Suchergebnisse für ‘BILD’

Entzauberte Verlagsmythen, Talkshows hassen, Wahlprogramme

1. Weil der Verlag sich ändern muss – Version 2019
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer hat einen langen, aber gut durchstrukturierten Text über die aktuelle Situation der deutschen Medien und Verlage geschrieben. Dabei räumt er mit den vielen Mythen auf, die in dem Zusammenhang gerne als Erklärung beziehungsweise Ausrede für sinkende Verkaufszahlen herangezogen werden. Lesenswert nicht nur für Medienmachende, sondern auch für Medienkonsumierende.

2. Warum Clickbait-Überschriften keine schlechten Überschriften sein müssen
(zeitgeist.rp-online.de, Christian Albustin)
Auf dem Campfire-Festival 2019 sprachen unter anderem vier Chefredakteurinnen beziehungsweise Chefredakteure aus dem Rheinland über ihre Sorgen und Hoffnungen. Vier Erkenntnisse hätten sich herauskristallisiert: 1. In wenigen Jahren könnte der Boulevard-Print tot sein. 2. Clickbait-Überschriften sind gute Überschriften — wenn sie nicht zu viel versprechen. 3. Podcasts sind ein ideales Medium fürs Stauland NRW. 4. Journalistinnen und Journalisten müssen noch mehr um Glaubwürdigkeit kämpfen.

3. “Eine versteinerte Diskussion”
(spiegel.de, Arno Frank)
Der “Spiegel” hat sich mit Oliver Weber unterhalten, dem Autor des Buchs “Talkshows hassen”. Weber rät den Talk-Redaktionen, bei der Zusammenstellung der Gäste nicht nur an Fachleute zu denken: “Ich würde empfehlen, dass man öfter Bürger einlädt. Talkshows sollten sich auch nicht in Expertengremien verwandeln. Macht muss sich auch im Fernsehen darstellen und zu Ansichten und Meinungen eine Stellung beziehen können. In der Talkshow können Parteipolitiker nicht mehr selbst die Konstellation festlegen, in der sie ihre Standpunkte vertreten. Das ist ein Vorteil der Talkshow.”

4. Nur tote Soldaten zählen
(taz.de, René Martens)
Christoph Heinzle und Kai Küstner, früher ARD-Korrespondenten in Afghanistan, erzählen in einer Radio- und Podcastserie vom Bundeswehreinsatz in dem Land. In den sechs Folgen geht es neben der Schilderung der Geschehnisse auch um die öffentliche Debatte und die mediale Verarbeitung.
Hier geht es zu den Folgen: Folge 1
, Folge 2, 
Folge 3, Folge 4, Folge 5, Folge 6.

5. Exklusiv: Verwerter planen Lobby- und Medienkampagne gegen Digitalkonzerne
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Netzpolitik.org berichtet über ein internes Schreiben einer “Verwerterlobby”, zu der unter anderem der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und der Börsenverein des deutschen Buchhandels gehören, aber auch die Kinderschützer von Innocence in Danger, die “eine große Kampagne” plane, “um für mehr Regulierung der Digitalkonzerne zu werben.” Das Ziel, so steht es in dem Schreiben, sei die “Einflussnahme auf die öffentliche Meinungsbildung zum Umgang mit Digitalmonopolisten und sich daraus ergebende mittelbare Ertüchtigung von Beamten, Politikern, Richtern und Entscheidungsträgern”. Für diesen Zweck sollen Medienunternehmen frei Werbeplätze zur Verfügung stellen.

6. Wahlprogramme oft unverständlich
(politik-kommunikation.de, Judith Cech)
Forscher der Universität Hohenheim haben die Wahlprogramme der brandenburgischen und sächsischen Parteien auf Verständlichkeit hin überprüft. Sie stießen auf zu lange Sätze, viele Fachbegriffe, Fremdwörter sowie zusammengesetzte Worte und bildeten daraus den “Hohenheimer Verständlichkeitsindex”.

An jedem verdammten Wochenende

Bei Bild.de haben sie die Meldungen vom vergangenen Wochenende über tödliche Unfälle in ganz Deutschland zusammengetragen und festgelegt: Das war ein “TODESWOCHENENDE”.

