Archiv für Unsportliches

Kurz korrigiert (472)

Ja, ja, „Borussia ist schon ganz Klopp“, und ein Tor ist niemals nur ein Tor, meint man in der „Bild“-Sportredaktion:

Jörg Weiler jedoch, Autor dieses Textes über das Fußballspiel Dortmund gegen den FC Luzern, kennt offenbar die beiden am 1:1 beteiligten Spieler wesentlich schlechter als sie einander.

Und Tamás Hajnal und Giovanni Frederico kennen sich „aus Karlsruher Zeiten“ nur insofern „gut“, als Federico in der Saison 2006/2007 für den Karlsruher SC insgesamt drei Tore gegen den 1. FC Kaiserlautern schoss – für den Hajnal damals spielte. Erst zur Saison 2007/2008 wechselte Hajnal zu Karlsruhe – just als Federico den Verein Richtung Dortmund verließ.

Mit Dank an Bene F., Matthias B., Thomaas D., Tobias R., Sven G., Carsten K., Christian H., Dirk H., Jens, Michael K., Simon W., Lothar S., derOssi, Tim R., Marcus S. und viele andere für den Hinweis.

Kurz korrigiert (470-471)

Der neunte Punkt der dieswöchigen persönlichen „Top10“ von „Bild“-Kolumnist Mainhardt Graf Nayhauß (oder „Nayhaus“, wie Bild.de ihn nennt) lautet:

Im schönsten Glanz ... soll der Reichstag ab 23. Mai 2009, dem 50. Gründungstag der Bundesrepublik, mittels einer "dauerhaften Gesamtillumination" (offizielle Mitteilung) erstrahlen. Für Vorschläge wird ein Wettbewerb ausgeschrieben.

Und jetzt können Sie sich aussuchen, welcher Fehler in diesem Satz Ihre persönliche Top-1 ist: Dass die Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 2009 selbstverständlich schon ihren 60. Geburtstag feiert. Oder dass die Einsendefrist für den Wettbewerb Mitte Juni abgelaufen ist und der Bundestag den Gewinner (Michael Batz) bereits am Dienstag vergangener Woche bekanntgegeben hat.

Mit Dank an Jason M.!

Nachtrag, 14. Juli. Die „Bild“-Zeitung hat beide Fehler am Samstag in ihrer Korrekturspalte berichtigt; bei Bild.de hat man sich immerhin zu einer Teilkorrektur durchringen können (und schreibt den Namen des Kolumnisten jetzt anders).

Auf Reagan folgt Sonnenschein

Bei der „Bild“-Zeitung zu arbeiten, muss toll sein! Wenn man keine Ahnung hat, stellt man einfach dumme Fragen wie diese:

"Hat Berlin den großen Ronald Reagan vergessen?"
Oder:
"Berlin – eine Stadt ohne Gedächtnis?"

Und ohne weitere Recherche kann man die Fragen knapp eine Woche später (also gestern) sogar beantworten:

"Nein, Berlin hat den großen Ronald Reagan (1911 - 2004) nicht vergessen!"
Und:
"BILD erklärt, wie an den einst mächtigsten Mann der Welt erinnert werden soll."
Beziehungsweise:
"So ehrt die Stadt Reagan"

Mit Dank an Rainer E. Klemke, Leiter der „AG Museen mit Bundesbeteiligung, Gedenkstätten und Zeitgeschichte“, der uns auf Anfrage mitteilt, dass das, was „BILD erklärt“, schon „seit Juni 2006“ geplant und bekannt ist. „Bild“ fand es aber erst jetzt heraus – durch einen Leserbrief Klemkes.

Kurz korrigiert (469)


Zumindest in Teilen der heutigen Ausgabe* ziert die Titelseite der „Bild“-Zeitung am Tag nach der 0:1-Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft im EM-Finale gegen die spanische Elf ein Foto, das – anders als „Bild“ behauptet – gar nicht „das Tor“ zeigt, sondern eine andere (dem Torschuss ähnliche, aber für die Spanier weniger erfolgreiche) Szene aus demselben Spiel.

