht und verstößt gegen die Menschenrechte”, so Rechtsanwalt Niko Härting, der RSF vertritt.

3. Medien müssen nicht neutral sein – Wir brauchen Widerstand im Journalismus
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner & Paul Starzmann)
Der “Volksverpetzer” veröffentlicht einen Auszug aus “Mut zum Unmut”, dem demnächst erscheinenden Buch von Matthias Meisner und Paul Starzmann. Der Text wirbt für mehr Widerstand im Journalismus und zeigt, wie rechte Gruppen Begriffe wie “alternativ” für eigene Zwecke vereinnahmen, während faktenbasierte Kritik als “aktivistisch” abgewertet werde. Meisner und Starzmann plädieren für einen Journalismus mit Haltung, der Missstände aufdeckt und sich nicht dem Ruf nach falscher Ausgewogenheit beugt.

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4. Geheimplan gegen Deutschland – Ein Nachspiel
(youtube.com, Schauspiel Köln & Correctiv, Video: 1:44:05 Stunden)
Das Schauspiel Köln hat die “Correctiv”-Recherche “Geheimplan gegen Deutschland” auf die Bühne geholt: “Wie kann man ‘Remigration’, den Tarnbegriff der völkischen Ideologie, übersetzen? Was stand in Potsdam tatsächlich auf der Agenda? Ging es tatsächlich um Pläne zur massenhaften Vertreibung von Menschen aus Deutschland?”

5. Wie umgehen mit Propaganda und Unwahrheiten?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 38:13 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um den Umgang mit politischen Interviews, in denen unbelegte Behauptungen und gezielte Falschinformationen verbreitet werden. DLF-Hörer Benjamin Bock spricht mit Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach und DLF-Hauptstadtkorrespondent Dirk-Oliver Heckmann über journalistische Verantwortung, Faktenchecks und die Frage, wie man Propaganda wirksam begegnet.

6. Aussicht auf Hollywood-Deal lässt Warner-Aktie hochspringen
(sueddeutsche.de)
Laut Berichten des “Wall Street Journal” und weiterer US-Medien prüfe die Mediengruppe Paramount Skydance, mit finanzieller Unterstützung von Milliardär Larry Ellison, eine Übernahme des deutlich größeren Konkurrenten Warner Bros. Discovery. Die Aussicht auf eine solche Fusion habe die Warner-Aktie um fast 30 Prozent steigen lassen. Ein Zusammenschluss der beiden Studios mit Marken wie HBO, DC, CNN und Paramount+ könnte die US-amerikanische Medienlandschaft grundlegend verändern.

Sichtbarkeit der AfD, Ewig konservativ, Lachen mit Hegel

1. Was dir die Medien über die AfD verschweigen
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Thomas Laschyk argumentiert, dass die AfD kein Ausdruck eines unaufhaltsamen Volkswillens sei, sondern ein von Eliten unterstütztes und medial überhöhtes Projekt, das von Unzufriedenheit und Skandalisierung lebe. Die Partei profitiere massiv von medialer Sichtbarkeit und Normalisierung, scheitere in der Praxis jedoch oft: “Die AfD ist ein Scheinriese. Sie ist ein Projekt, mit dem erst Unzufriedenheit erzeugt werden soll, um sie danach auszunutzen, um Überreiche zu bereichern, die diese Partei erst mit sehr viel finanziellem Aufwand medial zu inszenieren.”

2. Konservativ bis in alle Ewigkeit
(taz.de, Caroline Smith)
Der seit Jahren als möglicher Nachfolger gehandelte Lachlan Murdoch sei nun offiziell zum Hauptverantwortlichen für das milliardenschwere Medienimperium der Murdochs erklärt worden. Lachlan, politisch konservativer als seine Geschwister, dürfte ganz im Sinne seines Vaters Rupert Murdoch agieren. Mit dem Erbe übernehme er jedoch nicht nur eine große mediale Macht, sondern auch juristische Altlasten wie die Klage von US-Präsident Donald Trump gegen das “Wall Street Journal”.

3. Lachen mit Georg Wilhelm Friedrich Hegel
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
In seinen “Noten zur Comedy” (auch als Newsletter zu beziehen) nimmt Bernhard Hiergeist unregelmäßig ein aktuelles Thema aus dem Bereich Comedy unter die Lupe. In der aktuellen Ausgabe analysiert er den Fall des Kabarettisten Maxi Schafroth, der als Fastenprediger bei der Satireveranstaltung auf dem Nockherberg entlassen wurde. Schafroth sei offenbar zu kritisch für ein Format gewesen, das zwar satirisch wirken wolle, letztlich aber der gesellschaftlichen Harmonie verpflichtet bleibe.