Screenshot Bild.de - Mindestens 16 Menschen verunglückt - Todeswochenende auf Deutschlands Straßen

So tragisch die 16 Todesfälle sind — die bittere Realität ist leider, dass 16 tödlich verunglückte Menschen an zwei Tagen “AUF DEUTSCHLANDS STRASSEN” kein außergewöhnliches “TODESWOCHENENDE” sind, sondern in etwa trauriger Durchschnitt: 2018 starben 3275 Personen im Straßenverkehr. Im Jahr davor waren es 3180, 2016 kamen 3206 Menschen ums Leben und 2015 sogar 3459. Im Schnitt gab es in den vergangen Jahren also jeden Tag zwischen 8,71 und 9,48 Todesopfer im Straßenverkehr.

Mit Dank an Lars R. für den Hinweis!

Ferndiagnostiker, Wolkenformationen, Medienkampagne SPD-Vorsitz

1. Vorsicht, Ferndiagnose!
(uebermedien.de, Hinnerk Feldwisch-Drentrup)
Bei Kriminalfällen und Katastrophen bemühen die Medien gern Experten, die auf die Schnelle und aus der Ferne Täter und Tathergang begutachten. Oft, ohne vor Ort gewesen zu sein und ohne mit dem oder den Betroffenen gesprochen zu haben. Hinnerk Feldwisch-Drentrup schreibt über ein mediales Phänomen, das sich an der Grenze zum Unredlichen und Unmoralischen bewegt.

2. “Ein großes Missverständnis”
(sueddeutsche.de, Peter Münch)
Der Tiroler Blogger Markus Wilhelm sollte eigentlich einen mit 10.000 Euro dotierten Journalistenpreis erhalten, doch er hat die Annahme des Preises abgelehnt. Das habe vor allem mit den beiden neuen Sponsoren zu tun: Dem Land Burgenland und der Esterházy-Stiftung, denen er eine “Law-and-Order-Politik” und “feudalistisches Denken” vorwirft: “Ich schreibe nicht ein Leben lang gegen diese Zustände, um mich dann mit ihnen gemein zu machen.”

3. Instagram-Fakes: Wenn die Wolken immer gleich schön aussehen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Eine argentinische Reise-Influencerin hat auf Instagram Bilder gepostet, bei denen immer die gleichen Wolkenformationen zu sehen sind. Ermöglicht durch eine App, die den Bildhintergrund austauscht und für mehr Drama sorgt. Nun wird diskutiert, ob ein derartiges Fälschen von Bildern erlaubt sei, oder ob Instagram eh ein Ort von Inszenierung und Manipulation sei.

4. Neu: DIE POLITIKANALYSE #1 – Kandidatencheck Sachsen & Brandenburg
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt & Tilo Jung, Video: 20:47 Minuten)
Auf Tilo Jungs Youtube-Kanal gibt es ein neues Format: Die Politikanalyse von Wolfgang M. Schmitt. Dabei dienen Ausschnitte aus Jungs Politikerinterviews als Basis für einen “ideologiekritischen Blick auf die Politik von heute”. In der ersten Folge befasst sich Schmitt mit den Interviews vor den Wahlen in Brandenburg und Sachsen.

5. Christian Fuchs über… Grenzen
(message-online.com, David Baldauf)
Im Interview mit “Message” spricht Investigativreporter Christian Fuchs über Schwierigkeiten bei der Recherche im rechten Umfeld, ethische Grenzen und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen: “Gerade im investigativen Bereich geht es oft nur noch in Gruppen, weil einem einfach die Expertise für andere Länder fehlt. Die allermeisten Kooperationen und Verbünde, die ich mit ausländischen KollegInnen hatte, waren sehr fruchtbar und für alle Seiten ein Gewinn. Ich würde es jedem empfehlen, seine Fühler auch in die anderen Länder auszustrecken, denn ich glaube, die allermeisten Themen sind heute international und man braucht die Kontakte ins Ausland, um sauber arbeiten zu können.”

6. Ich, Jan Böhmermann, bewerbe mich als SPD Vorsitzender!
(youtube.com, Jan Böhmermann)
Jan Böhmermann möchte Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden. Ein in vielerlei Hinsicht ehrgeiziges Vorhaben: Die Bewerbungsfrist endet am Sonntag um 18 Uhr. Bis dahin muss Böhmermann in die Partei aufgenommen worden sein. Außerdem müssen fünf SPD-Unterbezirke, ein Bezirk oder ein Landesverband seine Kandidatur unterstützen.

