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Elon Musk und Ron DeSantis, Toxische Texte, Trauriger Hofnarr

1. Der “Vogel” macht die Schlagzeilen jetzt selbst
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Isabelle Klein, Audio: 6:27 Minuten)
Elon Musk baut den Kurznachrichtendienst Twitter nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich um: Twitter bekommt eine deutlich rechte Schlagseite. Vergangene Nacht etwa ließ Musk Floridas ultrarechten Gouverneur Ron DeSantis dessen Präsidentschaftskandidatur auf Twitter verkünden (wenn auch mit viel “erbärmlichem Fiepen”, wie Arno Frank beim “Spiegel” berichtet (nur mit Abo lesbar)). Der Wandel vom Kurznachrichtendienst zum Medienhaus mit eigenen Inhalten sei auch für Europas Medienwächter interessant, sagt Mark D. Cole, wissenschaftlicher Direktor am Institut für europäisches Medienrecht in Saarbrücken/Brüssel.
Weiterer Lesetipp: “Ron DeSaster”: “Trumps aussichtsreichster Konkurrent Ron DeSantis hat seinen ersten Auftritt vermasselt. Schuld daran ist mit Elon Musk ausgerechnet der Mann, der Floridas Gouverneur groß machen wollte.” (t-online.de, Bastian Brauns)

2. “Spiegel”-Redakteure stellen sich hinter Chefredakteur Klusmann
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” und “Business Insider” berichten, brodelt es beim “Spiegel”. Die Geschäftsführung der “Spiegel”-Gruppe wolle Chefredakteur Steffen Klusmann loswerden. Dagegen formiere sich jedoch Widerstand: Etliche Redakteurinnen und Redakteure hätten einen Protestbrief an die “Spiegel”-Verantwortlichen sowie an die Mitarbeiter-KG verfasst. Gestern waren die Zahlen der “Spiegel”-Gruppe für das vergangene Jahr bekannt geworden. Trotz eines geringen Rückganges bei Umsatz und Gewinn habe man sich zufrieden gezeigt.

3. Bild-Zeitung: Toxische Texte?
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 34:52 Minuten)
Zu Gast im Medienpodcast “quoted” ist diesmal BILDblog-Leiter Moritz Tschermak. Nadia Zaboura und Nils Minkmar werfen mit ihm einen Blick auf die Rolle der “Bild”-Medien in der Vielfaltsgesellschaft: “Wie stellte und stellt sich die Berichterstattung der auflagenstärksten Tageszeitung über Menschen mit Einwanderungsgeschichte und Geflüchtete dar? Auf welche Weise werden hier Ressentiments geschürt, welche Mechanismen des Boulevard-Journalismus wirken dabei? Wo steht die auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands heute?”
An dieser Stelle ein Hinweis auf das immer noch aktuelle Buch der BILDblog-Kollegen Mats Schönauer und Moritz Tschermak: “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

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4. Mit Recht gegen Hass im Netz
(medienpolitik.net, Helmut Hartung)
Die Bundesregierung plant ein “Digitales Gewaltschutzgesetz”, um gegen Online-Hassrede vorzugehen. Nutzerinnen und Nutzer sollen Hass-Accounts auf Plattformen wie Facebook und Twitter melden und sperren lassen können. Ein Gesetzentwurf der Gesellschaft für Freiheitsrechte zielt darauf ab, Opferrechte zu stärken und beleidigende Inhalte unzugänglich zu machen. Helmut Hartung hat sich den Entwurf angesehen.

5. Übernimmt KI den Journalismus?
(wdr.de, Kevin Barth, Audio: 4:49 Minuten)
Der Burda-Verlag hat offenbar eine Sonderausgabe der Zeitschrift “Lisa – Kochen & Backen” komplett von Künstlicher Intelligenz (KI) generieren lassen. Das stieß auf heftige Kritik, etwa beim Bayerischen Journalisten-Verband, der den Verlag aufforderte, “das Vertrauen in journalistische Arbeit nicht dem Hype um künstliche Intelligenz zu opfern”. Beim WDR fragt Kevin Barth: “Übernimmt KI den Journalismus?”

6. Warum Arno Dübel Deutschlands traurigster Hofnarr war
(vice.com, Robert Hofmann)
Mit seinen provokanten und polarisierenden Äußerungen über sein Dasein als Arbeitsloser war Arno Dübel lange Zeit ein dankbares Thema für die Boulevardmedien, die mit der kalkulierten Empörung über “Deutschlands frechsten Arbeitslosen” (“Bild”) Auflage und Klicks generierten. Nun ist Arno Dübel im Alter von 67 Jahren verstorben. Robert Hofmann hat ihm einen lesenswerten Nachruf gewidmet, der Erinnerung, Medienanalyse und Gesellschaftskritik zugleich ist.

Freier Foto-Streik, Aus für “Vice”, Fußball-TV-Rechte

1. ver.di-Streik der freien Fotograf*innen bei dpa
(dju.verdi.de)
Die Gewerkschaft ver.di hat die arbeitnehmerähnlichen freien Fotografinnen und Fotografen bei der dpa zu einem zweitägigen Streik aufgerufen: “Seit vielen Jahren warten die rund 60 freien dpa-Fotografinnen und -Fotografen auf Erhöhungen ihrer Honorare und Kilometergeld-Pauschalen. Mittlerweile zahlen sie oft drauf. Deshalb orientieren sich viele von ihnen zunehmend in Richtung anderer, besser zahlender Auftraggeber, obwohl sie lieber regelmäßig zu zeitgemäß erhöhten Honoraren für die dpa arbeiten und die lange Arbeitsbeziehung mit der dpa fortsetzen würden”, so ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel.
Weiterer Lesehinweis: Der Deutsche Journalisten-Verband unterstützt den Arbeitskampf und zeigt “Solidarität mit dpa-Freien” (djv.de, Hendrik Zörner).

