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Hetze ohne Spendenquittung, AfD-Rückwärtsrudern, Fremdschämen

1. Hetze ohne Spendenquittung
(zeit.de, Christian Fuchs)
Das rechtspopulistische Blog “Journalistenwatch” muss in Zukunft ohne steuerliche Vorteile hetzen: Das Finanzamt Meißen hat dem Trägerverein die Gemeinnützigkeit entzogen. Christian Fuchs erklärt als Kenner der Materie (aktuelles Buch: “Das Netzwerk der Neuen Rechten”) die Hintergründe.

2. Die neuesten Zeitungs-Auflagen der IVW: “Bild”, “Welt” und “BamS” im freien Fall, “SZ”, “taz” und “Zeit” weitgehend stabil
(meedia.de, Jens Schröder)
Inmitten all der schlechten Nachrichten gibt es auch Erfreuliches zu berichten: Die verkaufte Auflage der “Bild”-Zeitung ist über das vergangene Jahr um 9,9 Prozent zurückgegangen, die “Bild am Sonntag” liegt 9,8 Prozent unter dem Vorjahr. Diese und viele andere Zahlen verrät Jens Schröder in seinem aktuellen Auflagen-Report bei “Meedia”.

3. Das sind die abenteuerlichsten Rechtfertigungen der AfD
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Es ist ein wiederkehrendes Muster: Zunächst machen AfD-Vertreter mit Provokationen und Tabubrüchen auf sich aufmerksam. Anschließend wird dann mit hanebüchenen Erklärungen und Rechtfertigungen pseudomäßig zurückgerudert. Sebastian Leber hat die bizarrsten AfD-Rechtfertigungen gesammelt. Lesenswert wegen der Kuriosität der Begründungen — und weil sich trotz all der Einzelfallartigkeit ein System dahinter abzeichnet.

4. Das Antike an Sozialen Medien: Hervorragende Reden gehen viral
(blog.zhaw.ch, Daniel Perrin)
Wer Grundeinsichten der klassischen Rhetorik verstanden hat, kommuniziert besser, findet der Linguist Prof. Dr. Daniel Perrin. Dies sei in der Antike so gewesen und gelte auch in der Zeit von Facebook, Twitter und Youtube. Im eingebetteten SRF-Interview verrät der Professor (auf Schweizerdeutsch) die Zauberformel für gutes(s) Reden.

5. Kevork Almassian: Ein “Flüchtling” im Auftrag der AfD
(disorient.de, Sascha Ruppert)
Der AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier hat einen Syrer als Social-Media-Beauftragten eingestellt. Mit Hintergedanken, wie Sascha Ruppert glaubt: “So können sie Almassian als Insider mit speziellen Fakten über die Ursachen der sogenannten Flüchtlingskrise präsentieren, der als “legaler Flüchtling” aufgrund seiner unterstützenden Haltung gegenüber Bashar al-Assad von den deutschen Medien verhetzt wird. Er kann als der Syrer dargestellt werden, der die vermeintlichen Lügen aufdeckt, welche die deutsche Regierung ihrer Bevölkerung über den Syrienkrieg erzählt.”

6. Welt-Moderator ganz durch den Wind
(uebermedien.de, Video: 2:51 Minuten)
Zum Schluss noch eine Mutprobe: Wer diesen circa dreiminütigen Zusammenschnitt der “Welt”-Nachrichten-Moderation übersteht, ohne vor Fremdscham einzugehen, ist wirklich hartgesotten. Aber nicht zwischendurch wegschauen oder sich die Ohren zuhalten!

Enthemmter Maaßen, Gabalier, Manipulationsmaschine Smopo

1. Der enthemmte Maaßen zeigt, wie gefährlich der Verfassungsschutz ist
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wer sich das Tweetverhalten des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen ansieht, kommt aus dem Staunen nicht raus. Maaßen agiert dort wie ein rechter Troll — oder um es in den Worten von Markus Reuter zu sagen: “Maaßen ist der geheimdienstgewordene Sarrazin der Christdemokraten, der Matussek unter den Schlapphüten, eine Erika Steinbach mit Nickelbrille.” Reuter weist mit Beispielen nach, dass Maaßen nicht erst nach seinem Abgang aus dem Amt zum strammen Rechten wurde. Sein Resümee: “Die Vorgänge um Hans-Georg Maaßen führen ein weiteres Mal vor Augen, dass der sogenannte Verfassungsschutz die gefährlichste Behörde des Landes ist: Sie will auf dem rechten Auge nicht nur nichts sehen, sondern ist aktiv in die Unterstützung rechter Strukturen und in die Morde des NSU verstrickt. Sie ist ein Instrument zur Diskreditierung aller möglichen politischen Strukturen — nur gegen Rechtsextreme zeigt sich der Verfassungsschutz immer wieder unfähig.”

2. Kommentar: Gabalier als Brückenbauer zur Neuen Rechten
(nordbayern.de, Sebastian Gloser)
Am Wochenende war der österreichische Sänger von volkstümlicher Musik Andreas Gabalier in Nürnberg zu Besuch und füllte dort das Stadion mit rund 50.000 Menschen. Der Redakteur der “Nürnberger Nachrichten” Sebastian Gloser hat sich das Alpenspektakel angesehen und erklärt, was er an dem “Volks-Rock’n’Roller” problematisch findet. Zum Beispiel Gabaliers Wortwahl und Weltbild, das dem der Neuen Rechten ähnele: “Der 34 Jahre alte Gabalier gibt vor, die Welt seiner Kindheit zu glorifizieren, allerdings beschreibt er viel eher ein Rollenbild aus den 1950er Jahren. Männer sind harte Arbeiter und vor Kraft strotzende Böcke, Frauen dagegen “Zuckerpuppen” oder “Rehlein”, die sich darauf beschränken, hübsch auszusehen und den Männern schöne Augen zu machen.” Gloser schließt mit den Worten: “Seine Heimat zu lieben, ist kein Verbrechen, im Falle von Gabalier funktioniert der Begriff aber vor allem als Ausgrenzung. Das ist das Problem an seiner kleinen, steilen, heilen Welt.”

