Suchergebnisse für ‘BILD’

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“Schon unser Vokabular ist parteiisch”
(taz.de, Annette Brüggemann)
Die Nachrichtenindustrie schafft eine künstliche Medienwelt, die nichts mit der realten Welt gemeinsam hat, meint der holländische Auslandsreporter Joris Luyendijk.

Internet: Klick die Clique!
(news.at/profil, Angelika Hager und Sebastian Hofer)
Für Teenies zählt das soziale Online-Netzwerk Facebook heute zum überlebensnotwendigen Kommunikationsmittel. Wie die Freundschaftsbörse das soziale Verhalten und die Zukunft des Netzes beeinflussen wird.

Schleichende Papierlosigkeit
(medienkonvergenz.com, Andreas Göldi)
Als ich neulich die Koffer für die übliche weihnachtliche Verwandtenbesuch-Rundreise packte, fiel mir plötzlich etwas auf: Ich packte keine papierbasierten Informationsträger ein. Gar keine. Null.

Neu-alte Herausforderer bedrängen mediale Platzhirsche
(nzz.ch, ras.)
Bundesrat Leuenberger steht vor heiklen medienpolitischen Entscheiden: Soll er die alten Herrschaften im lokalen Radio- und Fernsehsektor bestätigen, oder sollen neue Akteure eine Chance erhalten? 72 Bewerber interessieren sich für 54 Radio- und Fernsehkonzessionen.

Oktoberrevolution: Wie der SPIEGEL fälscht
(linkezeitung.de, Frederik Haber)
Das Nachrichtenmagazin mit dem seriösen Image stellt sich an die Spitze der antirevolutionären Propaganda: Mit einem SPIEGEL-SPECIAL, einem Film in Zusammenarbeit mit dem ZDF und zusätzlichen Artikeln soll demonstriert werden, dass der Oktober 1917 der Auftakt zum Terror war und die Revolution eigentlich keine war.

Eine Nummer kleiner
(sueddeutsche.de, Caspar Busse und Christopher Keil)
Springer plant eine Kompakt-Version der Bild am Sonntag. Sie könnte billiger und dünner werden als die BamS. Die besten Leute des Konzerns sollen das Projekt vorantreiben – und schnell soll alles gehen.

Die “Details und Formalitäten” des Jens Lehmann

“BILD berichtete” ist eine Formulierung, die sich quasi täglich in “Bild” findet. Häufig bedeutet sie: “Bild” berichtete falsch oder ahnungslos, will’s aber nicht zugeben.

In einem Artikel über den Fußballtorwart Jens Lehmann in der heutigen Ausgabe allerdings findet sich die “BILD berichtete”-Formulierung nicht. Das ist erstaunlich, denn: “Bild” berichtete — erst vorgestern noch in großer Aufmachung, auf der Titelseite und im Sportteil. Und zeitgleich hatten die Nachrichtenagenturen und zahllose Medien die Meldung von Deutschlands meistzitierter Zeitung weiterverbreitet.

Die “Bild”-Meldung stand am Donnerstag unter der Überschrift “Lehmann sagt JA!” und lautete:

Der National-Torhüter hat dem BVB jetzt sein Ja-Wort gegeben. Ab der Rückrunde will er in Dortmund zwischen den Pfosten stehen. Es fehlt nur noch seine Unterschrift. (…) Bevor ein Vertrag unterschrieben werden kann, muss Deutschlands Nummer 1 allerdings noch einige Details und Formalitäten klären.

Lehmann-Dementis
 
Dem kicker teilte Lehmann wörtlich mit, “dass ich dem BVB nicht zugesagt habe und es im Moment auch nicht danach aussieht”. Auch Bundestrainer Joachim Löw bestätigte (…): “Ich habe heute morgen kurz mit ihm telefoniert (…). Es ist definitiv noch keine Entscheidung gefallen. (…)” Auch Borussia Dortmund dementierte Meldungen einer Einigung mit Lehmann: “Es gibt bislang keine definitive Zusage. (…)”
Kicker.de am 10.1.2008

Lehmann dementierte sein “JA!” umgehend (siehe Kasten), und in deutlich kleiner Aufmachung und unter der Überschrift “Tritt Lehmann nach der EM zurück?” hieß es am Freitag in “Bild”:

Jens Lehmann (38) und Dortmund – finanziell ist alles klar. Aber erst, wenn zufriedenstellend geregelt ist, wo seine zwei schulpflichtigen Söhne Lasse (11) und Mats (7) künftig zur Schule gehen, will Lehmann auch unterschreiben (BILD berichtete).
(Hervorhebung von uns.)