2. Vice Media steht vor der Insolvenz
(faz.net)
Nach erfolgloser Suche nach einem Käufer bereitet das Online-Medienunternehmen Vice Media seine Insolvenz vor. Es muss seine Website und sein Kabelprogramm einstellen. Vice Media, das zwischenzeitlich mit 5,7 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, sind offenbar sinkende Werbeeinnahmen zum Verhängnis geworden.

3. Wie groß ist die „Große Koalition“ wirklich?
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 2:18 Minuten)
Unionsparteien und SPD sind zusammen längst nicht mehr so stark wie früher. Was wir heute “Große Koalition” nennen, ist meist so groß wie jede andere Koalition, stellt Stefan Fries im Deutschlandfunk-Sprachcheck fest: “Wenn Medien von einer ‘Großen Koalition’ aus Union und SPD reden, verschleiern sie deren tatsächliche Größe. Stattdessen könnten sie ganz leicht benennen, wer da koaliert: CDU oder CSU mit SPD – oder umgekehrt. Schließlich kommt es auch auf die Reihenfolge an.”

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4. Journalistin Gilda Sahebi im Interview
(de.ejo-online.eu, Pauline Wörsdörfer)
Die Demonstrationen im Iran halten unvermindert an, wobei das Kopftuch der iranischen Frauen weiterhin als zentrales Symbol gilt. In europäischen Medien werde das Thema jedoch immer weniger diskutiert. Im Gespräch mit dem “European Journalism Observatory” gibt die Journalistin, Medizinerin und Nahost-Spezialistin Gilda Sahebi einen Einblick in die gegenwärtige Situation im Iran und betrachtet kritisch die Berichterstattung der europäischen Medien über das Ausland.

5. Jung, brutal, mittellos
(taz.de, Luise Mosig)
Luise Mosig berichtet in der “taz” über den Überlebenskampf von “Straßen aus Zucker” (“SaZ”), der größten linken Jugendzeitung Deutschlands. Wie viele linke Projekte sei auch “SaZ” finanziell schlecht aufgestellt. Nun soll ein Spendenaufruf die Zeitung retten, die immerhin eine Auflage von 150.000 Exemplaren habe.

6. Die Zeit wird knapp
(sueddeutsche.de, Anna Dreher)
Während um die Übertragungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer regelmäßig regelrechte Bietergefechte stattfinden, ist es bei der Frauen-WM ruhig: Knapp drei Monate vor dem Turnier seien die TV-Rechte ausgerechnet im europäischen Kernmarkt noch nicht vergeben. Anna Dreher erläutert die unterschiedlichen Interessenlagen.

KW 16/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Warum gehören die Nachrichten von Mathias Döpfner in die Öffentlichkeit?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:51 Minuten)
In der vergangenen Woche zitierte die “Zeit” (nur mit Abo lesbar) in großem Umfang aus Nachrichten, die Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner geschrieben hatte. Verantwortlich für den Beitrag, der eine breite Debatte auslöste, sind Holger Stark, stellvertretender Chefredakteur der “Zeit”, und dessen Kollegin Cathrin Gilbert, Ressortleiterin Unterhaltung. Bei “Übermedien” sprechen die beiden darüber, wann aus ihrer Sicht aus solchen Nachrichten zitiert werden darf und wann nicht.
Weiterer Hörtipp: Beim “Spiegel” unterhalten sich Isabell Hülsen, Marius Mestermann und Anton Rainer darüber, was Döpfners Chats (und ein Roman) verraten (spiegel,de, Audio, 38:42 Minuten).

2. Armin Wolf, verstehen Sie Österreich?
(zeit.de, Jochen Wegner & Christoph Amend, Audio: 6:52:03 Stunden)
Bei “Alles gesagt” müssen die Zuhörerinnen und Zuhörer neben dem Interesse am Gast und am Thema vor allem eines mitbringen: Zeit. So auch dieses Mal. Der österreichische Journalist Armin Wolf spricht in fast sieben Stunden unter anderem über Klassengesellschaften und mangelnde Vielfalt im Journalismus, über die Wurzeln des Populismus in Europa, über den Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf seine Arbeit, über die Kunst des gelungenen Interviews und über den manchmal ziemlich komplizierten Alltag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

3. “Ich habe das Ibiza-Video gemacht” – Der Macher über die Hintergründe
(correctiv.org, Jean Peters, Video: 1:03:08 Stunden)
Der Privatdetektiv Julian Hessenthaler ist der Produzent des sogenannten Ibiza-Videos, das die österreichische Regierung in eine tiefe Krise stürzte. Im exklusiven Interview mit “Correctiv” erzählt Hessenthaler zum ersten Mal nach seiner Haftentlassung, “wie aus einer Schnapsidee unter Profis einer der größten Polit-Skandale in Europa wurde.” Die vollständige Recherche gibt es hier.

