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“FAZ” bedauert Frage, Bedrohte Synchronbranche, Bollywood-Ausflug

1. Tötung russischer Soldaten: FAZ bedauert Frage an Selenskyj
(medien.epd.de)
Der Evangelische Pressedienst berichtet, dass die “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”) sich von einer Formulierung ihres Korrespondenten Michael Martens distanziere. Bei einer Pressekonferenz habe Martens den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, wie Europa der Ukraine helfen könne, “mehr russische Soldaten zu töten”. Der Vorfall habe heftige Reaktionen in den Sozialen Medien nach sich gezogen. Die “FAZ” bedauere die “missverständlich formulierte” Frage.

2. Wie KI Synchronsprecher bedroht
(youtube.com, Filmriss, Video: 39:32 Minuten)
In diesem “Filmriss”-Video geht es um den Machtkampf zwischen der deutschen Synchronbranche und dem rasanten Vormarsch generativer Künstlicher Intelligenz. Bekannte Stimmen wie Charles Rettinghaus (unter anderem Jamie Foxx und Leornado DiCaprio), Giuliana Jakobeit (u. a. Keira Knightley) und Peter Flechtner (u. a. Ben Affleck) schildern die emotionale und handwerkliche Tiefe des Synchronschauspiels. Und sie kritisieren das ungefragte und oft rechtswidrige Training von Sprachmodellen mit ihren eigenen Stimmen.

3. Bahn frei für Bahn-Bashing?
(taz.de, Ambros Waibel)
Die “taz” befasst sich mit zwei aktuellen ZDF-Dokumentationen über die Deutsche Bahn (“Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?” sowie “Das Deutsche-Bahn-Desaster”). Beide Dokumentationen zögen am Ende ein ähnliches Fazit: Das Desaster bei der Bahn fungiere als Sinnbild für die verfehlte Infrastrukturpolitik und den Zustand der gesamten Bundesrepublik. “taz”-Redakteur Ambros Waibel erwähnt dabei auch die juristische Auseinandersetzung zwischen der Bahn und dem ZDF über redaktionelle Korrekturen und Fragen der Pressefreiheit.

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4. Wegen Fake News: Angriff auf Sanitäter in Rumänien
(orf.at)
Der ORF berichtet über einen schwerwiegenden Zwischenfall in Rumänien, bei dem Rettungskräfte von einer bewaffneten Gruppe mit Äxten und Steinen angegriffen worden seien. Auslöser sei eine virale Falschnachricht auf TikTok gewesen, laut der Sanitäter in Krankenwägen angeblich kleine Kinder rauben würden. Der ORF-Beitrag thematisiert den konkreten Fall, aber auch die daraus resultierende Debatte über eine stärkere Regulierung und Identitätspflicht in Sozialen Netzwerken.

5. Der Fall Karl Anders und die Frankfurter Rundschau
(journalistik.online, Alf Mayer & Horst Pöttker)
Alf Mayer und Horst Pöttker rekonstruieren das Verdrängen des Verlegers und Widerstandskämpfers Karl Anders aus der Geschichte der “Frankfurter Rundschau”. Anders habe das Blatt Mitte der 1950er-Jahre durch Kredite, kaufmännisches Know-how und den Aufbau des Druckgeschäfts vor dem Konkurs gerettet, sei jedoch nach einem Zerwürfnis mit Mitherausgeber Karl Gerold aus der offiziellen Zeitungschronik gestrichen worden. Die beiden Autoren diskutieren darüber, inwiefern das Ausblenden relevanter Fakten aus der eigenen Hausgeschichte eine Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten darstellt.

6. Mein bester Freund ist Bollywood-Star
(ardmediathek.de, Samuel Häde, Video: 34:00 Minuten)
Die “Y-Kollektiv”-Doku wirft einen Blick auf die Milliarden-Industrie Bollywood: “Y-Kollektiv-Reporter Samuel Häde begleitet seinen besten Freund und Bollywood-Schauspieler Anant Joshi exklusiv durch seinen Alltag – und trifft die deutsche Schauspielerin Lisa-Marie Spiegel, die in Mumbai vom Durchbruch träumt. Er erlebt hautnah, welchen Hype Bollywood-Stars in Indien auslösen und wirft einen Blick hinter die Kulissen auf die Menschen, die die Traumfabrik unter harten Arbeitsbedingungen am Laufen halten.”

KW 31/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Berichten wir falsch über die Klimakrise?
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 27:16 Minuten)
In dieser Folge von “BR24 Medien” thematisiert Sophie Morár die abnehmende Präsenz der Klimakrise im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Hintergrund ist eine aktuelle Studie (PDF) der Initiative Klima° vor acht. Im Studio mit dabei: Lea Dohm, Psychologin und aktiv bei “Psychologists for Future”, Claudia Reiser, Klimajournalistin beim MDR und der ARD-Klimaredaktion, und Özden Terli, Meteorologe und Wettermoderator beim ZDF.

2. Berichterstattung über Waldbrände und Gema vs. Suno AI
(wdr.de, Steffi Orbach, Audio: 43:06 Minuten)
Die WDR5-Sendung “Töne, Texte, Bilder” deckt ein breites Spektrum aktueller Medienthemen ab: ARD-Korrespondent Michael Heussen schildert die Herausforderungen der Berichterstattung vor Ort aus den Waldbrandgebieten in Südwestfrankreich. Musikerin Ella Rohwer ordnet ein noch nicht rechtskräftiges Urteil zugunsten der GEMA gegen das KI-Musikunternehmen Suno AI ein. Außerdem geht es um die EU-Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte und den Einfluss von Künstlicher Intelligenz im israelischen Wahlkampf. Abgerundet wird die Ausgabe durch eine Glosse zum medialen Sommerloch von Philipp Anft.

