Suchergebnisse für ‘BILD’

Kino mit Kavanaugh, Fernsehhölle, “Geflüchtete” oder “Flüchtlinge”?

1. Ganz großes Kino mit Kavanaugh
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell)
Vergangene Woche fand im Justizausschuss des US-Senats eine denkwürdige Veranstaltung statt: In einer achtstündigen Sitzung wurden Donald Trumps Supreme-Court-Kandidat Brett Kavanaugh und die ihn der versuchten Vergewaltigung beschuldigende Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford angehört. Matthias Dell ist sich im “Deutschlandfunk” sicher, dass das Spektakel in die Mediengeschichte eingehen wird.

2. Christoph Schulte-Richtering: Es gibt keine Fernsehhölle
(dwdl.de, Christoph Schulte-Richtering)
Diese Woche ist auf “DWDL” ein Interview mit dem TV-Regisseur Kai Tilgen erschienen, der ein Buch über seine Zeit bei verschiedenen Unterhaltungsformaten, Scripted Realitys und Dokusoaps geschrieben hat. Im Gespräch beherrscht der moralisch äußerst flexible “Fernsehhöllen”-Autor Tilgen das Kunststück, sich gleichermaßen einsichtig wie uneinsichtig zu zeigen, und rechtfertigt sein verwerfliches Handeln mit seiner Lust an der Manipulation, seiner angeblich großen Professionalität und ökonomischen Zwängen (sechs Kinder). Buch- und Fernsehautor Christoph Schulte-Richtering hat eine lesenswerte Replik verfasst. Es ist die Abrechnung mit der Abrechnung geworden.

3. Begriffsflucht: Warum ich gegen “Geflüchtete” bin
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Durch die Diskussion ums Framing sensibilisiert, fordern viele, auf die Verwendung des Wortes “Flüchtling” zu verzichten und stattdessen von “Geflüchteten” zu sprechen. Der Journalist Fabian Goldmann hält nichts von dieser Sprachregelung, und er hat gute Gründe dafür.

4. Weniger Infos für Journalisten? Wie Bundesministerien mit IFG-Anfragen umgehen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Die Bundesministerien gehen mit Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz von Journalistinnen und Journalisten höchst unterschiedlich um. Der Initiative “Frag den Staat” liegen interne “Anwendungshinweise” vor, die teilweise von falschen Annahmen ausgehen würden oder schlicht falsch seien.

5. “Wir mussten mehrmals wegrennen”
(journalist-magazin.de, Michael Kraske)
Das Medienmagazin “Journalist” hat mit Arndt Ginzel gesprochen, jenem Journalisten, der von der sächsischen Polizei eine Dreiviertelstunde an der Berichterstattung gehindert wurde. Ginzel fordert einen besseren Schutz von Journalisten und ein klares Vorgehen gegen Rechtsextreme. Und erzählt von seinen Erfahrungen aus Chemnitz: “Wir mussten mehrmals wegrennen. Vorne lief die AfD. Weiter hinten in den Seitenstraßen jagten organisierte Hooligans Menschen. Das habe ich auch im Bild. Ich will nicht übertreiben, aber es waren mindestens 100 Hooligans, die in den Gassen alle möglichen Leute jagten, darunter viele Journalisten. (…) Das war hochgefährlich, weil in dem Moment keine Polizei zur Stelle war.”

6. Bin jetzt endgültig überzeugt
(twitter.com/marga_owski, Margarete Stokowski)
Margarete Stokowski ist beim aktuellen Cover der “InTouch” hängengeblieben, bei dem man angesichts des geballten Trashs nicht weiß, ob man Teil eines Satire-Experiments ist. Es geht um eine Muskel-Mutti, um Fusel-Nachschub und, ja, um den “Hupen-Hammer”.