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4. Der Pressesprecher und die journalistische Selbstreflexion
(journalistik.blogs.uni-hamburg.de, Leonie Urbanczyk, Audio: 1:04:27 Stunden)
Der Podcast der Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg beschäftigt sich mit dem Berufsbild und der Rolle des Pressesprechers. Zu Gast ist Martin Helfrich, zum Zeitpunkt der Aufzeichnung noch Pressesprecher und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hamburger Sozialbehörde, seit Anfang des Jahres Pressesprecher der Behörde für Wirtschaft und Innovation Hamburgs.

5. Giovanni di Lorenzo: So erklärt der Zeit-Chefredakteur das Wachstum gegen den Trend
(omr.com, Philipp Westermeyer, Audio: 1:12:27 Stunden)
Seit fast zwei Jahrzehnten steht Giovanni di Lorenzo an der Spitze der “Zeit”-Redaktion. Unter seiner Ägide ist die verkaufte Auflage der Wochenzeitung in den vergangenen Jahren gegen den Branchentrend gestiegen. Zuletzt lag sie bei über 600.000 Exemplaren (digital und gedruckt) pro Woche. Im Gespräch beim “OMR”-Podcast geht es unter anderem um di Lorenzos Weg in den Journalismus, die möglichen Gründe für den Erfolg seines Blatts und di Lorenzos Erfahrungen mit ChatGPT.

6. Scheitern, das tun die anderen
(hinterdenzeilen.de, Niklas Münch & Tobias Hausdorf, Audio: 35:00 Minuten)
Bei “Hinter den Zeilen” erzählen gleich vier Medienschaffende ihre persönlichen Geschichten vom Scheitern. Caroline Ring berichtet von einem “tot autorisierten” Interview, Carina Hohnholt von ihrem missglückten Podcastprojekt, Moritz Müllender von einer fehlgeschlagenen Recherche und Tobias Hausdorf von einer Protagonistin, die ihn plötzlich geghostet hat.

Stuckrad-Barres Buch, Elon und Tucker, Über Klimakrise berichten

1. Stuckrad-Barre, Döpfner, Böhmermann, Reichelt: Ein paar Männer und ein Problem
(berliner-zeitung.de, Tomasz Kurianowicz)
Gestern ist der neue Roman von Benjamin von Stuckrad-Barre erschienen, der vielen schon vorab als eine Art Schlüsselroman über die Vorgänge rund um den Springer-Verlag, Mathias Döpfner, Julian Reichelt und “Bild” galt. Tomasz Kurianowicz hat sich Gedanken über die damit in Zusammenhang stehenden Themenkomplexe gemacht und geht diese kompakt und gut lesbar durch. Dem “Tagesspiegel” kann man entnehmen, dass Ex-“Bild”-Chefredakteur Reichelt ein mögliches juristisches Vorgehen gegen den Roman prüfen lässt. Beim Deutschlandfunk stellt sich Kolumnist Matthias Dell mit Blick auf die Berichterstattung der “Zeit” in der vergangenen Woche die Fragen: “Was wäre, wenn Julian Reichelt die Döpfner-Nachrichten geleakt hat? Muss der Investigativjournalismus die Motive von Informanten abwägen?” Und in der “taz” geht es um die Erkenntnisse aus der neuesten “Stern”-Recherche (nur mit Abo lesbar): “Wie Mathias Döpfner einen Kredit von 60 Millionen Euro von einem berüchtigten Bankier bekam”.

2. “Es gibt in der Klimakrise keine neutralen Beobachter”
(journalist.de, Raphael Thelen)
Raphael Thelen, ehemaliger Journalist und jetzt Aktivist der Letzten Generation, fordert von seinen einstigen Kollegen und Kolleginnen mehr Engagement für das Klima. Der “journalist” dokumentiert eine Rede, die Thelen am 18. April auf einer Pressekonferenz in Berlin gehalten hat und in der er Medien an ihre Verantwortung bei der Berichterstattung über bevorstehende Protestaktionen erinnern will: “Sie können sich dann die Frage stellen: Berichte ich über die Blockaden, über die Autofahrenden und über die Erregung der Politik? Oder ordne ich den Protest ein, erkläre worum es geht. Berichte ich über die Klimakrise, wahrhaftig, also vielleicht: Einen Absatz über den Protest und dann den Rest über das warum, über die Zusammenhänge und Notwendigkeiten.”

3. Im Zeichen des Ukraine-Kriegs: Auslandsberichterstattung aus Warschau
(fachjournalist.de, Ralf Falbe)
Der “Fachjournalist” hat sich mit Paul Flückiger unterhalten, der seit mehr als zwei Jahrzehnten als freier Korrespondent in Warschau lebt. Hat der Krieg in der Ukraine die Auslandsberichterstattung verändert? Was macht Warschau für Korrespondenten so attraktiv? Und wie beurteilt Flückiger die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf sinkende Honorare und hohe Reisekosten bei der Recherche?

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4. Elon und Tucker
(spotify.com, Haken Dran, Dennis Horn & Gavin Karlmeier, Audio: 45:03 Minuten)
Twitter-Besitzer Elon Musk hat dem rechtsgerichteten Fox-News-Moderator Tucker Carlson ein Interview gegeben. Gavin Karlmeier hat sich das Gespräch, das wohl eher eine freundschaftliche Plauderei war, angesehen und fasst die wichtigsten Aussagen daraus zusammen. Außerdem geht es bei “Haken dran” um die “Possible Conference” und die neue Mastodon-Instanz des ZDF.