Erkennen kann das, wer sich mit Fußball auskennt, übrigens daran, dass der junge Mann links im Bild nicht der deutsche Nationalspieler Philipp Lahm ist, sondern sein Team-Kollege Per Mertesacker. Und wir wollen uns nicht ausmalen, was für ein Aufhebens „Bild“ um diesen Fehler gemacht hätte, wenn er jemand anderem passiert wäre.

*) Offenbar um sicher zu gehen, hat „Bild“ das Foto in anderen Ausgaben durch eins der spanischen Mannschaft beim Jubeln ersetzt. Man erkennt sie gut an ihren roten Trikots und der EM-Trophäe.

Mit Dank an Lennart S., Ben und an Sascha – auch für den selbstlosen Kauf einer „Bild“-Zeitung und das Fotografieren derselben.

Bild.de-Ausfall

Knapp 30 Millionen Menschen sahen gestern im ZDF das Fußball-EM-Halbfinale Deutschland:Türkei in Basel – aber Bild.de-Redakteurin Britta Frischemeyer gehörte offenbar nicht dazu. Denn kurz nach Spielende hieß es unter ihrem Namen auf Bild.de:

"(...) über Wien, dem Austragungsort, war während des Spiels ein Gewitter aufgezogen."

Aber vielleicht gab es für Frischemeyer auch Wichtigeres als Sachkenntnis, während sie ihr ohnehin ahnungsloses Artikelchen schrieb, das Bild.de so präsentierte:

"Deutschland gegen die Türkei
Peinlichste TV-Panne des Jahres
Drei Bildausfälle bei EM-Halbfinale
Von Britta Frischemeyer
TV-Skandal beim ZDF: In der zweiten Halbzeit des EU-Knallers Deutschland gegen die Türkei wurde dreimal die Übertragung unterbrochen – einmal sogar über sieben Minuten lang. Grauer Bildschirm, nix zu sehen. (...)"

Die Empörung über den „TV-Skandal beim ZDF“ ist nach wie vor (inzwischen immerhin ohne den dummen „Wien“-Satz*) online – obwohl die gedruckte „Bild“ doch heute in ihrer Titelgeschichte ausdrücklich, gefettet und offenbar zu Recht zurückrudert schreibt:

"Alles keine Schuld des ZDF!"

Mit Dank an Michael. F., Pascal J., Stefan R., kauf, Maik, Manuel, Daniel K., Florian C., M.M., Björn G., Roland, Torsten D. und ZDF-Sprecher Walter Kehr für die nächtlichen Hinweise und Screenshots.

*) Nachtrag, 14.30 Uhr: Bild.de hat sich noch einmal an den „Pannen“-Text gesetzt – und aus dem „EU-Knaller“ einen „EM-Knaller“ gemacht. Was den angeblich peinlichen „TV-Skandal beim ZDF“ anbelangt, scheint die Bild.de-Redaktion jedoch bei ihrer Darstellung bleiben zu wollen.

„Bild“ irritiert Jogi Löw

Aus einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Fußball-Trainer Joachim Löw:

"Mit Deutschland-Fahne auf dem T-Shirt verfolgt Daniela Löw die Pleite auf der Tribüne. Jogis Ehefrau ist im Stadion ein seltener Gast
Foto: ANDREAS POHL"SZ: „Bild“ hat nach dem Kroatien-Spiel [auf der Titelseite und im Sportteil] Fotos Ihrer Frau aus dem Stadion veröffentlicht und Ihre Anwesenheit thematisiert. Bisher war dieser Teil Ihres Privatlebens ein Tabuthema. Hat Sie der Bruch dieses Tabus irritiert?

Löw: Ja, das hat mich irritiert. Das war nicht gewünscht. Meine Frau möchte nicht in die Öffentlichkeit. Sie ist eigentlich immer im Stadion. Jetzt ist diese Situation dargestellt worden. Ich war überrascht davon, und es war mir nicht recht.

