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Gerangel um 86 Cent, Wende in der Wende, Spotifys Chartsmanipulation

1. Es geht um die Rundfunkfreiheit – und inzwischen um mehr
(mission-lifeline.de, Ruprecht Polenz)
Eigentlich hatten alle Bundesländer der Erhöhung des Rundfunkbeitrags zugestimmt, doch in Sachsen-Anhalt blockieren sowohl CDU als auch AfD das Vorhaben. Der ehemalige Generalsekretär der CDU Ruprecht Polenz kommentiert das Polit-Gerangel um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) und kritisiert dabei nicht nur die AfD, sondern auch das Timing der CDU in Sachsen-Anhalt: “Es bestand vor wenigen Monaten eine gute Gelegenheit, eine umfassende Diskussion über die Struktur des ÖRR zu führen, wenn man Änderungen herbeiführen wollte. Im September 2020 hat Sachsen-Anhalt den Medienstaatsvertrag ratifiziert – ohne größere Diskussionen oder Vorbehalte. Er regelt den allgemeinen Programmauftrag, die Zahl der Anstalten und der Programme. HIER hätte die CDU-Fraktion ihre Vorstellungen einbringen müssen. Das hat sie nicht getan.”

2. Wirkt der “Greta”-Effekt?
(taz.de, Reinhard Wolff)
Klimaaktivistin Greta Thunberg fungierte bei Schwedens auflagenstärkster Tageszeitung “Dagens Nyheter” (“DN”) für einen Tag als Gastchefredakteurin. Dies sorgte in den schwedischen Medien für geteiltes Echo. Einige Zeitungen kritisierten die Aktion, unter anderem als “Niederlage für den Nachrichtenjournalismus”. Thunbergs “DN”-Gastspiel war ein Besuch in der Redaktion vorausgegangen, bei dem sie der Zeitung ordentlich den Kopf gewaschen hatte: “Ihr sagt, ihr berichtet über die Klimakrise, aber das tut ihr nicht. Ihr berichtet über Klimaaktivisten mit Zöpfen und gelber Regenjacke, die ein paar unbequeme Sachen sagen, die Zitate bringen, die sich gut klicken. Aber das hat nichts mit der Klimakrise zu tun.”

3. Die Wende in der Wende – und die BRD-Medien
(medienblog.hypotheses.org, Michael Meyen)
Gabriel Wonn hat in seiner Masterarbeit die Berichterstattung von “Bild”, “Süddeutscher Zeitung”, “Spiegel” und “Tagesschau” zwischen dem 9. Oktober 1989 und der Volkskammerwahl am 18. März 1990 untersucht: “Vor ihnen ein Garten Eden. Hinter ihnen Stasiland: Eine Diskursanalyse über die Rolle der Westmedien im Wandlungsprozess der Wende” (PDF). Professor Michael Meyen kennt die Arbeit besonders gut, er war der offizielle Prüfer: “Wer den mit vielen Zitaten gespickten Ergebnisteil liest, kann gut nachvollziehen, weshalb sich die Stimmung in der DDR-Bevölkerung binnen weniger Monate so drastisch verändert hat – und wie hier der Grundstein für eine Folgeberichterstattung gelegt wurde, die uns die Anschluss-Lösung bis heute meist als selbstverständlich und alternativlos erscheinen lässt.”

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4. Christian Drosten: Die Stimme der Vernunft
(dwdl.de, Jan Freitag)
In der “DWDL”-Reihe “Bildschirmheldinnen & -helden 2020” geht es diesmal um Deutschlands bekanntesten Virologen Christian Drosten. Jan Freitag merkt an: “Charmante Belehrung mit gesenktem Zeigefinger und fotogenem Dackelblick – wäre Christian Drosten nicht so selbstgenügsam, er hätte das Zeug zum Eckart von Hirschhausen. Zum Glück ist ihm die Forschung wichtiger. SARS-CoV-2 wird nicht die letzte Pandemie bleiben.”

5. EU will Journalisten besser schützen
(verdi.de)
Die Europäische Kommission hat in Brüssel den “Aktionsplan für Demokratie” vorgestellt. Dabei geht es auch um die Rolle von Medien, genauer gesagt um “Maßnahmen zur Förderung freier und fairer Wahlen und einer starken demokratischen Beteiligung, zur Unterstützung freier und unabhängiger Medien und zur Bekämpfung der Desinformation”. Bislang sei der Aktionsplan nur eine umfangreiche Ankündigung. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Initiativen in Entwürfen und Gesetzen niederschlagen.

6. Hör mich an
(zeit.de, Silvia Silko)
“Spotify bietet Musikern an, sich in den Algorithmus des Streamingdienstes einzukaufen, um ihre Songs populärer zu machen. Früher nannte man so etwas Chartsmanipulation.” In ihrer Analyse erklärt Silvia Silko die Funktionsweise von Spotifys umstrittener “Pay-to-play”-Funktion und die daraus entstehenden Konsequenzen für den Musikmarkt.