5. Wahlbetrugs-Lüge kostet Fox News 787,5 Millionen Dollar
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Weil der US-amerikanische Fernsehsender Fox News Donald Trumps Lügen vom Wahlbetrug und der “gestohlenen Wahl” verbreitete, zogen zwei Hersteller von Wahlmaschinen vor Gericht. Mit dem einen Hersteller habe sich der Sender auf einen ziemlich teuren Vergleich geeinigt: Fox News müsse der Firma Dominion 787,5 Millionen US-Dollar zahlen, was in etwa die Hälfte der ursprünglich geforderten 1,6 Milliarden US-Dollar sei.

6. Das steht im neuen Magazin von Andreas Gabalier
(profil.at, Philip Dulle & Lena Leibetseder)
Der österreichische Volksmusikstar Andreas Gabalier (“I sing a Liad für di”) hat jetzt sein eigenes Magazin im Red-Bull-Verlag. Bei “Andreas Gabalier” dreht sich alles, wenig überraschend, um Andreas Gabalier, der dort auch als Chefredakteur fungiert. Philip Dulle und Lena Leibetseder haben sich das Heft angesehen, das immerhin mit einer Auflage von 140.000 Exemplaren startet.

KI aber fair!, Momente der Wahrheit, Bußgeldverfahren gegen Twitter

1. Im Bündnis mit 15 Organisationen fordert die dju “KI aber fair!”
(dju.verdi.de)
Gemeinsam mit 15 Kultur- und Kreativverbänden hat die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) ein Positionspapier (PDF) zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) unterzeichnet. Die Verbände aus den Bereichen Text, Lektorat, Journalismus, Grafik, Illustration, Fotografie und Kunst fordern darin einen besseren Schutz ihrer kreativen Werke vor unberechtigter Nutzung, eine Stärkung des Urheberrechts und eine Vergütung für die Nutzung ihrer Werke: “Unsere schöpferischen Leistungen nutzen viele KI-Entwickler wie selbstverständlich zum Training ihrer Anwendungen. Diese Selbstbedienungsmentalität zulasten unserer Branche ist nicht akzeptabel”, so die Initiatoren von “KI aber fair!.
Weiterer Lesehinweis: Kanada ermittelt gegen Unternehmen hinter ChatGPT: “Der kanadische Datenschutzbeauftragte untersucht, ob OpenAI unerlaubt persönliche Daten sammelt. Auch US-Präsident Joe Biden fordert, dass KI-Produkte sicher sein müssen.”

2. “Ich möchte Momente der Wahrheit finden”
(journalist.de, Jan Freitag)
Khesrau Behroz hat bereits einige bemerkenswerte Podcasts produziert, darunter Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen?, Wer hat Angst vorm Drachenlord? und Noise. Was ihn antreibt, wie viel Aufwand er und sein Team betreiben, und warum er mit reinen Gesprächspodcasts mehr verdienen würde, verrät Behroz im gut geführten und lesenswerten Interview mit dem “journalist”.

3. Gefängnisleitung verwehrt RSF Assange-Besuch
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen protestiert gegen die Entscheidung der Londoner Gefängnisverwaltung, der Organisation das Recht zu verweigern, den dort inhaftierten Julian Assange zu besuchen: “Wir sind zutiefst enttäuscht über die willkürliche Entscheidung der Gefängnisverwaltung, uns den Besuch bei Julian Assange zu verwehren, obwohl wir alle Regeln befolgt haben. Julian Assange hat das Recht, Besucherinnen und Besucher im Gefängnis zu empfangen, und als Pressefreiheitsorganisation sind wir berechtigt, ihn zu besuchen. Wir fordern, dass die Entscheidung aufgehoben wird und wir umgehend Zugang erhalten.”

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4. Bundesamt für Justiz leitet Bußgeldverfahren gegen Twitter ein
(spiegel.de)
Wie Justizminister Marco Buschmann auf Twitter mitteilt, habe sein Ministerium ein Bußgeldverfahren gegen Twitter eingeleitet: “Dem BfJ liegen hinreichend Anhaltspunkte dafür vor, dass Twitter gegen die gesetzliche Pflicht zum Umgang mit Beschwerden über rechtswidrige Inhalte verstoßen hat. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Plattformen dürfen es nicht einfach hinnehmen, wenn ihre Dienste zur Verbreitung strafbarer Inhalte missbraucht werden.”

5. Springer schließt Druckstandort
(sueddeutsche.de)
Die Axel-Springer-Verlagsgruppe plant die Schließung ihres Druckstandorts Ahrensburg bei Hamburg. Dort drucke man bislang Regional- und Teilauflagen der “Bild”-Zeitung, von “Bild am Sonntag”, “Welt” und “Welt am Sonntag”, aber auch das “Hamburger Abendblatt” sowie Teilauflagen der “Süddeutschen Zeitung”. Von der Schließung des Standorts seien etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Die wegfallenden Auflagen wolle man auf andere im Besitz befindliche Druckereien verteilen.