3. Fake news! Wie eine Schweizer Plattform der AfD in die Hände spielt
(storytelling.blick.ch, Simon Huwiler)
“Diese Onlinezeitung ist keine der üblichen Meinungsseiten am rechten Rand, wie sie sich zu Tausenden im Internet tummeln. Die Smopo ist eine gut geölte Manipulationsmaschine, entwickelt, um die westliche Gesellschaft zu stören und ihr ein rechts gerichtetes Weltbild aufzustülpen. Gesteuert aus einem Dorf auf der sankt-gallisch-appenzellischen Grenze.” Simon Huwiler hat eine lesenswerte und aufwändig aufbereitete Reportage verfasst, in der er die raffinierte Vorgehensweise nachweist. Mit allerlei zusammenkopierten Belanglosigkeitsartikeln wolle sich die Seite das Image eines halbwegs seriösen Medienportals geben. Dazwischen eingestreut: Hass, Hetze und Häme.

4. “Sonst ist Feierabend”
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
Die “Süddeutsche Zeitung” hat sich mit dem Chefredakteur der “Sächsischen Zeitung” Uwe Vetterick über die Digitalstrategie seines Haues unterhalten. Die Hinwendung zum Digitalen hat ihre Gründe: “Wir haben noch eine hohe Auflage, noch ein gutes Geschäft, das aber ist strukturell rückläufig. Wer (sic) verlieren zwischen drei und viereinhalb Prozent pro Jahr. Das an sich wäre noch nicht dramatisch. Dramatisch sind die erheblich wachsenden Kosten im Vertrieb. Zum Teil getrieben durch Mindestlohn, zum Teil haben sie mit dem Markt zu tun: Die Stückkosten der Zustellung steigen, wenn die Auflage sinkt. Damit müssen wir umgehen.”

5. Falsche Eisbären-Expertin und «Breitbart»-Journalist in der Klima-Beilage der «Weltwoche»
(watson.ch, Christoph Bernet)
Die Schweizer “Weltwoche” hat eine 34-seitige Klima-Beilage (“Lehrmittel”) herausgegeben, mit der sie die “ungesunde Diskussion” über den Klimawandel öffnen und versachlichen wolle. Von einer Versachlichung kann man jedoch nicht unbedingt sprechen, wenn man den Ausführungen von Christoph Bernet folgt: Viele der Artikel stammen von äußerst fragwürdigen Experten oder stützen sich auf falsche Informationen.

6. Fangen Sie einfach an
(fachjournalist.de, Philipp Barth)
Vielen Journalisten, Autoren und Schriftstellern fällt der Einstieg in die Arbeit schwer. Wie überwindet man Blockaden und wehrt sich gegen das Aufschieben? Der Autor Philipp Barth gibt einige handfeste Tipps. Kompakt und ohne Geschwafel zusammengefasst und eine Empfehlung für die persönlichen Bookmarks.

Poschardt und VW-Diess im Bett, #RapToo, Umarmungen für Wiglaf

1. Die Auflagen-Bilanz der größten 82 Regionalzeitungen: Tagesspiegel einziger Gewinner dank E-Paper
(meedia.de, Jens Schröder)
Der Auflagenschwund der deutschen Lokal- und Regionalzeitungsbranche hat sich auch im ersten Quartal 2019 fortgesetzt: 81 Verlierer und lediglich ein Gewinner, so lautet die aktuelle Bilanz. Besonders übel hat es die Boulevardblätter erwischt mit einem Minus von teilweise über 20 Prozent (“Express”) im Vergleich zum Vorjahr. Jens Schröder führt alle Zahlen auf und kommentiert bemerkenswerte Entwicklungen.

2. Ein Schritt in Richtung #RapToo
(taz.de, Carolina Schwarz)
Die aktuellen Gewaltvorwürfe gegen einzelne Rapper könnten Auswirkungen auf die sonst eher unkritische Rap-Berichterstattung haben. Carolina Schwarz hat sich angeschaut, wie Musikblogs und andere Medien aus der Szene mit der Thematik umgehen.

3. Im Bett mit Herbert
(kontextwochenzeitung.de, René Martens)
Am 7. Mai überließ die “Welt” ihr Blatt dem VW-Konzern. An diesem Tag fungierte Herbert Diess, der Vorstandsvorsitzende von VW höchst offiziell als Chefredakteur neben Ulf Poschardt. Man möchte weinen, findet René Martens: “Dass sich die “Welt” mit Herbert Diess ins Bett gelegt hat, ist (…) nur konsequent — es ist aber auch Ausdruck einer generell problematischen Entwicklung im Journalismus. Die Grenzen zwischen klassisch redaktionellem Inhalt und Werbung verschwimmen vielerorts, etwa bei Beilagen zu Themen wie Gesundheit oder Reise, die dann als “Verlagsspezial” oder “Verlags-Sonderveröffentlichung” ausgewiesen werden.”

4. Die Lokalzeitung: “Das letzte Lagerfeuer in einer unüberschaubaren Welt”
(fachjournalist.de)
Marc Rath ist der Chefredakteur der “Landeszeitung für die Lüneburger Heide” und ein überzeugter Anhänger des Lokaljournalismus. Im Interview mit dem “Fachjournalist” erklärt er die Chancen und Herausforderungen in diesem Arbeitsumfeld. Es geht unter anderem um Glaubwürdigkeit und den digitalen Wandel.