3. Desinformation: Wie sie unseren Umgang mit Wissen ruiniert
(deutschlandfunknova.de, Romy Jaster, Audio: 53:53 Minuten)
In ihrem Vortrag an der Europa-Universität Viadrina warnt die Philosophin Romy Jaster von der Berliner Humboldt-Universität vor den strukturellen Folgen von Desinformation. Das Problem von “Fake News” beschränke sich nicht nur auf das Erzeugen konkreter Falschannahmen, sondern greife das Wissenssystem als Ganzes an. Durch Strategien wie das gezielte Überfluten des öffentlichen Raums mit Falschinformationen (“Flood the Zone with Shit”) werde die Aufmerksamkeit der Rezipienten überlastet und die Fähigkeit zur begründeten Urteilsbildung untergraben.

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4. Liquid Content: So verändert KI den Journalismus
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 33:41 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” spricht Gastgeber Christian Jakubetz mit Sascha Devigne, Chefredakteur vom regionalen Fernsehsender Studio 47, über das Konzept des “Liquid Content”. Dabei würden gründlich recherchierte journalistische Inhalte nicht mehr starr für ein einzelnes Medium produziert, sondern dank moderner Künstlicher Intelligenz modular und flexibel für unterschiedlichste Zielgruppen und Plattformen aufbereitet: “Es geht um neue Arbeitsweisen, veränderte Berufsbilder und die Frage, wie journalistische Inhalte in einer fragmentierten Medienwelt möglichst viele Menschen erreichen können.”

5. Das goldene Zeitalter? Wie Communitys, Non-Profit-Redaktionen und TikTok den Journalismus prägen (mit Pauline Tillmann)
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 56:29 Minuten)
Bei “This is Media Now” diskutiert Lukas Schöne mit der Journalistin, Gründerin und Trainerin Pauline Tillmann über die Zukunftsfähigkeit und die Qualitätskriterien des modernen Journalismus. Tillmann vertritt die Auffassung, dass das “goldene Zeitalter des Journalismus” trotz des massiven wirtschaftlichen Drucks weiterhin bestehe. Sie plädiert für einen konstruktiven Journalismus, der Betroffene als handelnde Subjekte porträtiert, sowie für den gezielten Ausbau von Community-Formaten und die Nutzung von Plattformen wie TikTok im Lokaljournalismus.

6. Geheime TikTok-Deals enthüllt: Das dreckige Geschäft mit der Aufmerksamkeit
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 30:25 Minuten)
Mats Schönauer enthüllt mutmaßlich illegale Marketingpraktiken und Schleichwerbekampagnen, die sich gezielt an Jugendliche auf TikTok und anderen Plattformen richten: “Ich habe exklusiv Zugriff auf Dokumente bekommen, die zeigen, wie Unternehmen mit Schleichwerbung und Algorithmus-Manipulation die Plattformen und Communities täuschen.” Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

Jugendwort des Jahres, Heimat der Heuschrecke, Buchvorschüsse

1. Hände weg vom IFG!
(freischreiber.de)
Auch die Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, haben einen Offenen Brief zu den von der Bundesregierung geplanten Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) unterzeichnet: “Sollten die Regierungspläne wie geplant umgesetzt werden, würde Millionen Bürger:innen sowie Journalist:innen und Organisationen das Recht auf Informationsfreiheit verwehrt. Darunter leiden werden: faktenbasierte Berichterstattung, öffentliche Kontrolle, das zivilgesellschaftliche Engagement sowie das Vertrauen in die Politik. Die Demokratie braucht ein starkes IFG!”

2. Wir gehen crashout, wenn Sie diesen Artikel über das Jugendwort des Jahres nicht lesen
(derstandard.at)
Der Langenscheidt-Verlag habe die zehn Finalisten für das deutsche Jugendwort des Jahres 2026 bekannt gegeben. Neben Dauerbrennern wie “Digga” und Ausdrücken wie “Peak”, “Crashout” oder “Schere” hätten es auch Phänomene wie “Gute Käse”, der TikTok-Trend “67” und politische Kampagnengriffe in die Auslese geschafft. Das Wort “Mehrzweckeier” sei wegen beleidigender Bezüge zu Bundeskanzler Friedrich Merz jedoch vom Verlag ausgeschlossen worden. Dazu ein weiterer Lesetipp: Langenscheidt, leck Eier!: “Denkt der Verlag, Jugendsprache ist nicht politisch? Peinlich.” (taz.de, Johannes Drosdowski)


3. Million-Dollar-Baby: Literaturagent Thomas Montasser über die Frage, wie Manuskripte bewertet werden
(buchmarkt.de, Thomas Montasser)
In einem Gastbeitrag lüftet der Literaturagent Thomas Montasser die Logik hinter der Bestseller-Branche und erklärt, warum Buchvorschüsse wenig mit literarischer Qualität zu tun haben. Ausschlaggebend sei primär die betriebswirtschaftliche Verkaufserwartung der Verlage, die wiederum stark von Marketing-Investitionen, Spitzentitel-Platzierungen und früheren Verkaufserfolgen beeinflusst werde. Montasser zeigt auf, wie Algorithmen im Buchhandel diesen Mechanismus noch verstärken.

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4. In der Heimat der Heuschrecke
(kontextwochenzeitung.de, Von Josef-Otto Freudenreich)
Josef-Otto Freudenreich kritisiert den Expansions- und Sparkurs der Ulmer “Neuen Pressegesellschaft”, die beachtliche Teile der baden-württembergischen Presselandschaft unter sich vereint habe: “Die Ulmer ‘Südwest Presse’ feiert sich als Hort des Qualitätsjournalismus. Und mit ihr Minister Manuel Hagel (CDU). Dabei wird immer klarer, dass der neue Monopolist eher auf Kahlschlag und Zombie-Zeitungen setzt.”