Jung und alt, Kahlschlag bei Tele 5, “Bekenntnisse” des Investors

1. Fünf Dinge, die der deutsche Journalismus von jungen Medien lernen kann
(meedia.de, Felix Dachsel)
“Vice”-Chefredakteur Felix Dachsel wundert sich in seinem Gastbeitrag für “Meedia” über die Schadenfreude mancher Medienschaffenden, was das Schicksal einiger junger Journalismus-Plattformen angeht. Dies sei nicht nur fehl am Platz, so Dachsel, sondern kontraproduktiv: Die etablierten Alt-Medien könnten durchaus von den neuen Ansätzen lernen. Er führt dazu fünf lesenswerte Gedanken an und schließt seinen Appell mit den Worten: “Wir junge Medien hatten ein hartes Jahr, einige sind auf der Strecke geblieben. Wir können stolz sein, experimentiert zu haben. Wenn älteren Kollegen etwas gelegen ist an der Zukunft, dann verzichten sie auf Häme. Am Ende lösen wir das Rätsel, wie der Journalismus überleben kann, nur gemeinsam.”

2. Von Wohltätern und subalternen Journalisten
(schienestrasseluft.de, Thomas Rietig)
“Bekenntnisse eines Firmenjägers” lautet die Unterzeile des Buchs des Investors Peter Löw. Angeblich 250 Firmen will der umtriebige Löw im Laufe der Zeit gekauft haben. Einer dieser Käufe war der deutsche Dienst der internationalen Nachrichtenagentur AP (aus dem, zusammen mit der Agentur ddp, die Agentur dapd wurde). Die Investition endete zwei Jahre später mit der Pleite, 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen auf der Straße. Thomas Rietig arbeitete damals für die Agentur und hat das Buch deshalb mit besonderem Interesse gelesen. Seine Rezension offenbart viele verstörende Einblicke hinsichtlich Löws geschäftlichem Gebaren und dessen Sicht auf den Journalismus: “‘Die meisten Journalisten, die wir kennenlernten, hatten gebrochene Lebensläufe. Abgebrochene Studiengänge, schlechte Examina, gestörtes Sozialverhalten, Kettenrauchen, Alkoholismus, hier kam alles zusammen.'”

3. Kahlschlag bei Tele 5: Muss fast die Hälfte des Teams gehen?
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nachdem sich Discovery Deutschland den Fernsehsender Tele 5 einverleibt hat, kommt nun der befürchtete, aber erwartete personelle Kahlschlag: Etwa die Hälfte der Belegschaft falle dem Stellenabbau zum Opfer. Thomas Lückerath schreibt: Der Zeitpunkt, “einen Monat vor Weihnachten, stößt jetzt vielen besonders bitter auf. Zumal der Sender nach früheren Angaben des ehemaligen Geschäftsführers Kai Blasberg über Jahre hinweg Gewinne einfuhr, die dem Sender Extravaganzen und Experimente ermöglichten.”

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4. Schlechter als sein Ruf
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 6:18 Minuten)
Der Messengerdienst Telegram erfreut sich derzeit großer Beliebtheit, ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Wegen fehlender Ende-zu-Ende-Verschlüsselung seien private Nachrichten zum Teil und Gruppenchats grundsätzlich eher unsicher. Außerdem hat sich das Programm zum Tummelplatz für Verschwörer und Kriminelle entwickelt. Christoph Sterz erklärt die Hintergründe und zeigt, warum Telegram beim Gesetz gegen Hass im Netz durchs Raster fällt.

5. ZAPP spezial: Medien im Corona-Stress
(ndr.de, Video: 29:56 Minuten)
“Zapp” beschäftigt sich in einem Spezial mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Medienwelt. Oben verlinkt ist die komplette Sendung. Wer sich für die Teilthemen interessiert:

6. “Bild” kommt heute mit Advents-Sonderausgabe mit 3 Mio Auflage.
(turi2.de, Anne Fischer)
Es soll niemand sagen, wir hätten sie oder ihn nicht gewarnt: In einer medialen Superspreader-Aktion will die “Bild”-Redaktion heute in ausgewählten Regionen Leserinnen und Leser mit ihrem Junk-Blatt infizieren. Der Axel-Springer-Verlag lässt in Städten wie Hamburg, Hannover, Frankfurt, Köln und Berlin kostenlos zwei Millionen einer “Advents-Sonderausgabe” verteilen. Wir wünschen den Betroffenen ein gesundes Immunsystem und ausreichend Platz in der Altpapiertonne.

Fotoscheue “Querdenker”, Kirsten Boies VDS-Absage, Durchgestochen

1. Polizei soll Presse unterstützen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Sascha Borowski, Audio: 5:55 Minuten)
Bei den “Querdenker”-Demos wollen viele Teilnehmende nicht gefilmt oder fotografiert werden. Da wird gepöbelt, geschubst, gespuckt und geschlagen. Das Recht ist jedoch auf Seiten der Medien: Bilder von Demonstrationen dürfen auch ohne Einwilligung der Betroffenen veröffentlicht werden, solang es um die Darstellung des Geschehens geht und die Aufnahmen nicht aus dem Kontext gerissen werden. Medienverbände fordern von der Polizei, die Pressefreiheit entschiedener durchzusetzen. Der Deutsche Presserat hat dazu einen Entwurf mit Verhaltensgrundsätzen für Medien und Polizei (PDF) veröffentlicht – “zur Vermeidung von Behinderungen bei der Durchführung polizeilicher Aufgaben und der freien Ausübung der Berichterstattung”.