5. Podcast-Pionier Matt Lieber: Deshalb ist das Podcast-Geschäft bald mehrere Milliarden wert
(omr.com, Martin Gardt)
Matt Lieber, Podcast-Pionier und Co-Gründer des Podcast-Labels Gimlet Media, hat sein Unternehmen für kolportierte 230 Millionen US-Dollar an Spotify verkauft. Im “OMR”-Podcast erzählt er von den Schwierigkeiten des Podcast-Markts, aber auch den enormen Wachstumschancen.

6. Ein Symbolbild und die Kritik daran
(deutschlandfunk.de, Christian Röther)
Christian Röther erzählt im “Deutschlandfunk”, was schiefgehen kann, wenn man bei der Bebilderung eines Beitrags nicht ganz genau aufpasst: Für einen Beitrag über Islamische Theologie suchte er ein passend verschlagwortetes Bild aus dem Fotoarchiv heraus und stellte es online. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte.

7. Wiglaf Droste: Grönemeyer kann nicht tanzen
(youtube.com, Wiglaf Droste)
Anlässlich des Todes des Satirikers und Schriftstellers Wiglaf Droste.

Lesenswerte und berührende Nachrufe gibt es von Friedrich Küppersbusch bei der “taz”, von Hans Zippert bei der “Welt” und Arno Frank beim “Spiegel”.

Mopo-“Strategie”, Monetarisierter “Checkpoint”, Europa-Spot der NPD

1. DuMonts Mopo ändert Print-Strategie: Boulevardblatt folgt bei Zeitungsthemen den Leserinteressen im Netz
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Beim Lesen kann man fast die uninspirierte Verzweiflung spüren, mit der das Haus DuMont die gedruckte Hauptausgabe der “Hamburger Morgenpost” “stärken” will: Um den Auflagenschwund der gedruckten Zeitung zu stoppen, sollen klickstarke Geschichten aus dem Netz gefischt und für die Zeitung aufbereitet werden. Wobei sich DuMont wohl komplett aus dem Zeitungsgeschäft zurückziehen will: Seit einigen Tagen wird in Medien über den Verkauf der DuMont-Zeitungstitel spekuliert.

2. 1000 durchgeschriebene Nächte
(tagesspiegel.de, Lorenz Maroldt)
2014 gründeten Stefanie Golla und Lorenz Maroldt vom “Tagesspiegel” einen täglichen Morgennewsletter aus Berlin: den “Checkpoint”. Tausend Ausgaben später kommt nun der nächste Schritt: die Vermarktung. Ein Abo des Newsletters kostet künftig monatlich 6,99 Euro, ein Jahresabo 5 Euro im Monat. Eine gekürzte Version des Newsletters soll jedoch weiterhin kostenlos erhältlich sein. Lorenz Maroldt nutzt die Gelegenheit, auf “1000 durchgeschriebene Nächte” zurückzublicken.

3. Auf Immer­wiedersehen!
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Dorothea Wagner)
Es gibt wenig Tröstlicheres, als sich stets ­dieselben Filme und ­Serien ­anzuschauen, findet Dorothea Wagner in ihrem Artikel über das sogenannte “Comfort Bingen”. Wagner fragt: “Verlieren mit dem Comfort Binge die Serien und Filme nicht ihren Sinn? Sind Witze nicht darauf ausgelegt, dass mich ihre Pointe überrascht, und lebt Spannung nicht davon, dass ich das Ende der Geschichte nicht kenne? Jein. Der US-Autor Steven Johnson beschreibt im Buch Neue Intelligenz, dass Unterhaltungsserien so kompliziert geworden sind, dass sie einen dafür belohnen, wenn man sie sich mehrmals anschaut, weil man erst dann alle Anspielungen verstehen und die Eleganz der verschiedenen verknüpften Handlungsstränge würdigen kann.”

4. Wirken sich Antibiotika auf Herz-Kreislauf-Risiken aus? Science Media Newsreel No. 47
(meta-magazin.org)
Im Wochenrückblick des “Science Media Center” geht es um die Forschungsergebnisse, über die in letzter Zeit besonders häufig in den Medien berichtet wurde. Dieses mal: “Längere Einnahme von Antibiotika erhöht Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung” (“European Heart Journal”), aufgegriffen unter anderem von “Stern”, “Focus” und “Deutschlandfunk”.

5. VGH Hessen: Hessischer Rundfunk muss Wahlwerbespot der NPD senden
(urheberrecht.org)
Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH Hessen) hat entschieden, dass der Hessische Rundfunk (hr) einen Europawahl-Wahlwerbespot der NPD im Hörfunk senden muss. Der hr hatte die Ausstrahlung abgelehnt, weil der Werbespot den Straftatbestand der Volksverhetzung erfülle. Das Gericht sah dies anders: Die Zuschreibung krimineller Neigungen stelle noch kein “Absprechen des Achtungsanspruchs als Mensch” dar.

6. Die Freiheiten des Äthers
(deutschlandfunk.de, Kerstin Schweighöfer)
In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mögen Piratensender noch ein Thema gewesen sein. Heutzutage kann jeder einen “Radiosender” im Netz hochziehen oder sich per Podcast an die Welt wenden. Kerstin Schweighöfer erzählt in einem kurzen Abriss von den Anfängen der niederländischen Piratensender bis zur Jetztzeit.