Datenspendedienst, Filmbranche mit Nachwuchssorgen?, Nationalitäten

1. Blutspendedienst übermittelte heikle Daten an Facebook
(sueddeutsche.de, Matthias Eberl)
Der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes hat auf seiner Website gesundheitsbezogene Daten abgefragt und diese, ob bewusst oder unbewusst, Facebook zugänglich gemacht. Matthias Eberl von der “Süddeutschen Zeitung” erklärt, wie das technisch geschehen konnte. Auf das Problem angesprochen, habe der Sprecher des Spendedienstes bestritten, dass sich aus den Daten Rückschlüsse auf Krankheiten einzelner Personen ziehen lassen. Die “SZ”-Recherche zeige jedoch, dass dem nicht so sei: “Unklar bleibt, warum der BSD Facebooks Überwachung einsetzte, wie lange diese aktiv war und wie viele Menschen die Umfrage mitmachten. Sie lief mindestens seit dem Frühjahr. Jährlich spenden beim BSD 250 000 Personen Blut, sodass erhebliche Mengen Krankheitsdaten bei Facebook liegen könnten. Der Blutspendedienst machte keine Angaben zu Dauer und Nutzerzahl der Umfrage.”

2. Security by Obscurity: Nach dreieinhalb Jahren vor Gericht
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Das Transparenzportal “FragdenStaat” wollte vom Gesundheitsministerium wissen, welche Domains die Behörde betreibe. Eine einfache Frage, die mit einer kurzen Mail eigentlich beantwortet sein müsste, meint man. Doch weit gefehlt: Das Ministerium verweigert die Information und hat sich deshalb sogar verklagen lassen. Seitdem sind über drei Jahre ins Land gegangen. Eine unerträgliche Situation, wie Arne Semsrott von “FragdenStaat” findet: “Hätten wir die Ergebnisse der Klage damals etwa journalistisch oder für Forschung nutzen wollen, wäre die Klage absolut nutzlos gewesen. Die Überlastung der Justiz führt dazu, dass das Recht auf Informationsfreiheit vielerorts nicht effektiv in Anspruch genommen werden kann.”

3. Frankfurter PR-Berater hetzt auf CDU-Seite gegen “Wilde”
(fr.de, Katja Thorwarth & Daniel Dillmann)
Der berühmt-berüchtigte PR-Berater Moritz Hunzinger hat auf Facebook Flüchtlinge als “Wilde” bezeichnet. Die “Frankfurter Rundschau” kommentiert: “Es ist erschreckend, dass ein prominenter Geschäftsmann tatsächlich glaubt, solche Äußerungen als seriös getätigte Meinung in den sozialen Netzwerken zu verbreiten, ohne dass sein Ruf Schaden nehme. Und es ist bedenklich, dass ein Bundestagsabgeordneter und langjähriger CDU-Politiker wie Matthias Zimmer diesem schäbigen Rassismus nur dezent widerspricht, statt die Hetze von seiner Facebook-Seite zu nehmen.”

4. Ein Jahr Projekt Orange – was wir geschafft haben
(medium.com, Susanne Amann & Birger Menke)
Es hört sich einfach an, aber es stecken mehr Anstrengungen dahinter, als man ahnt: Beim “Spiegel” werden die Print- und die Onlineabteilung zusammengelegt. Nach einem Jahr Vorlaufzeit soll es nun am 1. September in den “Gemeinschaftsbetrieb” gehen. Im “Spiegel”-Blog erklären Susanne Amann und Birger Menke von der “Projektleitung Orange” die Auswirkungen auf Ressorts, Strukturen und Arbeitsabläufe.



5. Polizei in NRW soll künftig Nationalität aller Tatverdächtigen nennen
(faz.net)
Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen hat die Pressestellen der Polizei angewiesen, generell Angaben zur Nationalität von Tatverdächtigen zu machen, sofern diese bekannt ist. Andere Bundesländer handhaben dies nicht so, und auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat eine andere Sichtweise: Die Nationalität von Tatverdächtigen spiele bei der polizeilichen Ermittlungsarbeit immer eine Rolle, Ermittlungsergebnisse würden aber nur begrenzt in die Öffentlichkeit gehören: “Deshalb kann es eine generelle Transparenz bei der polizeilichen Pressearbeit in diesem Zusammenhang nicht geben.”
Weiterer Lesehinweis: NRW als Vorbild für ganz Deutschland? (deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann).

