Suchergebnisse für ‘BILD’

Du sollst nicht stehlen

Stolz präsentiert die “Bild am Sonntag” in der Rubrik “Die ‘BamS’-Leser wussten es zuerst!” allwöchentlich, welche Medien nach Auffassung der “BamS” Themen aus der “BamS” aufgriffen. Motto:

Wer BILD am SONNTAG liest, weiß schon am Sonntag, worüber in anderen Medien erst später berichtet wird.

"Klopp: Ich rede jeden Tag mit Gott"Manchmal wissen “BamS”-Leser indes auch erst viel später, worüber in anderen Medien schon viel früher berichtet wurde. So “verrät” der Fußballtrainer Jürgen Klopp gestern in einem “BamS”-Artikel von Joachim Schuth (siehe Ausriss) fast wörtlich dasselbe, was er vor fast drei Monaten bereits im Interview mit Gottfried Sohl der Internetseite “Unsere Kirche in Westfalen und Lippe” (“UK”) erzählt hat:

Klopp heute in der “BamS”: Klopp im Juni im “UK”-Interview:
“[Der Glaube] ist mein roter Faden durchs Leben”, sagt [Klopp], “neben den Menschen in meinem engsten Umfeld das Wichtigste überhaupt.” “Neben den Menschen in meinem engsten Umfeld [spielt der Glaube] die wichtigste [Rolle in meinem Leben]. (…) Mein roter Faden durchs Leben ist mein Glaube, ganz klar!”
“Ich rede täglich mit Gott”, versichert er, “Beten ist ein wichtiger Bestandteil meines Christseins.” “Beten ist ein wichtiger Bestandteil meines Christseins, ganz klar!”.
Zwar beteiligt er sich nicht an Bibelkreisen oder ähnlichen Dingen, die fromme Kicker schon mal gerne auf die Beine stellen. “Ich mache auch nicht mit bei Gebetstreffen, Bibelkreisen und solchen Dingen, die fromme Kicker schon mal gerne auf die Beine stellen.”
Doch Klopp gibt offen zu: “Auch wenn ich manchmal tagsüber so viel zu tun habe, dass ich im Abendgebet einschlafe. Auf alle Fälle beende ich jeden Tag mit einem Gebet.” “Auch wenn ich manchmal tagsüber so viel zu tun habe, dass ich im Abendgebet einschlafe. Auf alle Fälle beende ich jeden Tag mit einem Gebet (…).”
Bereits als kleiner Junge wurde er sonntags von seiner Oma mit in die Kirche genommen. “Sie ist dort regelmäßig eingeschlafen”, erinnert er sich grinsend. “Meine Oma hat mich sonntags mit in die Kirche genommen und ist dort regelmäßig eingeschlafen.”
Aber ihn selbst hat schon damals fasziniert, wie schnell man in der Kirche zur inneren Ruhe kommt. Auch wenn er heute nur noch selten wegen der zeitlichen Überschneidung mit dem Fußball einen Gottesdienst mitfeiern kann (…) “Leider [gehe ich] nicht [regelmäßig in die Kirche], weil die zeitliche Überschneidung zwischen Gottesdienst und Fußball doch enorm ist. (…) Was ich in der Kirche total mag, ist die innere Ruhe, die man da findet.”
“Grundsätzlich gibt es in meinem Leben unglaublich viele Gründe, mich im Minutentakt bei Gott zu bedanken. Aber auch in Phasen, in denen es mir nicht immer so gut ging, war mein Glaube gleich stark.” “Grundsätzlich gibt es in meinem Leben unglaublich viele Gründe, mich im Minutentakt zu bedanken. Aber es ging mir nicht immer so gut, und trotzdem war mein Glaube immer gleich stark.”
Mit dem Begriff “Fußballgott” kann der 41-Jährige allerdings nichts anfangen. Eine unpassende Wort-Symbiose, bei der ihm eher unwohl wird: “Es gibt so viel wichtigere Dinge als Fußball. Gott hat dementsprechend mehr zu tun, als sich um Fußball zu kümmern.” “Ich fühle mich mit dem Begriff [Fußballgott] eher unwohl. Denn (…) es gibt viel wichtigere Dinge als Fußball. Und dementsprechend kümmert sich Gott um alles.”
Klopp würde deshalb auch nie in den Sinn kommen, vor einem schweren Spiel um den Sieg zu beten. Er sagt: “Ich bitte ihn nur um Kraft und Besonnenheit, die Dinge richtig einzuschätzen und anzugehen.” “Aber ich bete nie um den Sieg im Fußball, sondern um Kraft, um Besonnenheit, um die notwendige Ruhe, die Dinge richtig einzuschätzen. Aber nicht darum, dass wir gewinnen.”