2. Warum werden so viele Interna aus den Corona-Runden publik?
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
Immer wieder beraten die Kanzlerin und die 16 Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder über die Anpassung der Corona-Maßnahmen. Und immer wieder dringen vertrauliche Zwischenstände aus den Beratungen an die Öffentlichkeit. Florian Gathmann ist Korrespondent im “Spiegel”-Hauptstadtbüro und kennt das Geschäft mit den durchgestochenen Informationen: “Wenn Akteure im politischen Raum nicht ohne Hirn agieren – und davon sollte man immer ausgehen -, dann ist mit dem Durchstechen von Informationen grundsätzlich ein Interesse verbunden.” Auffällig oft würden die “Bild”-Medien Zugang zu Infos über den Fortschritt der Verhandlungen haben und die Zwischenstände über ihre Kanäle verbreiten.

3. “Barack Obama Book”: Mit simplem SEO und Fake Reviews zu Tausenden von Amazon-Buch-Sales
(omr.com, Roland Eisenbrand)
Der erste Teil der Autobiografie von Barack Obama dürfte sich zum weltweiten Bestseller entwickeln. Allein die Startauflage in den USA beträgt drei Millionen Exemplare. Entsprechend hoch ist die Medienaufmerksamkeit, was wiederum die Verkäufe fördert … Ein dubioser Verlag hat sich an den Erfolg des Originals angehängt und, vermutlich auf Verwechslung spekulierend, eine inoffizielle Biografie auf den Markt gebracht, die gerade mal 61 Seiten lang ist. Dabei hat der Schmu-Publisher wahrscheinlich allerlei Suchmaschinentricks und gefälschte Bewertungen verwendet, wie Roland Eisenbrand erklärt.

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4. Grundbuchamt nennt Kaufpreis für Spahns Millionen-Villa in Berlin-Dahlem
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Das Berliner Amtsgericht Schöneberg hat dem “Tagesspiegel” Informationen über den Erwerb einer Villa durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dessen Ehemann zukommen lassen und dabei auch den Preis der Immobilie genannt. Dennoch wehrt sich Spahn mit Unterlassungsklagen gegen die Nennung des Preises in Medien. Für Jost Müller-Neuhof kommen dafür verschiedene Gründe in Betracht.

5. Urheberrechtsreform: Künstler laufen Sturm gegen freie Inhalte-Schnipsel
(heise.de, Stefan Krempl)
Der Entwurf des Bundesjustizministeriums zur Urheberrechtsreform führt zu einem klassischen Konflikt verschiedener Interessen: Auf der einen Seite eine Allianz von Künstlerinnen und Künstlern, die sich per Brief gegen die geplante Bagatellausnahme für nicht-kommerzielle Nutzungen wehren. Auf der anderen Seite Youtuber, Social-Media-Größen und Verbraucherschützer, die gegen Uploadfilter zu Felde ziehen.

6. Kirsten Boie lehnt Preis des Vereins Deutsche Sprache ab
(zeit.de)
Kirsten Boie ist eine herausragende Autorin von Kinder- und Jugendliteratur. Sie hat rund 100 Bücher veröffentlicht, von denen viele in diverse Sprachen übersetzt wurden. Nun wollte der Hamburger Landesverband des Vereins Deutsche Sprache (VDS) sie mit einem Preis auszeichnen, doch Boie lehnte ab. Sie störe sich an den rechtspopulistischen Äußerungen des VDS-Bundesvorsitzenden Walter Krämer. In ihrer Absage heißt es weiter: “Aber mehr noch als die verkürzte und realitätsfremde Vorstellung von Sprache, die sich in vielen Äußerungen zeigt, erschreckt mich, wie genau sie sich ausgerechnet in einer Zeit, in der wir mit Sorge einen Rechtsruck in Teilen der Bevölkerung beobachten müssen, in deren Argumentationsgänge einfügt”.

220 Mio. vertane Chancen, US-Wahl, Pantoffelheldige Knuffeligkeit

1. “Eine vertane Chance”
(taz.de, Anne Fromm)
Insgesamt 220 Millionen Euro Pressesubventionen sollen demnächst über die Verlagslandschaft herabregnen. Die Höhe der Zuwendung solle sich nach der Auflage der jeweiligen Zeitung beziehungsweise Zeitschrift richten. Eine Vergabepraxis, die von Medienwissenschaftler Christopher Buschow kritisiert wird: “Wir belohnen die, die sowieso schon hohe Auflagen und Reichweiten haben. Was man mit einem solchen Modell aber nicht schafft, ist, Qualität und Innovation zu fördern. Dabei wären das aus meiner Sicht die dringenderen Kriterien.”

2. US-Wahl 2020: Die Wahlnacht live im TV und Live-Stream – Alle Sender, alle Termine
(fr.de, Nico Scheck)
Heute Nacht wählen die Menschen in den USA ihren nächsten Präsidenten. Die “Frankfurter Rundschau” hat zusammengestellt, auf welchen Sendern sich das Spektakel live anschauen oder streamen lässt, und welche Sondersendungen geplant sind.
Weiterer Lesehinweis: Stefan Niggemeier erinnert bei “Übermedien” an die US-Wahl von vor vier Jahren und fragt: “Die großen Medien waren sicher, dass Hillary Clinton gewinnt. – Oder?”

3. “Die Gegenwart bekommt mehr Tiefe”
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
Auf Twitter erfreut sich die “Tagesschau vor 20 Jahren” großer Beliebtheit. Dort erscheinen alte Nachrichten, die oft einen überraschenden oder kuriosen Bezug zur Gegenwart haben. Was viele nicht wissen: Der Account wird nicht von der ARD, sondern vom Literaturwissenschaftler Hannes Fischer bespielt, der gerade in Berlin an seiner Dissertation arbeitet. Die “Süddeutsche Zeitung” hat sich mit Fischer zum Gespräch getroffen.