Österreichs “Falter”-Feind, Licht ins EU-Dunkel, Gehälter und Honorare

1. Licht ins Dunkel der geheimen Verhandlungen zur EU-Urheberrechtsreform
(juliareda.eu)
Julia Reda sitzt seit 2014 für die Piratenpartei im EU-Parlament und ist eine profunde Kennerin der Urheberrechtsthematik. Über diese wird gerade hinter verschlossenen Türen verhandelt, im sogenannten “Trilog” von EU-Parlament, Rat und Kommission. Reda veröffentlicht den aktuellen Verhandlungsstand — sehr übersichtlich, sehr lesenswert und ganz im Sinn der Transparenz.

2. Presseanfragen veröffentlicht
(taz.de, Ralf Leonhard)
Regelrecht verbissen hat sich Österreichs Innenministerium in die Auseinandersetzung mit der Wochenzeitung “Falter”. Das Ministerium hat sogar Interviewanfragen von Chefredakteur Florian Klenk veröffentlicht, wohl um zu zeigen, dass dieser schlecht recherchiere. Rechtlich könnte das für das Ministerium Probleme geben, wie auf futurezone.at zu lesen ist.
Ähnlich sieht es der “Standard”, der von einem Verstoß der Behörde gegen die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) spricht.
Weiterer Lesehinweis: Für alle Freunde des Popcorn-Kinos noch ein Blick auf einen Tweet des Vizekanzler-Sprechers, dokumentiert durch “Falter”-Chef Klenk.

3. Freischreiber-Report startet 2019
(wasjournalistenverdienen.de, Michael Penke)
Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, will künftig einmal im Jahr über aktuelle Gehälter und Honorare in der Branche berichten, ein Thema, über das sonst wenig nach außen dringt. Michael Penke dazu: “Wir möchten mit dieser Datenbank auch all jene Verlage und Medien unter Druck setzen, die ihre Redakteure und freien Autoren besonders schlecht bezahlen. Denn wer nicht zahlt, verdient auch keinen guten Journalismus.” Für möglichst aussagekräftige Werte, sind die Freischreiber auf anonyme Informationen von Journalisten und Journalistinnen angewiesen, die hier eingegeben werden können.

4. “Rassistische Texte sind nie freie Meinungsäußerung”
(jetzt.de, Sophie Aschenbrenner)
Im Interview spricht der Poetry-Slammer und Moderator Michel Abdollahi über den Poetry-Slam in Speyer, bei dem ein 14-jähriges Mädchen ein rassistisches Gedicht vorgetragen hat — und darüber, ob das künftig häufiger passieren könnte.

5. Login-Allianz der Verleger: ein Datenpool gegen die Google-Dominanz
(medienwoche.ch, Michael Ziesmann)
Die Schweizer Verlage wollen Nutzer dazu bringen, freiwillig persönliche Daten abzugeben. Mit diesem Datenpool will man bei den Werbekunden punkten und sich Googles Dominanz entgegenstellen. Dazu wurde die “Schweizer Login-Allianz” aus AZ Medien, “NZZ”, Ringier, Somedia, Tamedia und SRG gebildet: Ab nächstem Jahr sollen sich die Nutzer mit nur einem einzigen Login registrieren und damit sämtliche Angebote nutzen können. Das Vorhaben hat jedoch mindestens einen Haken, wie Michael Ziesmann in der “Medienwoche” ausführt.

6. Wie soll man berichten?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz & Stefan Fries, Audio, 28:39 Minuten)
Wie sollen Medien mit Rechtspopulisten umgehen? Ignorieren, um ihnen keine Bühne zu bieten, oder thematisieren, um ihnen etwas entgegen zu stellen? Und wie können Medien vermeiden, von Rechtspopulisten instrumentalisiert zu werden? Über diese und andere Fragen haben Brigitte Baetz und Stefan Fries ausführlich in einer kompletten Sendung im “Deutschlandfunk” gesprochen.