6. Film & Fernsehen: Eine Branche mit großen Nachwuchssorgen
(blmplus.de, Lisa Priller Gebhardt)
Die Filmproduktionsbranche leidet unter Fachkräftemangel, die Produzenten jammern über Nachwuchssorgen. Teilweise müssten Produktionen verschoben werden, weil kein komplettes Team zur Verfügung stehe. Was im Artikel leider nicht thematisiert wird, sind die teilweise unterirdischen Einstiegsgehälter der Branche, die ein Überleben an Medienstandorten wie Köln nahezu unmöglich machen.

Falscher als die Polizei erlaubt

Am morgigen Samstag findet in Dresden die “Unteilbar”-Demo für eine offene und freie Gesellschaft statt. Laut Bild.de könnte es dort nicht nur die Demonstration und ein Konzert geben — die Polizei, so behauptet es die Redaktion, fürchte “Autonomen-Krawalle”:

Screenshot Bild.de - Nach Toleranz-Konzert - Polizei fürchten Autonomen-Krawalle in Dresden

Diese Überschrift ist nicht nur grammatikalisch bemerkenswert. Die Polizei sagt uns auf Nachfrage, sie sei auch inhaltlich falsch.

Im Artikel schreibt Bild.de:

Doch wie BILD aus Sicherheitskreisen erfuhr, rechnet man bei der Polizei neben tausenden friedlichen Demonstranten auch mit rund 500 gewaltbereiten Autonomen aus Hamburg und Berlin, die bereits mobilisieren. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Nacht zum Sonntag.

Und:

Das Bündnis selbst hat 25 000 Teilnehmer angemeldet, will eine Woche vor der Wahl für mehr Toleranz, gegen Rechtspopulismus aber auch gegen das neue Polizeigesetz mobil machen.

Doch reisen alle Teilnehmer nach dem Konzert gegen 22 Uhr auch wieder ab? Es gibt Befürchtungen, es könnte Angriffe u.a. auf die Einsatzkräfte geben.

Die Redaktion zitiert sogar “Polizeisprecher Marko Lasko”, der allerdings gar nicht “Marko Lasko” heißt, sondern Marko Laske:

“Wir schauen uns die Mobilisierung genau an und sind entsprechend vorbereitet.”

Fragt man bei Marko Laske von der Polizeidirektion Dresden nach, sagt einem dieser, dass er zwar mit der “Bild”-Redaktion gesprochen habe, die Darstellung bei Bild.de aber nicht stimme. Er könne sich auch nicht erklären, warum Bild.de so etwas schreibt.

Uns sagt Laske, dass die Dresdener Polizei, die den Einsatz morgen auch führen werde, von einem “friedlichen Versammlungsgeschehen ausgeht”. Es gebe “keine Hinweise auf Störungsaktionen”. Das habe er “Bild” auch so gesagt. Natürlich seien er und seine Kolleginnen und Kollegen auf den Einsatz vorbereitet. Er meint damit aber vor allem die Absicherung der Versammlung.

Bereits gestern behauptete die AfD Sachsen, dass die Polizei “intern bereits vor Ausschreitungen, die aus dem Umfeld dieser Demonstration erwartet werden”, warne. Dem widersprach die Polizei Sachsen. Heute wiederholt dann also Bild.de die AfD-Behauptung. Und wieder widerspricht die Polizei Sachsen:

Screenshot eines Tweets der Polizei Sachsen - Auf Anfrage der Zeitung konnte die Polizeidirektion klar widersprechen, warum diese nun trotzdem so titelt, wissen wir nciht, zumal die Aussage schlicht falsch ist.

Mit Dank an @matschuessler und @MoniqueFreude für die Hinweise!

