Archiv für Moralisches

Lachen mit „Bild“

Beispielsweise im Jahr 2004 wurden laut Kriminalstatisik von der Polizei 8831 Vergewaltigungsfälle erfasst, davon 2551 überfallartig durch Einzeltäter, 224 überfallartig durch Gruppen, 335 durch Gruppen und 10 mit Todesfolge. Hinzu kommen 6792 Fälle sonstiger sexueller Nötigung und 26.224 Fälle sexuellen Missbrauchs. Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lag bei 57.306. Die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen wird auf das 10- bis 20-fache der erfassten Fälle geschätzt.

Und das ist ungefähr so lustig wie die Schlagzeile, die heute in Teilen Deutschlands auf Seite 3 der „Bild“-Zeitung und bei Bild.de zu finden ist:

Im Ernst: Wie lange wird es dauern, bis dieselben „Bild“-Redakteure auf derselben Seite womöglich „Froschmann vergewaltigt und tötet Fischverkäuferin“ titeln? Und schreiben sie dann etwa als Erklärung für die Tat auch wieder lapidar: „Der Frühling ist da, die Triebe spielen verrückt (…)“?

Vergewaltigung ist die extremste Form sexualisierter Gewalt. Für „Bild“ ist es nur ein Wort.

Mit Dank an die Hinweisgeber und Spirit of Entebbe für den Scan.

Sensation: „Bild“ veröffentlicht Kekilli-Rüge!

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse funktioniert. Im Februar des Jahres 2004 berichtete „Bild“ unter Überschriften wie „Deutsche Filmdiva in Wahrheit Porno-Star“ mehrfach verächtlich über die Schauspielerin Sibel Kekilli*. Nur zehn Monate später kassierte das Blatt dafür eine heftige Rüge vom Deutschen Presserat. Und nur fünfzehn weitere Monate später, insgesamt also über zwei Jahre nach ihren ursprünglichen Berichten, entledigt sich „Bild“ der Selbstverpflichtung, diese Rüge zu veröffentlichen. Heute, fast ganz unten auf Seite 4:

Presserat rügt BILD. Wegen der Berichterstattung im Februar 2004 über die Schauspielerin Sibel Kekilli hat der Deutsche Presserat eine Rüge gegen BILD nach Ziffer 1 und 12 Pressekodex ausgesprochen.

(Ja, das ist die komplette Meldung. Und als Größenvergleich rechts im gleichen Maßstab ein kleines „g“ der Hauptschlagzeile von Seite 1.)

Natürlich wissen die „Bild“-Leser, dass sich hinter Ziffer 1 des Pressekodex „die Wahrung der Menschenwürde“ als eines der „obersten Gebote der Presse“ verbirgt. Und hinter Ziffer 12 das Verbot, jemanden aufgrund seines Geschlechtes oder seiner Zugehörigkeit zu einer „rassischen, ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe“ zu diskriminieren. Klar, das musste „Bild“ nicht erklären.

Und sicher war den „Bild“-Lesern auch bekannt, wie der Presserat seine Rüge begründete. Dass nämlich die „Bild“-Berichterstattung die Betroffene „entwürdigt“ hätte. Denn, so wörtlich:

„Das öffentliche Interesse deckt eine Form der Berichterstattung nicht, in der die Persönlichkeit der Betroffenen auf das reduziert wird, was man über diese in den Klappentexten von Pornofilmkassetten lesen kann.“

Diesen Satz — und damit genug der Ironie — hat „Bild“ nicht verstanden. Aus der Rüge sei für die „Bild“-Redaktion „nicht eindeutig“ hervorgegangen, über welche Verfehlungen sie die Leser hätte informieren wollen, sagte im Februar 2005, ein Jahr nach den ursprünglichen Berichten, ein „Bild“-Sprecher. Man habe daher den Presserat gebeten, die Ausführungen zu präzisieren. Die Zwischenzeit hatte „Bild“ genutzt, in anderer beleidigender Form über Kekilli zu berichten. Zweimal untersagten Gerichte dies, einmal mit der Begründung, Kekilli sei im Rahmen einer Kampagne von „Bild“ „in höhnischer Weise herabgesetzt und verächtlich gemacht“ worden. „Ein derartiger Eingriff in die Würde eines Menschen“ sei durch die Freiheit der Berichterstattung „nicht mehr gedeckt“.