Blick auf den Osten, Frauen in der Fotografie, Gniffkes Brief an Maaßen

1. Deutschland, noch kein einig Medienland
(deutschlandfunk.de, Henning Hübert)
“Deutschlandradio”-Intendant Stefan Raue bedauert das regionale Ungleichgewicht bei den Schwerpunkten medialer Berichterstattung. Er könne nachvollziehen, dass Ostdeutsche das Gefühl haben, nur dann in den bundesweiten Medien vorzukommen, wenn es um Rechtsextremismus, Kriminalität und Arbeitslosigkeit gehe. In Sachen Chemnitz-Berichterstattung fehlt ihm der Blick auf das Positive: Die Stadt habe eine reiche Kulturlandschaft, Bürgergeist und Engagement. Raues Appell: “Es wäre ganz gut, wenn die Reporter und Reporterinnen häufiger mal in Chemnitz wären, wenn’s nicht knallt”.
Weiterer Lesehinweis: Ostdeutsche müssen sich “für alles” rechtfertigen: “Vor dem Einheitsfeiertag sieht Thüringens Ministerpräsident Ramelow Probleme zwischen alten und neuen Bundesländern. Der Umgang untereinander sei “verheerend”, Ostdeutsche erlebten täglich Schmähungen.” (spiegel.de)

2. Frauen in der Fotografie
(kwerfeldein.de, Katja Kemnitz)
Kamerahersteller Olympus arbeitet beim “Xplorers-Projekt” mit verschiedenen Foto-Influencern zusammen. Unter den 18 FotografInnen befindet sich jedoch nur eine einzige Frau. Liegt es daran, dass das Geschlechterverhältnis in diesem Segment bei “wahrscheinlich 1:100” liegt, wie von einem Fotografen behauptet? Wohl kaum: Der Frauenanteil in Fotografie-Ausbildung und Studium liegt meist bei mehr als 50 Prozent. Die Fotografin Katja Kemnitz macht Vorschläge, wie sich die Sichtbarkeit von Frauen in der Fotografie verbessern ließe.

3. Falschmeldung zu belgischem Atomkraftwerk
(faktenfinder.tagesschau.de, Wolfgang Wichmann)
Unbekannte haben den Internetauftritt des belgischen Senders RTL Info nachgebaut und dort eine Falschmeldung über eine angebliche Explosion im Atomkraftwerk Tihange veröffentlicht — illustriert mit einem bekannten Bild aus dem Netz, das eine Atomexplosion zeigt.

4. Unsere Sprache ist weniger diskriminierend geworden.
(planet-interview.de, Kaspar Heinrich)
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch beschäftigt sich mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Dieses Jahr erschien sein Buch “Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen”. Im Interview spricht Stefanowitsch über Gendersternchen, das N-Wort, klamaukige Talkshows, amtliche Rechtschreibung und Korrekturen in Pippi-Langstrumpf-Büchern.

5. Tagesschau-Chef Gniffke wirft Verfassungsschützer Maaßen vor, im Bundestag die Unwahrheit gesagt zu haben
(buzzfeed.com, Marcus Engert)

Der Chefredakteur der “Tagesschau”, Kai Gniffke, hat sich per Brief an Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen und die Obleute im Innenausschuss gewandt. Maaßens Äußerungen seien geeignet, den “Ruf der Tagesschau zu beschädigen”, und bestimmte Behauptungen Maaßens seien “wahrheitswidrig”. “BuzzFeed News” hat den Brief in Faksimileform veröffentlicht und inhaltlich eingeordnet.

6. Fake Views: Die Ausstellung „Lust der Täuschung“ in der Kunsthalle München
(blog.gwup.net, Bernd Harder)
Bei der Ausstellung “Lust der Täuschung” in der Kunsthalle München geht es um “Fake Views”. Doch im Gegensatz zu den “Fake News” ist hier der Erfolg geglückt, wenn nach der Täuschung die “Ent-Täuschung” kommt.