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4 Ist das Altpapier noch modern genug?
(mdr.de, René Martens & Jenni Zylka)
Lucia Eskes und Vera Lisakowski sind verantwortlich für Grimme-Preis und Grimme Online Award in den Bereichen Fernsehen und Internet. Im Interview mit dem “Altpapier” geht es unter anderem um die vernachlässigten Beobachtungsfelder Web-Kritik und Online-Kritik, den Unterschied zwischen Shitstorm und Online-Terror und die Wirkung von Medienpreisen.

5. Reporter Slam: Theresa Locker & Sebastian Meineck
(youtube.com, Reporter Slam, Video: 13:14 Minuten)
Beim “Reporter Slam” treten Journalisten und Journalistinnen vor Live-Publikum mit unterhaltsamen Kurzvorträgen zu ihren Recherchen gegeneinander an. Jeder bekommt etwa zehn Minuten Zeit, und am Ende entscheidet das Publikum über den Sieger oder die Siegerin. Die Veranstaltung vom 11. Oktober in Berlin wird gerade stückchenweise auf Youtube geladen. Im oben verlinkten Auftritt erklären Theresa Locker und Sebastian Meineck von “Vice”, wie sie ihren Bürohund zum Influencer gemacht haben. Ebenfalls schon vorhanden: Der Vortrag von Ann-Kathrin Hipp und Nadine Voß vom “Tagesspiegel” über den Flughafen BER.

6. Die Gerd und Soyeon-Show
(philomag.de, Nils Markwardt)
Nils Markwardt hat sich die Instagram-Inszenierung von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder angeschaut, der auf dem Kanal seiner Frau Schröder-Kim So-yeon eine “naturnahe Gemütlichkeitsoffensive” offenbare. Markwardts Beobachtungen sind alleine schon deshalb lesenswert, weil er seinen Diss kunstvoll verpackt und verschachtelt. Etwa: “Bei manchen mag sich ob dieser pantoffelheldigen Knuffeligkeit unwillkürlich eine gewisse Reflex-Sympathie einstellen, die en passant goutiert, dass sich die Ästhetik der Demokratie eben nicht im pseudo-höfischen Pomp eines Trump oder Erdogan findet, sondern vielmehr im mittelmäßigen Inventar des Reihenhauses zu sich kommt.”

Carolin Emcke ist auch müde, Deftiges Minus, Kartellklage gegen Google

1. Ich bin auch müde
(sueddeutsche.de, Carolin Emcke)
Carolin Emcke hat eine Entgegnung auf den “SZ”-Artikel über den Pianisten Igor Levit vom 16. Oktober geschrieben. In dem herausragenden Text stecken viele kluge Fragen und Gedanken. Ein Einwurf, den man gerne auch ein zweites Mal liest, weil er nicht nur den konkreten Fall, sondern Grundsätzliches berührt.

2. “Die Zeit” bleibt im Aufwind, dickes Minus für “Die Welt”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Auch das dritte Quartal bescherte der Print-Branche deftige Minuszahlen. Besonders schwer erwischte es die Zeitungen und Zeitschriften, die ihre Auflage mit kostenlosen Bordexemplaren aufhübschen: Da der Flugverkehr coronabedingt weitgehend zusammengebrochen ist, ging auch die Verbreitung der in Flugzeugen verteilten Exemplare zurück, teilweise dramatisch. Beim “Focus” ging es von über 64.000 Heften im Sturzflug auf gerade mal 408 herunter, ein Minus von über 99 Prozent. Auch die “Bild”-Zeitung hat den Bordexemplar-Effekt zu spüren bekommen. Dort fehlten ebenfalls mehr als 60.000 Exemplare, insgesamt lag das Auflagen-Minus von “Bild” sogar bei fast 200.000, was einem Rückgang von 14 Prozent entspricht.

3. Wer, wenn nicht Google?
(spiegel.de, Max Hoppenstedt & Benjamin Bidder & Patrick Beuth & Malin Möller)
Das US-Justizministerium hat eine Kartellklage gegen den Suchmaschinenkonzern Google angestrengt. Damit könnten Alternativen zu Google interessant werden. Die 64-seitige Klageschrift nenne einige davon als Konkurrenten im US-Suchmaschinenmarkt: darunter Bing aus dem Hause Microsoft, das datenschutzfreundliche DuckDuckGo sowie die russische Suchmaschine Yandex. Der “Spiegel” ordnet Eigenschaften und Chancen der Google-Alternativen ein.

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4. Jetzt mit Arsch in der Hose
(taz.de, Steffen Grimberg)
“USA Today” ist eine der auflagenstärksten Zeitungen in den USA und hat noch nie eine Wahlempfehlung gegeben, obwohl das dort üblich sei. Doch dieses Jahr ist alles anders: “Elect Joe Biden. Reject Donald Trump”, titelte das Blatt. Endlich, findet Steffen Grimberg: “Bei den letzten Wahlen war Trump USA Today zwar auch schon reichlich suspekt. Aber zu einem klaren Bekenntnis fehlte es 2016 noch an Arsch in der Hose.”

