Nach dem Verdächtigen wurde seit gestern per Öffentlichkeitsfahndung gesucht. Zahlreiche Medien zeigten das Gesicht des Mannes, der zwei Jungen missbraucht, Aufnahmen von ihnen gemacht und diese Kinderpornographie in Foren verbreitet haben soll. Die Bitte des BKA, die Fotos, die den Verdächtigen zeigen, nun zu löschen, erscheint logisch: Die Fahndung ist abgeschlossen, der Verdächtige geschnappt — warum also weiter sein Gesicht zeigen?
Ja, Mitarbeiter von Bild.de, warum also weiter sein Gesicht zeigen?
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)
In dem Artikel zur Festnahme des Gesuchten, den die Redaktion heute morgen auf ihrer Startseite anteaserte, hat sie auch den Tweet des BKA eingebettet, in dem die Behörde um die Löschung der Fotos bittet. Dieser Artikel startet so:
Etwas weiter unten im Text folgt dann der BKA-Tweet:
Ein paar Stunden später hat Bild.de einen weiteren Text zu der Festnahme gebracht — wieder mit dem BKA-Tweet, wieder mit einem unverpixelten Foto des Verdächtigen. Und wieder hat die Redaktion den Beitrag prominent auf der Startseite verlinkt:
Wir haben bei “Bild”-Sprecher Christian Senft nachgefragt, warum Bild.de das Gesicht des Mannes ohne jegliche Unkentlichmachung zeigt und ob der Redaktion die Bitte des Bundeskriminalamts egal ist. Bisher haben wir keine Antwort erhalten.
Dass es auch anders geht, zeigen die “Springer”-Kollegen der “B.Z.”: Auf deren Website ist ebenfalls ein Artikel zu der Festnahme erschienen, auch sie haben den BKA-Tweet eingebettet — und über das Gesicht des Verdächtigen immerhin einen großen schwarzen Balken gelegt.
Gestern Abend veröffentlichte Bild.de einen Artikel mit dieser Überschrift:
Da könnte man ja fast denken, dass Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des “Deutschen Lehrerverbandes”, in seinem Interview mit der “Bild”-Redaktion gesagt hat, dass “unsere Schulen” “außer Kontrolle” sind. Nur hat er das nicht. Auf die Frage, was die Folgen von (Gewalt-)Problemen an deutschen Schulen seien, sagt Meidinger:
Meidinger: “Manche Schulen werden inzwischen von privaten Wachdiensten beschützt. Sie sollen in den Gebäuden, auf den Schulhöfen und an den Eingängen für Sicherheit sorgen. Das ist zwar gleichbedeutend mit einer Kapitulation der Pädagogik, aber zum Teil auch nachvollziehbar, denn immer wieder bringen Schüler Messer oder Reizgas-Sprays mit in die Schule. Wenn wir bei der Integration in diesen Problembezirken keine Fortschritte machen, drohen amerikanische Verhältnisse. Und an einigen Brennpunkt-Schulen in Problembezirken laufen wir Gefahr, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Das dürfen wir nicht zulassen.”
Wir laufen Gefahr, “dass die Situation außer Kontrolle gerät”, “an einigen Brennpunkt-Schulen in Problembezirken”. Sie ist laut Meidinger noch nicht “außer Kontrolle”. Vor allem nicht flächendeckend an “unseren Schulen”.
So schnell verdreht die Bild.de-Redaktion eine Aussage und lässt es für eine gut klickende Überschrift so wirken, als herrsche in den Klassenzimmern und auf den Pausenhöfen im Land vornehmlich Chaos.
Aus der darauffolgenden Antwort Meidingers macht Bild.de gleich die nächste akrobatische Verrenkung:
Hat die Flüchtlingskrise die Lage an den Schulen noch einmal verändert?
Meidinger: “Es gab schon vorher massive Integrationsprobleme in einer Reihe von Brennpunkt-Regionen. Durch den Zustrom nach 2015 hat sich aber der Problemdruck noch einmal verschärft.”
Diese Aussage vermischt die Redaktion mit jener zu den “amerikanischen Verhältnissen”:
Auch hier: Heinz-Peter Meidinger sagt lediglich, es “drohen” “amerikanische Verhältnisse”, “wenn wir bei der Integration in diesen Problembezirken keine Fortschritte machen”. Er sagt nicht, dass sie vorherrschen. Und er bringt sie auch nicht direkt mit Flüchtlingen in Verbindung.
Nun könnte man einwenden, dass es sich ja nur um eine kleine Dachzeile ganz oben im Artikel handelt. Sie ist allerdings von großer Bedeutung, denn diese Zeile wird in der Regel als Überschrift angezeigt, wenn man den Bild.de-Artikel bei Facebook teilt.
Und wem könnte eine solche (hingebogene) Aussage wohl besonders gut gefallen?
Zum Beispiel Nicolaus Fest, der früher mal stellvertretender Chefredakteur bei “Bild am Sonntag” war, dort auf übelste Weise gegen den Islam feuerte und jetzt Sprecher der AfD Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf ist:
Oder Andreas Bleck, der für die AfD im Bundestag sitzt:
Wenn sich ein Lehrer an einer minderjährigen Schülerin vergeht, finden die Leute von “Bild” das bestialisch, widerwärtig, unverzeihlich.