Und obwohl also quasi der gesamte “BamS”-Text aus dem “UK”-Interview abgeschrieben ist, und es keine Vereinbarung mit “UK” gibt, wie man uns dort mitteilt, erwähnt die “BamS” ihre Quelle mit keinem einzigen Wort.

Mit Dank an Frank E. für den sachdienlichen Hinweis.

“Stoppen Sie voyeuristische Berichterstattung!”

"Erzbischof Sterzinsky kritisiert Medien"Ja, das hier links ist tatsächlich ein Ausriss aus der “Bild”-Zeitung. Georg Kardinal Sterzinsky hat beim gestrigen Medienempfang des Erzbistums in Berlin unter anderem die “Bild”-Zeitung kritisiert – und “Bild” berichtet unter der Überschrift “Erzbischof Sterzinsky kritisiert Medien” darüber. Das ist ungewöhnlich für “Bild”.

Anlass für Sterzinskys Kritik war die Veröffentlichung eines Leser-Reporter-Fotos, das einen geistig verwirrten, nackten Mann zeigte, der mitten am Tag auf allen Vieren über eine Kreuzung kroch (wir berichteten). “Bild” hatte das Foto “garniert mit zynischen und ehrabschneidenden Kommentaren”, wie Sterzinsky es in seiner Rede ausdrückte (siehe Kasten).

Aus Sterzinskys Rede

“Aber warum dann immer wieder einzelne Entgleisungen – wie jüngst, als ein Verwirrter, der nackt durch die Straßen Berlins kroch, sich in grob kompromittierender Weise in der Zeitung wiederfand, garniert mit zynischen und ehrabschneidenden Kommentaren. ‘Die Wahrheit über den Menschen bekannt gemacht?’ – Meine Bitte an die Verantwortlichen des Boulevard-Journalismus: Stoppen Sie voyeuristische Berichterstattung! Beenden Sie den Unsinn, Sensationslust und niedere Instinkte durch das fragwürdige Handwerk sogenannter ‘Fotoreporter’ zu bedienen!”

Offenbar in der Absicht, die Berichterstattung zu entschuldigen, anstatt sich für sie zu entschuldigen, schreibt “Bild” zu Sterzinskys Vorwurf:

Das Gesicht des Mannes war nicht erkennbar. Eine Nachfrage bei der Feuerwehr, ob in der fraglichen Zeit eine hilflose Person in Neukölln aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht wurde, wurde damals verneint. Am Tag nach der Veröffentlichung berichtete der “Tagesspiegel”, dass es sich bei dem Mann um einen geistig Verwirrten gehandelt hatte.

Demnach rechtfertigt also die Tatsache, dass “Bild” keinerlei Ahnung hatte, was genau mit dem verwirrten, nackten Mann los war, dass “Bild” sich über ihn lustig machte, öffentlich zur Schau stellte und als mutmaßlichen “Puffgänger” verunglimpfte, der zu viel “Schampus intus” hatte.

Das ist dann wieder nicht so ungewöhnlich für “Bild”.