5. Die digitale TV-Revolution begann mit einem Fehlschlag
(dwdl.de, Alexander Krei)
Vor 30 Jahren habe Medienmogul Leo Kirch mit DF1 das erste digitale Fernsehen Deutschlands an den Start geschickt und damit unwissentlich den Niedergang seines eigenen Imperiums eingeleitet. Fehlende Exklusivrechte, teure Hardware und eine geringe Zahlungsbereitschaft des Publikums hätten dem Projekt Milliardenverluste beschert. Erst nach der dramatischen Kirch-Insolvenz und Jahre nach der Fusion mit Premiere (heute Sky) habe sich die Digitalisierung des Fernsehens schleppend durchgesetzt.

6. Blogger tyrannisiert: Ebay zahlt über 50 Millionen Dollar
(handelsblatt.com)
Nach jahrelanger juristischer Auseinandersetzung zahle der US-Online-Konzern Ebay im Rahmen eines Zivilvergleichs mehr als 50 Millionen US-Dollar Schadensersatz an ein Blogger-Ehepaar aus Massachusetts sowie an gemeinnützige Organisationen. Grund dafür seien schwere Einschüchterungs- und Belästigungsaktionen ehemaliger Sicherheitsmitarbeiter, die den Verfassern eines kritischen Newsletters lebendige Kakerlaken, einen Trauerkranz sowie eine mit Kunstblut verschmierte Schweinemaske per Post zugeschickt hätten. Auch der damalige Ebay-Chef, der das Vorgehen angeregt habe, zahle drei Millionen US-Dollar an die Betroffenen und eine Medienfreiheitsstiftung.

KW 29/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

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1. Berichten über Rechtsaußen: Wie covert man die AfD?
(youtube.com, Maria Exner, Video: 1:16:23 Stunden)
Im Interview mit Maria Exner von Publix berichtet “Spiegel”-Politikredakteurin Ann-Katrin Müller über ihren von massiven Sicherheitsmaßnahmen geprägten Alltag als AfD-Reporterin. Die extreme Rechte nutze kritische Journalistinnen und Journalisten gezielt als Feindbild und werfe sie der eigenen Anhängerschaft “zum Fraß vor”. Dass ihr dennoch regelmäßig exklusive Enthüllungen gelingen, liege an den brutalen internen Machtkämpfen der Partei: “Die hassen sich untereinander mehr als mich.” Müller kritisiert zudem die sprachliche Verharmlosung in den Leitmedien. Der Begriff “rechtspopulistisch” greife längst zu kurz, die AfD sei eine rechtsextreme Partei.
Weiterer Gucktipp: Melanie Amann – Müssen wir anders mit der AfD umgehen?: “Brauchen wir den klassischen Journalismus überhaupt noch, wenn Podcaster mit stundenlangen Höcke-Interviews ein Millionenpublikum erreichen? Melanie Amann, Chefredakteurin Digital der Funke Mediengruppe und langjährige ‘Spiegel’-Journalistin, stellt sich im Podcast ‘Zwischen den Zeilen’ bei Bettina Böttinger der existenziellen Krise ihrer Branche.” (youtube.com, Bettina Böttinger, Video: 1:11:58 Stunden)

2. Wen erreichen Newsfluencer und News Creator und warum?
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 44:01 Minuten)
Laut der deutschen Teilstudie des Digital News Report 2026 des Reuters Institute (PDF) nutzen 13 Prozent der erwachsenen Internetuser in Deutschland Inhalte von sogenannten Newsfluencern oder News Creatoren. Bei den 18- bis 24-Jährigen seien es sogar 30 Prozent. Im Podcast “BredowCast” betonen Julia Behre und Sascha Hölig, dass diese Internet-Persönlichkeiten klassische Nachrichtenangebote nicht ersetzen, sondern vielmehr das Spektrum stark nachrichteninteressierter Menschen erweitern würden. Das Vertrauen in etablierte Medien leide durch die Nutzung nicht. Ausschlaggebend für den Erfolg von Newsfluencern seien andere Nutzungsmotive: Ihre Inhalte würden oft unterhaltsamer, verständlicher und leichter zugänglich wirken.

3. Entertainment und zu viele Experten: Die Medienbilanz der Fußball-WM
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 27:16 Minuten)
Das Magazin “BR24 Medien” zieht eine kritische Medienbilanz der fünfwöchigen Fußball-Weltmeisterschaft. Trotz massiver politischer Zündstoffthemen abseits des Rasens hätten Medien das von FIFA-Chef Gianni Infantino forcierte Superlativ-Narrativ bereitwillig bedient. Statt investigativer Tiefe habe in der Berichterstattung die reine Event-Inszenierung dominiert. Kritisiert wird zudem eine regelrechte Inflation an Studio-Expertinnen und -Experten, die kaum Mehrwert böten, sowie ein zur Unterhaltung neigender Sportjournalismus, der sich zum PR-Verlängerungsarm der FIFA-Interessen mache.

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4. Lokal ist nicht egal! (mit Dennis Rink)
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 1:05:52 Stunden)
“Wer verstehen will, wie Demokratie funktioniert, muss nicht nach Berlin schauen. Oft reicht ein Blick vor die Haustür, in den Stadtrat, in die Ortsbeiräte um die Ecke. Genau dort entsteht Politik, die die Menschen im Alltag betrifft. Doch wer berichtet darüber? Wer schaut den Verantwortlichen auf die Finger? Und wer macht Themen sichtbar, die sonst kaum jemand bemerken würde?” Darüber sprechen die “Medienversteher” Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer mit Dennis Rink, dem Chefredakteur Rheinland-Pfalz VRM (“Allgemeine Zeitung” und “Wormser Zeitung”).