Ein knappes Jahr später hatte der „Bild“-Sprecher eine neue Begründung dafür, dass „Bild“ die Rüge noch nicht abgedruckt hatte. Im Januar 2006 sagte er, die Rüge sei „unter schweren Verstößen gegen die Verfahrensordnung zustande gekommen“ und man warte seit vielen Monaten auf eine Erklärung des Presserates, wie nun zu verfahren sei. Gleichzeitig wartete der Presserat nach eigener Auskunft darauf, dass „Bild“ die insgesamt sechs noch nicht abgedruckten öffentlichen Rügen aus dem Jahr 2004 noch drucken würde.

Offenbar hat man inzwischen miteinander gesprochen, verhandelt, gefeilscht, erklärt. Und damit die Mühe nicht umsonst war, zeigen wir einfach noch mal das Ergebnis dieses jahrelangen Vorgangs:

Das wird „Bild“ eine Lehre sein.

*) Die „Bild“-Autoren Bernhard Kelm und Patricia Dreyer veröffentlichten die Details über Kekillis Vergangenheit unmittelbar nachdem der Film „Gegen die Wand“ mit ihr in der Hauptrolle den Goldenen Bären gewonnen hatte. Die Zeitung „berichtete“ über Kekilli unter anderem: „Blasen gehört neben Doggystyle zu ihren bevorzugten Sexualpraktiken“ und veröffentlichte, auch online, Bilder aus den Pornos („klicken Sie hier“). Kekilli sagte danach gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Die ‚Bild‘-Zeitung sagt mir zum Beispiel: Wir wollen jetzt an deine Eltern ran. Aber wir können sie in Ruhe lassen, wenn du uns ein Interview gibst. Ich laß mich ganz bestimmt von denen nicht erpressen.“
 

(Weiterlesen: Presserat: Mehr Rüge muss nicht sein.)

„Bild“ quälen Steuer-Fragen

Ein junger Mann hat vor kurzem in Groitzsch seine eigene Mutter angefahren, die laut Polizeibericht „aus bisher nicht bekannter Ursache auf die Fahrbahn lief“. Sie musste daraufhin schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden.

„Bild“ fragt sich nun dies:

"Mutter überfahren! Warum durfte ER ans Steuer?"

Und als Leser fragt man sich, was der Mann wohl angestellt hat, das „Bild“ zu der Frage animiert, warum er ans Steuer durfte. Man könnte das ganz einfach beantworten: Nichts. Doch „Bild“ ist offenbar anderer Auffassung: Der Mann hatte nämlich Knochenkrebs. Deshalb musste ihm der Oberschenkel amputiert werden, und er trägt seither eine Prothese, dank der er offenbar wieder Sport treiben und eben auch Auto fahren kann. Und bei „Bild“ heißt es:

Die quälende Frage: Hat er Mutti wegen seines Handicaps überfahren?

Wir wissen nicht, wen diese Frage außer „Bild“ noch quält. Die Polizei jedenfalls nicht. Zwar ermittelt sie tatsächlich wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den jungen Mann. Das hat aber laut Auskunft eines Sprechers nichts mit der Behinderung zu tun, sondern schlicht und einfach damit, dass sie das fast immer tut, wenn bei Verkehrsunfällen Menschen verletzt werden. Bei „Bild“ liest sich dieser Sachverhalt so:

Polizeisprecher Jürgen Staudte: „Trotzdem ermitteln wir gegen David K. wegen fahrlässiger Körperverletzung.“
(Hervorhebung von uns.)

Ob Behinderte an einem Unfall beteiligt sind oder nicht, spielt für die Polizei jedenfalls grundsätzlich keine Rolle. Für „Bild“ offenbar schon.