Kein Zweifel, “Bild” hatte hoch gepokert — und verloren: “Lehmann sagt dem BVB ab!” heißt es heute in “Bild”, aber einen Hinweis darauf, wer die angebliche Zusage exklusiv herausposaunt hatte, gibt es nicht.*

*) Auch auf Bild.de (wo man mit “Mehr zum Thema”-Kästen für gewöhnlich nicht geizt) verzichtet man auf irgendeinen Hinweis zur Lehmann-Ente.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber.

Ohne Worte

"11,2 Millionen Deutsche leben als Single – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die wenigsten von ihnen (8 Prozent) sind allein, weil sie es so wollen. Das zeigt zumindest eine aktuelle Umfrage unter 4000 Nutzern, die bei der Online-Partnervermittlung ElitePartner registriert sind."
Mit Dank an Stefan H. und Norbert P. für den sachdienlichen Hinweis.

Brandheiße Fehlinformation

"FRAU VERBRANNT, weil die Feuerwehr zum falschen Haus fuhr?"Ziemlich groß berichtete “Bild” gestern bundesweit über einen Wohnungsbrand im nordrhein-westfälischen Vorst: “FRAU VERBRANNT, weil die Feuerwehr zum falschen Haus fuhr?” (siehe Ausriss).

Zwar hatte die “Rheinische Post” schon zwei Tage vorher ausführlich über diese Feuerwehr-Panne berichtet. Aber es geht gar nicht darum, dass “Bild” gerne so tut, als seien ihre Nachrichten besonders aktuell. Vielmehr geht es darum, dass “Bild” gerne so tut, als wüsste sie besonders genau Bescheid. So schrieb “Bild” gestern im Text und in zwei Fotounterzeilen:

Es ist eine Horrorvision: Feuer im Wohnhaus. (…) Die Feuerwehr fährt zum falschen Haus — und in den Flammen stirbt eine Rentnerin. (…) Bevor die Retter eintreffen, können Nachbarn Rentner Josef gerade noch aus der Feuerwohnung ziehen. Seine Frau erstickt qualvoll, wird später tot geborgen.

Feuerwehrmänner löschen den Brand (…) — zu spät für eine Bewohnerin. (…) Gisela M. schlief wahrscheinlich, als das Feuer ausbrach. Sie starb in den Flammen.

Und außerdem schrieb “Bild” noch:

Heute soll das Obduktionsergebnis Aufschluss bringen. Oberstaatsanwalt Heinz-Dieter Menden: “Dann entscheiden wir, ob gegen den Feuerwehrmann wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird.”

Wie gesagt, das war gestern. Heute indes finden wir keinerlei Berichterstattung über den Wohnungsbrand und über das Obduktionsergebnis. Dabei gab es gestern eine Agenturmeldung zum Thema. Überschrift: “Frau ist nicht wegen Feuerwehr-Panne gestorben” Die Obduktion habe ergeben, dass sie “krank und vor Ausbruch des Brandes eines natürlichen Todes gestorben war”.

Wollen wir hoffen, dass “Bild” jetzt auch nur wieder etwas länger braucht, als die “Rheinische Post”, die gestern online und heute in ihrer Druckausgabe darüber berichtet, dass die Feuerwehr nicht Mitschuld am Tod der Frau war.

Mit Dank an Andreas W. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 15.06 Uhr (mit Dank an Raphael S.): In die Düsseldorfer “Bild”-Lokalausgabe hat die Meldung über das Obduktionsergebnis es heute immerhin geschafft.

Alle Kriminellen sind Ausländer, fast überall

Weil es bei ihrer Kampagne für ein härteres Jugend- und Ausländerstrafrecht und die Wiederwahl von Roland Koch schon vergangene Woche so gut funktioniert hat, benutzt die “Bild”-Zeitung heute einfach noch einmal den Trick mit der Statistik — und erweckt wieder den falschen Eindruck, sämtliche Straftaten in bestimmten Bereichen würden von Ausländern verübt.