6. Quelle Selbstauskunft: Falsche Opferidentitäten im Netz
(freitag.de, Özge İnan)
Özge İnan nimmt den Fall “Jule Stinkesocke”, eine bislang erfolgreiche, aber offensichtlich gefälschte Twitter-Identität, zum Anlass, ein paar gute Gedanken über unsere Liebe zu fein gesponnenem Seemannsgarn, analogen und digitalen Hochstaplern und erfundenen Opferidentitäten zu entwickeln.

Zukunft der ARD, Des Youtubers Ungereimtheiten, “Postillon” besorgt

1. Zu Teuer, zu Groß, zu Einseitig? Die Zukunft der ARD
(youtube.com, Zapp Medienmagazin, Kathrin Drehkopf & Tilo Jung, Video: 1:32:35 Stunden)
Das Medienmagazin “Zapp”hat eine Diskussionsrunde zur Zukunft der ARD initiiert: Wie müssen sich Strukturen, Programme und Inhalte der ARD verändern, um das Publikum auch in Zukunft mit Fernsehen und Radio zu erreichen? Und wie sieht die neue Digitalstrategie der ARD aus? Mit Kathrin Drehkopf und Tilo Jung diskutieren der neue ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Kai Gniffke, die Medienmanagerin Julia Jäkel, Medienstaatssekretärin Heike Raab und die Journalistin Yasmine M’Barek.

2. Was bringt der geplante Zukunftsrat?
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 6:58 Minuten)
Wer nutzt in zehn Jahren noch das klassische Live-Fernsehen? Sollten öffentlich-rechtliche Sender stattdessen mehr Geld in Formate für Plattformen wie TikTok investieren? Und wie sieht eine Mediathek aus, die mit großen Streaming-Anbietern mithalten kann? Fragen über Fragen, die nun ein “Zukunftsrat” beantworten soll. Was könnte so ein Gremium zur öffentlich-rechtlichen Zukunft bewegen?

3. Wie sich Pornoseiten klein machen
(netzpolitik.org, Chris Köver & Sebastian Meineck)
Online-Plattformen verkaufen sich gegenüber Investoren gerne als populär und mächtig. Gegenüber dem Gesetzgeber würden sie sich hingegen klein machen, um nicht in den Fokus von Regulierungen zu geraten. Auffällig schweigsam seien die großen Porno-Plattformen, denen eine ganze Reihe von zusätzlichen Auflagen drohe.

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4. Zwischen “rasenden Reporter:innen” und “Action-Journaille” – journalistische Berufsbilder in digitalen Spielen
(fachjournalist.de, Rudolf Inderst)
Beim “Fachjournalist” beschäftigt sich Rudolf Inderst, Professor für Game Design, mit der Darstellung von Journalisten und Journalistinnen sowie deren Beruf in Videospielen. Dabei beleuchtet er verschiedene Aspekte wie die Rolle von Medienschaffenden als Charaktere im Spiel, die Inszenierung von Journalismus als Teil der Spielmechanik oder auch die Vermischung realer und digitaler Welten.

5. Der YouTuber und die erschwindelten Spenden
(t-online.de, Lars Wienand)
Rund um den rechten Youtuber Niklas Lotz könnte es so manche Ungereimtheit geben. Wie Lars Wienand bei t-online.de berichtet, lasse sich der Polit-Influencer einiges einfallen, um Spenden zu generieren. Wienand ist der Frage nachgegangen, ob Lotz möglicherweise Strafanzeigen und Ermittlungsverfahren gegen sich erfindet, um seine Followerschaft um finanzielle Unterstützung bitten zu können. Fortsetzung: “Spenden-YouTuber tobt nach t-online-Recherchen” (t-online.de, Lars Wienand).

6. Stellenabbau bei “Bild”: Verkommt Deutschlands renommierteste Zeitung jetzt zum unseriösen Bumsblatt?
(der-postillon.com)
Der “Postillon” macht sich Sorgen um Renommee und Ruf der “Bild”-Zeitung als angesehenes Qualitätsblatt: “Nachdem die Verlagsgruppe Axel Springer SE gestern einen massiven Stellenabbau bei ‘Bild’ angekündigt hat, mehren sich Befürchtungen, die Zeitung könnte mittelfristig zum unseriösen Bumsblatt heruntergewirtschaftet werden.”

KW 46/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Chez Krömer – Zu Gast: Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt
(youtube.com, Kurt Krömer, Video: 29:51 Minuten)
Der Komiker Kurt Krömer begrüßt in der aktuellen Ausgabe von “Chez Krömer” Julian Reichelt. Passend zum Setting des kargen Verhörraums geht Krömer den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur mit konfrontativer Schärfe an.
Lesetipp: Bei kress.de hat Marc Bartl einige Pressereaktionen des viel diskutierten Schlagabtauschs zusammengestellt: “Verbal-blutiger Gladiatorenkampf”: Was Medienprofis zum Krömer-Reichelt-Rededuell sagen. Außerdem hat “journalist”-Chefredakteur Matthias Daniel auf Twitter eine lesenswerte Einordnung veröffentlicht.

2. Iran-Proteste; Medienarbeit der Mullahs
(ndr.de, Zapp, Video: 30:53 Minuten)
Im Medienmagazin “Zapp” spricht Shahrzad Eden Osterer, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk, über die Nachrichtenlage in Iran und die Rolle der Exil-Medien. Außerdem geht es in der Sendung um die “Medienarbeit der Mullahs”, die Social Media für Propagandazwecke nutzen.