6 vor 9

1. ARD bringt nur stark gekürztes Putin-Interview
(spiegelfechter.com, Jens Berger)
Thomas Roth von der ARD interviewt Wladimir Putin eine volle Stunde – ohne jede Themenbeschränkung. Gezeigt werden aber nur 9 Minuten. Zum Glück gibt es Blogs, welche die 27 Minuten, die im russischen TV ausgestrahlt werden, übersetzen. “Warum die ARD für dieses interessante und hochbrisante Stück Fernsehjournalismus keine halbe Stunde Sendezeit über hatte, bleibt fraglich.”

2. “Verstörender Auftritt eines Präsidenten”
(tagesspiegel.de, Sebastian Bickerich)
“Was um alles in der Welt trieb Georgiens Präsident Michail Saakaschwili, nicht nur in Südossetien die Russen zu provozieren, sondern im ZDF am Donnerstag um 22:15 Uhr mit abgehalfterten Ex-Politikern und dem lallenden Peter Scholl-Latour zu debattieren?”

3. Interview mit ZDF-Intendant Markus Schächter
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“Das Fernsehen bleibt noch lange Zeit das Leitmedium. Aber die Konvergenz führt dazu, dass man bald nicht mehr weiß, auf welchem Weg die Bilder auf den Schirm kommen.”

4. “Was für grosse Flaschen”
(nzz.ch, ras.)
Rainer Stadler zeichnet die “Karriere des Worts ‘Massenbesäufnis'” nach. Ihn “irritiert, dass der Konsument tagelang eine Medienkampagne abwarten muss, bis er über Kernfragen informiert wird, dass ihm Angst eingejagt wird, bevor überhaupt etwas vorgefallen ist. Erst alarmieren, dann kritisieren und zuletzt informieren: Das bedeutet eine Umkehrung der klassischen journalistischen Verhaltensregeln.”

5. “Wohnen wie wir”
(dasmagazin.ch, Max Küng)
“Darauf hat man lange gewartet: ‘Apartamento‘, ein neues Wohnmagazin aus Spanien, zeigt, wie normale Menschen heute wirklich wohnen.”

6. “Die Medien demokratisieren!”
(volkszustandsbericht.wordpress.com, Eckart Spoo)
“Dem WAZ-Konzern ist es gelungen, drei der vier in Thüringen erscheinenden Zeitungen in seinen Besitz zu bringen. Wer könnte in Thüringen noch gegen die Interessen dieses Unternehmens Politik machen?”

Wochenrückblick Nr. 35

Von Zürich nach Berlin, von Peking nach Denver und vom Fernsehen in den Geschichts-Workshop – unser Rückblick auf die 35. Kalenderwoche.

Olympia ist vorbei, die Feuerwerke gehen weiter (und diesmal in echt). Vor 84.000 Anhängern in Denver nahm Barack Obama seine Nominierung entgegen und ist somit der offizielle Präsidentschaftskandidat der Demokraten – das Medienereignis (und unser Bild) der Woche.

Die beiden jungen Frauen, die beim Spiel Deutschland gegen Österreich anlässlich der Fussball-Europameisterschaft des Deutschlandlieds erste (“Deutschland, Deutschland über alles | Über alles in der Welt, …) statt dritte Strophe (“Einigkeit und Recht und Freiheit | Für das deutsche Vaterland!”) aus dem Internet kopierten, mussten einen Geschichts-Workshop besuchen. Die falsche Strophe lief auf dem Staatssender SF2 als Teletextuntertitelung für Gehörlose.

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Steuerzahlerblut für Münchner Moschee

“Bild” berichtet in ihrer Münchner Ausgabe über einen neuen “Krach um die Sendlinger Moschee”:

MÜNCHENS STEUERZAHLER MUSSTEN FÜR DAS BAUGELÄNDE ZAHLEN

(…) Jetzt kam raus: Für den türkischen Trägerverein, dem offensichtlich das Geld ausgeht, musste der Steuerzahler bluten!