Mit Dank an Anke S. für den sachdienlichen Hinweis.

Aus für „Puff-Politiker“

Die „Bild“-Zeitung wird den rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Gert Winkelmeier nicht mehr „Puff-Politiker“ nennen. Sie gab am vergangenen Freitag eine entsprechende Unterlassungserklärung ab. Alle Artikel über Winkelmeier sind inzwischen aus dem Angebot von Bild.de entfernt worden.

Winkelmeier wurde vor rund zehn Jahren Miteigentümer eines Hauses in Neuwied. Zu den Mietern gehörten unter anderem auch Prostituierte, die dort ihrer Arbeit nachgingen. Nachdem die Rhein-Zeitung darüber berichtet hatte, griff „Bild“ den Fall groß auf. Drei Tage in Folge berichtete das Blatt — an jedem Tag stand das Wort „Puff-Politiker“ in der Überschrift, meist noch mehrere Male im Artikel selbst.

Dass das unzulässig ist, stehe außer Frage, sagt uns Winkelmeiers Anwalt Jony Eisenberg. Nicht nur, weil dem Politiker keineswegs vorgeworfen werde, selbst als Zuhälter gearbeitet oder das Bordell betrieben zu haben. Sondern auch, weil es sich um eine unzulässige „Schmähung“ handele, mit dem Ziel, den Mann verächtlich zu machen. Offensichtlich sei das auch „Bild“ bewusst gewesen – das Blatt habe nach einer Abmahnung die Unterlassungserklärung abgegeben, ohne dass ein Gerichtsurteil nötig gewesen sei.

Die „Bild“-Zeitung darf Winkelmeier, der inzwischen die Fraktion der Linkspartei verlassen hat, also nicht mehr „Puff-Politiker“ nennen. Aber sie war ja ohnehin mit ihm fertig.

„‚Bild‘ ist entschieden schlimmer geworden“

In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ kommt Michael Nauman, Herausgeber der „Zeit“ (die wie der „Tagesspiegel“ zum Holtzbrinck-Konzern gehört), auch auf „Bild“ zu sprechen:

„Die Enträtselung und Entwürdigung von Frauen durch Reklame macht immer neue Fortschritte. Wenn ich das ergänze mit einer der Haupteinnahmequellen der ‚Bild‘, mit Zuhältereien in den so genannten Kontaktanzeigen, die dem Verlag jedes Jahr Millionen bringen – also, ich stehe fassungslos davor. (…) Meine Verachtung richtet sich gegen die altbekannten publizistischen Schweinereien. Inklusive dieser frauenverachtenden Unterstützung von Zwangsprostitution, die vorne als Skandal vorgeführt und hinten verkauft wird. ‚Bild‘ ist entschieden schlimmer geworden. Darum verliert sie Auflage.“

Im selben Interview sagt Michael Naumann über den „Bild“-Chefredakteur und -Herausgeber Kai Diekmann:

„Herr Diekmann ist ja offenkundig nur zu zwei Gefühlsregungen in der Lage: Enthusiasmus – ‚Wir sind Papst‘ – und Verachtung: vor allem für seine Leser und vielleicht auch für seine Kritiker.“
(Link von uns.)

Schlechtes Gespür

Ja, es stimmt tatsächlich, „Bild“ hatte am vergangenen Dienstag exklusiv berichtet, dass der Fußballnationalspieler Kevin Kuranyi einen Werbevertrag mit der Softwarefirma Microsoft unterschrieben hat. Oder, in den Worten von „Bild“:

Im Text, dessen einzige Quellen offenbar die Vermarktungsfirma Sportfive und Kuranyi selbst sind, heißt es so schön:

Was für ein Jahr für Kevin Kuranyi. (…) und jetzt ist er auch noch der begehrteste deutsche Spieler. Sogar US-Milliardär Bill Gates will ihn! Der reichste Mann der Welt holt sich (…) die besten Spieler der Welt (…). Und aus Deutschland eben Kuranyi! Nicht Ballack, nicht Kahn — für Microsoft ist der Schalke-Stürmer der richtige Mann.