5. Wie gefährlich ist Social Media für Kinder, Herr Korte?
(youtube.com, Alexander Armbruster & Carsten Knop, Audio: 33:37 Miniten)
Im “FAZ”-Podcast “Digitalwirtschaft” fordert der Neurobiologe Martin Korte ein klares Alterslimit für Soziale Medien und unterstützt die Verbotspläne der EU. Bei Kindern unter zwölf Jahren zeige die Bildschirmzeit ausschließlich negative Effekte auf Sprachkompetenz und Gefühlsverarbeitung. Zudem sei das jugendliche Gehirn in der Pubertät durch den Umbau des Stirnlappens extrem anfällig für digitale Suchtreize. Plattformen wie TikTok oder Instagram würden ihre Produkte bewusst so designen, dass das Belohnungssystem getriggert werde. Korte plädiert neben einer strikten Alterszulassung für Software vor allem für die Vorbildfunktion der Eltern.

6. Hermine trifft Jesse Pinkman: Deutsche Stimmen im Talk
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 1:04:44 Stunden)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” von Charles Rettinghaus machen die Synchronsprecher Gabrielle Pietermann (deutsche Stimme von Emma Watson/Hermine, Selena Gomez, Emilia Clarke) und Marcel Collé (deutsche Stimme von Ashton Kutcher, Aaron Paul/Jesse Pinkman) Front gegen die umstrittenen KI-Klauseln von Streaming-Giganten wie Netflix. Collé stellt klar, dass es für ihn “keine angemessene Vergütung gibt, sich selbst abzuschaffen”, und lobt die aktuelle Haltung und den Zusammenhalt innerhalb der Sprechergemeinschaft, die das Unterschreiben dieser Verträge größtenteils verweigere. Neben der Branchenpolitik geht es in der Episode auch um die Anfänge der beiden im Studio sowie um skurrile Anekdoten um “Harry Potter” und “Two and a Half Men”.

Nachrichtendienstrecht, “Berliner Appell”, Streit um Merz-Zitate

1. Schutz von Journalisten unzureichend
(djv.de, Hendrik Zörner)
Gemeinsam mit weiteren Medienverbänden warnt der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) vor erheblichen Lücken beim Schutz von Journalistinnen und Journalisten im neuen Referentenentwurf zur Reform des Nachrichtendienstrechts. Zwar sei die Einführung eines Schutzes für Berufsgeheimnisträger grundsätzlich zu begrüßen, dieser bleibe für Medienschaffende jedoch im Gegensatz zu Geistlichen, Anwälten oder parlamentarischen Abgeordnete nur relativ. “So notwendig die Anpassung des Nachrichtendienstrechts an die digitale Entwicklung sein mag, so wichtig ist der Schutz der Medienschaffenden und ihrer Informanten”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. Die komplette Stellungnahme gibt es hier (PDF).

2. “Ohne freie Presse keine freie Gesellschaft”
(medien.epd.de)
Rund 350 deutsche Presseverlage hätten im “Berliner Appell” des Medienverbandes der freien Presse ein medienpolitisches Sofortprogramm gefordert. Um die verfassungsrechtlich garantierte Pressefreiheit zu sichern, würden die Verlage von Bund und Ländern konkrete Entlastungen sowie Urheber- und Vergütungsrechte gegenüber generativer KI verlangen. Zudem plädiere der Verband für eine Modernisierung des Pressekartellrechts zur Erleichterung von Kooperationen sowie für eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Presseprodukte auf null Prozent.

3. Kanzler Merz nennt es Hintergrundgespräch – die WP widerspricht
(wp.de, Martin Korte)
Ein lokaler Pressetermin von Bundeskanzler Friedrich Merz im Sauerland sorge für Streit über die Zitatfreigabe. Die “Westfalenpost” kritisiert, dass Journalistinnen und Journalisten ihre wörtlichen Zitate vorab dem Bundespresseamt vorlegen sollten, obwohl das Gespräch als “unter eins”, also uneingeschränkt zitierfähig, deklariert gewesen sei. Während Merz bei seiner Sommerpressekonferenz entgegnet habe, es habe sich um ein “Pressehintergrundgespräch” gehandelt, widerspricht die Zeitung vehement. Der Termin sei als normales Pressegespräch ausgewiesen gewesen. Außerdem habe der Kanzler am Ende sogar offizielle O-Töne vor Kameras und Mikrofonen gegeben, was eine nachträgliche Autorisierung widersinnig mache.

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4. Der ukrainische Journalismus zwischen Krieg, Reform und Überleben
(de.ejo-online.eu, Oleksandra Yaroshenko)
Der ukrainische Journalismus stehe im Krieg vor extremen Herausforderungen, schreibt die Medienwissenschaftlerin Oleksandra Yaroshenko. Zwar würden Reformen den früheren Oligarchen-Einfluss zurückdrängen, doch die Pressefreiheit leide. Die kollaborative Sendeinitiative “United News Marathon” gerate wegen mangelnder Meinungsvielfalt in die Kritik, eine schwere Wirtschaftskrise treibe Redaktionen in den Ruin. Zudem wandere das Publikum rasant zu intransparenten, oft anonymen Telegram-Kanälen ab. Yaroshenkos Fazit: “Zuverlässiger Journalismus bleibt eine der wichtigsten Ressourcen, die der ukrainischen Gesellschaft in Kriegszeiten zur Verfügung stehen.”