Besonders schnell, besonders falsch

Möchte man besonders schnell und besonders falsch informiert werden, sollte man die Push-Meldungen der “Bild”-Smartphone-App abonnieren. Vorhin schickte die Redaktion diese Nachricht zu einem angeblichen Notfall auf der Ostsee raus:

Screenshot einer Bild-Push-Mitteilung - 335 Passagiere an Bord von Ostsee-Fähre: Feuer nach Explosion im Maschinenraum

Im zugehörigen Bild.de-Artikel heißt es hingegen:

Screenshot Bild.de - Auf er Fähre sei eine Maschine kaputt gegangen, sagte Vaidas Klumbys, ein Sprecher der Fährlinie. Es gab keine Explosion

Mit Dank an @BringItOnYFD für den Hinweis!

Sachsens sturer Haderer, Karge Krankenkost?, Slimanis Rumgehaule

1. Editorial: Zwei gravierende Fehler
(journalist-magazin.de, Matthias Daniel)
Das Medienmagazin “Journalist” hat mit dem sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer über die Vorgänge in Sachsen und deren Bewertung gesprochen. “journalist”-Chefredakteur Matthias Daniel findet anerkennende Worte für den Ministerpräsidenten, sieht ihn aber auch als Gefangenen seiner selbst: “Kretschmer ist kein abgebrühter Politprofi, wie sie in Berlin gerade unterwegs sind, oder wie sein Vorgänger Kurt Biedenkopf, der die Geschicke Sachsens nach der Wiedervereinigung zwölf Jahre lang lenkte. Kretschmer ist nahbar, er ist nachdenklich, er ist empathisch. Man kann in seinem Gesicht lesen, wie sehr er mit seiner Rolle hadert. Und doch bleibt er dabei. Vielleicht ist diese politische Sturheit in diesen Tagen sein größter Fehler.”
Weitere Lesehinweise: “Ich hätte mir auch vom ZDF selbstkritische Reflexion gewünscht” (journalist-magazin.de, Matthias Daniel) und die Lehren aus Chemnitz (journalist-magazin.de, Michael Kraske).

2. “Nationalismus können wir uns nicht mehr leisten”
(deutschlandfunk.de, Henry Bernhard, Audio, 4:46 Minuten)
Internationale Medienkooperationen werden auch als “Cross-Border-Journalismus” bezeichnet. Bekanntes Beispiel: Das Rechercheprojekt “Panama Papers”, bei dem 376 Journalistinnen und Journalisten aus 76 Ländern zusammengearbeitet haben. Warum derartige Medienkooperationen immer wichtiger werden, war Thema der Fachtagung “Journalism across Borders”.

3. Ex-Bild-Chef Diekmann lehnt Leistungsschutzrecht ab
(golem.de, Friedhelm Greis)
Ex-“Bild”-Chef Kai Diekmann lehnt das Leistungsschutzrecht ab. Wäre er noch Chefredakteur bei “Bild”, würde er sich vermutlich nicht so äußern, aber Diekmann leitet mittlerweile eine Content-Agentur. Friedhelm Greis berichtet über einen interessanten Fall von “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing”, in dem beide Seiten mit Vokabeln wie “Irrglauben” und “Wahnwelt” um sich schmeißen.

4. Meinung: Warum ich mich so richtig über Ayla Mayer geärgert habe – und über mindestens 8.076 Menschen auf twitter
(severint.net, Severin Tatarczyk)
Vielen Twitter-Nutzern und -Nutzerinnen ist in den letzten Tagen eine fotografische Gegenüberstellung zweier Krankenhausmahlzeiten begegnet: Oben die überaus kärgliche Frühstücksversion, unten die Luxusvariante. Die Botschaft: Gesetzlich versicherte Patienten werden mit dem Nötigsten abgespeist, während Privatpatienten im Luxus schwelgen. Severin Tatarczyk erklärt, warum das Bild aus seiner Sicht nicht zur Skandalisierung taugt.