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4. Warum Verschwörungsideologien kein rechtes Monopol sind
(belltower.news, Una Titz)
Der Begriff “BlueAnon”, ursprünglich als rechter Kampfbegriff gegen Demokraten gedacht, verweise auf ein wachsendes Phänomen verschwörungsideologischen Denkens auch in progressiven Milieus. Una Titz zeigt am Beispiel des Todes von Ivana Trump, wie selbst liberale Kreise mit rhetorischen Mustern arbeiten, die strukturell an die rechtsextreme Verschwörungsbewegung QAnon erinnern.

5. Wie kann sich Journalismus künftig gegen KI und Fake News behaupten?
(derstandard.de, Alois Pumhösel)
Bei einer aktuellen Podiumsdiskussion zur Zukunft des Journalismus sei erörtert worden, wie sich die Branche angesichts von KI-Inhalten, pseudojournalistischen Angeboten und schwindendem Vertrauen behaupten könne. Forscherinnen und Forscher wie Phoebe Maares und Josef Trappel hätten vor einer Aushöhlung journalistischer Standards gewarnt. Nötig seien klar definierte Förderziele, mehr Bewusstsein für Qualität und ein gezielter Schutz journalistischer Vielfalt.

6. “Hollywood Reporter” soll deutschen Ableger erhalten
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Verlag Maier Media aus dem bayerischen Unterföhring plane noch im September den Start eines deutschen Ablegers des US-Branchenmagazins “The Hollywood Reporter”. Neben einer digitalen Plattform und Social-Media-Präsenz seien auch Printausgaben, Events und ein Podcast angekündigt worden.

Grimme-Nominierung, Zweifelhafter Ordensträger, US-Visavergabe

1. Ich habe das #GrimmeInstitut gebeten, meine Nominierung für den #GrimmeOnlineAward zurückzunehmen.
(facebook.con, Fabian Goldmann, Video: 9:40 Minuten)
Fabian Goldmann lehnt seine Nominierung für den Grimme Online Award ab. In einem sehenswerten Videostatement kritisiert er den Umgang mit der Aktivistin Judith Scheytt, der nach fragwürdigen Antisemitismusvorwürfen der Donnepp Media Award, verliehen von den “Freunden des Adolf-Grimme-Preises”, aberkannt wurde. Dies sei offenbar unter dem Druck eines Vereins und mit Hilfe eines unseriösen, KI-gestützten Gutachtens geschehen. Da das Grimme-Institut sich trotz vielfacher Verbindungen zu den Entscheidern nicht klar davon distanziere, wolle Goldmann nicht als Alibi für ein System dienen, das kritische Stimmen diffamiere statt schütze.

2. Pölzers “Bunte”: Wie wenig von den vielen Artikeln über Bastian Schweinsteiger noch übrig ist
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz kritisiert, dass die Zeitschrift “Bunte” unter Chefredakteur Robert Pölzer wiederholt unzulässige und teils erfundene Geschichten über die Trennung von Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanović veröffentlicht habe. Mehrere Geschichten mussten nachträglich geschwärzt oder mit einer Gegendarstellung versehen werden, da sie die Persönlichkeitsrechte der beiden Prominenten verletzten. Rosenkranz fragt, ob Pölzers publizistisches Verhalten mit der jüngst vorgenommenen Würdigung durch den Bayerischen Verdienstorden vereinbar ist.

3. Visavergabe als Druckmittel gegen Medien
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) warnt, dass die US-Regierung die Gültigkeit der Visa für ausländische Journalistinnen und Journalisten künftig stark verkürzen wolle. Diese Hürde könnte gezielt gegen kritische Medien eingesetzt werden. RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus appelliert “an alle deutschen Medienhäuser, sich von solchen Plänen nicht einschüchtern zu lassen. Wir brauchen objektive und faktenbasierte Berichterstattung über das, was in den USA passiert!”