5. Corona-Bundeshilfen für privaten Hörfunk
(blmplus.de, Lisa Priller Gebhardt)
Private Radiosender leiden in der Corona-Krise unter erheblichen Einnahmeausfällen durch entgangene Werbeeinnahmen. Von bis zu 40 Prozent Umsatzeinbußen ist zumindest in Bayern die Rede. Dort soll es nun neben Geldern aus dem Bundesprogramm Neustart Kultur auch Landeshilfen geben. Die werden wohl dringend benötigt, denn neben dem klassischen On-Air-Geschäft fallen auch Events, Spot-Produktionen für Firmenkunden sowie Konzerte als Einnahmequellen weg.

6. Zäh wie erkaltetes Kaugummi
(deutschlandfunk.de, Arno Orzessek, Audio: 4:25 Minuten)
Angesichts des bevorstehenden TV-Duells zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden erinnert Arno Orzessek an einige große Redeschlachten der Fernsehgeschichte. Die seien jedoch alle nichts gegen Trump: “Dass man ihm im zweiten TV-Duell mit Joe Biden das Maul per Stummschaltung stopfen will, zeugt von jener tiefen Verzweiflung, die Donalds Schwester Maryanne Trump Barry in unvergängliche Worte gekleidet hat: ‘Das Ändern der Geschichten. Die fehlende Vorbereitung. Das Lügen. Heilige Scheisse.'”

Seenotrettung, Spendable “Tagesschau”, Fischers Haus

1. Die tagesschau stellt bestimmte Inhalte unter Creative Commons
(blog.tagesschau.de, Lena-Maria Reers)
Die “Tagesschau”-Redaktion könne, auch wenn sie es wolle, aus rechtlichen Gründen nicht alle Beiträge und Meldungen im Netz dauerhaft zur Verfügung stellen. Doch es gebe eine gute Nachricht: In einem extra eingerichteten Portal wolle man ab sofort die Erklärvideos aus den Sozialen Netzwerken unter einer freien Lizenz zur rechtefreien Nutzung anbieten. Dort wird auch in einem kurzen Video erklärt, was dabei erlaubt ist und was nicht.

2. Facebook verbietet Werbung, die Wahlergebnisse anzweifelt
(spiegel.de)
Viele Beobachter befürchten, dass US-Präsident Donald Trump eine Wahlniederlage nicht akzeptieren und sich seiner Ablösung widersetzen wird. Die Befürchtung ist nicht aus der Luft gegriffen, denn Trump selbst macht immer wieder Andeutungen, die in diese Richtung gehen. Der Facebook-Konzern will nun Desinformationskampagnen zur US-Wahl erschweren und keine Werbeanzeigen annehmen, die fälschlicherweise von Wahlbetrug sprechen oder vorzeitig Zweifel am Endergebnis säen.

3. «Konnten wir da noch Journalisten sein?» – Krisenberichterstattung über Seenotrettung
(message-online.com, Severin Pehlke)
Die NDR-Fernsehreporterin Nadia Kailouli hat mehrfach über die Seenotrettung auf dem Mittelmeer berichtet und ist dieses Jahr für ihren Dokumentarfilm “SeaWatch3” mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Im Interview erzählt sie von ihrer Vorbereitung auf die schwierigen Einsätze und den gelegentlich auftauchenden Vorwürfen, nicht neutral zu berichten: “Ich finde schade, dass mir bei meiner Arbeit oft eine politische Positionierung nachgesagt wird. Ich möchte mir keine Vorwürfe anhören müssen, dass ich mich politisch positioniert habe, nur weil ich grundsätzlich darüber berichten möchte, wie Menschen leben, die aus Teilen Afrikas nach Europa geflüchtet sind. Einem Sportjournalisten würde man doch auch nicht vorhalten, dass er nicht neutral ist, weil er sich mehr für Fußball als für Handball interessiert.”

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4. Zwanzig Verlage sind dabei
(faz.net)
Google startet mit zwanzig deutschen Verlagen ein gemeinsames Medienangebot, für das erstmals Lizenzgebühren an die Medienhäuser fließen sollen. Weltweit lasse sich Google dieses Projekt eine Milliarde US-Dollar kosten. Dem Verband der Zeitungsverleger BDZV gehe dies nicht weit genug: “Die Geldausschüttung an Verlagshäuser” erfolge “nach Gutsherrenart”. Das habe “nichts mit unseren Vorstellungen von einem modernen Urheberrecht im 21. Jahrhundert zu tun”.

5. Medien werden kritischer – ein bisschen
(deutschlandfunk.de, Felix Lill, Audio: 5:15 Minuten)
Die Berichterstattung japanischer Medien über die eigentlich anstehenden Olympischen Spiele sei bislang stets positiv gewesen, doch nun zeichne sich ein Wandel ab. Die Mehrheit der Menschen sei, anders als noch vor ein paar Monaten, “Tokyo 2020” gegenüber skeptisch eingestellt, und auch viele Redaktionen würden inzwischen kritischer berichten. Felix Lill erklärt die Hintergründe.

6. RTL und “Bunte” lassen Helene Fischer in ihrem neuen Haus nicht allein
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Mit Artikeln über die erfolgreiche Schlagersängerin Helene Fischer lässt sich viel Geld verdienen. Die Hoffnung auf Klicks und Auflagensteigerung lässt bei einigen Medien jedoch sämtliche Sicherungen durchbrennen. Boris Rosenkranz erzählt von einem besonders schamlosen Fall, bei dem Bildmaterial einer privaten Feier ausgebeutet wurde.

