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„Bild“ hat Klinsmanns Nachfolger schon positioniert

Die Zeitschrift „RUND“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe die Geschichte aufgeschrieben, wie „Bild“ seit 1984 Fußball-Bundestrainer aus dem Amt und ins Amt geschrieben hat — und erklärt die aktuelle Feindschaft zu Jürgen Klinsmann:

Unter den Spielern der aktuellen Nationalmannschaft hat „Bild“ keinen Informanten. Angeblich hat Oliver Kahn für die Zeit nach der Weltmeisterschaft einen Exklusivvertrag mit der Zeitung. Umso blindwütiger greift „Bild“ Klinsmann an. Dies geschieht vor allem durch WM-OK-Chef Beckenbauer, der, so hört man, eine Million Euro pro Jahr für seine Tätigkeit bei „Bild“ bekommen soll und den uns das ZDF trotzdem als unabhängigen Experten verkauft. Über „Bild“-Kolumnist Günter Netzer, den die ARD als unabhängigen Experten verkauft. Über einige Trainer aus der Bundesliga, die „Bild“ brauchen, um ihren Job zu sichern. Und über DFB-Funktionäre der zweiten, Politiker der dritten Reihe und enttäuschte Spieler wie Christian Wörns. (…)

„Bild“ hat den Nachfolger [für Klinsmann] schon positioniert: Matthias Sammer. Dessen Medienberater heißt Ulrich Kühne-Hellmessen und war Chefreporter bei „Bild“. Sammer wurde, unter Einsatz aller Blätter des Springer-Verlags und der üblichen Trittbrettfahrer, als neuer DFB-Sportdirektor gegen Klinsmanns Kandidaten, Hockey-Nationaltrainer Bernhard Peters, durchgeboxt. Ein Erfolg. Der Ausgang des Kampfes zwischen Klinsmann und „Bild“ ist offen. Es ist wie im Fußball. Nicht immer gewinnt der Bessere.

Symbolfoto XXXVIII

„Bild“-Hamburg druckt heute im Sportteil ein großes Foto. Darauf zu sehen: ein mit Ketten behängter und bemalter Mann (siehe Ausriss). Der dazugehörige Artikel handelt davon, dass sich die WM-Mannschaft des karibischen Inselstaates Trinidad & Tobago entschieden habe, nicht den Masseur bzw. „Kult-Kneter“ Hermann Rieger zu engagieren, sondern, wie „Bild“ gleich an mehreren Stellen schreibt, einen „Voodoo-Medizinmann“/“Voodoo-Medizinmann aus der Karibik“/“Voodoo-Zauberer“.

Das mag stimmen. Allerdings zeigt das große Foto, mit dem „Bild“ die Meldung illustriert, mitnichten, wie „Bild“* suggeriert, einen „Voodoo-Medizinmann aus der Karibik“. Vielmehr zeigt es — wie z.B. das Fußballmagazin „Rund“ und sport.ARD.de berichteten — den 41-jährigen Taxifahrer Evoloko aus der Demokratischen Republik Kongo.

*) Nur, damit es bei „Bild“ nicht heißt, der Fehler liege beim Fotografen: „Bild“ gibt zwar als Quelle „Fotos: STRUSS, IMAGO“ an, doch weder der Fotograf Werner Struß, noch die Agentur Imago haben, wie sie uns zumindest versichern, das abgebildete Foto im Angebot.

Mit Dank an Martin K. für den Hinweis und Eberhard S. für die Unterstützung.