Wenn sich eine Lehrerin an einem minderjährigen Schüler vergeht, finden sie das — megaheiß.
Ein Hammer-Body. Tolle Augen. Ein Bikini, der alle Blicke auf sich zieht! Welcher Schüler würde beim Anblick einer solchen Lehrerin nicht auf verbotene Gedanken kommen?
… schrieben sie etwa 2014, als eine Lehrerin in den USA wegen 30-fachen Missbrauchs eines Schülers vor Gericht stand. Als im vergangenen Jahr eine andere Lehrerin in einem ähnlichen Fall angeklagt wurde, geierten sie:
Diese Kurvendiskussionen waren im Lehrplan sicher nicht vorgesehen: Mathelehrerin Erin [M.] (25) verführte gleich drei ihrer Schüler zum Sex.
Genüsslich breitet die Redaktion dann die „pikanten Details“ aus (“‘Sie taten es irgendwann sogar mit Sex-Spielzeug, Lutschern und trugen Halsbänder’“) und beschreibt detailliert, wo und wie sie es “miteinander trieben”, sie zitiert aus den “heißen SMS”, zeigt Fotos der (gerne mit Attributen wie „schön“ oder „attraktiv“ versehenen) Lehrerinnen und nennt die Taten statt „Missbrauch“ viel lieber:
„Frivole Sex-Spiele an der Schule“. “Flotter Dreier im Klassenzimmer”. “Die Schule als Sündenpfuhl”. So wird aus einem sexuellen Übergriff — schwupps! — ein erotisches Abenteuer zum Mitsabbern.
Diese Pornoisierung — und damit einhergehende Verharmlosung und sogar Aufwertung der Taten — zeigt sich schon an der Wahl der Begriffe. Während zum Beispiel männliche Täter, die ihre Schülerinnen oder Schüler missbrauchen, meist als “Kinderschänder” bezeichnet werden (mehr zu diesem Begriff hier), nennt “Bild” die übergriffigen Frauen immer nur “Sex-Lehrerinnen”. Sie “vergewaltigen” auch nicht, sie “verführen”.
Und bei “Bild” geht ihnen dermaßen einer ab bei solchen Geschichten, dass sie keine einzige davon auslassen.
Keine einzige.
Keine. Einzige.
In den USA (aus denen die meisten dieser Fälle stammen) wird übrigens ein Großteil der sexuellen Übergriffe von Männern begangen — auch an Schulen. Von diesen Fällen liest man bei “Bild” so gut wie nie.
Mit Dank an Moritz D., Christian M., Rudy, Sven, brian und roy für die Hinweise!
Ein 18-Jähriger ersticht aus Eifersucht seine Freundin (17). Ein Siebenjähriger rammt seiner Lehrerin ein Messer in den Bauch. Ein 15-Jähriger ersticht seine Mitschülerin (14). Ein 14-Jähriger sticht auf einem Spielplatz einen Mann ab, sagt danach: “Mir egal, hat er verdient.”
Mit dieser Sammlung beginnt die “Bild”-Redaktion ihren heutigen “Report” zur “Messer-Angst in Deutschland”:
Der Fall des Siebenjährigen, der vor knapp zwei Wochen seine Lehrerin mit einem Messer verletzt haben soll, steht wie selbstverständlich zwischen all den anderen Fällen, die laut “Bild” und Bild.de in ihrer Häufung “ein mulmiges Gefühl” hinterlassen. Die “Bild”-Medien stellen den Grundschüler in eine Reihe mit Jugendlichen, die grausame Verbrechen begangen haben oder begangen haben sollen, andere Menschen umgebracht haben oder umgebracht haben sollen. Schaut man sich allerdings die bisher bekannten Fakten zu dem Vorfall im baden-württembergischen Teningen an und liest sich Aussagen des Opfers durch, wirkt es alles weit weniger brutal, als es “Bild” in den vergangenen Tagen dargestellt hat.
Doch der Reihe nach.
Am 6. März schickte eine Grundschullehrerin einen Zweitklässler aus dem Klassenzimmer, damit dieser an einem Tisch auf dem Flur nicht erledigte Hausaufgaben nachholt. Der Junge soll schon seit seiner Einschulung auffällig sein, den Unterricht stören, gegenüber Mitschülern gewalttätig sein, häufig Probleme machen. Als die Lehrerin nach dem Jungen schaut, hat dieser ein Messer in der Hand, vermutlich hat er es in der Bastelecke der Schule gefunden. Der “Badischen Zeitung” sagt die Lehrerin (Artikel nur mit Abo lesbar), sie habe den Jungen aufgefordert, ihr das Messer zu geben. Das habe dieser nicht getan. Sie habe dann nach der Hand des Schülers gegriffen, um ihm das Messer abzunehmen. Es kam dann wohl zu einer Rangelei:
“Dann hat er zu sich gezogen und ich zu mir — da muss es dann passiert sein”, sagt die Frau. Wie genau — da sei sie aber unsicher. Sicher sei sie jedoch, dass der Junge das Messer in der Bastelecke gefunden und nicht mitgebracht habe. “Ich bin sicher, dass er es nicht geplant hat.”