5. Liebes-Aus? Reiche und zu Guttenberg gehen gegen “Bunte” vor
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Unternehmer Karl-Theodor zu Guttenberg würden sich juristisch gegen eine exklusive Titelstory des Klatschmagazins “Bunte” wehren. Das Blatt habe unter der Überschrift “Liebes-Aus nach 2 Jahren Glück” behauptet, das Paar habe sich getrennt. Medienanwalt Christian Schertz weise die Berichterstattung im Namen seiner Mandanten als völlig haltlos zurück. Man fordere nun einen prominent platzierten Widerruf auf der Titelseite sowie ein vollständiges Verbot der Falschmeldung.

6. Ausgangssperre auf Social Media für 16-Jährige? Britische Regierung plant Regelung
(spiegel.de)
Die britische Regierung plane nach dem bereits angekündigten Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weitere Einschränkungen für Jugendliche: Für 16- und 17-Jährige solle künftig eine Art nächtliche Online-Ausgangssperre zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens gelten, um deren Schlaf zu schützen. Zudem sollen suchterzeugende Funktionen wie das endlose Scrollen standardmäßig deaktiviert und die Nutzung von KI-Chatbots für Minderjährige durch Pflichtpausen eingeschränkt werden.

7. Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Sommerpressekonferenz
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:46 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die gestrige Sommerpressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz. Gefragt wurde zu allem, innen wie außen. Merz kam mit frischen Reformbeschlüssen, aber auch mit der Weltlage. Bemerkenswert war diesmal vor allem, wann er Antworten auf die Fragen der anwesenden Journalistinnen und Journalisten hatte und wann nicht.

KW 27/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

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1. Türkei: Pressefreiheit unter Druck
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 25:19 Minuten)
Benjamin Weber, Türkei-Korrespondent der ARD, und Christiane Schlötzer, ehemalige Türkei-Korrespondentin der “Süddeutschen Zeitung”, zeichnen bei “BR24 Medien” ein düsteres Bild der Pressefreiheit in der Türkei. Im Vorfeld des anstehenden NATO-Gipfels in Ankara sei es erneut zu einer Festnahmewelle von Journalisten und willkürlichen Akkreditierungsverweigerungen gekommen. Kritisiert wird auch das Verhalten der EU und der Bundesregierung, die die anhaltenden Menschen- und Medienrechtsverletzungen weitgehend schweigend hinnähmen.

2. Studie: Wie die “Heizungshammer”-Kampagne der BILD Mainstream wurde und das Heizungsgesetz letztlich kippte
(wochendaemmerung.de, Katrin Rönicke & Holger Klein, Audio: 21:56 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe der “Wochendämmerung” wird eine neue wissenschaftliche Untersuchung zur “Heizungshammer”-Kampagne der “Bild”-Zeitung besprochen. Ein Forschungsteam der TU Dortmund, der University of Oxford und des Öko-Instituts habe darin hunderte Artikel des Boulevardblatts zur Reform des Gebäudeenergiegesetzes aus dem Jahr 2023 analysiert. Die Studie zeige, wie das aggressive, populistische Framing der “Bild”-Redaktion das Thema emotional aufgeladen habe. Die mediale Dynamik habe schlussendlich maßgeblich zum Aus des Gesetzes im Jahr 2026 beigetragen.

3. Alte Probleme, neue Herausforderungen
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 35:45 Minuten)
Im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss” diskutieren die Investigativjournalistinnen Angelique Geray (RTL) sowie Isabell Beer und Isabel Ströh (NDR) über den Wandel ihres Handwerks. Die Grundidee, Missstände aufzudecken, sei seit den Zeiten Günter Wallraffs gleich geblieben. Die Methodik habe sich durch das Internet und Soziale Medien jedoch drastisch verändert. Bei ihren prämierten Undercover-Recherchen in rechtsextremen Jugendgruppen (“Braune Kinderzimmer”) und digitalen Vergewaltigungsnetzwerken (“Rapetapes”) gehe die digitale Arbeit im Vergleich zu früher mit neuen Risiken wie KI-Gesichtserkennung, Doxing und immensen psychischen Belastungen einher.

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4. Wo bleibt der mediale Druck auf Politiker, sich zur Klimakrise zu äußern?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:28 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast hat Holger Klein den Mitgründer des Netzwerk Klimajournalismus Jürgen Döschner zu Gast. In ihrem Gespräch geht um die “Hitzeberichterstattung”: “Wie kann das Klima auch abseits von Hitzewellen Teil der täglichen Berichterstattung werden? Warum braucht es dafür erst eine dramatische Hitzewelle? Und welche Rolle spielt ein womöglich klimamüdes Publikum?”

5. Hauptstadtjournalismus im Wandel: Zwischen Social Media und Tagesschau
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 32:56 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” hat sich Christian Jakubetz mit dem ARD-Hauptstadtkorrespondenten Philip Kuntschner unterhalten. Thema ist Kuntschners Arbeit als Politikjournalist in Berlin und sein Weg vom bayerischen Regionaljournalismus in die Hauptstadt. Es geht darum, wie Soziale Medien und die Digitalisierung den Beruf verändern, und um die Frage, wie Journalistinnen und Journalisten exklusive Geschichten finden. Außerdem sprechen die beiden über die Fragen von Haltung und professioneller Distanz.