5. Keine Briefe, keine Zeitung
(taz.de, Reinhard Wolff)
Die norwegische Post will ihre Dienste herunterschrauben: Briefe sollen statt fünfmal die Woche nur noch durchschnittlich zweieinhalb Tage pro Woche verteilt werden. Der Abbau beim Zustellservice betrifft nicht nur die Postbediensteten, sondern hätte auch gravierende Folgen für die Lokalzeitungen, die auf den Postweg angewiesen sind.

6. Sami Slimani will Geschlechterrollen zerstören – indem er in der Frauenabteilung einkauft
(vice.com, Lisa Ludwig)
Der Youtube-Star Sami Slimani (Youtube: 1,6 Millionen Abonnenten, Instagram: 1,4 Millionen Follower) war in der Damenabteilung einer großen Klamottenkette shoppen, um “modische Geschlechtergrenzen” zu überwinden. Lisa Ludwig ist von der derart überhöhten Einkaufstour des beliebten Influencers wenig überzeugt: “Wie der 28-Jährige an den Punkt gekommen ist, auf homophobe Beleidigungen zu scheißen und sich optisch so zu geben, wie er sich fühlt, wäre eine sicherlich interessante und womöglich sogar inspirierende Geschichte gewesen. Stattdessen hat er ein Zara-Haul mit gesellschaftskritischem Anstrich gedreht. In einer Welt, in der Konsum alles ist, in der Geld ausgeben Glück ersetzen soll, muss das wohl als Revolution reichen.”
(Anmerkung für alle, die in der Youtube- und Influencer-Sprache nicht so fit sind: Bei “Haul-Videos” geht es um das hier.)

Googles Geld, Digital statt radikal?, “Korrekturbitten” als “Anregung”

1. Datenanalyse: Googles Geld und die Medien in Europa
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Alexander Fanta)
Google beschenkt seit 2016 Hunderte Medienunternehmen, Verlage, Start-ups, Einzelpersonen und Universitäten in Europa. Insgesamt 150 Millionen Euro umfasst der Förderfonds. Netzpolitik.org hat in einer monatelangen Recherche analysiert, welche Art von Innovationen der Konzern nach vorne bringt und wer die Empfänger des Geldes sind.

2. Schriftarten als Botschafter für Pressefreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” hat sich anlässlich des Staatsbesuchs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Aktion einfallen lassen: Die Organisation hat das Schriftbild geschlossener Medien aus verschiedenen Teilen der Welt rekonstruieren lassen und stellt die Schriften ab sofort auf fonts-for-freedom.com zum kostenlosen Download zur Verfügung. Dort kann man auch sein Statement für Pressefreiheit in ein Formular tippen, die fertig generierte Bildtafel herunterladen und zum Beispiel in den sozialen Netzwerken teilen.

3. Digital statt radikal?
(deutschlandfunk.de, Michael Meyer, Audio, 5:27 Minuten)
Anlässlich des 40. Geburtstags der “taz” liefert der “Deutschlandfunk” sowohl einen Rück- als auch einen Ausblick: Von den ersten bewegten Jahren bis in die Zukunft im 23 Millionen Euro teuren Neubau.
Weitere Lesehinweise: Zum 40. haben “taz”-Gründerinnen und -Gründer das Blatt übernommen (taz.de, Tobias Schulze & Hanna Voss). Und “Meedia” hat einen Rat für die Kollegen: “Hey, taz! Bevor ihr Eure Print-Ausgabe einstampft, solltet Ihr Euch anschauen, was der Independent danach erlebte”.

4. Offenbar mehr Opfer rechter Gewalt
(tagesschau.de)
Über die Zahlen von Opfern rechter Gewalt herrscht keine Einigkeit. Während die Bundesregierung von 83 Todesopfern seit der Wiedervereinigung spricht, sind es nach Medienberichten mehr als doppelt so viele.