3. Al Jazeera – katarisches Machtinstrument oder wichtige Stimme der arabischen Welt?
(br.de, Linus Lüring, Audio: 25:14 Minuten)
Al Jazeera ist ein Nachrichtensender mit Sitz in Doha, der Hauptstadt Katars, der bei vielen die Hoffnung auf einen neuen arabischen Journalismus auslöste. Manche sprachen in den Anfangsjahren von einer “journalistischen Revolution”. Doch wofür steht der Sender heute? Darüber spricht Linus Lüring mit Anne Allmeling (ARD-Korrespondentin Naher Osten), Carola Richter (Professorin für internationale Kommunikation an der FU Berlin) und Stephanie Doetzer (ehemalige Journalistin bei Al Jazeera).

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4. Melanie Amann, Leiterin des SPIEGEL Hauptstadtbüros
(ndr.de, Norbert Grundei, Audio: 59:27 Minuten)
Der Journalist und Medienmanager Norbert Grundei hat sich mit Melanie Amann unterhalten, die das “Spiegel”-Hauptstadtbüro leitet: “Wie lange hält die Koalition? Wie gut gehen Regierung und Opposition mit den vielen aktuellen Herausforderungen um? Wer kann gut mit wem in Berlin? Wie authentisch kann und sollte ein ein Politiker sein? Wie hat es sich angefühlt, mit Richard David Precht und Harald Welzer bei Markus Lanz über ihr Buch zum Thema Journalismus zu diskutieren?”

5. Elon Musks Twitterübernahme: Folgen für die Wissenschaft
(podcast.hans-bredow-institut.de, Johanna Sebauer, Audio: 43:27 Minuten)
Im “Bredowcast”, dem Podcast des Leibniz-Instituts für Medienforschung, geht es um Elon Musks Twitterübernahme und die daraus resultierenden Folgen für Wissenschaft und Medienforschung. Johanna Sebauer hat sich dazu den Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt eingeladen. Twitter biete der Wissenschaft bislang großflächigen Zugang zu seinem bis ins Jahr 2006 zurückreichenden Archiv. Schmidt hofft, dass dies unter Musk weiterhin der Fall bleibt, wenn auch zu anderen Konditionen: “Plausibel erscheint mir, dass er die Wissenschaft zur Kasse bittet und den Zugang zum Archiv nur gegen Bezahlung gewährt.”

6. Ein Urteil des LG Frankfurt am Donnerstag könnte Twitter zwingen Recht zu beachten oder zu schließen
(youtube.com, Anwalt Jun, Video: 13:12 Minuten)
“Twitter ist kaum noch handlungsfähig. Ein Urteil des LG Frankfurt könnte die Betriebseinstellung bedeuten, wenn Programmierer die nötigen Auflagen nicht rechtzeitig umsetzen könnten.” Chan-jo Jun erklärt, warum eine Betriebseinstellung von Twitter nicht ausgeschlossen sei, egal, ob durch eine Verfügung eines deutschen Gerichts (“Ja, das ist nicht so sehr wahrscheinlich, das wäre eine Sensation. Aber gleichwohl juristisch ist das nicht völlig ausgeschlossen”) oder durch eine Verbraucherschutzbehörde in den USA initiiert.

KW 40/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Was bleibt von den Vorwürfen gegen den NDR Kiel?
(ndr.de, Kathrin Drehkopf, Video: 29:50 Minuten)
In einem “Zapp spezial” geht es um die Vorwürfe im NDR-Landesfunkhaus in Kiel hinsichtlich einer eventuellen politischen Einflussnahme auf die Berichterstattung und den in Auftrag gegebenen internen Prüfungsbericht. Das NDR-Medienmagazin “Zapp” war bei der Vorstellung des Berichts dabei und hat mit einem Senderverantwortlichen sowie mit Mitarbeitenden über die Untersuchung gesprochen. Außerdem reden Julia Stein und Norbert Lorenzen, die ihre Posten als Redaktionsleiterin beziehungsweise Chefredakteur nun räumen müssen, erstmals über die Vorwürfe und darüber, wie sie die Aufarbeitung erleben.

2. Wie glaubwürdig sind die Medien? – Friedrich Küppersbusch im Hotel Matze
(mitvergnuegen.com, Matze Hielscher, Audio: 2:22:26 Stunden)
Älteren Fernsehzuschauerinnen und -zuschauern dürfte Friedrich Küppersbusch noch als schlagfertiger Moderator der TV-Show “ZAK” bekannt sein. Heute betätigt er sich vornehmlich als TV-Produzent, aktuell beispielsweise für “Chez Krömer”. Im Podcast “Hotel Matze” geht es um Küppersbuschs Werdegang, seinen Blick auf die deutsche Medienlandschaft und all das, was er sonst noch erlebt hat.

3. Die mediale Karriere eines verurteilten Doppelmörders
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell, Audio: 27:57 Minuten)
“Der Diplomatensohn Jens Söring wurde in den USA wegen Doppelmordes verurteilt. Mehr als drei Jahrzehnte später ist er frei und ein gefragter Interviewpartner in den Medien seiner Heimat – auch im Deutschlandfunk. Doch Experten zweifeln an der Geschichte, die er in den Medien erzählt. Und kritisieren die Rolle der Journalisten dabei.” Matthias Dell mit einem spannenden Deutschlandfunk-Feature über die “mediale Karriere eines verurteilten Doppelmörders”.
Weiterer Hörtipp: Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich unbedingt die überaus empfehlenswerte achtteilige Podcastproduktion “Das System Söring” anhören.
Und noch ein Lesetipp: In aller Gründlichkeit und Tiefe hat Stefan Niggemeier das Thema bei “Übermedien” aufbereitet: Die erstaunliche Medienkarriere des verurteilten Doppelmörders Jens Söring.