Twitters Sperr-Wut, Kevin Kühnerts Abiturprüfung, Duell um “Motorwelt”

1. Twitter sperrt erste Accounts wegen Wahlwitzen
(golem.de, Friedhelm Greis)
Twitter hat Nutzer gesperrt, weil sie Wahlwitze mit Bezug zur AfD gemacht haben. Der bekannte IT-Rechtsanwalt Thomas Stadler wurde wegen einer drei Jahre alten Äußerung gesperrt, die er ausdrücklich mit einem Zwinkersmiley als ironisch gekennzeichnet hatte. Siehe dazu auch “Twitter sperrt meinen Account wegen eines drei Jahre alten Tweets”. Auch die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli hatte es erwischt. Siehe dazu auch: Twitter sperrte zwischenzeitlich Account von SPD-Politikerin Chebli (spiegel.de).

2. Wie sich öffentlich-rechtliche Angebote verändern
(deutschlandfunkkultur.de, Tim Wiese)
Seit dem 1. Mai gilt der neue Rundfunkstaatsvertrag, und mit ihm gelten für ARD, ZDF und Deutschlandradio neue Regeln im Netz. Texte würden auf den öffentlich-rechtlichen Portalen immer weniger eine Rolle spielen, so der Medienjournalist Daniel Bouhs. Dafür dürfen die öffentlich-rechtlichen Sender nun auch Plattformen wie Facebook, Youtube oder Instagram mit speziell dafür entwickelten Inhalten bespielen. Die Hinwendung zu den sozialen Netzwerken berge jedoch Gefahren, so Bouhs.

3. In Hamburg durchgefallen
(faz.net, Patrick Bahners)
Das Interview der “Zeit” mit dem Juso-Chef Kevin Kühnert hat wegen dessen Äußerungen zu Enteignungen für viel Aufsehen gesorgt. Patrick Bahners fragt sich, wer die Enteignungen ins Gespräch gebracht hat und kommentiert: “Es war wie eine Abiturprüfung — hier zwei unterschütterliche Routiniers, dort ein gewitzter Prüfling.”

4. Duell um die “Motorwelt”
(sueddeutsche.de, Uwe Ritzer)
Die Mitgliederzeitschrift “ADAC Motorwelt” ist mit einer Druckauflage von 14 Millionen Exemplaren Europas auflagenstärkste Zeitschrift. Der ADAC hatte bereits vor längerer Zeit Umbau- und Sparmaßnahmen angekündigt. Anscheinend soll von 2020 an der Medienkonzern Burda das Mitgliedermagazin produzieren und vertreiben. Aber auch Springer sei an dem lukrativen Deal interessiert.

5. Überfall auf Enthüllungsjournalist
(taz.de, Bernhard Clasen)
In der Ukraine ist ein Journalist von Unbekannten überfallen und schwer verletzt worden. Man vermutet einen Zusammenhang mit seinen Recherchen zum Thema Korruption städtischer Beamter. Vor drei Jahren hatte es schon den Versuch gegeben, ihn zu erschießen. Nun liegt er schwer verletzt im Koma und ringt um sein Leben.

6. Tausche Liebe gegen Geld
(zeit.de, Meike Laaf)
Die Podcastszene professionalisiert sich. Das hat Vor-, aber auch Nachteile, denn jetzt geht es auf einmal ums große Geld. Unternehmen wie Luminary und Spotify pumpen gewaltige Beträge ins System und sperren ihre Podcasts hinter Paywalls und Anmeldeschranken. Meike Lauf analysiert die Situation und erklärt die Vermarktungswege.

7. BILDblog auf der re:publica: Best-/Worst-of 15 Jahre BILDblog
(19.re-publica.com)
IN EIGENER SACHE: Wir bespielen heute Abend um 20 Uhr Stage 2 auf der re:publica in Berlin. Es wird ein wilder Ritt durch 15 Jahre “Bild”- und Boulevardbeobachtung, mit den übelsten Kampagnen, der schlimmsten Hetze und dem falschesten Katzenbenzin. Kommt gerne vorbei. Wir freuen uns auf Euch!

Glyphosat-Berichterstattung, Sinnlose Sonntagsfrage, Notgeile AfD-Werbung

1. Wie Medien mitbestimmen, was ein Risiko ist: Der Fall Glyphosat
(medienwoche.ch, Martha Kuhnhenn)
Im ersten Teil einer Serie zu aktueller kommunikationswissenschaftlicher Forschung geht es um den medialen Umgang mit dem umstrittenen Herbizid Glyphosat. Für die Kommunikationswissenschaft und den Journalismus würden sich die gleichen Fragen stellen: “Welche Akteure kommen überhaupt zu Wort? Welche Akteure haben eine zentrale Machtposition? Wessen Argumente werden von Journalisten aufgegriffen? Welche Ressourcen verhelfen Akteuren zu (Deutungs-)Macht im Diskurs?” Daher sei die Offenlegung aller Interessen bei gesellschaftlich relevanten Risiken eine Kernaufgabe des Journalismus.

2. Wöchentlich grüßt die Sonntagsfrage
(taz.de, Hanna Lohoff)
Die Ergebnisse von Wahlumfragen sind bei vielen Medien äußerst beliebt und werden gern und oft veröffentlicht. Dabei sind die Zahlen mit größter Vorsicht zu genießen. Häufig würden sie mit einer Prognose verwechselt, sind ungenau oder wegen ihrer minimalen Schwankungen schlicht nicht von Nachrichtenwert.