Überraschungen wehren sich gegen „BamS“

Na, das war doch mal eine verkaufsträchtige Ankündigung auf der Titelseite der gestrigen „Bild am Sonntag“:

Alle 23 Namen: Das ist Klinsis WM-Truppe ... BamS stellt das komplette Team vor

„Deutschlands schnellstes Magazin“ ist so schnell – die wissen Dinge schon, bevor sie passiert sind! Denn eigentlich stellte Jürgen Klinsmann den deutschen WM-Kader ja erst heute mittag vor. Aber die „Bild am Sonntag“-Leute hatten entweder hellseherische Fähigkeiten oder beste Insider-Informationen — jedenfalls waren sie ihrer Sache verdammt sicher. In einen Bildtext schrieben sie:

Morgen gibt Klinsmann seinen WM-Kader bekannt. Es wird keine Überraschungen geben

Und vielleicht hätten sie da doch stutzig werden sollen, denn irgendwie gehört es doch zum Wesen von Überraschungen, dass man sie nicht vorhersagen kann. Und, siehe da, was steht heute nach der offiziellen Bekanntgabe des WM-Kaders auf vielen Nachrichtenseiten und natürlich auch bei Bild.de? Sowas:

Von den 23 Spielern, deren Namen die „Bild am Sonntag“ zu wissen behauptete, stimmten nur 20. Anders als die „Bild am Sonntag“ schrieb, sind Patrick Owomoyela, Fabian Ernst und Kevin Kuranyi nicht im Kader. Nicht auf dem Zettel hatte die „Bild am Sonntag“ dafür Thomas Hitzlsperger, David Odonkor und Mike Hanke (ausdrücklich und im Indikativ: „im Sturm setzt der Bundestrainer auf Oliver Neuville … statt auf Mike Hanke“).

Natürlich aber sind diese peinlichen Fehl-Vorhersagen nicht der „Bild am Sonntag“ anzulasten, sondern Jürgen Klinsmann.

Und noch ’ne Torte

Oh, nein! Bild.de hat es schon wieder getan!

Bevor wir jedoch darauf zu sprechen kommen, was, hier aus gegebenem Anlass zunächst ein kleiner Link zu Renate Wanner in die „Sindelfinger Zeitung“. Aber nun zurück zu Bild.de:

Dort sieht die Tortengrafik zu aktuellen „WM-Frage der Woche“ („Wurde Kahn von Klinsi fair behandelt?“) nämlich so aus:

Doch halt, nein, stopp! Das stimmt natürlich nicht. Die Bild.de-Grafik sieht gar nicht so aus, sie könnte nur, wie wir wissen, ebensogut so aussehen wie die von uns angefertigte und abgebildete Montage. Selbstverständlich sieht die echte Tortengrafik von Bild.de ganz anders aus.

Nur mit der Idee, Prozentanteile in einem Tortendiagramm so darzustellen, dass die Größe der Tortenstücke den Prozentanteilen entspricht, hat auch die echte Bild.de-Grafik nichts zu tun. Sie sieht eher so aus wie eine umdekorierte Wiederverwertung einer anderen Torte. Dabei wäre es gar nicht so schwierig für Bild.de, ein korrektes Tortendiagramm zur aktuellen WM-Frage aufzutreiben. Das findet sich nämlich heute, weltexklusiv, in der gedruckten „Bild“.

Mit Dank Alexander W. für den Hinweis.

Nachtrag, 19.40 Uhr: Bild.de hat die Grafik inzwischen geändert — und dieses Mal etwa sogar auf Anhieb korrigiert?

„Ich lese die ja nur wegen des Sportteils“

Wenn wir noch einmal kurz auf den vergangenen Bundesliga-Spieltag zurückkommen dürfen…

Es war dann nicht nur ein haarsträubender Bild.de-Artikel. Auch die beiden Kollegen von der gedruckten „Bild am Sonntag“ haben beim Spiel Gladbach — Dortmund Erstaunliches notiert:

Kehl bekommt die Kugel nicht aus dem 16er, Rafael hält aus 12 Metern drauf. Brzenska fälscht ab — 2:1 (35.).

Nur stand Brzenska gar nicht auf dem Platz. Er war nach der fünften Gelben Karte gesperrt.

Danke an Christian W. für den Hinweis!

0:4

Wir unterbrechen unser Programm für eine Warnmeldung: Im Bundesliga-Spielbericht von Bild.de kommt Ihnen eine Reihe von Falschmeldungen entgegen. Bitte weichen Sie nach Möglichkeit auf andere Informationsquellen aus. Wir informieren Sie, sobald die Gefahr gebannt ist.