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4. Marieke Reimann über Außenwirkung und Eigenwerbung der ARD
(turi2clubraum.podigee.io, Markus Trantow & Aline von Drateln, Audio: 57:51 Minuten)
Im “turi2 Clubraum” ist Marieke Reimann zu Gast, die seit 2021 als zweite Chefredakteurin beim öffentlich-rechtlichen SWR tätig ist. Die 35-jährige Reimann kennt die Medienlandschaft aus unterschiedlichen Perspektiven: “Nach dem Studium arbeitet sie zunächst als Autorin für ‘Süddeutsche’ und ’11 Freunde’ und baut dann bei der ‘Zeit’ das Jugendmagazin ze.tt mit auf. Als ze.tt zu einem Ressort von Zeit Online wird, nimmt sie sich eine Auszeit und wechselt dann zum SWR.”

5. Hört auf uns mit New Work zu verarschen !
(druckausgleich.podigee.io, Annkathrin Weis & Luca Schmitt-Walz, Audio: 53:23 Minuten)
Annkathrin Weis und Luca Schmitt-Walz haben sich bei Journalistinnen und Journalisten nach deren Erfahrungen mit “New Work” umgehört: Sind Obstkorb, Tischkicker und Feierabendbier Errungenschaften einer neuen Arbeitskultur? Oder ist die Sache nur eine große “Verarsche”? Mit als Gast dabei: Patrick Breitenbach, einer der Köpfe des “Soziopod”.

6. Wie RTL, Sat.1 und Co. jetzt die Retro-Welle reiten
(funk.net, Walulis Daily, Video: 9:22 Minuten)
RTL hat die “Grande Dame des deutschen Nachmittags-Trash”, Richterin Barbara Salesch, zurück auf die Bildschirme geholt. Philipp Walulis erklärt, “wie großartig trashig die Neuauflage ist, warum RTL damit richtig Erfolg hat, und wie die komplette TV-Landschaft gerade wieder auf Retro setzt”.

Twitters Probleme, Scheitern an Google, Ohne Rückendeckung

1. Werbekunden fordern von Twitter Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch
(spiegel.de, Torsten Kleinz)
Auf Twitter sollen mehr als 500 Accounts Werbung für Kindesmissbrauchsmaterial gemacht haben. Die Tweets hätten der Kontaktanbahnung gedient und seien mit Codewörtern oder einschlägigen Hashtags versehen worden. Als Reaktion darauf hätten einige Großkunden ihre Anzeigenkampagnen gestoppt. Twitters Nachlässigkeit in dem Bereich könnte also noch teure Folgen haben.
Weiterer Lesetipp: Porno-Riesen schränken Suchfunktion ein – teilweise: “Die drei weltgrößten Pornoseiten reagieren auf Fälle sexualisierter Gewalt. Sie schließen problematische Begriffe aus der Suche aus, Pornhub verlinkt gar auf Hilfsangebote. Im direkten Vergleich sticht eine Seite jedoch heraus.” (netzpolitik.org, Sebastian Meineck)

2. Buchtipp: Neuauflage “Der Aufmacher”
(verdi.de, Tilmann P. Gangloff)
Zum achtzigsten Geburtstag von Günter Wallraff veröffentlicht der Verlag Kiepenheuer & Witsch eine Neuauflage des “Bild”-kritischen Klassikers “Der Aufmacher”. Das Buch entpuppe sich als überraschend aktuell, wie Tilmann P. Gangloff findet. Die Mechanismen des Marktes seien die gleichen geblieben: “Die Digitalisierung hat diese Art von ‘Journalismus’ nicht verändert, er ist bloß noch überdrehter geworden.”
Weiterer Hinweis: Natürlich muss in diesem Zusammenhang auf das Buch meiner BILDblog-Kollegen Moritz Tschermak und Mats Schönauer verwiesen werden: Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet (kiwi-verlag.de).

3. Hätten Precht und Welzer doch einfach mal jemanden gefragt!
(uebermedien.de, Nils Minkmar)
Vor wenigen Tagen haben der Philosoph Richard David Precht und der Soziologe Harald Welzer ihr neues medienkritisches Buch vorgestellt (“Die vierte Gewalt – Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist”). Nach Harald Staun (siehe die “6 vor 9” vom 27. September) beschäftigt sich nun auch Nils Minkmar mit dem Werk. Sein Eindruck: “Was die beiden eigentlich mit diversen Gedankengängen und nur halb tauglichen Beispielen beklagen, ist ihre Minderheitenposition in der Ukrainefrage, denn beide verhalten sich abwartend bis neutral, was die Hilfe für Kiew angeht.”