6. Marinićs Freiheit: Nu(h)r Femizide?
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 35:23 Minuten)
Jagoda Marinić spricht in dieser Solo-Folge von “Freiheit Deluxe” über die hitzige öffentliche Debatte rund um einen geschmacklosen Witz des Comedians Dieter Nuhr, den dieser auf Kosten von Opfern von Femiziden gemacht habe. Sie analysiert, warum dieser Vorfall so heftige, emotionale Reaktionen bei Befürwortern und Kritikern auslöst: Wer hat sich durch die Kritik angegriffen gefühlt? Und was sagt die Diskussion über den aktuellen Zustand der Gesellschaft aus?

Selbst schuld, “Fatales Signal”, Essenz der Fotografie

1. Selbst schuld
(taz.de, Ambros Waibel)
Ambros Waibel kommentiert die jüngsten Entwicklungen im Journalismus: Der geschriebene Journalismus sei an seiner Verdrängbarkeit durch Künstliche Intelligenz selbst schuld, weil er ohnehin von Phrasen und vorhersehbaren Mustern lebe, die eine KI mühelos nachbilde. Bestand habe nur, wer Selbstgesehenes berichte, echte Neuigkeiten liefere oder Fakten essayistisch verknüpfe. Das aber sei teuer und müsse exklusiv vermarktet werden. Die Antworten lägen am Ende nicht in der Technik, sondern bei den Menschen, die sich fragen müssten, welchen Journalismus sie wollen.
Weitere Lesetipps: KI-Verdacht und Fehler: Holtzbrinck verdient mit Schrottbuch über “Colonia Dignidad” (msn.com/faz.net) und dju legt 5 Punkte für KI-Einsatz vor (verdi.de).

2. “Fatales Signal”
(kontextwochenzeitung.de)
“Kontext” habe sich bei einer Recherche auf einen Informanten gestützt, dessen Identität die Redaktion bewusst geheim halte. Vor Gericht hätte sie nun beweisen sollen, dass die Information echt ist. Dafür hätte sie die Quelle preisgeben müssen. Weil das “Kontext”-Team das verweigert habe, um den Informanten zu schützen, habe es den Prozess verloren. Der Bundesgerichtshof habe ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt bestätigt. Günter Wallraff, Reporter ohne Grenzen, Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband würden warnen, dass damit der Quellenschutz in Gefahr gerate, eine der wichtigsten Grundlagen des investigativen Journalismus.

3. Warum W Social mehr kalter Kaffee als heißer Scheiß ist
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter kritisiert den Start des schwedischen Netzwerks W Social, das sich als europäische Twitter-Alternative inszeniere, mit Datenhosting in Europa und Ausweispflicht ab 18 Jahren. Damit werde Identifizierungspflichten und Alterskontrollen Vorschub geleistet. Außerdem bleibe unklar, warum ein profitorientiertes Start-up mit geschlossenem Code es besser machen solle als die quelloffenen Mastodon, Bluesky und Eurosky.

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4. MDR-Programmdirektor: “Es gibt kein Ranking im Schmerz”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Im Interview spricht der seit April zurückgekehrte MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen über die jüngsten Sparmaßnahmen des öffentlich-rechtlichen Senders. Der MDR leide stärker als andere ARD-Häuser unter der ausgebliebenen Beitragsanpassung und einem demografisch schrumpfenden Sendegebiet. Deshalb pausiere man “Tatort” und “Polizeiruf 110” für drei Jahre, gebe das “Mittagsmagazin” an den NDR ab und stelle “MDR um 2” ein. Diese Einschnitte wären laut Lochthofen vermeidbar gewesen, hätten die Länder die von der KEF empfohlene Beitragserhöhung zum 1. Januar 2025 umgesetzt.

5. “Die Essenz der Fotografie ist auch Melancholie”
(dfjv.de, Ralf Falbe)
Damian Zimmermann, seit 2024 Redaktionsleiter des “fotoMAGAZIN”, spricht im Interview über die Lage der professionellen Fotografie und des Fotojournalismus. Das 1949 gegründete Heft richte sich an ambitionierte Amateure, Einsteiger und Profis und könne gegen die frei zugänglichen Inhalte im Internet nur mit Qualität und Tiefe bestehen. Angehenden Fotografinnen und Fotografen rät Zimmermann, weniger auf die Technik zu achten und vor allem das Sehen zu schulen.

6. Kulturjournalismus – kann man damit eigentlich Geld verdienen?
(freienpodcast.letscast.fm, Geraldine Friedrich & Françoise Hauser, Audio: 20:54 Minuten)
Im “Freien-Podcast” von Geraldine Friedrich und Françoise Hauser geht es um die Frage, ob man im Kulturjournalismus heutzutage finanziell überhaupt noch bestehen kann: “Wir haben uns mit dem Musikjournalisten Georg Rudiger unterhalten, wie er sich positioniert und arbeitet – und welche Tipps er Einsteigern mitgeben kann.”

In Sachen Mario Voigt, Wie die Fifa Geld macht, Weimers Eigentlichkeit

1. In Sachen Mario Voigt
(faz.net)
Die “FAZ” reagiert auf eine Recherche von “FragDenStaat”, laut der der Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) von Mitte August 2025 mit Künstlicher Intelligenz generiert worden sei, und depubliziert den Artikel: “Wir veröffentlichen heute und auch künftig keine Originalbeiträge mit von KI generiertem Text. Es sei denn, die Tatsache, dass der Text von KI generiert wurde, ist der eigentliche Sinn des Beitrags.”