Bayern – Köln. Bei Bild.de heißt es:

Poldi flankt – Feulner köpft das Leder aus abseitsverdächtiger Position ins Tor.

Richtig ist: Scherz köpft, Feulner schießt.

Bayern – Köln. Bei Bild.de heißt es:

Makaay bedankt sich, macht endlich mal wieder ein Tor.

„Endlich mal wieder“? Roy Makaay hat auch am letzten Spieltag ein Tor gemacht. Und am Spieltag davor.

Gladbach – Dortmund. Bei Bild.de heißt es:

Nach einer Ecke von Oliver Neuville kommt Nando Rafael in der 6. Minute völlig frei zum Schuß, zieht aus 10 Metern ab!

Richtig ist: Es war kein Schuss, sondern ein Kopfballtor.

Gladbach – Dortmund. Bei Bild.de heißt es:

Nach einem Gladbacher Elfmeter kriegen die Dortmunder den Ball einfach nicht unter Kontrolle. Am Ende macht Rafael sein zweites Tor.

Richtig ist: Es war kein Elfmeter, sondern eine Ecke.

Vielen Dank an Thomas H. für den Hinweis!

Nachtrag, 3. April. Am Sonntagnachmittag hat Bild.de die Fehler korrigiert.

„Bild“ streicht „Bild“

Uli Hoeneß, der Manager von Bayern München, hat dem „Stern“ ein Interview zur öffentlichen Debatte um Bundestrainer Jürgen Klinsmann gegeben. Seine Aussagen kann man unterschiedlich interpretieren. Der „Stern“ selbst moderierte sie in seiner Vorabmeldung mit den Worten an: „Der Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, unterstützt den umstrittenen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und stellt in Aussicht, dass die Bundesliga sogar weitere Länderspiele vor der WM möglich machen könnte.“ „Bild“ wählte die Variante: „Hoeneß faltet Klinsi zusammen.“

„Bild“ zitiert Hoeneß aus dem „Stern“ unter anderem so:

Klinsmann braucht diesen großen Befreiungsschlag. Er muß einsehen, daß Sturheit und Eigensinn keine Chance haben. Da steht ein Volk von knapp 80 Millionen Leuten dagegen, mit all deren Bataillonen, die jetzt aufgefahren werden. Das hält kein Mensch aus. Die Mächte sind gegen ihn.“

Doch das Original-Zitat ist länger. „Bild“ hat es u.a. in der Mitte gekürzt. Im „Stern“ nennt Hoeneß Namen:

Da steht ein Volk von knapp 80 Millionen Leuten dagegen, mit all den Bataillonen, die jetzt aufgefahren werden. Von der „Bild“-Zeitung bis zur „Süddeutschen“. Alle. Das hält kein Mensch aus.

Ja, die eigene Rolle fand „Bild“ da wohl nicht so relevant. Man fährt ja bekanntermaßen keine Kampagne gegen Klinsmann.

PS: „Focus Online“ hat Hoeneß‘ Zitat auf die gleiche Art gekürzt. Dort tauchte das Thema auch erst heute auf, nachdem „Bild“ darüber berichtete — und nicht schon gestern nach der Meldung des „Stern“. „Focus Online“ zitiert aus dem langen „Stern“-Gespräch nichts, was nicht in dem viel kürzeren „Bild“-Artikel stand. Grad so, als hätte man die „Stern“-Zitate nicht aus dem „Stern“, sondern aus „Bild“ abgeschrieben.

Danke an Michael L. für den Hinweis!

Lange Feindschaft

Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ berichtete gestern in einem ausführlichen Beitrag über „das Geben und Nehmen zwischen Profi-Fußball und „Bild“-Journaille“ und die erstaunliche Macht, die die „Bild“-Zeitung in diesem Bereich hat und mit zweifelhaften Methoden aufrecht erhält. Unter anderem ging es dabei auch um die Hintergründe der Kampagne gegen Jürgen Klinsmann, mit dem „Bild“ eine jahrelange Feindschaft verbindet.