Nebengeschäfte, TV-Ausfallfonds, Oder soll man es lassen?

1. Mitgeliefert
(sueddeutsche.de, Anika Blatz)
Die Corona-Krise und die daraus resultierende wirtschaftliche Notlage befeuert in vielen deutschen Medienhäusern die Kreativität. Mit welchen “Nebengeschäften” lassen sich Auflagenschwund und Anzeigenverluste ausgleichen? Anika Blatz hat sich in der Branche umgehört und einige einfallsreiche Modelle entdeckt: von der Brötchen-Zustellung bis hin zur Einrichtung von mietbaren Online-Shops, der Kooperation mit Apotheken oder Hofläden und der “Same Day Delivery” für eine Vielzahl unterschiedlichster Partnerprodukte.

2. Vergrößern ist nicht spiegeln
(taz.de, Eliyah Havemann)
In einem Gastkommentar äußert sich Eliyah Havemann zum Streit über die Kabarettistin Lisa Eckhart: “[I]hr Publikum goutiert diese billigen Pointen, die sie auf Kosten der Juden, PoC, Homosexuellen und trans* Menschen sowie anderer Marginalisierter macht. Manche ihrer Fans behaupten, sie würde das tun, um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, etwa wie Sasha Baron Cohen mit seiner Figur Borat. Aber das ist Schönrederei. Denn ihrer Show fehlt die Distanz zur Figur. Der Spiegel wird zum Vergrößerungsglas.”

3. Oder soll man es lassen? Ja.
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
Müssen öffentlich-rechtliche Medien “jeden zu Wort kommen lassen”? Oder sollte man gewissen Menschen und Positionen “keine Bühne bieten”? Das sind Fragen, die sich immer wieder stellen, zuletzt bei einem Interview des Deutschlandfunks mit Anselm Lenz, einem der Organisatoren der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Jürn Kruse hat das Gespräch auf “Übermedien” analysiert. Er halte es für richtig, sich mit Verschwörungsideologen und ihren Erzählungen auseinandersetzen: “Das Interview ist als Darstellungsform dafür aber gänzlich ungeeignet, es ist das falsche Werkzeug. Es ist das Sieb, das man mit an den Strand nimmt, um Wasser zu schöpfen.”
Weiterer Lesehinweis: Auf “Planet Interview” reagiert Jakob Buhre mit einer Replik. Er halte Kruses Schlussfolgerung in ihrer Pauschalität für falsch. “Und zum Fall von Lenz: Man hätte mit ihm noch viel länger sprechen müssen.”

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4. Twitter kennzeichnet russische und chinesische Staatsmedien
(netzpolitik.org, Marie Bröckling)
Seit vergangener Woche versieht Twitter zahlreiche russische und chinesische Nachrichtenseiten mit einem Hinweis für “staatsnahe Medien”. Doch damit nicht genug: Die Tweets von Redaktionen wie “Russia Today” und “China Daily” würden ab sofort auch nicht mehr vom Algorithmus empfohlen, was ihre Reichweite erheblich drosseln dürfte. Eine Twitter-Sprecherin habe keine Angaben dazu machen wollen, wie viele und welche Accounts markiert wurden.

5. Gemeinsamer Appell für Ausfallfonds: “Handeln Sie jetzt!”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Für Kinofilme und “hochwertige Serien” hat die Bundesregierung bereits einen mit 50 Millionen Euro ausgestatteten Corona-Ausfallfonds beschlossen. Seit geraumer Zeit werde ein ähnlicher, jedoch von den Bundesländern finanzierter, Fonds für Fernsehproduktionen diskutiert. Nun haben 39 Verbände und Organisationen einen eindringlichen Appell veröffentlicht: “Wir brauchen den Ausfallfonds für TV-Produktionen. Jetzt!”

6. Wo laufen sie denn?
(untergeschoss.wordpress.com, Harald Keller)
Eine Serie wie “House of Cards” wird von vielen Medien gerne als “Netflix-Serie” bezeichnet, wahrscheinlich, weil man sie dort gucken kann. Doch sie läuft auch auf anderen Plattformen wie Amazon, Chili, Google Play, iTunes, Joyn, Maxdome, Microsoft, Rakuten TV, Sky Ticket, Sky Go, Sony und Videoload. Ist es also gerechtfertigt, Netflix derart herauszustellen? In diesem Fall aus guten Gründen ja, so Harald Keller, aber das Prinzip müsse durchgehalten werden.

Abmahn-Entertainment, Zu Besuch bei “ND”, Verbandsquerelen

1. Wie kritische Berichterstattung verhindert werden soll
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
“Tagesspiegel”-Reporter Sebastian Leber erhält manchmal Leser- oder Anwaltspost, deren Ziel es sei, mit offensichtlich ungerechtfertigten Forderungen kritische Berichterstattung zu verhindern. Leber stellt ein paar dieser mitunter recht skurrilen Fälle vor – wie zum Beispiel die Geschichte vom “Hypnosecoach”, der nicht “Hypnosecoach” genannt werden wollte, sich selbst aber als “Hypnosecoach” bezeichnet.