3. Eine AfD-Wahlwerbung und ihre notgeile Geschichte
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Der Politik- und Islamwissenschaftler Fabian Goldmann hat sich mit der Geschichte und Bedeutung des orientalistischen Gemäldes beschäftigt, mit dem die AfD in Berlin Europawahlkampf macht. Mit der Bildauswahl würden die Rechtspopulisten vor allem etwas über ihre eigenen Sex- und Gewaltfantasien verraten. Goldmanns Resümee: “(…) aus der Geschichte lernen, wie es die AfD auf ihrem Wahlplakat schreibt, lässt sich mit Gérômes “Sklavenmarkt” tatsächlich. Nicht etwas über die der arabisch-islamischen Welt. Aber darüber, wie sehr unser Blick auf den “Orient” auch noch heute von Klischees geprägt ist. Nichts über lüsterne und gewalttätige Araber. Aber darüber, wie die Sex- und Gewaltfantasien von Europäern unseren Blick auf eine großen Teil der Welt verfälschen können.”

4. Grindel kann nicht zurück zum ZDF
(faz.net)
Lange Zeit hieß es, der nach Korruptionsvorwürfen zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel könne aufgrund eines gesetzlich geregelten Rückkehrrechts wieder bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem ZDF, arbeiten. Doch nun revidierte der Sender seine zuvor vertretene Rechtsauffassung: Grindel habe kein Rückkehrrecht.

5. Empörio Amani
(zeit.de, Mely Kiyak)
“Zeit Online”-Kolumnistin Mely Kiyak beschäftigt sich mit dem Streit zwischen der Komikerin, Schauspielerin und Moderatorin Enissa Amani und der TV-Kritikerin Anja Rützel: “(…) natürlich ist die Beurteilung von Humor keine alleinige Angelegenheit von Geschmack, sondern hat Regeln und Filter. Das unterscheidet die Meinung, den Like, das Herz und den Daumen von der professionellen Kritik. Rützel sei nicht konstruktiv, klagte Amani. Auch das ist ein seltsames Missverständnis unserer Zeit. Kritik ist kein Seminar dafür, wie man etwas besser macht. Es handelt sich hier um kein DIY-Ding, es gibt auch keine Infobox. Kritik ist Kritik.”
Weiterer Lesetipp: Im “Deutschlandfunk” zeigt sich die Feuilleton-Chefin der “Süddeutschen Zeitung”, Sonja Zekri, erstaunt von Amanis “enormer Humorlosigkeit”.

6. Die Top 30 Magazine – sechs sind im Plus
(wuv.de, Susanne Herrmann)
Die neuesten Auflagenzahlen der IVW für das erste Quartal 2019 bestätigen den Abwärtstrend bei Magazinen: Von den Top 30 sind 24 im Minus und nur sechs im Plus. “W&V” zeigt die wichtigsten Gewinner und Verlierer. Besonders schlimm habe es “Stern” und “Focus” mit zweistelligen Minuswerten getroffen.

Missliebige Missbrauchs-Doku, Mächtige InfluencerInnen, Filter-Omen

1. Arte nimmt Missbrauchs-Doku aus dem Programm
(sueddeutsche.de, Benjamin Emonts)
Der Fernsehsender Arte musste eine vielbeachtete Dokumentation über Missbrauch in der katholischen Kirche (“Gottes missbrauchte Dienerinnen”) aus der Mediathek nehmen. Der Grund: Eine Person habe sich nach Angaben des Senders in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt gefühlt und eine einstweilige Verfügung erwirkt. Arte hält die Entscheidung für falsch und prüft die rechtlichen Möglichkeiten.
Weiterer Lesetipp: Matthias Drobinski hat den Film über sexuelle Gewalt gegen Nonnen für Süddeutsche.de rezensiert. Der Film habe Schwächen, doch die Stärke des Films überwiege: “Das Schweigen ist gebrochen.”

2. Neue gegen alte Mediengeneration
(taz.de, Anne Fromm)
Der Komikerin Enissa Amani passte eine Kritik bei “Spiegel Online” nicht, und so keilte sie auf ihren Social-Media-Kanälen heftig gegen die Verfasserin aus. Der öffentlich ausgetragene Streit zeigt auch die neuen Machtverhältnisse. Heutzutage haben InfluencerInnen dank hunderttausender treuer Fans viele Möglichkeiten, sich zu wehren. Amani konstruierte gar einen Kampf gegen die “Mächtigen”, zu denen sie “Spiegel Online” und “Bild” zählt. “taz”-Redakteurin Anne Fromm kommentiert: “Da tönt eine Form der Elitenkritik, die man sonst eher aus der rechten Ecke kennt. Allerdings sind “die da oben” und “wir hier unten” eben nicht mehr so leicht voneinander zu trennen, wenn man, wie Amani, bei Instagram über eine halbe Million Menschen erreicht.”
Siehe dazu auch: Am längeren Hebel (sueddeutsche.de, Quentin Lichtblau).

3. Ende einer Trolljagd – Compact-Magazin scheitert am BGH mit Nichtzulassungsbeschwerde
(kanzleikompa.de, Markus Kompa)
Für Rechtsanwalt Markus Kompa und seinen Mandanten Richard Gutjahr war 2017 ein aufreibendes Jahr: Journalist Gutjahr war ins Visier einiger besonders bösartiger und hartnäckiger Verschwörungstheoretiker geraten, mit ziemlich unangenehmen Folgen für sich und seine Familie. Nun gelang ein wichtiger juristischer Sieg gegen den Verlag des rechtsdrehenden und verschwörerischen “Compact”-Magazins, der von Kompa und Gutjahr in zwei Instanzen erfolgreich verklagt worden war. Weil das OLG Köln hiergegen keine Revision zuließ, habe der Verlag Beschwerde beim Bundesgerichtshof erhoben. Diese sei vergangene Woche vom 6. Zivilsenat des BGH als unbegründet abgewiesen worden. Ein teurer Spaß für das “Compact”-Magazin, so Kompa: “Dieser Rechtsstreit kostet die Gegenseite damit rund 25.000,- €.”