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4. Wird es den Medien zu heiß?
(journalist.de, Anna Scheld)
Um den Klimajournalismus in Deutschland stehe es schlecht, findet Anna Scheld. Obwohl die Klimakrise eskaliere, fänden entsprechende Themen in vielen Redaktionen kaum noch statt. Fachleute wie Jürgen Döschner und Gesa Steeger würden dafür plädieren, Klima nicht als isoliertes Ressortthema zu behandeln, sondern ressortübergreifend mitzudenken. Das Netzwerk Klimajournalismus wolle künftig nicht nur gute Beispiele auszeichnen, sondern auch gezielte Desinformationskampagnen sichtbar machen.

5. Diese Gamechanger prägen gerade die Medienbranche
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler beschreibt den aktuellen, grundlegenden Wandel in der deutschen Medienbranche: Verlage würden verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen, Streamingdienste wie RTL+ und Joyn könnten durch Allianzen ihre Marktposition stärken, und neue Formate verbänden Technik mit gesellschaftlicher Verantwortung: “Hyperpersonalisierte Medien passen Texte, Videos und Podcasts in Echtzeit daran an, was sich die jeweiligen Nutzer:innen wünschen. AR-gestützte Kurzreportagen bringen Nachrichten direkt ins Wohnzimmer und schaffen beim Publikum völlig neue Erfahrungen.”

6. Verbraucherzentrale warnt vor Fakeprofilen Prominenter und Politiker
(spiegel.de)
Die Verbraucherzentrale Hessen warne vor einer Zunahme von Fake-Profilen auf Social Media, mit denen Betrüger vorgeben, bekannte Persönlichkeiten zu sein, um in Chats zu angeblichen Geldanlagen einzuladen. Sie würden dafür zunehmend auch die Namen von weniger prominente Personen wie die von Lokalpolitikern verwenden. Die Verbraucherzentrale empfehle, auf Warnsignale wie seltsame Profilnamen, unrealistische Versprechen und ungewöhnlich schnelle Antworten zu achten.

Berlusconis Kontrolle, Unfaires übers Fairness-Abkommen, Globaler Süden

1. Berlusconi-Konzern erhält volle Kontrolle bei ProSiebenSat.1
(spiegel.de)
Die italienische Medienholding MediaForEurope, geführt von Pier Silvio Berlusconi, habe sich die Mehrheit an ProSiebenSat.1 gesichert und halte nun über 75 Prozent der Anteile. Damit erhalte der Konzern umfassende Kontrolle über das Unternehmen und könne einen Beherrschungsvertrag abschließen. Berlusconi habe angekündigt, den Standort Deutschland zu stärken, und betone, die redaktionelle Unabhängigkeit wahren zu wollen.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Was uns droht, kennen wir aus Italien: ‘Bunga-Bunga-TV’. Sexistische Shows, rechtspopulistische Stimmungsmache, seichte Unterhaltung. Bis am Ende nur noch Entertainment und Propaganda übrig sind. Inhalte, die den Eigentümern nützen und ihrer politischen Agenda dienen.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:09 Minuten)

2. “Fairness-Abkommen” Köln: Medien schreiben schon wieder BILD-Lügen ab!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Thomas Laschyk kritisiert in seinem Beitrag für den “Volksverpetzer”, dass Medien wie “Bild”, “Welt” und “Focus” das Kölner “Fairnessabkommen” zwischen demokratischen Parteien fälschlich als “Maulkorb” oder “Asyl-Schweige-Pakt” darstellen. Das Abkommen verpflichte die unterzeichnenden Parteien lediglich zu einem respektvollen Umgang im Wahlkampf. Es verbiete keineswegs Diskussionen über Migration. Selbst seriöse Medien hätten diese Falschdarstellungen übernommen.

3. Frieden, Feinde, AfD
(taz.de, Ambros Waibel)
Bei der “Berliner Zeitung” stehe ein erneuter Wechsel in der Chefredaktion an: Ab November übernehme Philippe Debionne, zuletzt Chefredakteur beim umstrittenen “Nordkurier”. Auch bei anderen Medien wie der “Welt” würden sich personelle und inhaltliche Verschiebungen nach rechts zeigen, was die Frage aufwerfe, ob es um politische Tendenzen oder bloß um die geschäftliche Ausschlachtung gesellschaftlicher Polarisierung geht.

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4. Die mediale Vernachlässigung des globalen Südens
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 36:39 Minuten)
Der Globale Süden komme in Medien kaum vor, weder in den privaten noch in den öffentlich-rechtlichen, obwohl dort 85 Prozent der Weltbevölkerung leben. Wie kommt es zu dieser verengten Perspektive? Darüber diskutiert der Kulturwissenschaftler Ladislaus Ludescher mit der Journalistin Sham Jaff und dem Deutschlandfunk-Nachrichtenchef Marco Bertolaso.