Kampf um Köpfe, Feindeslisten und “Nordkreuz”, Gelöschter Unfall

1. Wir verlieren den Kampf um unsere Köpfe
(spiegel.de, Sascha Lobo)

Sascha Lobo schreibt in seiner neuen Kolumne über Trumps neuestes Ablenkungsmanöver, auf das wir alle hereinfallen würden: “Trumps Grönland-Aktion hat bei mir eine Irritation ausgelöst, die wiederum aus zwei wesentlichen Komponenten bestand: Einerseits wurde meine Einschätzung bestätigt, dass Trump eine schwere Störung zu haben scheint. Andererseits habe ich mich — ja, doch: durch die Abstrusität unterhalten gefühlt. Der für die Verarbeitung des Weltgeschehens zuständige Teil meines Gehirns war regelrecht erleichtert. Denn eine Ungeheuerlichkeit, die mich wütend, aber hilflos fühlen ließ, wurde durch eine leicht verarbeitbare Groteske ersetzt. Besser hätte es für Trump in meinem Kopf gar nicht laufen können.”

2. Feindeslisten und “Nordkreuz”: Mit dieser Klage geht es weiter
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott & Johannes Filter)
Mitglieder des rechtsextremen Netzwerks “Nordkreuz” haben Feindeslisten erstellt. Seit mehr als zwei Jahren arbeitet die sogenannte Prepper-Kommission im Auftrag des Innenministeriums von Mecklenburg-Vorpommern an dem Fall. Arne Semsrott und Johannes Filter schreiben dazu: “Weil das Ministerium die bisherigen Ergebnisse der Kommission nicht herausgeben will, verklagen wir es jetzt. Die Beamten argumentieren, die Berichte der Kommission seien lediglich Entwürfe — wir gehen aber davon aus, dass auch sie unter das Gesetz fallen. Dabei wollen wir auch herausfinden, ob das Innenministerium noch immer der Meinung ist, dass sich Prepper vor allem vor Starkregen schützen wollen.”

3. “Grund ist politisches Interesse”
(taz.de, Katharina Schipkowski)
Zwei Jahre ist es her, dass die Website linksunten.indymedia verboten wurde. Die “taz” hat sich mit der Anwältin Kristin Pietrzyk über den aktuellen Stand der Angelegenheit unterhalten. Sollte das Bundesverwaltungsgericht das Verbot für rechtmäßig befinden, könne dies weitreichende Konsequenzen haben: “Den Betreibern von Open-Posting-Plattformen wird sich die Frage stellen: Wie stark müssen wir moderieren, um nicht verboten zu werden? Was darf dann noch ein Blog, was darf eine nicht renommierte Onlinezeitung, was darf ein Forum? Das öffnet Tür und Tor für Zensur. Wenn man Pressefreiheit als Säule unserer Demokratie versteht — da wird ganz schön dran gesägt.”

4. Ich wüsste gerne …
(twitter.com, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier hat sich das Werbevideo der “Bunte” angeschaut und fragt nicht ohne Süffisanz: “Ich wüsste gerne, wie viele Menschen die @Bunte jede Woche nur wegen ihrer brillant performten und hochglanzproduzierten Werbevideos kaufen.”

5. Eine Influencerin hat ihren angeblichen Motorradunfall auf Instagram dokumentiert
(jetzt.de)
Die amerikanische Influencerin Tiffany Mitchell (mehr als 200.000 Abonnenten) hatte angeblich einen Motorradunfall. Die Bilder davon, auf denen wie zufällig zwei Marken-Wasserflaschen zu sehen sind, postete sie auf Instagram. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer hatten Zweifel an der Geschichte: Einiges deute darauf hin, dass der Unfall gestellt sei. Mittlerweile hat die Influencerin die Bilder von Instagram entfernt: “Ich will einen so verletzlichen Moment nicht von Menschen missverstanden wissen.”

6. Tele 5 zeigt ein Jahr lang immer wieder den gleichen Film
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Tele-5-Chef Kai Blasberg ist für seine mitunter ungewöhnlichen Aktionen bekannt. Seine neueste Idee: 20 Jahre nach dem Kinostart von “Bang Boom Bang – Ein Todsicheres Ding” wolle man den Film ausstrahlen. Wöchentlich. Ein ganzes Jahr lang.

Für jede Krise ein Gesicht

Vergangene Woche hat “Bild”-Selfie-Reporter Paul Ronzheimer Joshua Wong getroffen, den “Anführer des Aufstands” in Honkong.

Screenshot BILD.de: BILD trifft Hongkongs Protest-Anführer Joshua Wong - Warum lässt uns Deutschland so alleine? [Dazu ein Foto, auf dem sich Wong und Ronzheimer gegenüberstehen]

“Bild” schreibt:

Jede Revolution, jeder Aufstand, braucht ein Gesicht.