4. Netzwelt-Newsletter: Nach den Anschlägen
(spiegel.de, Sonja Peteranderl)
Nach den Terroranschlägen in Sri Lanka mit mehr als 300 Toten verhängte die Regierung eine Netzsperre und blockierte unter anderem Facebook, WhatsApp, Instagram und YouTube. Der Grund: Man wolle die Verbreitung von Hass und Falschnachrichten eindämmen. Die Blockade wurde im Netz von vielen Menschen positiv aufgenommen und gelobt. Sonja Peteranderl kommentiert: “Dass die Blockade so viel Zustimmung erhält, entspringt dem Gefühl der Ohnmacht, das sich nach globalen Hasskampagnen und live ins Netz übertragenen Anschlägen wie in Christchurch verbreitet hat. Es gibt aber keine einfache Lösung gegen Gewalt. Statt Netzwerke abzuschalten, müssen sie zu einer stärkeren Moderation des Hasses gezwungen werden. Und das bedeutet eben viel Aufwand, Arbeit und Frust, für Konzerne, Regierungen und die Zivilgesellschaft.”

5. Die Geschichten hinter der Forschung erzählen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:10 Minuten)
Beim “Deutschlandfunk” geht es um das Wissenschaftsmagazin “Science Notes”, das vor einem Jahr mit einer Startauflage von 5.000 Stück auf den Markt kam. Die Klaus-Tschira-Stiftung fördere das Magazin für mindestens zwei weitere Ausgaben. Annika Schneider ist äußerst angetan von Inhalten und Aufmachung: “‘Science Notes’ ist ein Designheft, das nicht nur zum Schmökern auf dem Sofa einlädt, sondern sich auch auf dem Couchtisch gut macht. Das dicke Papier zieren stilvolle Grafiken und außergewöhnliche Schriftarten. So will die Redaktion eine Brücke aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm mitten in die Gesellschaft schlagen.”

6. Omen für EU-Urheberrechtsreform: Uploadfilter sperren Mueller-Bericht
(heise.de, Martin Holland)
Uploadfilter des Webportals Scribd, einer Art YouTube für Dokumente, sperrten den gemeinfreien Abschlussbericht des US-Sonderermittlers Mueller. Kritiker sehen dies als weiteren Beweis für die Fehleranfälligkeit von Uploadfiltern, die nach der EU-Urheberrechtsreform bald notwendig sein dürften.

Böhmermann verklagt Merkel, Polizei interviewt sich, Zitat ohne Verstand

1. Drohung wahr gemacht: Böhmermann klagt gegen Merkel
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Jan Böhmermann verklagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Durch ihre Äußerungen in Sachen Erdogan-Schmähgedicht (“bewusst verletzend”) habe die Kanzlerin eine “juristische Bewertung” vorgenommen, die ihr nicht zugestanden und für den Satiriker “erhebliche Folgen” gehabt habe. Mitte April soll das Berliner Verwaltungsgericht entscheiden, ob die Kanzlerin ihre Worte zurücknehmen muss.

2. Polizei interviewt sich selbst
(deutschlandfunk.de, Felicitas Boeselager, Audio: 4:07 Minuten)
Immer öfter nutzt die Polizei die sozialen Netzwerke als Verlautbarungs- und Informationskanal. Ob mit kurzen Tweets oder ganzen Videobeiträgen, wie in einem aktuellen Fall in Bremen. Dort hatte die Polizei ein professionell geschnittenes Video mit Informationen und Bildern von einer Razzia im Rahmen von Clan-Ermittlungen veröffentlicht. Der Deutsche Journalisten-Verband Bremen kritisiert, dass nicht zunächst Medienanfragen bearbeitet wurden: “Wenn es Anfragen gibt von Journalisten, dann müssen die zunächst beantwortet und bedient werden. Und erst danach kann ich als Pressestelle natürlich auch mein eigenes Material drehen, für die Verwendung auf Facebook. Oder ich kann eine Pressemitteilung schreiben, keine Frage. Aber zunächst muss ich die Journalisten bedienen und darf die nicht vertrösten und dann mit meinem eigenen Material auf den Markt kommen.”
Weiterer Lesehinweis: Polizei will “sensibler formulieren”: “Seit Jahren kritisieren schwul-lesbische Verbände den Begriff “Homosexuellen-Milieu”. Die Kölner Polizei will jetzt auf den Begriff verzichten.” (taz.de, Frederik Schindler).

3. Medien-Kolumne: Willkommen in der Lokalsport-Zentrale
(kress.de, Steffen Grimberg)
Der ehemalige “taz”-Medienjournalist und frühere “Zapp”-Redakteur Steffen Grimberg schreibt ab sofort regelmäßig eine Medien-Kolumne bei “kress”. In der ersten Ausgabe geht es um den Ab- und Umbau bei der Funke Mediengruppe.

4. Wie stark hängen Psychosen mit dem Cannabiskonsum zusammen? Kann uns eingefrorenes vorpubertäres Hodengewebe vor späterer Unfruchtbarkeit schützen? Science Media Newsreel No. 42
(meta-magazin.org)
Das “Science Media Newsreel” beschäftigt sich regelmäßig mit den wissenschaftlichen Themen bzw. Studien, die Einzug in die allgemeine Berichterstattung fanden. Diesmal dabei: Eine Studie aus “Lancet Psychiatry” zur Frage, wie stark Psychosen mit Cannabiskonsum zusammenhängen. Außerdem eine zunächst bei “Science” veröffentlichte Studie zur Frage, ob eingefrorenes vorpubertäres Hodengewebe vor späterer Unfruchtbarkeit schützen kann.