5. Auftakt zum langfristigen Schwerpunkt “Theater und Journalismus”
(correctiv.org)
Das Schauspiel Köln und “Correctiv” bringen ab dem 10. September das Stück “Geheimplan gegen Deutschland – Ein Nachspiel” auf die Bühne und zeigen es auch per Livestream. Die Aufführung basiere auf der “Correctiv”-Recherche zum geheimen Treffen rechtsextremer Akteure in Potsdam und thematisiere die Folgen für Gesellschaft und Politik. Die Inszenierung sei zugleich der Auftakt einer langfristigen Kooperation von “Theater und Journalismus”, bei der investigative Recherchen künstlerisch umgesetzt werden sollen.

6. Bald Mindestalter für soziale Medien?
(zdfheute.de, Dorthe Ferber & Jan Henrich)
Die Bundesregierung habe eine unabhängige Expertenkommission eingesetzt, um bis Sommer 2026 Vorschläge für besseren Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum zu erarbeiten. Angesichts hoher Bildschirmzeiten und wachsender Risiken wie Extremismus oder Abhängigkeit sollen die Fachleute auch über Altersgrenzen für Soziale Netzwerke diskutieren.

Gaza-Aktion, KI-Nachahmung verletzt Rechte, Zwangshaft für RTL-Bosse?

1. Hunderte Medien weltweit mobilisieren für Gaza
(reporter-ohne-grenzen.de)
Mehr als 250 Medien weltweit hätten sich an einer Aktion beteiligt, die von der Organisation Reporter ohne Grenzen und der Kampagnenbewegung Avaaz initiiert worden sei, um ein Zeichen gegen die gezielte Gewalt an Journalistinnen und Journalisten im Gazastreifen zu setzen. Medienhäuser hätten dazu ihre Titelseiten geschwärzt, schwarze Banner auf ihre Websites gesetzt oder Video- und Audio-Statements veröffentlicht. In Deutschland seien die “Frankfurter Rundschau”, “Der Freitag”, die “taz”, “nd”, “dis:orient” und Weltreporter.net dabei gewesen.

2. Wie Rechtsextreme mit KI-Bildern viral gehen
(belltower.news, Una Titz)
Rechtsextreme hätten ein virales Video einer Zwölfjährigen aus dem schottischen Dundee instrumentalisiert, um das Mädchen mithilfe von KI-Bildern zur Märtyrerfigur hochzustilisieren. Obwohl die Faktenlage deutlich komplexer sei, verbreiteten rechte Netzwerke gezielt eine rassistische Erzählung von einer “wehrhaften Tochter Europas” gegen einen angeblichen “fremden Bedroher”. Das “Mädchen mit dem Messer” diene als perfektes Beispiel für rechte Desinformationsstrategien im Zeitalter generativer KI.

3. Streit mit Produzentin: Nun droht der RTL-Führung Zwangshaft
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die Journalistin und Filmemacherin Jana Bernhardt habe den Medienkonzern RTL erfolgreich auf Auskunft über Werbeeinnahmen verklagt, weil sie sich unfair entlohnt und in ihrer Urheberschaft übergangen fühle. Nachdem RTL vor Gericht unterlag, aber weiterhin die Offenlegung verweigere, habe Bernhardt nun “die Anordnung von Zwangshaft gegen die RTL-Geschäftsführung, namentlich Stephan Schmitter und Inga Leschek”, beantragt. RTL wolle das Urteil vor dem Bundesverfassungsgericht anfechten.

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4. KI-Nach­ah­mung ver­letzt das Recht an der eigenen Stimme
(lto.de)
Ein YouTuber habe mithilfe von Künstlicher Intelligenz die bekannte Stimme von Bruce-Willis-Synchronsprecher Manfred Lehmann nachgeahmt und ohne dessen Einwilligung in zwei Videos verwendet. Das Landgericht Berlin habe darin eine Verletzung von Lehmanns Persönlichkeitsrecht erkannt und den YouTuber zur Zahlung von insgesamt 4.000 Euro verurteilt. Das Gericht habe betont, die Zuschauer könnten fälschlich annehmen, Lehmann habe den politisch rechts einzuordnenden Inhalten zugestimmt, was dessen Ruf schädigen könne.