5. “Kor­rek­tur­bitten” vom Ver­fas­sungs­schutz an Jour­na­listen
(lto.de, Markus Sehl)
Der Verfassungsschutz hatte sich per Anwalt mit “Korrekturbitten” an verschiedene Redaktionen gewandt. Auf eine schriftliche Anfrage des stellvertretenden Grünen-Fraktionsvorsitzenden und Innenausschussmitglieds Konstantin von Notz hat das Innenministerium dazu Stellung bezogen (PDF). Laut Ministerium habe es sich nur um “Anregungen” gehandelt, von einer Beeinträchtigung der Pressefreiheit könne keine Rede sein. Der Berliner Anwalt für Presserecht und Informationszugangsrecht Christoph Partsch sieht das anders: “Wenn es dem Bundesamt für Verfassungsschutz nur um eine Korrekturbitte gegangen wäre, so hätte es keiner Anwaltskanzlei im Abmahnstil bedurft.”

6. Das Sat1 Frühstücksfernsehen lässt zwei Männer diskutieren, wie “gefährlich” Feiern auf dem Oktoberfest durch MeToo geworden ist
(buzzfeed.com, Pascale Mueller & Juliane Loeffler & Karsten Schmehl)
Das Sat.1-“Frühstücksfernsehen” brachte das Kunststück fertig, über #metoo zu sprechen und dabei keine Frau zu Wort kommen zu lassen. Viele Zuschauer äußerten auf Twitter und Facebook außerdem ihren Unmut darüber, dass in dem Gespräch Stereotype über sexualisierte Gewalt und Belästigung reproduziert worden seien. Mittlerweile haben sich sowohl die Pressesprecherin als auch der Moderator zu den Vorwürfen geäußert und Besserung gelobt.

Kurz korrigiert (516)

Der NABU, also der Naturschutzbund Deutschland, kümmert sich um Umwelt- und Naturschutz und hat das Wort “Bund” im Namen. Der BUND, also der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kümmert sich auch um Umwelt- und Naturschutz und hat auch das Wort “Bund” im Namen. Trotz dieser Ähnlichkeiten handelt es sich um zwei verschiedene Vereine.

BUND, NABU, Umwelt, Natur — das scheint die Leute bei Bild.de ein bisschen zu verwirren, denn sie schreiben dort über einem Artikel zum Moorbrand auf einem Bundeswehr-Testgelände im Emsland:

Screenshot Bild.de - Moorbrand in Meppen - Nabu verklagt jetzt die Brandstifter

Und im Artikel selbst:

Nachdem der Staatsanwalt Bundeswehr-Büros durchsuchen ließ, erstattete jetzt der Bund für Umwelt und Naturschutz Niedersachsen (BUND) Strafanzeige wegen fahrlässiger Brandstiftung, leichtfertiger Freisetzung von Schadstoffen und Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete.

Auch wenn sich NABU und BUND für sehr ähnliche Dinge einsetzen, hat in diesem Fall nur einer von ihnen Strafanzeigen erstattet: der BUND.

Bundesschweigedienst, Erfolgreiche Schnapsidee, Selle mit der Kelle

1. BND will der Presse nichts mehr sagen müssen
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Im Rechtsstreit mit dem “Tagesspiegel” fordert der Bundesnachrichtendienst (BND) eine Freistellung vom Presse-Auskunftsanspruch per “Bereichsausnahme”. Dies ist eine Wende gegenüber der Linie des früheren BND-Chefs Schindler und wird von Vertretern der SPD und Opposition abgelehnt. Auch der Deutsche Journalisten-Verband hat sich dahingehend geäußert: “Der Bundesnachrichtendienst steht nicht außerhalb des Gesetzes. Deshalb ist er auskunftspflichtig gegenüber Journalisten, wenn sie sich mit Recherchefragen an den BND wenden”, so der Vorsitzende Frank Überall.