Mit Dank an Christoph H. für den Hinweis.

Klopp hält sich nicht an „Bild“-Wissen

Vor zwei Tagen berichtete „Bild“, dass der Fußballtrainer Jürgen Klopp (Borussia Dortmund) Christian Heidel, dem Manager seines ehemaligen Vereins Mainz 05, versprochen habe, keine Spieler abzuwerben. Besonders wichtig war „Bild“ dabei der Spieler Neven Subotic. Autor Mirko Frank schrieb:

"Klopp verzichtet auf sein größtes Talent"

Kein Geheimnis: Klopp hätte seinen Lieblingsschüler [Neven Subotic] gerne mitgenommen. (…) Aber: Klopps Versprechen verhindert den Wechsel. (…)

Subotic – das Thema wird Mainz noch ein paar Wochen beschäftigen. Die Bundesliga hat ihn im Auge. Nur eins ist sicher: Klopp lässt die Finger von ihm – für Mainz!
(Hervorhebung von uns)

Heute wurde indes bekannt: Subotic wechselt zu Borussia Dortmund. Und „Bild“-Autor Frank schreibt:

"Für 3,5 Millionen! Klopp holt sein Mainz-Juwel"

Der Trainer [Jürgen Klopp] hatte sich eigentlich mit seinem Ex-Klub darauf geeinigt, keinen Spieler aus Mainz nach Dortmund zu holen. Aber weil Subotic auch die Freigabe für Hoffenheim hatte, durfte Klopp zuschlagen.

Möglich, dass Mainz-Manager Heidel der „Bild“-Zeitung das vor zwei Tagen verschwiegen hatte. Oder, dass Heidel da selbst noch gehofft hatte, Subotic bleibe in Mainz. Möglich auch, dass viele Menschen „Bild“ nur wegen des Sportteils lesen.

Mit Dank an Yme S. für den sachdienlichen Hinweis.

Springers internationaler Doppelpass

Es ist noch nicht allzu lange her, da hatte die große Axel Springer AG (laut Presserat) einem kleinen, unabhängigen Internetangebot, das sich kritisch mit der Springer-Zeitung „Bild“ auseinandersetzt, vorgeworfen, es versuche, „sich auf einfachem Wege Material für ihre gewerbliche Tätigkeit zu verschaffen“, und „inszeniere die Wirklichkeit, die sie selbst zum Gegenstand ihrer journalistischen Berichterstattung mache, und verstoße somit selbst gegen journalistische Grundsätze wie Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit“.

Heute nun macht „Bild“ auf der Titelseite sowie groß im Sportteil publizistische Angriffe der Polen auf „unsere“ Fußball-Nationalmannschaft zum Gegenstand ihrer journalistischen Berichterstattung (siehe Ausrisse) — und schreibt:

Gestern erschien die polnische Zeitung „Fakt“ mit einer Fotomontage auf der Titelseite: Michael Ballack mit Pickelhaube aus dem 1. Weltkrieg und Ritter-Umhang des Deutschen Ordens aus dem Mittelalter. (…)

Heute legt „Fakt“ nach — eine Zeichnung auf dem Titelblatt zeigt Ballack in einem Trabi, Beenhakker [den polnischen Nationaltrainer] obendrauf. Überschrift: „Leo, besiege die Trabis.“ (…)

Nicht zum Gegenstand ihrer journalistischen Berichterstattung macht „Bild“ heute, in welchem Verlag „die polnische Zeitung“ erscheint, die die deutsche Mannschaft so angreift: „Fakt“ ist eine Schwesterzeitung von „Bild“.

Mit Dank auch an die zahlreichen Hinweisgeber.