Der Artikel ist Teil 1 der neuen Serie: “BILD-Report über kriminelle Ausländer”, und anscheinend geht es auch allein darum:

(…) Sieben Jugendliche, arabischer und türkischer Herkunft, 17 bis 21 Jahre alt, zertrümmern die Scheiben einer U-Bahn. (…) Die Polizei fasst drei Täter: Einen Iraker (17), zwei 16-Jährige aus Gaza. (…) Übergriffe krimineller Ausländer in Deutschland — lange war es ein Tabu-Thema. (…) In einer neuen Serie beleuchtet BILD die Brennpunkte der Ausländer-Kriminalität in Deutschland. (…) Drogendealer meist arabischer Herkunft schleichen umher (…). 2006 gab es allein in Berliner Bussen und Bahnen etwa 22.381 Straftaten. (…) In Münchner U-Bahnen gab es 192 Gewalttaten. In Hamburg waren es im letzten Jahr 195 Prügeleien oder Messerstechereien, in Frankfurt/Main immerhin noch 84. (…)

Haben Sie’s gemerkt? Die Zahlen, die inmitten all dieser Ausländergeschichten stehen — es sind keine Ausländerzahlen. Es ist die Gesamtzahl aller Straf- oder Gewalttaten, egal von welchen Landsleuten sie verübt wurden. “Bild” erwähnt das nicht. Auch die anderen Schilderungen von ängstlichen Wachleuten oder resignierten Busfahrern kommen teilweise ganz ohne konkreten Bezug zur Herkunft der Täter auf, so als sei Jugendgewalt ganz selbstverständlich Ausländergewalt.

Analog dazu hat “Bild” ein Interview mit dem CSU-Politiker Peter Gauweiler zwar laut Überschrift “zur Kriminalität von Ausländern” geführt. Tatsächlich geht es darin aber fast ausschließlich um Gewalt in U- und S-Bahnen allgemein — abgesehen vor allem von diesem Satz Gauweilers:

Deutschland wird in der Münchner U-Bahn verteidigt, am Bahnhof Zoo in Berlin und in der Frankfurter Innenstadt.

Christian Pfeiffer, der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, sagte am Sonntag bei “Anne Will” auf die Frage, ob Roland Koch durch seine Vorstöße die Wahlen gewinnen werde:

“Ich denke, diese Koppelung von überzogenen Forderungen mit einer Hetzkampagne der Bild-Zeitung wird ihm nicht helfen, weil es da einfach zu sehr übertrieben wurde und die Einseitigkeit “Ausländer sind kriminell” und das ständig und über Tage wiederholt, das ging zu weit und das begreifen die Bürger.”

Mit “Hetzkampagne” muss Pfeiffer dies hier meinen:

Andererseits:

  • Die Kriminalität in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen.
  • Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen hat deutlich abgenommen.
  • Nach Jahren des Anstiegs geht die Jugendkriminalität seit 1996 zurück.
  • Jugendliche begehen sehr viel weniger Tötungs- und Raubdelikte als noch vor zehn Jahren; die Zahl der von ihnen begangenen Körperverletzungen aber nimmt zu.
  • Bei der Gewaltkriminalität ist der Anteil der Tatverdächtigen, die keine Deutschen sind, gesunken.
  • Ob Jugendgewalt häufiger und schlimmer geworden ist, ist unklar. Möglicherweise nimmt die Zahl der Fälle nur deshalb zu, weil häufiger als früher die Polizei gerufen wird.
  • Jugendliche mit Migrationshintergrund werden häufiger straffällig, aber nicht so viel mehr, wie die Statistiken glauben machen.
  • Christoph Frank, der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, sagt: “Die Formel härtere Strafen gleich höhere Abschreckung gleich weniger Straftaten ist schlicht falsch.”
  • Anders als zwischen Strafmaß und Kriminalität gibt es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Kriminalität: In München geht die Mehrzahl der Türken nur auf die Hauptschule, in Hannover nicht mehr; in München werden immer mehr Türken Mehrfachtäter, in Hannover immer weniger.

Umfassende und differenzierte Informationen finden sich in Medien, die nicht auf einem politischen Kreuzzug sind, zum Beispiel auf tagesschau.de sowie in “Telepolis”, das den Bericht der Innenministerkonferenz über die Entwicklung der Gewaltkriminalität junger Menschen (pdf) zusammenfasst.

Mit Dank an Christoph K.!