2. Microsoft hat “Interesse” an chinesischer Videoplattform Tiktok
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Nina Magoley, Audio: 5:47 Minuten)
Der Deutschlandfunk hat sich mit der Chinaexpertin und Sinologin Mareike Ohlberg über Donald Trumps Feldzug gegen die chinesische Video-Plattform Tiktok unterhalten. Für den Konflikt kämen einige Gründe in Frage, aber auch ein ganz banaler: “Im Juni sollen Tiktok-Nutzer mit einem Trick erreicht haben, dass viele Plätze bei einer Wahlkampfveranstaltung von Trump in Tulsa, Oklahoma, leer blieben. Sie hatten sich für kostenlose Tickets registriert, ohne die Absicht, tatsächlich hinzugehen.”

3. Neuer als neu
(sueddeutsche.de, Philipp Bovermann)
Die einstige SED-Parteizeitung “Neues Deutschland” hat sich jüngst in “ND” umbenannt. Philipp Bovermann hat die “ND”-Redaktion in Berlin besucht und sich danach umgeschaut, ob und was sich sonst noch geändert hat. Es ist vor allem die Geschichte einer Schrumpfung: “Inzwischen ist die ND-Auflage auf etwa 20.000 zusammengeschnurzelt.”

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4. Neues ZDF-Nachrichtenmagazin ab September
(zdf.de)
Vom “heute journal” (ZDF) wird es ab dem 7. September wochentäglich ein “heute journal up:date” geben, oder um es im Sender-Deutsch auszudrücken: “Das ‘heute journal’, Deutschlands erfolgreichstes TV-Nachrichtenmagazin, vergrößert seine Sendefläche.” Dabei handele es sich um eine gegen Mitternacht ausgestrahlte Spätausgabe mit 15 Minuten Nachrichten, Hintergrundberichten, Schaltgesprächen und Interviews.

5. The Washington Post’s Workforce Demographics
(washingtonpost.com)
Die “Washington Post” zeigt in übersichtlichen Grafiken, wie es um die demografische Zusammensetzung ihres Unternehmens hinsichtlich Geschlecht und Ethnie der Mitarbeitenden bestellt ist beziehungsweise war. Eine Transparenzoffensive, von der sich deutsche Medien gerne etwas abschauen könnten.

6. DJV Berlin-JVBB
(radioeins.de, Jörg Wagner & Daniel Bouhs, Audio: 1:27:45 Stunden)
Im “Medienmagazin” von radioeins geht es unter anderem um Donald Trump und den Tiktok-Konflikt, um alte und neue Querelen im Journalistenverband, um die umstrittene Veröffentlichung der Videovernehmung des mutmaßlichen Mörders von Walter Lübcke sowie um das “Corona-Comeback” der TV-Sendung “Inas Nacht”. Im Browser anzuhören oder im Podcastplayer der Wahl – dazu nach “radioeins” und “Medienmagazin” suchen, die Folge herunterladen oder gegebenenfalls den Podcast komplett abonnieren.

Kalbitz im Sommerinterview, “Zapp”, Liebesinvest bei ProSiebenSat.1

1. Bühne frei für den Feind der Demokratie
(spiegel.de, Ann-Katrin Müller)
In bestechender Beweisführung erklärt die “Spiegel”-Redakteurin Ann-Katrin Müller, warum es keine gute Idee des RBB war, dem nachgewiesenen Rechtsextremisten Andreas Kalbitz ein komplettes Sommerinterview zu widmen. “Warum aber sollte der RBB, ein öffentlich-rechtlicher Sender, der selbstverständlich dem Grundgesetz verpflichtet ist, dem Spitzenpolitiker einer Partei Sendezeit geben, über die der dortige Verfassungsschutzchef sagt: ‘Es liegen hinreichend wichtige tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass von ihm Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung ausgehen’? Kalbitz steht wie kaum ein anderer für die Gefahr, die von der AfD für unsere Demokratie ausgeht. Warum soll der RBB ausgerechnet ihm eine Bühne bieten?”

2. Die Willkür muss ein Ende haben
(netzpolitik.org, Constanze Kurz)
netzpolitik.org hat sich mit der Juristin Jacqueline Neumann über Social-Media-Accounts von Amtsträgern und Behörden unterhalten. In dem Interview geht es unter anderem um die Frage, warum die Regierung ihre Kritikerinnen und Kritiker nicht auf Facebook oder Twitter sperren darf. Ein hochinteressantes Gespräch, weil es Licht auf einen bislang nur lückenhaft geregelten Bereich wirft. Und weil es mit dem Fall des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und dessen Twitter-Blockade eines ihn kritisierenden Accounts typische Argumentationsmuster und Abläufe nachzeichnet.

3. “Zapp” und die große Frage: Braucht man einen Sendeplatz, um Programm zu machen?
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
Für das Medienmagazin “Zapp” brechen schwierige Zeiten an: Laut eines internen NDR-Papiers werde es zukünftig nur “in reduziertem Umfang produziert”. “Zapp”-Redaktionsleiterin Annette Leiterer befürchte eine Etatkürzung von einem Drittel. “Übermedien”-Redakteur Jürn Kruse ordnet den schmerzhaften Schritt ein und überlegt, wie ein Ausweg aus dem Dilemma aussehen könnte.

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4. Rasender Reporter
(faz.net, Sandra Kegel)
Die “FAZ” erinnert an den am vergangenen Donnerstag verstorbenen Schauspieler Tilo Prückner und dessen Rolle im “Willi-Busch-Report” (1979). Darin spielte Prückner einen Reporter, der mit zweifelhaften Methoden um das Überleben seiner Provinz-Postille “Werra-Post” kämpft. (“Die von ihm, zwecks Auflagensteigerung, provozierten Sensationen nehmen ein unkontrollierbares Eigenleben an, dem ihr Urheber nicht gewachsen ist. Eine vielschichtige Tragikomödie, klug entworfen und souverän inszeniert, mit präziser Information über die damalige deutsche Wirklichkeit.”, Lexikon des internationalen Films.)