Nachtrag, 5.6.2008: „Spiegel Online“ findet den Springerschen Doppelpass „pikant“ und zitiert den Stellvertretenden Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Alfred Draxler, der von Pikanterie nichts wissen zu wollen scheint: „Die ‚Fakt‘ ist eine journalistisch völlig unabhängige Zeitung, wie die ‚Bild‘ auch.“ Der Axel-Springer-Verlag habe deshalb auch kein Problem damit, kritisch über das polnische Blatt zu berichten – im Rahmen eines „gesunden Binnenpluralismus“. Marietta Slomka hingegen kommentiert die „Aufregung um antideutsche Berichte“ im aktuellen „heute journal“ mit Süffisanz: „Die deutsche ‚Bild‘ macht also Schlagzeilen mit den Schlagzeilen der polnischen ‚Bild‘. Na, das trifft sich ja gut…“ Und bei n-tv spricht man sogar von einer möglicherweise „geschickt inszenierten Medienkampagne“ und bilanziert: „Ein Skandal, produziert vom Springer-Verlag.“ Nun ja.

Bild.de noch nicht EM-reif

Ja, Oliver Neuville hat beim Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Serbien ein Tor geschossen, und gejubelt hat er auch. Aber nicht so, wie es bei Bild.de aussieht:

Denn das ist, unschwer am Trikot zu erkennen, Neuvilles Jubel von der Fußball-WM 2006, und zwar nach seinem 1:0 gegen Polen.

Es geht übrigens auch nicht, wie Bild.de schreibt, „am 8. Juni gegen Österreich in die EM“, sondern gegen Polen. Das Spiel Deutschland gegen Österreich findet am 16. Juni statt.

Naja, ist ja noch eine Woche bis zum Beginn der Europameisterschaft. Vielleicht schickt Bild.de sein Team vorher noch ins Trainingscamp.

Mit Dank an Sebastian D., Marco F., Nico D., Casey J. und Frederic S..

Nachtrag, 1. Juni. Bild.de hat das Foto entfernt und Österreich durch Polen ersetzt.

Moreno hält sich nicht an „Bild“-Wissen

Die „Bild“-Reporter Christoph Sonnenberg und Alexander Holzapfel haben gestern zwei Artikel über den bolivianischen Fußballstürmer Marcelo Moreno geschrieben. Der erste bekam die Überschrift:

Werder hat Moreno

Der zweite:

Moreno sagt bei Werder ab

Und wie zur Erklärung steht im zweiten der Satz:

Der Deal war so gut wie perfekt…

…aber eben nicht ganz!

Und nun kann man natürlich fragen, warum man bei „Bild“ diesen Unterschied nur dann kennt, wenn man — mal wieder — einen Deal als perfekt beschrieben hat, der noch gar nicht perfekt war. Aber vermutlich ist das einfach Kalkül: Hätten sich die voreiligen Tatsachenbehauptungen im Nachhinein als zutreffend herausgestellt, hätte „Bild“ sich wieder damit brüsten können, solche Nachrichten als erstes zu wissen.

Aber vielleicht hatten die „Bild“-Reporter Christoph Sonnenberg und Alexander Holzapfel in den vergangenen neun Tagen auch einfach ihr Kontingent an Spekulationen aufgebraucht, und es waren nur noch Tatsachenbehauptungen im Angebot.

Kurz korrigiert

Bild.de behauptete auch, Moreno werde nicht zum ebenfalls diskutierten Verein Tottenham wechseln, denn: „Tottenham spielt nicht international.“ In Wahrheit ist Tottenham für den UEFA-Cup qualifiziert.

Um 18.01 Uhr veröffentlichte Bild.de gestern (wie berichtet) die Meldung, dass der Wechsel von Moreno zu Werder Bremen so gut wie perfekt sei, aus der in der Überschrift und in den Teasern schon eine Tatsache wurde. Das war nicht nur falsch, sondern auch der ungefähr dümmstmögliche Zeitpunkt. Mindestens eine Stunde zuvor hatte nämlich Morenos aktueller Verein, Cruzeiro EC, auf seiner Homepage bestätigt, dass Moreno in die Ukraine wechselt. Und während „Bild“ noch halbblind auf Werder tippte, berichteten brasilianische Online-Medien längst das zutreffende Gegenteil.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber!

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