2. Wie die Fifa Geld macht
(taz.de, Yannik Achternbosch)
Bei der heute beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft laufen nur 60 der 104 Spiele bei ARD und ZDF. Die restlichen 44 Partien seien exklusiv bei MagentaTV zu sehen. Yannik Achternbosch ordnet diese Situation als Teil des Geschäftsmodells der Fifa ein: Fernsehrechte, Sponsoring und Tickets würden dem Verband im Vierjahreszyklus Milliarden US-Dollar einbringen. Sportökonom Christoph Breuer warne, dass die Ausweitung auf immer mehr Teams und Spiele das Produkt WM auch entwerten könne. Im Kern gehe es nicht nur um Fußball, sondern um Macht: Je mehr Geld die Fifa, auch durch die TV-Gelder, einnehme und an Mitgliedsverbände verteile, desto stabiler bleibe die Machtbasis von Präsident Gianni Infantino.

3. Wolfram Weimer baut der Eigentlichkeit ein Gehäuse
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier seziert die Rhetorik von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Im Mittelpunkt des Beitrags stehen Weimers Lieblingsbegriffe “Eigentlichkeit” und “Gehäuse”, die er seit Jahren in Kolumnen, Reden und Interviews verwende, oft ohne dass klar werde, was genau damit gemeint ist. Niggemeiers Fazit: “Wolfram Weimer ist ein Großproduzent heißer, nach Intellektualität riechender Luft, und die Eigentlichkeit seines Gehäuses ist ein Gebläse.”

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4. Hauptpreis des Zentralrats der Juden: Nuhr betrüblich
(campact.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert die Verleihung des Leo-Baeck-Preises des Zentralrats der Juden an Dieter Nuhr. Der Preis gilt als höchste Auszeichnung des Zentralrats und soll Persönlichkeiten ehren, die sich besonders für jüdisches Leben einsetzen. Meisner stellt infrage, ob Nuhr dafür geeignet ist. Zwar positioniere er sich deutlich gegen Antisemitismus, zugleich bediene er nach Ansicht vieler Kritiker rassistische, anti-woke und antiliberale Ressentiments.

5. Der Pudding wird uns auf die Füße fallen
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Beim Blick auf die politische Debatte über verpflichtende Alterskontrollen im Internet sieht Sebastian Meineck gleich mehrere Probleme: Ausweis-Apps würden Menschen ohne passende Dokumente oder Geräte ausschließen, robuste Kontrollen die Privatsphäre gefährden und Sperren sich über VPN oder Tor umgehen lassen. Statt einer scheinbar perfekten Altersverifikation fordert Meineck eine ehrlichere Debatte über die Zielkonflikte. Strenge Alterskontrollen könnten sonst zum Grundstein eines digitalen Kontrollapparats werden.

6. Bildmarkt ächtzt unter KI-Entwicklung
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Susanne Stracke-Neumann fasst die Ergebnisse der Umfrage “Image Market – Business Trends” (PDF) der Hochschule Hannover zusammen und zeigt, wie stark der Bildmarkt durch Künstliche Intelligenz unter Druck gerät. Auf Auftraggeberseite steige die Nachfrage nach derartigen Bildern. Als Gründe nennten Käufer die kreativen Möglichkeiten, vor allem aber Kosteneinsparungen. Die Studie zeige zudem stagnierende Honorare, einen Gender-Pay-Gap und große Skepsis gegenüber KI-Training: Über 90 Prozent der Kreativen würden es ablehnen, ihr Material dafür zur Verfügung zu stellen.

KI in der Staatskanzlei?, “Correctiv” antwortet Lanz, Film brennt gut

1. “Ich trete in das Vermächtnis eines Anspruchs”
(fragdenstaat.de, Aiko Kempen & Jonathan Peaceman)
“FragDenStaat” wirft Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt vor, Künstliche Intelligenz nicht nur in einem umstrittenen “Welt”-Gastbeitrag, sondern offenbar auch bei zahlreichen Reden und Artikeln eingesetzt zu haben. Eine Auswertung lege nahe, dass mehrere Texte aus Voigts Amtszeit zu großen Teilen oder vollständig KI-generiert seien. Problematisch sei vor allem die fehlende Kennzeichnung, denn eine Thüringer Dienstanweisung sehe bei wesentlich KI-generierten Texten Transparenz vor.

2. “Journalismus ist das nicht – Bambi für Ronzheimer hin, Freiheits-Gerede von Döpfner her”
(bsky.app, Janosch Dahmen)
Bei Bluesky erhebt der Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen (Die Grünen) schwere Vorwürfe gegen wichtige Springer-Protagonisten und deren politisches Umfeld. Dahmen beschreibt Springer als Macht- und Einflussnetzwerk, das angeblich eine schwarz-blaue Option aus Union und AfD vorbereite. Als Beispiele nennt er persönliche Verbindungen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und dem stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer mit verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Akteuren sowie eine unkritische oder interessengeleitete Berichterstattung (hier der Thread übersichtlich auf einer Seite).

3. “Kauf kein Kack”, aber kauf (bei Amazon)!
(uebermedien.de, Martin Rücker)
Der “Übermedien”-Text von Martin Rücker nimmt den “Bild”-Kaufberater unter die Lupe. Die Redaktion inszeniere die Produkttests als unabhängige Verbraucherberatung, baue daraus aber zugleich ein lukratives Affiliate-Geschäft auf. Rücker erkennt durchaus ernsthafte Testverfahren, kritisiert aber die Grauzone zwischen journalistischer Prüfung und Kaufanreiz. Besonders problematisch werde es, wenn “Bild” Produkte empfehle, ohne grundsätzlich zu fragen, ob der Kauf überhaupt sinnvoll sei.