5. Was machen ARD und ZDF im Sommer?
(deutschlandfunk.de, Michael Meyer, Audio: 5:43 Minuten)
Dieses Jahr fallen verschiedene Sport-Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele, die im Programm der Öffentlich-Rechtlichen fest eingeplant waren, coronabedingt aus. Es müssen also unzählige Programmstunden gefüllt werden, doch womit? Zu befürchten sei: vor allem mit Wiederholungen statt mit neuen Inhalten.

6. Kartellamt sagt Ja zu ProSiebenSat.1 und Lovoo
(wuv.de, Annette Mattgey)
Das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 wird immer mehr zum Datingunternehmen. Der Konzern, dem bislang schon die Dating-Plattformen Parship und Elite Partner gehören, verleibt sich aller Voraussicht nach auch Lovoo ein. Das Kartellamt habe bereits grünes Licht gegeben, nun fehle nur noch die Zustimmung aus den USA.

Angriff gegen “heute-show”-Team, Teures Armutszeugnis, Irr-Lichtern

1. “Mit Totschlägern auf das Team los”
(zdf.de)
Am vergangenen Freitag wurde ein Kamerateam der ZDF-Satiresendung “heute-show” bei Dreharbeiten in Berlin-Mitte von Unbekannten angegriffen. Mehrere Teammitglieder, darunter auch drei Security-Mitarbeiter, mussten ins Krankenhaus, wurden jedoch nach der Behandlung am selben Abend wieder entlassen. Die Motive der Täter seien noch unklar, so die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

2. Eine Frage der Glaubwürdigkeit
(faz.net, Johannes Ritter)
Die “Neue Zürcher Zeitung” (“NZZ”) habe trotz erhaltener öffentlicher Finanzhilfen acht Millionen Franken an ihre Aktionärinnen und Aktionäre ausgeschüttet. Bei der Redaktion in Zürich sei dies nicht gut angekommen, wird ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter zitiert: “‘Für unsere Zeitung ist das ein Armutszeugnis. Wir hätten darauf bestehen sollen, uns ohne Hilfen durchzuboxen’.” Er sehe die Glaubwürdigkeit der “NZZ” beschädigt: “‘Wir können doch nicht gegen Staatsbeteiligungen und Subventionen wettern und dann selbst die Hand aufhalten.'”

3. Mai Thi Nguyen-Kim, der Guide im Wissens-Dschungel
(dwdl.de, Hans Hoff)
“DWDL”-Kolumnist Hans Hoff preist die Youtuberin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim: “Wenn man einem 23-Minuten-Video von Mai Thi Nguyen-Kim leichter folgen kann als einem ‘Tagesthemen’-Kommentar spricht das nicht gegen die Langform, denn die geht wirklich in die Tiefe, geizt nicht mit Fakten und eigentlich komplizierten Zusammenhängen. Das ähnelt streckenweise einer Vorlesung, allerdings einer sehr guten.”

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4. Pörksen: “Der Journalismus ist zu lange den Virologen gefolgt”
(derstandard.at, Oliver Mark)
Im Interview mit dem österreichischen “Standard” kritisiert der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen die mediale Fokussierung auf Expertenurteile. Pörksen spricht von einer gefährlichen Orientierung an “Expertenmonopolen”. Und er kommentiert die Kritik an dem österreichischen Hilfspaket für Tageszeitungen. Die staatlichen Unterstützungszahlungen würden sich an der Auflage orientieren und damit Boulevardzeitungen besonders stark fördern: “Die Kritik ist vollkommen berechtigt — und ich gebe zu bedenken: Bunt bedrucktes Papier ist nicht systemrelevant. Und jenseits der Details scheint es mir grundsätzlich eine Art Webfehler einer solchen Form von Medienförderung zu geben: Im Letzten ist hier die Beziehung zwischen der Politik und einzelnen Medienhäusern einfach viel zu direkt. Das schafft unvermeidlich Unfreiheiten und Fehlanreize auf allen Seiten.”

5. Die große Freien-FAQ zur Corona-Krise
(freienbibel.de, Katharina Jakob & Oliver Eberhardt)
Der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten Freischreiber hat seine FAQ zur Corona-Krise aktualisiert. Dabei geht es um die von Bund und Ländern gewährten Hilfsmaßnahmen, bei deren Beantragung zahlreiche versteckte Fallen lauern würden.

6. Horst aus der Kiste
(spiegel.de, Martin Hecht)
Die ZDF-Trödelshow “Bares für Rares” mit Moderator Horst Lichter feiert im Mai ihre 1000. Folge. Für Martin Hecht der Anlass für einen unterhaltsamen Zwischenruf: “Das Glücksversprechen der Trödelshow könnte darin liegen, grandiose Raritäten präsentiert zu bekommen, oder wenigstens einen inneren Zugang dazu. Doch es geht allein darum, aus gefühlt wertlosem Plunder einen stets astronomisch hoch erhofften Geldwert herauszuholen. Oder, um es auf die kürzeste aller Formeln zu bringen: aus Scheiße Gold zu machen.”

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