Das ist im Grunde korrekt. Der Trägerverein Ditim e.V. war offenbar nicht in der Lage, die für den Erwerb des Baugrundstücks anfallende Grunderwerbssteuer vollständig zu bezahlen. Deshalb musste die Stadt München als Verkäufer des Grundstücks einspringen. “Das ist gesetzlich so geregelt”, schreibt “Bild” zutreffend. Und lässt wenig später dennoch den “CSU-Fraktionsvize Hans Podiuk” folgendermaßen zu Wort kommen:

“Ist die Stadt bereit, gegebenenfalls auch anderen Partnern bei Grundstückgeschäften solche Sonderkonditionen auf Wunsch einzuräumen?”

Wer jetzt aber den Untergang des Abendlandes befürchtet und schon überlegt, wie er gegen die vermeintliche Sonderbehandlung des Islams auf Kosten des deutschen Steuerzahlers protestieren soll, der sollte vielleicht noch mal schnell einen Blick in den (ebenfalls konservativen) “Münchner Merkur” werfen. Dort gibt es nämlich einige genauere Infos zu einem Aspekt, der in “Bild” lediglich im letzten Satz anklingt:

Scheitert das [Moschee]-Projekt, will sich [Münchens OB] Ude auch die vorausbezahlte Grunderwerbs-Steuer zurückholen.

Im “Merkur” (und ähnlich in der Münchner “Abendzeitung”) heißt es dazu wesentlich deutlicher:

OB Ude, größter Befürworter der Moschee, (…) betonte, dass für die Stadt kein Nachteil entstehe. Sollte das Projekt scheitern, werde das Finanzamt die Steuern zurückerstatten. Falls die Moschee gebaut wird, müsse Ditim der Stadt das Geld zurückzahlen.

Mit Dank an Hendric S. und politischkorrekt.

6 vor 9

1. Tiere!
(Matthias Breitinger, Netzeitung)
“Jeder dritte deutsche Haushalt besitzt ein Tier – und viele davon schauen dann womöglich auch gern einen entsprechenden TV-Sender, dachten sich zwei Fernsehmacher. Der Erfolg binnen eines Jahres gibt ihnen offenbar recht.”

2. Strib kündigt Associated Press
(paulgillin, Newspaper Death Watch)
Die Star Tribune, größte Zeitung um US-Staat Minneapolis, hat der Nachrichtenagentur AP gekündigt – zu teuer. In zwei Jahren ist dann Schluss. Medienblogs in den USA sehen schon einen Trend, weil die gedruckten regionalen Zeitungen immer mehr auf lokale und regionale Nachrichten setzen, brauchten sie den Service der Agentur nicht länger. Außerdem gebe es überregionale Nachrichten ja auch im Internet, zum Abdruck. (Gegen Geld, nicht so wie die Blogger.)

3. Internet macht Fernsehen den Garaus
(Lutz Hachmeister, Rheinischer Merkur)
“Tödliche Konkurrenz” ist der Artikel des Medienwissenschaftlers überschrieben, in dem das Ende des Fernsehens mit seinen riesigen Sendern und einem Programm nach Sendeplatz: “Das Fernsehen und seine Macher werden gemeinsam untergehen, wenn die Fragen nach Modernität und Zeitgenossenschaft nur technologisch beantwortet werden.”

4. YouTube in der Türkei zensiert
(Gerd Höhler, Frankfurter Rundschau)
“Jeder Provinzrichter” könne in der Türkei die Sperrung von Internetseiten veranlassen. In den vergangenen Jahren sei YouTube immer wieder betroffen gewesen, weil sich dort diffamierende Videos über Atatürk sind sehen lassen. Aber wie das mit dem Internet eben so ist: Zensur scheitert stets, weil man sich über “Umwege” einloggen kann.