Und dann darf Sven Müller von der Vermarktungsfirma Sportfive, die laut „Bild“ den Kontakt zwischen Microsoft und Kuranyi hergestellt hat, ausführlich zu Wort kommen, Kuranyi ein wenig lobhudeln und mit folgenden Worten schließen:

„Mit der Firma Rogon und Roger Wittmann hat er ein seriöses Team um sich.“

Nun ja, wir wissen zwar nicht, warum dieses PR-Gewäsch diese Information unbedingt in den Text musste, dafür aber, dass man über die Seriosität der Firma Rogon geteilter Meinung sein kann, wie sich heute beispielsweise im „Tagesspiegel“ nachlesen lässt, und wie es gestern im „Kölner Express“ stand.

Aber das sei hier nur nebenbei erwähnt. Ebenso wie die Tatsache, dass es sich bei dem Deal zwischen Microsoft und Kuranyi laut „Bild“ um einen „Millionen-Vertrag“ handeln soll, während „Express“ und „Tagesspiegel“ bloß von 200.000 Euro bzw. 300.000 bis 400.000 Dollar Honorar ausgehen.

Der „Express“ macht auch ansonsten einen recht gut informierten Eindruck und wusste gestern schon, dass Lukas Podolski ein ähnliches Angebot der Firma Microsoft erhalten hatte:

Für Gates´ Imperium Microsoft sollte Poldi während der WM unter anderem ein Internet-Tagebuch führen. Dafür hätte der 20-Jährige 300.000 Euro kassiert. Podolskis Berater sagte ab.

In demselben Artikel konnte man gestern auch nachlesen, dass zuvor bereits Oliver Kahn und Michael Ballack entsprechende Anfragen „abgeblockt“ hatten. Womit wir wieder bei „Bild“ wären. Die schreibt nämlich heute, zwei Tage nach der Jubel-Meldung über den Deal zwischen Kuranyi und Microsoft und einen Tag nach dem „Express“-Artikel dies:

Aha. Der Text endet mit folgenden Worten:

Da hatten die zuerst gefragten Kahn, Ballack und Podolski ein besseres Gespür. Und das Angebot gleich abgelehnt…

Fassen wir also zusammen: Erst verbreitet „Bild“ eine PR-Meldung mit Begeisterung als Exklusiv-Geschichte und überlässt die Recherche anderen. Und wenn die dann herausfinden, dass es gar keinen Grund zur Begeisterung gibt, ist „Bild“ enttäuscht. Vom eigenen Überschwang bleibt bloß der Satz: „BILD berichtete exklusiv“ — und Häme.

P.S.: Die Nachrichtenagentur dpa gab übrigens am Dienstag unter Berufung auf „Bild“ eine Meldung heraus, die die Überschrift trug: „Kuranyi deutsche Werbe-Lokomotive für Microsoft — Millionenvertrag“. Und heute berichtet die „Netzeitung“ über den „Ärger um Kuranyis Microsoft-Vertrag“. Dabei geht sie fälschlich davon aus, dass es sich bei den Absagen von Kahn, Ballack und Podolski um „Bild“-Informationen handelt. Auch nicht schön.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Hendrik G.

Was „Bild“ die „Sprache der Wahrheit“ nennt

„Mit über 12 Millionen Lesern täglich ist uns auch die Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft ein ernstes Anliegen.“
(„Bild“-Chef Kai Diekmann zu Johannes Paul II. und in „Bild“)

„Wir sind Papst!“ schrieb „Bild“ vor gar nicht allzulanger Zeit. Und zuvor war „Bild“ selbst beim Papst, hatte eine Volks-Bibel verkauft usw.

Gestern lautete die „Bild“-Schlagzeile anders: „Wird sie geköpft?“ nämlich (was ja schon den Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“, Michael Naumann, zu drastischen Worten greifen ließ).