5. Schmerzfrei
(sueddeutsche.de, Werner Bartens)
Stolze 4,9 Millionen Exemplare beträgt die Auflage der “Apotheken Umschau”, die zweiwöchentlich kostenlos an Kunden abgegeben wird. Nun bringt Burda mit “My Life” ein konkurrierendes Gratisheft auf den Markt. Werner Bartens hat sich das Blatt angeschaut und allerlei Unausgewogenes sowie “Ankündigungs-Prosa” entdeckt.

6. Presserat erklärt “Focus Money” die Bedeutung von Anführungszeichen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
“Wer Verstand hat, kauft Gold”: In großen Lettern titelte “Focus Money” dieses vermeintliche Zitat von Alan Greenspan. Das Problem: Sowas hat der frühere Notenbankchef weder wörtlich noch sinngemäß gesagt. Der Presserat hat dem wenig einsichtigen “Focus Money”-Chefredakteur Frank Pöpsel nun in aller Ruhe erklärt, was ein Zitat ist (Setzung in Anführungszeichen, “die gemeinhin als Konvention für wörtliche Zitate bekannt ist”) und eine Rüge ausgesprochen.

Der kranke Beauty-Wahn der “InTouch”

“InTouch”, das “junge und freche People-Magazin” aus dem Bauer-Verlag, beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit einem seiner Lieblingsthemen: dem Körpergewicht weiblicher Prominenter. “HILFE! Ich nehme nicht ab!”, lautet die Titelstory, in der die Redaktion die Körper von Sängerinnen und Schauspielerinnen bewertet und genüsslich deren “Abnehm-Fails” kommentiert.

Sängerin Lilly Allen zum Beispiel “zeigte sich mit 58 Kilo auf 1,57 Metern gerade deutlich kurviger als sonst”:

Ausriss Intouch - Lilys Abnehm-Fail

(So “kurvig” wie halt so ziemlich jeder ist, wenn er oder sie in so einer Körperhaltung fotografiert wird.)

Oder hier, Sängerin Katy Perry, laut “InTouch” vor Kurzem noch “in Bestform” — inzwischen aber mit “Bäuchlein”:

Ausriss Intouch - Katys Diät-Fail

(Wer dieses “Bäuchlein” findet, darf sich gern mit einem sachdienlichen Hinweis bei uns melden, wir suchen nämlich immer noch.)

Für die Redaktion der “InTouch” sind solche Geschichten eine Grundsäule ihres Geschäftsmodells. Immer wieder macht sie sich über die angeblichen Gewichtsprobleme weiblicher Prominenter her, unterstellt ihnen “Kilo-Krisen”, “Bikini-Panik” oder “Cellulite-Frust”.

Collage mit Intouch-Covern mit Kilo-Schock, Kilo-Krise, Kilo-Frust, Bikini-Panik, Body-Frust

In den Artikeln zeigt sie dann unvorteilhafte Fotos von den Oberschenkeln und Bäuchen der Frauen (die oft heimlich von Paparazzi aufgenommen wurden) und schreibt dazu Dinge wie: “Die 37-Jährige hat einen Marathon an Diäten hinter sich — gegen die Orangenhaut an ihren Beinen hat das nicht geholfen.” Oder: “Auf ihren aktuellen Fotos aus dem Mexiko-Urlaub sind der Grammy-Gewinnerin die Extra-Pfunde anzusehen. Sogar am Rücken hat sie Speck-Röllchen.”

Nehmen die Stars dann ab, ist das der “InTouch” aber auch wieder nicht recht.

Collage mit Intouch-Covern mit Hungern macht hässlich, Jung, schön, essgestört, Mager-Drama

Neben den Ihr-seid-zu-dick- und Ihr-seid-zu-dünn-Geschichten gibt es bei der “InTouch” noch eine dritte Kategorie von Promi-Diät-Titelstories: die mit den Wunder-Mitteln.

Collage mit Intouch-Covern mit Die neue Wunder-Pille der Stars, Die neuen Abnehm-Drinks der Stars, Der neue Diät-Tee der Topmodels

Darin bewirbt die Redaktion völlig unkritisch irgendwelche “Wunder”-Tabletten oder -Spritzen, die einen “in Rekordzeit” “schlank und schön” machen sollen.

Nur mal als Beispiel:

Ausriss Intouch - Die neue Diät-Spritze der Stars

Knackige Kurven, schmale Hüften, flacher Bauch — in Hollywood dreht sich einfach ALLES um den perfekten Body! Kein Wunder also, dass die VIP-Ladys immer wieder nach neuen Möglichkeiten suchen, um für den nächsten Red-Carpet-Auftritt ruck, zuck in Topform zu kommen.

Neuerdings spritzt sich Hollywoods Elite wie Schauspielerin Mischa Barton oder Popstar Lady Gaga das Medikament “Liraglutid” — und damit purzeln die Pfunde in Rekord-Zeit! Die Sängerin beispielsweise zeigte sich gerade in London mit einer Wahnsinns-Figur und knapp neun Kilo weniger, dank Diät-Spritze!