Was insofern ganz interessant ist, als die aktuelle Protestbewegung in Hongkong sehr stolz darauf ist, dass sie eben keinen Anführer hat. International schreiben Medien von Protesten “without a main figurehead”, und auch Joshua Wong selbst sagt, dass es ein “faceless and leaderless movement” sei.

“Jede Revolution, jeder Aufstand, braucht ein Gesicht” – vielleicht meint “Bild” aber auch gar nicht Wongs Gesicht.

Mit Dank an Stephan S. für den Hinweis!

Nachtrag, 22. August: Es gab Kritik an diesem Beitrag, teils sachlich, teils nun ja. Daher zur Erläuterung: Wir wollten nicht kritisieren, dass Paul Ronzheimer für seine Reportagen vor Ort ist. Unser Beitrag sollte sich auch nicht gegen Reporter im Allgemeinen richten. Was wäre das auch für eine unsinnige Kritik? Aber in Anbetracht der Tatsache, dass kaum ein Ronzheimer-Artikel in “Bild” und bei Bild.de ohne ein großes Foto auskommt, auf dem Ronzheimer zu sehen ist, fragen wir uns durchaus, was nun im Mittelpunkt steht: die Geschichten oder Paul Ronzheimer?

Dass wir auf diesen Punkt hinauswollten, haben wir offensichtlich nicht deutlich genug herausgearbeitet.

Viel-Framing-Ministerin, Rezo und die Reaktionen, SPD-Telefon(ab)schalte

1. Widersprüche um SPD-Telefonschalte
(spiegel.de)
Vergangenen Freitag berichtete der “Spiegel”, dass auch Olaf Scholz für den SPD-Parteivorsitz kandidieren wolle. Scholz habe dies in einer Telefonschalte mit den drei kommissarischen Parteichefs eingeleitet. Einer der drei Parteichefs bestritt in einer Pressekonferenz, dass es diese Telefonkonferenz gegeben habe. Was den “Spiegel” zu einer Stellungnahme in eigener Sache veranlasst: “Wir können versichern, dass wir für unsere Darstellung zwei voneinander unabhängige, vertrauenswürdige Quellen haben, wie es die journalistischen Regeln verlangen. Wir haben unsere Quellen mit den Aussagen Schäfer-Gümbels konfrontiert. Sie bleiben bei ihrer Darstellung.”

2. Ich habe die Bundesfamilienministerin gefragt …
(twitter.com/nicolediekmann)
Die Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio Nicole Diekmann hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gefragt, ob sie die Kritik an Wortschöpfungen wie “Gute-Kita-Gesetz” und “Starke-Familien-Gesetz” verstehe. Giffey argumentiert in ihrer leidenschaftlich vorgetragenen Antwort für “verständliches Sprechen”. Sie werde sich nicht “beirren lassen”. Man könnte dem folgen, doch in den Kommentaren zum Tweet kommen die entsprechenden und sehr berechtigten Gegenargumente.

3. Warum der viel zitierte “Bildungsmonitor” nicht verrät, welches Bundesland die beste Bildung hat
(krautreporter.de, Bent Freiwald)
Die dem Arbeitgeberverband nahestehende Lobbyvereinigung INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) hat jüngst den “Bildungsmonitor 2019” (PDF) veröffentlicht. Dort geht es um einen Vergleich der Bildungssysteme der verschiedenen Bundesländer, der von vielen Redaktionen begierig aufgegriffen wurde. Bent Freiwald bezweifelt die aus dem Bericht gewonnenen Einsichten und Rückschlüsse: “Ein Vergleich aus wirtschaftlicher Sicht, mit relativ instabilen Daten, verrät nicht, welches Bundesland insgesamt das beste Bildungssystem hat.”

4. Alles, was ich über Bakery Jatta weiß
(nebgen.blogspot.com, Christoph Nebgen)
Die “Sport Bild” berichtete vor wenigen Wochen von einer “irren Geschichte”. Die Zeitung habe bei einer “sensationellen Recherche” herausgefunden, dass mit dem HSV-Spieler Bakery Jatta etwas nicht stimme. Es bestünden Zweifel an Identität und Legitimität des Aufenthaltsstatus. Andere Medien schlossen sich mit teilweise wüsten Spekulationen an. Konkurrierende Fußballvereine legten Einspruch gegen die Wertung von Partien ein, bei denen sie dem HSV unterlegen waren. Der Rechtsanwalt Christoph Nebgen hat sich den durchaus komplexen Vorgang genauer angeschaut.