Die Schilderungen der Lehrerin klingen nach einem sehr unglücklichen Ablauf mit schlimmen Folgen für sie selbst: Die etwa ein Zentimeter tiefe Stichwunde im Bauchbereich musste unter Vollnarkose operiert werden, die Frau ist bis heute krankgeschrieben, sie leide noch immer unter Panikattacken. Ihre Beschreibung des Vorfalls klingt nicht so, als wäre der Siebenjährige ein skrupelloser Gewalttäter, der geplant mit Waffen auf andere Menschen losgeht.
Genau dazu macht ihn aber ein Artikel, den “Bild” und Bild.de (nur mit “Bild plus” lesbar) bereits am Samstag veröffentlicht haben:
Die “Bild”-Medien schreiben:
Alle wussten, welche Gefahr von dem aggressiven Jungen (7) ausgeht. Doch es passierte — nichts. Jetzt griff der Zweitklässler zum Messer — und stach es einer Lehrerin in den Bauch!
Und:
Als sie ihm das Messer wegnehmen wollte, stach er zu!
Diese Darstellung passt nicht zum Ermittlungsstand der Polizei. Demnach ist der Junge kein Messerstecher im Sinne von: Messer greifen und aktiv zustechen. Es habe sich nicht um einen “gezielten Angriff” gehandelt, steht in der Polizeimeldung: “Es gibt derzeit keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Siebenjährige seine Lehrerin bewusst verletzen wollte.”
Die Darstellung der “Bild”-Medien passt auch nicht mit der Aussage des Opfers in der “Badischen Zeitung” zusammen — das Gerangel kommt im “Bild”-Text gar nicht erst vor. Dabei sprach die Redaktion sogar mit der Lehrerin (“Doch jetzt meldet sich die verletzte Lehrerin in BILD zu Wort.”). Sie sagt in dem Artikel unter anderem: “‘Ich leide noch heute unter dem Angriff und finde es schlimm, dass das so verharmlost wird.'” Sie meint damit wohl auch eine Aussage der zuständigen Polizeistelle, die anfangs lediglich von “oberflächlichen Schnittverletzungen” sprach.
Und laut “Bild”-Ausgabe von heute hat er seiner Lehrerin also “ein Messer in den Bauch” gerammt.
Bei dem Siebenjährigen handelt es sich offenbar um ein Kind, das größere Probleme mit Aggression hat und besondere Hilfe braucht. Es scheint sich aber nicht um einen kaltblütigen siebenjährigen Schwerverbrecher zu handeln, den man in der Titelgeschichte von Deutschlands größter Tageszeitung in einem Atemzug mit vermutlichen Mördern oder Totschlägern nennen sollte. Heinz-Rudolf Hagenacker, Bürgermeister von Teningen, warnt vor einer “medialen Vorverurteilung” des Jungen. Ein Bürgermeister muss Redaktionen bitten, dass sie sich nicht auf einen Siebenjährigen — wohlgemerkt: Siebenjährigen (!) — stürzen.
Leider scheinen solche Hinweise nötig zu sein: Ein BILDblog-Leser, dessen Kinder nach eigener Aussage auf die Grundschule in Teningen gehen, schrieb uns, dass die Schule heute von Kamerateams und Pressemitarbeitern belagert wurde. Angeblich mussten Polizisten kommen, und Eltern ihre Kinder abholen.
1. Es geht nicht um verletzte Gefühle (taz.de, Peter Weissenburger)
“Bild” schmeißt die selbstproduzierten Nacktbilder aus dem Blatt. Man habe das Gefühl gehabt, „dass viele Frauen diese Bilder als kränkend oder herabwürdigend empfinden, sowohl bei uns in der Redaktion, aber auch unter unseren Leserinnen“. Peter Weissenburger kritisiert dieser Art von Begründung: „Es ist natürlich prima, wenn sich Mitarbeiterinnen und Leserinnen melden und ihren Unmut über die „Miezen“ kundtun. Nicht so prima ist, dass die Bild all die Jahre gewartet hat, um dann so zu tun, als handelten sie auf Wunsch einiger „gekränkter“ Wesen.“
Weiterer Lesetipp: Wenn Redaktionen Frauen hassen: Von „Die Frauen sind selbst schuld“ zu angezogenen Bild-Girls (genderequalitymedia.org).
2. Mord an Ján Kuciak: Slowakische Behörden tragen vermutlich Mitschuld (netzpolitik.org, Arne Semsrott)
Offenbar tragen slowakische Behörden eine Mitschuld am Mord des Journalisten Ján Kuciak und dessen Lebensgefährtin. Nach Angaben des Recherchenetzwerks “OCCRP”, sollen die Behörden Daten von Kuciak an diejenigen weitergegeben haben, über die Kuciak recherchierte.
3. Sag dem Radio leise Servus (faz.net, Wolfgang Tunze)
Der digitale Hörfunk „DAB+“ kommt nach langer und zäher Entwicklung in Schwung: Immer mehr Geräte werden verkauft, während der Markt für UKW-Radios schrumpft. Wolfgang Tunze erklärt die Entwicklung der letzten Jahre, die Vorzüge der neuen Technik und warum sich Automobilhersteller lächerlich machen, wenn sie die digitale Hörfunktechnik als Sonderausstattung für mehrere hundert Euro verkaufen.