Googelt man das Medikament, findet man schnell Artikel, die vor dem vermeintlichen “Wundermittel” warnen. So hätten in einer Studie viele Versuchspersonen die Behandlung wegen der Nebenwirkungen vorzeitig abgebrochen:

40 Prozent von ihnen litten zum Beispiel unter Durchfall und Übelkeit. Hinzu können Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Probleme mit der Gallenblase, ein beschleunigter Herzschlag im Ruhezustand, Nierenprobleme, schwere allergische Reaktionen oder Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen kommen. Die “Diätspritze” kann außerdem zu Unterzuckerungen, also Hypoglykämien, führen, wenn sie unsachgemäß zusätzlich zu Diabetesmedikamenten eingesetzt wird. Zudem verlangsamt der Wirkstoff in der höheren Dosierung die Magenleerung und kann die Wirkung anderer Medikamenten, die den Magen schnell passieren sollen, negativ beeinflussen. Abschließend sei noch auf das erhöhte Risiko hingewiesen, Schilddrüsenkrebs zu entwickeln.

Von all dem ist in der “InTouch” nicht mal ansatzweise die Rede. Stattdessen verrät sie ihren Leserinnen und Lesern, wo genau sie dieses (über 200 Euro teure) “Schlank-Wunder” kaufen können.

Nun sind solche Geschichten — Nehmt endlich ab! Nehmt endlich zu! Kauft endlich dieses tolle Wundermittel! — auch in anderen Magazinen redaktioneller Alltag. Die “InTouch” sticht jedoch deswegen heraus, weil sie besonders besessen davon ist: Fast die Hälfte ihrer Titelgeschichten hat mit dem Gewicht und den (angeblich gescheiterten) Diäten von Prominenten zu tun.

Collage mit Intouch-Covern, die über das Körpergewicht von Prominenten und über Abnehm-Wundermittel berichten
(Titelgeschichten über das Körpergewicht von Prominenten und über Abnehm-“Wundermittel” seit 2018)

Mit einer Auflage von mehr als 100.000 verkauften Ausgaben erreicht “InTouch” so viele junge Frauen wie kaum eine andere Zeitschrift. Der Bauer-Verlag bewirbt sie selbst als “das reichweitenstärkste Medium im Segment der jungen Frauenzielgruppe”. Und er schreibt (PDF):

InTouch ist pure Emotion und DAS Orientierungsmedium für junge Frauen in den Bereichen Stars, Fashion, Beauty & Lifestyle.

Wenn DAS die Orientierung ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn junge Frauen ihren Körper hassen — und sich irgendwelche gefährlichen Sachen spritzen, weil ihnen ein junges, freches People-Magazin erzählt, dass sie zu fett sind, wenn sie im Sitzen ein paar Rollen am Bauch haben.

“Sie haben es sicher bemerkt”

Bitte nicht erschrecken!

Die Seite 1 der “Hamburger Morgenpost” sieht heute so aus …

Ausriss Titelseite Hamburger Morgenpost - Noch acht Tage bis zur Kollision - Bestätigt: Asteroid trifft Erde - Wo gibt es noch die letzten Bunkerplätze? Politiker und die große Schuldfrage - Der Impact und die Finanzen: Dollar oder Gold? Wie groß ist unsere Überlebenschance?
(Hier in größerer Version.)

… die Seite 2 so …

Ausriss Hamburger Morgenpost - Ein Asteroid rast auf Mitteleuropa zu. Die neue Serie auf Sky. Acht Tage

… und die Seite 3 so:

Ausriss Hamburger Morgenpost - Wein leiser! So soll der Hamburger Rapper Famo eine Frau verhöhnt haben, die er laut Anklage gerade vergewaltigte

Da rechts am Rand steht:

Ausriss Hamburger Morgenpost - Liebe Leserinnen und Leser, heute sieht Ihre Mopo anders aus als gewohnt. Aber natürlich geht nicht demnächst die Welt unter! Sie habe es sicher bemerkt: Die komplette Seite eins ist ausnahmsweise eine Anzeige, die eigentliche Titelseite ist hier auf der dritten Seite. Mit dieser Marketing-Aktion macht der Fernsehsender Sky auf eine neue Serie aufmerksam, in der ein Asteroid auf die Erde zurast. Ihre Mopo-Redaktion

Jaja, “Sie haben es sicher bemerkt” — und weil das alles so offensichtlich ist, erklärt “Ihre MOPO-Redaktion” lieber noch mal, dass sie ihre Titelseite an Sky verscherbelt hat, und dass sich die Leserinnen und Leser nun doch nicht um “die letzten Bunkerplätze” kloppen müssen.

Schon klar, oben rechts auf Seite 1 hat sich die “Hamburger Morgenpost” mit einem kleinen “ANZEIGE” abgesichert. Dass die dazugehörige dünne, schwarze Linie aber auch den Schriftzug der Zeitung einschließt, ist mindestens befremdlich. Sky kann dort mit dem offiziellen Logo der “Mopo”-Redaktion werben.

Und wer jetzt sagt: “Naja, aber das Schriftbild sieht ja ganz anders aus als auf der echten Titelseite” — nur zum optischen Vergleich die Titelseite von gestern:

Ausriss Titelseite Hamburger Morgenpost von gestern - Die Felgen-Mafia - Organisierte Banden stehlen Räder in Sekunden. Immer mehr Fälle

Eine mögliche Erklärung für den traurigen Ausverkauf der Seite 1: Das Blatt steht mächtig unter Druck. Laut IVW ist die verkaufte Auflage der “Hamburger Morgenpost” im vergangenen Jahr um 17,2 Prozent eingebrochen. Seit 2016 sogar um 27,4 Prozent. Gut möglich also, dass im Verlag tatsächlich Weltuntergangsstimmung herrscht, auch wenn der Asteroid nur ein Werbegag ist.

Nachtrag, 16:02 Uhr: Bei “DWDL” berichtet Alexander Krei, dass neben der “Hamburger Morgenpost” auch der “Express”, die “tz” und der “Berliner Kurier” ihre Titelseiten für die Sky-Anzeige (optisch jeweils abgeändert) hergegeben haben.

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