5. Ausgetwittert
(tomhillenbrand.de)
Der Journalist und Schriftsteller Tom Hillenbrand ist Anfang Mai für einige schon aus einer Entfernung von Kilometern erkennbare Satire-Tweets von Twitter gesperrt worden. Hillenbrand versucht seitdem mit allen Mitteln, Twitter zu einer Aufhebung der Sperre zu bewegen, doch selbst auf einstweilige Verfügungen reagiere der Kurznachrichtendienst nicht. In einem Blogbeitrag dokumentiert er den Fortgang mit immer neuen Updates. Es ist ein Vorgang des unentwegten Kopfschüttelns, der geradezu nach einer Regulation und Sanktionierung schreit. Der von Twitter wohlgemerkt.

6. Eine Pressemitteilung des @DJVde gegen #rezo zum Fremdschämen …
(twitter.com, Peter Welchering)
Die Kritik des Youtubers Rezo an Boulevardmedien, seine persönlichen Erfahrungen mit Medien und die seiner Meinung nach wenig vorhandene Medienkritik (abseits von BILDblog und “Übermedien”) haben auf der Gegenseite zu teilweise merkwürdigen Reaktionen geführt. So antwortete der Deutsche Journalisten-Verband mit einer (mittlerweile zurückgezogenen) etwas patzigen und peinlich unsouveränen Pressemitteilung. Beachtenswert auch hier die Diskussion in den Kommentaren.

Bild  

Von Persönlichkeitsrechten im digitalen Zeitalter

Womöglich muss man schon dankbar sein, dass sie bei “Bild” nicht gleich wieder eine Titelgeschichte draus gemacht haben, nach deren Veröffentlichung eine Bildungseinrichtung bedroht wird, und sich die Polizei einschalten muss.

Aber hartnäckig drangeblieben sind sie schon an der Geschichte, dass eine Grundschule in Halle an der Saale (“kein Einzelfall!”) den Eltern verboten habe, bei der Einschulungsfeier zu fotografieren.

Ausriss Bild-Zeitung - Ist das wirklich im Sinne der gut 730000 Erstklässler oder nicht doch völliger Datenschutz-Irrsinn?

(Nein, in Halle wurden nicht “730.000 Erstklässler” eingeschult — die “Bild”-Redaktion macht es hier nur etwas genereller.)

Der Artikel vom Samstag legte dann für “Bild”-Verhältnisse überraschend sachlich die Rechtslage dar (“Eltern sollten sich bewusst sein, dass Fotos von Kindern im Internet problematisch seien”).

Aber auch gestern waren die besagte Grundschule und eine weitere in Halle noch einmal Thema in der Bundesausgabe: Eine Mutter, die sich mit ihrer Tochter von “Bild” fotografieren ließ, sagt, dass sie die Vorgabe des Schulleiters respektiert hätten. Ein Gast (!) der Einschulung wird mit den Worten zitiert, ein Foto vom eigenen Kind zu verbieten sei “Irrsinn” (eine Formulierung, die “Bild” gerne für die Dachzeile des Artikels übernahm). Und der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes erklärt:

“Natürlich muss das Recht der Kinder am eigenen Bild geschützt werden.”

Damit war das Thema für “Bild” aber noch nicht durch: Auf Seite 2 forderte Redakteur Christian Langbehn etwas melodramatisch: “Lasst uns die Erinnerungen”.

Ausriss Bild-Zeitung - Dass einige Schuldirektoren ein generelles Fotoverbot für diese Feier verhängen, ist schlicht grotesk. Gewiss, im digitalen Zeitalter ist es wichtiger denn je, auf die Persönlichkeitsrechte, insbesondere die von Kindern, zu achten. Dabei geht es aber nicht um das Fotografieren, das eigentliche Erstellen des Fotos. Sondern um den späteren Umgang damit. Die entscheidenden Fragen sind: Laden wir diese Fotos ins Internet? Und wer darf sie dort sehen?