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4. Stellungnahme von Correctiv
(instagram.com, Justus von Daniels)
Vor drei Tagen haben wir in unseren “Hör- und Gucktipps zum Wochenende” das Gespräch von Markus Lanz und Richard David Precht über “Aktivismus vs. Journalismus” verlinkt. Dort ging es auch um die Potsdam-Recherche von “Correctiv”, die von Lanz angezweifelt wird; er sei “auf die Recherche reingefallen”. Bei Instagram erklärt “Correctiv”-Chefredakteur Justus von Daniels nun das große Ganze und spricht darüber, warum die “Correctiv”-Einordnung aus seiner Sicht zutreffend sei.

5. RiffReporter in eigener Sache: Neues Crowdfunding soll das Überleben sichern
(riffreporter.de)
Wie die “Riffreporter” in eigener Sache berichten, habe man eine Insolvenz nur durch drastische Sparmaßnahmen abwenden können. Bis zum 13. Juli dieses Jahres soll nun eine Finanzierungslücke geschlossen werden, die man über eine Crowdfunding-Aktion füllen wolle: “Das Crowdfunding verfolgt mehrere Finanzierungsziele. Bereits mit 50.250 Euro könne der laufende Betrieb abgesichert werden. Weitere Mittel sollen in Marketingmaßnahmen fließen, Sichtbarkeit und Reichweite steigern und dabei helfen, bestehende Formate wie Podcasts und Newsletter weiterzuentwickeln.”

6. Film brennt gut
(taz.de, Valérie Catil)
Die Debatte um problematische Filmszenen ende nicht bei Wim Wenders’ “Falsche Bewegung” und der Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski. An Beispielen wie Alejandro Jodorowskys “El Topo” und Bernardo Bertoluccis “Der letzte Tango in Paris” zeigt Valérie Catil, dass reale Übergriffe, Demütigungen oder nicht abgesprochene Gewalt am Set teils als Kunst konserviert und später kanonisiert wurden. Catil wendet sich gegen die Vorstellung, das Entfernen solcher Szenen sei automatisch Zensur oder Kulturrevision.

Vor den Bus geschubst, Klimakrise schön geredet, Influencer-Aufnahmen

1. “Wir sollten nicht fürchten müssen, vor den Bus geschubst zu werden”
(netzpolitik.org, Chris Köver)
Im Interview mit netzpolitik.org schildert Josephine Ballon von der Organisation HateAid, welche Folgen das von den USA verhängte Einreiseverbot gegen sie und ihre Co-Geschäftsführerin habe. Das US-Außenministerium werfe ihnen Zensur gegen US-Plattformen vor, obwohl HateAid als Trusted Flagger offiziell im Rahmen des europäischen Digital Services Act (DSA) arbeite. Ballon fordert mehr praktische Unterstützung durch Bundesregierung und EU sowie eine entschiedene Durchsetzung des DSA gegenüber großen Plattformen.

2. Wird die Klimakrise plötzlich doch nicht so schlimm?
(bsky.app, Lobbycontrol)
Auf Bluesky fragt der Verein Lobbycontrol in einem Erklärthread: “Wird die Klimakrise plötzlich doch nicht so schlimm? Genau diesen Eindruck erweckt derzeit eine Kampagne, die mit verzerrten Darstellungen in die Irre führt. Und wieder mit dabei: WELT-Redakteur Axel Bojanowki und die frühere CDU-Politikerin Kristina Schröder.”

3. Katapult MV: Die Stimme für den Norden
(verdi.de, Claudia Krieg)
Patrick Hinz, Chefredakteur von “Katapult MV”, beschreibt das Regionalmedium als kritische Ergänzung zur dünnen Medienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Im Fokus stehe besonders die AfD, deren kommunale Strukturen und Wahlkampfversprechen man datenjournalistisch einordnen wolle. Hinz kritisiert, dass viele lokale Medien zu unkritisch über die AfD berichten würden und so zu deren Stärke beitrügen.

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4. Achtung, Influencer: Wann sind öffentliche Aufnahmen rechtskonform?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha erklärt, wann öffentliche Aufnahmen für Social Media, TV oder Radio rechtlich zulässig sind. Anlass sind Influencer-Formate wie “Streichbruder”, bei denen fremde Menschen in Zügen oder auf der Straße ungefragt Teil von Videos würden. Der Text macht deutlich: Sobald Privatpersonen erkennbar im Mittelpunkt stehen oder aktiv einbezogen werden, braucht es in der Regel eine Einwilligung.

5. Demokratieförderung 3.0
(npj.news, Leif Kramp)
Leif Kramp argumentiert in seinem Text, dass Journalismus stärker als Teil der Demokratieförderung verstanden werden müsse. Programme wie “Demokratie leben!” würden zwar Bildung, Beteiligung und Extremismusprävention fördern, aber weitgehend ausblenden, dass Demokratie auch eine funktionierende lokale Öffentlichkeit brauche. Angesichts schrumpfender Lokalmedien und wachsender “Nachrichtenwüsten” plädiert Kramp dafür, Journalismus, Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung und digitale Plattformen gemeinsam als “kommunikative Infrastruktur” zu fördern.

6. Wie mich der Eurovision Song Contest kaufen wollte
(taz.de, Anastasia Zejneli)
Anastasia Zejneli schildert selbstironisch, wie schwer beim Eurovision Song Contest (ESC) in Wien die Grenze zwischen Berichterstattung, Fan-Kultur und PR zu ziehen gewesen sei. Akkreditierte Journalistinnen und Journalisten hätten ein umfangreiches Gratis-Rahmenprogramm, Goodiebags, Sightseeing-Angebote und Einladungen bekommen: “Mehr als eine Woche lang könnte man sich theoretisch von morgens bis abends mit exklusivem ESC-Programm und dem normalen Sightseeing (alle Museumseintritte, Riesenrad fahren und Hop-on-Hop-off-Bus) kostenlos beschäftigen.”

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