5. Bild berichtet aus der Zukunft
(spYri, BildBlog)
Michelle Obama hielt am Montagabend eine Rede auf dem Nominierungsparteitag – um 4.36 Uhr unserer Zeit, Dienstagmorgen. Trotzdem schreibt Bild in der Ausgabe vom Dienstag schon von einer “mitreissenden Rede”.

6. Videos und Blogs vom Parteitag
(Beth Lawton, Digital News Blog)
Was amerikanische Zeitungen an neuen Medien auf dem Parteitag der Demokraten ausprobieren, beschreibt das offizielle Blog der Newspaper Association of America: “Newspapers Ramp Up Digital Media for Convention”.

Klitschko, Kurkova und das geflunkerte Funkeln

Man muss dazusagen: Sonderlich transparent ist die Formulierung nicht, mit der die aktuelle Ausgabe des Magazins “Vanity Fair” die Situation beschreibt, in der ein Doppelinterview mit Wladimir Klitschko und Karolina Kurkova entstanden ist. “Vanity Fair” hatte die beiden für ein Fotoshooting engagiert und schreibt:

"Klitschko flog zu den gemeinsamen Fotoaufnahmen nach New York. Zwei Wochen danach haben wir sie getrennt in ihren Ecken befragt."

Doch nachdem das Doppelinterview kürzlich bereits für Bild.de ein Thema war (wir berichteten), berichtet heute auch die gedruckte “Bild”-Zeitung (siehe Ausriss).

Genauer gesagt, nimmt “Bild” die gestellten “Vanity Fair”-Fotos zum Anlass, Klitschko (vielleicht zu Recht, vielleicht auch nicht) zu unterstellen, er sei in Kurkova “verknallt” – und das “K.O. durch Liebe?” endet mit den vielsagenden Worten:

Wie ihre Lebensphilosophie lautet, wurde Kurkova mal* gefragt. Ihre Antwort: "Alles ist möglich." Als sie das sagte, saß Klitschko daneben. Seine Augen funkelten...

Offenbar jedoch gilt Kurkovas Lebensphilosophie auch für “Bild”-Reporter Thomas Dierenga. Denn als Kurkova ihr “Alles ist möglich” sagte, saß Klitschko in Wirklichkeit ungefähr 6000 Kilometer “daneben”: Nach unseren Informationen ist die “Vanity Fair”-Formulierung, man habe die beiden “getrennt (…) befragt”, nämlich durchaus wörtlich zu verstehen (sie in New York, er in Hamburg).

Aber bestimmt fantasiert sich “Bild”-Mann Dierenga nur dann was zurecht, wenn es – wie hier – im Grunde schnurz ist, ob’s stimmt.

Wochenrückblick Nr. 34

Alphajournalist angegriffen, Journalisten geprügelt, Gebührengelder verscheuert und Jugendliche unter Sauf-Zwang: Unser Rückblick auf die 34. Kalenderwoche.

Bolt, Phelps, Steffen, Panzer: Die Bilder der Woche (Keystone)

Fast hätten wir hier die leicht geschmacklose Protestaktion vor der IOC-Zentrale in der Schweiz zum Bild der Woche gemacht – stattdessen entschieden wir uns doch lieber für drei fantastische Sportbilder von den Olympischen Spielen. Und den weißen Panzer, der vor dem Pressezentrum für Erinnerungsfotos posierte.

Michael Johnson, US-amerikanischer Leichtathlet, gemäss Wikipedia vierfacher Olympiasieger und neunfacher Weltmeister, musste sich von Johannes B. Kerner, Mitarbeiter des ZDF, fragen lassen, ob er eigentlich, so als Schnellster, nicht auch gedopt gewesen war. Johnson antwortete: “Das ist eine dumme Frage, auf die ich eigentlich nicht antworten möchte.” Später die Woche fand ein Fussball-Freundschaftsspiel statt, worauf Kerner kurz nach Deutschland und dann wieder nach China geflogen wurde. Was viele als eine Verschleuderung von Gebührengelder ansahen. Auf faz.net kommentierte ein Nutzer: “Kennt die ARD in ganz Deutschland keinen anderen Reporter, der ein Fußballspiel kommentieren kann? Sind wir so arm an Fachleuten?”. Wie stern.de zählte, wurden von den Öffentlich-Rechtlichen über 650 Mitarbeiter nach Peking eingeflogen. Im Vergleich: die BBC kam mit 450 Mitarbeitern aus.