Gerührt oder geschüttelt

Gestern illustrierte die “Bild am Sonntag” einen Bericht über den tragischen Skiunfall zweier Freundinnen (bei dem die eine schwer und die andere tödlich verletzt worden war) u.a. mit Fotos der beiden Unfallopfer — ohne Unkenntlichmachung und möglicherweise auch ohne Erlaubnis. Das Foto der Toten jedenfalls (und weitere persönliche Angaben zur Person) hatte die “BamS” aus dem Internetangebot von SchülerVZ übernommen. (Wir berichteten.)

Nun hat sich, entsetzt über das Vorgehen der Zeitung, eine Bekannte der Unfallopfer bei uns gemeldet, weil ihr einer der “BamS”-Autoren gestern über ihren SchülerVZ-Account eine Nachricht zukommen ließ, die wir (mit ihrem Einverständnis) hier dokumentieren. Denn so bekommt man eine genauere Vorstellung davon, wie es klingt, wenn “Bild” Witwen schüttelt versucht, an persönliche Informationen zu kommen.

Liebe             , entschuldige bitte, dass ich Dich hier so von der Seite anschreibe. Mein Name ist Sven Kuschel. Ich bin Journalist und bearbeite gerade diesen furchtbar tragischen Ski-Unfall in Österreich. Wir werden für morgen in der BILD noch einmal auf einige Details eingehen (Pistengefahren und was man in Zukunft besser machen kann, um ähnliches zu verhindern: Helme, etc.). Es tut mir sehr leid, dass Eure Freundin so schwer verunglückt ist. Für uns wäre es wichtig, noch einmal einige Details von der Piste zu bekommen. Hast Du denn einen Draht zur            [zweites Unfallopfer]? Gestern haben die Behörden gesagt, sie sei mittlerweile ausgeflogen und es gehe ihr den Umständen entsprechend. Vielleicht kann sie bei all der Tragik zumindest noch dabei helfen, ein Problem mit der Piste oder ähnlichem aufzuklären. Wie gesagt, bitte entschuldige den “Überfall” hier. Ich bin entweder hier erreichbar oder telefonisch in der Redaktion Köln unter 0221            .

Ich wünsch Dir einen nicht ganz so schweren Tag
Sven

PS: Soweit wir wissen, ist Kuschels Service-Artikel über “Pistengefahren und was man in Zukunft besser machen kann” bislang noch nicht in “Bild” erschienen. Der “Bild am Sonntag”-Artikel allerdings wurde am heutigen Nachmittag komplett aus dem Angebot von Bild.de entfernt.

medienlese – der Wochenrückblick

Die volle Wahlfreiheit, der Blogger als Schwein, gute Vorsätze.

Deutschlands Medienwoche war geprägt von einer Debatte um Jugendkriminalität. Weil es in Frankfurt, in München, Berlin und nochmal München zu Gewalttaten in U-Bahnen kam, kümmerten sich die Medien (und dann auch noch die Politik) fast ausschliesslich um diese Fragen. Auf bild.de konnte man dazu Stellung beziehen und entscheiden, was mit den Gewalttätern passieren soll. Abschieben? Wegschliessen? Umerziehen? Vorbildlich auch, dass bild.de ihren Usern die volle Wahlfreiheit liess. Wer wollte, konnte für alle drei Optionen gleichzeitig sein. Was wieder mal beweist, wie sinnlos Umfragen im Internet oft sind.

Die NZZ las ein offenbar schlechtes Journalismus-Lehrbuch über Videojournalismus. SRM. nervte sich über “die Mogelpackung”: “Von herkömmlichem Fernsehjournalismus unterscheidet er [der Videojournalismus] sich vor allem darin, dass der Journalist zu einer Art eierlegender Wollmilchsau mutiert, die nahezu alles kann – er ist zunächst Reporter, Kameramann und Tontechniker und dann auch noch sein eigener Redaktor und Cutter.” Dass das Buch nicht gut ist, kann ja sein, allerdings ist diese angeblich eierlegende Wollmilchsau keine Unmöglichkeit. Einige Blogger beweisen bereits, dass sie solche Schweine sein können.