Freddie Röckenhaus, Sportjournalist: „Die ‚Bild‘-Zeitung ist natürlich gewöhnt, dass die wichtigen Figuren im deutschen Fußball mit ihr besonders kooperieren. Das heißt, dass die ‚Bild‘-Zeitung Zugang zu besonderen Informationen hat, diese Informationen früher bekommt und so weiter. Das hat sich ja über die Jahrzehnte eingeschliffen, weil eigentlich alle wichtigen Personen im deutschen Fußball immer kooperationsbereit waren. Klinsmann ist das von Anfang nicht gewesen.“

Moritz Müller-Wirth, „Die Zeit“: „Das beste Beispiel ist, dass die ‚Bild‘-Zeitung immer schon am Spieltag der Länderspiele die korrekte Mannschaftsaufstellung im Blatt hatte – als einzige Zeitung und als einziges Medium. Klinsmann hat das abgeschafft und hat die Mannschaftsaufstellung seither immer am Spieltag allen Journalisten gleich zur Kenntnis gegeben.“

(Die Sendung wird am Freitag um 15.30 Uhr auf 3sat wiederholt.)

Na, zufrieden? (2)

Okay, wir kapitulieren…

Und man kann uns nicht vorwerfen, wir hätten’s nicht versucht: Nachdem Bild.de am vergangenen Sonntag eine Werbung Meldung von Postbank und „Bild am Sonntag“ übernommen und diese mit einer Tortengrafik illustriert hatte (siehe Ausriss), hatten wir auf deren augenfällige Unsinnigkeit* hingewiesen.

Anders als in vielen, vielen anderen Fällen hatte sich Bild.de daraufhin jedoch nicht entscheiden können, die falsche Grafik zu korrigieren (oder — als probate Alternative — ersatzlos zu streichen), weshalb wir heute nachmittag einfach mal eine Mail an die Bild.de-Redaktion geschickt haben.

Eine Antwort erhielten wir nicht. Aber das hanebüchene Ergebnis unserer Bemühungen sieht nun so aus:

*) Sinn und Zweck einer Tortengrafik ist es, Teilwerte eines Ganzen wie Kuchenstücke aussehen und dadurch anschaulich werden zu lassen. Und das funktioniert natürlich nur, wenn der Zuckerbäcker nicht irgendwelche Teigklumpen unter den Tisch fallen lässt. Die Konditorei „BamS“ weiß, wie’s geht.

Nachtrag, 16.3.2006: Entgegen anderslautender Vermutungen hat der diensthabende Zuckerbäcker von Bild.de offenbar gar nicht selbst gebacken, sondern nur irgendeine andere alte Torte aus dem Müll gefischt und umdekoriert. Auch schlimm.

Mit Dank an Matthias R. für den Hinweis.

Na, zufrieden?

Dass der Vorwurf, es habe eine Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen Jürgen Klinsmann gegeben, „blanker Unsinn“ sei, ist ja schon länger bekannt.

Und was genau man sich unter blankem Unsinn vorzustellen hat, zeigt die aktuelle „Sonntagsfrage zur WM“, die kürzlich „im Auftrag von Postbank und ‚Bild am Sonntag'“ wie folgt beantwortet wurde:

„Die Kritik an Jürgen Klinsmann schlägt sich jetzt auch auf die Zufriedenheitswerte mit seiner Arbeit nieder.“

Aussage von Postbank und „BamS“ stützte sich auf folgende Umfrageergebnisse: 39 Prozent der Befragten äußerten sich zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit Klinsmann, 28 Prozent unentschieden und die übrigen 33 Prozent weniger oder nicht zufrieden, was für „eine der größten Privatkundenbanken Deutschlands“ und „Europas größtes Sonntagsmedium“ folgende Überschrift nahelegte:

Nur 5 Prozent sind sehr zufrieden mit Klinsmann

Blankerer Unsinn ist da eigentlich nur die Grafik, mit der Bild.de die „Sonntags-Frage zur WM“ illustriert:

Mit Dank an Jürgen G. für den Hinweis.

Mehr dazu hier.

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