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4. Was bekommen junge Erwachsene für ihren Rundfunkbeitrag?
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, 37:11 Minuten)
Jutta Harrer-Amersdorffer, Professorin für soziale Arbeit, will wissen, warum es für junge Erwachsene nicht mehr Angebote bei ARD und ZDF gibt. Darüber diskutiert sie mit HR-Intendant Florian Hager, bis vor Kurzem für die Entwicklung der ARD-Mediathek verantwortlich, und Annika Schneider aus der Deutschlandfunk-Medienredaktion.

5. Freie Krisen- und Kriegsreporter – Im Einsatz ohne Rückendeckung
(message-online.com)
Laurent Schons Film “Im Einsatz ohne Rückendeckung” (youtube.com, 12:11 Minuten) beschäftigt sich mit dem Thema Kriegsberichterstattung und lässt einige erfahrene Reporterinnen und Reporter zu Wort kommen: “Jörg Armbruster und Alex Chan Tsz Yuk – beide gerieten im Einsatz unter Beschuss. ‘Netzwerk Recherche’-Vorstandsmitglied Pascale Müller und Auslandskorrespondent Marc Engelhardt geben Einblicke in die Branche und ‘Reporter ohne Grenzen’-Sprecher Christopher Resch zeigt Wege aus der Krise auf.”

6. Deutsche Verlage scheitern an Google
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Alexander Fanta)
“Eigentlich sollten Google und weitere Tech-Konzerne den Medien in Europa Geld für die Nutzung ihrer Inhalte zahlen. Doch während die Presse anderswo Millionen an Lizenzgebühren kassiert, kommt hierzulande wenig an. Das Nachsehen haben insbesondere Journalist:innen.” Ingo Dachwitz und Alexander Fanta erklären, warum die deutschen Verlage nicht weiterkommen im Kampf um die Digitalgelder der Plattform-Giganten.

Fragenkatalog für Schlesinger, Falsche Schlüsse, Zum Einschlafen

1. Potsdamer Abgeordnete verfassen eigenen Fragenkatalog zu Vorwürfen gegen den RBB
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der Hauptausschuss des Brandenburger Landtages hatte die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger eingeladen, um sie zu den Vorwürfen hinsichtlich des geplanten Digitalen Medienhauses des Senders zu befragen. Nachdem Schlesinger der Ausschusssitzung fernblieb, haben die Abgeordneten ihr nun einen Fragenkatalog zukommen lassen, der auch dem “Tagesspiegel” vorliegt. Kurt Sagatz fasst die Auskunftswünsche an die Intendantin zusammen.

2. Orrr, ey.
(twitter.com, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier beschwert sich in einem Twitter-Thread über Medien, die Zahlen einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa falsch zusammengewürfelt hätten. So werde an verschiedenen Stellen von stark sinkenden Zustimmungswerten für Bundeskanzler Olaf Scholz berichtet. Der Vergleich mit den Werten der Vorwoche, wie ihn mehrere Medien anstellen, sei jedoch wegen geänderter Kandidatenzahl bei der Forsa-Abfrage unzulässig. Leider hätten einige Redaktionen falsche Schlüsse gezogen: “Der @Tagesspiegel hat es sogar geschafft, aus dem falschen Vergleich gleich eine halbe Koalitionskrise zusammenzufabulieren.”

3. Wieso “Spiegel” und “Zeit” wachsen, der “Stern” aber nicht
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Bei “DWDL” hat Uwe Mantel die Auflagenzahlen des zweiten Quartals analysiert: “Spiegel” und “Zeit” können weiter deutlich steigende Auflagen melden, was sich mit dem guten Digitalverkauf erklären lasse. Starke Einbußen mussten vor allem Fernsehzeitschriften, Sport-Titel und Magazine wie die “Landlust” hinnehmen.

Bildblog unterstuetzen

4. “Telemarathon”: Kaum Kritik an Selenskyj
(deutschlandfunk.de, Florian Kellermann, Audio: 4:18 Minuten)
Zu Kriegsbeginn hat die ukrainische Regierung die größten TV-Kanäle des Landes zu einem Programm zusammengefasst, dem “Telemarathon”. Was anfangs naheliegend und nötig gewesen sei, wird jetzt immer stärker kritisiert. Die Konstruktion zwinge die beteiligten Fernsehsender zu einer einheitlichen, regierungstreuen Berichterstattung.

5. Nicht zum Aushalten
(verdi.de, Tina Groll)
Tina Groll, Bundesvorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union, kommentiert die neue Studie der Otto Brenner Stiftung über die Auswirkungen der Medientransformation auf Medienschaffende. Sie kritisiert vor allem die Arbeitgeber: “Sie müssen sich um ein betriebliches Gesundheitsmanagement kümmern, und zwar eines, das die psychische Gesundheit in den Fokus nimmt. Fragt man jedoch Betriebsräte in Medienunternehmen, zeigt sich allzu oft, dass sie in diesem Feld auf Granit stoßen.”
Auch der Deutsche Journalisten-Verband sieht die “Medienarbeitgeber in der Pflicht” und bezeichnet die Ergebnisse der Studie als “Alarmsignal für den ganzen Journalismus, das nach geeigneten Maßnahmen der Arbeitgeber geradezu schreit”.

6. Das Business mit Einschlaf-Podcasts: Warum langweilige Formate Millionen-Reichweiten haben
(omr.com, Martin Gardt)
Zum Wochenende noch ein Lesetipp der besonderen Art: ein Bericht über das lukrative Geschäft mit besonders langweiligen und einschläfernden Inhalten.

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