2. Trash Talk bei Maischberger
(riffreporter.de, Anja Krieger)
Die Wissenschaftsjournalistin Anja Krieger hat sich über die vergangene Maischberger-Sendung zum “Plastikfluch” geärgert. Krieger ist selbst Expertin für Umweltthemen, ihr “Deutschlandfunk”-Feature Die Entmüllung der Meere wurde mit einem Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Unter “Plastisphere” podcastet sie zum Thema. Entsprechend informiert, ist ihr Einiges aufgefallen.

3. Innenminister dreht am Windrad
(twitter.com/Westpol)
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hat in der WDR-Sendung “Westpol” behauptet, dass für Windräder bei Aachen mehr Bäume gerodet würden als im gesamten Hambacher Forst. Die Redaktion hat diese Behauptung überprüft. Spoiler: Reul lag daneben.

4. Eine kriminell irreführende Abschiebestatistik in der “Krone”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Die österreichische “Kronen Zeitung” führt ihre Leserinnen und Leser mit fast korrekten Fakten gezielt in die Irre, wie Hans Kirchmeyr bei “Kobuk” ausführt. In einem Artikel wurde der Eindruck erweckt, dass über 8.000 Asylbewerber abgeschoben worden seien. Laut Innenministerium habe es sich jedoch um 2.909 Personen gehandelt, zuzüglich 1.754 Dublin-Überstellungen in andere EU-Länder. Der Rest seien, anders als in der “Kronen”-Überschrift suggeriert, freiwillige Ausreisen gewesen.

5. Von der “Schnapsidee” zum internationalen Vorbild
(deutschlandfunk.de, Claudia van Laak, Audio, 6:13 Minuten)
“Zeit Online” hat zusammen mit Medienpartnern die Aktion “Deutschland spricht” ins Leben gerufen, bei der sich Tausende Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten für ein persönliches Gespräch getroffen haben. Eine Aktion, die von Medien aus anderen Ländern wegen des großen Erfolgs aufgegriffen wird.

6. Live aus dem Hambacher Forst: Anett Selle
(twitter.com/anettselle)
Zum Schluss noch eine Empfehlung für die Journalistin Anett Selle, die man dieser Tage bei ihren Live-Streams aus dem Hambacher Forst bei der Recherche begleiten kann (was gestern so aussah). Die unerschrockene Journalistin, die wegen ihrer unkonventionellen Handyhalterung kurze Zeit auch “Selle mit der Kelle” genannt wurde, belässt es nicht bei den live gestreamten Vor-Ort-Berichten, sondern schreibt ihre Eindrücke anschließend für die “taz” auf. Sehens- und lesenswert, auch weil deutlich wird, welche Potenziale zeitgemäßer Journalismus bietet.

Ist doch bloß “Schmuddel”-Kram

Gegen Brett Kavanaugh, Donald Trumps Richterkandidat für eine vakante Stelle am Obersten Gerichtshof der USA, gibt es mehrere Vorwürfe der sexuellen Belästigung und des sexuellen Missbrauchs. Darunter auch eine mutmaßliche versuchte Vergewaltigung.

Es handelt sich um Vorwürfe, bewiesen ist nichts. Medien sollten also aufpassen, dass sie Kavanaugh nicht vorverurteilen. Sie sollten die Vorwürfe aber auch ernst nehmen.

Letzteres klappt bei Bild.de nicht so richtig:

Screenshot Bild.de - Frauen beschuldigen Richter - Warum die Schmuddel-Vorwürfe Trump so belasten

“Schmuddel-Vorwürfe” ist derart verharmlosend, dass wir nicht mal sicher sind, worauf sich das “Schmuddel” beziehen soll: Auf das, was Kavanaugh vorgeworfen wird, oder auf die Vorwürfe an sich?

Blättern:  1 ... 396 397 398 ... 1086