5. Das Amtsgeheimnis ist weg, es lebe die Informationsfreiheit!
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Österreich habe am 1. September ein Informationsfreiheitsgesetz eingeführt und damit das über einhundert Jahre alte Amtsgeheimnis abgeschafft. Behörden müssten nun wichtige Informationen von sich aus veröffentlichen oder auf Anfrage gebührenfrei herausgeben. Bürgerrechtsorganisationen wie das “Forum Informationsfreiheit” begrüßen das Gesetz, betonen jedoch, echte Transparenz entstehe erst durch engagierte Bürgerinnen und Bürger, einen Kulturwandel in der Verwaltung und unabhängige Kontrolle.

6. Der Trick mit dem Gimmick
(taz.de, Gaby Coldewey)
Anlässlich des 50. Geburtstags des “Yps”-Hefts erinnert sich Gaby Coldewey in der “taz” an ihre Kindheit mit der Mischung aus Wundertüte und Kindermagazin: “Da gab es Urzeitkrebse zum Selberzüchten, ein Schleuderkatapult oder eine ominöse ‘Wunder-Schrumpffolie mit Spezial-Malstift’. Ich hatte keine Ahnung, was das war, aber es klang aufregend, unbekannt, neu. Und deshalb wollte ich es haben.”

Skrupellose “Bild”-Chefin, Medialer Umgang mit CDU/CSU, Tod im Stream

1. So skrupellos ist die neue BILD-Chefin
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 30:42 Minuten)
In diesem Video beschäftigt sich Mats Schönauer mit Marion Horn, derzeit Vorsitzende der Chefredaktionen der “Bild”-Gruppe und damit verantwortlich für die publizistische und redaktionelle Leitung der größten Boulevardzeitung Deutschlands: “Marion Horn ist eine der mächtigsten Frauen Deutschlands – und eine der gefährlichsten. Denn unter ihrer Leitung als Chefredakteurin der BILD-Zeitung werden katastrophale Falschmeldungen verbreitet, Angst und Hass geschürt und der Ruf von unschuldigen Menschen zerstört.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. Der Umgang der Medien mit CDU und CSU
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 43:51 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Bedenken des DLF-Hörers Matthias, Medien würden nicht kritisch genug über die CDU und die CSU berichten. Mit dem Hörer diskutieren Katharina Hamberger aus dem DLF-Hauptstadtstudio, Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin Paula Diehl und Michael Borgers aus der DLF-Medienredaktion “mediasres”.

3. Rekordzahl an Angriffen auf Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) macht auf die besorgniserregende Situation für Medienschaffende in Serbien aufmerksam: “Wenn Journalistinnen und Reporter in Serbien im Schnitt alle zwei Tage Opfer körperlicher Gewalt werden, ist das ein Alarmsignal für ganz Europa. Deutschland trägt hier eine besondere Verantwortung: Als gewichtiges EU-Mitglied muss die Bundesregierung klarstellen, dass Serbiens Weg in die EU nur mit einem wirksamen Schutz der Pressefreiheit und anderer Grund- und Menschenrechte vereinbar ist”, so RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus.

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4. KI-Firma Anthropic beendet Streit mit Autoren über Urheberrecht
(handelsblatt.com)
In den USA sei erstmals ein Urheberrechtsstreit gegen ein KI-Unternehmen mit einem Vergleich beendet worden. Die Firma Anthropic (unter anderem mit dem Sprachmodell “Claude”) habe sich mit einer Autorengruppe geeinigt, die ihr vorgeworfen habe, Millionen raubkopierter Bücher zum Training ihres KI-Modells verwendet zu haben. Der Vergleich könne als Signal für ähnliche Verfahren gegen Firmen wie OpenAI, Microsoft oder Meta gewertet werden.

5. KI & Fake News: Wie künstliche Intelligenz gleichzeitig zur Gefahr und Lösung wird
(media-lab.de)
Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht die schnelle und täuschend echte Produktion von “Fake News”, was Desinformation glaubwürdiger und schwerer erkennbar macht. Gleichzeitig lassen sich KI-Technologien zur Aufdeckung und Bekämpfung dieser Falschinformationen einsetzen etwa durch automatisierte Analysewerkzeuge, Deepfake-Erkennung oder Faktenchecks. Für einen wirksamen Umgang brauche es laut “Media Lab Bayern” eine Kombination aus technischer Innovation, klarer Regulierung, journalistischer Verantwortung und gesellschaftlicher Medienkompetenz.