4. Nur Superhelden kennen keine Angst (sueddeutsche.de, Luise Checchin)
Canan Coşkun (30) arbeitet seit sechs Jahren als Gerichtsreporterin der türkischen Zeitung “Cumhuriyet“. Im Gespräch mit der „SZ“ erzählt sie, wie sich ihr Alltag seit dem Putschversuch 2016 verändert hat und warum sie trotzdem weiter macht. Von Deutschland und der EU erwartet sie mehr Unterstützung: „Ich denke, gegen das Unrecht in der Türkei hilft es wenig, wenn man nur Floskeln abgibt, nach dem Motto “dies und das sollte getan werden”. Wer untätig zusieht, wie woanders Böses geschieht, macht sich an diesem Bösen mitschuldig.“
Weiterer Lesetipp: “Wir müssen davon ausgehen, dass wir unter Beobachtung sind” (deutschlandfunk.de, Karin Senz im Gespräch mit Henning Hübert).
5. „Fake News“ – die EU-Kommission fragt Experten (blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Die EU-Kommission hat 39 Experten zum Phänomen „Fake News“ befragt. Einer davon: „ARD“-Nachrichtenchef Kai Gniffke. In einem kurzen Blogbeitrag berichtet Gniffke von der zehnwöchigen Arbeit in der auch von Lobbyisten durchsetzten Expertengruppe.
6. “Late Night Berlin”-Premiere: Nanu, wer stört denn da? (dwdl.de, Alexander Krei)
Klaas Heufer-Umlauf feierte am Montagabend die Premiere seiner ersten „Late Night Berlin“, doch in den Medien wird über Jan Böhmermann geredet — und das hat mit einer Werbeunterbrechung zu tun.
Zwischen Donnerstag und Samstag vergangener Woche muss irgendetwas passiert sein, das nur die “Bild”-Medien mitbekommen haben. Jedenfalls schien der am Donnerstag für “Bild” und Bild.de offenbar noch geltende Anspruch von Dieter Degowski auf Resozialisierung am Samstag aus Sicht von “Bild” und Bild.de nicht mehr zu gelten.
Degowski, einer der zwei Täter bei der Geiselnahme von Gladbeck im August 1988, ist seit dem 15. Februar dieses Jahres wieder auf freiem Fuß. Er hat seine lebenslange Freiheitsstrafe abgesessen, im Gefängnis eine Therapie absolviert, eine Ausbildung gemacht, der Rechtsausschuss im Landtag von Nordrhein-Westfalen urteilte, dass von Degwoski keine Gefahr mehr ausgehe. Dass seine Entlassung für die Angehörigen der zwei bei der Geiselnahme getöteten Menschen wahnsinnig schmerzhaft sein kann, steht außer Frage.
Im Blatt zeigte die Redaktion ein aktuelles Foto von Dieter Degowski, das Gesicht hatte sie verpixelt.
Zwei Tage später schreibt Rainer Fromm, ein Fotograf, der für “Bild” bei dem Geiseldrama dabei war und zur Medienmeute gehörte:
Dass Fromm schreibt, Degowski sehe “noch genauso dümmlich aus wie damals” — geschenkt. Und es ist auch völlig legitim, es schwer auszuhalten und falsch zu finden, dass der einstige Geiselnehmer wieder in Freiheit leben darf, während der von ihm erschossene Emanuele De Giorgi nicht älter als 15 Jahre werden konnte. Wirklich problematisch ist, dass die “Bild”-Medien ein neues Foto von Degowski zeigen, ohne dabei sein Gesicht unkenntlich zu machen:
(Unkenntlichmachungen — auch beim Foto des blutverschmierten Emanuele De Giorgi, das “Bild” ohne Rücksicht auf Angehörige zeigt — durch uns.)
Damit könnte die Redaktion die Resozialisierung Degowskis enorm erschweren. Es ist im Interesse der Gesellschaft, dass dessen Wiedereingliederung, die jedem Ex-Häftling zusteht und die nicht von den “Bild”-Mitarbeitern nach Gutdünken mal zugelassen werden kann und mal nicht, klappt — schließlich erhöht sie die Chance, dass er nicht rückfällig wird. Für diesen Zweck hat Degowski auch die Erlaubnis bekommen, seinen Namen zu ändern. Am Donnerstag schrieb “Bild” zur Namensänderung:
Den neuen Namen bekam Degowski auch, weil befürchtet wird, dass die Mafia den Mord an dem italienischen Jungen Emanuele de Giorgi rächen könnte.
Sollte das stimmen, kennt die Mafia jetzt vielleicht noch nicht den Aufenthaltsort von Dieter Degowski und auch nicht den neuen Namen. Aber dank “Bild” und Bild.de hat sie immerhin ein aktuelles Foto.