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Witwenschütteln 2.0

Was Journalisten mit “Witwenschütteln” meinen, kann vielleicht am besten jemand erklären, der fachkundig ist. Der ehemalige “Bild”-Chefredakteur Udo Röbel zum Beispiel. Dem “Tagesspiegel” sagte er 2002:

Hatte man etwa bei einem Unglück die Adresse von Hinterbliebenen herausgefunden, ist man sofort hingefahren, klar. Beim Abschied aber hat man die Klingelschilder an der Tür heimlich ausgetauscht, um die Konkurrenz zu verwirren. Ich war damals oft mit dem selben Fotografen unterwegs, wir hatten eine perfekte Rollenaufteilung. Er hatte eine Stimme wie ein Pastor und begrüßte die Leute mit einem doppelten Händedruck, herzliches Beileid, Herr… Ich musste dann nur noch zuhören. So kamen wir an die besten Fotos aus den Familienalben.

Die “Bild”-Zeitung ist ohne Frage ganz besonders erfolgreich darin, Fotos von Opfern zu besorgen, mit denen sie ihre Artikel bebildern zu müssen glaubt, und es spricht einiges dafür, dass ihre Mitarbeiter ganz besonders wenig Hemmungen bei diesem Teil ihrer Arbeit haben. Dazu gehört zum Beispiel auch, bei einer Frau zu klingeln, deren Mann gerade mit seinem Auto tödlich verunglückt ist, und sie mit dem Hinweis um die Herausgabe eines Fotos zur Veröffentlichung zu bitten, dass sie doch sicher ein schöneres Bild von ihrem Mann habe als das, was man gerade am Unfallort gemacht habe.

Das sogenannte Web 2.0 hat die Arbeit der Fotobeschaffer von “Bild” zweifellos einfacher gemacht. Vor allem in Netzwerken wie StudiVZ lassen sich schon mit Angaben wie Name und Studienort private Fotos von Opfern von Unfällen oder Verbrechen finden — und unter Missachtung von Urheber- und Persönlichkeitsrecht verwenden. Und jeden Tag kann man in der Zeitung sehen, dass “Bild” nicht einmal ein besonderes öffentliches Interesse voraussetzt, um sich das Recht zu nehmen, die Opfer ohne jegliche Unkenntlichmachung abzubilden.

Ein typischer Fall war der Unfall zweier junger Studentinnen im April 2007, deren Wagen auf der Autobahn in die Leitplanke fuhr und die durch ein nachfolgendes Fahrzeug getötet wurden: “Bild” zeigte die Gesichter beider Toten — mindestens eines der Fotos stammte aus ihren StudiVZ-Profilen. Ob die schockierten Eltern damals eine Genehmigung dafür gaben, wissen wir nicht.

Heute nun berichtet “Bild am Sonntag” über den tragischen Tod eines Mädchens, das nach einem Zusammenstoß auf der Skipiste starb. Sie hatte sowohl bei StudiVZ als auch bei SchülerVZ ein Profil. “Bild am Sonntag” hat nicht nur die Angaben dort zur Recherche genutzt, beschreibt das Mädchen aufgrund ihrer verlinkten Kontakte als “sehr beliebt”, nennt ihr Lieblings- und ihr Hassfach. Die Zeitung hat sich auch eines der auf SchuelerVZ befindlichen Fotos bedient — deutlich zu erkennen an der typischen Markierung im Bild (siehe Ausriss rechts).

Gut, wir können natürlich nicht völlig ausschließen, dass ein “Bild”-Reporter bei den Angehörigen des Mädchens mit der Stimme eines Pastors und doppeltem Händedruck vorbeischaute, um ein Foto aus dem Familienalbum bat und die Antwort bekam: “Nee, das ist uns nicht recht. Aber melden Sie sich doch einfach mal als Schüler bei SchülerVZ an, da hatte unsere Tochter ein Profil mit vielen privaten Fotos von sich und ihren Freunden. Können Sie sich gerne bedienen.”

Mit Dank an Bastian P., Jan K., Dirk S., Christoph, Micha Z., Daniele, Jan, Johannes K., Alexander B., Daniel F. und Philipp W.!

Erziehungscamp für Max und Moritz

Die Rheinische Post feiert Wilhelm Busch – und vergibt die Chance auf einen passenden Kommentar zur Debatte um “Erziehungscamps” und “Warnschussarrest”.

?Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen!? Gemeint sind damit zur Abwechslung nicht jugendliche U-Bahn-Schläger sondern Max und Moritz. Jene beiden Lausbuben aus Wilhelm Buschs bitterböser Bildergeschichte, die erst ihren Opfern grandiose Streiche spielen, dann aber erwischt, zu Mehl gemahlen und Gänsen zum Fraß vorgeworfen werden.

Rheinische Post 5. Januar
Rheinische Post am 5. Januar

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