6. Tod im Stream
(taz.de, Rudolf Balmer)
Der französische Streamer Jean Pormanove (“JP”) sei nach einem zwölftägigen Livestream auf der Plattform Kick gestorben, in dem ihn zwei Begleiter vor laufender Kamera wiederholt gedemütigt, am Schlaf gehindert und geschlagen hätten. Eine erste Autopsie habe keine eindeutige Fremdeinwirkung ergeben, dennoch komme eine Untersuchung wegen Tötung ohne Vorsatz in Betracht. Die Behörden würden nun Sanktionen gegen den Streamingdienst prüfen.

Tausende Euro für Auskunft, Problematische Nähe, Wallraff

1. Wirtschaftsministerium will Tausende Euro für Lobby-Unterlagen zu Katherina Reiche
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche habe in diesem Sommer mehrere Lobbyakteure getroffen, darunter Vertreter ihres früheren Arbeitgebers, dem Verband kommunaler Unternehmen. Die Gesprächsinhalte seien nicht offengelegt worden. Die Plattform “abgeordnetenwatch” habe “auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) Einsicht in die Unterlagen zu den acht Terminen beantragt”. Doch Reiches Ministerium habe mit bis zu 4.000 Euro Gebühren gedroht, indem es den Antrag in acht Teile aufgeteilt habe. Kritiker würden darauf verweisen, dass solche abschreckenden Gebühren vom Bundesverwaltungsgericht bereits 2016 für rechtswidrig erklärt worden seien.

2. Portal von Reichelt und Gotthardt: Was ist “Nius” – und was wird den Machern vorgeworfen?
(tagesspiegel.de, Sven Lemkemeyer)
Beim “Tagesspiegel” geht es noch einmal um das rechtsgerichtete Krawallportal “Nius”. Dem von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und Geldgeber Frank Gotthardt betriebenen Portal werde vorgeworfen, rechtspopulistische Inhalte zu verbreiten, Fakten zu verzerren und als Sprachrohr der Partei “Werteunion” um den früheren Chef des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen zu dienen. Laut dem Medienwissenschaftler Markus Linden überschreite “Nius” gezielt Grenzen und nutze Praktiken der Desinformation.

3. Die problematische Nähe zwischen Kultur und Journalismus in Österreich
(kobuk.at, Philipp Wohltmann)
Bei “Kobuk” macht Philipp Wohltmann auf einen Missstand in der österreichischen Presselandschaft aufmerksam: “In der Kulturberichterstattung von Standard und Presse verschwimmen die Grenzen zwischen Werbung und Redaktion. Dieselben Autor:innen bewerben Kulturveranstaltungen in bezahlten Anzeigen – und rezensieren diese danach im redaktionellen Kulturteil.”

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4. Solidarität mit inhaftierten Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) und mehrere Exilmedien starten eine Postkartenkampagne für die in Aserbaidschan inhaftierte Journalistin Sevinj Vagifgizi, der selbst an heißen Tagen im Gefängnis ein Ventilator verweigert werde. Die Aktion soll auf unmenschliche Haftbedingungen und die zunehmende Repression gegen unabhängige Medien in Aserbaidschan aufmerksam machen. RSF fordert internationalen Druck, damit inhaftierte Medienschaffende freigelassen werden und um die Unterdrückung kritischer Stimmen zu beenden.

5. “Team Wallraff”: RTL muss nichts öffentlich richtigstellen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Hanseatische Oberlandesgericht habe im Streit zwischen den MK-Kliniken und RTL über eine acht Jahre alte Ausgabe von “Team Wallraff” überwiegend zugunsten des Senders entschieden. Eine öffentliche Richtigstellung müsse RTL demnach nicht veröffentlichen, da viele der von den MK-Kliniken kritisierten Passagen als zulässige Meinungsäußerungen oder wahre Tatsachen gewertet worden seien.

6. Lachende Fliegen und kippelnde Beine. Zum Ende der täglichen gedruckten taz
(czyslansky.net, Michael Kausch)
Michael Kausch erinnert in seiner persönlichen Glosse daran, wie sehr gedruckte Tageszeitungen einst zu seinem Alltag gehörten: vom Sportteil in der Kindheit bis zum eigenen Abo im Studium. Er blickt nostalgisch auf die Rolle der “taz” und anderer Blätter zurück, die es bald vorwiegend digital geben wird: “Mit wird etwas fehlen. Ich will gar nicht daran denken.”

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