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Hochleistungsrechercheergebnis

Die “Tagesschau” ist für “Bild” heute nicht nur “die wichtigste Nachrichtensendung im TV”, sondern auch “Gewinner” “Verlierer” des Tages (siehe Ausriss). Der Grund: In der Sendung am Donnerstagabend gab es (anders als auf den “Bild”-Titelseiten von gestern und heute) “keine einzige Silbe über den schrecklichen Tod der achtjährigen Michelle”.

“Tagesschau”-Chef Kai Gniffke schrieb dazu gestern nacht (noch vor Erscheinen der heutigen “Bild”):

Da ruft mich heute abend kurz vor der 20 Uhr eine Redakteurin der BILD-Zeitung an. Ihr Chef habe gesagt, dass die Tagesschau gestern [Donnerstagabend, 20 Uhr] nicht über Michelle berichtet habe, und nun wolle sie von mir wissen, ob das stimmt. Ich bestätige diese 24-Stunden-Hochleistungsrecherche, weil sich unser Ablauf bei 7-10Millionen Zuschauern eh schwer geheim halten lässt. “Warum nicht?”, fragt sie hart nach, und ich antworte ruhig, dass ich dieses Verbrechen abscheulich finde, dies aber nichts für die Tagesschau sei.

Vorsichtig frage ich die Anruferin, warum wir es ihrer Meinung nach hätten machen sollen. Weil es ein schreckliches Verbrechen sei, erwidert sie etwas pikiert, und ich gebe ihr Recht, dass solche Taten fürchterlich sind, aber leider Gottes passiereten solche Fälle öfter, und ich sähe noch immer nicht, warum wir nun genau diesen Fall aufgreifen sollten. Dieser Fall sei schließlich ganz schön durch die Medien gegangen, belehrt sie mich. Stimmt, sage ich, und füge (etwas zu vorlaut) hinzu, “vor allem in Ihrem” (…)

Stille Morgenpost

Es ist nicht gerade freundlich von der “Berliner Morgenpost” (einer Art Lokalausgabe der Springer-Zeitung “Die Welt”), aus einem Exklusiv-Interview der Zeitschrift “Vanity Fair” mit Wladimir Klitschko und Karolina Kurkova einfach einen eigenen Artikel zu machen, dabei ausgiebig aus dem Interview zu zitieren, aber eingangs bloß zu schreiben:

Die beiden Singles (…) wollten sich gern einmal kennen lernen. Kollegen einer Zeitschrift haben es eingefädelt (…).
(Link von uns!)

Freundlich hingegen ist, was Bild.de (eine Art Onlineausgabe der Springer-Zeitung “Bild”) aus Klitschkos “Hammer-Flirt des Jahres” macht:

(…) schwärmt er in der Tageszeitung “Berliner Morgenpost”.

(…) schwärmt auch Karolina in der “Berliner Morgenpost”.

(…) hat das Model laut der „Berliner Morgenpost“ (…).
(Link von Bild.de)

Und dass der Bild.de-Satz “In New York sind sich die beiden begegnet” eigentlich bedeutet, dass “Vanity Fair” die beiden für ein Fotoshooting in New York engagiert hatte, wissen sie bei Bild.de vermutlich nicht mal selber.

Mit Dank an Malte für den Hinweis.

Nachtrag, 17.10 Uhr: Na, sowas! Plötzlich schwärmen Klitschko und Kurkova bei Bild.de nicht mehr im Schwesterblatt, sondern “in der Zeitschrift ‘Vanity Fair'”.

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