Es gibt heute eine ganz gute Nachricht im Zusammenhang mit der “Bild”-Zeitung. Und sie kommt auch noch von der “Bild”-Redaktion selbst:
Liebe BILD-Leserinnen und -Leser,
mit der BILD-Ausgabe vom 12.03.2018 endet eine Ära, die über Jahrzehnte Boulevardzeitungen (nicht nur BILD) geprägt hat: Wir verabschieden uns von dem, was ganz früher mal “Mieze” hieß (heute undenkbar) und seit zehn Jahren BILD-Girl.
Wir werden keine eigenen Oben-ohne-Produktionen von Frauen mehr zeigen.
Man habe “zunehmend” das Gefühl, “dass viele Frauen diese Bilder als kränkend oder herabwürdigend empfinden, sowohl bei uns in der Redaktion, aber auch unter unseren Leserinnen”:
Aber natürlich dienen diese Fotos einem Hauptzweck. Sie sollen unterhalten, und zwar meistens Männer. Wir bei BILD glauben nicht, dass die Unterhaltung von Männern die Kränkung von Frauen in Kauf nehmen sollte (und natürlich auch nicht umgekehrt).
Ein wichtiges Wort fehlt in diesem Absatz natürlich: mehr. Die bei “Bild” glauben nicht mehr, “dass die Unterhaltung von Männern die Kränkung von Frauen in Kauf nehmen sollte”. Die ganzen letzten Jahre und Jahrzehnte war das offensichtlich kein Problem. Die ganzen letzten Jahre und Jahrzehnte hat “Bild” Frauen gekränkt, um Männer zu unterhalten.
Das “‘Bild’-Girl” wird es weiterhin geben, nun eben in Dessous oder sonst wie angezogen. Und es werden auch ganz sicher in Zukunft Oben-ohne-Fotos in “Bild” zu sehen sein. Die Redaktion hat sich gleich zwei Hinterscheunentore offen gehalten: Die Aussage, dass man “keine eigenen Oben-ohne-Produktionen” mehr zeigen wolle, lässt selbstverständlich die Möglichkeit zu, “Oben-ohne-Produktionen” von irgendjemandem sonst einzukaufen und zu drucken. Außerdem nennt “Bild” auch eine ganz konkrete Ausnahme:
Es gibt aber auch die Nackt-Fotos, über die das Land spricht. Kati Witt im “Playboy” war so ein Beispiel. Diese Bilder gehören auch weiter in BILD.
Es wird auf jeden Fall interessant zu beobachten, ob die “Bild”-Mitarbeiter sich auch in Zukunft wie wild auf jeden “Busen-Blitzer” von Schauspielerinnen beim Aussteigen aus dem Taxi stürzen oder Fotos verwenden werden, bei denen Paparazzi Frauen im Bikini ungeniert in den Intimbereich fotografiert haben.
Und was bringt das Anziehen der “‘Bild’-Girls” überhaupt? Der “Bild”-Sexismus steckt nicht im Offensichtlichen. Das häufige Reduzieren von Frauen auf ihr Äußeres ist unter anderem das Schlimme. Hope Hicks war “die schöne Sprecherin” von Donald Trump. Nicht die begabte oder unbegabte, die geschickte oder ungeschickte. Leonie Frank ist die “schöne Anwältin”. Nicht die fähige oder unfähige, die trickreiche oder plumpe. Ihre männlichen Kollegen können noch so schön oder hässlich sein — sie werden von “Bild” nach ihrer Leistung und ihrem Können bewertet und nicht nach ihrem Aussehen.
Besonders furchtbar: Dieses Reduzieren auf Körper und Aussehen macht die Redaktion auch schon bei minderjährigen Mädchen.
Die Initiative “StopBildSexism” hat vor einer Weile nachgeschaut, wie oft Männer und Frauen in den verschiedenen “Bild”-Themenbereichen vorkommen. Das traurige, aber wenig überraschende Ergebnis: Auf der Titelseite, in Politik und Wirtschaft sowie im Sport kommen Frauen deutlich seltener vor als Männer, im Bereich Unterhaltung ist es einigermaßen ausgeglichen, nur bei den nackt abgebildeten Personen sind Frauen in der Überzahl.
Nun gibt es bei den “Bild”-Medien ja einige Frauen in bedeutenden Positionen: Marion Horn ist Chefredakteurin bei “Bild am Sonntag”, Tanit Koch war bis vor Kurzem “Bild”-Chefredakteurin, Karina Mößbauer und Miriam Hollstein dürfen für “Bild” und “BamS” regelmäßig prominente Politiker interviewen. Wir hoffen, dass sie alle in diese Positionen gekommen sind, weil sie etwas (für den Boulevardbetrieb) Besonderes können und nicht weil sie als “die schöne Marion” oder “die schöne Tanit” oder “die schöne Karina” oder “die schöne Miriam” galten.
1. Dürfen die das? (deutschlandfunk.de, Philip Banse)
Am Beispiel des Falls Dieter Wedel beschäftigt sich Philip Banse im „Deutschlandfunk“ mit dem Thema Verdachtsberichterstattung. Wann dürfen Journalisten was berichten? Banse hat mehrere Experten dazu befragt.
Zusätzlicher Gucktipp: Georg Mascolo über Verdachtsberichterstattung (facebook.com, Video, 2:55 Minuten).