Heute nun hat sich auch die Katholische Kirche, genauer gesagt, der Diözesanrat der Erzdiözese München und Freising als höchstes Laiengremium der Erzdiözese mit deutlichen Worten gegen den „Wird sie geköpft?“-Titel (anlässlich der Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak) gewandt. Das Gremium wirft den Verantwortlichen der „Bild“-Zeitung vor, „unter bewusster Missachtung der Menschenwürde die Auflage steigern“ zu wollen, „mit sprachlicher Brutalität Schicksal gespielt“ und die Pressefreiheit „missbraucht“ zu haben.

PS: Bei Spiegel Online heißt es zudem, es seien inzwischen sechs Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen. Dort wird auch auf die Nachrichtenagentur ddp verwiesen, wonach die Mutter der Geisel „geschockt“ sei über den „Wahnsinn“ einiger Medien, das Schicksal ihrer Tochter so auszuschlachten.

PPS: Bei „Bild“ sieht man die Sache natürlich offenbar anders. Laut dpa sagte ein „Bild“-Sprecher, es gehe der Zeitung „allein darum, mit der Sprache der Wahrheit diesen abscheulichen und widerlichen Akt des Terrors, nämlich einen angekündigten Mord, deutlich beim Namen zu nennen, auch wenn dies schrecklich sei“.

Mit Dank an Roland B. und andere für die Hinweise.

Über den „Irrsinn dieses Blattes“

„Schluss, der Irrsinn dieses Blattes und seine millionenfache Ruchlosigkeit sind ansteckend wie Aids und haben in Wirklichkeit schon längst die Abdankung von Takt und Mitleid im weiten Kreis seiner Leser zur Folge gehabt.“

Das schreibt Michael Naumann, Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“, über „Bild“ — beziehungsweise die heutige „Extra-Ausgabe der Morallosigkeit dieses Zentralorgans des moralischen Analphabetismus“:

Der Wunsch nach Rache ist verbreitet

Schau|pro|zess, der (abwertend): auf propagandistische Massenwirkung angelegtes öffentliches Gerichtsverfahren.
Duden, 5. Auflage

„Bild“ macht heute Jörg Armbruster zum Verlierer des Tages. Der ehemalige Nahost-Korrespondent der ARD hat vorgestern im „Tagesthemen“-Kommentar die Befürchtung geäußert, dass der Prozess gegen Saddam Hussein zum „Schauprozess“ werden könnte. Außerdem ist Armbruster der Meinung, dass „der Sinn für Gerechtigkeit“ im Irak noch unterentwickelt sei, der „Wunsch nach Rache“ hingegen sei verbreitet. Deswegen fragt „Bild“:

Entdeckt da jemand sein Herz für Saddam?

Am Ende steht:

BILD meint: Erst denken, dann reden!

Und wir möchten die Aufforderung gerne zurückgeben. Schließlich bezeichnet Armbruster Saddam in seinem Kommentar mehrfach als „Massenmörder“, wirft ihm mehrfach Folter und Vertreibung vor und sagt:

Zehntausende Iraker ließ der Diktator hinrichten, sie hatten keine Chance sich zu verteidigen, sie kamen erst gar nicht auf die Anklage- sondern gleich auf die Folterbank.

Armbrusters abschließende Sätze zeigen eigentlich recht deutlich, worum es ihm geht:

Sie [die Richter] müssen dem Massenmörder Saddam einen juristisch einwandfreien Prozess bieten. Nur so können sie die Iraker überzeugen, dass es so etwas gibt wie eine demokratische Justiz im neuen Irak, erst so bekommt der Prozess einen tieferen Sinn. Denn kein Strafmaß kann die Verbrechen Saddams je wieder gut machen.

Wie kommt man bei „Bild“ also dazu, Armbruster vorzuwerfen, er habe „sein Herz für Saddam“ entdeckt? — Armbruster sagt:

Den Satz, auch ein Schwerverbrecher hat einen Anspruch auf einen fairen Prozess, diesen wichtigen Satz verstehen viele Iraker nicht.

Offenbar nicht nur die.

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