Was so alles mit Fotos passieren kann, die zufälligerweise ihren Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben, kann man just oben auf jener Seite 6 der “Bild”-Bundesausgabe von gestern sehen, auf der unten die Geschichte vom “Datenschutz-Irrsinn” steht: Da prangt das Foto eines 20-jährigen Geflüchteten aus Afghanistan, der am Wochenende bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde — unverpixelt, “Foto: privat”.

Der große Werbe-Beschiss, Rezo und die Zeitungen, Lachkonserve-Erfinder

1. Der grosse Werbe-Beschiss: Klickt euch doch selbst!
(medienwoche.ch, René Zeyer)
René Zeyer beschäftigt sich in der “Medienwoche” mit einem Problem, das bei vielen Medien gerne unter den Tisch gekehrt wird: den unzähligen Promi-Betrugsinseraten und Werbebetrügereien. Er schreibt: “Wieso es aber weder Google mit seinen Tausenden von IT-Spezialisten, noch grossen Medienkonzernen wie Springer, Ringier, «Spiegel», «Die Zeit» und anderen nicht gelingt, wenigstens offenkundige Betrugsmaschen den Stecker zu ziehen, bleibt unverständlich.” Manche Medien würden gar vor den Fake-Inseraten ihrer eigenen Seite warnen: “Man muss sich diese Absurdität auf der Zunge zergehen lassen: Ein Verlag warnt vor seinen eigenen Inseraten. Er verdient zwar dran, kriegt sie aber nicht weg.”

2. Die Zerstörung der Zeitungen durch den Youtuber Rezo
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Youtuber Rezo war beim Comedyduo “Space Frogs” zu Gast. Es ging um das Thema “Zeitung”. Hat das Konzept ausgedient (“Die meisten Zeitungen sind Billo-Shit-Unterhaltung.”)? Und warum kritisieren Medien sich nicht untereinander, da wo es angebracht ist: “Übermedien macht das. BILDblog macht das. Aber warum machen das nicht alle Zeitungen?”

3. Viele individuelle Lösungen für komplexe Probleme
(deutschlandfunk.de, Mirjam Kid, Audio: 6:16 Minuten)
Die “Fridays for Future”-Bewegung könne laut Medienethiker Alexander Filipovic einen positiven Effekt auf die Medienberichterstattung haben. Die Folge der Proteste könne sein, “dass sich die Erwachsenen für die Komplexität des Themas interessieren und auch die anspruchsvollen Dinge angucken und auch kaufen, sodass sich die Medien auch trauen, die wichtigen Sachen zu platzieren”.

4. dpa reagiert positiv auf offenen Brief zum Jubiläum
(genderequalitymedia.org)
Anlässlich des 70. Geburtstags der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat sich “Gender Equality Media” in einem offenen Brief (PDF) an die Nachrichtenagentur gewandt. Kern des Anliegens: Die Nachrichtenprofis auf unangebrachte Begriffe im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen hinzuweisen. Der offene Brief sei von der Agentur positiv aufgenommen worden.

5. Erzählen Sie lieber was vom Pferd!
(faz.net, Hans Hütt)
Das Format der Sommerinterviews gehört neu überdacht, findet Hans Hütt: “Wie kommt es, dass die beiden großen Sendeanstalten mit ihren erstaunlichen Ressourcen nicht in der Lage sind, ihre rhetorisch ausgeschlafenen Gäste mit Daten und Fakten zu konfrontieren?” Die “oberflächliche Dampfplauderei” sei entbehrlich.

6. Der Erfinder der Lach-Konserve
(spiegel.de, Danny Kringiel)
Hinter dem Lachen vom Band in TV-Sendungen steht die Erfindung eines US-Ingenieurs aus dem Jahr 1953 — Charles Douglass hatte eine “Lachmaschine” entwickelt: “Die Tasten waren mit 320 Lacher-Variationen belegt. Es war wie eine Orgel, mit der man ein ganzes Lachorchester kontrollierte. Douglass spielte sie virtuos. Mit präzisem Timing setzte er Lacher wie Akkorde zusammen: etwa das frühe Kichern vom Blitzmerker, der die Pointe als erster versteht, überlappend mit dem Auflachen der Menge, als der Groschen fällt. Das applausbegleitete Hauptgelächter, aus dem ein schrilles Lachen hervorsticht. Und dann, kurz vor dem Abebben, das dröhnende Wiehern des Spätzünders. Douglass schuf Kompositionen der Freude.”

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