2. “Es geht wirklich um etwas” (horizont.net, Ulrike Simon)
Als ehemalige SRG-Mitarbeiterin kennt die MDR-Programmchefin Nathalie Wappler-Hagen die Rundfunksysteme und Mentalitäten in der Schweiz und Deutschland. Im Gespräch mit Ulrike Simon vergleicht sie die Lage in den beiden Ländern: „Den Schweizern ist bewusst geworden, dass durch Sparmaßnahmen und Medienkonzentration einiges an Vielfalt verloren gegangen ist und dass das nicht zum gesellschaftlichen Klima beigetragen hat. In Deutschland geht es dagegen immer nur darum, was die Verleger wollen, was die KEF sagt oder wer auf welche Sendung verzichten könnte. Das überlagert die viel wichtigere Frage, wo öffentliche Meinungsbildung stattfindet und inwiefern Medien eher ein wirtschaftliches oder eben ein kulturelles Gut sind.“
3. S. Fischer vs. Project Gutenberg: Die Sperre des E-Book-Portals kennt nur Verlierer (irights.info, Johannes Haupt)
Die Betreiber der amerikanischen Gemeinfrei-Bibliothek „Project Gutenberg“ wurden von einem deutschen Gericht dazu verpflichtet, 18 Romane von 18 auf Gutenberg.org verfügbare Romane von Heinrich Mann, Thomas Mann und Alfred Döblin aus ihrem Bestand zu entfernen. Statt die Bücher auszulisten, blockiert die Seite nun alle deutschen Nutzer. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme; man habe allen Grund zur Annahme, der Verlag werde „mit Hilfe deutscher Gerichte“ weitere Titel beanstanden. Bei dem Streit gibt es nur Verlierer, kommentiert Johannes Haupt: „Der S. Fischer Verlag hat einen sicherlich längerfristigen Reputationsschaden erlitten, ohne wirklich etwas gewonnen zu haben. Die Umsatzverluste durch die Gratis-Verfügbarkeit der 18 betroffenen Titel dürften nahe Null gelegen haben. Auf Gutenberg.org kommen juristische Kosten zu, die die sicherlich nicht allzu prall gefüllten Kassen weiter belasten und anderswo besser investiert wären.“
4. Lügen wird belohnt (spiegel.de, Eva Wolfangel)
MIT-Forscher haben mehr als 4,5 Millionen Tweets der vergangenen zwölf Jahre ausgewertet. Ziel der Untersuchung: Herauszufinden, wie sich Falschmeldungen und Gerüchte über Twitter verbreiten. Der Erfolg von Falschmeldungen ist vor allem auf die Vorliebe der Menschen für Überraschendes und auf Belohnungsmechanismen zurückzuführen. Die sozialen Netzwerke sind im Zwiespalt: Einerseits schaden derartige Nachrichten ihrer Reputation, andererseits generieren sie geldwerte Klicks.
5. Verbotene Liebe (sueddeutsche.de, Dunja Ramadan)
Eine große saudische Sendergruppe hat alle Seifenopern aus der Türkei aus ihrem Programm verbannt, obwohl diese eigentlich sehr beliebt sind. Offiziell soll es sich um den Versuch handeln, die türkischen Dramen durch arabische Produktionen von hoher Qualität zu ersetzen. Dunja Ramadan vermutet hinter dem Schritt allerdings politische Motive.
6. Kampagnenjournalismus bei BILD? (daniel-bouhs.de)
Matthias Döpfner ist Vorstandsvorsitzender von Axel Springer SE und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger. Und er sagt manchmal Dinge, bei denen man nicht weiß, ob man betrübt schluchzen oder lauthals loslachen soll.
Deutschland geht durch die Diesel-Hölle — drohende Fahrverbote, Stinke-Image und Verkaufszahlen im Keller.
Dabei ist das alles Blödsinn, der Diesel noch lange nicht tot. Und dafür gibt es gute Gründe. Hier 10 Wahrheiten, die sich viele Politiker nicht zu sagen trauen (oder vielleicht einfach mal nachlesen sollten). Unser Diesel-Manifest.
Beim Begriff “Manifest” kann man ja so etwas wie eine Grundsatzerklärung erwarten, und das passt in diesem Fall ganz gut, denn das “BILD-MANIFEST” ist voller Fehler und Verdrehungen und Verkürzungen — eben genau so, wie “Bild” ständig arbeitet.
Es ist wirklich einiges schiefgelaufen beim Text von Tom Drechsler, Chefredakteur Auto der “Bild”-Gruppe, und Stefan Voswinkel, stellvertretender Chefredakteur Auto der “Bild”-Gruppe. Deshalb: der Reihe nach. Fangen wir mit der Bildunterschrift an. Dort steht:
Knapp die Hälfte aller Autos in Deutschland wird von einem Diesel-Motor angetrieben
Schon das ist falsch. Laut Kraftfahrt-Bundesamt gab es 2017 insgesamt 45.803.560 Pkw in Deutschland. 15.089.392 davon waren Diesel, also etwa ein Drittel. Es gab ungefähr halb so viele Diesel wie Benziner (29.978.635). Dass “knapp die Hälfte aller Autos in Deutschland” von einem Diesel-Motor angetrieben werde, stimmt aber schlicht nicht.
