Archiv für Privates

Zurechtschreibung

Ironie [zu griech. eironeia „Verstellung, Scheinheiligheit, Vorwand“]: Redeweise, bei der das Gegenteil des eigtl. Wortlauts gemeint ist.

So jedenfalls steht’s im Lexikon. Aber das nur nebenbei. Denn in der „Bild“-Rubrik „Gewinner & Verlierer“ steht heute Otto Schily, weil er die neue Rechtschreibung „boykottiert“. Und zwar so:

„Stur schreibt der SPD-Politiker seine persönliche Post weiter nach den alten Regeln.“

Warum ihn das in einer Zeitung, die seit dem 1.8.1999 selbst nach den neuen Regeln schreibt, zum „Gewinner des Tages“ macht? Keine Ahnung. Andererseits kann einer, der (laut „Bild“) „denkt und schreibt wie die Mehrheit der Deutschen„, (für „Bild“) ja kein „Verlierer“ sein.

Wir müssen leider draußen bleiben

Michel Friedman und Bärbel Schäfer haben geheiratet.

„‚Ja, es stimmt – wir haben geheiratet‘, bestätigte der Bräutigam gestern Nachmittag gegenüber BILD. Dabei sollte erst alles ganz geheim bleiben…“

schrieb die „Bild“ am Samstag über ihr „Protokoll der überraschendsten Hochzeit des Jahres“, das bei genauerem Hinsehen eher das Protokoll einer berichterstatterischen Niederlage ist. Sieben Namen stehen in der Autorenzeile, darunter auch der von Kitti Pohl. Mindestens drei Stunden war die Co-Reporterin offenbar um ein Lokal gestromert, in das die Frischvermählten zu einem Umtrunk geladen hatten. Doch weil die „Bild“ nicht auf der Gästeliste stand, war die Ausbeute vor Ort mehr als mäßig:

„Aus dem Lokal ertönte lautes Klatschen, als Friedman sagte: ‚Bärbel ist das größte Geschenk meines Lebens.'“

Naja. „Um 16 Uhr war die Feier bereits zu Ende“, schrieb „Bild“ sichtlich enttäuscht dazu, was allerdings die „BamS“ nicht davon abhielt, tags drauf auf einer halben Seite abermals über Friedmanns „glücklichsten Tag seines Lebens“ zu berichten, obwohl sie besagtem Satz vom „größten Geschenk“ nichts als ein paar weitere (O-Ton „BamS“) „wenig überraschende Worte“ aus o.g. Friedman-Ansprache hinzuzufügen wusste, die Kitti Pohl, diesmal alleinige Autorin, in der „Bild“ nicht untergebracht hatte: „So, das war es jetzt. Auf euer Wohl. Danke, dass ihr da seid!“ zum Beispiel.

PS: Noch besser Bescheid weiß die „BamS“ nur über Jürgen Trittin. Der mache aus seinem Geburtstag am kommenden (!) Sonntag nämlich „ein Staatsgeheimnis“, behauptet Martin S. Lambeck unter der (ähm, etwas missverständlichen) Überschrift „Pssst! Trittin feierte heimlich seinen 50.“ – „Früher“, so Lambeck, „gab’s an Trittin-Geburtstagen eine Feier in seiner Wohnung in Niederschönhausen. Was diesmal (…) passiert, weiß niemand.“

„BamS“ sprach zuerst mit der Toten

Wie exklusiv ist eigentlich die Nachricht von Inge Meysels Tod?
Immerhin so exklusiv, dass die „Bild am Sonntag“, als sie am Samstag vom Ableben der 94-Jährigen erfuhr, noch fix eine entsprechende Vorabmeldung herausgegeben hatte, die von der Nachrichtenagentur AFP um 15.08 Uhr brav unter folgender Überschrift weiterverbreitet wurde:

„BamS“: Inge Meysel ist tot +++ Sperrfrist 20.00 Uhr +++

(Noch exklusiver ist da wohl nur Bild.de: „Gestern um 11 Uhr wurde der Sarg mit Inge Meysels Leichnam nach Harburg zu einem Bestattungsunternehmen gebracht“, heißt es auf Seite 16 der gedruckten „BamS“, was in der Online-Version durch den dankenswerten Hinweis ergänzt wird, dass dies „in einem silberfarbenen Mercedes“ geschah.)

Mulholland-Marlon statt Florida-Rolf

Ach, echt? „Bild“ jedenfalls weiß von einer „mageren Staatspension“ zu berichten – und wird am Ende der Meldung endlich konkret: „Nach eigenen Angaben lebt Brando von einer 2700-Euro-Pension, die ihm die Schauspieler-Gewerkschaft zahlt. Hinzu kommen noch 850 Euro staatliche Rente.“ Aber, äh, wie war nochmal die Überschrift?

Blättern:  1 ... 17 18 19 20 21