Das ist schon beeindruckend: Der Chefredakteur Auto und sein Stellvertreter bekommen es nicht mal hin, für ihr “Diesel-Manifest” unfallfrei aus einer Tabelle den Anteil an Diesel-Autos in Deutschland abzulesen. Sie schaffen es nicht, Grundsätzliches zum Diesel richtig darzustellen, wollen aber in einem “Manifest” dem Land erklären, warum es sich bei Diesel-Kritik um “Blödsinn” handelt.
Weiter zu “Wahrheit” Nummer 1:
Wir führen die Diesel-Diskussion zu einer Zeit, wo das Stickoxid-Problem technisch gelöst ist. Sagt sogar die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Der Verband hat gerade getestet (7 der 10 saubersten Diesel kommen aus dem VW-Konzern) und einen Mercedes E220 d besonders gelobt. Der unterschreitet die neusten Grenzwerte um den Faktor 0,6, NOx (Stickoxide) auf der Straße mit 44 g/km.
Natürlich meinen Drechsler und Voswinkel nicht “44 g/km”, sondern 44 mg/km. Aber davon mal abgesehen: “7 der 10 saubersten Diesel kommen aus dem VW-Konzern”, dazu noch ein Mercedes, der von der “Deutschen Umwelthilfe” (“DUH”) gelobt werden soll — das klingt ja ganz schön sauber. Schaut man sich die Ergebnisse (PDF) der zitierten “DUH”-Messung allerdings mal an, erkennt man, dass nur sechs von 66 der getesteten Euro-6-Diesel den NOx-Grenzwert (80 mg NOx/km) einhalten (plus ein VW Transporter, der den Grenzwert für Diesel-Nutzfahrzeuge einhält). Ein getesteter Audi A8 “aus dem VW-Konzern” überschreitet den Grenzwert um dem Faktor 17,8. Bei den getesteten Euro-5-Dieseln sind es zwei von fünf Fahrzeugen, die unter dem Grenzwert (180 mg NOx/km) liegen, allerdings beide mit Hardwarenachrüstung.
Die “DUH” hat im selben Test auch Euro-6-Benzin- und Benzin-Hybrid-Pkw gemessen. Dort haben vier von fünf Fahrzeugen den für sie jeweils anzuwendenden Grenzwert eingehalten.
Eine weitere “Bild”-“Wahrheit”:
40 Mikrogramm pro Kubikmeter soll der Jahresmittelwert in der Außenluft nicht übersteigen. In Büros liegt er bei 60 Mikrogramm, in industriellen Arbeitsplätzen und im Handwerk bei 950 Mikrogramm. Die Luft auf den Straßen soll sauberer sein, als am Arbeitsplatz? Was für ein Irrsinn!
Ja, “Irrsin”, wie man Dinge aus dem Zusammenhang reißen kann. Die von Drechsler und Voswinkel erwähnten 60 Mikrogramm pro Kubikmeter in Büros stammen laut Umweltbundesamt aus den 1990er-Jahren. Während die 40 Mikrogramm pro Kubikmeter für Außenluft eben ein Jahresmittelwert sind, handelt es sich bei dem sogenannten “Richtwert II” für Büros um “einen wirkungsbezogenen Wert, bei dessen Erreichen beziehungsweise Überschreiten unverzüglich zu handeln ist.” Laut “Tagesschau”-“Faktenfinder” empfehle das Bundesumweltamt aber sowieso “aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse, diesen Wert nicht mehr anzuwenden.”
Die 950 Mikrogramm pro Kubikmeter für Industriearbeitsplätze waren schon im Bundestagswahlkampf ein Desinformationsschlager von AfD, CSU und FDP. Was die Politiker damals und die zwei “Bild”-Autoren heute nicht erwähnen: Während der Grenzwert für die Außenluft auch kranken und schwachen Leuten, Schwangeren, Säuglingen und alten Menschen jederzeit einen Aufenthalt draußen ermöglichen soll, gilt der Industriegrenzwert laut Umweltbundesamt für “gesunde Arbeitende an acht Stunden täglich und für maximal 40 Stunden in der Woche”. Dass für spezielle Berufe, etwa Stahlkocher, mit speziellen Belastungen spezielle Regelungen gelten, ist so überraschend nicht. Es wundert ja auch kaum jemanden, dass ein Radiologe laut Bundesamt für Strahlenschutz an seinem Arbeitsplatz einer deutlich höheren Strahlenbelastung ausgesetzt sein darf als ein Kleinkind in der Kita.
Weiter zur nächsten “Wahrheit”:
Die größten Stinker in Innenstädten sind nicht Diesel-Pkw, sondern der öffentliche Nahverkehr mit seinen alten Bussen. Trotzdem reicht das Sofortprogramm “Saubere Luft” der Bundesregierung nur für den Kauf von ein paar Hundert E-Bussen. Berlin will ab 2019 nach und nach 45 zu den bisherigen 4 (!) E-Bussen anschaffen. Zum Vergleich: Im chinesischen Shenzen fahren 16 359 elektrische Busse, 100 Prozent!
Dass Nahverkehr-Busse viel Stickoxid ausstoßen, soll ein “guter Grund” dafür sein, dass “der Diesel noch lange nicht tot” ist? Und warum sollte man nicht die Probleme mit den Diesel-Pkw und die Probleme mit den “alten Bussen” parallel angehen können?
Jedenfalls: Drechslers und Voswinkels Vergleich zwischen Shenzhen und Berlin hinkt wie ein vom “BVG”-Bus angefahrenes Wildschwein. Erstmal: Shenzhen ist deutlich größer als Berlin. Die Fläche der chinesischen Stadt beträgt mehr als das Doppelte, in Shenzhen wohnen knapp dreieinhalb Mal so viele Menschen wie in Berlin. Die Busflotte ist dementsprechend auch viel größer: Während durch Shenzhen also 16.359 Busse fahren, sind es in Berlin rund 1400 Busse der “Berliner Verkehrsbetriebe” (“BVG”). Die komplette Umstellung auf Elektrobusse geschah in Shenzhen auch nicht über Nacht, sondern hat gut acht Jahre gedauert. Nach dem ersten Jahr hatte die Stadt 200 E-Busse im Einsatz. Auch dagegen mögen die 45 zusätzlichen Elektrobusse in Berlin mickrig wirken. “Bild” erwähnt aber auch nicht, dass es für die “BVG” aktuell ausgesprochen schwierig ist, überhaupt an E-Busse zu kommen.
Zum Schluss ist da dann noch die Überschrift, die die “Bild”-Redaktion für ihr “Diesel-Manifest” gewählt hat:
DEUTSCHLAND SOLLTE STOLZ AUF DEN DIESEL SEIN!
Man hätte ja alles mögliche über den Artikel schreiben können: “Lasst unseren Diesel in Ruhe!” oder “Diesel ist voll super!” oder “Diesel! Diesel! Olé, olé, olé!”. Stattdessen sollen die Deutschen stolz sein auf ihren Diesel. Das kommt uns irgendwie bekannt vor.
So reagierte die AfD auf das Diesel-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts:
Mit Dank an Martin E., Erik und @andreas_vogt für die Hinweise!
1. Ein Drittel aller Rügen wegen Schleichwerbung (deutschlandfunk.de, Silke Ballweg, Audio, 5:00 Minuten)
Der Presserat hat seine Jahresbilanz vorgelegt: In den Beschwerden beim Kontrollorgan der deutschen Printmedien sei es im vergangenen Jahr besonders oft um Schleichwerbung gegangen. Aber auch die Herkunftnennung von Tätern und die Berichterstattung über den G20-Gipfel hätten zu vielen Beschwerden und Rügen geführt.
2. Der beste Rundfunkbeitrag aller Zeiten! (kanzleikompa.de)
Die Bestimmung von Ex-Staatssekretär Eumann zum gutbezahlten Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt verlief auf eine demokratisch recht zweifelhafte Art: Eigentlich als „Wahl“ deklariert, handelte es sich eher um eine Kungelei, bei der es nur einen einzigen Kandidaten gab. Medienrechtler Markus Kompa wollte sich damit nicht abfinden und bewarb sich in einer subversiven Protestaktion selbst um das Amt. Das Verwaltungsgericht ließ ihn abblitzen. Kompa sammelt nun per Crowdfundingaktion Geld, um beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz Beschwerde einlegen zu können.
3. «Die Zeit»: zweimal minus, einmal plus (infosperber.ch, Christian Müller)
“Infosperber”-Autor Christian Müller ist genervt von Maxim Billers „Zeit“-Beiträgen: „Ja, natürlich, Maxim Biller darf schreiben, was er will. Er darf mir auch einen Brief schreiben, ich gebe ihm gerne meine postalische Adresse. Aber soll ich für ein Blatt – ich bin seit Jahrzehnten Abonnent der «Zeit» – noch Geld ausgeben, wenn diese Zeitung einen Brief an mich abdruckt, in dem ich persönlich «Heuchler» genannt und des «Provinzialismus» beschuldigt werde? Muss ich mich wirklich von der «Zeit» unter die Arschlöcher einreihen lassen?“
5. „Lasst mehr Frauen unsere Filme machen!“ (deine-korrespondentin.de, Helen Hecker)
Frauen spielen im Filmbusiness immer noch eine untergeordnete Rolle: Bei den 100 erfolgreichsten Hollywood-Produktionen des letzten Jahres führten zu 92 Prozent Männer die Regie, die Drehbücher wurden zu neunzig Prozent von Männern verfasst. Die Zahlen in Deutschland sind ähnlich schlecht: Im Bereich Kamera kommen Frauen auf einen Anteil von 15 Prozent, beim Filmton auf gerade mal neun Prozent. Eine neue Initiative fordert mehr Gleichberechtigung im Filmgeschäft und eine 50-Prozent-Quote.
6. Ohne Skrupel: “Bild Plus” ködert mit Gewalt (ndr.de, Sabine Schaper & Sophia Stritzel, Video, 4:16 Minuten)
Aus traurigem Anlass war BILDblogger Moritz Tschermak beim Medienmagazin “Zapp” virtuell zu Gast: Bild.de hatte ein Video verbreitet, in dem ein Mädchen nach einer Messerattacke um ihr Leben fleht, und das Video sogar als Abo-Köder verwendet.